Zum Lernen ans Ende der Welt - Capstone Course in Asien

Autor: Maximilian Voß; Fotos: FüAk

Peking - Guangzhou - Manila - Singapur - Hanoi , 22.11.2016

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Gemischte Teilnehmergruppe des Capstone Courses 2016

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Zu Gast im chinesischen Verteidigungsministerium

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Gesprächsrunde im Camp Aguinaldo (Philippinen)

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Zu Besuch im Verteidigungsministerium Singarpurs

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Auf den Straßen von Hanoi

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Die Bezeichnung „Capstone Course“ ist wörtlich zu nehmen, denn der Capstone, englisch für Schlussstein, bildet den Höhepunkt der langjährigen und vielschichtigen Ausbildung des Spitzenpersonals der Bundeswehr. Einmal jährlich führt die Führungsakademie der Bundeswehr im Auftrag des Generalinspekteurs eine dreiwöchige Weiterbildungsreise als Krönung des lebenslangen Lernens durch. Dieses Jahr stand der ostasiatische Raum im Mittelpunkt. In fast schon alter Tradition führte und begleitete General a.D. Rainer Schuwirth den Kurs als „Senior Course Director".

 

Höchste Tätigkeiten

 

Ziel des „Deutscher Capstone Courses“ (DCC) ist zum einen die Einweisung in die aktuellen sicherheitspolitischen Inhalte als Vorbereitung für Funktionen auf höchster Ebene im nationalen und internationalen Bereich. Zum anderen soll ein Forum für ressortübergreifende Diskussionen und Netzwerkbildung zwischen zukünftigen Entscheidungsträgern im Regierungsapparat geschaffen werden. Die Teilnehmer stammen nicht nur aus dem Verteidigungsministerium. Auch Vertreter aus dem Auswärtigen Amt, dem Bundesministerium des Innern, dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie sind eingeladen. Der thematische Schwerpunkt wechselt dabei jährlich, wodurch auch die Reiseziele variieren.

 

Sorgfältige Vorarbeit von Nöten

 

Um die Kursteilnehmer/-innen auf die vor ihnen liegenden Gespräche vorzubereiten, begann das Seminar mit einer zweitägigen Einweisung in mehreren Ministerien, dem Bundesnachrichtendienst und der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin. „Es wurden grundlegende sicherheitspolitische Aspekte beleuchtet, aber auch die Besonderheiten der Region mit fachkundigen Experten vertieft“, erklärt Kapitän zur See Joachim Gutow, der mit der Leitung der Hochwertseminare an der Führungsakademie betraut ist. Mit diesen Erfahrungen und tiefgehenden Erkenntnissen im Gepäck brach die Reisegruppe zum stetig wachsenden Wirtschaftsraum Ost- und Süd-Ost-Asien auf.

 

Anspruchsvolle Seminartage

 

„Ich als Kursteilnehmer möchte ein tiefgehendes und umfassendes Bild über eine für Deutschland wirtschafts- und sicherheitspolitisch zunehmend wichtige Region dieser Welt erlangen“, beschreibt ein Teilnehmer seinen persönlichen Ehrgeiz für diese Reise. „Eine hochliegende Messlatte, die es zu überspringen gilt“, so die Seminarleitung. Aus diesem Grund begrüßte die Kursteilnehmer des DCC in Gastland stets der jeweilige deutsche Botschafter beziehungsweise ein Gesandter. Gemeinsam betrachteten sie unterschiedliche Themen, wie die wirtschaftliche Lage des Landes, sozialpolitische Rahmenbedingungen oder mögliche Territorialkonflikte, und das jeweils aus der strategisch-politischen Perspektive. Anschließend besuchte das Seminar verschiedene Institutionen des Gastlandes, wie ausgewählte Ministerien, wenn möglich eine Verteidigungsakademie sowie eine Universität oder Studieneinrichtung. 

 

Nah dran an der Aktualität

 

Zeitgleich zum Aufenthalt des DCC in Peking erfolgte der vielbeachtete Antrittsbesuch des philippinischen Präsidenten Duterte in China. Mit besonderem Interesse verfolgten die Kursteilnehmer die Berichterstattung in den chinesischen Medien. Die damit verbundene Neu-Positionierung der Philippinen gegenüber China und dem Allianzpartner USA wurde im Dialog mit den Gesprächspartnern vor Ort diskutiert. Hintergrund für die große Bedeutung des Besuchs ist das im Juli 2016 ergangene Urteil des Ständigen Schiedshofes in Den Haag über eine Klage der Philippinen bezüglich chinesischer Gebietsansprüche im Südchinesischen Meer. Ein Glücksfall für den Seminarleiter. „Dadurch erfuhr“, so Gutow, „die diesjährige DCC-Themensetzung eine besondere Aktualität.“ Nach der Rückkehr in Deutschland bildete ein Abschlussgespräch als Grundlage der folgenden Diskussion mit Vertretern des Verteidigungsministeriums und anderer Ressorts das offizielle Ende des diesjährigen Kurses.

 

Vielfältige bleibende Eindrücke

 

Neben all den Gesprächen mit sicherheitspolitischem Hintergrund blieb auch Zeit, die Orte der einzelnen Stationen zu erkunden. Ob am Platz des Himmlischen Friedens in Peking oder in Guangzhou, oder der drittgrößten Stadt Chinas, die mit unzähligen Wolkenkratzern und einem extravaganten Fernsehturm eine beeindruckende Kulisse am Perlfluss bot. Die Kursteilnehmer konnten wesentlich mehr von der Reise mitnehmen als politisches Hintergrundwissen. „Ich hätte nie gedacht, dass auf den Straßen und Gassen von Hanoi - dort, wo vor zehn bis zwanzig Jahren noch unzählige Fahrräder das Bild beherrschten - heute Millionen von Mopedfahrern die Szenerie dominieren. Schwer vorzustellen, wie sich das Bild darstellen wird, sollten diese im Zuge eines weiteren wirtschaftlichen Aufschwungs des Landes in den kommenden Jahren durch Autos ersetzt werden“, resümiert ein Teilnehmer. 

 

Hat es was gebracht? Ja!

 

Die vielschichtige Herangehensweise an die sicherheitspolitischen Fragestellungen hat die Fähigkeit der Lehrgangsteilnehmer, militärpolitische Sachverhalte in ihrer Komplexität zu bewerten und als kompetente Berater zu agieren, deutlich gestärkt. Die Wahl der Region sowie die Auswahl der Gesprächspartner wurden von den Teilnehmern sehr geschätzt. „Die Lehrgangsteilnehmer haben wiederholt zum Ausdruck gebracht, dass sie sich nie hätten vorstellen können, in so kurzer Zeit einen so tiefen Einblick in die politischen Zusammenhänge dieser Region zu bekommen“, fasst Gutow das Lehrgangsfeedback zusammen. „Zudem kommt dem hochwertigen Lehrgang in Zeiten gestiegener Bedeutung bilateraler Beziehungen ein besonderer Stellenwert als militärpolitisches Instrument zu.
Er wird in den Gastländern als entsprechendes Zeichen Deutschlands wahrgenommen. Für mich Motivation und Grund genug mich bereits jetzt mit den Planungen des DCC 2017 zu beschäftigen.“