Autor: Philipp v. Rechenberg; Fotos: LGAN 2017

Hamburg, 08.10.2018

Die Tragtiere des EAZ 230 bei der Vorführung der GebJgBrig 23

Trittsicherheit ist im Gebirge von besonderer Bedeutung

Durchhaltewille und Kameradschaft zeigten sich beim Bergmarsch auf die Reiteralpe

Sattelfest im Gebirge: Offiziere des LGAN beim Marsch mit den Tragtieren auf das Dürrnbachhorn

 

 

 

„Das Wesen der Gebirgsjägertruppe kann nicht auf Folien vermittelt werden. Man muss es erleben und anfassen, um das besondere Anforderungsprofil zu verstehen“, begrüßt der stellvertretende Brigadekommandeur der Gebirgsjägerbrigade 23 in Bad Reichenhall, Oberst Stefan Leonhard, die Offiziere des Lehrgangs Generalstabsdienst-/ Admiralstabsdienst National(LGAN) 2017 zur Gebirgsreise in den bayrischen Alpen. Stärkung der Kameradschaft, das Kennenlernen der Fähigkeiten der Gebirgstruppen sowie das Erfahren der besonderen körperlichen Herausforderungen stehen im Vordergrund der Ausbildungswoche. Nachdem die nationalen und internationalen Soldatinnen und Soldaten am Morgen mit dem Airbus A400M angereist sind, startet der Lehrgang mit zwei Gruppen in die Ausbildung.

Soldatische Fitness ist gefragt

Mit einem körperlich fordernden Marsch steigen die Offiziere am Montag Nachmittag knapp 1.000 Höhenmeter von der Talstation der Seilbahn der Wehrtechnischen Dienststelle 52 Oberjettenberg auf die Reiteralpe auf. Oben angekommen heißt es Nachbereiten und Unterkunft beziehen, bevor es am nächsten Tag weitergeht. Das Wetter regnerisch und nasskalt – so starten die Teilnehmenden am nächsten Tag und erahnen gleich, dass der Gebirgsjäger besonders bei solchen Bedingungen „funktionieren“ muss. Über rutschige Äste und durch Nebelfelder gelangen in morgendlicher Frühe alle am Kreuz des Weitschartenkopfes an und sind stolz auf die überstandene Anstrengung – um anschließend festzustellen, dass der Abstieg eine weitere körperliche Herausforderung ist. Danach bleibt das Programm anspruchsvoll: es geht „an den Fels“. Der Hochgebirgsjägerzug hat ein anspruchsvolles Programm zusammengestellt, bei dem die Soldatinnen und Soldaten ihr Geschick im Klettern, Abseilen und am einfachen Seilsteg unter Beweis stellen können. Das Bier in der Hütte haben sich abends alle redlich verdient.

Spezialisten beim alpinen Kampf

Nach den „Höhen“ am Vortag lernt der LGAN am Mittwoch die „Tiefen“ kennen: ein bei strahlendem Sonnenschein sehr idyllischer Marsch durch die Weißbachschlucht macht den Tagesauftakt. Danach ist Zugucken angesagt: Im Rahmen einer statischen und dynamischen Vorführung zeigen die Gebirgsjäger den Lehrgangsteilnehmenden auf beeindruckende Art und Weise ihr Material und ihre besonderen Fähigkeiten im alpinen Gelände. Aufklärung, Kampf im, am und auf dem Felsen sowie die logistische Unterstützung sind nur einige der breiten und komplexen Anforderungen für die Soldatinnen und Soldaten der Gebirgstruppe - eine wichtige und zugleich lehrreiche Erkenntnis für die nationalen und internationalen Offiziere aus Hamburg. Anschließend wird es wieder dynamisch, und die Lehrgangsteilnehmenden marschieren zur Winklmoosalm, wo sie eine herzliche Begrüßung durch das Hüttenpersonal und vorbeilaufende Kühe erwartet.

Maultiere als tragende Stütze

Das Tragen von Lasten von knapp 100 kg stellt für die Maultiere des Einsatzausbildungszentrums für Tragtierwesen aus Bad Reichenhall keine große Herausforderung dar. Eine intensive Ausbildung, regelmäßige Übungen und bis zu fünf Bergmärsche in der Woche sind für Mensch und Tier unabdingbar, um den anspruchsvollen Auftrag erfüllen zu können. Zunächst erfahren die LGAN-Teilnehmer etwas über die Gliederung der Einheit, ihre Aufgaben sowie die Leistungsfähigkeit und die Arbeit mit den Tieren. Frieda, Bazi, Kastor und ihre anderen felligen Kameraden durften selbstverständlich auch angefasst, geführt und Probe gesessen werden. Die Maultiere dienen zum Transport von Lasten und damit der unmittelbaren Unterstützung der Einheiten, die Haflinger Pferde werden zum Überwachen von Räumen und zum Prüfen der Gangbarkeit für Tragtiere genutzt. Beide sind die wesentlichen Säulen des Einsatzausbildungszentrums.

Ein weiterer Bergmarsch von der Winklmoosalm auf das fast 2.000 Meter hohe Dürrnbachhorn ist im wahrsten Sinne des Wortes der zweite Höhepunkt der Woche. Ein kleines Stück werden die Offiziere dabei auch von den zuvor vorgestellten Tieren begleitet und können sich live von deren Fähigkeiten überzeugen. Ein durch das Hüttenteam liebevoll vorbereitetes und opulentes Grillbuffet bietet zusammen mit lauen Spätsommertemperaturen das perfekte Setting für einen letzten Abend in den Bergen.

Erfolgreiches Teambuilding

Bevor es am Freitag wieder mit dem A400M von Salzburg zurück nach Hamburg geht, lassen die Soldatinnen und Soldaten des LGAN die Woche bei einem bayrischen Frühstück Revue passieren. Jeder ist durch die körperliche Herausforderung ein Stück gewachsen, ohne die Kameraden wäre aber so manches davon nicht  zu schaffen gewesen. Kohäsion des Lehrgangs durch die erlebnisorientierte Ausbildung sowie interessante und zugleich lehrreiche Einblicke in das Fähigkeitsprofil der Gebirgstruppe des Deutschen Heeres sind deshalb die Erkenntnisse am Ende der Woche, die als buntes Erlebnis noch lange in den Köpfen Aller bleiben werden.

 

 

 

 

 

 

Autor: Wilhelm Brendecke (DWT); Fotos: Lene Bartel

Hamburg, 05.10.2018

Konteradmiral a.D. Karl-Wilhelm Ohlms zeichnet Major Sven Kümmeth mit dem Zukunftspreis der DWT 2018 aus

Generalinspekteur Eberhard Zorn bei der Festansprache

 

 

 

Major Sven Kümmeth erhält den Zukunftspreis der DEUTSCHEN GESELLSCHAFT FÜR WEHRTECHNIK e.V. (DWT). Major Kümmeth ist Absolvent des Lehrgangs Generalstabsdienst-/ Admiralstabsdienst National (LGAN) 2016. Im Rahmen der feierlichen Verabschiedung des LGAN 2016 im September 2018 zeichnete der Geschäftsführer der DWT, Konteradmiral a.D. Karl-Wilhelm Ohlms, ihn für seine Lehrgangsarbeit „Big Data in der Bundeswehr“ aus. 

Big Data in der Bundeswehr

In der Lehrgangsarbeit geht es darum, „Big Data“ und das darin liegende Potenzial auch für die Bundeswehr zu erklären. Major Kümmeth, Diplom-Informatiker, bezeichnet „Big Data“ als eine Entwicklung, die weit über die reine Informationstechnologie hinausgeht und von der auch die Bundeswehr in vielen Bereichen durch den Einsatz geeigneter Methoden und Verfahren profitieren kann. Um dies jedoch zweckmäßig und zielgerichtet anzugehen, sind ein grundsätzliches Verständnis von Big Data an sich sowie die Kenntnis von Chancen, Herausforderungen und Anwendungsmöglichkeiten notwendig. 

Mit Daten gewinnen

In seiner Quintessenz am Schluss der Arbeit stellt Major Kümmeth einen Bezug seiner Untersuchungen und Schlussfolgerungen zu einem alten, noch immer gültigem Grundsatz aus der Zentralen Dienstvorschrift 3/11, heute Zentralrichtlinie A2-226/0-0-4710 - Gefechtsdienst aller Truppen (zu Lande) her: „Den Feuerkampf gewinnt, wer schneller schießt und besser trifft.“  Im Hinblick auf die Datenflut im angebrochenen Big Data-Zeitalter lässt sich nach seiner Auffassung das Zitat wie folgt anpassen: „Wer schneller auswertet und besser analysiert, gewinnt den Kampf im Informationsumfeld.“ Big Data sieht er als eine, wenn nicht die große Chance, dass „die Bundeswehr in allen Dimensionen sowohl im Betrieb Inland als auch im Einsatz, unter wirtschaftlichen sowie (sicherheits-) politischen Gesichtspunkten, für sich alleine und mit Verbündeten, in der Verwaltung wie auch im Gefecht lernen kann, mit Daten zu siegen.“

Innovation und Perspektive auszeichnen

Die gemeinnützige DEUTSCHE GESELLSCHAFT FÜR WEHRTECHNIK e. V. (DWT) stiftet Studien- und Zukunftspreise, mit denen Offiziere und Referendare der Universitäten der Bundeswehr in München und Hamburg, der Führungsakademie der Bundeswehr und des Bildungszentrums der Bundeswehr (BiZBw) in Mannheim ausgezeichnet werden. Ihre Master-, Lehrgangs- oder Prüfungsarbeiten sollen mit innovativen und perspektivischen Inhalten dazu geeignet sein, im Sinne der Ziele der DWT den Dialog über Sicherheitspolitik, Bündnisfähigkeit, Forschung und Verteidigungswirtschaft zu fördern, die Transparenz der Zusammenhänge und Wechselwirkungen herzustellen und zur Bildung, Urteilsfähigkeit, Entscheidungsfindung und Gestaltung in diesen Bereichen beizutragen.
Die Lehrgangsarbeit von Major Sven Kümmeth erfüllt in besonderem Maße die Vergabekriterien für den Zukunftspreis der DWT. Der Studien- bzw. Zukunftspreis ist mit einem Geldbetrag dotiert. Die Preise werden jeweils jährlich vergeben.

