Autor: Christiane Rodenbücher; Fotos: Hpa / Johannes Merten

Hamburg, 10.10.2016

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Zehn Prozent von Hamburg sind Hafengebiet

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Jens Meier referiert über die Hafenbehörde

„SmartPORT Hamburg Hafen 4.0“ – unter diesem Titel hat Jens Meier, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Hamburg Port Authority (HPA) einen Vortrag vor dem Freundeskreis des LGAI gehalten. 120 Personen sind den spannenden Ausführungen des erfahrenen Managers gefolgt, den Dr. Martin Willich, der Vorsitzende des Freundeskreises mit seinen guten Kontakten initiiert hatte. Ehemalige, Paten, Mentoren – der Freundeskreis setzt sich aus verschiedenen Mitgliedern zusammen und nutzt die Möglichkeit, sich im Rahmen des eingetragenen Vereins mit LGAI-Teilnehmern fortzubilden und sein Netzwerk auszubauen.

Zukunftsfähigkeit

„Der Hafen hat in Hamburg eine besondere Bedeutung, er nimmt zehn Prozent der Stadtfläche ein und ist zukunftsfähig Richtung Digitalisierung und Logistik aufgestellt“, berichtet Jens Meier. Der Vorsitzende hat die Aufgaben und die Mission des modernen Dienstleistungsunternehmens vorgestellt. Es fallen Begriffe wie „Anpassungsfähigkeit“, „Effizienz“ und „Herausforderungen“, wie die, auch künftig eine Informationsschnittstelle für alle Beteiligten darzustellen. Die Situation der Hafenbehörde hat er nachvollziehbar erläutert.

Technologisch gefordert

In Zukunft kommt es auf die vier Säulen Energie (zum Beispiel Landstromversorgung), Logistik (beispielsweise schnell weiterzuleitenden Informationen über Containerinhalte), Wartung (schnelles Erkennen von Störungen im Weichenbereich) und Kreuzfahrt. An den Beispielen Digitales Parkleitsystem, Weichen-Sensorik, Verkehrskontrolle und Flutwarnung hat er deutlich gemacht, wie vielseitig die HPA technologisch gefordert ist. Es stehen vornehmlich die Vernetzung intern (Hamburger Umland, Binnenhäfen, Bahn und LKW) und extern (andere Häfen, Transportunternehmen und Reedereien) auf dem Programm. Wie vergleichbare Einrichtungen verfolgt die HPA die Themen Nachhaltigkeit, Implementierung einheitlicher Standards und Cyberkriminalität mit hoher Priorität.

Austausch und Networking

„Eine rundum gelungene Veranstaltung“, lobt Lehrgangsleiter Oberst i.G. Matthias Kohnen, „der Vortrag war sehr anregend und informativ – alle Zuhörer haben davon profitiert. Ich bin dankbar, dass wir über den Freundeskreis neben der Chance des Austauschs und Networking die Möglichkeit haben, uns mit solchen Veranstaltungsreihen über Themen aus Hamburg auf dem Laufenden zu halten. “

 

Autor: Nils Wienböker und Daniel Eisenbraun ; Fotograf: Katharina Junge / Nils Wienböker

Hamburg, 10.10.2016

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Der etwas andere Lagetisch – digital und modern

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OTL Marc Fechtner: detaillierte Planung ist alles

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Lagebesprechung der Teilnehmer

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Operation ,,Hameln" - Lehrgangsteilnehmer im Gruppenfoto

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Einsatz neuer Medien für die Lagebeurteilung

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Zivile und militärische Vertreter im „Interagency Meeting“

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Beim Interviewtraining: souverän vor Kamera und Mikrofon

Ein fiktives Einsatzgebiet, taktische Herausforderungen und multiple Herangehensweisen stellen die erlernten Fähigkeiten der Teilnehmer des Lehrgangs Generalstabs-Admiralstabsdienst national 2015 auf die Probe. Für sie ist es die letzte Übung, um die Ausbildung auf der taktischen Ebene der Brigade abzuschließen. Ihnen stehen im Manfred-Wörner-Zentrum nicht nur die besten technischen Möglichkeiten für diese Übungsform zur Verfügung, sondern auch die taktisch und strategisch erfahrenen Dozenten und Mentoren unserer Streitkräfte. „Hardware“ und „soft skills“ leisten ihren Teil bei der Lösung dieses virtuellen Konflikts.

Ein Stratege beschreibt die Lage

Hinter dem gesamten Szenario stecken viel Arbeit und Planung. Für den erfahrenen Oberstleutnant Marc Fechtner ist das nicht die erste militärische Operation, die er im Rahmen einer Übung entworfen hat. Im Bereich Heer der Akademie ist er für die Ausbildung von besonderen Landoperationen mit Schwerpunkt urbane Operationen. Kampf im urbanen Raum – das ist das Kernelement der Übung. Heute schon leben mehr Menschen in Städten als auf dem Land, ein Trend, der in Zukunft exponentiell zunimmt. Für das Heer ist der Schwerpunkt das Bestehen im Kampf. Es bezeichnet das hoch intensive Gefecht in einem dynamischen und komplexen Einsatzumfeld, wobei der urbane Raum an Bedeutung hinzu gewinnt.

Umfangreicher Auftrag

Die Stadt Hameln, diesmal nicht gelegen an den Ausläufern des Weserberglandes, sondern im Zentrum des fiktiven Staates Leineland, ist Angriffsziel der Übung. Die Bundeswehr übernimmt im Rahmen der Vereinten Nationen und der NATO diese Verantwortung. Der Auftrag der Lehrgangsteilnehmer ist nun, einen Operationsplan zu entwickeln, um die Bevölkerung zu schützen und gegen reguläre und irreguläre gegnerische Kräfte vorzugehen, um die Region zu stabilisieren und so dem Friedensprozess im Leineland eine reelle Chanche zu geben.

Neue Anforderungen

Dafür stehen ihnen eine eigene fiktive Panzerbrigade, ihr erlerntes Handwerkzeug sowie Rat und Tat der Mentoren zur Verfügung. Denn die Lage ist ernst. Die Versorgung der Stadt ist eingeschränkt. Wasser- und Stromleitungen sind nur in einigen Stadtteilen vorhanden und erschweren die Einsatzlage zunehmend. Übergriffe auf die Zivilbevölkerung häufen sich, und auch das Leitungspersonal hat die eine oder andere Überraschung für die Teilnehmer parat. „Das ist ein künftiges Einsatzszenario schlechthin, da gerade im urbanen Raum verschiedene Einflussfaktoren fokusiert betrachtet und in die Planung integriert werden müssen“, informiert Oberstleutnant Marc Fechtner. Die Stabsübung so realistisch wie möglich zu gestalten ist ein wichtiges Grundelement bei der Entwicklung dieser Übung. Fest steht: Es soll den Teilnehmern nicht leicht gemacht werden.

Rundumsicht mit Virtual-Reality-Brillen

Für die Beurteilung der Umweltflüsse, für die Planung von Operationen, für das Wargaming und die taktischen Befehlsausgaben bietet der digitale Lagetisch außergewöhnliche Möglichkeiten. Verschiedene Luftbilder von bestimmten Gebäuden und Formen können mit Hilfe des Geräts an die Wand projiziert werden. „Virtaual-Reality-Brillen" sind kein Zukunftsraum mehr. Mit ihrer Hilfe ist eine 360°- Projetkion von Schlüsselobjekten oder Kritischer Infrastruktur möglich. Der Kommandeur könnte in der Planung operationsbestimmende Objekte aus den Augen eines Schützen sehen, ein ungeahnter Vorteil, wobei diese Funktion nur eines von vielen Beispielen ist, welcher der Lagetisch ermöglicht.

Technische Neuerung

„Wir haben lediglich nur einen halben Tag für die Einweisung erhalten und waren dann bereit für die Arbeit mit dem Lagetisch. Ich habe erst 30 % der Kapazität dieses Gerätes beansprucht und glaube, dass noch einiges möglich ist“, ergänzt der niederländische Teilnehmer Major Bas Kuipers. Die technische Neuerung bietet selbstverständlich viel Luft nach oben, trotzdem sind einige Funktionen noch nicht ganz ausgereift und werden für den nächsten Lehrgang protokolliert und anschließend mit dem Fraunhofer-Institut überarbeitet.

Kamera läuft!

Die neue Hardware hilft dabei, das schwere Gerät auf der Lagekarte zu koordinieren. Doch kommt es bei einem so komplexen Einsatzszenario auch auf die „soft skills“ der Offiziere an. Die Zusammenarbeit mit zivilen Kräften vor Ort ist oft genauso wichtig wie das Bekämpfen feindlicher Soldaten. Im besonderen Fokus der Ausbildung der Akademie steht dabei der Umgang mit den Medien und dessen Vertretern. Daher üben alle Lehrgangsteilnehmer unter anderem ihr Verhalten beim Interview und werden dabei durch einen Fachmann betreut.

