Autor: Marcel Bohnert; Fotograf: Marcel Bohnert

Hamburg, 18.04.2017

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Umfassendes Verständnis für Clausewitz

 

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Reales Kriesenszenario

„Der Krieg ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln“ – Wer hat dieses Carl von Clausewitz-Zitat in seiner Dienstzeit nicht schon häufiger gehört oder sogar selbst benutzt? Die richtige Einordnung dieser Aussage fällt angesichts der Komplexität der von Clausewitz entwickelten Strategietheorie allerdings nicht allzu leicht. Zudem ist das Zitat in der obigen Form nur eine sinngemäße Wiedergabe der Formulierung in seinem Hauptwerk „Vom Kriege“.


Das Clausewitz-Netzwerk für Strategische Studien (CNSS) führte an der Führungsakademie der Bundeswehr ein Strategieseminar durch, um den Clausewitz´schen „Nebel des Krieges“ für ausgewählte nationale und internationale Teilnehmer des Lehrganges Generalstabs-/Admiralstabsdienst 2015 (LGAN 2015) ein wenig zu lüften. In der ersten Woche wurden den Teilnehmern grundlegende Gedankengänge des Militärwissenschaftlers näher gebracht. Prof. Dr. Lennart Souchon vermittelte dabei in Vorträgen die Kernelemente der Militärtheorie. Diese wurden in gemeinschaftlichen Diskussionen vertieft. Im Verlaufe der Woche wurde auf diese Weise unter anderem ein Verständnis für Wahrscheinlichkeiten und Zufälle im Krieg sowie Moralische Größen erworben. Zwei Paneldiskussionen rundeten die erste Seminarwoche ab. Dort wurden die Kernelemente der Theorie in einen Zusammenhang gebracht, um daraus eine Methode zu entwickeln, mit der strategische Lagen tiefgreifend um umfassend erfasst werden können.


Die Seminarleitung der Praxiswoche übernahm Fregattenkapitän Oliver Heinicke. Er wurde dabei zeitweise von Dr. Martin Wolff (Expertise: Philosophie mit Schwerpunkt Konfliktforschung) sowie von Stefan Licht (Expertise: Wirtschaft und Unternehmensberatung) unterstützt. Das Praxisszenario war in die reale und tagesaktuelle Situation eines Konfliktgebietes eingebettet. Die Seminarteilnehmer nahmen die Rolle von Referenten im BMVg ein und wurden damit beauftragt, militärische Handlungsoptionen im Rahmen des gesamtpolitischen Handelns Deutschlands zu entwickeln. Auch wenn der Auftrag die Erstellung einer Tischvorlage vorsah, lag der Schwerpunkt darauf, die Denkprozesse zu erkennen und zu verstehen, die bei der Auftragsanalyse und eigenen Standortbestimmung, der Konfliktanalyse sowie zur Entwicklung zielgerichteter Handlungsoptionen ablaufen. Die Ergebnisse der Praxiswoche wurden dem Direktor Lehre an der Führungsakademie der Bundeswehr, Brigadegeneral Thomas Hambach, in Form eines Tischgespräches vorgetragen.


In der abschließenden Feedbackrunde wurde deutlich, dass das zweiwöchige Seminar begeistern konnte und von allen Teilnehmern als äußerst gewinnbringend empfunden wurde. Das Verständnis davon, wie sehr das Denken von Clausewitz´ die militärischen Führungsprozesse beeinflusst und wie aktuell seine Ideen auch heute noch sind, konnte vermittelt und die Vorstellungen einer verstaubten Theorie aufpoliert werden.

 

Autor: Jörg Barandat; Fotograf: Jörg Barandat / AIRBUS

Hamburg, 13.04.2017

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OTL i.G. a.D. Uwe Krempf: Gehirn macht Strategie - ich denke - also bin ich - also irre ich.

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OTL i.G. Dr. Dr. Kai Busch, Referat Zukunftsanalyse, Planungsamt der Bundeswehr: Hybride Kriege sind keine neue Form der Konfliktaustragung.

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Werksbesichtigung im Anschluss an die Gewährung tieferer Einblicke in „Strategy & Development“ im Konferenzraum

stellte bereits 1955 der französische Ethnologe Claude Lévi-Strauss fest. Was bedeutet dies angesichts des rasanten Wandels, der Multiplexität und Vielschichtigkeit im heutigen Cyber- und Informationsraum und dem damit verbundenen akuten Risiko, dass wir als „Informationsgiganten“ zu „Wissenszwergen“ werden? Und welche Folgerungen sollten wir daraus für unser politisches und strategisches Denken, Planen und Handeln ziehen?

Nachdem in den beiden Seminaren in 2016 Chinas Seidenstraßen-Strategie („One Belt, one Road - Initiative“) thematisiert wurde, rückt im diesjährigen Seminar das Thema „Hybride Machtprojektion“ in den Fokus. Mit Beginn des Seminars richteten sich alle Lerneinheiten -Globalisierung, Strategiegeschichte, Fähigkeiten strategischen Denkens und Kommunikation - in der politischen Machtprojektion bereits an dieser Schwerpunktsetzung aus.

Insbesondere der Beitrag des Planungsamts der Bundeswehr zur Zukunftsanalyse „als Fernlicht der Bundeswehr“ stellte dabei nachfolgend sehr deutlich den Charakter hybrider Kriege/Konflikte heraus:
- Räumlich und zeitlich entgrenzte, dabei meist nur schwer zum Verursacher zurück verfolgbare Machtprojektionen, vorrangig in zivile Gesellschaftsbereiche mit dem Ziel der Unterbrechung, Störung und Lähmung politischer, gesellschaftlicher oder wirtschaftlicher Systeme.
- Nutzung auch verdeckter militärischer Operationen, allerdings möglichst unterhalb der Schwelle eines offenen Krieges.

Der halbtägige Block „Hybride Machtprojektion am Beispiel der russischen „Gerasimov Doktrin““ vertiefte und konkretisierte dann diese Grundlagen weiter durch die Analyse historischer, politischer und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen in Osteuropa, klärte politische Interessenlagen sowie konzeptionelle Grundlagen russischer hybrider Machtprojektion und machte am konkreten Beispiel Balkan Methoden russischer Einflussnahme transparent.

Mit dem abschließenden Besuch bei AIRBUS wurde uns die Möglichkeit eröffnet, vergleichend strategisches Denken in einem sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen Kontext zu betrachten und dabei Gemeinsames wie Unterschiedliches zu entdecken.


Mit diesem Seminar haben wir uns bewusst als Suchende in ein Themenfeld begeben, in der viele politisch-strategische Fragen noch offen sind, sofern überhaupt schon erkannt („unknown unknowns“). Das, was wir bisher an Fake-News-Attacken und -Aktivitäten von „Troll-Fabriken“ erlebt haben, scheinen noch „Testballons“ zu sein, mit denen Akteure Erfahrungen sammeln und ihre Instrumente weiter entwickeln. Möglicherweise werden wir allerdings schon in naher Zukunft komplexen und koordinierten hybriden Angriffen ausgesetzt sein.

Wie sind wir darauf vorbereitet und welche erfolgversprechenden Abwehrstrategien haben wir? Militärisch sind wir wohl operativ-taktisch bei der Bundeswehr und NATO (NATO Handbook of Russian Information Warfare) schon gut aufgestellt. Aber wie sieht es mit unseren Fähigkeiten zur ressortübergreifenden „Gesamtverteidigung“ aus, wenn das Angriffsziel der Zusammenhalt der zivilen Gesellschaft ist?
Wissen, (politische und historische) Bildung, Persönlichkeit und Kultur sind in solchen Formen Hybrider Machtprojektion sehr bedeutsame Ressourcen im Kampf um Resilienz / Widerstandsfähigkeit gegen Desinformations- und Desintegrationskampagnen.

In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, wie fest in unserer Gesellschaft die Wertevorstellungen der europäischen Aufklärung verankert sind. Welche Rolle spielt z.B. die Forderung Immanuel Kants: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen“?
Und wie halten wir Soldaten es mit der, schon vom preußischen Heeresreformer Generalleutnant Gerhard von Scharnhorst gestellten Forderung „Bildung ist Berufspflicht!“ mit dem Ziel der Herausbildung von Selbstdenken und eigener Urteilskraft?

