Autor: Verena Hoffmann & Jonathan Scheffler; Fotos: Jonathan Scheffler / Katharina Roggmann

Hamburg, 21.03.2018

„Krisen verhindern, Konflikte bewältigen, Frieden fördern“, Admiral Stawitzki über seinen Auftrag der Lehre an der FüAk

„Krisen verhindern, Konflikte bewältigen, Frieden fördern“, Admiral Stawitzki über seinen Auftrag der Lehre an der FüAk

150 interessierte Zuhörer im Gneisenau-Saal

150 interessierte Zuhörer im Gneisenau-Saal

Elke Weber-Braun, Vorsitzende der Universitäts-Gesellschaft Hamburg - über Strategische Denkmuster in der Gesellschaft

Elke Weber-Braun, Vorsitzende der Universitäts-Gesellschaft Hamburg - über Strategische Denkmuster in der Gesellschaft

Roger Zörb, Vorsitzender der DAG, eröffnete die angeregte Diskussion mit allen teilnehmenden Zuhörern

Roger Zörb, Vorsitzender der DAG, eröffnete die angeregte Diskussion mit allen teilnehmenden Zuhörern

Die Redner des Abends: Stawitzki, Weber-Braun und Zörb

Die Redner des Abends: Stawitzki, Weber-Braun und Zörb

Ein abschließendes gemeinsames Gespräch zur Zukunft

 Ein abschließendes gemeinsames Gespräch zur Zukunft

 

 

 

 

Die strategische Vorausschau im Sinne einer methodisch fundierten und kontinuierlichen Auseinandersetzung mit denkbaren Zukunftsszenarien für die Sicherheitsvorsorge der Bundesrepublik Deutschland war eine der aktuellen Fragestellungen an der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw). Konteradmiral Carsten Stawitzki, Kommandeur der FüAkBw, stellte diese bei seinem diesjährigen Vortrag vor der Universitäts-Gesellschaft Hamburg in den Raum der rund 150 interessierten Zuhörer im Gneisenau-Saal des Manfred-Wörner-Zentrums in der FüAkBw.

Krisen verhindern, Konflikte bewältigen

"Wie kann die FüAkBw die verantwortlichen politischen und gesellschaftlichen Akteure dabei unterstützen, die Denkweisen der letzten 50 Jahre abzulegen und sich auf neue Wege der Entscheidungsfindung einzulassen", fragte Stawitzki die Gäste der Universitäts-Gesellschaft Hamburg, die in Kooperation mit der Deutschen Atlantischen Gesellschaft (DAG) in den Räumen der Führungsakademie ihre Tagung abhielten. Bezugnehmend auf das Weißbuch von 2016 und die Leitlinien der Bundesregierung (2017) „Krisen verhindern, Konflikte bewältigen, Frieden fördern“ gab Admiral Stawitzki Einblicke in seinen Auftrag der Lehre an der Führungsakademie der Bundeswehr im Kontext des politischen Willens Deutschlands.

Förderung von Sicherheit und Stabilität

„All dies kann nur auf Basis von Freiheit und Demokratie im Rahmen einer dauerhaften Friedenssicherung erreicht werden. Sicherheit im weitesten Sinne ist dabei ein wichtiger Faktor für den Erfolg für unsere gesamte Gesellschaft, insbesondere in Wirtschaft und Wissenschaft", so Elke Weber-Braun, Vorsitzende der Universitäts-Gesellschaft Hamburg. Laut ihr werden in einer Zeit, in der die Unsicherheit immer mehr Raum einnimmt und die Ursachen dafür vielfältig sind, alt hergebrachte Gewohnheiten teilweise überflüssig. Die Welt ist globaler und internationaler geworden.  "Konflikte und Megatrends beherrschen unser Zeitgeschehen in Europa und der ganzen Welt, aber auch in Deutschland", führt Weber-Braun weiter aus. Für sie müssen Verkrustungen beseitigt und Möglichkeiten geschaffen werden, strategische Denkmuster in allen Bereichen der Gesellschaft zu entwickeln, um aktiv das Weltgeschehen zu gestalten. Sie und Roger Zörb, Vorsitzender der DAG eröffneten so den Vortrag mit anschließender Diskussionsrunde für die circa 150 interessierten Gäste.

„Nicht bloß reagieren, sondern agieren“

Admiral Stawitzki, Gastgeber sowie Vortragender des Abends, nahm den Faden von Elke Weber-Braun auf und zeigte äußerst anschaulich, dass „die Zukunft vor uns liegt, aber nichts auf magische Weise von alleine passiert.“ Laut ihm ist bestimmt unser Handeln in der Vergangenheit die heutige Zeit oder von Stawitzki anders gesagt:„Um also das Morgen zu bestimmen, müssen wir die Antworten im Heute finden.“ Für ihn stellt sich unter anderem die Frage, wie wir Antworten auf die Krisen von morgen in einer Welt finden, die immer dynamischer, komplexer und unübersichtlicher wird – und die uns meist schon mit den heutigen Herausforderungen gänzlich in Beschlag nimmt. "Dies ist ein notwendiger Diskurs für alle gesellschaftlichen Akteure", so der Admiral weiter. In der FüAkBw, der höchsten Bildungseinrichtung der Streitkräfte der Bundeswehr, werden die künftigen Spitzenkräfte ausgebildet, um genau diese Antworten zu finden. Für den Admiral ist daher klar: "Wir müssen dabei heute schon genau wissen, was wir mit unseren Entscheidungen in der Zukunft erreichen wollen – wir müssen vom Endzustand her denken und uns stets die Fragen des Zieles stellen." Konkret benennt er das mit: „Was wollen wir erreichen, und was wollen wir verhindern?“„Um also das Morgen zu bestimmen, müssen wir die Antworten im Heute finden.“

Das Gefechtsfeld der Zukunft

Die Redner des Abends zeigten den Gästen anschaulich die Herausforderungen der Zeit auf, die sich in den letzten 50 Jahren verändert haben. Nach der symmetrischen Kriegsführung der Vergangenheit steht man heute den Herausforderungen der asymmetrischen, hybriden Kriegsführung und dem Cyber-Terrorismus gegenüber. Die globale Digitalisierung von Gesellschaften und Kontinenten birgt Gefahren von Cyber-Attacken und Blackouts, die in Verbindung mit Terrorismus und Staatszerfall als neue Herausforderungen der Zukunft für die Gesellschaft und damit auch in letzter Instanz für die Streitkräfte der Bundeswehr gelten. Hierbei müsse auch der Einsatz von autonomen Waffensystemen unter ethisch moralischen Gesichtspunkten abwogen werden.

Präventiv, umfassend und multilateral

„Der Lösungsansatz der Bundesregierung", so Carsten Stawitzki, "bietet uns einen ganzen Werkzeugkasten an Mitteln und Möglichkeiten, um zukünftigen Krisen frühzeitig zu begegnen und mit einem gemeinsamen Ansatz (comprehensive approach) Konflikte zu bewältigen und multilateral den Frieden zu fördern." Laut ihm muss klar sein: "Unilaterale Lösungen gibt es für Deutschland nicht.“  Der Admiral führte weiter aus, dass die Bundeswehr, als letztendlicher Gewaltexperte, einen glaubhaften Beitrag zur Sicherung des Friedens leisten kann, wenn er gefordert wird. Dafür ist es nach ihm jedoch notwendig, dass die Bundeswehr als Großorganisation, schnell und flexibel auf Umbrüche, beziehungsweise Änderungen reagiert, die Trägheit des Systems überwinden, sowie Veränderungen akzeptieren kann. „Die besten Prozesse nützen nichts, wenn der Mensch nicht vom Willen getragen ist, etwas zu tun", unterstreicht der Admiral seine Ausführungen.

Neue Wege zulassen – Mut zum Diskurs

An der FüAkBw geht man daher neue Wege, auch auftragsbedingt. Die Weiterentwicklung der Bundeswehr strategisch zu unterstützen obliegt auch ihr. Dazu hat die Akademie sich nach dem Besuch der Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen in 2016 unter dem Label „German Institute of Defence Strategic Studies“ (GIDS) mit der Helmut-Schmidt Universität in Hamburg zusammen getan, um einen Output-orientierten Gedanken des Think Tanks zum Leben zu erwecken. Die FüAkBw nutzt im Rahmen der Spitzenkräfteförderung den Think Tank der nationalen Lehrgänge für den Generalstabs-/Admiralstabsdienst (LGAN), um militärpolitische Antworten auf strategische Fragen der Zukunft zu liefern. Unter Betrachtung aller wirtschaftlichen und gesellschaftlichen, sowie nationalen und internationalen Akteure, gilt es zunächst, den Konflikt darzustellen, das Bedrohungspotenzial zu beurteilen und Folgerungen für das eigene Handeln zu erarbeiten.

 

 

 

Autor: Birgit Czernotzky; Fotos: Grauwinkel / BMVg

Hamburg, 20.03.2018


Oberst i.G. Nannt, Direktor Strategie und Fakultäten, informierte zusammen mit Oberst Prof. Dr. Matthias Rogg (Steuerungsgruppe Denkfabrik) und Prof. Dr. Burkhard Meißner (HSU/Uni Bw) über die Neuausrichtung der Führungsakademie als Denkfabrik

Oberst i.G. Nannt, Direktor Strategie und Fakultäten, informierte zusammen mit Oberst Prof. Dr. Matthias Rogg (Steuerungsgruppe Denkfabrik) und Prof. Dr. Burkhard Meißner (HSU/Uni Bw) über die Neuausrichtung der Führungsakademie als Denkfabrik

BMVG Gruppe zeigt: Vorstellung der Denkfabrik vor den Referatsleitern des BMVG

BMVG Gruppe zeigt: Vorstellung der Denkfabrik vor den Referatsleitern des BMVG

,,Mut zum Diskurs lautet die Leitlinie

,,Mut zum Diskurs lautet die Leitlinie"

 

 

 


 

 

Die Lehre – die Aus- und Weiterbildung von Offizieren nach dem Studium, von Generälen und Admirälen war bisher die Kernaufgabe der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg. Jahr für Jahr bildet die Akademie 2000 Offiziere in den verschiedensten Lehrgängen und Seminaren aus. Jetzt richtet sich die höchste Bildungseinrichtung der Bundeswehr neu aus: Die Führungsakademie wird zur Denkfabrik.

Politische Beratung

Nicht nur Input, sondern vor allem auch Output – so lautet künftig der Auftrag. Auch in der politischen Beratung in Sicherheitsfragen mit strategischer Ausrichtung wird die Führungsakademie künftig eine stärkere Rolle spielen. Das gesammelte Wissen und die Forschungsexpertisen sollen stärker genutzt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. „Ich möchte die Bedeutung der Akademie steigern. Dass sie relevant und attraktiv bleibt“, gab Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen Ende 2016 den Anstoß zu der Neuausrichtung Seitdem wird die gesamte Akademie neu strukturiert.