Mitten drin im Leben

Oberstleutnant Jürgen Bredtmann ist für die Ausbildung in diesem Bereich verantwortlich. Jahrelange Presse- und Medienerfahrungen, zusammen mit der Erfahrung als vergangener Pressesprecher der Führungsakademie der Bundeswehr, machen den Dozenten zum erprobten Medienexperten. Er weiß mit welchen Worten man die Journalisten überzeugen kann. Die Interviews dauern jeweils ungefähr 10 Minuten. Anschließend erfolgt ein persönliches Feedback, bei dem sich die Teilnehmer auch selbst reflektieren sollen. Selbstverständlich findet die Übung im realistischen Maße vor laufender Kamera statt. Eine richtige „Real life exercise“.

 

Autor: Jana Grigoleit; Fotografin: Katharina Junge / Laura Clayborn

Hamburg, 07.10.2016

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Pakistanische Offiziere berichten über ihr Land

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Vielfältige Eindrücke aus dem Land am Hindukusch

Völlig unerwartet treffen sich verschiedene Generationen einer Familie aus Pakistan an der Führungsakademie – damit hatten die Veranstalter des „Kleinen nationalen Informationstages“ wirklich nicht gerechnet. Generationen übergreifende Verständigung: Damit erhält die Veranstaltung des internationalen Generalstabs- und Admiralstabsdienstlehrgangs (LGAI), die über das Land am Hindukusch informiert, einen ganz besonderen Charakter.

Lange Tradition an der Akademie

Oberst i.G. Matthias Kohnen, Leiter des LGAI, begrüßte neben den beiden Vortragenden OTL Ahmed Syed Masood und Major Hussain Taimur, die mit historischen, politischen, geografischen und klimatischen Informationen in ihr Heimatland einführten, auch die Eltern von Major Taimur. Das Besondere daran: Der Gast Generalleutnant a.D. Taimur, der Vater von Major Taimur, absolvierte im Jahr 1979 selbst den LGAI, so dass es an der alten Wirkungsstätte neben der Familienzusammenkunft zu einem Wiedersehen mit ehemaligen Weggefährten kam, die der Vater aus seiner damaligen Zeit in Deutschland extra zum Vortrag in die Führungsakademie eingeladen hatte.

Ein Land voller Kontraste

Wenn man an Pakistan denkt, fallen einem in der Regel Begriffe wie Cricket, Terrorismus oder das Himalaya-Gebirge ein. Wie viel mehr das Land zu bieten hat, wurde durch den Vortrag der beiden pakistanischen Offiziere schnell deutlich. Nach einem geschichtlichen Abriss, Inhalten zu „Land und Leuten“ und alten Traditionen in das moderne Pakistan kamen die Vortragenden auch auf die Rolle des Landes in der Welt zu sprechen. Durch die geografische Nähe zu Afghanistan ist es der Staatengemeinschaft ein Anliegen, so die Referenten, Pakistan mittel- und langfristig als zuverlässigen und starken Partner in der Terrorismusbekämpfung zu etablieren. Pakistan strebe Harmonie und Frieden mit allen Nationen an, erklärt Major Taimur. Nach dem Ende des Vortrages konnten sich die Zuhörer, die den Länder-Informationen mit großem Interesse gefolgt sind, anhand von Informationstafeln vertiefend zu ausgewählten Themen informieren.

 

Autor: Nicolai Völker; Bilder: EATC / Nicolai Völker

Hamburg, 20.12.2016

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Kommandeur des EATC Generalmajor Badia

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Generalmajor Badia stellt sich den Fragen der Luftwaffenlerngruppen des LGAN 2015

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Luftbetankung KC-767 an F-35

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Einsatzoffizier im Gefechtsstand des EATC

Generalmajor Christian Badia, der Kommandeur des Europäischen Lufttransportkommandos (EATC), hat den angehenden Generalstabsdienstoffizieren der Luftwaffe im LGAN 2015 sein Kommando vorgestellt und sich den Fragen der Lehrgangsteilnehmer zu aktuellen Positionen der Luftwaffe gestellt. Thematisch reihte sich der Vortrag in das Seminar „Unterstützungsleistungen für ein Luftwaffenkontingent im Einsatz“ ein. Im Rahmen des Seminars wurde der Schwerpunkt auf die Betrachtungen logistischer sowie die Führungsunterstützung betreffender Aspekte gelegt. Zudem stand auch ein Besuch des Lufttransportgeschwaders 62 in Wunstorf auf der Agenda.

Europäisches Leuchtturmprojekt

General Badia steht dem EATC, das auf dem militärischen Teil des Flugplatzes Eindhoven (Niederlande) gelegen ist, nunmehr seit zwei Jahren vor. Seit dem Beitritt Spaniens und Italiens im Jahr 2014 übt sein Kommando „Operational Control“ über mehr als 220 Luftfahrzeuge aus. Dies entspricht mehr als 60% der militärischen Lufttransportflugzeuge in Europa. Doch bis dies erreicht werden konnte, war es ein langer Weg. „Bereits 1999 erklärte der deutsch-französische Sicherheitsrat die schrittweise Zusammenführung vorhandener militärischer Lufttransportmittel“, berichtet GM Badia. In den Folgejahren verständigte man sich auf die Aufstellung eines gemeinsamen Kommandos. 2010 konnte das EATC dann seine Arbeit aufnehmen, als Frankreich, Belgien, die Niederlande und Deutschland sich über die erforderlichen Details einigten. Mittlerweile stellen sieben Nationen (vorgenannte vier sowie Luxemburg, Spanien und Italien) Personal zum EATC ab und sind somit am wohl bekanntesten Pooling & Sharing Projekt beteiligt.

Weg zum Erfolg

Die Mehrwerte, die das EATC generiert, sind vielfältig. Beispielsweise konnten die Niederlande einen kostenintensiven Vertrag mit einem zivilen Anbieter von MedEvac-Flügen aufkündigen, da sie über das EATC Zugriff auf diese Fähigkeit erhalten haben. Im Gegenzug betankt eine niederländische KDC-10 beispielsweise deutsche Eurofighter. Als Zahlungsmittel zwischen den Nationen dient dabei die fiktive Währung „ATARES“. Das EATC übernimmt neben Planning, Tasking und Executing von militärischen Transportflügen auch Standardisierungsaufgaben und begleitet die Einführung des neuen Transportflugzeuges A400M. „Unser Ziel ist es, im Jahr 2025 vier A400M nebst den zugehörigen Besatzungen aus vier verschiedenen Nationen mit nur einer Technikkomponente und einer OPS-Zelle in einen Einsatz bringen zu können“, führt Badia aus. Dies sei derzeit trotz teils typengleicher LFZ in den beteiligten Ländern, aufgrund unterschiedlicher nationaler Regularien, Verfahren und Vorschriften nicht möglich.

Fragen willkommen

Über eine Stunde stellt sich der Kommandeur nach seinem Vortrag in einer Aussprache Fragen zum EATC, aber auch zu grundsätzlichen Fragestellungen der Luftwaffe. Hierbei stellt er klar heraus, was nach Lehrgangsende auf die zukünftigen Generalstabsoffiziere zukommen wird: „In Zukunft sind Sie es, die Vorgänge bearbeiten und Entscheidungen vorbereiten. Gehen sie unbefangen und weitsichtig an Ihre Aufgaben heran. Nur so bringen Sie die Dinge in Europa weiter.“ Der Lehrgangsleiter, Kapitän zur See Richard Kesten, findet lobende Abschlussworte: „Ich sehe den Vortrag sowie die sich anschließende offene Aussprache als äußerst gewinnbringend für die am Lehrgang teilnehmenden Luftwaffenuniformträger an.“

 

Autor: Philipp Lenske; Fotografin: Katharina Junge

Hamburg, 27.09.2016

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Kommandeur der Führungsakademie heißt willkommen

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Der Lehrgang dient auch zum Knüpfen internationaler Kontakte

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Lehrgangsleiter Oberst Weeke begrüßt die neuen Teilnehmer

,,Wer den Hafen nicht kennt, in den er segeln will, für den ist kein Wind der richtige“, beginnt der Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr, Flottillenadmiral Carsten Stawitzki, seine Begrüßungsansprache an die neuen Teilnehmer des nationalen General-/Admiralstabsdienst Lehrgangs. Zum Lehrgang gehören 73 nationale, darunter zwei zivile, sowie 18 internationale Teilnehmer. Viele von ihnen waren mit ihren Familien angereist. Für die zwei Jahre an der Führungsakademie ziehen viele Lehrgangsteilnehmer an die Elbe nach Hamburg. Ein gemeinsames Mittagessen sowie das damit verbundene Kennenlernen ermöglichen die erste Kontaktaufnahme.

Der Geist bewegt die Materie

Admiral Stawitzki erläutert die Kernprozesse des Lehrgangs :,,Die Professionalisierung der vorhandenen Führungsqualitäten stellt das Ziel des zweijährigen Lehrgangs dar. Das militärischen Handwerk und ein großer Überblick festigen das geistige Fundament. Die anstehenden Herausforderungen können jedoch nur durch ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Dienst und Familie bewältigt werden.“

LGAN und MFIS kombiniert

Die ersten Absolventen des Masterstudiengangs ,,Militärische Führung und Internationale Sicherheit“ (MFIS) stehen fest. Das zweijährige Studium läuft simultan zum LGAN und ist für die neuen Lehrgangsteilnehmer eine große Chance, ihre Zeit an der Führungsakademie mit einem akademischen Abschluss zu krönen.

