Autor: Daniel Eisenbraun; Fotografin: Katharina Junge

Hamburg, 22.09.2016

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Regelmäßige Besuche stehen auf der Agenda

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Brigadengeneral Hambach erklärt die Lehre

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Gäste folgen interessiert den Ausführungen

30 Mitglieder der „Neuen Gesellschaft Hamburg e.V.“ haben die höchste Ausbildungseinrichtung der Bundeswehr besucht, um sich einen Blick hinter die Kulissen zu verschaffen. Sie wurden über den Auftrag, die Aufgaben und die Gliederung der Führungsakademie informiert und besichtigten die Lehrgebäude der Kaserne.

 

Die „Neue Gesellschaft“ besteht seit über 60 Jahren und wurde 1954 als Einrichtung der politischen Bildung von den Sozialdemokraten gegründet. Die Vision und das Ziel sind nach all den Jahren erhalten und stellen für die Mitglieder einen wichtigen Leitsatz dar: Das Funktionieren einer lebendigen demokratischen Struktur, angetrieben durch den Menschen, der seine eigene Meinung reflektiert und sich mit einer fremden Meinung auseinander setzt. Der Verein lädt regelmäßig zum politischen Informations- und Diskussionsaustausch ein. Besonders die unbequemen Fragen, die in politischen Auseinandersetzungen des Öfteren nur mangelhaft diskutiert werden, stehen als Veranstaltungspunkt häufig auf der Agenda von Seminaren und Veranstaltungen des Vereins.

Kleine Uno - ganz groß

Um den wesentlichen Zusammenhang zwischen Akademie und Lehrgangsteilnehmern besser zu verstehen, erwartete die Besuchergruppe im Admiral-Dieter-Wellershoff-Gebäude ein umfassend präsentiertes Gesamtbild der Führungsakademie. Oberstleutnant i.G. Matthias Friedrich aus dem Bereich Ausbildungsprozessmanagement berichtete von den verschiedenen Lehrplänen bis hin zur bilateralen Zusammenarbeit mit anderen Führungsakademien. „Kleine Uno“ – diese besondere Bezeichnung findet laut Friedrich einen häufigeren Gebrauch, denn tatsächlich finden sich auf dem Gelände viele Soldaten aus unterschiedlichen Nationen. „Selbstverständlich bietet der gegenseitige Erfahrungsaustausch einen wichtigen Mehrwert für die Führungsakademie.“ Der Verein besucht die Einrichtung regelmäßig, um auf dem neusten Stand zu bleiben. „Beide Seiten profitieren immer wieder vom anregenden Informations - und Meinungsaustausch.“

 

 

 

Autor: Christiane Rodenbücher; Fotografin: Katharina Junge

Hamburg, 19.09.2016

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Generalinspekteur bei der LGAN-Verabschiedung

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Admiral Stawitzki: ,,Mut zur Veränderung"

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General Wieker: ,,Gut vorbereitet auf die Realität"

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Generalinspekteur gratuliert Lehrgangsteilnehmerin

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Verabschiedung im würdevollen Rahmen

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Internationale Teilnehmer: große Bereicherung

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Lehrgangsbester: Major Knappe wird ausgeziechnet

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Lehrgangsleiter Oberst i.G. Schlechtweg im Gespräch

In der Geschichte verortet, der Tradition verpflichtet: Mit wachem Bewusstsein für die Vergangenheit haben der Generalinspekteur der Bundeswehr und der Kommandeur der Führungsakademie im Beisein zahlreicher hochrangiger Gäste für die Teilnehmer des LGAN 2014 einen verantwortungsvollen Weg in die Zukunft gezeichnet. „Uns verbindet unsere gemeinsame Zukunft, in der wir gemeinsam die Bundeswehr gestalten wollen – wir sind also nicht nur Weg- und Gefährten, vor allem verbindet uns alle das teuerste Gut unserer Streitkräfte: Kameradschaft“, bringt Flottillenadmiral Carsten Stawitzki die Besonderheit des Offiziersberufs und seine Absicht zur gestalterischen Veränderung im Rahmen der Ausbildung auf den Punkt.

Authentisch bleiben

Zunächst dankt der Kommandeur den Ausbildern, Truppenfachlehrern und Dozenten, den Planern und Konzeptionären des Lehrgangs sowie den „Visonären und beharrlichen Unterstützern“ einer Kooperation mit der Helmut-Schmidt-Universität. Dann geht Stawitzki auf seine persönlichen Gedanken ein, er versäumt hier nicht, ein authentisches Bild seiner Erfahrungen in den Streitkräften zu zeichnen, „mit Höhen und Tiefen, über menschliche Stärken und Schwächen, über Einsicht und Trotz, über Erfolge und Misserfolge“.

Führen groß geschrieben

Greifbar nahe wird für die Anwesenden, für die jungen Menschen in fordernder Führungsverantwortung und für Familie, Freunde sowie der Akademie verbundene Ehrengäste: Der Kommandeur meint es ernst mit einem realistischen Menschen- und Erziehungsbild, sein Ausbildungsansatz ist im anspruchsvollen Hier und Jetzt verankert. Darüber hinaus verweist er gleichzeitig auf eine lange Historie, die er zitiert und der er sich in seiner Funktion als Ausbilder verbunden und verpflichtet fühlt. Dazu zählen sowohl umfangreiche Erfahrungen von heutigen Generalen und Admiralen in der aktuellen Bundeswehr als auch geschichtliche Ereignisse, tradiert beispielsweise in deutscher Weltliteratur vergangener Jahrhunderte.

Geschichte lebt

Am Ende seiner Ausbildungszeit als Schiffstechniker im Ersten Ubootgeschwader erhielt Admiral Stawitzki von seinem Kommandanten eine Ausgabe von Kleists „Prinz von Homburg“ geschenkt. 17. Jahrhundert, Befreiungskriege. Der Protagonist, der preußische Reitergeneral Friedrich von Homburg, befolgt einen Befehl seines Kurfürsten nicht und trägt damit maßgeblich zum Sieg einer entscheidenden Schlacht bei. Erst soll die Todesstrafe erfolgen, dann wird er begnadigt. In dem Schauspiel geht es um den Konflikt zwischen der Verantwortung des Einzelnen und der Pflicht vor einem übergeordneten Gesetz. „Kleist löst ihn, indem der Protagonist seine persönlichen Wertvorstellungen eingliedert in das größere Ganze des bestehenden Systems“, erklärt der Kommandeur. 

Konfliktfähig handeln

Kann es ein besseres Bild für die angehenden Stabsoffiziere in ihren künftigen anspruchsvollen Verwendungen geben? Äußerer Anspruch, gekonntes und erfahrenes Wissen, und all das vereint durch erfahrene Werte, die durch Handlungen – auch in schwierigen Situationen – ihre Verwirklichung erfahren. „Bleiben Sie kritikfähig und konsensfähig, aber auch konfliktfähig“, bringt der Kommandeur in seiner Rede seine Erfahrung, sein Wohlwollen und seinen Ratschlag für die jungen Generalstabsoffiziere auf den Punkt.  

Effektiv den Auftrag ausüben

Er wünscht den knapp neunzig Frauen und Männern „die Weitsicht, das Ziel nie aus den Augen zu verlieren. Den Mut zur Entscheidung, immer die richtigen Schwerpunkte zu setzen. Den Durchblick, stets das Ganze vor den Teilen zu sehen. Die Kraft, das Vertrauen der Vorgesetzten und Untergebenen zu gewinnen und zu bewahren. Und die Weisheit, die Stärken des Teams möglichst effektiv für die Erfüllung des Auftrags einzusetzen“.

Offizier und Manager

Damit schafft er einen Rahmen für die Orientierung der Lehrgangsteilnehmer, getreu seinem Motto: „Ziel unserer Aus- und Weiterbildung an der Führungsakademie muss es sein, Führungskräfte entscheidungsfreudig und handlungsfähig zu machen. Als Offizier zu führen bedeutet nämlich, notfalls über Leben und Tod der anvertrauten Kameradinnen und Kameraden oder Dritte entscheiden zu müssen, den Willen des Deutschen Volkes auch mit Waffengewalt durchzusetzen – denn nichts anderes bedeutet ein Mandat des Deutschen Bundestages für uns.“ Darüber hinaus gilt es, so der Kommandeur, als Offizier zu managen. Das bedeutet, die administrativen Entscheidungsprozesse insbesondere auf der ministeriellen Ebene und der höheren Kommandobehörden im Sinne der Bundeswehrplanung verantwortlich und zukunftsfähig mit zu gestalten.

