Seminarauftakt „Internationale Höhere Führung 2015“

Autor: Matthias Langner; Fotografin: Katharina Junge

Hamburg, 22.09.2015

 

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Senior-Mentor des Seminars: Generalleutnant a.D. Jürgen Bornemann

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Lego Serious Play

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Professor Dr. Sven Bernhard Gareis (Mitte) im Gespräch mit Seminarteilnehmern

Am Montag, dem 14. September 2015, begann das Seminar „Internationale Höhere Führung". Beim Willkommensabend in der Gemeinsamen Heimgesellschaft kamen 23 Teilnehmer und die Seminarleitung zum Auftakt an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg zusammen.

Die Organisation und Leitung des Seminars erfolgt durch den Fachbereich Sicherheitspolitik und Strategie der Akademie und dem zuständigen Dozent, Kapitän zur See Joachim Gutow. Im Fokus stehen die Weiterbildung, der Erfahrungsaustausch und das Pflegen und Erschließen von Netzwerken im Bereich der internationalen Sicherheitspolitik.

23 Europäer und 12 Amerikaner

Die Teilnehmer des Seminars sind zivile und militärische Führungskräfte ab der Dotierung A16 oder höher. Diese werden vom Bundesministerium der Verteidigung und dem Bundesamt für Personalmanagement der Bundeswehr ausgewählt. Auch ausländische Stabsoffiziere der NATO- und EU-Partner sowie Stabsoffiziere der Reserve in vergleichbaren Ebenen können teilnehmen.

In diesem Jahr besteht das Seminar aus 20 deutschen Teilnehmern. Zusätzlich nehmen je ein Stabsoffizier aus Österreich, der Schweiz und Frankreich teil. Ein weiteres Ziel ist es, die transatlantische Partnerschaft zu vertiefen. Dazu soll der Meinungs- und Erfahrungsaustausch mit gleichrangigen amerikanischen Spitzenbeamten und Stabsoffizieren beitragen. Deshalb werden 12 Angehörige der U.S. Streitkräfte für 10 Tage am fünfwöchigen Seminar teilnehmen.

Senior-Mentor – erfahrene Begleitung

Als sogenannter Senior-Mentor begleitet Generalleutnant außer Dienst (a.D.) Jürgen Bornemann das Seminar. Er verfügt über einen großen Erfahrungsschatz in der Sicherheitspolitik. Bornemann wurde am 25. Juni 2013 mit einem Großen Zapfenstreich in den Ruhestand aus der Bundeswehr verabschiedet. Zuletzt war er Director Military Staff im NATO-Hauptquartier in Brüssel.

Eine Woche im Hörsaal

Die erste Woche des Seminars fand im Hörsaal an der Führungsakademie in Hamburg statt. Im Vordergrund standen dabei sicherheitspolitische Themen, die sich mit der deutschen und europäischen Außen- und Sicherheitspolitik sowie internationalen Organisationen befassten. Auch die aktuellen Herausforderungen in Verbindung mit der anhaltenden Flüchtlingsdebatte und deren Ursachen wurden engagiert diskutiert. Die gegenwärtigen Entwicklungen in der NATO nach dem Gipfel von Wales wurden vom Senior-Mentor vorgestellt. Ein besonderer regionaler Fokus richtete sich auf die Volksrepublik China, die Russische Föderation sowie den Nahen und Mittleren Osten.

Der Fachbereich Militärische Führung und Organisation gestaltet ebenfalls einen Tag in der ersten Seminarwoche. Mit der Methode „Lego Serious Play“ wurde eine für Führungskräfte eher ungewöhnliche Lösungsstrategie für komplexe Probleme praxisnah vermittelt.

OSZE, Russische Föderation und Ukrainekrise

In Vorträgen zu der Russischen Föderation und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) erhielten die Seminarteilnehmer umfangreiche Informationen zu Russland selbst, der OSZE als System gegenseitiger kollektiver Sicherheit und den Akteuren und Entwicklungen in der Ukrainekrise.

Außerdem konnte der Hörsaal an einer zusätzlichen Vortragsveranstaltung der Führungsakademie teilnehmen. Oberst im Generalstabsdienst (i.G.) Axel Schneider vom Zentrum für Verifikationsaufgaben der Bundeswehr berichtete von seinen Erfahrungen als Militärbeobachter und Teamchef der OSZE in der Ostukraine. Auch seine dortige Gefangenschaft in Slawjansk stand im Fokus des Vortrags. Besonders von Interesse für alle Zuhörer waren die sogenannten „lessons learnt“, die sich für Oberst Schneider aus dieser Zeit ergeben haben.

China's Grand Strategy

„Der chinesische Traum“ von Xi Jinping, dem amtierenden Parteichef und Staatspräsidenten der Volksrepublik China - was versteht man darunter? Dieser komplexen und aktuellen Frage gingen die Seminarteilnehmer unter anderem beim Thema China als „Regional- und Globalmacht“ nach.

Professor Dr. Sven Bernhard Gareis ist Fachmann für das Reich der Mitte. Er beherrscht die Sprache, bereist das Land regelmäßig und hat vor Ort mehrere Jahre gearbeitet. Dadurch konnte er den Teilnehmern Einblicke in die historische Entwicklung seit dem Ausruf der Volksrepublik China unter Mao Zedong im Jahr 1949 bis hin in die gegenwärtige Zeit unter Xi Jinping geben, die eine deutlich mitgestaltende Rolle in der Weltpolitik anstrebt. Auch die Bedeutung des früheren Staatsmannes Deng Xiaoping, der China 1978/79  mit der Reform- und Öffnungspolitik in eine neue Zukunft führte, wurde unterstrichen.

„Zurück auf die Weltbühne!“, doch wie und zu welchem Preis? Über diese These debattierten die Führungskräfte mit Professor Gareis. Wesentliche Chancen und Risiken des chinesischen Aufschwungs und Machtanspruches wurden dabei betrachtet. Auch die innenpolitischen Herausforderungen der sich spaltenden Gesellschaft zwischen Arm und Reich, Umweltprobleme, Korruption, Überalterung und mangelnde Rechtssicherheit wurden beleuchtet.

Eine Frage wurde jedoch intensiv diskutiert: Wie sollen wir in Zukunft mit China umgehen? Augenhöhe mit den USA, außenpolitische Interessen oder innerparteiliche Ansprüche – um diese Aspekte entspann sich eine lebhafte Diskussion.

Fortsetzung folgt

Wir werden Sie in den kommenden Wochen regelmäßig auf der Homepage der Führungsakademie der Bundeswehr über das Seminar „Internationale Höhere Führung 2015“ informieren.

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