Deutscher Capstone Course 2014: Lateinamerika und Alumni-Treffen

Autor: Norbert Eitelhuber; Fotograf: von Maltzahn, Trapp, Kirsch, Eitelhuber

Hamburg – Berlin – Washington - Mexiko-Stadt - Brasilia - Rio de Janeiro, 27.11.2014

Deutscher Capstone Course 2014 im Gespräch beim US Senate im Committee on Foreign Relations Hearing Room.

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Die Teilnehmer des Deutschen Capstone Course 2014 vor der deutschen Botschaft in Washington.

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Im Gespräch mit dem mexikanischen Generalstaatsanwalt Jesús Murillo Karam.(2. Von rechts)

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Opferaltar im mexikanischen Marineministerium. Die Seelen der Verstorbenen werden mit Gaben empfangen

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Generalmajor Achim Lidsba, Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr, im Gespräch mit brasilianischen Generalen beim Alumni-Treffen in der Residenz des deutschen Botschafters

Ehrenformation zur Begrüßung des Deutschen Capstone Course beim Commando Militar do Leste

Als Krönung des lebenslangen Lernens führte die Führungsakademie der Bundeswehr im Auftrag des Generalinspekteurs vom 19.Oktober bis 7. November 2014 den Deutschen Capstone Course (DCC) durch. Der Name „Capstone“ (deutsch „Firststein“) leitet sich ab von dem obersten Schlussstein in einem Gewölbe. Dieser hält das Gewölbe zusammen und gibt ihm seine Stabilität. Im internationalen Umfeld hat sich der Begriff „Capstone Course“ für die Spitzenlehrgänge im militärischen Bereich etabliert. Der Kurs dient der Weiterbildung von ernannten oder angehenden Generalen und Admiralen sowie vergleichbaren Beamten aus dem Zuständigkeitsbereich des Bundesministeriums der Verteidigung (BMVg). Inhaltlich wird im jährlichen Wechsel eine andere Schwerpunktregion gesetzt.

Bei der Auswahl der Themen wurde vom Seminarleiter, Oberst i.G. Norbert Eitelhuber aus dem Fachbereich Sicherheitspolitik und Strategie, ein weiter Sicherheitsbegriff zugrunde gelegt, also nicht nur militärpolitische Fragestellungen behandelt wurden. Vielmehr wurde das gesamte Spektrum außen- und innenpolitischer Herausforderungen der Region bedient. Erneut nahm auch ein Vertreter des Bundesministeriums des Innern teil. Seine Teilnahme war eine Bereicherung der inhaltlichen Diskussion und förderte die ressortübergreifende Netzwerkbildung. General a.D. Rainer Schuwirth, in seiner letzten aktiven Verwendung Chef des Stabes, Supreme Headquarters Allied Powers Europe, SHAPE, führte und begleitete als „Senior Course Director" den Lehrgang in bewährter Art und Weise.

Nachdem der Lehrgang im Vorjahr Asien bereist hatte, führte die Reise in diesem Jahr, in Absprache mit der Abteilung Politik im BMVg, nach Lateinamerika. Lateinamerika ist eine Region mit wachsendem wirtschaftlichem und politischem Gewicht. Zum Ausdruck kommt dies auch im bereits 2010 verabschiedeten Lateinamerikakonzept der Bundesregierung.

Intensive Vorbereitung

In Berlin wurde der Lehrgang im Bundesministerium der Verteidigung begrüßt und auf die Reise eingestimmt. Die Teilnehmer hatten sich bereits vor Beginn des Seminars mit den umfangreichen Ausbildungsunterlagen vertraut gemacht. Während der als Einführung gedachten Tage in der Hauptstadt nutzte der Lehrgang die Gelegenheit, grundlegende sicherheitspolitische Aspekte, aber auch die Besonderheiten Lateinamerikas unter anderem mit Vertretern mehrerer Ministerien, des Bundesnachrichtendienstes und des Zentrums für Internationale Friedenseinsätze zu diskutieren. Auf diese Weise bestens vorbereitet brach die hochkarätige Gruppe zu ihrer Reise auf.

In Washington wurde die US-amerikanische Sicht auf die Region erfragt. Neben mehreren Gesprächen in der deutschen Botschaft, unter anderem mit General a.D.
James L. Jones, früherer Supreme Allied Commander Europe (SACEUR) und zuletzt bis November 2010 Nationaler Sicherheitsberater von US-Präsident Obama, fanden auch Besuche bei zahlreichen Dienststellen, wie dem Pentagon, dem Department of State, dem Department of Justice und dem US-Senat statt.