Kraft zur Veränderung

Lehrgangsleiter Oberst i.G. Michael Schlechtweg resümiert: 3640 Ausbildungsstunden in zwei Jahren, unzählige Vorträge, Seminare, Reisen … „Habe ich das Richtige gelernt, kann ich die Herausforderungen erfolgreich bewältigen“, mag sich mancher zum Schluss denken. Er betont die klaren Wertvorstellungen und das sichere Gespür für anvertraute Soldaten. „Bei Ihnen ist aus Wissen Können geworden, erhalten Sie sich Ihre Kreativität und Ihren Gestaltungswillen“, gibt er den Generalstabsoffizieren, den „Zaubermeistern in Erstverwendung“, mit auf den Weg, die einen immensen Werkzeugkasten erhalten haben. „Den Mutigen gehört die Zukunft, nur sie haben die Kraft zur Veränderung.“

Angekommen in der Realität

General Volker Wieker ermutigt die künftigen Entscheidungsträger der deutschen Streitkräfte, die von Eckernförde bis Bad Reichenhall und von Brüssel bis Stettin eingesetzt werden, schließlich von Fort Campbell über Madrid bis nach Tallin und Riga, ebenso wie die internationalen Teilnehmer aus 14 Ländern. „Akademische Freiheiten und beschwingte Stunden zur ,angeleiteten Grobzielvertiefung‘ tauschen Sie in Kürze ein gegen Abschreckung und kollektive Verteidigung, gegen Einsätze und Übungen, gegen diplomatisches Parkett, Cyber-Defence und Integrierten Planungsprozess, gegen Schleudersitz, Kommandantenstuhl sowie rustikale Bataillonsgefechtsstände in litauischen und anderen Wäldern.“  

Echte Prüfungen

Nun kämen die ersten echten Prüfungen auf die jungen Generalstabsoffiziere zu. „Hier werden Sie sehr wohl auf die Realität vorbereitet – das geistige und handwerkliche Rüstzeug hält den unterschiedlichsten Stresstests des militärischen Lebens Stand.“ Außerdem stellt der Generalinspekteur fest: „Neben den Leistungsträgerinnen aus dem Zentralen Sanitätsdienst sind nun auch Kameradinnen ohne Skalpell und Approbation verdientermaßen dort angekommen, wo wir sie dringend brauchen – nämlich in der Riege des künftigen Spitzenpersonals unserer Bundeswehr.“ 

Widerspruch und Diplomatie

„Führen Sie mit Auftrag, halten Sie die Balance auf dem mitunter schwierigen Grad zwischen Initiative und Gehorsam, üben Sie Widerspruch im richtigen Ton – und seien Sie bereit, ihn auch zu ertragen. Seien Sie Vorbild, ohne sich dabei zu verrenken“, erklärt der Generalinspekteur. Er spricht über Führung, Authentizität, Vertrauen, Wertschätzung über Demut vor dem eigenen Auftrag und Verantwortung. Er gibt den jungen Mitmenschen viel Kraft, Takt und Fingerspitzengefühl in folgendem Bild mit auf den Weg: „Den Finger diplomatisch in die Wunde legen und gleichzeitig immer Lösungsansätze parat haben.“ Er verabschiedet den LGAN 14 mit den Worten: „Nutzen Sie das einzigartige Netzwerk der Führungsakademie auch künftig, Sie werden davon profitieren.“

 

 

 

Autor: Daniel Eisenbraun; Fotografin: Daniel Eisenbraun

Hamburg, 16.09.2016

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Einführung in das Thema: Didaktik & Methodik

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Die Teilnehmer erwarten drei ereignisreiche Wochen

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Selbstreflektion spielt eine wesentliche Rolle im Seminar

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Oberstleutnant Orth weiß worauf es in der Rede ankommt

Interesse wecken, interaktiv sein und die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch bieten – mittlerweile ist es selbstverständlich, dass ein charakteristischer und moderner Unterricht all diese Punkte in sich vereint. Genau deswegen findet derzeitig in der Generalleutnant-Graf-von-Baudissin-Kaserne der dreiwöchige Workshop zum Thema Didaktik und Methodik statt. Oberstleutnant Jürgen Orth, Seminarleiter und Dozent im Fachbereich Didaktik, analysiert gemeinsam mit Jens-Erik Kunkel und Oberstleutnant Sven Gringel die ausgewählten didaktisch-methodischen Herausforderungen des Lehrens.

Das „Was“ und das „Wie“

Kennen Sie den Unterschied zwischen Methodik und Didaktik? Es ist gar nicht so kompliziert, wie es klingt. Um es vereinfacht auszudrücken, handelt die Didaktik vom „Was“ und die Methodik vom „Wie“. Ersteres steht hierbei im Vordergrund, weil sie sich mit der Analyse und Planung des Unterrichts beschäftigt. Vorbereitung und Organisation sind der Kern eines eindrucksvollen und erfolgreichen Unterrichtes. Deswegen spielen relevante Fragen, wie zum Beispiel: Welches Thema soll vermittelt werden, oder welche Lernziele sind zu erfüllen, eine wesentliche Rolle in der Entwicklung des didaktischen Konzeptes. Erst wenn diese wichtigen Punkte feststehen, beginnt die Methodik. Der Einsatz von Methoden setzt die Verwendung von verschiedenen Medien und kreativen Gestaltungsmittel voraus, um die Mitarbeit und Motivation der Teilnehmenden zu steigern. Aber auch die Körperhaltung und der Einsatz von Händen sollen gelernt sein, denn die Köpersprache ist im Vortrag eine wichtige Form der nonverbalen Kommunikation.

Ein erfahrener Spezialist

Für Jens-Erik Kunkel ist es jetzt schon das dritte Mal, dass er das Seminar Didaktik und Methodik unterstützt. Er arbeitet für die Führungsakademie der Bundesagentur für Arbeit als Führungskräfteentwickler und ist auf dem Gebiet der Didaktik ein erprobter Experte. Die Bundesagentur bietet ebenfalls für alle Interessierten ein Seminar an, bei denen praxisnahe und hochwertige Schulungen auf der Agenda stehen. „Die Teilnehmer berichten mir, dass das Seminar eine wertvolle Gelegenheit ist, um über den eigenen Tellerrand hinaus zu schauen. Man ist ständig dabei etwas Neues zu lernen, ob als Redner oder als Beobachter“, erzählt Herr Kunkel.

Fit sein in der Lehre

„Fit machen, um als Dozent anspruchsvoll lehren zu können.“ Ein zielstrebiger Leitsatz für Oberstleutnant Sven Gringel. Er ist nämlich ebenfalls Dozent an der Führungsakademie der Bundeswehr und unterstützt zusammen mit Oberstleutnant Orth und Herr Kunkel das regelmäßig, stattfindende Seminar.
Das Meistern von schwierigen Lehrsituationen sowie der richtige Auftritt bei einer persönlichen Stellungnahme als rhetorische Übung sind nur ein Teil des umfangreichen Lernprogramms. Den Dozenten ist es wichtig, dass die Teilnehmer sich selbst reflektieren, um die Sicht auf das eigene Ich zu verdeutlichen. Deshalb werden die Übungen von einer Videokamera aufgenommen und vor dem Teilnehmer abgespielt. So erhalten die Redner einen umfassenden Eindruck auf ihre eigene Präsentation.

Die Feuerwehr im etwas anderen Einsatz

Eine Hilfsorganisation, die bei Bränden, Unfällen und ähnlichen Ereignissen Hilfe leistet, um Menschen zu retten und zu schützen. Für Patrick Michels, den Brandreferendar der Berufsfeuerwehr in Nürnberg, gehören diese Aufgaben zur alltäglichen Berufspflicht. Doch an der Führungsakademie der Bundeswehr erwartet ihn der etwas andere Einsatz.
Diesen Teil der Ausbildung durfte sich Michels selbst aussuchen. Die Wahl fiel selbstverständlich auf das Seminar Didaktik und Methodik, denn er strebt eine Position als Abteilungsleiter im Bereich der Ausbildung an und möchte besonders seine methodischen Fähigkeiten verbessern. „Ich habe bereits an einem Seminar in Umgang mit schwierigen Gesprächspartnern teilgenommen“, berichtet Herr Michels, „aber der Lehrgang an der Führungsakademie bietet mir ein wesentlich umfangreicheres Programm und zeigt schon in den ersten Tagen einen deutlichen Leistungsunterschied bei den Teilnehmern.“ 

 

 

Autor: Nils Wienböker; Fotografin: Katharina Junge / PIZ Marine

Hamburg, 15.09.2016

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Marine-Inspekteur im Manfred-Wörner-Zentrum

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OTO-Melara_Geschütze: Reichweite und Genauigkeit

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Admiral Krause geht offen auf Teilnehmer ein

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Fregatte ,,Baden-Württemberg" wird fit gemacht

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Interessiert verfolgen die Anwesenden den Vortrag

Der Inspekteur der Marine spricht im Gneisenau-Saal offen über die Lage der Marine, ihre Historie und ihre Zukunft. Die Marine ist seit Gründung 1955 die kleinste Teilstreitkraft der Bundeswehr, erklärt Vizeadmiral Andreas Krause. Doch sagt die Größe nichts über die Bedeutung für die Landesverteidigung aus. Zu Zeiten ihrer Gründung war die Aufgabe der Seestreitkräfte der Bundeswehr klar definiert: Im Falle einer Eskalation des Ost-West-Konflikts sollte sie in der Nordsee Geleitschutz für Versorgungskonvoys stellen. Außerdem sollte sie in der Lage sein, im Zusammenwirken mit der dänischen Marine die Zugänge zur Ost-See zu blockieren, um so die sowjetischen Kriegsschiffe dort einzuschließen und abzuriegeln.