Aus dem Kreis der Teilnehmer waren durchweg positive Bewertungen zu hören. „Das Seminar macht mehr Lust auf mehr Strategie“, kommentierte ein Seminarteilnehmer. Ein anderer zeigte sich ob der „vielen, vielen bunten Bauklötze mit einem sehr offenen Bauleitplan“ begeistert.

Das nächste Seminar Strategisches Denken ist für das erste Quartal 2018 geplant. Auch dann wird es wieder um ein aktuelles politisches Thema gehen, das einen angeregten und vor allem strategischen Diskurs befördern wird.

Weitere Informationen zum Modul 1007 finden Sie über diesen LINK.

 

Autor: Jan Heinsohn; Fotograf: Jürgen Schrödl

Hamburg, 07.04.2017

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Die 40-köpfige Seminargruppe im BMVg

25 zivile und militärische Führungskräfte, darunter je ein Teilnehmer aus Österreich, den Niederlanden, Großbritannien und Frankreich, haben in den letzten fünf Wochen unter Leitung von Oberst i.G Jürgen Schrödl und dem Senior Mentor Generalleutnant a.D. Jürgen Bornemann das Hochwertseminar der Führungsakademie der Bundeswehr „Internationale Höhere Führung 2017“ absolviert.

Zielsetzung des Seminars ist es, die aktuellsten Entwicklungen im Bereich der globalen Sicherheitspolitik vorzustellen und zu diskutieren und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gezielt auf zukünftige Aufgaben im nationalen und internationalen Bereich vorzubereiten. Elementarer Bestandteil ist dabei die Begleitung der Seminargruppe durch einen Senior-Mentor, um jederzeit und möglichst unmittelbar die gemachten Erfahrungen und Eindrücke reflektieren zu können.

 

Einen ausführlichen Artikel über den Seminarverlauf sowie weitere Informationen über diesen Hochwertlehrgang finden Sie unter folgendem Link .

 

 

 

 

New Work –  Die Arbeitswelt von morgen bedeutet Chance und Herausforderung zugleich

Autor: Jan Heinsohn; Fotos: Xing

Hamburg, 05.04.2017

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Die Zukunft der Führungsetagen -  Admiral Stawitzki im Gespräch über den Aufbruch in die neue Arbeitswelt

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Bodo Jassen erläutert neue Führungsprinzipien für mehr Mitarbeiterzufriedenheit

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Persönlichkeit entwickeln und Handlungskompetenz stärken - das steht für den Kommandeur der Führungsakademie an erster Stelle

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Voller Erfolg -  das interaktive Format lässt alle Teilnehmenden mit neuen Impulsen in die Zukunft der Arbeitswelt starten 

Die Welt um uns herum verändert sich in einem rasanten Tempo. Insbesondere die Digitalisierung verändert unseren Alltag, die Art und Weise, wie wir kommunizieren und wie wir konsumieren. Hinzu kommt eine zunehmend starke Veränderungsdynamik der Arbeitswelt. Unternehmen realisieren, dass sie mit traditionellen Führungsmethoden immer schlechter in der Lage sind, im Wettbewerb und gegen den Innovationsdruck zu bestehen. Die Beziehungen zwischen alter Arbeitswelt und neuem Denken erörterten Experten, Vordenker und Praktiker unter dem Titel „Aufbruch in die neue Arbeitswelt“ in interaktiven Formaten auf der New Work Experience 2017, die das Karriere-Netzwerk XING in Berlin veranstaltete. Die Teilnehmer diskutierten die Werte, Haltungen und Ideale sowie die Konsequenzen für Unternehmen und Individuen, die sich aus den erforderlichen Transformationsprozessen ergeben.

Entscheidungsfreudigkeit als Impulsgeber

Um Erfolgsrezepte und persönliche Führungsstile und -philosophien vorzustellen, war der Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr, Konteradmiral Carsten Stawitzki, eingeladen, auf diesem Event mitzudiskutieren. Er sagt: „Die Arbeitswelt hat sich verändert. Die Digitalisierung und die Demographie stellen uns vor große Herausforderungen, die Gesellschaft polarisiert sich zudem zunehmend. Längst ist die „Aufbruchstimmung“ der Jahrtausendwende einer gewissen „Gereiztheit“ gewichen. In Zeiten wie diesen müssen wir als Bundeswehr, ähnlich wie nahezu jedes Unternehmen, eingespielte Strukturen und Prozesse hinterfragen – auch und vor allem gilt das im Bereich des Leadership. Ein „weiter so“, das reicht nicht mehr.“

Wirksame Führung erreicht man seiner Meinung nach im Wesentlichen durch zwei Prinzipien. Einerseits führe erst „eine wahre Gefolgschaft im Sinne des angestrebten Ziels“ zu robusten Führungssituationen. Andererseits seien Entscheidungsfreudigkeit, Risikobereitschaft und damit die Handlungsfähigkeit von militärischen Führern entscheidend und erfolgskritisch. Es geht also darum, die Persönlichkeit des Top-Führungspersonals der Bundeswehr zu entwickeln und deren Handlungskompetenz zu stärken. Notwendig dafür ist ein stabiles Fundament, dem ein Wertesystem („Persönlichkeitsprofil“) und ein klares Selbstverständnis im Sinne einer Unternehmensphilosophie bzw. einer Corporate Identity zugrunde liegen.

Lebenslanges Lernen als Erfolgsfaktor

Laut Konteradmiral Stawitzki ist in diesem Zusammenhang die Aus- und Weiterbildung von Persönlichkeiten von zentraler Bedeutung. Eine Führungskraft sollte damit bei sich selbst beginnen. Er fordert: „Lebenslanges Lernen darf keine Worthülse bleiben!“ Gleichzeitig basiert Führungskompetenz auf zwei Säulen, der sozialen Kompetenz und der Methodenkompetenz. Soziale Kompetenz besteht aus dem Dreiklang „Freiheit, Verantwortung und Respekt“. Die Methodenkompetenz hingegen folgt vor allem einer Leitlinie. Das „Führen mit Auftrag“ ist ein entscheidendes Wesensmerkmal militärischer Führung, da die Zielerreichung über allem steht.

Die Kunst der Führung

Was macht nun gute Führung in der heutigen Zeit aus? Für den Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr bedeutet gute Führung zunächst einmal, sich selbst zu führen. Dabei gilt es, sich immer wieder kritisch zu reflektieren. Gute Führung manifestiert sich in einigen wenigen, vermeintlich einfachen Grundregeln (z.B. zielorientiertes Handeln, Konzentration auf das Wesentliche), die aber jeden Tag gelebt werden wollen. Dafür sei es nicht notwendig, immer neue Begriffe zu erfinden. Konteradmiral Stawitzki führt weiter aus: „Für mich liegt die Kunst der Führung im Entschleunigen und nicht im Beschleunigen. Und, ganz wichtig: Anstatt immer nach vermeintlich besseren, damit neuen und wirkungsvolleren Methoden zu rufen, sollten wir manchmal einfach MACHEN!“

Hier gelangen Sie zur Veranstaltung -> New Work Experience <-

 

 

 

Autor: Major Nicolai Völker, OFA Dr. Michael Froneberg; Fotos: Major Nicolai Völker, OFA Dr. Michael Froneberg

Hamburg, 03.04.2017

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„Krisenstrategien" - Zusammenhang von Global Health und Secrurity

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Flottillenarzt Dr. Haggenmiller führte fachkompetent in die Thematik ein

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Gesundheit weltweit anstreben - Oberfeldarzt Benner über die gemeinsame grenzüberschreitende Kooperation

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Kein Thema nur für Ärzte - Zusammenarbeit bildet die Zielsetzung des Seminars

„Global Health“ und „Security“ – zwei Begrifflichkeiten, die im Allgemeinen getrennt voneinander betrachtet werden. In der Krisensituation fällt jedoch auf, dass ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen ihnen besteht. Diesen aufzuzeigen und den Lehrgangsteilnehmern der nationalen General- und Admiralsstabdienstausbildung zu verdeutlichen, war die Zielsetzung des Seminarblocks „Krisenstrategien“. Traditionell ausgerichtet und organisiert vom Fachbereich Politik- und Gesellschaftswissenschaften der Führungsakademie fand deshalb das zuletzt durchgeführte Seminar in enger Zusammenarbeit mit dem Bereich Sanitätsdienst und Gesundheitswissenschaften statt.