Weiterführende Information zur DWT e.V. finden Sie unter www.dwt-sgw.de

 

 

 

 

 

Autor: FüAkBw; Fotos: Torben Steinweller

Hamburg, 04.10.2018

Oberst i.G. Jac-Peter Tölkes begrüßt die Lehrgangs- teilnehmenden

Ein Rollenspiel als Einstieg in den Planungsprozess

Oberstleutnant van den Berg der Royal Netherlands Army stellt ihr Arbeitsergebnis vor

Interessierte Lehrgangsteilnehmende

 

 

 

„Ladies and Gentleman, Exercises are fun“ begrüßte Oberst i.G. Jac-Peter Tölkes aus dem Multinational JOINT Headquarters ULM (MN JHQ Ulm)die Anwesenden aus vier Nationen (USA, Niederlande, Italien, Deutschland) zum Modul „Grundlagen für das Erstellen und Durchführen von streitkräftegemeinsamen Übungen“ oder - kürzer - „Fundamentals of JOINT Exercise Planning“.
Nach einem erfolgreichen Probelauf im September 2017 fand dieses Modul nun zum zweiten Mal an der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) statt. „Den Lehrgangsteilnehmenden das Fachwissen für Verwendungen im Bereich der streitkräftegemeinsamen Übungsplanung komprimiert und praxisbezogen zu vermitteln“, war nach Ansicht von Oberst Tölkes das Ziel dieses Lehrgangs.

Experten aus dem Multinationalen Joint Headquarters Ulm

Hierzu war Oberst Tölkes, Abteilungsleiter im MN JHQ Ulm, mit zwei seiner Dezernenten nach Hamburg gereist, um die Fakultät mit Fachexpertise in der Durchführung zu unterstützen. So vermittelten sie Wissen aus der Praxis für die Praxis. Das eingespielte Team aus Ulm nahm die Lehrgangsteilnehmenden vom ersten Moment an auf eine launige Reise in die Tiefen des NATO Exercise Planning Process mit. Die streitkräftegemeinsame „Reception Staging and Onward Movement“ (RSOM) Übung JODY 2016 war hierfür das „Vehikel“. Am praktischen Beispiel füllten die Referenten die NATO Vorschrift BI-SC 75-003 Collective Training and Exercise Directive mit Leben.

Rollenspiel - Oskar verdächtig

Mit einem Rollenspiel gelang ein spannender Auftakt. Die Protagonisten aus Ulm stellten dabei auch ihr rollenspielerisches Talent unter Beweis. Damit brachten sie „Ball“ ins Spiel. Anschließten erlebten die Lehrgangsteilnehmenden ein Wechselspiel aus Hörsaalunterrichten und Gruppenarbeiten, das sie durch den Planungsprozess mit seinen „Stages“ und „Phasen“ geleitete. „JODY 2016 ist nicht die Musterlösung; vielleicht sind Ihre Ergebnisse sogar besser als unsere Ideen damals“, animierte Tölkes jeden, seinem Denken freien Lauf zu lassen.

Externe Referenten runden das Bild ab

Neben dem Exercise Planning Process bildeten die externen Referenten den zweiten wichtigen Pfeiler dieses Moduls. Vorträge des Bundesministeriums der Verteidigung aus den Abteilungen „Führung, Streitkräfte und Recht“ skizzierten die Vorgaben und den Rahmen für zukünftige Übungsplanungen. Impulse aus allen Teilstreitkräften und Organisationsbereichen, wie zum Beispiel dem Kommando Territoriale Aufgaben oder dem Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr ergänzten diese mit wichtigen Aspekten aus ihrem Blickwinkel. „Ein wirkliches rundes Bild mit allen Facetten der streitkräftegemeinsamen Übungsplanung wurde für die Lehrgangsteilnehmenden gezeichnet“, resümierte der Seminarleiter, Fregattenkapitän Torben Steinweller, zufrieden.
Das Petitum der Lehrgangsteilnehmenden war am Ende dieser kurzen und intensiven Woche äußerst positiv. Die Führungsakademie der Bundeswehr wird dieses Lehrangebot auch im Jahr 2019 wieder anbieten – ganz unter dem Motto „Exercises are fun!“

 

 

 

 

 

 

Autor: Barbara Gantenbein; Fotos: Uwe Grauwinkel, Niko Schneider

Hamburg, 28.09.2018

General Eberhard Zorn, Generalinspekteur der Bundeswehr

Richard Kühnel (Leitung der Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland), Vizeadmiral Carsten Stawitzki (Abteilungsleiter Ausrüstung im Bundesministerium der Verteidigung), Prof. Dr. Klaus Schweinsberg (Chairman des Centrums für Strategie und Höhere Führung), Matthias Zachert (Vorstandsvorsitzender der LANXESS AG) v.l.n.r.

Generalmajor Oliver Kohl, Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr

Gruppenfoto der Teilnehmenden

 

 

 

„Dieses Treffen hat eine hohe Akzeptanz auf beiden Seiten. Wir entdecken uns gegenseitig, jeder lernt vom Anderen, das macht mir Freude“, sagt Generalinspekteur (GI), General Eberhard Zorn, beim Commander’s Intent. Die Veranstaltung bringt zivile und militärische Führungskräfte aus der Bundeswehr und aus der Wirtschaft zusammen. Schirmherr ist traditionell der Generalinspekteur der Bundeswehr. Dieses Jahr ging es um das Thema „Führen in ungewissen Zeiten. Wie umgehen mit dem schwindenden Vertrauen in Fakten, politische Institutionen und globale Ordnungssysteme?“ Im Kern ging es um „Fake News“ – also bewusst gestreute Fehlinformationen – und sich verändernde Aspekte von Verlässlichkeit in Allianzen und Partnerschaften.

Wahrhaftigkeit und Authentizität

„Meine Beobachtung ist, dass Vertrauen immer von den handelnden Personen abhängt“, betonte General Zorn in seiner Keynote zum Thema „Gedanken zur Führungskultur“. Führungskräfte müssten Präsenz zeigen und sich Zeit nehmen für Gespräche mit Untergebenen und Mitarbeitern. „Wahrhaftigkeit und Authentizität sind gerade für Führungskräfte wichtig“, sagte der General weiter. Für die Führungskultur der Bundeswehr sei die „Innere Führung“ der Kompass.

Netzwerken auf höchster Ebene

Organisiert hatte die Veranstaltung der Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg, Brigadegeneral Oliver Kohl, im Auftrag des Generalinspekteurs. Kooperationspartner des Commander’s Intent ist seit 2009 der Journalist und Wirtschaftswissenschaftler Klaus Schweinsberg, Gründer des Centrums für Strategie und Höhere Führung in Ludwigshafen. Bereits zum achten Mal tauschten sich Vorstände, Geschäftsführer und Offiziere miteinander aus. Zum Auftakt des Commander’s Intent in der Zentrale von Microsoft Deutschland trafen sich der ehemalige Generalinspekteur, General a.D. Volker Wieker, und Klaus Schweinsberg zum Panelgespräch. „So viel GI-Dichte war noch nie“, scherzte der amtierende Generalinspekteur im Hinblick auf seinen Amtsvorgänger, „das beweist, wie wichtig uns als Schirmherren diese Veranstaltung ist.“

Information überall verfügbar

Im Hauptstadtstudio des ZDF – der nächste Programmpunkt beim Commander’s Intent – diskutierten die Teilnehmenden mit dem stellvertretenden Chefredakteur Elmar Theveßen über „Fake News“. Unter anderem ging es um die Erfahrungen der Bundeswehr mit der „Fake-News-Kampagne“ gegen deutsche Soldaten aus dem 1. Kontingent der Enhanced Forward Presence (eFP) der NATO in Litauen. „Information ist überall verfügbar, Gerüchte aber auch“, sagte General Zorn. Eine sinnvolle Möglichkeit gegenzusteuern sei die Nutzung der Socialmedia-Kanäle, um Fakten zu kommunizieren.

Entscheidungsprozesse schneller machen

Große Organisationen wie NATO, EU oder Vereinte Nationen hätten häufig lange Entscheidungswege. Deshalb sei es sinnvoll, wenn einzelne europäische Staaten näher zusammenrücken würden, folgerte General Zorn. Entscheidungsprozesse müssten schneller werden, gemeinsame Strategieanalysen seien dafür die Basis. Den Abschluss der Veranstaltung bildete eine Podiumsdiskussion im Stauffenbergsaal zum Thema „Wie weltpolitikfähig muss Europa sein? Was ist für Deutschland zu tun?“. Auf dem Podium diskutierten Matthias Zachert, Vorstandmitglied des Chemiekonzerns LANXESS AG, Richard Kühnel, Vertreter der Europäischen Kommission, sowie Vizeadmiral Carsten Stawitzki, Abteilungsleiter Ausrüstung im Bundesministerium der Verteidigung. Auch hier zeigte sich, wie sehr beide Seiten – Bundeswehr und Wirtschaft – voneinander lernen können.