Neue Aufgaben, gleicher Auftrag

Mit dem Zerfall des Warschauer Pakts wurden diese Fähigkeiten größtenteils obsolet, so der Admiral. Wie die anderen Teilstreitkräfte ist auch die Marine seit den 90er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts in stetiger Reform und Verkleinerung. Wie in den anderen Teilstreitkräften der Bundeswehr findet auch in der Marine eine Rückbesinnung auf das Kerngeschäft statt, den bewaffnete Kampf. „Der südliche Krisenbogen - naher Osten, Nord Afrika - bleibt bestehen“, erklärt Vizeadmiral Krause. Daher werden Flüchtlingsrettung im Mittelmeer und Piratenabwehr am Horn vor Afrika auch weiterhin zu den Aufgaben der deutschen Marinesoldaten zählen. Dabei müssen sie aber auch in der Lage sein, sich kurzfristig auch intensiveren Szenarien zu stellen. Im oberen Intensitätsspektrum von Konflikten erfolgreich sein zu können, obwohl die laufenden Einsatzanforderungen sich im unteren Intensitätsspektrum bewegen, macht „Abwärtskompatibilität“ zum Schlüssel des Erfolges.

Hohe Standards machen flexibel

Ausbildung ist hierfür der Schlüssel. Nur hohe Standards in Ausbildung und Zertifizierung können solch eine Flexibilität und Qualität der Besatzungen gewährleisten. Daher herrscht bei der Marine immer Bedarf an spezialisierten Personal. Im technischen Bereich ist der Bedarf an Elektro-und IT-Technikern immer noch sehr hoch. Auf taktikscher Ebene wird vor allem nach weiteren Minen- und Waffentauchern gesucht. Doch fordern die zunehmenden Einsätze ihren Preis und führen Personal und Material an ihre Grenzen. Die Unterbringung von 800 geretteten Flüchtlingen auf einer Fregatte der Sachsen-Klasse, die für eine Besatzung von 250 Personen ausgelegt ist, fordert die Bordlogistik bis aufs Äußerste.

Modell mehrerer Beatzungen

Um das Personal zu schonen und die Technik optimal einzusetzen, hat sich das Mehrbesatzungsmodel bewährt. „Besatzung und Plattform zu trennen, war ein schmerzhafter Prozess in der Marine“, schildert der Inspekteur. Doch dieser Prozess spart Geld, Personal und Transit. Die modernen Fregatten der Klasse 125 können bis zu zwei Jahre wartungsfrei im Einsatzgebiet verbleiben, nur die Crew wird im vier Monatsrhythmus ausgetauscht. So wird die Durchhaltefähigkeit der Plattformen optimal ausgenutzt und der Transit der Schiffe auf ein Minimum reduziert.

„K“ steht für Kampf!

Die neuen „Mehrzweckkampfschiffe 180“ sollen noch durchhaltefähiger sein. Der Hauptzweck des Mehrzweckkampfschiffes, so der Inspekteur, ist der Kampf. Geplant war, die vier vorgesehenen Schiffe modular zu gestalten. Je nach Mission können zusätzliche Kapazitäten für Elektronischen Kampf, U-Boot Jagd oder Einsatz und Abwehr von Kampfschwimmern nachgerüstet und ausgetauscht werden. „Diese Flexibilität soll aber nicht auf Kosten der Kampfkraft der Plattform erkauft sein“, sagt der Inspekteur. Das Umrüsten von Modulen fern des Heimathafens ist kompliziert und aufwändig. Daher sollen Waffensysteme zur Selbstverteidigung und Konvoyschutz obligatorisch bleiben und kein optionales Modul auf deutschen Kriegsschiffen werden.
Es müssen nicht nur neue Fähigkeiten ausgebaut werden. Der Erhalt bisheriger Fähigkeiten ist von ebenso großer Wichtigkeit. Es dauert 30 Jahre, so der Inspekteur, eine einmal verlorene Fähigkeit wiederherzustellen. Die Ubootjagd sei beispielsweise eine solche Fähigkeit. Die Jagd auf abgetauchte Uboote im Verbund von See- und Luftstreitkräften ist ein eher unwahrscheinlich Szenario in den letzten Jahrzehnten gewesen und doch extrem anspruchsvoll. „Sie jagen etwas, das sie nicht sehen“, so beschreibt es der gelernte Uboot-Offizier.

Quo vadis Marine?

Wie der höchste Marinesoldat die Zukunft seiner Teilstreitkraft sieht, interessiert natürlich die Anwesenden am meisten. Auf die Frage nach der Zukunft der Marine antwortet Admiral Krause direkt mit: „Die MKS 180 ist schon Zukunft. Wir reden hier von geplanten Laufzeiten bis in das Jahr 2070.“ Laser und Drohnen entwickeln sich genauso von Science Fiction zu Einsatzrealität auf hoher See. Die Marine feiert, wie die Bundeswehr allgemein, ihr 60 -jähriges Bestehen. Die nächsten 60 Jahre werden genauso turbulent wie die bisherigen. „Kämpfen können, um nicht kämpfen zu müssen“ ist auch weiterhin ein Grundsatz, der der Marine hilft, auch gefährlichste Untiefen zu umschiffen.

 

Autor: Markus Matheis; Fotografin: Markus Matheis

Hamburg, 14.09.2016

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Major Dittmer (2. v.l.), Hospitant bei der Arbeitsgruppe Verteidigungspolitik der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag

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Major Piatkowski, Hospitant beim Auswärtigen Amt

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Oberfeldarzt Dr. Grella, Hospitantin bei der NAVIS AG

Mit dem Pilotprojekt: „Erfahrungsaustausch Führung und Management“ für angehende Generalstabs- und Admiralstabsdienstoffiziere erweitert die Führungsakademie der Bundeswehr ihr Netzwerk um partnerschaftliche Beziehungen zu Institutionen und Unternehmen aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft, die weit über die Grenzen Hamburgs hinausgehen.

Zivile Führungskultur und Generalsstab

Im Zeitraum Januar bis Juli 2016 hatten insgesamt 16 ausgewählte Teilnehmer des 11. nationalen streitkräftegemeinsamen Generalstabs-/Admiralstabsdienstlehrgang die Möglichkeit, als Hospitanten an einem zweiwöchigen, individuellen Erfahrungsaustausch mit verschiedenen renommierten Institutionen und Unternehmen außerhalb der Streitkräfte teilzunehmen. Ziel war es, unterschiedliche zivile Führungskulturen und -prozesse kennenzulernen, die eigene Führungsfähigkeit und -philosophie zu reflektieren und zugleich ein positives Bild des Generalstabs-/Admiralstabsoffiziers nach außen zu tragen.

Großes Interesse

Für den Erfahrungsaustausch konnten im Zuge des neu gestarteten Pilotprojekts für den ersten Durchgang im Jahr 2016 zahlreiche renommierte Partner aus den Bereichen Politik, öffentliche Verwaltung sowie Industrie und Wirtschaft gewonnen werden. Dies eröffnete den Lehrgangsteilnehmern die Chance, aus einem vielfältigen Portfolio von Institutionen zu wählen und sich, geleitet nach persönlichen Interessen und individuellen Stärken,  für einen passenden Partner zu entscheiden.

Namhafte Partner und Institutionen

Neben namhaften Unternehmen aus der privaten Wirtschaft wie Airbus, MBDA, NAVIS, VTG oder Rheinmetall, beteiligten sich auch unterschiedliche Institutionen aus Politik, öffentlicher Verwaltung und des Gesundheitswesens wie die Bundesbank, das Auswärtige Amt, die Hamburg Port Authority, das Bezirksamt Eimsbüttel, der Landesbetrieb für Immobilienmanagement und Grundvermögen der Stadt Hamburg sowie das Universitätsklinikum Eppendorf an dem Pilotprojekt. Als besondere Highlights konnten Mitglieder des Deutschen Bundestages gewonnen werden, die den Lehrgangsteilnehmern bereitwillig hochinteressante Einblicke in die Arbeits- und Führungsprozesse auf höchster politischer Ebene gewährten.

Positives Feedback

Abgerundet wurde der Erfahrungsaustausch durch eine gemeinsame Abschlussveranstaltung an der Führungsakademie der Bundeswehr, bei welcher die Vertreter der verschiedenen Partner sowie die Lehrgangsteilnehmer die Möglichkeit hatten, in zwangloser Atmosphäre den ersten Durchgang des Pilotprojekts kritisch zu reflektieren und in offener Gesprächsrunde über die gemachten Erfahrungen zu diskutieren. Insgesamt ergab sich ein überaus positives Bild und beide Seiten zeigten sich vom Nutzen und Wert des Erfahrungsaustausches vorbehaltlos überzeugt.  