Ergänzendes Angebot

Dabei soll die Führungsakademie als Denkfabrik nicht in Konkurrenz zu anderen sicherheitspolitisch ausgerichteten Think Tanks stehen. „Wir haben gezielt Alleinstellungsmerkmale gesucht, strategische Sicherheitsfragen, die kein anderes Institut und kein anderer Think Tank in Deutschland behandelt“, betonte Oberst i.G. Boris Nannt, Direktor des Bereichs Strategie und Fakultäten an der Führungsakademie, der den Sachstand jetzt im Verteidigungsministerium vorstellte.

Kooperationspartner

Der Kern der Denkfabrik – das in Kooperation von Führungsakademie und Helmut-Schmidt-Universität betriebene „German Insititute for Defence and Strategic Studies - GIDS“ – befindet sich derzeit im Aufbau und soll Mitte des Jahres seine Arbeit aufnehmen. Federführend begleitet wird dies durch Oberst Prof. Dr. Matthias Rogg (Steuerungsgruppe Denkfabrik an der Führungsakademie) und Prof. Dr. Burkhard Meißner (Helmut-Schmidt-Universität).

Wissensmanagement

Zudem werden künftig die Expertisen und Erkenntnisse aus Forschung und Lehre an der Führungsakademie mit einem systematischen Wissensmanagement gebündelt, katalogisiert, digitalisiert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. „Wir haben hervorragende Studenten, die teils wirklich großartige und wichtige Arbeiten erstellen“, betonte Oberst Nannt. „Diese wissenschaftlichen Ergebnisse sollen künftig auch richtig genutzt und öffentlich gemacht werden.“

Netzwerke nutzen

„Mut zum Diskurs lautet die Leitlinie“, betonte Oberst i.G. Nannt. „Dies steht für freie Forschung, kritische Beratung und offene Diskussionskultur.“ Ziel ist auch, den gesellschaftlichen Austausch und die öffentliche Diskussion in strategischen Sicherheitsfragen zu fördern. „Wir haben dazu ein Netzwerk, das wir bisher viel zu wenig genutzt haben“, betont Oberst Nannt. Die Alumni der Führungsakademie sollen in Zukunft viel aktiver angesprochen und mit ihren Kontakten und ihrer Fachexpertise stärker einbezogen werden.

Weitere Informationen erhalten Sie hier

 

13. Hamburger Diskurs: Der Nordkorea-Konflikt

Autor: Verena Hoffmann & Jonathan Scheffler; Fotos: Katharina Roggmann

Hamburg, 14.03.2018

Flottillenadmiral Schneider eröffnet den 13. Hamburger Diskurs

Flottillenadmiral Schneider eröffnet den 13. Hamburger Diskurs

Interessierte Zuhörerschaft im vollbesetzten Gneisenau-Saal

Interessierte Zuhörerschaft im vollbesetzten Gneisenau-Saal

Professor Michael Staack über die Verflechtung der vier Dimensionen des Nordkorea-Konflikts

Professor Michael Staack über die Verflechtung der vier Dimensionen des Nordkorea-Konflikts

Angeleitete Podiumsdiskussion moderiert durch Jörn Thießen

Angeleitete Podiumsdiskussion moderiert durch Jörn Thießen

Podiumsdiskussion mit Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik

 Divisionär a.D. Gerber

Abschließender gemeinsamer Austausch

Abschließender gemeinsamer Austausch (v.l.n.r. Jörn Thießen und Werner Sonne)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bereits zum dreizehnten Mal trafen sich hochrangige Repräsentanten aus der Metropolregion Hamburg, um mit Führungspersonal der Führungsakademie sowie zahlreichen interessierten Zuhörern aus der Zivilbevölkerung in einen strategischen Gedankenaustausch zu treten. Dieses Jahr stand der Nordkorea-Konflikt mit seinen Ursachen, Interessenlagen und potenziellen Lösungsstrategien im Fokus des strategischen Dialogs. Flottillenadmiral Schneider, stellvertretender Kommandeur der Führungsakademie, konnte an diesem Abend die Herren Professor Michael Staack, Politikwissenschaftler an der Helmut-Schmidt-Universität, Werner Sonne, deutscher Journalist, Schriftsteller und der ehemaliger Korrespondent ARD, sowie den Divisionär a.D. Urs Gerber, Delegationsleiter der Schweizer Offiziere in der Neutral Nations Supervisory Commission (NNSC) an der koreanischen Demarkationslinie von 2012 bis 2017, im Manfred-Wörner-Zentrum der Führungsakademie begrüßen.

Welt aus den Fugen geraten

Mit diesen Worten begrüßte der stellvertretende Kommandeur die interessierte Zuhörerschaft im mit 300 Zuhörern voll besetzten Vorlesungssaal des Manfred-Wörner-Zentrums. Das hohe Interesse von Seiten der Zivilbevölkerung sowie der militärischen Zuhörer am Thema des Abends zeigt deutlich, dass sich die deutsche Bevölkerung des Bedrohungspotenzials, welches von Nordkorea auch auf Deutschland und Europa ausbreiten kann, bewusst ist. Welche Rolle Deutschland dabei über die gemeinsame Erfahrung der Teilung eines Landes hinaus im Spiel der unterschiedlichen Interessenlagen der Großmächte Amerika, Russland, China, neben den betroffenen Staaten Nordkorea und Südkorea, einnimmt, wurde im nun folgenden Vortrag von Professor Michael Staack sowie in der anschließenden Podiumsdiskussion unter Einbindung der Fragen der Zuhörer deutlich herausgestellt.

Kühl denken, tapfer planen und handeln

Als Experte für kooperative Sicherheit und ehemaliges Mitglied der deutschen Beratergruppe zu Fragen der Wiedervereinigung für Südkorea erläuterte Staack die Verflechtung der vier Dimensionen des Nordkorea-Konflikts. Erstens stellte er die Bedrohung der internationalen Ordnung durch das atomare Bewaffnungspotenzial Nordkoreas dar, erläuterte sodann die nicht nur rhetorischen Konfrontationslinien zwischen Nordkorea und den USA, um anschließend den Hegemonialkonflikt der USA mit China zu besprechen. An vierter Stelle erklärte er den Konflikt zwischen den beiden getrennten koreanischen Staaten. Wer dabei Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un, so Staack, als unberechenbaren «Little rocket man» abstempelt, wird dem Mann mit seiner kühl rational durchdachten Sicherheitspolitik nicht gerecht. „Immerhin hat es dieses isolierte Land geschafft, sich hoch strategisches Wissen anzueignen und sich 2013 die Aufmerksamkeit als ernst zu nehmender Aggressor zu erarbeiten. Durch das ambitionierte Atomprogramm hat sich Kim Jong Un das Überleben des Regimes sowie die Unangreifbarkeit seines Landes gesichert.“ Indem er speziell mit den USA auf Konfrontation geht, zeigt er seinem Land und den USA Stärke.

Ein Stop der nuklearen Aufrüstung?

Auch wenn beide Staaten auf der koreanischen Halbinsel eine Wiedervereinigung in ihrer Verfassung verankert haben, ist das Interesse Kim Jong Uns nur auf den Machterhalt ausgerichtet. Dafür würde er einer Wiedervereinigung des Landes nur unter nordkoreanischen Bedingungen und damit unter Abkehr vom amerikanischem Einfluss zustimmen. Dass dies keine Option für Südkorea ist, versteht sich von selbst. Der südkoreanische Präsident Moon Jae In betreibt erfolgreich eine Politik der Entspannung und hält den Dialog zwischen beiden Staaten aufrecht, um sich die Möglichkeit der Wiedervereinigung offen zu halten. Ob die südkoreanische Bevölkerung ein Interesse an der Vereinigung beider koreanischer Staaten hat, ist fraglich. Ein Großteil der jungen Generation lehnt einen Zusammenschluss ab, weil sie weder familiäre Bindung nach Nordkorea haben noch für den Aufbau eines bankrotten Systems aufkommen wollen. Damit kristallisierte sich in der anschließenden Podiumsdiskussion unter Leitung von Jörn Thießen, Leiter Fakultät Politik, Strategie- und Gesellschaftswissenschaften, schnell heraus, dass eine Regelung der nuklearen Bedrohung wesentlich wahrscheinlicher erscheint als die Wiedervereinigung des Landes.

Rolle Deutschlands im Nordkorea-Konflikt

"Mit der Befähigung zur zielgenaueren und der variabel zu steuernden Zerstörungskraft ihrer Atomwaffen befinden sich Russland und Amerika derzeitig in einer gefährlichen Aufrüstungsspirale, die auch von China kritisch verfolgt wird", so Staack zu seinen Zuhörern. Wenn man die Kommunikation mit Nordkorea abbricht und die Sanktionen aufrechterhält, könnte Nordkorea ein potenzieller Anbieter für Atomwaffentechnik werden. Andere Staaten könnten sich Nordkorea als Vorbild nehmen, um mit der atomaren Abschreckung ihre politischen Forderungen durchzusetzen. Um dies zu verhindern, könnte sich Deutschland, so Staack, als diplomatischer Vermittler im Nord-Korea Konflikt anbieten. Deutschland pflegt nicht nur enge Partnerschaften und Kontakte zu Nordkorea sowie Südkorea und teilt mit beiden koreanischen Staaten die gemeinsame Erfahrung der Teilung eines Landes, sondern weiß aus der Geschichte heraus, dass für ein geteiltes Land eine kriegerische Auseinandersetzung keine Lösung ist.

Was wissen wir über das tatsächliche Waffenarsenal?

Dieser Frage nahm sich Oberstleutnant i.G. Andre Zechmeister von der Fakultät Politik, Strategie- und Gesellschaftswissenschaften gerne an. Als studierter Diplom-Politologe hat er bereits im Studium mit großem Interesse die Entwicklung Nordkoreas verfolgt und beobachtet das Land „in der Geiselhaft der Familie Kim“ seit zehn Jahren sehr intensiv. Nordkorea verfügt, so Zechmeister, über ein einsatzbereites und funktionsfähiges B- und C-Waffen Arsenal, welches mit den vorhandenen Trägersystemen eingesetzt werden könnte. Es ist jedoch nicht bekannt, ob Nordkorea die Fähigkeit zur Produktion der benötigten Triebwerke für seine Langstreckenrakete, die auch Amerika erreichen würde, besitzt. Ob Nordkorea auf anderen Wegen Triebwerke erhalten kann, bleibt offen.