Sich kritisch einbringen

,,Das Team ist dem Einhandsegler am Ende immer überlegen“, ergänzt Admiral Stawitzki. Kritisches Einbringen ist für ihn essentieller Teil der Prozessoptimierung des Lehrgangs. „Denn das Handeln des Einzelnen bestimmt das Sein des Teams und entscheidet somit im Endeffekt über Erfolg und Misserfolg aller Teilnehmer.“

 

Autor: Philipp Lenske; Fotografin: Katharina Junge

Hamburg, 28.09.2016

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Hauptmann Saleem spricht über Netzwerk im Irak

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Lehrgangsteilnehmer aus sechs verschiendenen Ländern erläutern ihr Alumni-Portale

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Oberstleutnant Garba Ango aus dem Niger im Gespräch mit der Alumni-Beauftragten Birgit Schön

Wie sind die Alumni-Netzwerke in den Heimatländern der Lehrgangsteilnehmer der Führungsakademie aufgebaut, wie sind sie organisiert, strukturiert, wie viele Mitglieder haben sie, und was kann am Alumni-Portal der höchsten militärischen Bildungseinrichtung der Bundesrepublik optimiert werden? Mit diesen Fragen ist das Sachgebiet Kommunikation an internationale Lehrgangsteilnehmer in der Akademie herangetreten. Alumni-Netzwerke sind aus der Sicht der Hamburger Institution essentiell für den Kontakterhalt von Absolventen eines gemeinsamen Lehrgangs, deshalb bieten wir dieses elektronische Portal an. Auch in der aktiven Zeit an der Führungsakademie dient es als Orientierungshilfe, Ratgeber und dem Informationsfluss für die Lehrgangsteilnehmer.

Von der Schweiz bis in die Volksrepublik China

Teilnehmer des Internationalen Generals- und Admiralstabsdienstlehrgangs aus der Schweiz, dem Niger, Korea, Irak, China und Argentinien haben zu Fragen nach Netzwerken in ihren Streitkräften geantwortet. Sie gaben darüber Aufschluss, wie diese genutzt werden. Von den Befragten besitzt einzig die Schweiz ein eigenes Alumni-Netzwerk. „Die Gesellschaft der Generalstabsoffiziere mit der Generalstabsschule der Schweizer Armee bietet ein geschlossenes Alumni-Portal für das Militär an“, sagt OTL Scheidegger. Ein rein nichtmilitärisches Netzwerk für die Militärakademie gebe es ebenfalls. „Im Irak ist der Kontakt für Aktive und ehemalige Lehrgangsteilnehmer auf Facebook verwirklicht“, erklärt Hauptmann Saleem. Mit 280.000 Mitgliedern und mehreren Administratoren ist dies sicherlich einer der größten Zusammenschlüsse weltweit. In der Volksrepublik China ist die Teilnahme bei Facebook nicht erlaubt, und es gibt kein militärisches Alumni-Netzwerk. Der chinesische Major Yan berichtet: ,,Früher war in China der Kontakt mit ausländischen Soldaten nicht erwünscht, heute gibt es einige Lockerungen in diesem Bereich. Die Kontaktpflege mit den Kameraden ist mir sehr wichtig, ich freue mich über das Alumni-Angebot der Führungsakademie.“

Blick in die Zukunft

Welche Erwartungen haben die Befragten an das soziale Netzwerk der Führungsakademie? Mehrfach wird der Wunsch über eine monatliche Vorstellung eines internationalen Lehrgangsteilnehmers im Alumni-Netzwerk geäußert. Sicherheitspolitik in Deutschland ist sehr gefragt und sollte künftig öfter im Netzwerk aufgegriffen werden, sind sich die internationalen Kameraden einig. Die starke Resonanz auf das Thema „Alumni“ scheint von großem Interesse zu zeugen. „Die zahlreichen Optimierungsvorschläge und Wünsche bekräftigen dies“, erklärt die Alumni-Beauftragte Birgit Schön, „mit den neu gesammelten Eindrücken, Vorschlägen und Ideen nimmt die Social- Media-Plattform der Führungsakademie der Bundeswehr nun wieder neue Fahrt auf – wir werden uns der Wünsche gerne annehmen."

 

Autor: Christiane Rodenbücher; Fotograf: Ulrike Schröder

Hamburg, 23.09.2016

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General Bohrer freut sich mit erfolgreicher Studentin

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Universität trug erheblich zum Gelingen bei

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Admiral Stawitzki lobt die Absolventen

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Admiral Stawitzki mit weiteren Ehrengästen

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Engagierte Initiatoren der Führungsakademie

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Begeisterte Gesichter nach der Verleihung

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Anerkennung für die Absolventen

„Kampf, Beharrlichkeit, Erfindungsreichtum“: Mit diesen Worten haben die Festredner die engagierten Bestrebungen der Führungsakademie und der Helmut-Schmidt-Universität in den vergangenen Jahren beschrieben, einen gemeinsamen Studiengang zu etablieren. Die ersten 30 Absolventen haben jetzt ihr Zeugnis erhalten. Die Verleihung der Urkunden des Studiengangs „Militärische Führung und Internationale Sicherheit“, kurz MFIS, ist Zeichen einer fruchtbaren Kooperation beider Einrichtungen in Hamburg. Es ist die erste institutionalisierte und weit sichtbare Kooperation, in der sich die zwei Häuser komplementär ergänzen.

Hohe Qualitätsstandards

Im Jahr 2011 begannen die ersten Überlegungen zur Realisierung dieses Studiengangs. Heute sind die umfangreichen Ideen und Planungen zur Realität geworden. „Die Lehre an der Führungsakademie im LGAN wird durch den MFIS aufgewertet: Das Absolvieren des LGAN erbringt fast die Hälfte aller Credit Points, die zum Absolvieren des Studienganges erforderlich sind. Das ehrt unsere Akademie und unterstreicht auch aus akademischer Sicht die hohe Qualität unserer Ausbildung“, sagt Flottillenadmiral Carsten Stawitzki, Kommandeur der Führungsakademie, bei einem Festakt an der Helmut-Schmidt-Universität (HSU) in Hamburg.

Mut, Kritik zu üben

Generalleutnant Peter Bohrer, Stellvertreter des Inspekteurs der Streitkräftebasis, geht auf anfängliche Bedenken und Widerstände ein. Die waren jedoch schnell ausgeräumt. „Mit dieser Kooperation positionieren wir die Führungsakademie im Zusammenspiel mit anderen Ausbildungseinrichtungen besser, außerdem qualifizieren wir die Lehrgangsteilnehmer noch besser in der Vorbereitung auf ihre künftigen Tätigkeiten.“ General Bohrer spricht darüber hinaus über den „Mut zu kritischem Einwand, das gefällt mir an den jungen Offizieren besonders gut“. Vizeadmiral Joachim Rühle geht in seiner Ansprache ebenfalls auf die neuen Errungenschaften ein. „Führungsakademie und Universität haben zu gleichen Teilen Inhalte eingebracht“, erläutert der Abteilungsleiter Personal im BMVg, Vizeadmiral Joachim Rühle, „das bereichert das Portfolio von FüAkBw und HSU durch einen international wettbewerbsfähigen Mastergrad – ein Paradebeispiel für Bildung und Qualifikation in der Bundeswehr.“

Zusammen in die Zukunft

Oberstleutnant Konrad Panzer, Projektoffizier und „Spiritus rector“ des neuen Studiengangs, erklärt: „MFIS knüpft an den Lehrgang Generalstabs-/Admiralstabsdienst National (LGAN) der Führungsakademie der Bundeswehr an und ergänzt die berufspraktischen und theoretischen Inhalte dieses Lehrganges um wissenschaftliche Inhalte der Universität. Der MFIS ist parallel zum LGAN studierbar, bereits erworbene Qualifikationen aus dem LGAN können zum Teil als Studienleistung anerkannt werden.“ Bisher fehlte den Lehrgangsteilnehmern nach ihrer zweijährigen Ausbildung an der Führungsakademie ein rechtlich anerkannter akademischer Abschluss. Wie er an vielen vergleichbaren Einrichtungen schon lange Standard ist. „Nur mit diesem ist es gewöhnlich möglich, im internationalen Umfeld Verwendungen auf höchster Ebene wahrzunehmen“, so Panzer. Der “Master of Arts“ bereichert die Teilnehmer des LGAN um den entscheidenden international anerkannten akademischen Abschluss.

1500 Arbeitsstunden harte Arbeit

Der Studiengang der „Militärischen Führung und Internationale Sicherheit“ ist in sechs Themenmodule unterteilt. Die Module beinhalten unter anderem Führungsreflexion, Sicherheits- und Planungsprozess. Für jedes Modul werden international anerkannte Credit Points verliehen. Zum Absolvieren des MFIS werden davon insgesamt 60 Stück benötigt, was einem Aufwand von mindestens 1500 Arbeitsstunden entspricht. Das Absolvieren des LGAN bereichert die Lehrgangsteilnehmer um nahezu die Hälfte der geforderten Lernpunkte, was die Attraktivität der Kombination beider Lehrgänge bekräftigt.