Zukunftsfähige Weiterbildung

Das Pilotprojekt „Erfahrungsaustausch Führung und Management“ ist insgesamt auf drei Jahre angelegt. Im Anschluss an die Pilotphase soll 2018 über eine Verstetigung des Projekts entschieden werden. Mit dem  sehr positiven Zwischenfazit des ersten Durchgangs wird der Nachfolgelehrgang den Erfahrungsaustausch mit Überzeugung und Engagement weiter fortsetzen. Hierzu sollen die bereits bestehenden Partnerschaften nicht nur intensiviert werden, vielmehr gilt es auch, weitere namhafte Institutionen zu gewinnen, um das etablierte Netzwerk zu erweitern und zu stärken. Die Aussichten sind sehr vielversprechend und die ersten Gespräche für die Zukunft haben bereits begonnen.

 

Autor: Daniel Eisenbraun; Fotografin: Christian Burghold/Katharina Junge/Laura Clayborn

Hamburg, 09.09.2016

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Die ganze Welt im Überblick behalten

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Handlung und Planung müssen gut durchdacht sein

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Die Lehrgangsteilnehmer des Seminars für Sicherhitspolitik

Eine schwierige Situation infolge des Aufeinanderprallens unterschiedlicher Interessen und Forderungen - ein Konflikt ist ein vielschichtiges Problem und erfordert ein strategisches, ruhiges Händchen. Passend zur Thematik fand ein Seminar zur aktuellen Entwicklung der Sicherheitspolitik für Stabsoffiziere der Reserve in der General-Graf-von-Baudissin-Kaserne statt. In diesem Lehrgang befassten sich 25 Reserveoffiziere mit politischen und militärischen Maßnahmen, die geeignet sind, um Konflikte zwischen Bürgern beziehungsweise zwischen Staaten zu verhindern und den Schutz von Personen und Interessen zu wahren.

Kein Konflikt ohne Ursachen

Ein wesentlicher Punkt in der Entstehung einer Krise ist zu wissen, dass eine solche Situation nicht plötzlich über Nacht auftaucht. Um das Problem zu lösen, muss man zunächst verstehen welchen Ursprung sie hat. Der Mittlere Osten ist ein treffendes Beispiel für den terroristischen Konflikt, der bereits seit vielen Jahren vorhanden ist. Der Seminarleiter, Fregattenkapitän Dr. Hartmut Klüver, lud zur Einführung in die Geschichte des Mittleren Ostens die Dozentin Hauptmann Theres Beumler ein, die die Reserveoffiziere mit ihren Berichten und Erfahrungen zum aktiven Meinungsaustausch anregte.

Länderspezifische Hintergründe

In ihrem Vortrag berichtet sie nicht nur über die aktuell betroffenen Länder, sondern auch über die Entstehung dieses Konfliktes. Dadurch wird deutlich, dass der Terrorismus sich aus einem historisch gewachsenen Problem entwickelt hat. Man kann es auch als Generationsproblem bezeichnen, weil Gruppierungen, wie zum Beispiel die Taliban, einen wesentlichen Einflussfaktor auf die Erziehung ihres Nachwuchses haben.

Islam im Detail

In dem Vortrag der Dozentin erhalten die Reservisten auch einen besonderen Einblick in die Religionsgeschichte des Islams. Die zweitgrößte Weltreligion bietet für ihre 1,6 Milliarden Anhängern eine unterschiedliche Auslegung der Glaubensrichtung. „Religionsgeschichte ist ein ziemlich heißes Eisen, trotzdem müssen wir lernen sie zu verstehen, um an einer Konfliktlösung arbeiten zu können“, berichtet Beumler.  

Arabischer Frühling

Das Jahr 2011 war für die politische Situation der Staaten Nordafrikas und des Nahen Ostens sehr impulsiv. Im Arabischen Frühling rebellierten Millionen von Menschen gegen Unterdrückung, Menschenrechtsverletzungen und soziale Ungerechtigkeit. Mit ihrer Forderung nach demokratischer Struktur in ihrem Land, verbreitete sich der Protest der Bürger wie ein Flächenbrand. Die Politik und das Militär haben bis heute noch mit den Nachwirkungen dieser Rebellion zu kämpfen, weshalb dieses Ereignis des Öfteren als wichtiges Gesprächsthema im Vortrag hervorgebracht wurde.

Soldat und Diplomat

Man kann sie auch als militärische Diplomaten bezeichnen: die Militärattachés der Bundeswehr. In erster Linie sind sie für die bilaterale Zusammenarbeit zwischen den jeweiligen Ländern verantwortlich und repräsentieren durch Informationsaustausch und gemeinsame Übungen ihr eigenes Land. In dem Vortrag von Oberstleutnant i.G. Rupert Steeger berichtet er, am Beispiel des Balkans, welche besondere Rolle diese Position in einem Konflikt darstellt. Gerade in brisanten Situationen bringt er sein militärisches Wissen ein.

 

Über den Tellerrand hinaus

Für die Politik und das Militär ist es von großer Wichtigkeit, sich nicht nur auf einen Bereich der Welt zu konzentrieren, denn neben dem Mittleren Osten gibt es weitere Länder, die ihre Aufmerksamkeit benötigen. Vom Brennpunkt in der japanischen Außen- und Sicherheitspolitik bis hin zum Krisenmanagement in der Ukraine. Das Seminar bot für die Teilnehmer eine vielfache Auslegung an Krisenbewältigung auf der ganzen Welt. Für die Reservisten war es sehr interessant, über den Tellerrand hinaus zu schauen und Einblicke in so ein vielschichtiges Gebiet zu erhalten. 

 

Autor: Nils Wienböker; Fotografin: Nils Wienböker

Hamburg, 08.09.2016

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Konzentriert beendet Major Andre Knappe die Aufnahme

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Im Interview macht Frank Djanoe eine souveräne Figur

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Richard Endhöfer gibt ein 30-Sekunden-Statement

Im Manfred-Wörner-Zentrum üben zurzeit drei Stäbe nebeneinander im Rahmen des UN Staff Officer Course. Besonders im Blickpunkt steht das Interviewtraining.
„Die Weltöffentlichkeit schaut auf Kolpoto, das fiktive Land steht nach Jahren des Bürgerkrieges vor einem Waffenstillstand zwischen Regierung und Rebellentruppen. Kameras, Lichter und Mikrophone sind nun auf Sie gerichtet. 30 Sekunden Zeit um der Welt Ihre Botschaft zu vermitteln.“ Hiermit sind die künftigen Angehörigen der UN-Stäbe sofort in eine realistische Lage versetzt, in der sie Medienvertretern gegenüber agieren müssen. Eine Vorstellung, die bei vielen Unwohlsein und schweißige Hände hervorruft. Öffentlich zu sprechen ist für viele Menschen die größte Angst überhaupt. Damit setzen sich die Teilnehmer auseinander in dem gerade stattfinden UN-Kurs intensiv auseinander.

Die Welt zu Gast in der Kaserne

Bei dem Szenario handelt es sich um eine Übung. Zusammen mit den Teilnehmer des Generalstabsdienst-/ Admiralstabsdienstlehrgangs 2014 üben sich Zivilisten aus aller Welt und allen Branchen als Stabsoffiziere der Vereinten Nationen im Medientraining. Für die militärischen Lehrgangsteilnehmer ist diese die letzte große Veranstaltung, bevor sie die Führungsakademie nach zwei Jahren Ausbildung verlassen. Für die zivilen Gäste oft der erste intensive Kontakt mit dem Militär.

Im Blickpunkt

Nun müssen sich beide Gruppen gemeinsam in UN-Stäben in der Planübung „Blue Angel“ beweisen. Besonders im wortwörtlichen Blickpunkt stehen die Pressesprecher der drei Stäbe. Vor eine Gruppe von unbekannten Menschen zu treten und prägnant seinen Standpunkt präsentieren ist besonders als Offizier eine Kernkompetenz, die schon als junger Offizieranwärter trainiert wird. Im Lehrangebot der Akademie hat Pressearbeit daher ebenfalls einen hohen Stellenwert. So ist ein mehrtägiges Pressetraining Teil der Ausbildung zum Generalstabsdienstoffizier. Auch die Weiterbildung der individuellen Medienkompetenz für Reservisten und aktive Soldaten ist sehr nachgefragt.

Vor der Truppe und vor der Kamera

Doch vor der Truppe und vor der Kamera: Das sind zwei verschiedene Dinge. „Vor der Truppe fällt es mir leichter als vor der Kamera“ erklärt Major Andre Knappe, Lehrgangsteilnehmer des Generalstabslehrgangs, „das direkte Feedback fehlt.“ Wie sich die Zivilisten vor der Kamera fühlen, erklärt Frank Djanoe. Es ist das erste Medientraining für den Ghanaer. „Mich überzeugen der Lehrgang und das Training absolut“, erzählt Herr Djanoe. „Ich denke nicht, dass die Zivilisten notwendigerweise im Nachteil sind“, antwortet er auf die Frage, ob die Offiziere durch ihre Ausbildung und die Pressetrainings einen Vorteil in den Statements und Interviews haben. Die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit vermittelte ihn den Lehrgang an der Akademie. In seiner Heimat unterstützt er das African Peace and Security Program.