Hier gelangen Sie zum 2. Teil

 

 

Autor: Verena Hoffmann; Fotos: Schmitz Photoimaging, Bremen

Hamburg, 12.03.2018

Konteradmiral Carsten Stawitzki mit Andrea Schreiber

 Konteradmiral Carsten Stawitzki mit Andrea Schreiber, der
 Diversity-Beauftragten von Mercedes Benz Bremen

Diversity eine nicht zu delegierende Führungsaufgabe

Marco Bode, Aufsichtsratsvorsitzender SV Werder Bremen

Vortrag vor interessierter Zuhörerschaft

,,Diversity ist eine nicht zu delegierende Führungsaufgabe"

Podiumsdiskussion mit Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik

Facettenreiche Podiumsdiskussion mit Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik

Podiumsdiskussion mit Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik

Vielfalt eröffnet neue Chancen

Gruppenbilder der Initiatoren und Vortragenden

Diversity, ein Thema für Bundeswehr, Industrie, Wissenschaft

 

 

„Führen durch Vielfalt – Vielfalt durch Führen“ - Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik haben zu diesem Thema einen spannenden Abend in Bremen gestaltet. Die Netzwerkagentur retorio hatte dazu ins Mercedes-Kundencenter nach Bremen eingeladen. Marco Bode, Aufsichtsratsvorsitzender des SV Werder Bremen, Oliver Schneider, Geschäftsführer von PractiGo GmbH, Pädagogik-Professorin Jutta Berninghausen von der Hochschule Bremen und Konteradmiral Carsten Stawitzki hielten Vorträge und standen anschließend im Rahmen einer Podiumsdiskussion zum Thema Vielfalt den knapp hundert Personen Rede und Antwort. Der Kommandeur der Führungsakademie stellte klar: „Die Bundeswehr hat die Chancen von Diversity-Management erkannt und nutzt die Vielfalt, sie sieht die gelebte Alltagsherausforderung von Führungskräften in der Bundeswehr als Bereicherung an.“

Vielfalt als Beitrag zum Erfolg

Bereits in den einleitenden Worten der Initiatorin und Diversity-Beauftragten von Mercedes Benz Bremen Andrea Schreiber wurde deutlich, dass der Erfolg eines Unternehmens wie Mercedes Benz davon abhängt, wie die Vielfalt der Mitarbeiter genutzt wird. Nur so könne dem Problem des künftigen Fachkräftemangels entgegen gewirkt werden. Eine Organisation, die die Vielfalt ihrer Mitarbeiter als etwas Positives erlebt und fördert, schaffe auch künftig eine starke Arbeiterbindung auf Basis von Motivation, Vertrauen und Teamarbeit. Darauf aufbauend stellte Konteradmiral Stawitzki in seinem Vortrag die Bedeutung von Vielfalt für eine Organisation wie der Bundeswehr heraus.

Diversity-Management in der Bundeswehr

Gerade eine Organisation wie die Bundeswehr, die vom äußeren Erscheinungsbild her uniform auftritt, ist laut Konteradmiral Stawitzki dazu angeraten, die Vielfalt in den Köpfen ihrer unterschiedlichen und individuellen Mitarbeiter zu nutzen. In seinem Vortrag beschäftigte er sich mit der Frage, wie viel Vielfalt die Uniform verträgt, und bezog dabei auch explizit die zivilen Mitarbeiter der Bundeswehr mit ein. In seinen Worten stellte er deutlich heraus, dass die Bundeswehr Vielfalt in Uniform braucht. „Nur allzu oft steht eine Führungskraft vor der Frage, wie sich eine Projektgruppe für einen Auftrag zusammensetzen soll, und wir stellen dabei unser Team nach unserem Spiegelbild oder eingefahrenen Denkmustern zusammen… gewohnte Arbeitsweisen, bewährte Teams. Doch je diverser wir Arbeitsgruppen zusammenstellen, ob alt, ob jung, ob Frau, ob Mann, ob Soldat oder Zivilkraft, desto umfangreicher profitieren wir von den unterschiedlichen Erfahrungen und Ideen." Folglich lautet sein Appell an die modernen Führungskräfte von heute und morgen: „die bequemen Arbeitsweisen hinter sich lassen, Neues zulassen, vom anfänglichen Chaos der Koordination neuer Teams nicht abschrecken lassen."

Nicht zu delegierende Führungsaufgabe

Ist, um die Chancenvielfalt in der Bundeswehr zu gewährleisten, eine beauftragte Person für Diversity-Management, ähnlich einer Fachkraft für Arbeitssicherheit nötig? Hier vertritt Konteradmiral Stawitzki ein klares Nein. Die Aufgabe Diversity-Management und die Steuerung der daraus entstehenden Chancen will er nicht delegieren, dies sei seine Aufgabe und die aller Führungskräfte. „Für Vorgesetzte ist es eine Verpflichtung, mit Vielfältigkeit und Andersartigkeit der anvertrauten Menschen bewusst und respektvoll umzugehen, dazu gehört auch, sich dadurch Chancen einzugestehen", erklärt der Akademie-Kommandeur. Für die Bundeswehr stellt dies eine weitere Facette dar, als Arbeitsgeber attraktiv und damit wettbewerbsfähig zu bleiben. Es geht laut Stawitzki um das Schaffen von Rahmenbedingungen, innerhalb derer sich vielfältige Talente entfalten können, „denn die Vielfalt ist eine unserer größten Stärken".

Umfangreiches Fotoprojekt

Mit Freude verwies der Kommandeur der Führungsakademie auf sein Projekt „Uniformierte Vielfalt“, das anlässlich des Diversity-Tages am 30. Mai 2017 an der Führungsakademie vorgestellt wurde. Die Fotoausstellung, von der Teile im Mercedes-Kundencenter in Bremen der interessierten Öffentlichkeit für den Abend präsentiert wurden, zeigt Angehörige der Führungsakademie aus zwei verschiedenen Blickwinkeln. Ein Bild lichtet die Personen in ihrer Büro-/Arbeitskleidung ab, das andere Bild zeigt die Person in Privat-/Hobbykleidung. Dazwischen befindet sich ein selbst gewähltes Objekt, das die Person für sich als wichtig erachtet. Die Ausstellung soll darauf aufmerksam machen, dass wir Menschen in unserem geschäftigen Arbeitsalltag oft nur in ihrer offiziellen Position und Funktion wahrnehmen, die Individuen dahinter mit all ihren Fähigkeiten, Fertigkeiten und vielseitigen Interessen jedoch oftmals nicht beachten. Mit dieser Ausstellung, so Stawitzki, will die Führungsakademie der Bundeswehr zeigen, dass Uniform und Vielfalt nicht im Widerspruch zueinander stehen. Er lädt das Publikum herzlich zum Tag der Bundeswehr am 9. Juni 2018 nach Hamburg ein, wo die Ausstellung ein weiteres Mal gezeigt werden wird.

„Diversity ist kein Automatismus"

Mit diesen Worten beschrieb Marco Bode, Aufsichtsratsvorsitzender SV Werder Bremen, die Bedeutung von Diversity auch für den Bereich Profi-Fußball. Er ging sogar so weit, den Fußball als Vorreiter für Diversity zu bezeichnen, denn hier wird seit langem nicht auf das Alter, sondern auf die Kompetenzen geschaut. Alle Spieler vereinen die gemeinsamen Nenner: die Freude am Spiel, den Willen zu gewinnen, gemeinsam im Team zu Bestleistungen zu kommen. Ob im Sport, im Studium, in der Arbeitswelt oder in der Bundeswehr… am Ende des Abends haben die Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik die Bedeutungsvielfalt von Diversity für die künftige Arbeitswelt eindrucksvoll herausgestellt. Im Mittelpunkt dabei: Immer der Mensch als Individuum.

 

Autor: Andreas Aschert; Fotos: Bundeswehr

Hamburg, 08.03.2018

Dr. Schoeps im Vortrag

 Dr. Schoeps im Vortrag

Angehende Fach- und Führungskräfte

Angehende Fach- und Führungskräfte

Sanitäter im Einsatz

Sanitäter im Einsatz

Dr Schoeps im strategischen Gespräch

Dr Schoeps im strategischen Gespräch

 

 

 

Rund 20 militärische Ärzte aus dem Organisationsbereich Sanitätsdienst haben das fünftägige Weiterbildungsmodul „Führungskräftetraining Sanitätsdienst“ an der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) besucht. Als hochkarätiger Gast und Redner reiste der stellvertretende Inspekteur Sanitätsdienst und Kommandeur Gesundheitseinrichtungen, Generalstabsarzt Dr. med. Stephan Schoeps, an. In seiner Funktion als Kommandeur Gesundheitseinrichtungen sensibilisierte er die Teilnehmer unter anderem in Bezug auf die Einsatzfähigkeit. Konteradmiral Carsten Stawitzki, Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr, begrüßte ihn dazu in der Generalleutnant-Graf-von-Baudissin-Kaserne.

Hauptauftrag Ausbildung

„Die Bundeswehrkrankenhäuser sind quasi ein Krankenhauskonzern und nehmen mit der Behandlung von zivilen Patienten rund 210 Millionen Euro ein“, so die einleitenden Worte des Generalstabsarzt Stephan Schoeps im aktuellen Lagevortrag. Die Einnahmen entstehen, weil durch den Hauptauftrag der Ausbildung bestqualifiziertes Personal für die Bundeswehr bereit gehalten wird und die Auslastungen der Krankenhäuser auch zivilen Patienten zur Verfügung steht.

Einsatzort ist nicht zu Hause 

„Wir sind aber nicht ein militärisches Krankenhaus mit dem Einsatzort zu Hause“, führte Schoeps weiter aus. Damit betonte er vor den Teilnehmern den verdrängten weiteren Hauptauftrag, die Abstellung von Personal für Bundeswehreinsätze. Nach Schoeps muss der maximale Output von einsatzbereiten Sanitätsdienstsoldaten ausgehen, und diesem seien die klinischen Erfordernisse unterzuordnen. „Dazu gehört, dass sanitätsdienstliches Personal militärische Aus- und Fortbildung betreibt. Als Führungspersonal ist es somit Ihre Leistung, dieses zu gewährleisten“, so der Generalstabsarzt Schoeps zu den anwesenden Ärztinnen und Ärzten. 

Zertifiziertes Personal

Ein Gegenargument, das besagt, dass inzwischen zertifizierte Krankenhäuser gefordert sind und die Zertifikate an Fachpersonal gebunden sind und dieses daher für die Häuser schwer abkömmlich ist, ließ der General nicht gelten. Er beantwortete das Argument mit der herausfordernden Frage: „Welche Zertifikate braucht es denn für den Kernauftrag?“

Fachkraft oder Führungskraft

Als ein Sanitätssoldat, der die Karriere vom Facharzt zur Führungskraft eingeschlagen hat, weiß Generalstabsarzt Schoeps genau um den Spagat zwischen Führungskraft und Sanitätsdienstsoldat, beziehungsweise Facharzt. „Wir haben das Problem, dass wir eigentlich keine Vorbilder haben“, so Schoeps zu den Seminarteilnehmern, die sich entscheiden müssen, ob sie Fachkraft oder Führungskraft seinen wollen. „Daher ist es problematisch, dass die Bundeswehrärzte kaum eine militärische Ausbildung durchlaufen“, so der hohe Sanitätsgast.

Wertschätzung nicht vernachlässigen

Es fehle der Blickwinkel eines Kompaniechefs, wie bei einem Heeresoffizier, und dennoch könne man irgendwann in die Situation eines Vorgesetzen kommen. „Wir bringen uns das dann irgendwie selbst bei, meist autodidaktisch“, schlussfolgert der Generalstabsarzt aus seinen Erfahrungen. Seine Empfehlung an die Seminarteilnehmer sei es daher, die Wertschätzung nicht zu vernachlässigen. Sie sei in der Führung von Menschen ein wesentlicher Punkt zu einer guten Führung. Vertrauen sollte dabei an hoher Stelle stehen, nicht zuletzt, um den Blick für das Wesentliche nicht zu verlieren.