 

 

 

 

 

Autor: Christoph Weigmann; Fotos: Lene Bartel

Hamburg, 28.09.2018

Coronel (Oberst) Pedro Raúl Varela  Sabando, Chile

Das Panel

Brigadegeneral Boris Nannt, FüAkBw

 Oberst Prof. Dr. Matthias Rogg, GIDS

Dr. Bernd Benser, GridLAB GmbH

Das Auditorium

Unterstaatssekretär Hugo Patricio Pierr, Argentinien

Fregattenkapitän Prof. Dipl-Ing. Frank Reininghaus, IFSH

Jelena Kaifenheim, Malteser International

 

Klimawandel und der Schutz kritischer Infrastrukturen gehören zu den großen strategischen Herausforderungen für die Sicherheit von Staaten. Das wurde bei der internationalen Tagung des German Institute for Defence and Strategic Studies – GIDS an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg deutlich. Beide Themen hängen zusammen, nicht zuletzt, weil der Klimawandel zunehmende Risiken für kritische Infrastruktur mit sich bringt. Die Sicherheitspolitik muss diese Themen viel stärker in den Blick nehmen. Viele südamerikanische Staaten tun dies bereits, wie die international besetzten Panels eindrucksvoll unter Beweis stellten. „„Wir diskutieren hier auch mit dem Ziel: Wie können wir voneinander profitieren und voneinander lernen?“, betonte Brigadegeneral Boris Nannt, Stellvertretender Kommandeur der Führungsakademie, in seiner Begrüßung.

Der Klimawandel und seine tiefgreifenden Folgen werde mittlerweile kaum mehr in Frage gestellt, betonte Oberst Prof. Matthias Rogg in seiner Einführung in die Tagung. Anders verhält es sich bei dem großen Feld der kritischen Infrastruktur, also jenen Anlagen und Einrichtungen, die , für das Funktionieren der Staaten und ihrer Gesellschaften unverzichtbar sind. „Noch mehr als in der Klima- und Umweltpolitik hat man den Eindruck, als würden die gravierenden Konsequenzen nicht nur politisch, sondern gesamtgesellschaftlich ignoriert.“

„Wir müssen uns vorbereiten“

In den südamerikanischen Staaten stehen die beiden Themen sehr weit oben auf der politischen Agenda. Deshalb waren für die Konferenz auch Vertreter aus Argentinien, Brasilien, Chile und Peru als Experten angereist, um ihre Entwicklungen und Erfahrungen vorzustellen. In all diesen Ländern sind sowohl der Klimawandel als auch der Schutz kritischer Infrastrukturen strategisch wichtige politische Bereiche. „Wir müssen uns vorbereiten auf die Auswirkungen. Wir müssen das Thema Klima als weitere Bedrohung sehen und den Sicherheitsbegriff hier weiter fassen“, betonte etwa der argentinische Unterstaatssekretär Hugo Patricio Pierri.

Neue Rolle der Streitkräfte

In unterschiedlicher Ausprägung sind die Streitkräfte in den südamerikanischen Staaten in den Katastrophenschutz und in den Schutz der kritischen Infrastrukturen involviert. „Es ist ein großer Schritt, die Streitkräfte im Innern des Landes einsetzen zu können“, bewertete Staatssekretär Pierri die derzeitige Entwicklung in seinem Land. „Das erfordert einen genau definierten rechtlichen Rahmen. Die Menschen brauchen das Vertrauen, dass die Streitkräfte ausschließlich im gesetzlichen Rahmen eingesetzt werden und ausschließlich an dieser Schnittstelle zwischen nationaler Verteidigung und innerer Sicherheit.“ „Man kann das Thema nationale Verteidigung nicht vom Thema nationale Entwicklung trennen“, betonte Tenente-Colonel Fernando Valentini aus Brasilien. Er stellte die strategischen Programme des brasilianischen Heeres vor, die aufgestellt wurden um ein Monitoring der kritischen Infrastruktur sicher zu stellen, die Resilienz, also die Widerstandsfähigkeit dieser Anlagen zu stärken und den Schutz zu gewährleisten. „Spezielle Großereignisse wie die Olympischen Spiele haben diese Entwicklung vorangetrieben“, so Valentini.

Nationales Programm für Cyber-Sicherheit

Chile habe sich aufgrund seiner besonderen geographischen Lage lange sehr sicher gefühlt, schilderte Coronel Pedro Varela Sabando die Situation in seinem Land. Durch die digitale Entwicklung habe sich das geändert. „Wir müssen unsere Internetfähigkeit schützen vor allem in Momenten von Naturkatastrophen.“ Daher habe das Land ein eigenes nationales Programm für Cyber-Sicherheit aufgelegt. In seinem Impulsvortrag zu diesem Thema setzte sich Dr. Bernd Benser, Geschäftsführer der GridLAB GmbH, mit der „kritischsten aller kritischen Infrastrukturen“ auseinander – der Energie. Denn vom Strom ist auch die Funktionsfähigkeit der anderen kritischen Infrastrukturen wie Verkehr, Telekommunikation, oder das Gesundheitssystem abhängig. Zwar habe Deutschland die sicherste Elektroenergieversorgung der Welt. „Aber das macht sie zugleich auch angreifbar.“ Er warnte vor der Gefahr eines Blackouts, eines Totalausfalls in einem großen Gebiet mit den entsprechenden dramatischen Auswirkungen auf die gesamte Infrastruktur. „Wir müssen unser System widerstandsfähiger machen. Krisenvorsorgeszenarien müssten entwickelt werden. Die Betreiber von kritischen Infrastrukturen müssten besser vernetzt werden. Zusammenarbeit und enge Vernetzung sei auch für die Behörden und Organisationen für Sicherheitsaufgaben und die Landesverteidigung unverzichtbar für den Fall der Fälle.

„Wir brauchen ein neues Denken“

Prof. Dr. Stefan Bayer von der Führungsakademie der Bundeswehr konstatierte einen ungebremsten Trend zum Klimawandel und zeigte die drohenden Folgen auf. Der Klimaschutz verliere angesichts der fortgeschrittenen Entwicklung an Bedeutung – eine Anpassung an die drohenden Folgen werde zunehmend wichtiger. „Wir brauchen hier eine neue Herangehensweise, ein neues Denken in der Sicherheitspolitik“, mahnte Bayer an und ergänzte, mit Blick auf die Komplexität: „Deshalb gibt es das GIDS – um sich mit der Frage zu beschäftigen: Was machen wir denn, wenn es richtig schwierig wird?“ Die Grenzen zwischen innerer und äußerer Sicherheit weichten immer mehr auf, konstatierte er. Auch die Rolle der Streitkräfte müsse vor diesem Hintergrund neu diskutiert werden – etwa als mögliche „gesellschaftliche Versicherung gegen den drohenden Klimawandel“.

Rechtlicher Rahmen ist entscheidend

„Übersäuerung, Bedrohung der Antarktis, vermehrte extreme Wetterereignisse – all das passiert heute“, sagte Capitano de Mar-e-guerra Rogerio de Oliveira Goncalves aus Brasilien. „Da verlangt die Gesellschaft vor allem auch vom Militär eine Antwort.“ Der Staat habe für das Engagement einen rechtlichen Rahmen geschaffen, der aber noch weiterentwickelt werden müsste. Die Streitkräfte müssten den Klimawandel in ihre Planung mit aufnehmen. Die chilenische Marine engagiert sich massiv in der Erforschung der Folgen des Klimawandels. Es gebe einen nationalen Aktionsplan, schilderte Capitàn de Fragata Hermàn Zamorano Portilla die dortige Lage. „Das Phänomen Klimawandel ist eminent wichtig in unserem Land.“ Die Maßnahmen reichen vom Einsatz erneuerbarer Energien und Energieeffizienz, über intensives Monitoring und Forschung bis hin zur Einbindung des Themas in die Ausbildung von Streitkräften. Zwei Drittel aller Katastrophen in seinem Land sind Folge von Klimaereignissen, führte Coronel Victor Arturo Miranda Alfaro aus Peru vor Augen. Peru ist Erdbebengebiet und zudem den Auswirkungen von El Nino ausgesetzt. Die Streitkräfte leisteten einen wesentlichen Beitrag im Umgang mit den Folgen des Klimawandels. „Sie sind involviert von der Vorhersage bis hin zur Beseitigung der Schäden.“ Dies geschehe immer in enger Zusammenarbeit mit den zivilen Kräften. Kleine marginalisierte Gemeinden seien von den Auswirkungen schwerer Klimaereignisse immer am stärksten betroffen, berichtete Jelena Kaifenheim, die sich für den Malteser Hilfsdienst in Haiti und Kolumbien engagierte. Lösungen müssten „umfassend, multisektoral, grenzübergreifend und global sein“, so ihre Forderung.

Ministerium muss Antworten finden

Ministerialdirigent Prof. Dr. Roland Börger aus dem Verteidigungsministerium – als Unterabteilungsleiter verantwortlich für alle Immobilien der Bundeswehr – sieht seine Behörde vor einer großen Herausforderung für einen möglichen Krisenfall: „Welche Kritische Infrastruktur muss ich vorhalten? Wie mache ich die Kritischen Infrastrukturen durchhaltefähig und wie sichere ich das nötige Personal?“ Auf diese und weitere Fragen müsse das Ministerium eine Antwort geben. Prof. Burkhard Meißner unterstrich in seiner Zusammenfassung noch einmal die Brisanz des Themas: „Wir sind immer mehr von kritischer Infrastruktur abhängig. Wir sind immer mehr vernetzt und dadurch immer verletzlicher.“

 

 



 

 

 

 

 

Autor: Eggo Rettmer; Fotos: Lene Bartel

Hamburg, 27.09.2018

Generalmajor Oliver Kohl übergibt das Direktorat

Flottillenadmiral Karsten Schneider blickt zurück auf seine sechs Jahre an der Führungsakademie

Brigadegeneral Boris Nannt begrüßt Oberst Holger Neumann

Oberst Holger Neumann mit Familie beim Empfang

 

 

 

 

 

„Ihnen vertraue ich unseren Führungsnachwuchs sehr gerne an“, begrüßt Generalmajor Oliver Kohl, Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr, den neuen Direktor Ausbildung, Oberst i.G. Holger Neumann, in seinem neuen Amt. Im Rahmen einer feierlichen Übergabe hat General Kohl den bisherigen Direktor Ausbildung, Flottillenadmiral Karsten Schneider, verabschiedet und Oberst Neumann diese Aufgabe übertragen.