Mimik und Gestik zählen

Die militärischen Teilnehmer überzeugen vor der Kamera durch ihre direkte, prägnante Art, doch müssen sie öfter darauf hingewiesen werden, dass auch gerne gelächelt werden kann. Eine offene Mimik und Körpersprache fällt den Zivilisten vor der Kamera auf Anhieb leichter. Ihre individuellen stärken können die Teilnehmer bei der abschließenden Pressekonferenz am Donnerstag demonstrieren. Dort wird sich zeigen, was Zivilisten und Soldaten vor der Kamera voneinander lernen können. Sie freuen sich auf das Abschlussergebnis und sind sich einig: Der Kurs war ein voller Erfolg.


 

 

Autor: Christiane Rodenbücher; Fotografin: Katharina Junge

Hamburg, 08.09.2016

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General Leinhos im Gespräch mit General Hambach

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Intensiver Austausch über Cyber und IT

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Lehrgangsteilnehmer an der Akademie im Fokus

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Cyber-Aufmerksamkeit als Führungsaufgabe

Auf ihn sind derzeit viele Augen gerichtet: Generalmajor Ludwig Leinhos ist einer der Väter des neuen Organisationsbereiches „Cyber- und Informationsraum“. Er ist der Leiter des Aufbaustabes, der neben der ministeriellen Abteilung das jüngste Kommando der Bundeswehr aufbaut. Die Aufstellung der Abteilung ist schon diesen Oktober, die des Kommandos für April 2017 geplant. Der Auftrag: die Verteidigung des Cyber-Raumes. An der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg referierte Leinhos jetzt über den Stand der Dinge, nächste Schritte und die Notwendigkeit der eingeleiteten Veränderungen.

Gewappnet in die Zukunft

„Quantität und Qualität der Cyber-Attacken haben eine neue Dimension erreicht“, führte Generalmajor Leinhos aus, „daher hat die Ministerin entschieden, eine neue Abteilung im Ministerium einzurichten und einen neuen Organisationsbereich aufzustellen.“ Bedrohungen gingen sowohl von Hackern, Einzelpersonen, aber auch von Staaten aus, so Leinhos. Hauptanliegen sei es, eigene Ressourcen zu schützen. Man müsse sich wappnen: „Schnelle Entscheidungen müssen her, Beschaffungswege verkürzt und Innovationen schneller zur operationellen Nutzung gebracht werden.“

Klare Zuständigkeiten

Mit der Schaffung des neuen Organisationsbereiches mit einem Inspekteur an der Spitze würden Kompetenzen gebündelt, fachliche und operationelle Elemente konzentriert, klare Zuständigkeiten geschaffen und ein Chief Information Officer im BMVg installiert, fasste Leinhos zusammen. Im neuen Kommandobereich werden das Militärische Nachrichtenwesen, die Führungsunterstützung, das Zentrum für Geoinformationswesen der Bundeswehr und die Operative Kommunikation zusammengefasst.

Eigener Fachbereich „Cyber“ an der FüAK

An der Führungsakademie soll ein eigener Fachbereich Cyber ins Leben gerufen werden. Bislang wird in der „Cyberlehre“ der Akademie vornehmlich die politisch-strategische Ebene betrachtet. „Wir benötigen dringend aktuelle Bedarfsträgerforderungen, um die neuen Herausforderungen im Cyber- und Informationsraum in die Lehre einzubringen“, erklärt Oberst i.G. Hansjörg Witt (u. a. Fachbereich Einsatz). Eine wesentliche Aufgabe stelle die Stärkung der operativen Fähigkeiten der Lehrgangsteilnehmer dar. 

Leinhos lobt „offenen Austausch“

In Kooperation mit dem Verteidigungsministerium wird derzeit ein operatives Cyber-Modell entwickelt. „Militärische Entscheider sollen Risiken und Chancen erkennen“, so Witt, „Cyber-Aufmerksamkeit ist heute eine Führungsaufgabe!“ Gemeinsam mit der Hamburger Helmut-Schmidt-Universität finden bereits Workshops zum Thema statt. Cyber soll bald auch im Generalstabslehrgang und anderen Lehrplänen implementiert werden.  General Leinhos zog ein positives Fazit über seinen Besuch in Hamburg: „Genau so muss es laufen, wir profitieren alle von einem offenen Austausch! Wir müssen versuchen, Anknüpfungspunkte zu finden – die Führungsakademie sehe ich in dieser Hinsicht als eine sehr wichtige Institution an.“

 

 

Autor: Christiane Rodenbücher ; Fotografin: Katharina Junge / Philipp Lenske / Gorch Fock

Hamburg, 07.09.2016

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Admiral Stawitzki als neues Mitglied in der Kommandeurgruppe vor dem Portal der FüAKBw

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General Schelleis übergibt das Kommando

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Gorch Fock - Marineausbildung: Charakterstärke und Teamgeist sind an Bord gefragt

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Lebendige Diskussionen mit Fachbereichsleitern

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Mit neuem Auftrag in Hamburg angekommen: Admiral Stawitzki vor der Truppenfahne

„Günstige Winde kann nur der nutzen, der weiß, wohin er will.“ Oscar Wilde 

Geschulter Blick, jeder Handgriff muss sitzen, im Handumdrehen muss alles stimmen, um mit der Kamera den perfekten Moment einzufangen. Fotografin Katharina Junge bleiben an diesem Montagmorgen in der ersten Septemberwoche zwischen Morgenlage und Einweisungen nur wenige Minuten, um den neuen Kommandeur im Rahmen der Führungsgruppe im Bild fest zu halten und die Botschaft zu senden: Flottillenadmiral Carsten Stawitzki ist als neuer Kommandeur in der Führungsakademie angekommen.

Große Erfahrung

Fühlung halten, das Ziel immer fest vor Augen: Alles, was der ursprüngliche „Heizer“, der Schiffstechnikoffizier und leitende Ingenieur, auf Ubooten von frühen Jahren an in der Marine gelernt hat, kommt ihm bei seiner aktuellen Tätigkeit zugute. Vom Studium der Elektrotechnik über diverse Verwendungen in der Marine im In- und Ausland bis zu Verwendungen als Dozent an der Führungsakademie, als Referent und Adjutant im Bundesministerium der Verteidigung und nun zuletzt als Kommandeur der Offizierschule der Marine – er bringt für seine Managementaufgabe ein breites Erfahrungsspektrum, Freude am Führen und den gestalterischen Willen zur Veränderung mit. „Es ist mir eine große Ehre, und ich bin mir der Verantwortung bewusst, die höchste Bildungseinrichtung der Bundeswehr führen zu dürfen“, sagt der 50-Jährige geschichtsbewusste Admiral.

Vertrauen und Respekt

Rundumsicht auf die nahe Umgebung wie auf den fernen Horizont: An der Hamburger Akademie wird es für den gebürtigen Heidelberger wie bei früheren Tätigkeiten auf See und an Land auf breit angelegte Perspektiven, aber auch strategische Blicke ankommen. Und vor allem auf ein Miteinander: „Vertrauen, Respekt, wahre Gefolgschaft – das braucht Zeit und entsteht im täglichen Handeln, in ehrlichen Gesprächen über Monate hinweg, darauf freue ich mich, denn ganz vorne steht für mich der Mensch.“ Führung und Selbstverständnis tangieren seiner Auffassung nach nicht nur Kopf und Verstand, sondern auch Herz und Seele.

Offen für Neues

Zunächst geht es darum, sich ein möglichst umfassendes Lagebild zu verschaffen, so schnell wie möglich: Wo stehen wir – wohin wollen wir? Admiral Stawitzki hat Fahrt aufgenommen, Segel am Wind, schon am ersten Tag jagt ein Termin den nächsten. Einweisung in die Strukturen, aktuelle Aufgabenverteilung, Organisation der Ausbildung, Ablauf der Lehrgänge, Strategiegespräche, sicherheitspolitische Veranstaltungen der Akademie,  Qualitätsmanagement und vieles mehr. Offen für Neues, aufgeschlossen für Menschen und mit viel Interesse und kritischen Nachfragen hat sich der neue Kommandeur allen Sachverhalten genähert. 

Persönliche Gespräche

„Ich tauche tief ein und nehme erst einmal alles auf wie ein Schwamm“, sagt er häufig an seinem ersten Tag, und bleibt auch hier bei einer maritimen Metapher. „Ich setze auf das persönliche Gespräch, ich baue auf eine authentische Aussprache und klare Worte“, erklärt er seine Einstellung zu Kommunikation. Nach den ersten fachlichen „Tauchgängen“ stehen für Admiral Stawitzki Gespräche mit allen Führungsebenen auf dem Plan. „Mein Gang wird mich auch schon bald in den Maschinenraum führen“ verrät er scherzend, „nicht nur, weil ich Heizer bin. Ich will mit möglichst vielen Mitarbeitern in den beiden Kasernen schnell in Kontakt kommen.“

 

 

Autor: Philipp Lenske; Fotografin: Philipp Lenske

Hamburg, 06.09.2016

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Lehrgangsteilnehmer des LGAI lernen unser Netztwerk kennen

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Alumni - Chance zur Vernetzung rund um den Erdball

,,Alumni ermöglicht es Ihnen, mit der Führungsakademie der Bundeswehr weltweit vernetzt zu sein“, erklärt die Leiterin des Sachgebiets Kommunikation, Christiane Rodenbücher, die Funktion des Alumni-Portals in ihrer Präsentation gegenüber Teilnehmern des internationalen Generalstabslehrganges. Das Portal ist ähnlich aufgebaut wie bekannte soziale Netzwerke, wird jedoch intern verwaltet, gewartet und kann nur von Lehrgangsteilnehmern, Militärattachés und Angehörigen der Führungsakademie genutzt werden.