 

Falke über dem Kornfeld

Ähnlich sieht es der Kommandeur der Führungsakademie, Konteradmiral Carsten Stawitzki. Er gab den Teilnehmern mit seinen einleitenden Worten „Man muss ertragen lernen, dass andere etwas tun, was man selber nicht mehr machen kann“, das Bild vom Falken über dem Kornfeld mit auf den Weg. Nach Stawitzki müsse der über dem Kornfeld kreisende Falke das Gespür entwickeln, sich nur auf den anderes bewegenden Halm zu stürzen, weil da die Maus sitzt, und nicht permanent die ganze Zeit auf jeden Halm zu stürzen.

Strategisches Management

So sollen die Teilnehmer laut Kommandeur nicht zu denen werden, die im Bild des Falken den ganzen Tag über dem Feld kreisen und nicht wissen, was los sei, oder die ganze Zeit jagen und nicht wissen, was am anderen Ende des Feldes los sei. Das sei für den Kommandeur zugleich strategisches Management. „Sie müssen das Wechselspiel beherrschen, um nicht das Gespür zu verlieren, zu sehen, wo die Meinung der Spezialisten erforderlich ist, um strategische Entscheidungen zu treffen."

Autor: Verena Hoffmann/ Inka v. Puttkamer; Foto: Verena Hoffmann/ Inka v. Puttkamer

Hamburg, 08.03.2018

Ben Schievelbein führte als Sprecher des IKZ durch den Abend

Brigadegeneral Thorsten Puschmann bei seinem Vortrag

 90 Teilnehmer verfolgten Interessiert den Ausführungen

Dr. Robert Glawe der Experte für Wettbewerbs- und Vergaberecht

Es ist eine seit fünf Jahren etablierte Veranstaltung: Die Deutsche Gesellschaft für Wehrtechnik e.V. (DWT) ist mit ihrem Geschäftsführer, Konteradmiral a.D. Karl-Wilhelm Ohlms, und zusammen mit ihrer Tochtergesellschaft, dem Inititativkreis Zukunft (IKZ), zum „Hamburger Impuls“ an die Führungsakademie der Bundeswehr gekommen, um Themen der Sicherheits- und Verteidigungspolitik sowie der Wehrtechnik und der Verteidigungswirtschaft zu diskutieren. Im Publikum saßen knapp 90 Teilnehmer des nationalen General- und Admiralstabsdienstlehrgangs 2017 und folgten gespannt dem Diskurs. Durch den Wechsel aus Vorträgen und anschließenden Diskussionen war auch genau das garantiert. Wortgewandt führte Gunnar Ben Schievelbein als Sprecher des IKZ durch den Abend, er hatte große Freude an den detaillierten Nachfragen und kritischen Fragen.

"Think the impossible"

Brigadegeneral Thorsten Puschmann, Abteilungsleiter im Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr, macht den Anfang und spricht über aktuelle Aspekte der Agenda Rüstung und der Agenda Nutzung. Als Highlight hat er die rüstungspolitischen Aspekte des vorläufigen Koalitionsvertrages ausgewertet, was das besondere Interesse der Zuhörer gewinnt. Fähigkeitslücken sollen geschlossen und den Soldaten die bestmögliche Ausrüstung zur Verfügung gestellt werden. Dazu passt der Vergleich, den der Kommandeur der Führungsakademie, Konteradmiral Carsten Stawitzki, in seiner Begrüßung aufstellt, fast perfekt: Ein Hausbau ist wie die Beschaffung von Wehrmaterial: Ein jeder Hausbauer befasst sich bei der Hausplanung mit den drei kritischen Parametern Zeit, Ressourcen und Qualität.

Große Chance

Wenn nun die Gewerbe mit eingebunden werden, kann die Vergabe der Aufträge nach dem freien Willen und der Schwerpunktsetzung des künftigen Hausbesitzers erfolgen. Dies geht aber zu Lasten von Zeit, Ressourcen oder Qualität. So frei ist die Bundeswehr in der Entscheidung jedoch nicht immer. Und daher sieht Stawitzki es als eine große Chance für die Lehrgangsteilnehmer, ein besseres Verständnis für die Belange der Industrie zu entwickeln und dabei die DWT als neutrale Plattform kennen zu lernen. Die Ermutigung zum Querdenken und kritischen Denken bleibt dabei immanent. Der Vortrag von Andreas Frank von Rheinmetall Electronics zielt in eine ähnliche Richtung: Es geht um Compliance, die Einhaltung von Gesetzen und Richtlinien in Unternehmen. Zusammenarbeit zwischen wehrtechnischer Industrie und Bundeswehr. 

„Dialog ist eine Notwendigkeit"

Dr. Robert Glawe, Rechtsanwalt bei Bird & Bird LLP, ist Experte für Wettbewerbs- und Vergaberecht. Er will mit bestehenden Mythen aufräumen und äußert diese plakativ. „Vergaberecht ist Böses aus Brüssel“, sagt er spaßend, und entkräftet daraufhin mit den Argumenten, dass Vergaberecht Wettbewerb fördert und außerdem Korruption verhindert - hier schließt sich der Kreis zum vorangegangenen Thema. Auch das Vorurteil „Vergaberecht verbietet den Dialog zwischen Streitkräften und Industrie“ sei nicht richtig. Wichtig ist aber, dass der Dialog in alle Richtungen gepflegt wird und sich nicht auf bestimmte Firmen konzentriert. Der Appell aller Vortragenden lautet wie das Motto, das sich die DWT für das Jahr auferlegt hat: „Kommen wir raus, kommen Sie raus aus der eigenen ,bubble´ und bleiben wir, bleiben Sie neugierig. Nur so ist Weiterentwicklung und Fortschritt möglich.“ Übersetzt: Nur so können wir für unsere Soldaten die gemäß Koalitionsvertrag festgelegte bestmögliche Ausrüstung definieren und entwickeln.

Besseres Verständnis

Beim anschließenden Empfang war zu sehen, wie dies sofort in die Tat umgesetzt wird: Die angereisten Industrievertreter durchmischen sich mit den Lehrgangsteilnehmern, und es wird eifrig diskutiert. Ein ausländischer Lehrgangsteilnehmer resümiert, dass er diesen Dialog zwischen Industrie und Bundeswehr sehr ergiebig findet: „So kann jeder die andere Seite besser einschätzen und weiß Sachverhalte besser einzuschätzen.“

 

Autor: Markus Neske  ; Fotos: Laura Clayborn

Hamburg, 06.03.2018

General Ben Hodges trägt vor

General Ben Hodges trägt vor

Der General erklärt seine Einschätzung zur Sicherheitspolitik

Der General erklärt seine Einschätzung zur Sicherheitspolitik

Angeregte Diskussion im Plenum

Angeregte Diskussion im Plenum

 

 

Die Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) hatte Besuch durch den ehemaligen kommandierenden General der US Army in Europa (USAREUR), Lieutenant General Ben Hodges. Generalleutnant Hodges besuchte den Internationalen Lehrgang Generalstabsdienst / Admiralitätsstabsdienst (LGAI).

Neue Herausforderungen

Lieutenant General Ben Hodges arbeitet seit der Übergabe des USAREUR Kommandos im Dezember 2017 an seinen Nachfolger für das Center for European Policy Analysis (CEPA). Das CEPA ist eine unabhängige, gemeinnützige US-amerikanische Denkfabrik, die sich seit 2006 mit der politischen, ökonomischen und sozialen Situation der Länder Mittel- und Osteuropas und deren Verhältnis zu den USA beschäftigt.

Sicherheitspolitik und US-amerikanisches Engagement

In seinem Kurzvortrag vor dem LGAI teilte General Hodges seine Einschätzungen über aktuelle sicherheitspolitische Herausforderungen in Europa mit und beschrieb im weiteren Verlauf das derzeitige US-amerikanische Engagement in Europa. Die US-Aktivitäten im Rahmen der Operation Atlantic Resolve (OAR) standen dabei im Vordergrund. OAR ist eine 2014 begonnene und von den Vereinigten Staaten durchgeführte Operation zur Unterstützung und Bestärkung der NATO-Alliierten in Europa.

Ein Freund Deutschland an der FüAk

Abschließend sprach Hodges, der sich selbst als großer Freund Deutschlands und Europas bezeichnet, über die Rolle Deutschlands und der Bundeswehr im Zusammenhang mit derzeitigen europäischen Herausforderungen. Hierbei appellierte er für eine offenere Diskussion im Zusammenhang mit dem angestrebten Zwei-Prozent-Ziel der Verteidigungsausgaben Deutschlands. General Hodges regte an, eine schnellere Verlegefähigkeit innerhalb Europas, beispielsweise auch durch Investitionen in die Infrastruktur (z.B. Hafen- und Schieneninfrastruktur) stärker zu gewährleisten.

Zusammenarbeit zwischen FüAk und CEPA

Nach einer angeregten Diskussionsrunde mit den LGAI-Teilnehmern traf General Hodges zum Ende des Tages noch den Kommandeur der Führungsakademie, Konteradmiral Carsten Stawitzki, und dessen Stellvertreter, Flottillenadmiral Karsten Schneider, zu einem persönlichen Austausch. Bei dieser Gelegenheit besprachen die Führungskräfte auch die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit zwischen CEPA und der FüAkBw (Denkfabrik).

Autor: Christoph Weigmann; Fotos: Katharina Roggmann

Hamburg, 05.03.2018

Die 16 jungen Diplomaten mit Oberst i.G. Nannt vor dem Admiral-Dieter-Wellershoff Gebäude an der FüAkBw

Der Direktor Strategie und Fakultäten, Oberst i.G. Boris Nannt begrüßt die Vertreter der Balkan Länder

 

 

 

Wenn eine Gruppe von Diplomaten zu Gast an der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) in Hamburg ist, wird die FüAk Teil des diplomatischen Netzwerks der Bundesrepublik Deutschland: bilateraler Austausch von entscheidender Relevanz. So war das auch gestern der Fall, als 16 junge Diplomaten aus Albanien, Bosnien-Herzegowina, dem Kosovo, aus Kroatien, der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien, Montenegro und aus Serbien in Hamburg die Akademie besuchten. Sie sind Teilnehmer am 8. West-Balkan-Kurs des Auswärtigen Amtes. Begleitet wurden die Vertreter der Balkan-Länder durch Botschafterin a.D. Gudrun Steinacker. An der FüAk wurde die Gruppe durch den Direktor Strategie und Fakultäten, Oberst i.G. Boris Nannt, begrüßt.

FüAk gibt Stoff für Diplomaten

Es war das Anliegen der FüAk, der kleinen Gruppe einen Überblick über die Organisation und die Lehrinhalte der FüAk zu geben. Diesen Impuls setzte Oberstleutnant i.G. Matthias Friedrich. Er gab mit seinem Vortrag einen Einblick in den Ausbildungsauftrag der FüAk und stellte den osteuropäischen Diplomaten das Ausbildungskonzept der FüAk dar. Angefangen von der Stabsoffizierausbildung über die Generalstabsdienstausbildung in der Ausbildung der Spitzenführungskräfte der Bundeswehr bis hin zur Umsetzung des Ansatzes eines lebenslangen Lernens durch modulare Ausbildungsinhalte gewannen die diplomatischen Führungskräfte einen kompakten Überblick über die komplexe Ausbildungswelt der FüAk.

