Capstone Course 2017 - Hochwertausbildung diesseits und jenseits des Atlantiks

Autor: Daniel Giese; Fotos: Bundeswehr

Hamburg, 23.11.2017

Admiral Stawitzki bei der Ansprache zum Volkstrauertag

 

3. v.l. Bezirksamtleiterin Dr. Liane Melzer, 4. v.l. Generalkkonsul Frankreich Laurent Toulouse

 

Internationale Teilnehmer am Volkstrauertag

 

Die britische Band

 

Ansprache des französischen Generalkonsuls Laurent Toulouse

 

Deutsche Offiziere legen Kranz nieder

 

 

 

 

Der „Deutsche Capstone Course“ (DCC) ist der Spitzenlehrgang für Führungskräfte der deutschen Streitkräfte. Der Begriff „capstone“, englisch für Schlussstein, ist dabei Programm, denn bei diesem Hochwertlehrgang handelt sich um den Abschluss eines langjährigen Ausbildungsprozesses. Der dreiwöchige Kurs, der einmal jährlich im Auftrag des Generalinspekteurs von der Führungsakademie der Bundeswehr durchgeführt wird, dient der sicherheitspolitischen Weiterbildung von ernannten oder angehenden Generalen und Admiralen sowie vergleichbaren Beamten aus dem Zuständigkeitsbereich des Bundesministeriums der Verteidigung. Im Fokus steht dabei in jedem Jahr eine andere Weltregion.

Die 16 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des 5. Deutschen Capstone Course reisten in der zweiten Oktoberhälfte nach Italien, Frankreich und Großbritannien sowie in die USA, nachdem im Vorjahr Südostasien auf dem Programm gestanden hatte. Neben Spitzenkräften der Bundeswehr umfasste die Delegation jeweils eine Teilnehmerin aus dem Auswärtigen Amt sowie aus dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, was nicht nur die inhaltlichen Diskussionen in der Gruppe bereicherte, sondern auch den übergreifenden inhaltlichen Ansatz des Lehrgangs unterstrich.

Ziel des Kurses unter Leitung von Oberst i.G. Jürgen Schrödl, Fakultät Politik, Strategie und Gesellschaftswissenschaften der Führungsakademie, und in Begleitung von „Senior Course Director" General a.D. Rainer Schuwirth war es, ausgehend von den jeweiligen nationalen Positionierungen der wichtigsten Bündnispartner aktuelle sicherheitspolitische Herausforderungen zu analysieren und diskutieren. Darauf aufbauend galt es, Konsequenzen für das deutsche Handeln wie auch die europäische und transatlantische Sicherheitsarchitektur abzuleiten. Darüber hinaus sollten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer länderübergreifende technologische Trends sowie rüstungspolitische Möglichkeiten und Grenzen untersuchen und erörtern.

Umfassende Vorbereitung in Berlin

Startpunkt des Capstone Course war auch in diesem Jahr wieder Berlin. Im Bundesministerium der Verteidigung wurden die Lehrgansteilnehmer durch Vizeadmiral Joachim Rühle, Stellvertreter des Generalinspekteurs, begrüßt und inhaltlich auf die Reise eingestimmt. Fachvorträge durch Experten des Auswärtigen Amtes, des Bundesministeriums des Innern, des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, der Stiftung Wissenschaft und Politik sowie des Bundesverbandes der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie ergänzten die Einführungsphase. Dieser kompakte Knowledge-Transfer bildete eine hervorragende Ausgangsbasis für den weiteren Lehrgang.

Rom – italienischer Generalstab und Heiliger Stuhl

Erstes Reiseziel der Delegation war Rom. Bei den Gesprächen im italienischen Generalstab, bei der Konrad Adenauer Stiftung und der Deutschen Botschaft wurde deutlich, dass Italien derzeit vor großen innen- und sicherheitspolitischen Herausforderungen steht. Der stellvertretende Generalstabschef, Generale di Squadra Aerea Roberto Nordio, hob beispielsweise hervor, dass sein Land angesichts des bereits bestehenden umfassenden militärischen Engagements die Unterstützung seiner europäischen Bündnispartner und damit insbesondere auch Deutschlands benötigt, um die aktuellen Herausforderungen durch Migration und internationalen Terrorismus wirksam bewältigen zu können.

Der Besuch des Heilige Stuhls mit seiner einzigartigen völkerrechtlichen Stellung war ein weiterer Höhepunkt des Aufenthalts in der italienischen Hauptstadt. Im Mittelpunkt der Diskussion mit einem Mitglied des Staatssekretariats standen die spezifischen Möglichkeiten religiöser Akteure in der internationalen Politik sowie die besondere Rolle des Heiligen Stuhls als vertraulicher und glaubhafter Vermittler im Bereich der internationalen Konfliktbewältigung. Kulturelles Highlight war der anschließende Rundgang durch den Petersdom.

Paris – die europäische Perspektive im Fokus

In Paris traf der Capstone Course den deutschen Botschafter, Dr. Nikolaus Meyer-Landrut, im Palais Beauharnais. Bei intensiven Gesprächen im Rahmen einer Abendveranstaltung in der deutschen Vertretung erhielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen vertieften Einblick in die aktuell zentralen Themenstellungen der französischen Innen- und Außenpolitik.

Bei den anschließenden Terminen im BALARD, dem neuen französischen Verteidigungsministerium, sowie im Quai d`Orsay, dem Europa- und Außenministerium, wurden insbesondere die Möglichkeiten und Perspektiven der gemeinsamen Zusammenarbeit im Rahmen der Europäischen Union erörtert. Besuche des Invalidendoms mit dem Grab Napoleons und bei Airbus Frankreich rundeten das Frankreichprogramm ab.