Keine gewöhnlichen Studenten

Der Großteil der MFIS-Studierenden besitzt bereits einen akademischen Abschluss, welcher im Rahmen der regulären Offizierausbildung erworben wurde. Doch dieser ist in der Regel mehrere Jahre her. In der Zwischenzeit bewiesen sich die Soldatinnen und Soldaten als Truppenoffiziere im In- und Ausland. Die besten von ihnen besuchen den Generalstabslehrgang, den exklusivsten Laufbahnlehrgang dieser Streitkräfte. So verwundert es nicht, dass die meisten Ergebnisse des MFIS hervorragend sind. Allein sechs Studenten schlossen den Studiengang (und damit ihren zumeist zweiten Master) mit der Gesamtnote 1.0 ab, sprich: Jede erbrachte Leistung innerhalb der zwei Jahre war makellos.

„Klüger als zuvor!?“

„Hier stehe ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor.“ Dieses berühmte Zitat aus Goethes „Faust“ erwähnt Admiral Stawitzki in seiner Ansprache an Dozenten und Lehrgangsteilnehmer. Denn der MFIS-Studiengang ist kein reines Studium um des Studiums Willens. Die Absolventen werden in wenigen Wochen wieder die Führung und Verantwortung über unzählige Menschen und Material innehaben. Die akademische Auseinandersetzung mit militärischen Themen soll dabei helfen, in der Praxis Entscheidungen auf komplexe Herausforderungen zu finden.

Mehrbelastung für die Offiziere

Einige später eingereichte Masterarbeiten aus dem ersten MFIS-Jahrgang stehen noch zur Korrektur aus, denn es handelt sich bei den Studierenden nicht um Vollzeitstudenten. Die MFIS-Studenten der Akademie absolvieren einen der intellektuell anspruchsvollsten Lehrgänge der Bundeswehr und nutzen die Wochenenden, um Seminare an der Universität zu verfolgen. „Die Pendler leiden am meisten unter der Mehrbelastung“, sagen viele Seminarteilnehmer. Denn nur wenige Offiziere des Generalstabslehrgangs leben mit ihren Familien in Hamburg und Umgebung. Zeit ist oft der entscheidende Faktor.

Überzeugt vom Konzept

Die Lehrgangsteilnehmer sind jedoch trotz aller Anstrengungen überzeugt. Major Rayk Hähnlein erwarb bereits vor zehn Jahren ein Diplom in Internationaler Sicherheit an der Helmut Schmidt Universität. Die Frage, ob er nach dem neuen MFIS-Masterabschluss „klüger als zuvor“ sei, beantwortet er wie folgt: „Definitiv! Es war sehr hilfreich und interessant, die Seminarinhalte des Generalstabslehrgangs mit neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen zu ergänzen. Ich bin seit zehn Jahren aus dem Studium, der MFIS half auf jeden Fall, mich wieder auf den aktuellen Stand der Forschung zu bringen.“ Mit den Vorteilen für alle Beteiligten könnte sich noch etwas Weiteres herauskristallisieren: Der MFIS als gemeinsames Projekt der beiden Häuser könnte der Auftakt eines „Bildungsclusters“ rund um die Bundeswehr im nationalen und internationalen Kontext am Standort Hamburg sein.

 

Autor: Jürgen Bredtmann; Fotografin: Katharina Junge

Hamburg, 23.09.2016

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Spielerisch neu Gedanken entwickeln

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Teilnehmer lernten, um die Ecke zu denken

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Modelle zur Attraktivität bauen

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Teilnehmer interpretieren ihre Ergebnisse

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Geschichten würfeln- kreativer Geist gefordert

Mit dem sich zu Ende neigenden Ausbildungsjahr 2016 an der Führungsakademie der Bundeswehr ging auch für die knapp 45 Heeresuniformträger des nationalen Generalstabs- und Admiralstabslehrgangs die sogenannte Heeresphase zu Ende. Höhepunkt und gleichzeitig Abschluss dieses prägenden Ausbildungsabschnittes stellte nunmehr die zweiwöchige Stabsübung „Determined Effort“ dar, in der der ohnehin internationale Lehrgang durch Delegationen aus vier weiteren Ländern unterstützt wurde.

Komplexes Szenario

Auf dem Gebiet der Iberischen Halbinsel kam es zu einem bewaffneten Konflikt zweier fiktiver Staaten, die sich im Streit um Ressourcenvorkommen als auch durch einen ethnischen Konflikt befeuert gegenseitig angegriffen und jeweils Staatsterritorium des Anderen erobert hatten. Die NATO hat in der Folge einen Korpsstab damit beauftragt, als sogenanntes Land Component Command eine landgestützte Operation zur Trennung der Konfliktparteien zu planen und diese mit den anderen Teilstreitkräften abzustimmen. Die Kernfunktionen des Korpsstabes wurden im Rahmen der Übung durch Lehrgangsteilnehmerinnen und -teilnehmer besetzt.

Neue Führungsebene – Neuer Führungsprozess

So manch einem Lehrgangsteilnehmer war im Vorfeld der Übung zu Beginn der Ausbildung auf der Ebene Korps die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben, als die liebgewonnene und intensiv studierte ehemalige Heeresdienstvorschrift 100/100 „Truppenführung“ durch den Führungsprozess der NATO, beschrieben in der Comprehensive Operations Planning Directive, ausgetauscht werden musste. In knapp vier Wochen wurde der neue Prozess sowohl theoretisch vorgestellt und erarbeitet, als auch in einer kurzen Planübung praktisch angewandt. Die Voraussetzungen waren damit gelegt, um in der Abschlussübung zu bestehen und den neuen Prozess zu vertiefen.

Multinationalität zum Anfassen

Das internationale Gesicht des Lehrgangs hat sich während der Übung noch weiter ausgepägt. Zu den zwölf internationalen Lehrgangsteilnehmern aus zehn NATO-Staaten kamen weitere Kameraden aus den USA, Großbritannien, Polen und Frankreich hinzu. Mit der Übungssprache Englisch hatten sich alle Übungsteilnehmer schnell arrangiert und jeder brachte seine ganz individuellen Erfahrungen aus Ausbildung und Einsatz gewinnbringend ein. Generalmajor John S. Kem, der Leiter der Army University und Stellvertretende Kommandeur des Command and General Staff College in Fort Leavenworth, USA, stellte anlässlich seines Besuches heraus, dass die heutigen Einsätze ohne multinationale Kooperation nicht mehr vorstellbar seien. „Lernen Sie die Offiziere anderer Nationen kennen, bilden Sie Netzwerke und lernen Sie voneinander“, lautete sein Auftrag im Rahmen des gemeinsamen Abschlussabends.

Senior Mentor

Als Senior Mentor konnte auch in diesem Jahr wieder der ehemalige Niederländische Generalleutnant Ton van Loon gewonnen werden. Die drei Übungsstäbe profitierten intensiv von dem großen Erfahrungsschatz des ehemaligen Kommandierenden Generals des I. Deutsch-Niederländischen Korps und Kommandeurs des Regionalkommandos Süd in Afghanistan. In seiner Rolle als Kommandeur verdeutlichte er ein ums andere Mal wie wichtig ein ganzheitlicher Ansatz und insbesondere die Tätigkeitsfelder Zivil-Militärische Zusammenarbeit und Operative Kommunikation in den heutigen Konflikten seien. „Konzentrieren Sie sich nicht nur auf das Gewinnen des militärischen Gefechts, sondern insbesondere darauf eine friedliche Lösung zu erreichen“, lautete sein Credo. Auch er hob die Bedeutung von Multilateralismus hervor. „Berücksichtigen Sie die Vorzüge verschiedener Nationen und setzen Sie sie gewinnbringend ein“. Auf diese Weise entfalte ein Bündnis wie die NATO seine wahre Stärke.

Übergang zur operativen und strategischen Ebene

Für die Heeresuniformträger in der anspruchsvollen Generalstabsausbildung endete mit der Stabsübung „Determined Effort“ die Ausbildung auf der höchsten taktischen Ebene. Sie blicken auf eine spannende und fordernde Zeit zurück, in der vor allem die taktische Führung von Landstreitkräften vertieft, bereits aber auch Schnittstellen zur operativen Ebene abgebildet wurden. Diese Ebene wird in der folgenden „Joint-Lehre“ gemeinsam mit den Kameraden von Luftwaffe und Marine im Fokus der Ausbildung stehen.

 

Autor: Daniel Eisenbraun; Fotografin: Katharina Junge

Hamburg, 22.09.2016

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Regelmäßige Besuche stehen auf der Agenda

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Brigadengeneral Hambach erklärt die Lehre

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Gäste folgen interessiert den Ausführungen

30 Mitglieder der „Neuen Gesellschaft Hamburg e.V.“ haben die höchste Ausbildungseinrichtung der Bundeswehr besucht, um sich einen Blick hinter die Kulissen zu verschaffen. Sie wurden über den Auftrag, die Aufgaben und die Gliederung der Führungsakademie informiert und besichtigten die Lehrgebäude der Kaserne.