Deutsche Sicherheitspolitik

Mit dem sich anschließenden Vortrag von Dr. Philipp Münch, Dozent für Europäische Verteidigungs- und Rüstungspolitik an der Fakultät Politik, Strategie und Gesellschaftswissenschaften an der FüAk, setzte sich der informative Tag fort. Münch führte die Zuhörer in die komplexe Welt der deutschen Sicherheits- und Verteidigungspolitik ein. Ausgehend von den geopolitischen und historischen Rahmendaten besprach Münch im Anschluss die Prinzipien der deutschen Sicherheitspolitik. Anhand der im Weißbuch 2016 aufgeführten Inhalte erläuterte er den Diplomaten die Wertegrundlagen der deutschen Politik, die deutschen Interessen und Ziele einer deutschen Sicherheitspolitik. Eingehend ging Münch dabei auf das Dreieck einer präventiven, umfassenden und multilateralen Einbindung der deutschen Sicherheitspolitik im internationalen Kontext ein.

Künftige Herausforderungen

Der Blick auf künftige Herausforderungen für die deutsche Sicherheit führte Münch zum Auftrag der Bundeswehr. In diesem Kontext zeigte er ausführlich das Einsatzspektrum der deutschen Streitkräfte auf. Insgesamt bot der Vortrag viele Ansatzpunkte für Fragen aus dem Planum der Diplomaten, die diese Chance auch zu nutzen wussten. „Es war ein beeindruckender Vortrag, der uns sehr viel gebracht hat.“ Mit diesen Worten bedankte sich die Sprecherin der 16 Diplomatinnen und Diplomaten, Milica Radojicic aus Montenegro, bei dem FüAk-Dozenten. Anschließend machte sich der 8. West-Balkan-Kurs auf den Weg nach Berlin und Potsdam.

 

 

 

Autor: Steffen Harloff; Fotos: Katharina Roggmann / Bundeswehr

Hamburg, 01.03.2018

Verwendung historischer Ausbildungsmittel  im Modul

1868 Bleibtreu Schlacht bei Koeniggraetz

MFIS-Anerkennung für die Absolventen

Ziel ist eine möglichst realitische Abbildung von historischen Entscheidungssituationen

Die Proklamierung des deutschen Kaiserreiches (18.Januar1871)

 

 

Im Modul „Strategie in wissenschaftlicher Perspektive“ des Studiengangs "Militärische Führung und Internationale Sicherheit (MFIS)“ an der Helmut-Schmidt-Universität (HSU), haben die Teilnehmer Geschichte modern wieder aufleben lassen: das “Reiswitzsche Kriegsspiel”. Dieses historische Ausbildungsmittel ist ursprünglich ein Instrument des Offizierskorps der preußischen Armee im 19. Jahrhundert gewesen. Es ging in dem Modul darum, anhand eines historischen Beispiels herauszufinden, wie Entscheidungsfindung simuliert werden kann. 

Der Studiengang MFIS

Der Studiengang MFIS knüpft an den Lehrgang Generalstabs-/Admiralstabsdienst National (LGAN) der Führungsakademie der Bundeswehr an und ergänzt die berufspraktischen und theoretischen Inhalte des Lehrganges um wissenschaftliche Inhalte auf universitärem Niveau. MFIS kann freiwillig neben dem LGAN in der Freizeit studiert und mit dem Master of Arts abgeschlossen werden. Circa 80 Prozent des laufenden LGAN sowie frühere Absolventen dieses Lehrgangs haben im Studiendurchgang 2017 das Studium aufgenommen. Der dabei entstehende gedankliche Austausch zwischen angehenden Offizieren im Generalstabs-/Admiralstabsdienst und erfahrenen Soldaten bis in den Generals-/Admiralsrang in gleichberechtigter wissenschaftliche Diskussion wird auch in diesem Jahr rege wahrgenommen und geschätzt.

Offiziere üben in Königgrätz

Seit mehreren Jahren wird das preußische „Kriegsspiel“ an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg erforscht. Neben regelmäßigen Tests mit Studierenden bot sich im Januar 2018 im Studiengang MFIS der HSU die Möglichkeit, an der Führungsakademie der Bundeswehr dieses Trainingsinstrument mit angehenden Offizieren im Generalstabs-/Admiralstabsdienst als Teilnehmern zu verwirklichen. Als Beispiel diente die Schlacht von Königgrätz.

Simulator von gestern

Im Jahr 1824 übernahm die preußische Armee die Erfindung des jungen Artillerieleutnants Georg Wilhelm von Reiswitz als zentrales Ausbildungsmittel. Im Gegensatz zu früheren Kriegsspielen handelte es sich bei seiner Erfindung nicht um ein Spiel im eigentlichen Sinne, sondern – vergleichbar zu heutigen, größtenteils computergestützten Simulationen – vielmehr um ein nach bestimmten Regeln auf einer topografischen Karte dargestelltes Manöver, mit dem Ziel einer möglichst realistischen Abbildung von Entscheidungssituationen.

Taktische Erfahrung am Spielbrett

Für die preußische Armee, die aus finanziellen Gründen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nur selten größere Manöver durchführte, besaß die Erfindung von Georg Wilhelm von Reiswitz doppelten Wert: Zum einen bot sie die Möglichkeit, Vorgehensweisen auf taktischer und operativer Ebene einzuüben, zum anderen ermöglichte sie es den preußischen Offizieren, Erfahrung im Umgang mit topografischem Kartenmaterial zu gewinnen. Die Verwendung solcher Karten bildete einen wichtigen Unterschied zwischen den „Kriegsspielen“ des 18. und frühen 19. Jahrhunderts, deren „gerasterte Karten“ meist aus dem Spielbrett des Schachspiels abgeleitet waren.

Wegbereiter zur Reichsgründung

In der Schlacht trafen im Deutschen Krieg die Truppen Preußens am 3. Juli 1866 auf die Armeen Österreichs und Sachsens. In einem Gelände von etwa zehn Kilometern Breite und fünf Kilometern Tiefe bekämpften sich über 400.000 Soldaten in einer verlustreichen Schlacht. Sie gilt als einer der Wegbereiter für die Deutsche Reichsgründung 1871.

Vergessenes Ausbildungsmittel

Mit dem Curriculum des MFIS in der Clausewitz-Kaserne war es vermutlich das erste Mal seit mehr als hundert Jahren, dass dieses Ausbildungsmittel der preußischen Armee wieder in der Weiterbildung von Offizieren zur Anwendung kam. Sowohl für die Studierenden, als auch für die militärhistorische Forschung ergaben sich dabei wertvolle Erkenntnisse hinsichtlich der Möglichkeiten und der Grenzen dieses historischen Ausbildungsinstrumentes. Es wurde deutlich, dass die Grundsätze für taktische Operationen sowie deren Abbildung in Ausbildung und Übung damals wie heute unverändert Gültigkeit besitzen. Was heißt das genau? Ein Beispiel: Ein Befehl muss, damit er funktioniert wie geplant, nicht nur fachlich durchdacht sein, sondern auch rechtzeitig erteilt und umgesetzt werden, damit die Truppe damit erfolgreich ist. Alle Beteiligten sind sich einig: eine große Bereicherung für die eigene akademische Weiterbildung.

 

 

Autor: Stefan Berger mit Ergänzungen von Christoph Weigmann; Fotos: Katharina Roggmann

Hamburg, 28.02.2018

Zivil-militärisches Zusammenwirken in der Planungsphase

Major Awasthi beim Vortrag

Honorarkonsul Madan Lai Raigar und Frau, Konteradmiral Carsten Stawitzki, Verteidigungsattaché Brigadegeneral Gurvindr Singh und Frau (v.l.n.r.)

Die indische Sängerin Suprabha KV stimmte die Gäste mit dem "National SOng" auf die Rpublik Indien ein

Begeisterte Zuhörer

Tänzerinnen der Bollywood Dance Company Tatjana Wegener

Verteidigungsattaché Brigadegeneral Gurvindr Singh überreicht das Gastgeschenk an die FüAk

Prakruthi Kolay entführte mit dem alten Tempeltanz Bharathanatyan

 

„In Indien ist es eine Tradition, zuerst eine Lampe anzuzünden, bevor verheißungsvolle Ereignisse oder Rituale beginnen.“ Mit diesen Worten forderten die beiden indischen Referenten und Veranstalter des Abends, Fregattenkapitän Anshal Sharma und Major Himanshu Awasthi, die Ehrengäste des Abends, deren Ehepartner und den Kommandeurr der Führungsakademie, auf, das 'Divya Jyotir', das 'Göttliche Licht', zu entzünden. Die beiden Offiziere sind Teilnehmer des internationalen Lehrgangs Genralstabsdienst / Admiralstabsdienst (LGAI) an der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw).

Hoher Besuch aus Indien

Zuvor begrüßte Konteradmiral Carsten Stawitzki die Gäste des Abends und den LGAI 2017 zu dem Großen Nationalen Informationstag, der an der FüAk kurz GNIT genannt wird. Dem indischen Verteidigungsattaché Brigadegeneral, Gurvindr Singh, und seiner Frau sowie dem Generalkonsul von Indien in Hamburg, Madan Lai Raigar und seiner Frau, galt die besondere Aufmerksamkeit.

Die Indische Hymne zu Beginn

Den Einstieg in eine Reise durch das unbeschreibliche Indien erlebten die Gäste mit der live gesungene Hymne an das Mutterland aus dem Jahr 1950. Die indische Sängerin Suprabha KV stimmte die Gäste mit dem "National Song" auf die Republik Indien ein.  Die beiden Referenten Fregattenkapitän Sharma und Major Awasthi überraschten dann mit faszinierenden Bildern und Informationen über ein Land, das in seinen Traditionen, seiner Kunst, Kultur und Literatur genauso verwurzelt ist wie es heute der Gegenwart und Zukunft zugewandt ist. Mit ihrer Präsentation zeigten die beiden Offiziere aus dem LGAI 2017 die Schönheit und die Geheimnisse Indiens und ihrer Menschen auf und gaben damit einen Überblick darüber, was diese große Nation ausmacht.

Incredible India

Incredible India! Gebannt folgten die Gäste einer Reise in das Land des Mystischen und Unerwarteten. Sie folgten in ein Land mit etwa 1,3 Milliarden Menschen, die nahezu allen der Menschheit bekannten Glaubensrichtungen angehören und die sich trotzdem als eine Einheit, eine freie Nation, eine Gemeinschaft der Inder verstehen.

Indien – ein Land der Superlative

Die beiden Referenten stellten ein Land vor, dass das siebtgrößte Land der Erde ist, die sechstgrößte Wirtschaft der Welt aufweist, die drittgrößte Armee sein eigen nennt und zudem noch eine Atommacht ist. Die Zuhörer folgten der Reise in ein Land, das reich an einem kulturellen Erbe ist. Die Menschheit hat durch indische Mathematiker die Zahl „Null“ erhalten und das Dezimalsystem. Trigonometrie, Geometrie und Astronomie wurden in Indien gelehrt, und die medizinischen Wissenschaften wurden durch Inder maßgeblich geprägt.