Umfassende Betrachtung

Unter den Schlagworten Globale Gesundheit und Sicherheit sollten die Seminarteilnehmer eine umfassende, ressortübergreifende Darstellung der Zusammenhänge zwischen „Global Health“ und „Security“ sowohl auf politischer als auch operativer Ebene erhalten. An der Veranstaltung nahmen auch Vertreter des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) sowie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) teil.

Potenzieller Krisenfaktor

Unter der Federführung von Oberfeldarzt Thomas Benner und mit Unterstützung des Flottillenarztes Dr. Christian Haggenmiller näherten sich die am Seminar teilnehmenden der Thematik durch Impulsvorträge, Literaturrecherche und eigen erstellte Präsentationen. Jeder erblickte sehr schnell, dass Krankheiten das Potenzial haben, globale Krisen auszulösen. Die „spanische Grippe“ von 1918, aber auch aktuelle Fälle wie SARS, EHEC oder der letzte Ebola-Ausbruch in Liberia, Sierra Leone und anderen west-afrikanischen Staaten waren einige der beleuchteten Beispiele.

Zusammenarbeit gefordert

Exemplarisch zeigten diese die Relevanz multinationaler Kooperationen im Gesundheitssektor auf allen Handlungsebenen. Das Fazit lautete: Gesundheit weltweit anzustreben bedeutet, gemeinsam die grenzüberschreitende Dimension von Krankheiten und Gesundheitsrisiken zu erkennen. Ebenso im Fokus muss das Erarbeiten von ganzheitlichen Lösungen stehen – von der Entwicklung politischen Richtlinien bis hin zur Koordination der Kooperation von Akteuren am Ort der Krise.

Ressortübergreifende Aufgabe

Die verschiedenen Blickwinkel auf die Themenstellung brachten die Vorträge der externen Vertreter. Dr. Mathias Bonk von der WHO beleuchtete den globalen Aspekt, während Heiko Warnken (BMZ) und Annette Bremer (GIZ) im Anschluss die nationale Perspektive im Umgang mit dieser Thematik aufzeigten. „Global Health“ ist ressortübergreifend bei der Betrachtung von Krisenstrategien relevant – auch mit Schnittmengen für die Bundeswehr, wenn man Gesundheit im Zusammenhang mit Sicherheit betrachtet. Nicht also nur Thema für Ärzte – dies deutlich zu machen, war Ziel des Seminars.

 

Autor: Jürgen Schrödl; Fotograf: Jürgen Schrödl

Hamburg, 07.04.2017

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Washington D.C. - vor Ort ein Gespür für die Entscheidungsprozesse gewinnen

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 Seminargruppe im NATO-HQ in Brüssel

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 Die deutsche Botschaft in Rom

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Teilnehmer des Seminars im deutschen Institut für internationale Politk und Sicherheit

Sicherheitspolitische Grundlagen

Die erste Seminarwoche des fünfwöchigen Hochwertlehrganges fand im Hörsaal an der Führungsakademie in Hamburg statt. Im Vordergrund standen dabei eine breite Palette sicherheitspolitischer Themen, die sich mit aktuellen Fragen und Herausforderungen der deutschen und europäischen Außen- und Sicherheitspolitik sowie den wichtigsten internationalen Akteuren und Organisationen der globalen Sicherheitsarchitektur befassten. Eine Leitfrage begleitete die Lehrgangsteilnehmerinnen und Lehrgangsteilnehmer dabei durchgängig. „Welche sicherheitspolitische Rolle wird heute von Deutschland international erwartet und welche Führungsrolle können und wollen wir wahrnehmen?“

Ausbildungsreise nach Rom

Die zweite Woche des Seminars „Internationale Höhere Führung 2017“ war von den sicherheitspolitischen Herausforderungen der NATO-Südflanke, den EU-Außengrenzen und Migrationsfragen geprägt. Im Rahmen einer Reise des Seminars nach Rom konnten bei intensiven Gesprächen mit Führungskräften im italienischen Verteidigungs- und Innenministerium die sicherheitspolitischen Herausforderungen dieser Region nicht nur vertieft, sondern auch ein Gefühl dafür gewonnen werden, mit welchen Fragen wir uns zukünftig noch intensiver als bisher beschäftigen werden müssen. Welche Erwartungen hier bereits heute und zukünftig an Deutschland gestellt werden und wie es gilt, sich im europäischen Rahmen dafür aufzustellen, konnte auch mit der Deutschen Botschaft sowie der Konrad-Adenauer Stiftung in Rom eingehend analysiert und diskutiert werden.

Vereinten Nationen im Fokus

Mit einem Besuch in New York wurde die dritte Seminarwoche eingeläutet. Die Deutsche Ständige Vertretung bei den Vereinten Nationen bildete den Einstieg zu intensiven Diskussionen über die anstehende deutsche Kandidatur für den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen und die Möglichkeiten und Grenzen des Peacekeeping. Vor Ort wurde die Seminargruppe durch den Militärischen Berater der Ständigen Vertretung, Oberst.i.G. Klaus Merkel betreut, der nicht nur hochrangige Gesprächspartner für die Gruppe zu den aktuellen Entwicklungen der Reform des Peacekeeping vermittelte, sondern es sich auch nicht nehmen ließ, mit den Seminarteilnehmerinnen und Seminarteilnehmern die Generalversammlung und den Sicherheitsrat zu besuchen, um direkt vor Ort ein Gespür für die Entscheidungsprozesse dieser Organisation zu vermitteln.

Washington - der sicherheitspolitische Hotspot

Am Mittwoch der dritten Woche traf die Gruppe in der amerikanischen Hauptstadt Washington D.C. ein. In der deutschen Botschaft sprachen die Seminarteilnehmer unter Leitung des Verteidigungsattachees Flottillenadmiral Thomas Ernst sowohl mit der Leiterin der politischen Abteilung Frau Helga Barth als auch mit dem Leiter der Wirtschaftsabteilung Herrn Peter Rondorf über die jüngsten Entwicklungen seit der Wahl und dem Amtsantritt des US-Präsidenten Donald Trump. Der erste Besuch der Bundeskanzlerin beim neuen US-Präsidenten in Washington, der nur 5 Tage zuvor stattgefunden hatte, bildete ebenfalls einen wichtigen Bezugspunkt, um die jüngsten Entwicklungen und politischen Tendenzen in den USA nachzuvollziehen und Schlussfolgerungen für die transatlantischen Beziehungen ableiten zu können. Am Folgetag wurde das Department of State besucht, wo auch drei Monate nach dem Amtsantritt von Donald Trump politische Kernpositionen immer noch aus innenpolitischen Gründen unbesetzt sind. Das Themenspektrum der intensiven Gesprächsrunde reichte hier von der Europäischen Union über die NATO und Türkei bis hin zum Nahen und Mittleren Osten sowie der Migrationsproblematik. Auch die Frage, ob Deutschland das in Wales vereinbarte 2%-Ziel erreicht, war wie schon oft zuvor im Mittelpunkt der Diskussionen. Zwei Kernaussagen wurden dabei von amerikanischer Seite immer wieder betont: Zum einen wird erwartet, dass Deutschland seine 2%-Zusage einhält und zum anderen wird von Deutschland in Europa, der NATO und im Kampf gegen den internationalen Terrorismus eine Führungsrolle erwartet, die seiner wirtschaftlichen und politischen Bedeutung entspricht. Um das teilweise diffuse Meinungsbild in den USA besser verstehen zu können, hatte das Seminar "Internationale Höhere Führung 2017“ die Möglichkeit auch mit Angehörigen von drei Think-Tanks zu diskutieren. Das Center for Strategic and International Studies (CSIS), das Brooking Institute und die Heritage Foundation wurden besucht. Gerade diese Diskussionen und der Besuch beim Committee on Armed Services des US House of Representatives sowie die aktuellen politischen Entwicklungen bei Obama Care, die während des Aufenthaltes des Kurses das Hauptthema in den US-Medien waren, zeigten, dass die in der US-Verfassung angelegten Balance of Powers trotz Twitter und Fake News uneingeschränkt funktionieren und die gewählten Abgeordneten im Senat und Repräsentantenhaus die Möglichkeit und Macht haben, den Kurs der amerikanischen Politik entscheidend mitzubestimmen. Abgerundet wurde der Besuch in Washington mit dem Themenspektrum Ökonomie und Sicherheitspolitik beim IWF und der Weltbank. Mit Vertretern beider Organisationen konnten die Teilnehmer über weltweite Armutsbekämpfung, humanitäre Hilfe, die Herausforderungen von "Failed States", den Klimawandel und die Flüchtlingsthematik diskutieren und so auch wichtige Punkte im Rahmen eines vernetzten sicherheitspolitischen Ansatzes vertiefen.