 

Die „Neue Gesellschaft“ besteht seit über 60 Jahren und wurde 1954 als Einrichtung der politischen Bildung von den Sozialdemokraten gegründet. Die Vision und das Ziel sind nach all den Jahren erhalten und stellen für die Mitglieder einen wichtigen Leitsatz dar: Das Funktionieren einer lebendigen demokratischen Struktur, angetrieben durch den Menschen, der seine eigene Meinung reflektiert und sich mit einer fremden Meinung auseinander setzt. Der Verein lädt regelmäßig zum politischen Informations- und Diskussionsaustausch ein. Besonders die unbequemen Fragen, die in politischen Auseinandersetzungen des Öfteren nur mangelhaft diskutiert werden, stehen als Veranstaltungspunkt häufig auf der Agenda von Seminaren und Veranstaltungen des Vereins.

Kleine Uno - ganz groß

Um den wesentlichen Zusammenhang zwischen Akademie und Lehrgangsteilnehmern besser zu verstehen, erwartete die Besuchergruppe im Admiral-Dieter-Wellershoff-Gebäude ein umfassend präsentiertes Gesamtbild der Führungsakademie. Oberstleutnant i.G. Matthias Friedrich aus dem Bereich Ausbildungsprozessmanagement berichtete von den verschiedenen Lehrplänen bis hin zur bilateralen Zusammenarbeit mit anderen Führungsakademien. „Kleine Uno“ – diese besondere Bezeichnung findet laut Friedrich einen häufigeren Gebrauch, denn tatsächlich finden sich auf dem Gelände viele Soldaten aus unterschiedlichen Nationen. „Selbstverständlich bietet der gegenseitige Erfahrungsaustausch einen wichtigen Mehrwert für die Führungsakademie.“ Der Verein besucht die Einrichtung regelmäßig, um auf dem neusten Stand zu bleiben. „Beide Seiten profitieren immer wieder vom anregenden Informations - und Meinungsaustausch.“

 

 

 

Autor: Christiane Rodenbücher; Fotografin: Katharina Junge

Hamburg, 19.09.2016

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Generalinspekteur bei der LGAN-Verabschiedung

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Admiral Stawitzki: ,,Mut zur Veränderung"

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General Wieker: ,,Gut vorbereitet auf die Realität"

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Generalinspekteur gratuliert Lehrgangsteilnehmerin

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Verabschiedung im würdevollen Rahmen

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Internationale Teilnehmer: große Bereicherung

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Lehrgangsbester: Major Knappe wird ausgeziechnet

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Lehrgangsleiter Oberst i.G. Schlechtweg im Gespräch

In der Geschichte verortet, der Tradition verpflichtet: Mit wachem Bewusstsein für die Vergangenheit haben der Generalinspekteur der Bundeswehr und der Kommandeur der Führungsakademie im Beisein zahlreicher hochrangiger Gäste für die Teilnehmer des LGAN 2014 einen verantwortungsvollen Weg in die Zukunft gezeichnet. „Uns verbindet unsere gemeinsame Zukunft, in der wir gemeinsam die Bundeswehr gestalten wollen – wir sind also nicht nur Weg- und Gefährten, vor allem verbindet uns alle das teuerste Gut unserer Streitkräfte: Kameradschaft“, bringt Flottillenadmiral Carsten Stawitzki die Besonderheit des Offiziersberufs und seine Absicht zur gestalterischen Veränderung im Rahmen der Ausbildung auf den Punkt.

Authentisch bleiben

Zunächst dankt der Kommandeur den Ausbildern, Truppenfachlehrern und Dozenten, den Planern und Konzeptionären des Lehrgangs sowie den „Visonären und beharrlichen Unterstützern“ einer Kooperation mit der Helmut-Schmidt-Universität. Dann geht Stawitzki auf seine persönlichen Gedanken ein, er versäumt hier nicht, ein authentisches Bild seiner Erfahrungen in den Streitkräften zu zeichnen, „mit Höhen und Tiefen, über menschliche Stärken und Schwächen, über Einsicht und Trotz, über Erfolge und Misserfolge“.

Führen groß geschrieben

Greifbar nahe wird für die Anwesenden, für die jungen Menschen in fordernder Führungsverantwortung und für Familie, Freunde sowie der Akademie verbundene Ehrengäste: Der Kommandeur meint es ernst mit einem realistischen Menschen- und Erziehungsbild, sein Ausbildungsansatz ist im anspruchsvollen Hier und Jetzt verankert. Darüber hinaus verweist er gleichzeitig auf eine lange Historie, die er zitiert und der er sich in seiner Funktion als Ausbilder verbunden und verpflichtet fühlt. Dazu zählen sowohl umfangreiche Erfahrungen von heutigen Generalen und Admiralen in der aktuellen Bundeswehr als auch geschichtliche Ereignisse, tradiert beispielsweise in deutscher Weltliteratur vergangener Jahrhunderte.

Geschichte lebt

Am Ende seiner Ausbildungszeit als Schiffstechniker im Ersten Ubootgeschwader erhielt Admiral Stawitzki von seinem Kommandanten eine Ausgabe von Kleists „Prinz von Homburg“ geschenkt. 17. Jahrhundert, Befreiungskriege. Der Protagonist, der preußische Reitergeneral Friedrich von Homburg, befolgt einen Befehl seines Kurfürsten nicht und trägt damit maßgeblich zum Sieg einer entscheidenden Schlacht bei. Erst soll die Todesstrafe erfolgen, dann wird er begnadigt. In dem Schauspiel geht es um den Konflikt zwischen der Verantwortung des Einzelnen und der Pflicht vor einem übergeordneten Gesetz. „Kleist löst ihn, indem der Protagonist seine persönlichen Wertvorstellungen eingliedert in das größere Ganze des bestehenden Systems“, erklärt der Kommandeur. 

Konfliktfähig handeln

Kann es ein besseres Bild für die angehenden Stabsoffiziere in ihren künftigen anspruchsvollen Verwendungen geben? Äußerer Anspruch, gekonntes und erfahrenes Wissen, und all das vereint durch erfahrene Werte, die durch Handlungen – auch in schwierigen Situationen – ihre Verwirklichung erfahren. „Bleiben Sie kritikfähig und konsensfähig, aber auch konfliktfähig“, bringt der Kommandeur in seiner Rede seine Erfahrung, sein Wohlwollen und seinen Ratschlag für die jungen Generalstabsoffiziere auf den Punkt.  

Effektiv den Auftrag ausüben

Er wünscht den knapp neunzig Frauen und Männern „die Weitsicht, das Ziel nie aus den Augen zu verlieren. Den Mut zur Entscheidung, immer die richtigen Schwerpunkte zu setzen. Den Durchblick, stets das Ganze vor den Teilen zu sehen. Die Kraft, das Vertrauen der Vorgesetzten und Untergebenen zu gewinnen und zu bewahren. Und die Weisheit, die Stärken des Teams möglichst effektiv für die Erfüllung des Auftrags einzusetzen“.

Offizier und Manager

Damit schafft er einen Rahmen für die Orientierung der Lehrgangsteilnehmer, getreu seinem Motto: „Ziel unserer Aus- und Weiterbildung an der Führungsakademie muss es sein, Führungskräfte entscheidungsfreudig und handlungsfähig zu machen. Als Offizier zu führen bedeutet nämlich, notfalls über Leben und Tod der anvertrauten Kameradinnen und Kameraden oder Dritte entscheiden zu müssen, den Willen des Deutschen Volkes auch mit Waffengewalt durchzusetzen – denn nichts anderes bedeutet ein Mandat des Deutschen Bundestages für uns.“ Darüber hinaus gilt es, so der Kommandeur, als Offizier zu managen. Das bedeutet, die administrativen Entscheidungsprozesse insbesondere auf der ministeriellen Ebene und der höheren Kommandobehörden im Sinne der Bundeswehrplanung verantwortlich und zukunftsfähig mit zu gestalten.