„In Hamburg sagt man Tschüss“

Admiral Schneider meldet sich bei steifer Brise vor rund 250 angetretenen Soldaten und 100 Gästen aus dem Kreis der Führungsakademie ab. Seit 2012 hat er die Ausbildung an der Führungsakademie maßgeblich mitgestaltet. „Ein Drittel der heute aktiven Stabsoffiziere der Bundeswehr wurden unter Admiral Schneider aus-, fort- und weiterentwickelt“, stellt General Kohl fest.

„Das heißt Auf Wiederseh´n“

Seit 60 Jahren bereitet die Akademie in Hamburg ihre militärischen Spitzenkräfte auf anspruchsvolle Aufgaben in den Streitkräften, der NATO, der Europäischen Union und den Vereinten Nationen vor. Kernaufgabe ist die Aus- und Weiterbildung bereits berufserfahrener Offiziere aus dem In- und Ausland.

Ausbildung im Wandel

„Der Generalstabsdienstoffizier drängt zur Tat. Das bedeutet jedoch auch, dass es gilt, zunächst bei sich selber den Fehler zu suchen, wenn etwas nicht gelingt.“ Nach General Kohl solle der Generalstabsdienstoffizier immer das Gesamtbild im Blick haben: „Sie müssen Ruhe ausstrahlen, um Vertrauen zu gewinnen und um führen zu können“, war die Botschaft zum zweiten Bild.

Die Führungsakademie hat seit 2016 einen neuen, erweiterten Auftrag. „Die Entwicklung von Führungspersönlichkeiten tritt gegenüber der reinen Wissensvermittlung in den Vordergrund“, fasst Admiral Schneider diesen zusammen und ergänzt: „Wir haben den Sachverstand von Lehrenden und Lernenden in einer Denkfabrik (dem German Institute for Defence and Strategic Studies, GIDS) für die Bundeswehr und ihre politische Führung organisiert.“

Veränderungen gemeinsam gestalten

Dieser neue Auftrag verändert die Führungsakademie tiefgreifend. In Zukunft gestaltet Oberst i.G. Neumann als neuer Direktor Ausbildung diese Entwicklung im Zusammenspiel mit dem Direktor Strategie und Fakultäten, Brigadegeneral Boris Nannt. „Mit unserer Ausbildung tragen wir gemeinsam die Verantwortung, dass unsere Soldaten am scharfen Ende unseres Berufs bestehen können“, unterstreicht Generalmajor Kohl.

Brigadegeneral Boris Nannt, Direktor Strategie und Fakultäten, kennt Oberst Neumann schon lange und heißt ihn herzlich willkommen. „Ich freue mich auf die Zusammenarbeit“, sagt General Nannt, „wichtig ist, dass die Direktorate im Gleichschritt marschieren, um die Ausbildung weiterzubringen und weiterzuentwickeln.“

In einer Stadt voll schöner Erinnerungen

Oberst Neumann lernte die Führungsakademie und Hamburg vor fast 20 Jahren kennen – und lieben! Von 2001 bis 2003 absolvierte er den 46. Generalstabsdienst-/Admiralstabsdienst-Lehrgang (LGAN). „Während des LGAN habe ich hier meine Frau kennengelernt“, sagt er. Mit ihr und den beiden Kindern lebt er seit ein paar Jahren in Berlin.

Nach unterschiedlichen Verwendungen unter anderem in Bonn und Berlin führte er als Kommodore das Taktische Luftwaffengeschwader 74 in Neuburg an der Donau. Zuletzt war er stellvertretender Sprecher des Bundesministeriums der Verteidigung in Berlin. „Auf meine vielfältigen Erfahrungen in der Truppe und in der politischen, ministeriellen Arbeit kann ich aufbauen“, sagt Oberst Neumann, „und diesen Erfahrungsschatz möchte ich gerne an die angehenden Generalstabsdienstoffiziere weitergeben.“

 

 

 

Autor: Christoph Weigmann; Fotos: Lene Bartel

Hamburg, 24.09.2018

Flottillenadmiral Karsten Schneider

Flottillenadmiral Schneider während einer Besprechung

Admiral Schneider bei einer Verhandlungsführung

Mit einer feierlichen Übergabe verabschiedet sich Flottillenadmiral Karsten Schneider am 26. September aus der weltoffenen Stadt Hamburg. Sechs Jahre lang war er als stellvertretender Kommandeur und Direktor Ausbildung an der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) eingesetzt. Admiral Schneider übernimmt in Rostock die Aufgabe des Chefs des Stabes im dort ansässigen Marinekommando. Den Kommandowechsel wird der Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr, Brigadegeneral Oliver Kohl, vollziehen. Der Nachfolger von Flottillenadmiral Schneider wird Oberst i.G. Holger Neumann.


Aus diesem Anlass ist es unser Anliegen, noch einmal den Admiral zu Wort kommen zu lassen. Das Interview mit ihm erfolgte im September, kurz vor seinem Wechsel ins Marinekommando nach Rostock:

Frage: Herr Admiral, seit 2012 sind Sie stellvertretender Kommandeur der Führungsakademie und zugleich Direktor Ausbildung. Wenn Sie auf die zurückliegenden sechs Jahre zurückschauen: Was sind die Höhepunkte Ihrer Zeit an der FüAk?

Admiral Schneider: Das einschneidendste Ereignis der vergangenen sechs Jahre war der Besuch der Frau Ministerin von der Leyen am 6. November 2016, bei dem sie der Akademie einen neuen Auftrag und damit eine neue Grundlage gegeben hat. Seit diesem Tag haben wir die Ausbildung neu gestaltet und den Sachverstand von Lehrenden und Lernenden in einer Denkfabrik für die Bundeswehr und ihre politische Führung organisiert.

Frage: Gab es auch schwierige Zeiten?

Admiral Schneider: Vor diesem neuen Auftrag war die Akademie in ihren Entfaltungsmöglichkeiten stark eingeschränkt. Vieles, was wir als erforderlich erachteten, konnte nicht in Angriff genommen werden. Das erforderte Geduld und die Bereitschaft, sich auf einen Tag X vorzubereiten, ohne zu wissen, wann und ob er kommt.

Zur Führungsakademie und den Veränderungen an der FüAk

Frage: Die Führungsakademie hat in den sechs Jahren eine große Veränderung erfahren: Was bedeutet dieser Prozess für Sie?

Admiral Schneider: Ich sehe in diesen Veränderungen zwei Chancen. Erstens können wir den an der Akademie versammelten Sachverstand für die Bundeswehr und unser Land nunmehr richtig zur Wirkung bringen. Zweitens, und für mich als Direktor Ausbildung wichtiger, gibt es einen völlig neuen Ansatz der Ausbildung. Wir waren schon vorher nicht schlecht und mussten uns nicht verstecken. Jetzt aber besteht die Chance, sich von einer ziemlich guten zu einer herausragenden Ausbildungseinrichtung zu entwickeln. Dabei tritt die Entwicklung von Führungspersönlichkeiten in den Vordergrund gegenüber der reinen Wissensvermittlung. Uns eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten, das Potential der bei uns Ausgebildeten im Sinne einer professionellen Prognostik abzuschätzen. Wir bekommen zudem erstmals die Kapazität, „Ausbildung‘‘ selbständig nach den Methoden moderner Erwachsenenbildung zu gestalten. Dieser Prozess ist bei Weitem noch nicht abgeschlossen.

Menschen an der Führungsakademie

Frage: Welche Begegnungen bleiben Ihnen in Erinnerung?

Admiral Schneider: Die Führungsakademie ist ein Ort der Begegnung. Ich habe herausragende Dozentinnen und Dozenten kennengelernt, denen lernbegierige Teilnehmende der vielen verschiedenen Lehrgänge gegenübersaßen, darunter viele Reservistinnen und Reservisten auf beiden Seiten. Die intensivsten Begegnungen hatte ich während der Lehrgangsreisen, wenn Gelegenheit bestand, ganze Tage und Wochen miteinander zu verbringen. Dafür bin ich sehr dankbar. Beeindruckt haben mich außerdem die vielen Menschen an der Akademie und in ihrem Umfeld, die zu allen Zeiten, ob ruhig oder bewegt, ohne viel Aufhebens ihre Aufgaben erfüllt haben. Das sind die vielen dienstbaren Geister im Stab der FüAk, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundeswehrdienstleistungszentrums und unseres Sanitätsbereichs ebenso wie die Freunde der Akademie, die sich um unsere ausländischen Lehrgangsteilnehmer kümmern. Das Zusammentreffen mit diesen Menschen war für mich eine enorme Bereicherung.

Innere Führung und Führung mit Auftrag

Frage: Für beide Themen, „Innere Führung‘‘ und „Führung mit Auftrag‘‘, steht die FüAk, denn die Auseinandersetzung wie auch die Weiterentwicklung dieser Bereiche sind Akademieauftrag. Was bedeuten Ihnen "Innere Führung" und "Führen mit Auftrag"?

Admiral Schneider: "Innere Führung" und "Führen mit Auftrag" sind eng miteinander verbundene Themen, zu denen viele jüngere Soldaten Diskussionsbedarf haben. Ich habe das eine oder andere Mal vermitteln müssen, dass ,,Führen mit Auftrag" verbunden mit einem kooperativen Führungsstil nicht dem netten Umgang miteinander dienen, sondern eine überlegene Führungsform sind, darauf angelegt, die gesamte Leistungsfähigkeit der Auftragsempfänger zu aktivieren. Das entspricht dem Menschenbild, das der ,,Inneren Führung" zugrunde liegt. Wir dürfen nicht müde werden das zu vermitteln, weil diese Erkenntnisse nicht so selbstverständlich sind, wie ich mir das manchmal vorgestellt habe.