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Autor: Maximilian Voß; Fotografin: Laura Clayborn

Hamburg, 31.03.2017

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Gemeinsamer Startpunkt für die Teilnehmer

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Grundlagen der operativen Planung als wesentliches Fundament für die Weiterbildung an NATO-Einrichtungen

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Oberstleutnant Schulz begrüßt General Baehr

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General der Spezialkräfte zu den künftigen Herausforderungen

 

 

„Planungsprozess COPD für zukünftiges SOCC Stabspersonal“ – hinter dieser sperrigen Bezeichnung verbirgt sich ein speziell auf die Bedürfnisse der Spezialkräfte der Bundeswehr abgestimmter Pilotlehrgang an der Führungsakademie. Die Zielgruppe dieses Seminars sind Führungskräfte, die künftig eine Tätigkeit in einem der Kommandos für spezialisierte Operationen auf nationaler oder internationaler Ebene aufnehmen werden.

NATO-Vorgaben im Fokus

„Der Lehrgang bildet die Grundlage für spätere Planungslehrgänge an der NATO Special Operations School in Belgien“, erklärte Oberstleutnant Christoph Schulz. Er ist der zuständige Fachdozent aus dem Bereich Heer der Akademie und war mit der Leitung des Seminars betraut. „Daher steht die Vermittlung von Grundlagen, beispielsweise die Vorstellung und praktische Anwendung der NATO-Vorgaben zur Operationsplanung, der Allied Command Operations COMPREHENSIVE OPERATIONS PLANNING DIRECTIVE (COPD), hier im Fokus“, sagte er.

Grundlagen schaffen

„Dieser Pilotlehrgang ist insbesondere geprägt durch seine streitkräftegemeinsame als auch multinationale Ausrichtung“, berichtete Schulz. Die Schaffung eines gemeinsamen Startpunktes für alle Teilnehmer sei daher von besonderer Bedeutung. Die allgemeine Einführung in die Grundlagen der operativen Planung sowie die Abgrenzung zwischen taktischer, operativer, militärstrategischer und politischer Ebene standen deshalb an erster Stelle. In einem zweiten Schritt wurden ausgewählte Phasen des Planungsprozesses detaillierter betrachtet und später in einzelnen Kleingruppen die jeweiligen Schritte praktisch erarbeitet.

Aktueller Praxisbezug

Einen aktuellen Praxisbezug erhielten die 17 Teilnehmer aus den Verbänden der Spezialkräfte des Heeres, der Marine, der Luftwaffe und des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr durch die Teilnahme und ergänzenden Beiträge von Gastreferenten aus den unterschiedlichsten Bereichen, beispielsweise aus dem NATO-Hauptquartier der Spezialeinheiten oder dem amerikanischen AFRICA COMMAND (U.S. AFRICOM). Auch der General der Spezialkräfte der Bundeswehr, Brigadegeneral Dag Baehr, stattete dem Seminar, welches maßgeblich auf seine Initiative zurückzuführen ist, einen persönlichen Besuch ab und ordnete die Lehrgangsinhalte in seinem Grußwort in aktuelle Entwicklungen und zukünftige Herausforderungen für Deutsche Spezialkräfte ein.

Intensiver Gedankenaustausch

„Insbesondere für die jüngeren Offiziere bildete das Seminar eine Plattform, um erste Erfahrungen mit dem Planungsprozess der NATO zu sammeln“, weiß Schulz. „Folglich entwickelte sich sehr zu meiner Freude in Kombination mit den weiterführenden Fragen und Ergänzungen einiger erfahrener Stabsoffiziere eine rege Beteiligung und ein sehr guter themenbezogener Gedankenaustausch.“ Besonders hervorzuheben sei der Beitrag eines Experten vom Joint Warfare Center aus Stavanger, Norwegen, der mit einigen Praxisbeispielen und viel Erfahrung den angehenden Führungskräften hilfreiche Tipps & Tricks für die Zukunft mitgeben konnte.

Positive Bilanz

„Am Ende zogen die Teilnehmer eine positive Bilanz und gaben sehr gute Anregungen für mögliche Erweiterungen und Anpassungen dieses gelungenen Auftaktes“, berichtete Schulz. „Insgesamt ist es ein erfolgreicher Pilotlehrgang gewesen, der für alle eine solide Basis für die künftigen Weiterbildungen an der NATO Special Operations School legen konnte“, fasste der Seminarleiter zusammen.

 

Autor: Maximilian Voß; Fotograf: Andreas Amann

Hamburg, 30.03.2017

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Kommandeur bei der sicherheitspolitischen Konferenz der SPD-Bundestagsfraktion

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Reger Austausch und viele Nachfragen

Eine gemeinsame europäische Außen- und Verteidigungspolitik rückt vor dem Hintergrund des Brexit und des Wechsels in der US-Administration stärker in den Fokus der politischen Verantwortungsträger. Unter dem Titel „Impulse für eine europäische Verteidigungsunion“ führte deshalb die SPD-Bundestagsfraktion eine sicherheitspolitische Konferenz in Berlin durch. Konkret ging es um die Frage, ob und inwiefern die Mitgliedstaaten der Europäischen Union in der Außen- und Verteidigungspolitik noch enger kooperieren könnten. So diskutierten die Teilnehmer beispielsweise über bisherige Kooperationen deutscher Streitkräfte sowie über die bestehenden Probleme der gemeinsamen militärischen Beschaffungen von Material und Großgerät.

Langer Weg zur gemeinsamen Führungskultur

Die unterschiedlichen militärischen Kulturen lassen auch die Frage nach einer Harmonisierung, beispielsweise durch eine gemeinsame europäische Führungsakademie, aufkommen. Um diese Idee zu beleuchten, war der Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr, Konteradmiral Carsten Stawitzki, eingeladen diese Veranstaltung zu begleiten. Er weiß: „Die Etablierung eines gemeinsamen Führungsverständnisses und einer Führungskultur ist ein sehr langer Prozess.“ Nach seiner Erfahrung sei Europa im Bereich Führungskultur aber schon sehr weit.

Pragmatischer Ansatz gefordert

„Das Austauschen von Gedanken, das Miteinander, ist eine große Stärke von uns Europäern. Eine gemeinsame Akademie könnte dem einen Rahmen geben.“ Er unterstrich, dass ein gemeinsames Personalentwicklungsziel von entscheidender Bedeutung sei. Erst daraus lassen sich die Ziele und Inhalte der Lehre ableiten. Er warnte davor, dass ein Harmonisierungsstreben nicht in einer „beliebigen Gleichmacherei“ enden dürfe und forderte einen pragmatischen Ansatz.

 

Livestream-Mitschnitt der Fachkonferenz "Impulse für eine europäische Verteidigungsunion"  der SPD Bundestagsfraktion im Internet

 

Autor: Jürgen Schrödl; Fotograf: Jürgen Schrödl

Hamburg, 07.04.2017

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Sicherheitspolitische Gespärche im Fokus - Natohauptquartier in Brüssel

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General Peter Pavel Vorsitzender des NATO - Militärausschusses

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Fototermin in der Säulenhalle des Bendlerblocks

Zusammen mit 12 zusätzlichen amerikanischen Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Ebene A16+ wurde das Seminar „Internationale Höhere Führung 2017“ in der vierten Lehrgangswoche mit sicherheitspolitischen Gesprächen in Brüssel fortgesetzt. Im Fokus standen dabei die aktuellen Entwicklungen in der NATO und der Europäischen Union. Das Zusammentreffen mit gleichrangigen amerikanischen Stabsoffizieren/Beamtinnen und Beamten diente dabei nicht nur zum Meinungs- und Informationsaustausch über die jeweilige nationale Position sondern auch zum Aufbau von Beziehungen und Kontakten und zur Vertiefung der transatlantischen Partnerschaft. Generalleutnant Hans-Werner Wiermann, Military Representative der deutschen Delegation bei der NATO und der Europäischen Union empfing am Montag die Gruppe im NATO-Hauptquartier in Brüssel und stellte in einem eindrucksvollen Vortrag die Entwicklung und die aktuellen strategischen Herausforderungen der Allianz vor.