Kraft zur Veränderung

Lehrgangsleiter Oberst i.G. Michael Schlechtweg resümiert: 3640 Ausbildungsstunden in zwei Jahren, unzählige Vorträge, Seminare, Reisen … „Habe ich das Richtige gelernt, kann ich die Herausforderungen erfolgreich bewältigen“, mag sich mancher zum Schluss denken. Er betont die klaren Wertvorstellungen und das sichere Gespür für anvertraute Soldaten. „Bei Ihnen ist aus Wissen Können geworden, erhalten Sie sich Ihre Kreativität und Ihren Gestaltungswillen“, gibt er den Generalstabsoffizieren, den „Zaubermeistern in Erstverwendung“, mit auf den Weg, die einen immensen Werkzeugkasten erhalten haben. „Den Mutigen gehört die Zukunft, nur sie haben die Kraft zur Veränderung.“

Angekommen in der Realität

General Volker Wieker ermutigt die künftigen Entscheidungsträger der deutschen Streitkräfte, die von Eckernförde bis Bad Reichenhall und von Brüssel bis Stettin eingesetzt werden, schließlich von Fort Campbell über Madrid bis nach Tallin und Riga, ebenso wie die internationalen Teilnehmer aus 14 Ländern. „Akademische Freiheiten und beschwingte Stunden zur ,angeleiteten Grobzielvertiefung‘ tauschen Sie in Kürze ein gegen Abschreckung und kollektive Verteidigung, gegen Einsätze und Übungen, gegen diplomatisches Parkett, Cyber-Defence und Integrierten Planungsprozess, gegen Schleudersitz, Kommandantenstuhl sowie rustikale Bataillonsgefechtsstände in litauischen und anderen Wäldern.“  

Echte Prüfungen

Nun kämen die ersten echten Prüfungen auf die jungen Generalstabsoffiziere zu. „Hier werden Sie sehr wohl auf die Realität vorbereitet – das geistige und handwerkliche Rüstzeug hält den unterschiedlichsten Stresstests des militärischen Lebens Stand.“ Außerdem stellt der Generalinspekteur fest: „Neben den Leistungsträgerinnen aus dem Zentralen Sanitätsdienst sind nun auch Kameradinnen ohne Skalpell und Approbation verdientermaßen dort angekommen, wo wir sie dringend brauchen – nämlich in der Riege des künftigen Spitzenpersonals unserer Bundeswehr.“ 

Widerspruch und Diplomatie

„Führen Sie mit Auftrag, halten Sie die Balance auf dem mitunter schwierigen Grad zwischen Initiative und Gehorsam, üben Sie Widerspruch im richtigen Ton – und seien Sie bereit, ihn auch zu ertragen. Seien Sie Vorbild, ohne sich dabei zu verrenken“, erklärt der Generalinspekteur. Er spricht über Führung, Authentizität, Vertrauen, Wertschätzung über Demut vor dem eigenen Auftrag und Verantwortung. Er gibt den jungen Mitmenschen viel Kraft, Takt und Fingerspitzengefühl in folgendem Bild mit auf den Weg: „Den Finger diplomatisch in die Wunde legen und gleichzeitig immer Lösungsansätze parat haben.“ Er verabschiedet den LGAN 14 mit den Worten: „Nutzen Sie das einzigartige Netzwerk der Führungsakademie auch künftig, Sie werden davon profitieren.“

 

 

 

Autor: Daniel Eisenbraun; Fotografin: Daniel Eisenbraun

Hamburg, 16.09.2016

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Einführung in das Thema: Didaktik & Methodik

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Die Teilnehmer erwarten drei ereignisreiche Wochen

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Selbstreflektion spielt eine wesentliche Rolle im Seminar

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Oberstleutnant Orth weiß worauf es in der Rede ankommt

Interesse wecken, interaktiv sein und die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch bieten – mittlerweile ist es selbstverständlich, dass ein charakteristischer und moderner Unterricht all diese Punkte in sich vereint. Genau deswegen findet derzeitig in der Generalleutnant-Graf-von-Baudissin-Kaserne der dreiwöchige Workshop zum Thema Didaktik und Methodik statt. Oberstleutnant Jürgen Orth, Seminarleiter und Dozent im Fachbereich Didaktik, analysiert gemeinsam mit Jens-Erik Kunkel und Oberstleutnant Sven Gringel die ausgewählten didaktisch-methodischen Herausforderungen des Lehrens.

Das „Was“ und das „Wie“

Kennen Sie den Unterschied zwischen Methodik und Didaktik? Es ist gar nicht so kompliziert, wie es klingt. Um es vereinfacht auszudrücken, handelt die Didaktik vom „Was“ und die Methodik vom „Wie“. Ersteres steht hierbei im Vordergrund, weil sie sich mit der Analyse und Planung des Unterrichts beschäftigt. Vorbereitung und Organisation sind der Kern eines eindrucksvollen und erfolgreichen Unterrichtes. Deswegen spielen relevante Fragen, wie zum Beispiel: Welches Thema soll vermittelt werden, oder welche Lernziele sind zu erfüllen, eine wesentliche Rolle in der Entwicklung des didaktischen Konzeptes. Erst wenn diese wichtigen Punkte feststehen, beginnt die Methodik. Der Einsatz von Methoden setzt die Verwendung von verschiedenen Medien und kreativen Gestaltungsmittel voraus, um die Mitarbeit und Motivation der Teilnehmenden zu steigern. Aber auch die Körperhaltung und der Einsatz von Händen sollen gelernt sein, denn die Köpersprache ist im Vortrag eine wichtige Form der nonverbalen Kommunikation.

Ein erfahrener Spezialist

Für Jens-Erik Kunkel ist es jetzt schon das dritte Mal, dass er das Seminar Didaktik und Methodik unterstützt. Er arbeitet für die Führungsakademie der Bundesagentur für Arbeit als Führungskräfteentwickler und ist auf dem Gebiet der Didaktik ein erprobter Experte. Die Bundesagentur bietet ebenfalls für alle Interessierten ein Seminar an, bei denen praxisnahe und hochwertige Schulungen auf der Agenda stehen. „Die Teilnehmer berichten mir, dass das Seminar eine wertvolle Gelegenheit ist, um über den eigenen Tellerrand hinaus zu schauen. Man ist ständig dabei etwas Neues zu lernen, ob als Redner oder als Beobachter“, erzählt Herr Kunkel.

Fit sein in der Lehre

„Fit machen, um als Dozent anspruchsvoll lehren zu können.“ Ein zielstrebiger Leitsatz für Oberstleutnant Sven Gringel. Er ist nämlich ebenfalls Dozent an der Führungsakademie der Bundeswehr und unterstützt zusammen mit Oberstleutnant Orth und Herr Kunkel das regelmäßig, stattfindende Seminar.
Das Meistern von schwierigen Lehrsituationen sowie der richtige Auftritt bei einer persönlichen Stellungnahme als rhetorische Übung sind nur ein Teil des umfangreichen Lernprogramms. Den Dozenten ist es wichtig, dass die Teilnehmer sich selbst reflektieren, um die Sicht auf das eigene Ich zu verdeutlichen. Deshalb werden die Übungen von einer Videokamera aufgenommen und vor dem Teilnehmer abgespielt. So erhalten die Redner einen umfassenden Eindruck auf ihre eigene Präsentation.

Die Feuerwehr im etwas anderen Einsatz

Eine Hilfsorganisation, die bei Bränden, Unfällen und ähnlichen Ereignissen Hilfe leistet, um Menschen zu retten und zu schützen. Für Patrick Michels, den Brandreferendar der Berufsfeuerwehr in Nürnberg, gehören diese Aufgaben zur alltäglichen Berufspflicht. Doch an der Führungsakademie der Bundeswehr erwartet ihn der etwas andere Einsatz.
Diesen Teil der Ausbildung durfte sich Michels selbst aussuchen. Die Wahl fiel selbstverständlich auf das Seminar Didaktik und Methodik, denn er strebt eine Position als Abteilungsleiter im Bereich der Ausbildung an und möchte besonders seine methodischen Fähigkeiten verbessern. „Ich habe bereits an einem Seminar in Umgang mit schwierigen Gesprächspartnern teilgenommen“, berichtet Herr Michels, „aber der Lehrgang an der Führungsakademie bietet mir ein wesentlich umfangreicheres Programm und zeigt schon in den ersten Tagen einen deutlichen Leistungsunterschied bei den Teilnehmern.“ 

 

 

Autor: Nils Wienböker; Fotografin: Katharina Junge / PIZ Marine

Hamburg, 15.09.2016

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Marine-Inspekteur im Manfred-Wörner-Zentrum

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OTO-Melara_Geschütze: Reichweite und Genauigkeit

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Admiral Krause geht offen auf Teilnehmer ein

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Fregatte ,,Baden-Württemberg" wird fit gemacht

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Interessiert verfolgen die Anwesenden den Vortrag

Der Inspekteur der Marine spricht im Gneisenau-Saal offen über die Lage der Marine, ihre Historie und ihre Zukunft. Die Marine ist seit Gründung 1955 die kleinste Teilstreitkraft der Bundeswehr, erklärt Vizeadmiral Andreas Krause. Doch sagt die Größe nichts über die Bedeutung für die Landesverteidigung aus. Zu Zeiten ihrer Gründung war die Aufgabe der Seestreitkräfte der Bundeswehr klar definiert: Im Falle einer Eskalation des Ost-West-Konflikts sollte sie in der Nordsee Geleitschutz für Versorgungskonvoys stellen. Außerdem sollte sie in der Lage sein, im Zusammenwirken mit der dänischen Marine die Zugänge zur Ost-See zu blockieren, um so die sowjetischen Kriegsschiffe dort einzuschließen und abzuriegeln.