Und noch eine letzte Frage: Was würden Sie der FüAk gerne mit auf den Weg geben?

Admiral Schneider: Die FüAk hat in ihren beiden Aufgabenfeldern als Denkfabrik und als Stätte moderner militärischer Ausbildung großes Potential. Als Ergebnis ihrer Tätigkeit erwartet man pragmatische Ergebnisse auf der Grundlage tiefer akademischer Durchdringung. Und man erwartet, dass Ihre Absolventen gleichermaßen als militärische Führer und als Stabsarbeiter zu den besten der Welt gehören. Ich bin zuversichtlich, dass die Akademie diese Herausforderung mit großem Erfolg meistern wird.

Herr Admiral, vielen Dank für dieses Interview. Wir wünschen ihnen für Ihre neue Aufgabe alles Gute. 

 



 

 

 

 

 

Autor: Christoph Weigmann; Fotos: GIDS

Hamburg, 21.09.2018

 

 

 

 

 

 

 

 

Das German Institute for Defence and Strategic Studies – GIDS – untersucht geostrategische, sicherheitsrelevante Fragestellungen unserer Zeit. Das GIDS nutzt dazu konsequent seine hochrangigen internationalen Kontakte für den Diskurs und die Forschung. Es veranstaltet in Kooperation mit der Hanns-Seidel-Stiftung, München, am 25. September 2018 eine Tagung zum Thema „Kritische Infrastrukturen und Klimawandel – Herausforderungen für die Sicherheitspolitik: Südamerikanische Erfahrungen als Modell für Deutschland?“  

Mit Unterstützung des Alumni-Netzwerkes der Führungsakademie der Bundeswehr sollen diese Themen mit militärischen und zivilen Expertinnen und Experten aus Lateinamerika und Deutschland diskutiert werden und daraus Impulse für den strategischen Diskurs abgeleitet werden.

Das GIDS wurde am 30.Juni 2018 durch Verteidigungsministerin Dr. Ursula von der Leyen an der Helmut-Schmidt-Universität vor mehr als 120 Gästen in Hamburg eröffnet Wir werden darüber berichten.

Mehr zum GIDS

Autor: Christoph Weigmann; Fotos: Lene Bartel

Hamburg, 21.09.2018

Generalinspekteur Eberhard Zorn bei der Festansprache

Brigadegeneral Oliver Kohl überreicht den Bestpreis des Kommandeur an Major Christopher Herz

Generalleutnant a.D. Kurt Herrmann würdigt Major Quentin Watrin für seine Leistungen

Konteradmiral a.D. Karl-Wilhelm Ohlms zeichnet Major Sven Kümmeth mit dem Zukunftspreis der DWT 2018 aus

Oberstleutnant Raymond van Veen beim Grußwort der internationalen lehrgangsteilnehmer

Übergabe der Abschlussurkunde durch den Generalinspekteur der Bundeswehr, General Eberhard Zorn

Flottillenadmiral Karsten Schneider übergibt den Bestpreis Direktor Ausbildung Primus Inter Pares 2018 an Major Benjamin Geese

Gespräche beim anschließendem Empfang

 

 

 

 

 

Es war ein festliches Ereignis und erinnerte an die Verabschiedung von Absolventen an einer ehrwürdigen Universität. In einer fast zweieinhalbstündigen Veranstaltung wurden die 91 Lehrgangsabsolventen der Lehrgangs Generalstabsdienst/ Admiralstabsdienst National (LGAN) 2016 in ihre berufliche Zukunft entlassen. Zwei Jahre lang sind sie an der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) auf die Laufbahnen als Führungskräfte in Spitzenpositionen vorbereitet worden.

Absolventen aus 12 Ländern

Unter den Absolventen befanden sich Offiziere aus zwölf befreundeten Ländern sowie zwei Regierungsdirektorinnen aus dem zivilen Ämterbereich. Diese beiden Tatsachen sind für die FüAk von großer Bedeutung, zeigen sie doch, wie angesehen die Ausbildung an der FüAkBw ist – und das zunehmend auch für den zivilen Bereich.

In der feierlichen Zeremonie haben der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Eberhard Zorn, sowie der Kommandeur der Führungsakademie, Brigadegeneral Oliver Kohl, die Abschlussurkunden und eine Medaille der Führungsakademie an die Absolventen überreicht. Sie waren Teilnehmer des 13. streitkräftegemeinsamen Lehrgangs für den General- und Admiralitätsstabsdienst National (LGAN).

Aufgaben des Generalstabsdienstoffiziers

„Während der Offizier die Vorschriften befolgt, erstellt der Stabsoffiziere diese. Der Generalstabsdienstoffizier hingegen gestaltet dort, wo es keine Vorschriften gibt.“ Mit diesen Worten erklärte General Kohl gegenüber den Absolventinnen und Absolventen deren zukünftige Aufgaben. Und weiter appellierte er: „Sie sind gut ausgebildet und können das alles! Haben Sie Mut!“. Vier Bilder, die an die Präsentationswand in der Rotunde des Manfred-Wörner-Zentrums geworfen wurden, nutzte der Kommandeur, um seine Erwartungen an die neuen Generalstabsdienstoffiziere zu veranschaulichen. 

Er drängt zur Tat

„Der Generalstabsdienstoffizier drängt zur Tat. Das bedeutet jedoch auch, dass es gilt, zunächst bei sich selber den Fehler zu suchen, wenn etwas nicht gelingt.“ Nach General Kohl solle der Generalstabsdienstoffizier immer das Gesamtbild im Blick haben: „Sie müssen Ruhe ausstrahlen, um Vertrauen zu gewinnen und um führen zu können“, war die Botschaft zum zweiten Bild.

Charakterliche Lauterkeit

Die wichtigste Bedeutung besitzt jedoch die charakterliche Lauterkeit. „Der Generalstabsdienstoffizier steht gerade, auch wenn der Wind von vorne kommt“. Schließlich zeigte er als letztes Bild ein Portrait von Theodor Fontane und zitierte den Schriftsteller mit den Worten: „Wo Tränen fließen, kann nichts gelingen. Wer schaffen will, muss fröhlich sein.“

Beraten Sie in klarer Sprache

Diese Erwartung setzten den Rahmen für das nun folgende Festprogramm. In dieses war die Festrede des Generalinspekteurs der Bundeswehr, General Eberhard Zorn, eingebettet. Der General nutzte diesen Festtag, um die zukünftigen Spitzenführungskräfte zu motivieren: „Sie haben die Verpflichtung, das Beste weiterzugeben“, so der Generalinspekteur. Und er fuhr fort, dass die Bundeswehr von allen erwarte, „wach zu bleiben, kritisch zu bleiben und sich zu engagieren“. „Beraten Sie in klarer Sprache, erstellen Sie faktenreiche Analysen. Vor allem jedoch: Seien Sie wahrhaftig mit dem Mut zur Entscheidung“.

Die Weichen sind gestellt

Der Generalinspekteur betonte, dass es ihm darauf ankomme, der Regelungsdichte in der Bundeswehr entgegenzutreten.  Die Voraussetzungen seien für die Erreichung der personellen und materiellen Einsatzbereitschaft gestellt. Allein, es dauert noch Zeit, bis sich die Erfolge einstellen. Bis dahin gelte es, den Weg des Aufwuchses weiterzugehen.

Besondere Leistungen ausgezeichnet

Mehrere Preise für herausragende Prüfungs- und Lehrgangsleistungen wurden auch in diesem Jahr vergeben. Die Clausewitz-Gesellschaft hat Major Quentin Watrin für seine Arbeit über die aktuellen Veränderungen von Stellvertreterkriegen mit der Ehrenurkunde General von Clausewitz 2018 ausgezeichnet. Ebenfalls geehrt wurde Fregattenkapitän Jan Dinand für seine Analyse der Auswirkungen der Finanz- und Staatsschuldenkrise auf die Streitkräfte in Europa. Für diese Arbeit wurde ihm die Ehrenmedaille der Clausewitz-Gesellschaft überreicht. Diese beiden Preise wurden durch den Präsidenten der Clausewitz-Gesellschaft, Generalleutnant a.D. Kurt Herrmann, übergeben.

Preis für Zukunftstechnologie

Die Deutsche Gesellschaft für Wehrtechnik e.V. (DWT) verlieh den Zukunftspreis der DWT 2018 an Major Sven Kümmeth. Kümmeth hat das Thema „Big Data in der Bundeswehr“ zum Inhalt seiner Arbeit gemacht. Den Focus hat er dabei auf die Chancen und Möglichkeiten von Big Data für die Bundeswehr gesetzt. Dieser Mehrwert gab den Ausschlag für den diesjährigen Festpreis. Konteradmiral a.D. Karl-Wilhelm Ohlms, Geschäftsführer der DWT, war der Überbringer des Zukunftspreises.

Preis primus inter pares

Major Benjamin Geese erhielt den Preis als „Primus inter Pares‘‘ des Lehrgangs. Dieser Preis wird durch die FüAkBw an denjenigen Lehrgangsteilnehmer verliehen, der in „Kameradschaft, persönlicher Integrität, ethischer Grundhaltung, beruflichem Selbstverständnis und Leistung für den Lehrgang‘‘ überzeugt hat. Der scheidende stellvertretende Kommandeur und Direktor Ausbildung, Flottillenadmiral Karsten Schneider, hat den Preis überreicht.