Kontakte knüpfen und halten

Im Portal finden die User Informationen zu bevorstehenden Veranstaltungen sowie Bildergalerien von vergangenen Events. Auch aktuelle Themen werden in Diskussionen aufgegriffen. Auf neue Artikel der Website der Führungsakademie wird darüber hinaus hingewiesen. Im Wesentlichen lebt das Portal vom gemeinsamen Austausch der Alumni-Nutzer. In selbst erstellten Interessensgemeinschaftsgruppen oder bei Alumni-Treffen können die Teilnehmer Kontakte knüpfen, ausbauen und festigen.

Über 50 Nationen im Boot

Derzeit hat das Netzwerk über 800 aktive Nutzer aus insgesamt 52 Nationen. Neben Deutschland sind die Länder Argentinien, die Schweiz und Korea am stärksten vertreten. Zum Ende des Vortrags entwickelte sich aus den abschließenden Fragen eine Diskussion über die angeregten Themen. Ein Teilnehmer aus dem Irak spricht über den Gebrauch von sozialen Netzwerken im Militär: ,,Gruppen zum Interagieren finden Sie bei uns nur via Facebook oder Twitter. Ein Netzwerk nutzen zu können, welches auf meine Zeit hier und darüber hinaus abgestimmt ist, reizt mich sehr. Ich bin gespannt und freue mich auf den Kontakt mit den anderen Teilnehmern.“



 

 

Autor: Nils Wienböker; Fotografin: Katharina Junge

Hamburg, 01.09.2016

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Abteilungsleiter Führung richtet sich an sein noch unterstelltes Personal

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Oberst Tronicke geht, Oberst Grewen übernimmt

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Die Mitarbeiter verabschieden den Abteilungsleiter

„Nun ist es soweit“, beginnt Oberst i.G. und in wenigen Stunden Oberst a.D. Jürgen Tronicke seine letzte Rede als aktiver Soldat. Für ihn übernimmt nun Oberst i.G. Michael Grewen die Leitung der Abteilung Führung der Akademie.

 

Auf der Wiese hinter dem Stabsgebäude trat die Abteilung Führung geschlossen an, um ihrem scheidenden Leiter zu verabschieden und den neuen Abteilungsleiter angemessen zu begrüßen. Oberst Tronicke verabschiedet sich mit wenigen Worten von seinen Männern und Frauen. Der Kommandeur Generalmajor Achim Lidsba, geht in seiner Abschiedsrede auf die Verdienste und Dienstzeit des gebürtigen Würzburgers ein und wünscht ihm in seinem neuen Lebensabschnitt viel Erfolg, Glück und Freude. Genauso nimmt er sich Zeit, den Nachfolger seiner neuen Abteilung vorzustellen.

 

Dem Luftwaffenmann folgt ein Heeresmann. Der gelernte Artillerist Grewen war schon in mehreren Verwendungen an der Führungsakademie als Dozent tätig, zuletzt seit Januar 2014 im Fachbereich Einsatz. Zuvor war er vier Jahre G3-Offizier in der Division Luftbewegliche Operationen. Die Führung, Organisation und Ausbildung der gesamten Division lief bei ihm zusammen. Eine Aufgabe, die er in verschiedenen Brigaden und Divisionen zuvor erfolgreich meisterte.

 

Der Oberst ist hier, um zu bleiben. Genau wie bei seinem Vorgänger ist auch diese seine letzte Verwendung vor dem wohlverdienten Ruhestand. Am 30.09.2018 endet die aktive Dienstzeit des neuen Leiters der Abteilung Führung.

 

 

Autor: Birgit Schön; Fotografin: Birgit Schön

Hamburg, 30.08.2016

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Kinder ziehen begeistert Lose

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Kapitänleutnant Schacht und Sohn freuen sich über ihren Gewinn

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Auch die internationalen Gäste kaufen viele Lose

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Regionalstellenteam und Helfer an der FüAkBw

1.565,64 Euro: Das ist die stattliche Bilanz, die Mitarbeiter der Führungsakademie gemeinsam mit der Unterstützung zahlreicher Sponsoren für das Bundeswehr-Sozialwerk (BwSW) in diesem Jahr im Rahmen der „Aktion Sorgenkinder in Bundeswehrfamilien“ erzielt haben. Für diese Summe haben die fleißigen Helfer am „Tag des Teamsports“ und am Kinderfest gesorgt. Bei diesen Veranstaltungen ist die traditionelle Tombola des Bundeswehr-Sozialwerks jährlich ein fester Bestandteil.

Kinderfest als große Attraktion

Trotz Regenschauern haben die Besucher des Kinderfestes die Tombola im Juli wie in den Jahren zuvor sehr gut angenommen. Groß und Klein standen an, um einen der schönen Preise zu gewinnen. Wie jedes Jahr kostete das Los 1,-- Euro, und es gab keine Nieten.

Preise erfreuen die Gewinner

Ein besonders glückliches Händchen hatte der kleine Taro aus der Kindergartengruppe der Führungsakademie, der mit seinem Bruder Matheo und seinen Eltern zum Kinderfest erschienen war. Ihre Familie freute sich sehr über den Hauptpreis: einen Aufenthalt in einem Erholungshaus des BwSW in Höhe von 100,-- Euro. Den zweiten Hauptpreis, einen Gutschein für vier Personen „Essen und Trinken frei“, im Steakhaus „Rio Grande“ in Blankenese, ging an den Sohn von Kapitänleutnant Schacht, Leiter des Stabsquartiers, der damit seine Eltern erfreute.

Lose sofort ausverkauft

Auch beim „Tag des Teamsports“ im August, an dem sich auch der neue internationale Generalstabslehrgang 2016 (LGAI 2016) beteiligte, gab es  bei herrlichem Sommerwetter einen riesigen Andrang vor dem Zelt des BwSW. Nach nicht einmal drei Stunden waren alle Lose ausverkauft. Aufgrund der großen Nachfrage hätte es in diesem Jahr ein Drittel an Losen mehr sein können. Der besondere Dank des Bundeswehr-Sozialwerkes gilt neben den Loskäufern besonders den externen Unterstützern, die jedes Jahr aufs Neue großartig mitwirken. Der gesamte Erlös geht wie immer an die „Aktion Sorgenkinder in Bw-Familien“ des BwSW.

Soziales Engagement im Fokus

Seit mehr als 50 Jahren engagiert sich das Bundewehr Sozialwerk für die Menschen in der Bundeswehr und ihre Familien. Einen besonderen Stellenwert innerhalb der Organisation nimmt die 1973 gegründete Initiative „Aktion Sorgenkinder in Bundeswehr-Familien“ ein. An der Führungsakademie engagieren sich seit vielen Jahren ehrenamtliche Mitarbeiter für diese Initiative, und das mit wachsendem Erfolg. 

Vielfältige Hilfsangebote

Die Spendengelder werden ohne Abzug an die „Aktion Sorgenkinder in Bundeswehrfamilien“ des Bundeswehr-Sozialwerks überwiesen. Sie kommen Familien von Bundeswehrangehörigen zugute, die unverschuldet in Not geraten sind und von keinen anderen sozialen Trägern unterstützt werden. Außerdem werden Freizeiten für körperlich oder geistig behinderte Kinder sowie Erholungsreisen für Partner und Kinder von Bundeswehrangehörigen, die im Auslandseinsatz sind, angeboten. Umfangreiche Informationen finden sich auf der Website des Bundeswehr Sozialwerks.

 

Autor: Daniel Eisenbraun / Christiane Rodenbücher; Fotograf: Katharina Junge

Hamburg, 24.08.2016

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Aufgeschlossene Gespräche prägen den Abend

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Kommandeuer begrüßt die neuen Lehrgangsteilnehmer

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Keine Berührungsängste von Anfang an

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Freundschaften werden schnell geschlossen

„Wir begrüßen 62 internationale Offiziere aus 37 Nationen und 17 Offiziere aus Deutschland“, sagte Generalmajor Achim Lidsba, Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr, bei der Begrüßung der neuen Lehrgangsteilnehmer des internationalen Generalstabslehrganges. „Als Besonderheit nimmt erstmals eine Nation auf besonderen Wunsch teil, die als NATO-Mitglied eigentlich für den nationalen Lehrgang vorgesehen ist: Wir freuen uns über einen Lehrgangsteilnehmer aus Estland.“ Im Scharnhorst-Saal haben sich die Offiziere aus aller Welt versammelt, um sich im Vorfeld auf die gemeinsame Zeit besser kennen zu lernen.