In einer anschließenden Diskussion mit dem amerikanischen, spanischen und litauischen Military Representative wurde die Komplexität der Konsensfindung und gemeinsamen Risikoperzeption innerhalb der NATO besonders deutlich. Ein Höhepunkt der gesamten Reise war das darauf folgende einstündige Gespräch mit dem Chairman Military Committee der NATO, General Peter Pavel, der seine Gedanken zu den kommenden Herausforderungen der NATO von der kollektiven Verteidigung über das Krisenmanagement bis hin zu Cyber-Warfare, hybride Kriegsführung, mit den Lehrgangsteilnehmern lebhaft und offen diskutierte. Am Nachmittag ging es dann in das Supreme Headquarters Allied Powers Europe (SHAPE), wo die Gruppe vom Nationalen deutschen Vertreten, Brigadegeneral Michael Oberneyer empfangen wurde, bevor der Stab des Hauptquartiers zu aktuellen Entwicklungen militärstrategischen Handelns vortrug. In einer 90 minütigen Diskussionsrunde, geleitet von General Werner Freers konnte die internationale Gruppe noch auf höchstem militärstrategischen Niveau aktuelle operative Fragen vertiefen und internationale höhere Führung hautnah erleben. Am nächsten Tag stand die Europäische Union im Mittelpunkt des Seminars.

Bei der deutschen Ständigen Vertretung der Europäischen Union hatten die Seminarteilnehmerinnen und -teilnehmer die Möglichkeit, mit Botschafter Michael Flügger zur Global Strategy der EU zu diskutieren und so einen Eindruck über die Zielsetzungen der Gemeinschaft zu bekommen. Oberst i.G. Koch gab darüber hinaus einen sehr detaillierten Überblick über die aktuellen Kernthemen bei der Common Security and Defence Policy (CSDP). Am Nachmittag hatte die Seminargruppe abschließend die Möglichkeit, das Europäische Parlament zu besuchen. Nach einem kurzen Besuch des eindrucksvollen Plenarsaals konnten in einem Gespräch mit dem Europaabgeordneten Elmar Brok aktuelle Fragen Europas vom Brexit über die Türkei bis hin zur Frage einer europäischen Armee diskutiert und perspektive Entwicklungsmöglichkeiten der EU gemeinsam erörtert werden.

Sicherheitspolitischer Dialog in Berlin

Nach dem Besuch in Brüssel wurde der sicherheitspolitische Dialog in Berlin fortgesetzt. Dabei standen die deutschen Positionen zur Außen- und Sicherheitspolitik im Fokus. Der Auftakt erfolgte im Internationalen Konferenzraum des Kanzleramtes. Oberst i.G. Schulz, Gruppenleiter 22, begrüßte die nun 40 Personen umfassende Seminargruppe. In einem kurzen Vortrag stellte er die Struktur der Exekutive dar und ging insbesondere auf die Vermittlerrolle des Kanzleramtes zwischen den Bundesministerien ein. Außerdem gab er einen Einblick in die aktuellen sicherheitspolitischen Kernthemen des Kanzleramtes, wobei auch hier die 2%-Problematik gerade von amerikanischer Seite von großem Interesse war. Hohe Gastfreundschaft erlebte die Seminargruppe im Rahmen eines Empfanges in der österreichischen Botschaft in Berlin. Botschafter Marschik begrüßte nicht nur die Gruppe, sondern nahm sich lange Zeit, die außen- und sicherheitspolitischen Prioritäten darzulegen und mit den Teilnehmern das offene Gespräch zu suchen.

Weiterer Höhepunkt des Seminars war der Besuch des Verteidigungsausschusses des Deutschen Bundestages. Gemeinsam mit dem Vorsitzenden Wolfgang Hellmich und den Abgeordneten Gisela Manderla und Rainer Arnold konnte die Seminargruppe im Paul-Löbe-Haus die sicherheitspolitischen Lage im Nahen Osten und Syrien, Osteuropas und der Ukraine sowie die Einsätze der Bundeswehr diskutieren. Auch über die Thematik der Personalentwicklung der Streitkräfte, Verhandlungen um den Einzelplan 14 und das transatlantische Verhältnis wurde eingehend gesprochen. Am Folgetag hatte die Seminargruppe die Gelegenheit sich mit Frau Bettina Cadenbach, der Beauftragten für Sicherheitspolitik im Auswärtigen Amt auszutauschen. Ihrerseits wurde betont, dass deutsche Außen- und Sicherheitspolitik Friedenspolitik ist, multilateral gestaltet wird und sich dem Ansatz der Vernetzten Sicherheit verpflichtet sieht. Vor allem mit den amerikanischen Seminarteilnehmern kam es zu einer sehr lebhaften Diskussion über eine mögliche bzw. sogar notwendige deutsche Führungsrolle im Bereich der Außen- und Sicherheitspolitik in Europa. In der anschließenden Gesprächsrunde bei der Stiftung Wissenschaft und Politik hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Gelegenheit sich reflektierend auf die bisherigen Erkenntnisse auszutauschen und aktiv die transatlantischen Beziehungen zu besprechen.

Trotz aller nationalen Problemstellungen und Schwierigkeiten herrschte Übereinstimmung, dass nur gemeinsam die Herausforderungen der Zukunft gelöst werden können und dass es darauf ankommt einen konstanten und ehrlichen Dialog nicht übereinander sondern miteinander zu führen. Auch über Themen der Inneren Sicherheit Deutschlands wurde gesprochen. Im Rahmen eines Vortrages im Bundesministerium des Inneren (BMI) konnte Dr. Sven Berger, der Referatsleiter für Organisierte Kriminalität, der Seminargruppe einen Einblick in den Kampf gegen die aktuellen Bemühungen des BMI geben. Hierbei wurde auch über die Schwierigkeiten bei der Verbrechensbekämpfung, der Drogenkriminalität, dem Menschenschmuggel, der illegalen Einwanderung und dem Einsatz der Bundeswehr im Inneren gesprochen. Der inhaltliche Abschluss des sicherheitspolitischen Dialogs mit unserem transatlantischen Partner erfolgte im Bundesministerium der Verteidigung. Nach der Begrüßung durch den Parlamentarischen Staatssekretär Dr. Brauksiepe wurden durch Referatsleiter und Unterabteilungsleiter aktuelle Eckpunkte deutscher Sicherheits- und Verteidigungspolitik besprochen und diskutiert. Ein besonderer Fokus lag hier bei der NATO-Ost und NATO-Süd-Flanke sowie den damit verbundenen politischen und militärstragischen Herausforderungen. Nach insgesamt acht Tagen umfassendster Einblicke in die europäische als auch in die deutsche Außen- und Sicherheitspolitik sowie intensiver Diskussionen und einem attraktiven Kulturprogramm am Wochenende in Berlin und Potsdam wurden die amerikanischen Seminarteilnehmer am Ende der vierten Woche von der Gruppe verabschiedet und traten die Rückreise in die USA an.

Zurück an der Führungsakademie

Die letzte Woche des Seminars „Internationale Höhere Führung 2017“ fand wieder im Hörsaal an der Führungsakademie der Bundeswehr statt. Aktuelle Entwicklungen in der Rüstungspolitik, der Rechtsrahmen der Auslandseinsätze der Bundeswehr, die sicherheitspolitische Dimensionen des Weltraums, Cyber- und kritische Infrastruktur und die Türkei standen im Fokus der Vorträge und Debatten. Gemeinsam mit Heinz Schulte, dem Chefredakteur der Griephan Briefe Redaktion diskutierte die Seminargruppe auf höchstem sicherheitspolitischen Niveau abschließend über die zukünftigen Handlungsmöglichkeiten und alternative Entwicklungsmöglichkeiten der Bundeswehr. Am Freitag, dem 7. April 2017, endete ein hochinteressantes Seminar, das insbesondere durch die Reisen in die Kernzentren westlicher Sicherheitspolitik außergewöhnliche Einblicke eröffnete und ein breites sicherheitspolitisches Kompetenzspektrum für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer geschaffen und einen wichtigen Beitrag zur Festigung der transatlantischen Beziehungen geleistet hat.