Ein Land der Vielfalt

„Wir kommen aus einem Land des Friedens und der Ruhe. Indien ist vielfältig: Ob Berge, Wüsten, Ebenen, Küsten und Strand, wir haben sie alle“, stellte Fregattenkapitän Sharma in seinem Vortrag heraus. Dass Indien tatsächlich eine komplexe Nation und ein seltenes Beispiel für Vielfalt ist, ergänzte Major Awashti in seinem Vortragsteil anhand der Geografie, der Flora und Fauna. Er erzählte von unterschiedlichen Lebensstilen, von den beiden Amtssprachen Englisch und Hindu, von 22 Hauptsprachen und 122 weiteren Sprachen, die dort existieren. Der bildhafte Blick auf unterschiedliche Kleidungsstile und die Vielfalt der indischen kulinarischen Spezialitäten machte den Reichtum dieses Subkontinentes deutlich.

Die indische Armee

Insbesondere die 15.200 km lange Landesgrenzen und die strategische Lage Indiens an zwei Ozeanen leiteten zu einer Übersicht über Auftrag und Leistungsfähigkeit der indischen Streitkräfte über. In den indischen Streitkräften leisten 1,325 Mio. Soldaten ihren Dienst, die von 2,14 Mio. Reservisten unterstützt werden. Indien weist die fünftgrößte Marine mit über 200 Schiffen auf.

Indische Politik hat viele Herausforderungen

Die Förderung und Aufrechterhaltung eines friedlichen und stabilen außenwirtschaftlichen Umfelds, in dem die innenpolitischen Aufgaben der integrativen Wirtschaftsentwicklung und der Armutsbekämpfung schnell und ohne Hindernisse voranschreiten können, bleiben hingegen weiter wesentliche Ziele der indischen Politik. Auch die Partnerschaft zu Deutschland, mit dem Indien seit 2001 eine "Strategische Partnerschaft" eingegangen ist, stellten die beiden Referenten besonders hervor.

Indische Kultur an der FüAk

Der Große Nationale Informationstag über Indien fand mit Vorführungen aus der über die 5.000 Jahre alten, sehr reichen Kultur und Tradition Indiens seinen Abschluss. Durch diesen Teil des Abends führte Anna Gruber, die fachkundig die kulturellen Etappen erläuterte.

Indischer Blumentanz verzauberte das Medienzentrum

Die indische Tänzerin Prakruthi Kolay entführte mit dem alten Tempeltanz Bharathanatyan in die mystische Welt Indiens. Es ist ein Blumentanz, der der Mutter Erde huldigt. Mit ihrem Tanz „Namo Namo“ erfolgte eine Huldigung an die Schönheit Indiens. Indische Tänze wurden im Anschluss von der Tanzgruppe Desi Jarman Vaale aufgeführt. Der alte Tanz Bhangra, mit dem der Frühjahrsbeginn gefeiert wird, zeigte den Zuschauern ein Beispiel der alten Tanztradition Indiens.

Bollywood ganz nah

Die Moderne wurde von der Bollywood Dance Company Tatjana Wegener verkörpert. Drei Tänzerinnen tanzten Tänze aus einem Genre, das ursprünglich der indischen Filmindustrie entstandt. Der Tanzstil Bollywood, der seinen Namen aus den Worten „Bombay“ und „Hollywood“ hat, ist heute eine eigenständige Tanzrichtung mit universalem Charakter, die Elemente des Hip-Hop und des Bauchtanzes in sich birgt.

Indische Lieder zum Abschluss

Abschließend sang noch einmal Suprabha KV aus Bangalore indische Lieder. Sie begann mit „Chira Liya Hai“, das dem Old Bollywood Mashup entstammt. Es folgte von Sohra Saal das Lied „Hai Apna Dil T oh Aawara“ und von Padoson „Mere Saamne Wali Khidki Mein“. Bei dem anschließenden Empfang mit indischen Speisen und Getränken gab es nach diesem stimmungsvollen Vorträgen und Darbietungen noch reichlich Gelegenheit zum Austausch über das Incredible India!

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 


 

 

Autor: Christoph Weigmann; Fotos: Laura Clayborn

Hamburg, 23.02.2018

Zivil-militärisches Zusammenwirken in der Planungsphase

Begrüßung von Gästen durch den Leiter LGAI, Oberst i.G. Frank Wasgindt und Frau Andrea Tempel

Angeregter Austausch unter den Zuhörern

Begrüßung durch Konteradmiral Carsten Stawitzki

Auf der Bühne: Korvettenkapitän Bayoumy, Fregattenkapitän Melki, Oberstleutnant Laamech, Fregattenkapitän Benarab, Fregattenkapitän Ahlers (v.li.n.re.)

Interessierte Zuhörer aus vielen Nationen

Fregattenkapitän Bodo Ahlers bei der Begrüßung

KKpt Bayoumy stellt sein Land Ägypten vor

 

 

Es war ein Eintauchen in den Maghreb und in die nordafrikanische Welt: Lehrgangsteilnehmer aus Ägypten, Algerien, Marroko und Tunesien des Internationalen Lehrgangs Generalstabsdienst/ Admiralitätsstabsdienst (LGAI) haben im Rahmen eines regionalen Informationstages an der Führungsakademie ihre vier Länder vorgestellt. Zu diesem Anlass konnte der Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw), Konteradmiral Carsten Stawitzki, nicht nur interessierte Gäste sowie die Teilnehmer des LGAI und Vertreter des Lehrgangs Generalitätsstabsdienst-/ Admiralitätsstabsdienst National (LGAN) in Hamburg begrüßen. Zu Gast waren auch die Leiterin des Konsulats der Tunesischen Republik, Sonja Ben Amor Ep Missaoui, und der Verteidigungsattaché bei der Botschaft des Königreichs Marokko, Oberst i.G. Youssef Bhar.

Mit Libyen beginnt die Reise

Maghreb kommt aus dem arabischen al-maġrib und bedeutet „der Westen‘‘. Damit ist auch der Schwerpunkt dieses internationalen Tages der Regionen gut umschrieben worden, denn die Vertreter kamen aus den nordwestlichen Teilen des afrikanischen Kontinents. Erweitert wurde diese regionale Abgrenzung lediglich um das Land Ägypten. Der Leiter des LGAI, Oberst Frank Wasgindt, hat in seinen einführenden Worten zunächst die Podiumsteilnehmer vorgestellt. Im Anschluss gab Fregattenkapitän Bodo Ahlers eine kurze Einführung in die nordafrikanischen Regionen, die Besonderheiten und spezifischen Herausforderungen und stellte in diesem Zusammenhang Libyen vor, das zum Maghreb gehört, jedoch nicht durch einen Lehrgangsteilnehmer des LGAI repräsentiert werden konnte.

Im Land der Pharaonen

Korvettenkapitän Ahmed Moustafa Fahim Bayoumy führte die Zuhörer sodann in das Land der Pharaonen. Mit einem Bild der Sphinx vor der Chephren-Pyramide im Sonnenuntergang gelang der gedankliche Sprung über das Mittelmeer. Nach einem Überblick über die geografischen Herausforderungen führte Korvettenkapitän Bayoumy zunächst in das politische System Ägyptens und die Außenpolitik des Landes ein. Ägypten, so Bahoumy, sei als Regionalmacht bestrebt, seinen Einfluss über die Organisation der Islamischen Zusammenarbeit, der Organisation für Afrikanische Einheit, der Arabischen Liga und den Vereinten Nationen (als nichtständiges Mitglied) geltend zu machen. Nach Bahoumy sind die deutsch-ägyptischen Beziehungen geprägt vom politischen Dialog, der wirtschaftlichen Zusammenarbeit beider Staaten, des Kultur-und Wissenschaftsaustausches sowie der Entwicklungszusammenarbeit.

Streitkräfte Ägyptens

Korvettenkapitän Bahoumy stellte in seinem Vortrag auch den Auftrag der Streitkräfte dar. Dieser gliedert sich in vier Schwerpunkte, die den Schutz der Landesgrenze beinhalten, die Aufrechterhaltung der Ordnung sowie eine Beistandspflicht der arabischen Länder und schließlich die Unterstützung der Zivilbehörden. 500.000 Soldaten, wovon 300.000 Wehrpflichtige sind, und etwa 500.000 Reservisten stellen die Streitkräfte Ägyptens dar. Auch Frauen dienen in der Arme, wobei deren Größenordnung bei rund vier Prozent liegt. Sie kommen vorwiegend im Sanitätsdienst und im Feldjägerdienst zum Einsatz. Ägypten ist derzeit in 18 UN-Missionen engagiert.

Meer, Sonne, Schnee und Sand

Das Land Algerien mit den fünf klimatischen Hauptregionen, in welches nahezu alle europäischen Länder flächenmäßig hineinpassen, wurde als nächstes durch Fregattenkapitän Abdelbassat Benarab vorgestellt. FK Benarab entführte die Zuhörer zu mediterranen Mittelmeerstränden, über schneebedeckte Bergrücken bis hin zu den Wüsten der Sahara. Die jahrtausendealte Geschichte, die von Karthago, den Phöniziern ca. 1250 v. Chr., über die Einflüsse der Römer, der Vandalen, der Byzanten, Araber Spanier und den Osmanen bis zur franz. Kolonialzeit, die von 1830 – 1962 reichte, sich erstreckte, wurde vom Fregattenkapitän anschaulich dargestellt. Er stellte im Verlauf deren Auswirkungen bis zur Moderne mit seinen Befreiungskriegen dar, die 1962 in die Unabhängigkeit führten. Die seit 1999 erfolgte Politik der nationalen Aussöhnung hat, so Benarab, mit dazu beigetragen, dass Algerien eine stabile Entwicklung genommen hat.

Algerien im Fokus

Nach einem kurzen Überblick über die wirtschaftlichen Schwerpunkte und die deutsch-algerischen Beziehungen sowie die Kurzdarstellung des politischen Systems stellte der Kapitän die Sicherheitspolitik des Landes vor. Geleitet wird diese von fünf Grundpfeilern. Diese bestehen aus der nationalen Souveränität und Integrität, aus Wohlstand und Sicherheit, regionaler Sicherheit, friedlicher Koexistenz sowie der Zusammenarbeit mit der NATO und der afrikanischen Union. Der Vortrag über Algerien, das neben der EU und AU auch Mitgliedsstaat der Organisation Islamischer Staaten (OIS), der Arabischen Liga (AL), der Union des Arabischen Maghreb, der United Nations (UN) und der NATO ist, wurde mit einer Kurzvorstellung der Streitkräfte beendet. Deren Umfang umfasst rund 200.000 Heeressoldaten, 40.000 Luftwaffensoldaten und Soldaten der Luftverteidigung sowie 20.000 Marinesoldaten. Algerien ist derzeit an vier UN-Einsätzen beteiligt. Diese stellen sich den Herausforderungen der Bekämpfung der organisierten Kriminalität, der Waffenproliferation, der Bekämpfung des Terrorismus/Radikalismus, der illegalen Einwanderung und des Drogenschmuggels. Ein besonderes Augenmerk wurde den Bedrohungen an der libyschen Grenze gewidmet.