Bester internationaler Lehrgangsteilnehmer

Als bester internationaler Lehrgangsteilnehmer erhielt Major Simon Davies den Dr.-Manfred-Wörner-Preis 2018, mit dem regelmäßig die herausragende Leistung und die vorbildliche Haltung eines künftigen Generalstabsdienstoffiziers des Auslands gewürdigt wird. Als Höhepunkt der Veranstaltung verlieh General Zorn den General-Heusinger-Preis 2018 an Major Joachim Ruthe. Mit dem Preis wird seine Haltung und Leistung während des LGAN gewürdigt. Den Bestpreis des Kommandeurs der Führungsakademie erhielt Major Christopher Herz für seine Lehrgangsarbeit zum Thema „Strategische Auswirkungen taktischer Nuklearwaffen. Eine Eskalationsleiter und Folgerungen für die Bündnisverteidigung.“

Würdiger Ausklang

Das Bläserquintett des Marinemusikkorps Kiel sorgte für ein festliches musikalisches Rahmenprogramm mit Stücken aus verschiedenen Jahrhunderten, aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Mit einem festlichen Empfang für alle Lehrgangsteilnehmenden und deren Gäste endete dieser Festtag in Hamburg.

Die Liste mit den Preisträgern des Zukunftspreises der Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik a.V. finden Sie hier.



 

 

 

 

 

Autor: Roberst Jorra; Fotos: Lene Bartel

Hamburg, 19.09.2018

Jörn Thießen (m) begrüßte die Delegation an der FüAkBw

Die fünftägige Deutschlandreise der kroatischen Sicherheitspolitiker und Experten für Sicherheitspolitik begann für die Delegation mit einem Besuch der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw). Ein Ziel dabei war es, sich über den Auftrag, die Aufgaben und die Struktur der höchsten Bildungseinrichtung der deutschen Streitkräfte zu informieren. Die durch die Konrad-Adenauer-Stiftung organisierte und begleitete Studienreise sollte die hochrangigen Teilnehmer im Laufe der Woche noch zu weiteren Institutionen führen, darunter in Hamburg zum Landesamt für Verfassungsschutz und zur Akademie der Polizei. Darüber hinaus erfolgte ein Besuch des Bundesministeriums des Inneren, für Bau und Heimat (BMI), des Bundesministeriums für Verteidigung (BMVg) und des Deutschen Spionagemuseums in Berlin.

Comprehensive Security im Fokus

Nach der Begrüßung durch den stellvertretenden Direktor Strategie und Fakultäten, Jörn Thießen und der traditionellen Eintragung in das Gästebuch durch den Delegationsleiter, Brigadier Tomislav Galić, erfolgte ein Briefing über die Akademie. Im Anschluss diskutierten die Experten mit Vertretern der FüAk über den Themenkomplex „Vernetzter Sicherheitsansatz“. Die anregenden Gespräche mussten leider, organisatorischen Zwängen geschuldet, aus Sicht aller Beteiligten zu früh beendet werden. Die Delegation wurde durch Direktor Thießen verabschiedet. Ein Bus brachte die Delegation sodann in die Hamburger Innenstadt, wo sie im Landesamt für Verfassungsschutz von der stellvertretenden Amtsleiterin, Frau Anja Domres, begrüßt wurde. Das Briefing im Landesamt war der nächste Programmpunkt, die die Experten auf der Agenda hatten.

 

Autor: Philipp Lenske; Fotos: Laura Clayborn

Hamburg, 14.09.2018

Der Lehrgang Generalstabsdienst / Admiralstabsdienst International 2018 vor dem Hamburger Rathaus

Oberst i.G. Frank Wasgindt bei seiner Begrüßungsanasprache

Major Mwongoso übergibt Staatsrat Krösser ein Foto des Lehrgangs als Dank für die Gastfreundschaft

Führung durch das architektonisch prachtvolle Rathaus

Seit 56 Jahren bildet die Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) nationale und internationale Stabsoffiziere im Lehrgang Generalstabsdienst / Admiralstabsdienst international (LGAI) aus. Somit wird auch dieses Jahr die Hansestadt Hamburg wieder für ein Jahr zur Heimat der Lehrgangsteilnehmenden, die aus 30 Nationen zu uns in die alte, weltoffene Hansestadt gekommen sind. ,,Sie müssen wissen, wo sind und das sie herzlich willkommen sind“, gab der Lehrgangsleiter des LGAI, Oberst i.G. Frank Wasgindt, bei seiner Begrüßungsansprache im Kaisersaal des Hamburger Rathauses dem LGAI als Wunsch mit auf den Lehrgangsweg. Es ist gute Tradition, dass der Senat der Freien und Hansestadt Hamburg den jeweiligen LGAI in das Hamburger Rathaus zum Empfang einlädt.

Militär ist für Hamburg immer von großer Bedeutung

Im altehrwürdigen Hamburger Rathaus wurden die internationalen Lehrgangsteilnehmer der FüAk durch den Staatsrat der Behörde für Inneres und Sport, Bernd Krösser, begrüßt. Er hieß die internationalen Hörsäle des Heeres, der Luftwaffe und der Marine wie auch ihre Tutoren unter Führung von Oberst Wasgindt in herzlichen Worten willkommen. Er wies darauf hin, dass das Militär für Hamburg immer von großer Bedeutung gewesen ist, denn nicht zuletzt begründet sich der Wohlstand der Stadt auf einem stabilen sicherheitspolitischen Umfeld. Er wünschte den Lehrgangsteilnehmern, dass sie ein „Gefühl der Verbundenheit“ mit dieser Stadt entwickeln könnten, um ihre Lehrgangszeit in Hamburg in guter Erinnerung zu behalten.

LGAI trägt zum Verständnis über Europa bei

Der LGAI vermittelt den Lehrgangsteilnehmenden Kenntnisse der europäischen Sicherheitsstruktur und der Entwicklung der Europäischen Union (EU) mit Schwerpunkt der Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (GSVP). Die Handels- und Hafenstadt an der Elbe lebt von ihren internationalen Beziehungen. Das ist der Grund, weshalb der Senat auch die vom LGAI angestrebte Netzwerkbildung zur Entwicklung und Vertiefung der Verbundenheit mit Deutschland sehr unterstützt.

Partnerstadt am Indischen Ozean

Mit fast 4 Millionen Einwohnern ist Daressalam die größte Stadt Tansanias. Seit Juli 2010 besteht eine Partnerschaft zwischen der bedeutsamen Handelsstadt an der ostafrikanischen Küste des Indischen Ozeans und der Freien und Hansestadt Hamburg. Major Wankyo Mwongoso aus Tansania ist Lehrgangsteilnehmer des diesjährigen LGAIs und setzte mit seiner Dankesansprache ein sichtbares Zeichen der Verbundenheit im Senat. So dankte Mwongoso der Stadt Hamburg für die großartige Unterstützung des LGAI. Der LGAI war Gast Hamburgs bei einer Hafenrundfahrt. Und auch die Kosten der Familienfeier für alle Angehörigen der LGAI-Offiziere übernahm die Stadt Hamburg. „Wir als Lehrgang fühlen uns willkommen, angenommen und vor allem angekommen“, so Major Mwongoso. Als Dank für die bisher erfahrene Gastfreundschaft übergab der Lehrgang ein gerahmtes Foto an Staatsrat Krösser.

Gemeinsame Erlebnisse schaffen Erinnerungen

Die Führung durch das architektonisch prachtvolle Rathaus und seine Geschichte bot einen guten Rahmen für einen gemeinsamen Austausch von Gedanken und Erfahrungen und vor allem für das persönliche Kennenlernen. Dieser gemeinsame Tag wird den Lehrgangsteilnehmenden noch lange in Erinnerung bleiben – und hoffentlich ebenso die Hansestadt Hamburg.

 

 

 

 

 

Krisenbearbeitung aus ökonomischer Perspektive ist immer eine Frage der Externalitäten 

Autor: Stefan Bayer ; Fotos: Bundeswehr / Internet

Hamburg, 11..09.2018

Handlungsfelder zur ökonomischen Theorie

 Konfliktregion Südchinesisches Meer

 Herkunftsländer der Flüchtlingsströme

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In der Öffentlichkeit findet sich sehr häufig ein – bisweilen wenig begründetes – Vorurteil, dass die Ökonomie Wurzel vielen Übels sei.
Ökonomiefeindliche „Sachbücher“ greifen dieses scheinbar populäre Argument auf und spitzen es in einzelnen Bereichen zu. In diesem Zusammenhang werden zum Beispiel die Auswirkungen der Banken-, Finanz- und Wirtschaftskrise in den Jahren 2008/2009 sehr häufig relativ undifferenziert in Verbindung gebracht. Dabei scheint die Ökonomie von einer unstillbaren Gier, oder genereller, von einem maßlosen Streben nach individuellen Vorteilen Einzelner gekennzeichnet zu sein. Getreu dem Motto: „Koste es, was es wolle.“

Auch die Politik trägt das Ihrige dazu bei

In jüngerer Vergangenheit greifen manche Politiker diese Einstellung und die scheinbar mit der Anwendung von Ökonomie zwangsläufig sich einstellenden Effekte strategisch auf und drohen mit Handels- oder Währungskriegen.

Theorie der externen Effekte

Das Seminar „Krisenbearbeitung aus ökonomischer Perspektive“ im Lehrgang Generalstabsdienst / Admiralitätsstabsdienst National (LGAN) 2017 an der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) hat diese und ähnliche Fragen aufgegriffen und untersuchte sie aus der Perspektive der Theorie der externen Effekte.

Zur Erklärung: Inwieweit kann denn die Ökonomie generell ursächlich für störende Entwicklungen sein? Wir nähern uns dieser Frage, indem wir einen zentralen Aspekt der ökonomischen Theorie, die Theorie der Externalitäten, beschreiben und an ausgewählten Beispielen hinsichtlich ihres Beitrags zu krisenhaften Entwicklungen analysieren. Nicht überraschen wird es den Leser, wenn das Fazit deutlich facettenreicher ausfällt als die angedeutete Pauschalkritik der ersten Zeilen dieses Artikels.