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Autor: Jens Landau; Fotografen: Bundeswehr / diverse

Hamburg, 27.03.2017

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Unterschiedliche Uniformen – Gleiches Mindset

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Combined und Joint! Analyse des Konfliktes

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Tradition und eindrucksvolle Architektur

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GenLt Pope über militärische Beziehungen

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Kennenlernen von Land und Leuten: St. Louis

Die Teilnehmer der Generalstabs- und Admiralstabsausbildung, die Lehrgangsteilnehmer des Jahrgangs 2015, tauschten für knapp zwei Wochen ihren Lernort, die heimische Führungsakademie der Bundeswehr gegen das Command and General Staff College im amerikanischen Fort Leavenworth ein. Hintergrund der Reise war die alljährlich stattfindende internationale Stabsübung „EAGLE OWL“, bei der unter anderem amerikanische, britische und deutsche Soldatinnen und Soldaten gemeinsam ihre Führungsverfahren auf der Ebene einer Heeresbrigade anwandten, voneinander lernten und Netzwerke für zukünftige gemeinsame Aufgaben bildeten.

Traditioneller gegenseitiger Austausch

Im Rahmen der seit 50 Jahren bestehenden Partnerschaft beider Akademien nahm bereits im Dezember des vergangenen Jahres eine amerikanische Delegation an einer ähnlich angelegten Übung in Hamburg teil. Nunmehr reisten zehn deutsche und zwei internationale Lehrgangsteilnehmer in die USA zum Gegenbesuch. Im Fokus der jetzigen Reise stand die Integration in eine multinationale Stabsübung, in der es um die Lösung eines zwischenstaatlichen Konfliktes bei gleichzeitigen hybriden Bedrohungen ging. Dazu wurden mehrere internationale Führungsprozesse genutzt und im Vorfeld gegenseitig unterrichtet. Ein amerikanischer Teilnehmer stellte dabei heraus: „Die kulturellen Unterschiede und verschiedenartigen Verfahren spielen letztlich nur eine geringe Rolle. Am Ende führen die gemeinsamen Werte und Traditionen sowie die vergleichbare militärische Sozialisierung zu schnellen und kreativen Lösungen.“

Command and General Staff College – Think BIG

Die innerhalb der US Landstreitkräfte als „Intellektuelles Zentrum“ bekannte Ausbildungseinrichtung beeindruckte die Besucher nicht nur durch seine Tradition und Architektur, sondern insbesondere durch die schieren Ausmaße. In über 80 Hörsälen werden hier unter anderem die Stabsoffiziere des amerikanischen Heeres in einem einjährigen Kurs aus- und weitergebildet. Dabei umfasst die Lehre Themen wie Militärgeschichte, Führungskultur und militärische Planung. Der Auftrag der Akademie ist klar formuliert, aber in seiner Tragweite nahezu unendlich: „Preparing the Army and its leaders for war“. Bereichert wird die Akademie zusätzlich durch Lehrgangsteilnehmer aus verschiedenen Partnernationen wie z.B. Südkorea, Serbien oder Indien. Auch Deutschland entsendet jedes Jahr zwei Absolventen der Generalstabs- und Admiralstabsausbildung.

„Militärische Zusammenarbeit über die Grenzen alternativlos“

Zu einem der Höhepunkte der Reise gehörte der sicherheitspolitische Vortrag des britischen Generalleutnants Nick Pope, der in seinen Ausführungen die internationalen militärischen Beziehungen seines Landes sowie deren Entstehung beleuchtete. „Beziehungen zwischen Nationen können an den ungewöhnlichsten Orten und aus den ungewöhnlichsten Gründen entstehen. Unsere britisch-amerikanische entstand auf dem Schlachtfeld.“ In der Folge thematisierte er die Bedeutung gemeinsamer Werte und Interessen und unterstrich abschließend mit einem Zitat von Winston S. Churchill die Notwendigkeit von militärischen Kooperationen trotz möglicher Schwierigkeiten: „There is only one thing worse than fighting with allies; and that is fighting without them.“

Tiefe Einblicke in die amerikanische Kultur

Neben der gemeinsamen Planung einer militärischen Mission und dem Kennenlernen fremder Führungsprozesse waren vor allem die kulturellen Programmpunkte ein Gewinn für die Reise. Der Besuch des eindrucksvollen World War I Museums in Kansas City, die gemeinsame Teilnahme an Sportveranstaltungen, aber insbesondere der intensive und freundschaftliche Austausch zwischen den Soldaten verschiedener Nationen erzeugten ein tiefes gegenseitiges Verständnis der jeweiligen kulturellen Besonderheiten. Ein Lehrgangsteilnehmer fasste den Kern der Reise treffend zusammen: „Wir haben hier ein Fundament für die Zusammenarbeit mit Verbündeten in multinationalen Stäben oder in Einsätzen gelegt, auf das wir zukünftig bauen und von dem wir noch lange profitieren werden können“.

 

Autor: Matthias Wittenburg; Fotografin: Katharina Junge

Hamburg, 21.03.2017

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Teilnehmer der ,,Arbeitsgruppe Führungskultur"

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Kommandeur zu den Herausforderungen in der Führungskräfteentwicklung

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Bundeswehr muss den individuellen Ansprüchen potenzieller Bewerber genügen

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Dialog fördern, Austausch intensivieren

„Der Erfolg einer Unternehmung entscheidet sich durch gute Führung“ - diese Aussage des Kommandeurs des Zentrums für Innere Führung der Bundeswehr, Generalmajor Reinhardt Zudrop, konnten alle Teilnehmer der „Arbeitsgruppe Führungskultur“ unterschreiben. Das Gremium traf sich gerade zur Auftaktveranstaltung an der Führungsakademie der Bundeswehr. Unter dem Vorsitz des Kommandeurs der Akademie, Konteradmiral Carsten Stawitzki, diskutierten zwanzig hochkarätige Experten aus Bundeswehr, Verwaltung und Wirtschaft über Aspekte zeitgemäßer Führungskonzepte. Vorausgegangen war im Herbst des vergangenen Jahres ein „Runder Tisch“ unter Leitung der Bundesministerin der Verteidigung. Im Anschluss wurde diese Arbeitsgemeinschaft mit dem Ziel eingerichtet, das Thema weiter zu beleben.

Individualisierung und veränderte Arbeitswelten

Impulsvorträge begleiteten die lebhafte Diskussion, deren Schwerpunkt auf den spezifischen Herausforderungen der Bundeswehr als moderner Arbeitgeber lag. „Der geschlossene Personalkörper der Streitkräfte führt dazu, dass wir uns darauf einstellen müssen, Führungspotenzial systematisch zu entwickeln“, stellte Admiral Stawitzki klar. „Wir müssen uns heute selbstverständlich mit Themen wie Chancengleichheit, Work-Life-Balance und Vernetzung auseinander setzen.“ Dass dies auch neue Wege in der Personalentwicklung nötig macht, brachten mehrere Teilnehmer auf den Punkt: Die Bundeswehr muss vermehrt darüber nachdenken, wer für eine bestimmte Aufgabe am besten geeignet sei, unabhängig vom Dienstgrad oder der Dienstzeit einer Funktion. Gerade die aktuellen Jahrgänge der Berufseinsteiger würden hierzu jedoch Anforderungen stellen, denen die Bundeswehr bislang nur teilweise nachkommen könne.

Innere Führung in der Bundeswehr

General Zudrop und der stellvertretende Vorsitzende des Beirats für Fragen der Inneren Führung, Rolf Clement, erläuterten in ihren Vorträgen den kontinuierlichen Wandel der Führungskultur innerhalb der Bundeswehr. Dieser ist nach Aussage Zudrops beispielsweise durch das Aussetzen der Wehrpflicht, die neuen Herausforderungen in den Einsätzen, aber auch durch Aspekte wie individuelle Berufsansprüche an den Arbeitgeber geprägt. Zwar lautet der einfachste Befehl seit jeher schlicht „Mir nach!“. Damit allein könne den heutigen Herausforderungen jedoch nicht mehr begegnet werden. Die Komplexität der Aufgabe der Streitkräfte erfordert, so das einhellige Urteil der Teilnehmer, insbesondere eine Abwägung zwischen autoritärer und kooperativer Führung.

Kontinuierlicher Dialog

Die „Arbeitsgruppe Führungskultur“ trifft sich künftig in regelmäßigen Abständen zu weiteren Gesprächen. Gastgeber der nächsten Veranstaltung wird dabei das Zentrum für Innere Führung der Bundeswehr in Koblenz sein. Ziel ist es, neben einer Fortsetzung der Diskussion auch neue Wege für einen intensiveren Austausch zwischen zivilen und militärischen Führungskräften zu begehen.