Forderndes Programm

Von Washington führte die Reise nach Mexiko-Stadt, Brasilia und Rio de Janeiro. Während der Besuche in der Region wurde der DCC stets vom Botschafter beziehungsweise dem Gesandten begrüßt und in die jeweiligen Themen aus politisch-strategischem Blickwinkel eingewiesen, bevor die Fachreferenten der Botschaft sowie die Verteidigungsattachés in ihre Themengebiete einführten. Der methodische Ansatz sah darüber hinaus vor, neben regierungsamtlichen Vertretern aus verschiedenen Ministerien, in der Regel mindestens Außen-, Verteidigungs- und Justizministerium, auch den parlamentarischen und wissenschaftlichen Bereich aufzusuchen.

Individuell zugeschnittene landesspezifische Vorträge trugen dazu bei, Verständnis für die Rahmenbedingungen von Sicherheitspolitik zu entwickeln und zu vertiefen. Aber auch landestypische Brauchtümer lernten die Kursteilnehmer kennen. Im Secretaría de la Marina, SEMAR, dem mexikanischen Marineministerium, wurden die gerade laufenden Vorbereitungen zum am 2. November stattfindenden Totenfest erklärt. Dieser Día de los Muertos (Tag der Toten) zu Ehren aller Verstorbenen ist, anders als in Deutschland, kein Trauertag, sondern eines der bedeutendsten Feste im Jahr.

Alumni-Treffen

In Brasilia fand, vergleichbar zum Vorjahr in Islamabad, ein Empfang mit zivilen Alumni der internationalen Diplomatenausbildung des Auswärtigen Amtes sowie Stabsoffizieren, Generalen und Admiralen, die eine Ausbildung in Deutschland erhalten hatten, statt. Die Gespräche mit diesem Personenkreis boten den Lehrgangsteilnehmern des DCC aufschlussreiche Einblicke in die gesellschafts- und sicherheitspolitische Entwicklung der Region. Zugleich signalisierte die Einladung zu diesem Abend den Alumni, dass die Bundesrepublik Deutschland daran interessiert ist, den Kontakt zu in Deutschland ausgebildeten Diplomaten und Militärs zu halten. Der Kommandeur der Führungsakademie, Generalmajor Achim Lidsba, war ebenfalls angereist und unterstrich auf diese Weise die den Alumni entgegengebrachte Wertschätzung. In seiner Begrüßungsrede betonte er, wie wichtig es für beide Seiten sei, nicht nur für die großen, strategischen Fragen, sondern gerade für die kleinen, tagtäglichen Fragen des beruflichen Alltags miteinander in Kontakt zu bleiben: „Ich denke, dass wir so ein ganz lebendiges, weltweites Netzwerk auf der Basis der gemeinsamen Erlebnisse in Deutschland erhalten und weiterentwickeln können.“

In Rio de Janeiro befasste sich der Capstone Course unter anderem mit der Fragestellung, welche Erfahrungen Brasilien bei der Befriedung der von Gewalt heimgesuchten Favelas (Armenviertel) gemacht hat. Hierzu wurde der Kurs vom Befehlshaber des Militärkommandos Ost (Commando Militar do Leste), General Francisco Carlos Modesto, und dessen Stab intensiv unterrichtet.

Der Lehrgang endete in Berlin, wo noch Abschlussgespräche mit Abgeordneten der Parlamentariergruppen Lateinamerika/ Karibik, Brasilien und Mexiko sowie mit dem Stellvertretenden Generalinspekteur, Generalleutnant Peter Schelzig, geführt wurden.

 

 

Es hat was gebracht!

Die vielschichtige Herangehensweise an die sicherheitspolitischen Fragestellungen hat die Fähigkeit der Lehrgangsteilnehmer, militärpolitische Sachverhalte in ihrer Komplexität zu bewerten und als kompetente Berater agieren zu können, deutlich gestärkt. Die Wahl der Region Lateinamerika mit ihren äußerst vielschichtigen Problemlagen sowie die Auswahl der Gesprächspartner wurden von den Lehrgangsteilnehmern als echte Erwachsenenweiterbildung geschätzt. Wiederholt wurde durch die Lehrgangsteilnehmer bestätigt, dass dieser Bildungseffekt nicht durch ein Literaturstudium oder die Arbeit in einem Hörsaal zu erreichen gewesen wäre.
Zudem kommt dem hochwertigen Lehrgang in Zeiten gestiegener Bedeutung bilateraler Beziehungen ein besonderer Stellenwert als militärpolitisches Instrument zu. Er wird in den Gastländern als entsprechendes Zeichen Deutschlands wahrgenommen und mit ausgesprochener Gastfreundschaft erwidert. Für diese Gastfreundschaft sei auch an dieser Stelle nochmals ein „Herzliches Dankeschön“ gesagt.