Zeichen der Verbundenheit

Auch dieses Jahr gibt es unter den Lehrgangsteilnehmern Soldaten, die mit ihren Familien nach Hamburg gezogen sind. Insgesamt 20 der Lehrgangsteilnehmer sind in die Hansestadt gezogen. „Ich danke unseren Gästen für Ihr Kommen. Sie unterstreichen damit ihre Verbundenheit mit der Bundeswehr, unserer Akademie und den Offizieren unserer Partnernationen.“ Der Kommandeur beschreibt das Gefühl von Zusammengehörigkeit als Zeichen der Solidarität.

Paten begleiten

Um die internationalen Offiziere während ihrer Zeit in Hamburg nicht unvorbereitet in den Lehrgang zu schicken, werden ihnen so genannte Paten zur Verfügung gestellt, die sie persönlich begleiten und mit Rat und Tat zur Seite stehen. „Treu zur Seite stehen“ – für die deutschen Offiziere ein wichtiger Leitsatz. Die meisten Paten sind für ihre Jahre langen Erfahrungen bekannt und leisten somit einen wichtigen Beitrag für unsere internationalen Kameraden.

Erwartungen und Impressionen

Was erwartet die internationalen Offiziere im Lehrgang als nächstes? Um sich als General beziehungsweise als Admiral im Stabsdienst zu bewähren, erfolgt eine umfassende Vorbereitung in Form von spezifischen Lehrgängen. Der Lehrplan reicht von Sicherheitspolitik über gesellschaftliche Fragen bis zum militärische Handwerkszeug. Neben der Ausbildung an der Führungsakademie der Bundeswehr erwarten die Teilnehmer auch gesellschaftliche Veranstaltungen und Reisen quer durch Deutschland und Europa. Nicht nur die Bundeswehr, sondern auch Deutschland wird ihnen näher gebracht. 



 

 

Autor: Nils Wienböker / Christiane Rodenbücher; Fotograf: privat / Katharina Junge

Hamburg, 23.08.2016

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Oberstleutnant Tronicke im Einsatz: 1995 in Piacenza

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Vater Werner Tronicke im Cockpit seiner T 33 ,,Shooting Star"

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Chef des Stabes im Gespräch

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Seine große Leidenschaft: Leuchttürme

Vor über 40 Jahren zieht der 20-jährige Flieger Jürgen Tronicke zum ersten Mal die Luftwaffenuniform an. Nun blickt der Oberst im Generalstab, kurz bevor er in den Ruhestand geht, auf eine lange, aufregende Dienstzeit zurück – und in eine leuchtende Zukunft.

Starker Vater und eigene Entscheidung

Mit dem Dienstantritt im Juli 1975 setzt Oberst Tronicke eine Familientradition fort: Sein Vater Werner Tronicke war selber eine Luftwaffengröße. Der Pilot baute als Leiter der Pilotenausbildung in Fürstenfeldbruck die Luftwaffe der Bundesrepublik mit auf und dient lange Jahre als Referatsleiter im Verteidigungsministerium. Trotz einer normalen „Oppositionshaltung“ gegenüber dem eigenem Vater in jungen Jahren entschied sich Jürgen Tronicke aus eigenen Stücken für eine Laufbahn in den Streitkräften. Er schlug die Laufbahn als Sicherungssoldat in der Luftwaffe ein.

Pershing, Presse, Personal

Der Beginn seiner Dienstzeit ist durch die Ausbildung zum Offizier der Luftwaffensicherungstruppe geprägt. Nach Abschluss des Studiums der Pädagogik an der Universität der Bundeswehr in München beweist er sich als Zugführer in Landsberg. Als Offizier der Sicherungstruppe ist er mitverantwortlich für die Sicherheit der dort stationierten Pershing-Raketen. Als Staffelchef der Luftwaffensicherungsstaffel des Jagdgeschwaders 71 in Wittmund beendet er seine Zeit in der Objektschutztruppe. Danach besucht er die Führungsakademie der Bundeswehr zum ersten Mal, dieses Mal als Lehrgangsteilnehmer des Lehrgangs Generalstabsdienst der Luftwaffe, die ihn für seine weitere Karriere als Stabsoffizier befähigt.

Das Papamobil in der Transall

Die militärisch intensivste Zeit erlebt der heutige Wahl-Schleswig-Holsteiner während seinen Einsätzen im ehemaligen Jugoslawien Mitte der 90er. Neben den Herausforderungen eines scharfen Einsatzes erlebt er den regelmäßigen Lufttransfer vom idyllischen Feriengebiet Falconara in Italien in das kriegszerstörte Sarajevo inklusive der berüchtigten Sarajevo-Landung. Ein besonderes Erlebnis: das Papamobil im Laderaum der Transall. 

Kommunikation groß geschrieben

Großen Herausforderungen stellt sich der damalige Oberstleutnant gleich im ersten Einsatz 1995. Als Leiter des Presse-Informationszentrums der Vereinten Nationen ist er mit der Informationsarbeit des Bosnien-Einsatzes betraut. Während der Operation „Deliberate Force“ richten sich die Augen der Welt auf den zerrütteten Balkanstaat. Zwei französische Piloten geraten für mehr als drei Monate in Gefangenschaft der Serben, nachdem ihr Flugzeug von serbischen Fliegerfäusten getroffen wurde. Er bekommt alles live mit – und muss die Situation medientechnisch schultern. Den medialen Ansturm insbesondere französischer Journalisten meistert er souverän und knüpft Kontakte zu Korrespondenten und Reportern, die ihm in späteren Einsätzen nützen.

Personalarbeit ist kein reiner Verwaltungsakt

Seine weitere Karriere verbringt er in den Personalabteilungen verschiedener Luftwaffen-Kommandobehörden und Ämtern in Köln, Bonn und an der niederländischen Grenze in Kalkar. Im Lufttransportgeschwader 62 in Wunstorf findet er seine Verwendung als Kommandeur der Fliegerhorstgruppe. Als besonders fordernd empfindet er seine Zeit als Referent im Führungsstab der Luftwaffe im Bundesministerium der Verteidigung. Doch gegen Ende seiner Dienstzeit zieht es den gebürtigen Franken in den Norden. Die Liebe zu seiner Frau, die Faszination der Küste und der Wunsch, dort seinen Lebensabend zu verbringen, geben dafür den Ausschlag. Im Wehrbereichskommando I Küste in Kiel führt er für fünf Jahre die Personalabteilung. Als erster Nicht-Marinesoldat sorgt er gleich zu Beginn für Aufsehen in der Dienststelle. Humorvoll wird der Oberst mit „Herr Kaptän“ gegrüßt. Seit 2013 bestreitet er seinen letzten Dienstposten als Chef des Stabes an der Führungsakademie. „Ein Glückstreffer, neben meiner Zeit als Chef und Kommandeur meine schönste Verwendung“, erklärt der 61-Jährige.

Leuchtende Zukunft

Eine Reservistenverwendung auf seinem bisherigen Dienstposten schließt er nicht aus. Doch will er nach dem Kapitel Bundeswehr erst einmal ein neues beginnen. Neben einem Kontaktstudium an der Uni Kiel, „um den Kopf fit zu halten“, kann er nun die freie Zeit seiner Leidenschaft widmen: der maritimen Architektur. Leuchttürme sind im besonderen Fokus seines Interesses. Schon zwei Bücher über dieses Thema hat der gebürtige Würzburger bis heute veröffentlicht. Ein drittes steht kurz vor der Fertigstellung. Ist sein erstes Buch über die Isle of Man und Irland noch sehr fokussiert auf die Leuchttürme der Inseln, so wird sein drittes Buch über Schottland fast ein Reiseführer, der neben maritimer Architektur auch Land, Geschichte und die bekanntesten Whisky-Destillieren zum Thema hat.

„Vom Kohlefeuer bis zur LED-Lampe“

Der Schutz maritimer Kulturgüter ist nicht nur etwas, über das der Oberst schreibt und Vorträge hält. Als Chairman der World Light House Society trägt er aktiv zum Schutz, Erhalt und zur Restauration von Leuchttürmen und Feuerschiffen weltweit bei. Die Restauration eines Leuchtturms im südamerikanischen Belize ist die letzte größere Unternehmung der Gesellschaft. Als Vorsitzender stand er schon in Kontakt mit Prinzessin Anne und schrieb direkt an den US-Präsidenten, um Unterstützung für eines der zahlreichen Restaurationsprojekte in den USA zu erbitten. „Dieser Tätigkeit ohne Zeitdruck nachzugehen, darauf freue ich mich, und auch meine Frau wird Freude daran haben, dass wir nun mehr gemeinsame Zeit verbringen“, sagt Oberst Tronicke zum Abschied. Nichtsdestoweniger blicke ich auf mehr als vier spannende Jahrzehnte in der Bundeswehr zurück, ich möchte die Zeit nicht missen.“

 

Autor: Christiane Rodenbücher; Fotograf: Katharina Junge / Bundeswehr

Hamburg, 18.08.2016

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General Breuer stellt das aktuelle Weißbuch vor

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Über 200 Zuhörer im voll besetzten Moltke-Saal

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Motto der Projektgruppe Weißbuch

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Sicherheitspolitik darf auch Freude bereiten

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Künftige Zusammenarbeit im Bündnis

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Sicherheit kennt keine Grenzen

Sicherheit geht jeden etwas an. Spätestens seit den jüngsten Anschlägen hierzulande hat das Thema „gefühlte Sicherheit“ auch in Deutschland an Bedeutung hinzugewonnen. Die Thematik ist komplex, sie hat viele Facetten und umfangreiche Auswirkungen auf globale Entwicklungen. Deutschlands Ressorts sicherheitspolitisch positionieren: Das hat Brigadegeneral Carsten Breuer mit dem gerade veröffentlichten Weißbuch 2016 in Angriff genommen. An der Führungsakademie hat er vor über 200 Zuhörern einen Vortrag über seine Arbeit an diesem Dokument gehalten.