 

Aufbruch zur Entdeckung Europas

Autor: Maximilian Voß; Fotograf: Bundeswehr/Internet

Hamburg, 20.03.2017

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Auftakt der Europareise - das europäische NATO-Hauptquartier

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Treffen mit Vertretern der NATO und EU

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Erläuterungen zu militärischen Vorgehensweisen der afrikanischen Streitkräfte

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Grenzübergang auf den Golanhöhen

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Besuch bei der Presidential Guard in Jericho

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Reisegruppe „Frankreich und United Kingdom"

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Hauptsitz der Vereinten Nationen in Genf

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NATO Communications and Information Agency

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“Schwerter im Felsen” –  Stavanger

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Besuch der Vereinten Nationen in Wien

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Operatives Hauptquartier der NATO in Neapel

Europa und die Welt – die Teilnehmer der Generalsstabs- und Admiralstabsdienstausbildung an der Führungsakademie in Hamburg brachen zu einer Seminarreise auf, um relevante Sicherheitsorganisationen und Staaten kennenzulernen. Brüssel als europäische Metropole und Hauptstadt der Europäischen Union stand als erstes Ziel auf dem Reiseplan. Von hier aus besuchte die Seminargruppe das europäische NATO-Hauptquartier bei Mons sowie das unterstellte Oberkommando im niederländischen Brunssum. Die Zusammentreffen mit hochrangigen Vertretern dieser Einrichtungen sowie der Militärausschüsse der NATO und der EU ließen tiefe Einblicke in die Struktur und Arbeitsabläufe beider Organisationen zu. Im Anschluss gliederte sich die Seminargruppe in acht kleinere Teile auf. Diese setzten ihre Reise mit unterschiedlichen Zielen fort, von Norwegen bis Ghana.

Entlang der Ostseeküste

Der stellvertretende Kommandeur der Führungsakademie, Flottillenadmiral Karsten Schneider, und der Delegationsleiter Oberst i.G. Hansjörg Witt führten ihre Gruppe in die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen. Die hochrangige Wahrnehmung der Teilnehmer in den Botschaften, den Verteidigungs- sowie Außenministerien der bereisten Länder lieferte den Reisenden zentrale Erkenntnisse über deren Kultur. In diesen Ländern, die aktuell besonders im Fokus stehen, lernten sie Einiges über das nationale Selbstverständnis, die Bedrohungswahrnehmung und die innerpolitischen Dynamiken. „Komplettiert und abgerundet hat das Programm ein Besuch des NATO Centers of Excellence zum Thema ‚Cyber‘ sowie ‚Strategische Kommunikation‘ “, berichtete der Teilnehmer Martin Starkloff. „In Verbindung mit dem vorangegangen Reiseteil ist der Besuch der baltischen Staaten nicht nur in Bezug auf die politischen Aspekte als eine absolute Bereicherung anzusehen“, fasste der Oberstleutnant ergänzend zusammen.

Der „vergessene“ Kontinent

Das Kennenlernen der innerafrikanischen Sicherheitsarchitektur und der Besonderheiten von afrikanischen Staaten als mögliche Einsatzländer der Bundeswehr standen für die Teilnehmer der „Teilreise Afrika“ im Fokus. „Bei unserem Besuch der westafrikanischen Staaten Ghana und Nigeria nutzten wir die Gelegenheit, uns unter anderem über das aktuelle deutsche Engagement im Rahmen nationaler und internationaler Projekte auf diesem Kontinent zu informieren“, erklärt Major Daniel Spitzer. So erfuhr die Gruppe beispielweise in Ghana mehr über den langjährigen Einsatz der Pionierberatergruppe bei den Streitkräften oder die Abstellung deutscher Stabsoffiziere als Dozenten an das Kofi Annan International Peacekeeping Training Centre der Vereinten Nationen. „In Nigeria stellte sich heraus, wie dieser Staat als starke lokale wirtschaftliche und militärische Größe in regionale und überregionale Bündnisse verankert und damit in der Lage ist, die eigenen Streitkräfte zur Lösung von innerafrikanischen Problemen im Sinne der Vereinten Nationen einzusetzen“, berichtete der Lehrgangsteilnehmer weiter.

Zwischen Frieden und Krieg

Zu einem besseren Verständnis des Nahostkonflikts gelangte eine andere Delegation der Führungsakademie. „Die ganztägige Exkursion zu den Golanhöhen entlang der israelisch-syrischen und der israelisch-libanesischen Grenze ließ zurückliegende Auseinandersetzungen zwischen Israel und seinen Nachbarstaaten spürbar werden“, berichtete der Teilnehmer Steve Wilhelm. Ebenso sehe es mit dem syrischen Bürgerkrieg aus, dessen Gefechte bis in diese Region wahrzunehmen seien. Der Besuch des israelischen Command and Staff College, einem Pendant der Führungsakademie, trug zur besseren Kenntnis der Rolle Israels bei und erwies sich als willkommener Anlass für einen Erfahrungsaustausch unter den Stabsoffizieren beider Nationen.

Zwei Seiten des Konflikts

Nach der Besichtigung Grenzübergangs Kerem Shalom am südlichsten Zipfel des Konfliktgebietes Gazastreifen reflektierte Major Wilhelm: „Die Spannungen zwischen den Israelis und den Palästinensern sind allgegenwärtig und ständig präsent.“ Ganz andere Impressionen hinterließ die Stadt Jerusalem bei ihm. Aufgrund ihrer Geschichte und der religiösen Gegensätze sei sie mit keiner anderen Stadt der Welt vergleichbar. „Ich war überwältigt von den Eindrücken dieses Ortes“, erklärte Wilhelm. Den Nahostkonflikt aus der palästinensischen Perspektive verdeutlichte eine Führung durch eine Ausbildungseinrichtung der palästinensischen Presidential Guard in Jericho – eine Einheit, deren Kernauftrag der Schutz von Präsident Mahmud Abbas ist. Eine offizielle Kranzniederlegung in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem rundete die Teilreise würdig ab.

Von der Seine an die Themse

Major Daniel Jarzynka nahm an der Reise „Frankreich und United Kingdom" teil, die an der französischen Militärakademie École Militaire in Paris startete. „Wir konnten uns dort einen tiefen Einblick in die aktuellen Einsätze der französischen Streitkräfte, die deutsch-französischen Kooperationsvorhaben und französische Verteidigungs- sowie Sicherheitspolitik verschaffen“, blickte Jarzynka zurück. Ein Austausch zu weiteren, nicht rein militärischen Themen gelang durch den Besuch der Deutschen Botschaft, wo die Teilnehmer mit dem Botschafter und Militärattaché zusammentrafen. „Ähnlich setzte sich unsere Tour in England fort. In London wurden wir ebenfalls prominent in der deutschen Botschaft und im britischen Verteidigungsministerium wahrgenommen“, berichtete der Major. Die Gespräche beinhalteten gegenwärtige Themen britischer Innen-, Verteidigungs- und Sicherheitspolitik.

Lissabon und Genf

Auch die Delegation in Portugal führte in Lissabon offene Gespräche mit dem deutschen Botschafter zur politischen Rahmenlage des Landes. „Noch heute ist das Land durch seine Geschichte als Seefahrernation und seine geografische Lage am Rande Europas stark geprägt“, ließ Major Oliver Nill wissen. Auf dem Reiseprogramm stand neben dem Besuch der Militärakademie des Landes auch die NATO-Einrichtung des Joint Analysis and Lessons Learned Centres. Weitere internationale Organisationen sowie Nichtregierungsorganisationen lernten die Teilnehmer am nächsten Reiseziel Genf kennen. Unter anderem wurden hier die Vereinten Nationen und die Think Tanks „Geneva Centre for Security Policy“ und „Democratic Control of Armed Forces“ aufgesucht. „Die nachhaltigsten Eindrücke über das, was die Welt zusammenhält, hinterließ bei mir jedoch die Großforschungseinrichtung der Europäischen Kernforschungsorganisation CERN“, sagte Nill.

Niederländisches Königreich

Ein Empfang in der Residenz des deutschen Botschafters in den Niederlanden stellte den Auftakt für die Teilreise „Niederlande und Norwegen" dar, die durch den Direktor Lehre der Führungsakademie, Brigadegeneral Thomas Hambach, begleitet wurde. „Bei angenehmer Atmosphäre in den unglaublich schönen Räumlichkeiten konnten wir uns mit den Alumni der deutschen und niederländischen Generalstabslehrgänge sowie mit zahlreichen Militärattachés austauschen“, berichtete ein Lehrgangsteilnehmer. Anschließend standen unter anderem der Besuch der NATO Communications and Information Agency und des internationalen Gerichtshofes in Den Haag auf der Tagesordnung. „Eine Führung durch das Anne-Frank-Haus in Amsterdam hat das kulturelle Programm gebührend abgerundet“.