Ökonomie löst Knappheitssituationen

Ökonomie schafft es auf herausragende Weise, Knappheitssituationen effizient zu lösen. Dieses setzt aber die Berücksichtigung aller Kosten- und Nutzeneffekte voraus, was nur in einer vollständigen Wirtschaftsrechnung gelingt. Wird davon abgewichen, werden deutlich weniger effiziente Marktergebnisse realisiert. Dadurch können Probleme entstehen, die im Nachhinein auch unter Zuhilfenahme von Streitkräften bearbeitet werden müssen.

Staats- und Politikversagen

Das liegt dann aber grundsätzlich weniger am ökonomischen Verhalten per se als vielmehr an der Möglichkeit, unsanktioniert derartig agieren zu können. Mit anderen Worten: Es handelt sich somit vor allem um Staats- und Politikversagen anstatt um Markt- und damit Ökonomieversagen.

Impulse für weitere Debatten

In dem vollständigen Beitrag, der als Download bereitsteht, wird zunächst die Theorie von Externalitäten skizziert. Es werden politische und private Möglichkeiten aufgezeigt, wie diese beim Verursacher anzulasten (zu internalisieren) sind. Anschließend wird dieses Konzept auf sechs aktuelle Beispiele angewendet: Die sechs Abschnitte wurden von jeweils einer Arbeitsgruppe im Rahmen des Seminars „Krisenbearbeitung aus ökonomischer Perspektive“ erarbeitet und innerhalb der Gruppen und in Seminarpräsentationen kontrovers diskutiert. Der vorliegende Beitrag soll Impulse für weitere Debatten geben. Er soll auch die eingangs aufgeworfene pauschale Ökonomiekritik relativieren, ergebnisorientiert auch ökonomische Prozesse durchdringen und in konstruktive Bahnen lenken.

 

->Den vollständigen Aufsatz finden Sie hier.<-

Autor: Philipp Lenske ; Fotos: Lene Bartel

Hamburg, 07.09.2018

Admiral Karsten Schneider bei der Begrüßungsrede

Die Absolventen mit Freunden und Familie

Generaloberstabsarzt a.D. Dr. Ingo Patschke beim Vortrag

Die Absolventen mit ihren Professoren

In einem feierlichen Rahmen wurde den Absolventen des Masterstudienganges ,,Militärische Führung und Internationale Sicherheit“ (MFIS) an der Helmut-Schmidt-Universität / Universität der Bundeswehr in Hamburg (HSU) ihre Zeugnisse übergeben. Dieser Masterstudiengang erfolgt als Kooperation zwischen der HSU und der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw). Unter den 29 Absolventen sind auch der ehemalige Inspekteur des Sanitätsdienstes der Bundeswehr, Herr Generaloberstabsarzt a.D. Dr. Ingo Patschke sowie 17 Lehrgangsteilenehmende des nationalen Lehrgangs Generalstabsdienst / Admiralstabsdienst 2017 (LGAN 2017). Die Verleihung des postuniversitären akademischen Abschlusses jährt sich in diesem Jahr zum 3. Mal. Begrüßt wurden die MFIS Absolventen von Seiten der FüAkBw durch den stellvertretenden Kommandeur und Direktor Ausbildung Flottillenadmiral Karsten Schneider. Zuvor begrüßte die Dekanin der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Frau Professorin Dr. Christiana Schaefer die Anwesenden.

Masterstudiengang MFIS

Grundlage für die Zulassung zum Masterstudiengang MFIS ist ein abgeschlossenes Hochschulstudium sowie die Teilnahme am LGAN an der FüAkBw. Um die berufspraktischen und theoretischen Inhalte des Lehrgangs auf wissenschaftlichem Niveau zu erweitern, wurde seinerzeit dieser Masterstudiengang ins Leben gerufen.

Umfangreiche Studieninhalte

Der MFIS-Studiengang unterteilt sich in sechs Themenmodule. Diese Module sind mit dem LGAN-Lernplan abgestimmt und werden zum Teil in der Clausewitz-Kaserne von Professoren der HSU gelehrt. Dabei sind die praxisnahen Module „Menschenführung“, „Dimensionen von Sicherheit“ sowie die „Führung und der Einsatz von Streitkräften“ Bestandteil der Ausbildung im LGAN. Ergänzt werden diese durch Fächer der HSU, die den Fokus auf „Führung“, „Strategie“ und „Internationale Beziehungen“ setzt. Den MFIS-Studierenden stehen dabei alle Ressourcen aus den beiden Institutionen zur Verfügung. Das Bundesverteidigungsministerium stellt dabei durch die FüAkBw den benötigten finanziellen Rahmen zur Umsetzung der Kooperation zur Verfügung. Die HSU bietet uneingeschränkten Online-Zugang zu ihrer Bibliothek sowie diverser E-Lernplattformen, in welchen sich die Studierenden organisieren, austauschen und ihre Arbeiten zu Bewertungen durch die Professoren hochladen können.

Lebenslanges Lernen

Die Aufwertung des LGAN durch das Angebot eines weiterbildenden Studiengangs mit dem Abschluss: ,,Master of Arts“ ist Anreiz für die Teilnehmenden, diesen berufsqualifizierenden und anwendungsorientierten Studiengang zu besuchen und zu absolvieren. Generaloberstabsarzt a.D. Dr. Ingo Patschke hat seine Motivation zu einem weiteren Studium wie folgt beschrieben: ,,In einer immer komplexeren und vielschichtiger werdenden Welt gut zurecht zu kommen, meinen Horizont zu erweitern und mich in sicherheitspolitische Debatten aktiv einbringen zu können, waren für mich ein Anreiz“. Der Austausch mit dem jungen, angehenden Führungspersonal der Bundeswehr stellt für ihn den persönlichen Gewinn dar.

Think Tank und German Institute for Defence and Strategic Studies (GIDS)

Nach der Rede der Bundesministerin der Verteidigung, Dr. Ursula von der Leyen, im November 2016, befindet sich die FüAkBw in einem Veränderungsprozess. Durch die Erweiterung der FüAkBw zu einem „Think Tank“ in Kooperation mit der HSU ist die Steuergruppe Denkfabrik auf Seiten der FüAkBw und durch das Netzwerk Internationale Konfliktanalysen (NIKA) auf Seiten der HSU etabliert worden, die beide das GIDS steuern. Die Leistungen der MFIS-Absolventen stellen für die Denkfabrik und damit dem Forschungsauftrag des GIDS eine der Grundlagen dar, dem strategischen Beratungsauftrag nachzukommen.

Ein Studiengang wie kein anderer

Neben dem intellektuell anspruchsvollsten Lehrgang in den Streitkräften zusätzlich an den Wochenenden einen Master-Studiengang zu absolvieren, zeigt die hohe Leistungsbereitschaft der angehenden Führungskräfte und deren Willen, sich zukünftig noch besser in die Streitkräfte einbringen zu können. Die akademische Auseinandersetzung mit den MFIS-Themen gibt den Absolventen ein wichtiges Werkzeug mit auf den Lebensweg, um in der Praxis Entscheidungen auf komplexe Herausforderungen zu finden. Der MFIS hat sich als Erfolgsmodell etabliert.

 

 

 

 

 

Autor: Christoph Weigmann; Fotos: Lene Bartel

Hamburg, 30.08.2018

Der Kommandeur der Führungsakademie, Brigadegeneral Oliver Kohl (r), begrüßte Dr. Fritz Felgentreu (m) und ... Schmidt in der Clausewitz-Kaserne

Dr. Fritz Felgentreu, stellvertretender Landesvorsitzender der Berliner SPD, beim Eintrag in das Gästebuch der FüAkBw

 

 

Wenn ein sicherheits- und verteidigungspolitischer Sprecher einer Bundestagsfraktion eine Reise zu den Dienststellen der Bundeswehr macht, um sich in Gesprächen mit den Soldaten vor Ort einen persönlichen Eindruck zu verschaffen, so ist das gewiss für jede Dienststelle eine Abwechslung im Alltag der Dienstgeschäfte.

Für die Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) gab es in dieser Woche einen derartigen Tag. Begrüßt wurde Dr. Fritz Felgentreu MdB, der sicherheits- und verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion und Sprecher im 1. Untersuchungsausschuss der 19. Wahlperiode im Bundestag in der Clausewitz-Kaserne. Er wurde begleitet von dem Hamburger Bürgerschaftsabgeordneten Frank Schmitt.

Ein Tag voller Gespräche und ein Eindruck vom GIDS

Begrüßt wurde Dr. Felgentreu durch den Kommandeur der Führungsakademie, Brigadegeneral Oliver Kohl, dem der traditionelle Eintrag in das  Gästebuch der Akademie folgte. Dr. Fritz Felgentreu und Frank Schmitt besuchen die FüAk zu einem Zeitpunkt, der durch die Erweiterung des Auftrags durch die Bundesverteidigungsministerin geprägt ist, auf dem Feld der Strategieberatung Expertise aufzubauen. An der FüAk ist dieser Auftrag durch den Aufbau des German Institute for Defence and Strategic Studies (GIDS) geprägt. Über das GIDS informierten sich die beiden Politiker in einem Gespräch und Vortrag mit dem militärischen Vorstand des GIDS, Oberst Professor Dr. Rogg.

Gespräche mit Akademiemitgliedern

Es gehört zu einem derartigen Programm und war dem Besucher aus Berlin ein Anliegen, auch mit den Akademiemitgliedern zu sprechen. Ein Gespräch mit Mitgliedern aus den unterschiedlichsten Bereichen der Akademie war so auch die Fortsetzung des dichtgedrängten Besuchstages. Mit seiner Verabschiedung ging damit diese kurze Abwechslung im Alltag ihrem Ende entgegen.