Selbstverständnis der „Spin-Doctors“

„Vergangenes Jahr war ich hier in Hamburg, um über das Weißbuch zu sprechen, ich habe zahlreiche Argumente mitgenommen, das habe ich als sehr bereichernd empfunden“, sagt Breuer und erklärt damit ein prototypisches Entstehungsmerkmal: die Einbindung gesellschaftlicher, wirtschaftlicher, politischer Kreise, um zu Verständnis und Akzeptanz beizutragen. Dieser Punkt ist in der Entstehung besonders relevant, weil er Aufschluss gibt über das Selbstverständnis der verantwortlichen „Spin-Doctors“.

Enge Zusammenarbeit der Ressorts

„Wir haben unsere Arbeit immer wieder hinterfragt, ein Weißbuch ist kein Selbstläufer“, erklärt der General den Prozess der Realisierung. 2006 ist das letzte Weißbuch entstanden. Die Ressorts hätten sich in der Zwischenzeit, nicht zuletzt durch die Partizipationsphase, in Gliederung und Erzählfluss, aber auch inhaltlich, sehr angenähert – ein großer Vorteil für die enge Zusammenarbeit in den vergangenen 18 Monaten. „Wenn am 13. Juli 2016 etwas Überraschendes veröffentlicht worden wäre, hätten wir etwas falsch gemacht.“

Tipps für besseres Verständnis

General Breuers Vortrag stellt auch eine Art Lesehilfe dar und ist von unschätzbarem Vorteil, wenn es darum geht, das neue, 142 Seiten lange sicherheitspolitische Dokument zu verstehen. Es ist in zwei Teile gegliedert, einen sicherheitspolitischen und einen zur Zukunft der Bundeswehr. General Breuer nennt die grundlegende Prämisse für Punkt eins: „die Verantwortung und die Bereitschaft Deutschlands zu führen – das wurde bereits während der Münchner Sicherheitskonferenz thematisiert“. Gleichzeitig werden Werte und sicherheitspolitische Interessen benannt, die als unveränderliche Grundlagen dienen. 

Neu: Ursachen auf den Grund gehen

Als nächsten Punkt geht er auf das sicherheitspolitische Umfeld ein, dieses besteht aus einer Vielzahl volatiler Faktoren. Sie stellen zum einen unmittelbare Herausforderungen für die deutsche Sicherheitspolitik dar, wie Terrorismus oder Cyber. Darüber hinaus sind mittelbar wirkende Faktoren wie staatliche Konflikte oder Aufrüstung zu nennen. Eine Neuerung bei diesem Weißbuch ist, dass Herausforderungen nicht einfach präsentiert, sondern aus den Ursachen, den treibenden Faktoren, hergeleitet werden.

Strategie im Fokus

Strategische Prioritäten: Deutschland möchte Sicherheitsvorsorge gesamtstaatlich gewährleisten, will zur Stärkung des Zusammenhalts von NATO und EU beitragen sowie ungehinderte Informations-, Kommunikations-, Transport- und Handelswege sicherstellen. Auch die Krisenfrüherkennung ist unter anderem in diesem Zusammenhang als weiterer Punkt aufgeführt. „Mit dem Weißbuch hat eine Konzentration darauf stattgefunden, wie, also mit welchen Instrumenten der Ressorts eine umfassende Sicherheitspolitik gestaltet werden kann, und das im Einklang mit nationalen und internationalen Organisationen“, subsummiert Breuer, „und das immer unter der Prämisse gesamtstaatlichen Handelns.“

Kontinuität im Wandel

Dieser Ansatz ist ein Novum. Er bietet nicht nur für die Kupplung von Handlungsfeldern, sondern auch für die Ergänzung von Substrategien verschiedener Ressorts sowie die künftige Fortschreibung des Weißbuches bisher nicht gekannte Anknüpfungspunkte und Chancen der Weiterentwicklung. Mit Kontinuität im Wandel könnte die zu Grunde gelegte Systematik gut beschrieben werden. Krisen bis zum Ende der Kette zu denken braucht Zeit. Es entstehen so aber auch Argumentationen, die haltbar sind. Und mit der Methodik ist ein Tool geschaffen, das Transponieren von sicherheitspolitischen Aspekten auf der Basis gesetzter, relevanter sicherheitspolitischer Parameter über die folgenden Jahre hinaus zu ermöglichen. Die Definition von Schnittstellen schafft die Chance, Strategiefähigkeit neu zu denken und Nachhaltigkeit mit Leben zu füllen. Die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen, ist gedanklich neu aufgearbeitet worden. Mit diesem neuen Ansatz trägt das Weißbuch entscheidend zur Bewusstseinsbildung in der Öffentlichkeit bei.  

Grundkonsens als tragender Pfeiler

Das bisherige Presseecho nach der Veröffentlichung, das auch die Themen EU-Verteidigungsministerrat, Einsatz der Bundeswehr im Inneren, Begründung von Auslandseinsätzen oder die Rolle des Bundessicherheitsrates betont, haben General Breuer und seine Mitarbeiter nicht überrascht. Wichtig ist es in diesem Zusammenhang, auf die tragfähige Grundlage der Zusammenarbeit zwischen den Ressorts zu verweisen: „Insgesamt gab es abseits von diesen vier Themenbereichen von Anfang an einen überaus starken Grundkonsens, der Austausch der Ressorts hat funktioniert“, erklärt General Breuer.  

Zukunft der Bundeswehr

Der zweite Teil des Weißbuchs beschäftigt sich mit der Bundeswehr der Zukunft. Auftrag und Aufgaben in einem veränderten sicherheitspolitischen Umfeld, Leitprinzipien, Vorgaben für Fähigkeiten sowie internationales Krisenmanagement werden hier aufgeführt. „Wir müssen für Landes- und Bündnisverteidigung, aber auch für das internationale Krisenmanagement gleichrangig Kräfte vorhalten“, berichtet Breuer.

Neue Wege einschlagen

Wer hier Kästchendenken und fixe Personalstrukturmodelle erwartet, der wird enttäuscht. Die Bundeswehr weiter zu entwickeln sieht heute anders aus. Ganz wichtig: kein Bereich des BMVg und kein Führungsgrundgebiet im nachgeordneten Bereich hat während der Entstehung des Weißbuches seine Planungsarbeit eingestellt. „Die 130 Milliarden der Trendwende Rüstung, der atmende Personalkörper der Trendwende Personal, … viele Entscheidungen fielen mitten in die Weißbuch-Entstehung, weil sie einfach reif waren. Wir haben uns hier natürlich hausintern eng abgesprochen, diese Prozesse durften nicht liegen bleiben.“

Offene Diskussion

Jetzt geht es darum, die sicherheitspolitische Debatte in der Gesellschaft zu verstetigen. Auch aus diesem Grund ist General Breuer mit einem seiner Referenten, Christoph Schwarz, der ihn besonders während der Fragerunde unterstützt hat, nach Hamburg gereist, um neue Perspektiven vorzustellen und Diskussionen anzuregen. Im Anschluss an den Vortrag haben sich besonders die Lehrgangsteilnehmer am LGAN mit Fragen eingebracht, die die beiden Experten mit großer Offenheit, Argumentierfreude und diskursiver Gewandtheit beantworteten.

Resonanz der Zuhörer

„Die uns entgegen gebrachte Wertschätzung, den Lehrgang gleich zu Beginn des Weißbuchs mit einzubinden und mit uns in einen offenen Diskurs zu treten, hat uns sehr gefreut“, sagt Lehrgangsleiter Oberst i.G. Michael Schlechtweg. „Die Erklärung der sicherheitspolitischen Rationale und Narrative war sehr wertvoll, wir wissen General Breuers Vortrag hier sehr zu schätzen.“ Der volle Moltke-Saal an der Akademie dankte den beiden Experten mit einem großen Applaus. Zahlreiche Teilnehmer sagten im Anschluss: „Das waren tolle Einblicke, wir wollen in Zukunft gerne weitere anregende sicherheitspolitische Debatten auf so hohem Niveau erleben.“

 

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