Afrika gegenüber von Europa

Oberstleutnant Jamal Laamech stellt nach einer kurzen Pause sein Königreich Marokko vor. Die Bilder von Marakkesh, Casablanca, Fés und Rabbat, den atemberaubenden Landschaften dieses Landes und den malerischen Trachten seiner Bewohner zwischen Mittelmeer und Atlantik erinnerten die Zuhörer an 1001-Nacht-Märchen. Marokko ist gerade einmal 14 km von Europa entfernt und doppelt so groß wie die Bundesrepublik, so Oberstleutnant Laamech zu seinen Zuhörern. „Wir sind ganz nah.“ Über Marokko mit seiner jahrtausendealten Geschichte kann viel erzählt werden. 2000 Jahre alte Felszeichnungen in Zagora stellten den Beginn der Zeitreise Laamechs dar, die über die Zeit der Phönizier, der Römer, der arabischen Epoche mit deren unterschiedlichen Dynastien der marokkanischen Herrscherhäuser bis zur Konlonialzeit reicht. Das seit 1956 unabhängige Land hat 35 Millionen Einwohner, wovon 99 Prozent Muslime sind. Nach einem Überblick über eine stabil aufgestellte Wirtschaft mit den Industriesektoren, den Bereichen erneuerbare Energien und der Tourismusbranche, ließen den Oberstleutnant das politische System und die Auswirkungen des Arabischen Frühlings 2011 vorstellen. Letzterer endete in einer neuen Verfassung.

International breit aufgestellt

Ausführlich ging Laamech auf die internationale Vernetzung Marokkos ein. Er erählte von den Mitgliedschaften in der Union des arabischen Maghrebs, der Arabischen Liga, der Assoziation mit der NATO als Haupt-Alliierter außerhalb der NATO, der Union für den Mittelmeerraum oder in der Afrikanischen Union. Ein besonderes Augenmerk in der Sicherheitspolitik Marokkos wird nach Laamech auf die Sahelzone gelegt. Mit dem Überblick über die Streitkräfte Marokkos endete der interessante Vortrag. Danach leisten rund 240.000 Soldaten Dienst in den Streitkräften, wovon 180.000 in den Landstreitkräften dienen, 16.000 in der Luftwaffe, etwa 12.000 in den Marinestreitkräften und einer Gendarmerie von 25.000 Mann.

Eine lange Geschichte

Fregattenkapitän Anouar Melki stellte als letzter Referent das Land Tunesien vor. Die Bandreite des klimatischen Spektrums vom 55 Grad Celsius heißen Sommer an der Mittelmeerküste bis zu den schneebedeckten Hochgebirgslandschaften waren der Einstieg in die Präsentation eines Landes, welches viele Urlauber über Jahre bis zum Einschnitt durch den Arabischen Frühling als Ziel für die Ferien hatten. Elf Millionen Einwohnen leben in einem Land, dessen Geschichte nachweislich 8500 Jahre vor Christus begann und mit den Berber-Dynastien, den Römern, den Vandalen, den oströmischen Einflüssen über die Arabisierung, dem osmanischen Reich, der französischen Kolonialzeit bis zur Unabhängigkeit im Jahre 1956 reicht. Kurz stellte der Fregattenkapitän die Wirren zwischen den Jahren 2011 und 2014 dar und besprach in diesem Zusammenhang auch die Herausforderungen und Entwicklungen im Zuge der Revolutionsjahre 2011 bis 2013 mit dem folgenden demokratischen Übergang.

Wehrpflicht in Tunesien

Seinen Zuhörern stellte Melki die tunesische Wirtschaftsstruktur vor, die wesentlich durch Landwirtschaft, Bergbau und Rohstoffindustrien sowie Tourismus geprägt ist. Wie die anderen Maghreb-Staaten, so ist auch Tunesien unter anderem Mitglied in der Afrikanischen Union, in der Union des arabischen Maghreb, in der arabischen Liga und in den Vereinten Nationen. Sicherheitspolitisch ist die enge Kooperation mit Algerien eine wichtige Komponente und die Stabilisierung Libyens das strategische Ziel. Mit einem kurzen Überblick über die tunesischen Streitkräfte, die eine Wehrpflichtarmee sind, endete der Vortrag von Fregattenkapitän Melki. Tunesien, so sagte Melki, hat in den 57 Jahren seines Bestehens an insgesamt 20 UN-Einsätzen teilgenommen. Mit afrikanischen Speisen und Zeit zum Gespräch im Foyer endete der spannende und vielseitige Ausflug in den Maghreb.

 

 


 

 

Autor: Christoph Weigmann; Fotos: Laura Clayborn

Hamburg, 22.02.2018

Zivil-militärisches Zusammenwirken in der Planungsphase

Die Niederlande stellen den Gästen ihre kulinarischen Spezialitäten vor

Offener Austausch am Stand von Großbritannien

Französische Offiziere servieren Crêpes, Käse und Wein

 

 

 

 

 

 

 

Die internationalen Teilnehmer am Nationalen Lehrgang Generalstabsdienst / Admiralstabsdienst (LGAN) der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) haben zu einem bunten Abend eingeladen. 250 Personen, Lehrgangsteilnehmer und ihre Familien, sind gekommen. Offiziere aus den am LGAN teilnehmenden ausländischen Staaten veranstalteten ihren traditionellen Abend der Nationen. Zu diesem Anlass ließ es sich der Kommandeur der Führungsakademie, Konteradmiral Carsten Stawitzki, nicht nehmen, die Dankestorte der deutschen Lehrgangsteilnehmer, die diese als Dank an ihre internationalen Offizierskollegen gespendet hatten, unter großem Applaus mit einem Säbelschnitt anzuschneiden.

Elf Nationen luden ein

Es ist ein schöner Brauch an der FüAk, dass jedes Jahr die ausländischen Teilnehmer des LGAN den deutschen Kameraden ihre Länder vorstellen. Diese Abende sind ein Fest mit Folklore, Musik und vor allen kulinarischen Höhepunkten. Elf Nationen waren es, die ihre Spezialitäten präsentierten. Die Dänen, die einen Hot-Dog-Stand ausrichteten, wurden von den polnischen Kameraden mit einem Getränkestand ergänzt. Die Italiener feierten den Abend mit Pizza und Wein, die französischen Offiziere trugen mit Crêpes zu einem gelungenen Abend bei. Weitere Spezialitäten fügten die Kameraden aus Litauen, den Niederlanden, den USA, Estland, Griechenland und Großbritannien bei.

Am Ende in die Sauna

Einen Höhepunkt haben sich die finnischen Lehrgangsteilnehmer ausgedacht. Sie stellten eine Trockensauna mit Außen-Whirlpool vor den Scharnhorst-Saal der FüAk. Zur Freude der Gäste konnten sich viele in einem Gadrobenzelt umziehen und dieses Wellness-Angebot in Anspruch nehmen. Aber auch für die 'Kleinsten' der internationalen Gäste stand ein abwechslungsreiches Angebot aus Spielflächen bzw. einer Kletterwand zur Verfügung. Mit der Preisverleihung aus der Tombola endete das offizielle Rahmenprogramm, das internationale Beisammensein und Kennenlernen aber noch lange nicht. Der stimmungsvolle Festabend dauerte bis in die frühen Stunden des folgenden Tages. „Es war ein wundervoller Abend in einer gelösten und fröhlichen Atmosphäre“, wie ein Gast begeistert berichtete. Die FüAk freut sich auf den nächsten Abend der Nationen im kommenden Jahr.


 

 

Autor: Christoph Weigmann; Fotos: Katharina Roggmann

Hamburg, 20.02.2018

Zivil-militärisches Zusammenwirken in der Planungsphase

Konteradmiral Carsten Stawitzki begrüßt Brigadegenral Pascal Facon an der Führungsakademie

General Facon beim Eintrag in das Gästebuch der Führungsakademie der Bundeswehr

 Die französische Delegation bei der Begrüßung

 

 

 

 

 

 

 

Brigadegeneral Pascal Facon hat in der vergangenen Woche die Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) besucht, um sich vor Ort über die gemeinsame teilstreitkräftegebundene Ausbildung von Stabsoffizieren zu informieren. Der Besuch war der Gegenbesuch, der im vergangenen Jahr zwischen General Facon und Konteradmiral Carsten Stawitzki vereinbart worden ist. Der Kommandeur der FüAkBw war im November 2017 Gast an der École de Guerre in Paris.

Fusionierung von zwei Zentren

General Facon ist seit dem 30. Juni 2017 Direktor des Centre de doctrine et d’enseignement du commandement (CDEC). 2016 wurden zwei Zentren, das für Doktrin- und Einsatzauswertezentrum sowie das für strategische Studien des französischen Heeres, fusioniert. Entstanden ist dabei das Centre de Doctrine et d´Enseignement du Commandement (CDEC): das Zentrum für Doktrin sowie Ausbildung Führungslehre Landstreitkräfte, das heute auch die Generalstabsausbildung des französischen Heeres verantwortet.

Neue Ausbildung in Frankreich

Mit der Verlagerung der Generalstabsausbildung von der ehemaligen „Ecole Supérieure de Guerre“, dem Heeresgeneralstabslehrgang, hin zur heutigen, streitkräftegemeinsamen Ecole de Guerre ist die Ausbildung der Stabsoffiziere des Heeres qualitativ neu aufgestellt worden. Eine der Initiativen ist daher die Veränderung der Heeresgeneralstabsausbildung gewesen. Ziel dabei war, die Ausbildung der Generalstabsoffiziere stärker zu betonen und das strategische Denken in den Vordergrund zu stellen, gerade in einer Zeit sicherheitspolitischen Wandels. Die Generalstabsoffiziere des französischen Heeres sollten intellektuell besser vorbereitet werden auf Planung und Durchführung von Operationen, vom Gefecht der verbundenen Kräfte des Heeres bis zu internationalen Operationen von Heer, Luftwaffe und Marine.

Ausbildung an der Fakultät Landstreitkräfte

An der FüAkBw wurde General Facon zunächst von Konteradmiral Stawitzki begrüßt. Nach dem traditionellen Eintrag ins Gästebuch der Akademie erhielt General Facon einen kurzen Vortrag über die Ausbildung im Lehrgang Generalstabsdienst / Admiralstabsdienst National (LGAN). In diesem nationalen Lehrgang nehmen auch Offiziere aus NATO-Staaten teil, so auch französische Offiziere. Diesen galt der Besuch von General Facon. Zusammen mit dem französischen Verbindungsoffizier, Oberst i.G. Philippe Flecksteiner, wurde dem französischen Gast im Anschluss an ein gemeinsames Mittagessen die Ausbildung an der Fakultät Landstreitkräfte durch Oberst i.,G. Frank Schmidt vorgestellt. General Facon informierte sich über Auftrag und Gliederung der Fakultät Landstreitkräfte. Ein weiterer Aspekt war es, direkte Einblicke in die Lehre Landstreitkräfte, insbesondere zum Lehrgang Generalstabsdienst /Admiralstabsdienst national zu erhalten. Das Gespräch mit den französischen Offizieren am Folgetag galt der persönlichen Kontaktpflege.