Neue Aufgaben, gleicher Auftrag

Mit dem Zerfall des Warschauer Pakts wurden diese Fähigkeiten größtenteils obsolet, so der Admiral. Wie die anderen Teilstreitkräfte ist auch die Marine seit den 90er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts in stetiger Reform und Verkleinerung. Wie in den anderen Teilstreitkräften der Bundeswehr findet auch in der Marine eine Rückbesinnung auf das Kerngeschäft statt, den bewaffnete Kampf. „Der südliche Krisenbogen - naher Osten, Nord Afrika - bleibt bestehen“, erklärt Vizeadmiral Krause. Daher werden Flüchtlingsrettung im Mittelmeer und Piratenabwehr am Horn vor Afrika auch weiterhin zu den Aufgaben der deutschen Marinesoldaten zählen. Dabei müssen sie aber auch in der Lage sein, sich kurzfristig auch intensiveren Szenarien zu stellen. Im oberen Intensitätsspektrum von Konflikten erfolgreich sein zu können, obwohl die laufenden Einsatzanforderungen sich im unteren Intensitätsspektrum bewegen, macht „Abwärtskompatibilität“ zum Schlüssel des Erfolges.

Hohe Standards machen flexibel

Ausbildung ist hierfür der Schlüssel. Nur hohe Standards in Ausbildung und Zertifizierung können solch eine Flexibilität und Qualität der Besatzungen gewährleisten. Daher herrscht bei der Marine immer Bedarf an spezialisierten Personal. Im technischen Bereich ist der Bedarf an Elektro-und IT-Technikern immer noch sehr hoch. Auf taktikscher Ebene wird vor allem nach weiteren Minen- und Waffentauchern gesucht. Doch fordern die zunehmenden Einsätze ihren Preis und führen Personal und Material an ihre Grenzen. Die Unterbringung von 800 geretteten Flüchtlingen auf einer Fregatte der Sachsen-Klasse, die für eine Besatzung von 250 Personen ausgelegt ist, fordert die Bordlogistik bis aufs Äußerste.

Modell mehrerer Beatzungen

Um das Personal zu schonen und die Technik optimal einzusetzen, hat sich das Mehrbesatzungsmodel bewährt. „Besatzung und Plattform zu trennen, war ein schmerzhafter Prozess in der Marine“, schildert der Inspekteur. Doch dieser Prozess spart Geld, Personal und Transit. Die modernen Fregatten der Klasse 125 können bis zu zwei Jahre wartungsfrei im Einsatzgebiet verbleiben, nur die Crew wird im vier Monatsrhythmus ausgetauscht. So wird die Durchhaltefähigkeit der Plattformen optimal ausgenutzt und der Transit der Schiffe auf ein Minimum reduziert.

„K“ steht für Kampf!

Die neuen „Mehrzweckkampfschiffe 180“ sollen noch durchhaltefähiger sein. Der Hauptzweck des Mehrzweckkampfschiffes, so der Inspekteur, ist der Kampf. Geplant war, die vier vorgesehenen Schiffe modular zu gestalten. Je nach Mission können zusätzliche Kapazitäten für Elektronischen Kampf, U-Boot Jagd oder Einsatz und Abwehr von Kampfschwimmern nachgerüstet und ausgetauscht werden. „Diese Flexibilität soll aber nicht auf Kosten der Kampfkraft der Plattform erkauft sein“, sagt der Inspekteur. Das Umrüsten von Modulen fern des Heimathafens ist kompliziert und aufwändig. Daher sollen Waffensysteme zur Selbstverteidigung und Konvoyschutz obligatorisch bleiben und kein optionales Modul auf deutschen Kriegsschiffen werden.
Es müssen nicht nur neue Fähigkeiten ausgebaut werden. Der Erhalt bisheriger Fähigkeiten ist von ebenso großer Wichtigkeit. Es dauert 30 Jahre, so der Inspekteur, eine einmal verlorene Fähigkeit wiederherzustellen. Die Ubootjagd sei beispielsweise eine solche Fähigkeit. Die Jagd auf abgetauchte Uboote im Verbund von See- und Luftstreitkräften ist ein eher unwahrscheinlich Szenario in den letzten Jahrzehnten gewesen und doch extrem anspruchsvoll. „Sie jagen etwas, das sie nicht sehen“, so beschreibt es der gelernte Uboot-Offizier.

Quo vadis Marine?

Wie der höchste Marinesoldat die Zukunft seiner Teilstreitkraft sieht, interessiert natürlich die Anwesenden am meisten. Auf die Frage nach der Zukunft der Marine antwortet Admiral Krause direkt mit: „Die MKS 180 ist schon Zukunft. Wir reden hier von geplanten Laufzeiten bis in das Jahr 2070.“ Laser und Drohnen entwickeln sich genauso von Science Fiction zu Einsatzrealität auf hoher See. Die Marine feiert, wie die Bundeswehr allgemein, ihr 60 -jähriges Bestehen. Die nächsten 60 Jahre werden genauso turbulent wie die bisherigen. „Kämpfen können, um nicht kämpfen zu müssen“ ist auch weiterhin ein Grundsatz, der der Marine hilft, auch gefährlichste Untiefen zu umschiffen.

 

Autor: Markus Matheis; Fotografin: Markus Matheis

Hamburg, 14.09.2016

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Major Dittmer (2. v.l.), Hospitant bei der Arbeitsgruppe Verteidigungspolitik der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag

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Major Piatkowski, Hospitant beim Auswärtigen Amt

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Oberfeldarzt Dr. Grella, Hospitantin bei der NAVIS AG

Mit dem Pilotprojekt: „Erfahrungsaustausch Führung und Management“ für angehende Generalstabs- und Admiralstabsdienstoffiziere erweitert die Führungsakademie der Bundeswehr ihr Netzwerk um partnerschaftliche Beziehungen zu Institutionen und Unternehmen aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft, die weit über die Grenzen Hamburgs hinausgehen.

Zivile Führungskultur und Generalsstab

Im Zeitraum Januar bis Juli 2016 hatten insgesamt 16 ausgewählte Teilnehmer des 11. nationalen streitkräftegemeinsamen Generalstabs-/Admiralstabsdienstlehrgang die Möglichkeit, als Hospitanten an einem zweiwöchigen, individuellen Erfahrungsaustausch mit verschiedenen renommierten Institutionen und Unternehmen außerhalb der Streitkräfte teilzunehmen. Ziel war es, unterschiedliche zivile Führungskulturen und -prozesse kennenzulernen, die eigene Führungsfähigkeit und -philosophie zu reflektieren und zugleich ein positives Bild des Generalstabs-/Admiralstabsoffiziers nach außen zu tragen.

Großes Interesse

Für den Erfahrungsaustausch konnten im Zuge des neu gestarteten Pilotprojekts für den ersten Durchgang im Jahr 2016 zahlreiche renommierte Partner aus den Bereichen Politik, öffentliche Verwaltung sowie Industrie und Wirtschaft gewonnen werden. Dies eröffnete den Lehrgangsteilnehmern die Chance, aus einem vielfältigen Portfolio von Institutionen zu wählen und sich, geleitet nach persönlichen Interessen und individuellen Stärken,  für einen passenden Partner zu entscheiden.

Namhafte Partner und Institutionen

Neben namhaften Unternehmen aus der privaten Wirtschaft wie Airbus, MBDA, NAVIS, VTG oder Rheinmetall, beteiligten sich auch unterschiedliche Institutionen aus Politik, öffentlicher Verwaltung und des Gesundheitswesens wie die Bundesbank, das Auswärtige Amt, die Hamburg Port Authority, das Bezirksamt Eimsbüttel, der Landesbetrieb für Immobilienmanagement und Grundvermögen der Stadt Hamburg sowie das Universitätsklinikum Eppendorf an dem Pilotprojekt. Als besondere Highlights konnten Mitglieder des Deutschen Bundestages gewonnen werden, die den Lehrgangsteilnehmern bereitwillig hochinteressante Einblicke in die Arbeits- und Führungsprozesse auf höchster politischer Ebene gewährten.

Positives Feedback

Abgerundet wurde der Erfahrungsaustausch durch eine gemeinsame Abschlussveranstaltung an der Führungsakademie der Bundeswehr, bei welcher die Vertreter der verschiedenen Partner sowie die Lehrgangsteilnehmer die Möglichkeit hatten, in zwangloser Atmosphäre den ersten Durchgang des Pilotprojekts kritisch zu reflektieren und in offener Gesprächsrunde über die gemachten Erfahrungen zu diskutieren. Insgesamt ergab sich ein überaus positives Bild und beide Seiten zeigten sich vom Nutzen und Wert des Erfahrungsaustausches vorbehaltlos überzeugt.  

Zukunftsfähige Weiterbildung

Das Pilotprojekt „Erfahrungsaustausch Führung und Management“ ist insgesamt auf drei Jahre angelegt. Im Anschluss an die Pilotphase soll 2018 über eine Verstetigung des Projekts entschieden werden. Mit dem  sehr positiven Zwischenfazit des ersten Durchgangs wird der Nachfolgelehrgang den Erfahrungsaustausch mit Überzeugung und Engagement weiter fortsetzen. Hierzu sollen die bereits bestehenden Partnerschaften nicht nur intensiviert werden, vielmehr gilt es auch, weitere namhafte Institutionen zu gewinnen, um das etablierte Netzwerk zu erweitern und zu stärken. Die Aussichten sind sehr vielversprechend und die ersten Gespräche für die Zukunft haben bereits begonnen.