Hotspot Washington, D.C.

Mit einem Besuch von Mount Vernon, dem Landsitz des ersten amerikanischen Präsidenten George Washington, begann der Aufenthalt des Lehrgangs in den USA. Die historischen Wurzeln der ältesten Demokratie der Welt waren auch im weiteren Verlauf immer wieder ein wichtiger Bezugspunkt.

Nach einer umfassenden Einweisung in der Deutschen Botschaft stand ein Besuch im Pentagon auf der Agenda der Delegation, bei dem die amerikanischen Gesprächspartner nicht nur die verschiedenen Nuancen aktueller sicherheitspolitischer Fragestellungen thematisierten, sondern den Blick auch nach vorne richteten und mit ihren deutschen Gästen das „Third Offset“ - das Denken in Domänen - diskutierten.

Die anschließenden Termine im State Departement, im National Security Council, bei der Heritage Foundation, mit dem Journalisten Chuck Lane wie auch der Empfang beim Deutschen Botschafter Dr. Peter Wittig und der Besuch bei Lockheed Martin stellten selbst für die Spitzenkräfte des Capstone Course eine besonders einprägsame Erfahrung dar.

Hightech in Kalifornien – von San Diego nach San Francisco

Nach der Weitereise an die Westküste besuchten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zunächst das regionale Hauptquartier der „US Customs and Border Protection Patrol“ in San Diego und verschaffen sich vor Ort einen Eindruck von der Situation an der amerikanisch-mexikanische Grenze. Hier bot sich die Gelegenheit, aktuelle Herausforderungen infolge von Migration mit Amerikanern und Mexikanern zu diskutieren.

Bei den Gesprächen an der University of California in La Jolla standen dann die pazifische Ausrichtung der USA und aktuelle Schwierigkeiten der US-Beziehungen zu China und Nordkorea im Fokus. Nach einem Besuch bei General Atomics und Scripps, einem der weltweit ältesten, größten und bedeutendsten Forschungszentren für Meeresforschung, ging es weiter nach San Francisco. Dort informierte sich die Delegation in den Berkeley Laboratories, einer Forschungseinrichtung des US-Energieministeriums, über die Entwicklung des Computing und der künstlichen Photosynthese.

Bei DIUx (Defense Innovation Unit Experimental), einer Einrichtung des Department of Defense mit Sitz im Silicon Valley wurde dem Kurs vermittelt, wie auf innovative Art und Weise Ideen von Start- ups und Firmen aus dem zivilen Bereich auf ihre militärische Nutzbarkeit hin untersucht werden mit dem Ziel, frühzeitig eine vertraglich vereinbarte Zusammenarbeit zu etablieren. Abschließend erhielt der Capstone Course beim Besuch des von SAP für Austausch und Zusammenarbeit geschaffenen HanaHaus einen ungefilterten Eindruck von der im Silicon Valley herrschenden Kreativität und Aufbruchsstimmung, die gerade die Arbeit junger Start-ups kennzeichnet.

London – gemeinsame sicherheitspolitische Interessen

Nach einem elfstündigen Flug über den Atlantik und der Rückkehr ins „alte Europa“ folgte zunächst ein Stopp in der britischen Hauptstadt. Den Auftakt bildete dort ein intensiver Austausch in der Deutschen Botschaft über die militärische und wirtschaftliche Lage. Im britischen Verteidigungsministerium wurde der Kurs von Staatssekretär Earl Howe begrüßt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmern hatten die exklusive Gelegenheit, aktuelle Fragestellungen der künftigen britisch-deutschen bilateralen militärischen Zusammenarbeit wie auch die Auswirkungen des Brexit auf NATO und EU zu diskutieren.

Anschließend stand ein Besuch des 1958 in London gegründeten „International Institute for Strategic Studies“ (IISS) auf dem Programm. Dieser Think Tank, der auch Ausrichter des Shangri-La und des Manama Dialoges ist, gilt als eine der weltweit führenden Institutionen auf dem Gebiet der Militär- und Rüstungspolitik. Die Gruppe hatte hier die Chance, unter anderem mit Bastian Giegerich, Director of Defence and Military Analysis, vor dem Hintergrund der bisherigen Reiseerfahrungen aktuelle Herausforderungen der britischen und europäischen Sicherheitsarchitektur zu erörtern. Krönender Abschluss des Londonaufenthalts war neben dem Besuch des Kensington Palastes, ein gemeinsames Dinner mit den Verteidigungsattachés der bereisten Länder im Royal Yacht Club.

Positives Fazit nach 23 000 Reisekilometern

Nach 19 Tagen Hochwertausbildung diesseits und jenseits des Atlantiks und mehr als 23 000 zurückgelegten Kilometern kehrte die Gruppe zur Abschlussveranstaltung mit dem Generalinspekteur der Bundeswehr, General Volker Wieker, nach Berlin zurück. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer berichteten ihm dabei von ihren Eindrücken und den gemachten Erfahrungen. Zugleich stellte dieses Gespräch den inhaltlichen Schlusspunkt eines hochinteressanten Lehrgangs dar. Der Deutsche Capstone Course 2017, so das einhellige Fazit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, vermittelte auf einmalige und besonders fundierte Weise vielfältige sicherheitspolitischen, technologischen und rüstungspolitischen Themen- und Problemstellungen.