 

 

Autor: Christian Musche; Fotos: Bundeswehr

Hamburg, 16.02.2018

Zivil-militärisches Zusammenwirken in der Planungsphase

Beratung von Reservisten

Leben in der Lage: Die Teilnehmenden im Planspiel

Der Reserveoffizierlehrgang des SFL Res IV-2017 an der Führungsakademie

Reservisten bei der Seminardiskussion

Generalleutnant Bohrer an der FüAkBw: ,,Die Reservedienstleistenden sind wichtiger denn je!"

 

 

 

 

 

 

 

Es klingt auf den ersten Blick alles andere als kurzweilig, wenn es darum geht, sich drei Tage lang mit Reservisten und deren Belangen zu beschäftigen. Doch für die Bundeswehr sind die Reservisten eine besondere Zielgruppe. Es stecken in der Thematik viele spannende Themen. Weil Reservisten für die Bundeswehr besonders wichtig sind, bildet sie die Beauftragten für Reservistenangelegenheiten (BeauftrResAngel) aus. Diese Ausbildung findet dreimal im Jahr als ein dreitägiges Pflichtmodul für jeweils 26 Seminarteilnehmende an der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) statt, welches Oberst i.G. Christian Musche leitet. Im diesjährigen ersten Seminar kamen dazu Kommandeure oder deren entsandte Stellvertreter nach Hamburg, vom Dienstgrad Major bis zum Generalleutnant. Die Grundlagen und Kenntnisse für die Reservistenarbeit ab Bataillonsstärke mit bis zu 1.200 unterstellten Soldaten werden durch die Akademie sowie dem Bundesamt für Personalmanagement der Bundeswehr, dem Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr e.V. (VdRBw) sowie zivilen Arbeitgebern vermittelt.

Pflichtseminar für die Aktiven 

In der Regel nehmen für die Kommandeure deren Stellvertreter teil, da sie es sind, die mit der Aufgabe des Beauftragten durch die Dienststellenleiter im Rahmen einer Nebenfunktion betraut werden. Für die aktiven Soldaten ist es jedoch eine grundsätzliche Verpflichtung, das Seminar zu besuchen. Daneben können ausgewählte Reservisten zusätzlich als Multiplikatoren zum Seminar zugelassen werden.

Verantwortliche Aufgabe

Worum geht es? Es gilt, bei den Seminarteilnehmern das Bewusstsein aufzufrischen, dass es darauf ankommt, aktiv um die Reservisten zu werben und Reservisten zu gewinnen. Damit wird die Bindung von Reservisten an die Bundeswehr zu einer äußerst verantwortlichen Aufgabe auf allen Führungsebenen der Bundeswehr. Bundeswehrweit liegt der Beorderungsstand von wehrübenden Reservisten bei nahezu 28.400 Personen. In dieser Zahl aus dem Jahr 2017 sind alle Bereiche der Bundeswehr wie auch des Bundesministeriums der Verteidigung enthalten. Viele Maßnahmen zur Personalgewinnung, beispielsweise der Seiteneinstieg mit höherem Dienstgrad auch für ungediente Personen, oder die Überbrückung von personellen Engpässen werden durch eine Reservistenarbeit erreicht.

Für Reservisten einsetzten

Gerade vor dem Hintergrund des Freiwilligkeitsprinzips gilt es, den einzelnen inhaltlich zu überzeugen und gut aus- und weiterzubilden. Nur auf diese Weise wird die Bundeswehr auf einen qualifizierten, motivierten und verlässlichen Reservisten zurückgreifen können. Der BeauftrResAngel setzt sich für die Reservisten ein und erhält dazu während des Seminars sein Rüstzeug, das dann auf die jeweiligen Bedingungen vor Ort angepasst zur Wirkung gebracht werden muss.

Partner sind tragende Säule

Die drei wesentlichen Säulen einer gelingenden Reservistenarbeit des BeauftrResAngel sind der Reservistenverband, die Arbeitgeber sowie das gesamte Personalmanagement der Bundeswehr. Diese drei Partner unterstützen den Beauftragten bei seiner Arbeit und sind zudem eine tragende Säule des Seminars. Aus allen drei Bereichen tragen die zuständigen Fachleiter vor. Sie kommen aus der ministeriellen Ebene, den Bundesober- und Bundesmittelbehörden sowie der Ämterebene. Die Thematik „Reservisten“ wird somit umfassend aus den jeweiligen Blickwinkeln beleuchtet und diskutiert. Der Austausch untereinander, die Erfahrungen der Lehrenden oder die Netzwerkbildung bilden einen weiteren Mehrwert des Seminars.

Persönlich um Reservisten kümmern

Für den Seminarleiter Musche ist klar, dass für die mit der Reservistenarbeit betrauten Personen aufgrund der Auswirkung einer veränderten Entwicklung der Bevölkerung und Bevölkerungsstruktur das Ringen um geeignetes Personal zunehmend anspruchsvoller sein wird. „Alle Seminarteilnehmer“, sagt Musche, „benötigen das Wissen darum, dass für den, der Personal für die Bundeswehr gewinnen und binden möchte, es erforderlich ist, sich thematisch auszukennen und dass es vor allem darum geht, sich persönlich um die Reservisten zu kümmern." Die Nutzung eines Netzwerkes und das aktive Einbringen in diese Aufgabe zahlen sich letztlich für alle Beteiligten aus.


 

Autor: Michel Gallien; Fotos: privat / Taylor Mohr, US Army / Scott M. Ash, US Air Force

Hamburg, 13.02.2018

Andrea Rotter profitiert von UN-Seminar an der FüAkBw

Andrea Rotter profitiert von UN-Seminar an der FüAkBw

Vereinte Nationen vernetzt in Genf

Vereinte Nationen vernetzt in Genf

 Frauennetzwerk WIIS verbindet

Frauennetzwerk WIIS verbindet

Aufgabe der Vereinten Nationen: Hilfe in instablien Regionen

 

 

 

 

 

 

 

„Strukturiertes Arbeiten und unkonventionelles Denken“ oder „auch mal etwas um die Ecke denken“ – damit ist Andrea Rotter, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Hanns-Seidel-Stiftung in München, immer gut gefahren. Dort ist sie seit März 2015 in der Abteilung für Politik und Zeitgeschehen tätig, mit Fokus auf Internationale Beziehungen. Jetzt hat es sie zur Führungsakademie nach Hamburg verschlagen. Dort nimmt sie am Weiterbildungsmodul „United Nations (UN) Peacekeeping Missions“ teil. Dieses beschäftigt sich mit dem Aufbau von Friedensprozessen innerhalb so genannter „failed states“, also Staaten, die ihre grundlegenden Funktionen nicht mehr ausführen können. Überlegungen zur Stärkung der Zivilgesellschaft oder eine Bewusstseinsgenerierung für demokratische Prozesse bezüglich Menschen- und Frauenrechte sind hier Themenschwerpunkte. Schließlich geht es darum, die Teilhabe an demokratischen Prozessen zu unterstützen.

Vom Frauen-Netzwerk zur UN 

Warum ist sie in den Norden zu genau diesem Seminar gereist? Durch das Frauennetzwerk „Women in international security“ ist Rotter auf dieses Seminar „UN Peacekeeping Missions“ aufmerksam geworden. „Es dreht sich in dem Modul ja auch schwerpunktmäßig um dieses Thema, aus weltweiten Perspektiven“, so Rotter. In der ersten Woche wird im Seminar ein theoretischer Anteil behandelt, in der zweiten Woche nehmen die Teilnehmer eine so genannte „Security Sector Reform“ inklusive einer Simulation mit dem Titel „Civilian affairs office“ bei failed states.

Kein Patentrezept für Staaten

Wie funktioniert genau eine Security Sector Reform? Andrea Rotter erklärt, in Ländern, in denen früher Jahre lang Bürgerkriegsähnliche Verhältnisse geherrscht haben, wird Militär oft für Repressalien gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt. Die Polizei kann ihre Aufgaben nicht mehr wahrnehmen. In dem Kurs ist vorgesehen, alte Strukturen aufzubrechen, das heißt, Militär, Polizei und Justizsystem zu verändern, um wieder Stabilität im Land herzustellen. Die Vereinten Nationen, die UN, ist auf Einladung der Regierung in dem Land, um dieses zu unterstützen. Wie kann man die Zivilbevölkerung mit einbinden? „Vertrauen schaffen und Stärkung des Sicherheitssektors stehen im Vordergrund, es gibt aber für kein Land ein Patentrezept, das ist von Staat zu Staat unterschiedlich“, sagt Rotter.

Jeden Tag sicherheitspolitische Themen

Vom ländlichen Leben zum weltstädtischen Großstadtdschungel: Die gebürtige Allgäuerin hat schon Einiges erlebt auf ihrem Werdegang. Nach dem Abitur ging es für sie zum Studium nach Passau. Dort studierte Rotter „International Culture and Business Studies“, bevor sie 2011 an der Universität Regensburg selbst als Dozentin eine Promotionsstelle besetzte. Der Masterabschluss in „European-American Studies“, speziell Internationale Beziehungen und Amerikanistik, folgte 2013. Ein Jahr später zog es Rotter nach Berlin. Dort arbeitete sie an der Stiftung für Wissenschaft und Politik. Als Trägerin des Deutschen Instituts für Internationale Politik und Sicherheit berät die Stiftung die Bundesregierung sowie den Deutschen Bundestag bei außen- und sicherheitspolitischen Fragen. An der Hanns-Seidel-Stiftung setzt sie sich tagtäglich mit sicherheitspolitischen Themen auseinander. Mit ihren Interessen und Vorkenntnissen war die Teilnahme an dem Seminar eine große Bereicherung.

Netzwerken für besseres Verständnis

„Ich habe viel mitgenommen in den zwei Wochen“, erklärt Rotter, „ich konnte viele Verantwortliche aus der UN kennenlernen, die aus ihrer Praxis berichtet haben – dadurch ist es mir gelungen, ein besseres Verständnis für Peacekeeping-Prozesse zu entwickeln, zu verstehen, warum vieles so langwierig ist oder ab und zu nicht funktioniert. Es gibt zahlreiche Interdependenzen der unterschiedlichen Einheiten. Außerdem habe ich gelernt, wie zivil-militärischer Austausch funktioniert und was das oft für ein Balanceakt ist.“ Voll des Lobes ist Rotter auch für die Organisation: „Das Modul war super strukturiert.“

Immer dem Motto treu bleiben

Nach dem Aufenthalt in Hamburg, der Andrea Rotter viele neue Kenntnisse und Kontakte verschafft hat, stehen für die Bayerin nun fernere Ziele auf der Agenda. Die 32-Jährige möchte unbedingt einmal nach Ägypten oder Griechenland reisen. „Das Land der Pharaonen“ und die „Welt der Antike“ haben schon länger ihr Interesse geweckt. Auch könnte sich Rotter vorstellen, einmal einen sozialkritisch, tiefgründigen Liebesroman zu verfassen. Zukünftig möchte sie vor allem ihrem Motto treu bleiben – „I am not going to censure myself to comfort your ignorance“ (ich werde meine Persönlichkeit nicht aufgeben, um deiner Ignoranz einen Wohlfühldienst zu leisten).


 

 

 

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