 

 

 

 

 

 

Autor: Verena Hoffmann & Jonathan Scheffler ; Fotos: Jonathan Scheffler

Hamburg, 28.08.2018

Aktuelle Informationen aus der FüAkBw durch den Kommandeur, Brigadegeneral Oliver Kohl

Begrüßung zur 52. SiPoInfoT durch Generalleutnant a.D. Herrmann

Das Auditorium verfolgte interessiert den Vorträgen der Referenten

Der Direktor der Clausewitz-Gesellschaft, GenLt a.D. Hermann bedankte sich bei den Angehörigen des LGAN 2017

Flottillenarzt Dr. Brunn nahm sich dem Thema Human Performance Enhancement (HPE) an

Major Dunn, US-AirForce, erklärte die multinationale Sicht in Bezug auf militärisch genutzte künstliche Intelligenz

Zwischen den Vorträgen gab es Gelegenheit, die Thematik bei einer Tasse Kaffee zu besprechen

Major Levy beleuchtete alle politischen Aspekte zum Thema Militärstrategie und autonome Waffensysteme

Mit diesem hochaktuellen Thema befasste sich die 52. Sicherheitspolitische Informationstagung der Clausewitz-Gesellschaft e.V. und der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw), zu der sich im Manfred-Wörner-Zentrum der Führungsakademie ca. 240 geladene Gäste eingefunden haben. Dabei ging es im Besonderen darum, die „Strategie im 21. Jahrhundert unter Berücksichtigung moderner technologischer Entwicklungen“ zu beleuchten und kritisch zu diskutieren. Es ging auch darum zu hinterfragen, welche Herausforderungen künstliche Intelligenz (KI) und autonome Systeme an Politik, Gesellschaft und Streitkräfte stellen. Unter der Organisation von Major Maik Schröder, Lehrgangsteilnehmer des 14. streitkräftegemeinsamen nationalen Lehrgang Generalstabsdienst und Admiralstabdienst (LGAN) gestaltete auch der Hörsaal 3 des aktuellen LGAN einen sicherheitspolitischen Beitrag zu dieser Informationstagung.

Einleitende Worte durch den Präsidenten

Die einleitenden Worte des Tages sprach der Präsident der Clausewitz-Gesellschaft, Herr Generalleutnant a.D. Kurt Herrmann, der die zahlreich erschienenen Teilnehmer im voll besetzten Gneisenau-Saal begrüßte. Den Auftakt übernahm Brigadegeneral Oliver Kohl, Kommandeur der Führungsakademie, der anschließend dem Auditorium einen Sachstand über die Umstrukturierung der Akademie gab. Schwerpunkt seiner Rede war die Neugestaltung des Lehrgangs Basislehrgang Stabsoffizier (BLS), des Lehrgangs Generalstabsdienst und Admiralstabsdienst national und international (LGAN und LGAI), der Lehrgänge der Modullandschaft für ausgebildete Stabsoffiziere nach dem Konzept des lebenslangen Lernens sowie das neu aufgestellte German Institute for Defence and Strategic Studies (GIDS).

„Wir sind keine KI-Experten, aber wir sind frei im Geist und fest im Entschluss“

Mit der einleitenden Frage, wer denn besser geeignet sei zukunftsorientiert und frei zu denken als die Teilnehmer der Lehrgänge für zukünftige Generalstabsdienst und Admiralstabsdienstoffiziere, eröffnete Korvettenkapitän Patrick Jacobi das Spezial-Panel, welches der Hörsaal eigens für diese Informationstagung vorbereitet hatte und das er zusammen mit Major Benedikt Kühn moderierte. Damit kam der Hörsaal dem Auftrag des Akademiekommandeurs nach, im Rahmen der Ausbildung zum militärischen Spitzenpersonal der Streitkräfte den strategischen Blick auf die Herausforderungen von Morgen zu richten. Dazu befasste sich der Hörsaal unter der Leitung von Major Schröder intensiv mit der Fragestellung, welche Auswirkungen durch Künstliche Intelligenz (KI) und Autonome Waffensysteme auf die Militärstrategie zu erwarten sind. Er präsentierte hierzu seine Ergebnisse in Form eines Vortrags mit anschließender Diskussionsrunde den zahlreichen und interessierten Zuhörern.

„KI ist entweder das Beste, was der Menschheit passieren kann, oder das Schlechteste!“

Major Schröder stellte in seinem Vortrag deutlich heraus, dass Künstliche Intelligenz aus dem heutigen Alltag nicht mehr wegzudenken ist. Die Entwicklung von einer schwachen KI hin zu einer „Super-KI“ sei keine Frage mehr nach dem ob, sondern lediglich eine Frage nach dem wann des nächsten Technologiesprungs. Dabei definierte er Künstliche Intelligenz als ein Teilgebiet der Informatik, das sich mit der Nachbildung menschlicher Intelligenz und menschlichen Verhaltens sowie der Weiterentwicklung von maschineller Intelligenz befasst. Wo in der Medizin längst intelligente Computer die Analyse von Krankheitsbildern übernehmen, erhält KI auch im militärischen Anwendungsbereich immer umfangreicheren Einzug und nimmt bereits heute, so die These, Einfluss auf das militärische Schlachtfeld und somit auf die strategische Kriegsführung.

„Ohne eine eigene Strategie, wären wir nicht vorbereitet.“

Die im Anschluss stattfindende Diskussion mit dem Publikum wurde von den Lehrgangsteilnehmern des LGAN mit Thesen aus politischer, medizinischer, ethischer sowie technischer Sicht eingeleitet. Um bei der rasanten Entwicklung der Möglichkeiten zum Einsatz von KI den technologischen Anschluss nicht zu verlieren, so stellte Major Levy in den Raum, muss auch Deutschland sich mit dem Einsatz autonomer Waffensysteme auseinandersetzen. Denn der Einsatz dieser Waffen ist unter Berücksichtigung der Chancen aber auch Risiken zur aktiven Unterstützung der Truppen von besonderer Relevanz. Major Dunn, Angehöriger der amerikanischen Streitkräfte, bekräftigte die Aussage und stellte heraus, dass die amerikanischen Streitkräfte eine gute KI-Strategie entwickeln müssen, um jederzeit reagieren zu können. „Ohne eine eigene Strategie“, so Dunn, „wären wir nicht vorbereitet, denn andere Nationen benutzen bereits KI als militärische Wirkmittel.“

Deutschland muss aufholen

Während andere Nationen bereits  Künstliche Intelligenz einsetzen und Konzepte implementiert haben, hängt Deutschland mit einer fehlenden robusten KI-Strategie bislang diesem Entwicklungstrend hinterher. Dabei hilft auch nicht der Blick nach Israel, das bereits autonome Grenzroboter oder Kamikaze-Drohnen einsetzt. Deutschland hat ein anderes ethisches Werteverständnis. Mit den ethischen Aspekten der Diskussion um den Einsatz von autonomen Waffensystemen und der Frage nach der Verantwortlichkeit bei ihrem Einsatz befasste sich Oberstleutnant Trier. Dieser führte aus, dass in letzter Instanz der Mensch immer in der Verantwortung bleibt, denn er entscheidet, ob diese Waffensysteme zum Einsatz kommen oder nicht.

Nicht den Menschen verdrängen

Solange die KI nur eine Ergänzung für die Kriegsführung darstellt und den Menschen dabei nicht verdrängt, so Major Levy weiterführend, gibt es klare Vorteile für ihren Einsatz, da sie zur Unterstützung bei Führungsentscheidungen eingesetzt werden kann und damit die Reaktionsgeschwindigkeit in Entscheidungsprozessen erhöht. Für dieses offene Denken warb auch Major Schröder mit dem technischen Blick auf die Entwicklung von KI. Denn mit dem frühzeitigen Implementieren von Leitplanken kann die Entwicklung dieses nicht mehr aufzuhaltenden technischen Fortschritts eingeschränkt oder sogar behindert werden.

Der medizinische Blickwinkel

Mit einem offenen Blick auf die Potentiale können, so Flottillenarzt Dr. Elisabeth Brunn, in der Nutzung von Human Performance Enhancement (HPE) auch Möglichkeiten für das Militär liegen. Dabei beleuchtete sie einen medizinischen Blickwinkel auf die Debatte. Hier können verschiedenste Maßnahmen dazu beitragen, die menschliche Leistungsfähigkeit über das individuell maximal mögliche Potential zu erhöhen. „HPE wird als Katalysator wirken und die Art der Kriegsführung grundlegend ändern“, so ihre These. 

Eine großartige Debatte

Die zahlreichen Fragen aus dem Publikum zeigten das große Interesse an der Debatte um den Einsatz von künstlicher Intelligenz im Kontext der deutschen Sicherheitspolitik. Mit dem Dank von Admiral Karsten Schneider, stellvertretender Akademiekommandeur, für die plastische Darstellung dieses komplexen Themas endete das Spezial-Panel der LGAN Lehrgangsteilnehmer mit großem Applaus.

„Wer ist ein guter Mensch und wer bestimmt das?“!“

Auch die weiteren Vorträge des Tages, so der Vortrag von Jay Tuck, Buchautor, investigativer Journalist und langjähriger Redaktionsleiter der ARD-Tagesthemen, über den „Einfluss disruptiver Technologien auf Sicherheitspolitik und Strategie“ sowie von Univ.-Professor Dr.-Ing. Dr. rer. Pol. habil. Michael Lauster, Institutsleiter des Fraunhofer Institut für Naturwissenschaftlich-Technische Trendanalysen zum Thema „Künftige Technologien und technologische Quantensprünge mit erwarteter Relevanz für Sicherheitspolitik und Strategie“ erfuhren höchste Aufmerksamkeit durch das Auditorium. Denn die ethische Frage für den Einsatz von letalen, unabhängig handelnden Waffensystemen beginnt bereits mit der Frage „Wer ist ein guter Mensch und wer bestimmt, was gut ist?“. Prof. Dr. Mey, Honorarprofessor für Außenpolitik an der Universität Köln, leitete die Gesprächsrunde mit den beiden Vortragenden, die sich unter anderem um diese Frage drehte. Die Antwort jedoch blieb offen und regt jeden zum Nachdenken an.

 

 

 

 

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