 

Autor: Daniel Eisenbraun; Fotografin: Christian Burghold/Katharina Junge/Laura Clayborn

Hamburg, 09.09.2016

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Die ganze Welt im Überblick behalten

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Handlung und Planung müssen gut durchdacht sein

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Die Lehrgangsteilnehmer des Seminars für Sicherhitspolitik

Eine schwierige Situation infolge des Aufeinanderprallens unterschiedlicher Interessen und Forderungen - ein Konflikt ist ein vielschichtiges Problem und erfordert ein strategisches, ruhiges Händchen. Passend zur Thematik fand ein Seminar zur aktuellen Entwicklung der Sicherheitspolitik für Stabsoffiziere der Reserve in der General-Graf-von-Baudissin-Kaserne statt. In diesem Lehrgang befassten sich 25 Reserveoffiziere mit politischen und militärischen Maßnahmen, die geeignet sind, um Konflikte zwischen Bürgern beziehungsweise zwischen Staaten zu verhindern und den Schutz von Personen und Interessen zu wahren.

Kein Konflikt ohne Ursachen

Ein wesentlicher Punkt in der Entstehung einer Krise ist zu wissen, dass eine solche Situation nicht plötzlich über Nacht auftaucht. Um das Problem zu lösen, muss man zunächst verstehen welchen Ursprung sie hat. Der Mittlere Osten ist ein treffendes Beispiel für den terroristischen Konflikt, der bereits seit vielen Jahren vorhanden ist. Der Seminarleiter, Fregattenkapitän Dr. Hartmut Klüver, lud zur Einführung in die Geschichte des Mittleren Ostens die Dozentin Hauptmann Theres Beumler ein, die die Reserveoffiziere mit ihren Berichten und Erfahrungen zum aktiven Meinungsaustausch anregte.

Länderspezifische Hintergründe

In ihrem Vortrag berichtet sie nicht nur über die aktuell betroffenen Länder, sondern auch über die Entstehung dieses Konfliktes. Dadurch wird deutlich, dass der Terrorismus sich aus einem historisch gewachsenen Problem entwickelt hat. Man kann es auch als Generationsproblem bezeichnen, weil Gruppierungen, wie zum Beispiel die Taliban, einen wesentlichen Einflussfaktor auf die Erziehung ihres Nachwuchses haben.

Islam im Detail

In dem Vortrag der Dozentin erhalten die Reservisten auch einen besonderen Einblick in die Religionsgeschichte des Islams. Die zweitgrößte Weltreligion bietet für ihre 1,6 Milliarden Anhängern eine unterschiedliche Auslegung der Glaubensrichtung. „Religionsgeschichte ist ein ziemlich heißes Eisen, trotzdem müssen wir lernen sie zu verstehen, um an einer Konfliktlösung arbeiten zu können“, berichtet Beumler.  

Arabischer Frühling

Das Jahr 2011 war für die politische Situation der Staaten Nordafrikas und des Nahen Ostens sehr impulsiv. Im Arabischen Frühling rebellierten Millionen von Menschen gegen Unterdrückung, Menschenrechtsverletzungen und soziale Ungerechtigkeit. Mit ihrer Forderung nach demokratischer Struktur in ihrem Land, verbreitete sich der Protest der Bürger wie ein Flächenbrand. Die Politik und das Militär haben bis heute noch mit den Nachwirkungen dieser Rebellion zu kämpfen, weshalb dieses Ereignis des Öfteren als wichtiges Gesprächsthema im Vortrag hervorgebracht wurde.

Soldat und Diplomat

Man kann sie auch als militärische Diplomaten bezeichnen: die Militärattachés der Bundeswehr. In erster Linie sind sie für die bilaterale Zusammenarbeit zwischen den jeweiligen Ländern verantwortlich und repräsentieren durch Informationsaustausch und gemeinsame Übungen ihr eigenes Land. In dem Vortrag von Oberstleutnant i.G. Rupert Steeger berichtet er, am Beispiel des Balkans, welche besondere Rolle diese Position in einem Konflikt darstellt. Gerade in brisanten Situationen bringt er sein militärisches Wissen ein.

 

Über den Tellerrand hinaus

Für die Politik und das Militär ist es von großer Wichtigkeit, sich nicht nur auf einen Bereich der Welt zu konzentrieren, denn neben dem Mittleren Osten gibt es weitere Länder, die ihre Aufmerksamkeit benötigen. Vom Brennpunkt in der japanischen Außen- und Sicherheitspolitik bis hin zum Krisenmanagement in der Ukraine. Das Seminar bot für die Teilnehmer eine vielfache Auslegung an Krisenbewältigung auf der ganzen Welt. Für die Reservisten war es sehr interessant, über den Tellerrand hinaus zu schauen und Einblicke in so ein vielschichtiges Gebiet zu erhalten. 

 

Autor: Nils Wienböker; Fotografin: Nils Wienböker

Hamburg, 08.09.2016

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Konzentriert beendet Major Andre Knappe die Aufnahme

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Im Interview macht Frank Djanoe eine souveräne Figur

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Richard Endhöfer gibt ein 30-Sekunden-Statement

Im Manfred-Wörner-Zentrum üben zurzeit drei Stäbe nebeneinander im Rahmen des UN Staff Officer Course. Besonders im Blickpunkt steht das Interviewtraining.
„Die Weltöffentlichkeit schaut auf Kolpoto, das fiktive Land steht nach Jahren des Bürgerkrieges vor einem Waffenstillstand zwischen Regierung und Rebellentruppen. Kameras, Lichter und Mikrophone sind nun auf Sie gerichtet. 30 Sekunden Zeit um der Welt Ihre Botschaft zu vermitteln.“ Hiermit sind die künftigen Angehörigen der UN-Stäbe sofort in eine realistische Lage versetzt, in der sie Medienvertretern gegenüber agieren müssen. Eine Vorstellung, die bei vielen Unwohlsein und schweißige Hände hervorruft. Öffentlich zu sprechen ist für viele Menschen die größte Angst überhaupt. Damit setzen sich die Teilnehmer auseinander in dem gerade stattfinden UN-Kurs intensiv auseinander.

Die Welt zu Gast in der Kaserne

Bei dem Szenario handelt es sich um eine Übung. Zusammen mit den Teilnehmer des Generalstabsdienst-/ Admiralstabsdienstlehrgangs 2014 üben sich Zivilisten aus aller Welt und allen Branchen als Stabsoffiziere der Vereinten Nationen im Medientraining. Für die militärischen Lehrgangsteilnehmer ist diese die letzte große Veranstaltung, bevor sie die Führungsakademie nach zwei Jahren Ausbildung verlassen. Für die zivilen Gäste oft der erste intensive Kontakt mit dem Militär.

Im Blickpunkt

Nun müssen sich beide Gruppen gemeinsam in UN-Stäben in der Planübung „Blue Angel“ beweisen. Besonders im wortwörtlichen Blickpunkt stehen die Pressesprecher der drei Stäbe. Vor eine Gruppe von unbekannten Menschen zu treten und prägnant seinen Standpunkt präsentieren ist besonders als Offizier eine Kernkompetenz, die schon als junger Offizieranwärter trainiert wird. Im Lehrangebot der Akademie hat Pressearbeit daher ebenfalls einen hohen Stellenwert. So ist ein mehrtägiges Pressetraining Teil der Ausbildung zum Generalstabsdienstoffizier. Auch die Weiterbildung der individuellen Medienkompetenz für Reservisten und aktive Soldaten ist sehr nachgefragt.

Vor der Truppe und vor der Kamera

Doch vor der Truppe und vor der Kamera: Das sind zwei verschiedene Dinge. „Vor der Truppe fällt es mir leichter als vor der Kamera“ erklärt Major Andre Knappe, Lehrgangsteilnehmer des Generalstabslehrgangs, „das direkte Feedback fehlt.“ Wie sich die Zivilisten vor der Kamera fühlen, erklärt Frank Djanoe. Es ist das erste Medientraining für den Ghanaer. „Mich überzeugen der Lehrgang und das Training absolut“, erzählt Herr Djanoe. „Ich denke nicht, dass die Zivilisten notwendigerweise im Nachteil sind“, antwortet er auf die Frage, ob die Offiziere durch ihre Ausbildung und die Pressetrainings einen Vorteil in den Statements und Interviews haben. Die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit vermittelte ihn den Lehrgang an der Akademie. In seiner Heimat unterstützt er das African Peace and Security Program.

Mimik und Gestik zählen

Die militärischen Teilnehmer überzeugen vor der Kamera durch ihre direkte, prägnante Art, doch müssen sie öfter darauf hingewiesen werden, dass auch gerne gelächelt werden kann. Eine offene Mimik und Körpersprache fällt den Zivilisten vor der Kamera auf Anhieb leichter. Ihre individuellen stärken können die Teilnehmer bei der abschließenden Pressekonferenz am Donnerstag demonstrieren. Dort wird sich zeigen, was Zivilisten und Soldaten vor der Kamera voneinander lernen können. Sie freuen sich auf das Abschlussergebnis und sind sich einig: Der Kurs war ein voller Erfolg.


 

 

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