Im hohen Norden

Die Reisegruppe führte es folgend in den hohen Norden. Am Joint-Warfare-Center der NATO in Stavanger, wo das Personal in der Durchführung von Operationen im strategisch-operationellen Kontext trainiert wird, erhielten die Teilnehmer Einblicke in die Lehre und Methodik dieser Ausbildungsstätte. Ein Mittagessen mit dem deutschen Botschafter in Oslo vervollständigte den Norwegenanteil der Reise. „Durch ein intensives und interessantes Rahmenprogramm wurden uns die norwegischen Streitkräfte von einer politisch-strategischen Vorstellung bis hin zur gesellschaftlichen Integration der Streitkräfte nahegebrach“, erklärte ein Lehrgangsteilnehmer. „Beide Nationen betonten die große Bedeutung einer strategisch engen Partnerschaft und Zusammenarbeit - sowohl jetzt als auch zukünftig.“ Insgesamt sei die Reise eine echte Bereicherung für die Teilnehmer gewesen, die ihren Blick erheblich erweitert habe.

Der Donau folgend

Aktuelle und landesspezifische Aspekte der Sicherheits- und Verteidigungspolitik gleich dreier Staaten standen auf dem Programm der Teilreise „Mittel-Ost-Europa“, die Institutionen in Wien, Bratislava und Budapest zum Ziel hatte. Den Auftakt der Besuche in den unterschiedlichen Hauptstädten bildete jeweils eine Einweisung in der Botschaft. „Wir lernten zudem die Landesverteidigungsakademie, die vergleichbar mit der Führungsakademie ist, und Einrichtungen der Vereinten Nationen in Wien kennen“, sagte Oberstabsarzt Dr. Johannes Retka. Der Donau folgend waren in Bratislava und Budapest Vorträge und Diskussionen mit Vertretern aus den Verteidigungsministerien Bestandteil der Reise. Einen Einblick der besonderen Art ermöglichte das Centre of Excellence for Military Medicine im Militärkrankenhaus in Budapest, als Ort des Austausches im Bereich der Militärmedizin. „Nicht nur hier wurde die Bedeutung der Zusammenarbeit in der Sicherheitspolitik plastisch erfahrbar“, fasste Retka zusammen.

La Dolce Vita

„Es war unvermeidbar, das süße Leben (La Dolce Vita) Italiens kennenzulernen“, berichtete Major Björn Ebersoll. Er war Mitglied der 15-köpfigen Teilreise „Italien", bei der insbesondere zwei Städte im Mittelpunkt standen. Nach dem anfänglichen Besuch des NATO-Oberkommandos in Brunssum informierten sich die Reisenden nun auch über das zweite operative Hauptquartier der NATO in Neapel. Anschließend ging es nach Rom. „Wir besuchten nicht nur die Hauptstadt eines wichtigen europäischen Partners, sondern auch eines der Epizentren der europäischen Kultur und Geschichte“, erklärte Ebersoll rückblickend. „Die Informationen über die Arbeitsprozesse und Beziehungen internationaler Entscheidungsträger ließen tiefe Einblicke in die bestimmenden Faktoren eines wichtigen Bündnispartners zu."

 

Nah dran an den Krisen der Welt – Militärpolitik im Blitzlicht

Autor: Christiane Rodenbücher; Fotografin: Katharina Junge

Hamburg, 16.03.2017

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Sicherheitspolitische Herausforderungen der NATO und EU im Fokus

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Ideen zur Gründung der Bündnisse nach wie vor aktuell

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Teilnehmer erfahren die Motive des Wandels

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Wiermann: „Wir brauchen die NATO und EU dringender denn je“

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Tiefe Einblicke in die Militärpolitik

„Muss man Europas Sicherheit neu denken?“ Generalleutnant Hans-Werner Wiermann, Deutschlands militärischer Vertreter bei NATO und EU in Brüssel, hat die Lehrgangsteilnehmer der Generalstabs- und Admiralstabsdienstausbildung in seinem Vortrag auf eine brandaktuelle Zeitreise mitgenommen. Was macht unsere Sicherheit aus? Was hat sich verändert? In seinem Bericht sind sowohl seine umfangreiche, langjährige Expertise als auch umfassende Informationen aus einem sicherheitspolitisch virulenten Umfeld eingeflossen. Jüngste weltweite Entwicklungen stellen uns sowie die Alliierten, aber auch die NATO und die EU vor unerwartete, zahlreiche neue Herausforderungen.

Ohne EU keine Sicherheit

General Wiermann beginnt mit einem Zitat von Johnny Cash. „Wie soll ich wissen, wo ich hingehe, wenn ich nicht weiß, wo ich herkomme und wo ich bin?“ Wiermann setzt historisch am Ende des Zweiten Weltkrieges an. Deutschland ist ein zerstörtes Land. Es hat ein erhebliches Interesse, den europäischen Gedanken voranzutreiben. Und es hat Glück mit seinen europäischen Partnern. Denn die wollten das auch. Sie folgen der Grundannahme: In Europa kann es ohne die EU keine Sicherheit geben. Und er fügt hinzu: „Europa wäre ohne das amerikanische Engagement nicht zu verteidigen gewesen, daran hat sich bis heute nichts verändert.“

Treiber des Wandels

Weitere Veränderungen: die Entwicklungen in Russland. Die Annexion der Krim. Damit hatte keiner gerechnet. „Ist das eine Existenzgefährdung für die NATO-Mitglieder? Mit dieser Frage begann 2014 der ,Game changer´ - Kollektive Verteidigung ist wieder ein Thema, und mit dem Aufrechterhalten des Friedens sowie der Abschreckung muss die NATO 3.0 dem Krisenmanagement, der Kollektiven Verteidigung Alt und Neu, also allen drei Bereichen gerecht werden.“ Weiterer Treiber dieser Entwicklung ist auch die Migration („Afrika ist ein junger Kontinent voller Menschen ohne Perspektive“). Disruptive Faktoren spielen eine wichtige Rolle (Stichwort: USA, Großbritannien, Frankreich, Türkei). Aber auch der weltweite Terrorismus ist ausschlaggebend, nine eleven, ISIS. „Terrororganisationen agieren wie Staaten, das ist ein neues Phänomen.“

Notwendige Debatten

Heute werden NATO und EU in Frage gestellt. „Erstaunlich, denn wir brauchen sie dringender denn je.“ Viele Debatten über die Kohäsion der Allianz werden laut Wiermann heute geführt. „Sie müssen auch geführt werden, weil die Existenz der Organisationen in Frage gestellt wird.“ Mit der Fokussierung auf Russland und mit der Frage nach dessen Positionierung sowie dessen Interessenlagen schloss sich für die Zuhörer der Kreis einer globalen Betrachtung internationaler Krisen. General Wiermanns Schlussfolgerung aus dieser Betrachtung: „Bedeutet das eine reale Bedrohung für die NATO und ihre Länder?“ Klare Antwort: Ja. Anhand konkreter Beispiele verdeutlichte er einzelne Szenarios.

Politik der kleinen Schritte

Dabei wurde unter anderem deutlich, dass hybride Kriegsführung weiterhin eine unterschätzte Gefahr ist, dass das Militär nicht der einzige Akteur ist und die EU handlungsfähiger ist als die NATO aufgrund ihrer vielen zivilen Ressourcen. Außerdem zitierte der General die neue europäische Sicherheitsstrategie und sprach verschiedene Möglichkeiten an, mit Partnern Sicherheit neu zu denken. Er plädierte dabei vornehmlich für einen stetigen Dialog sowie Pragmatismus. „Häufig helfen die kleinen pragmatischen Schritte weiter als die große Vision.“

Militärpolitik mit Leib und Seele

Mit spannenden Einblicken in die Mission Enhanced Forward Presence schloss der General seinen Vortrag. Die Zuhörer waren begeistert, weil der Deutsche Militärische Vertreter beim NATO-Militärausschuss interessante Einblicke in seine Tätigkeit gewährt hat. Und weil deutlich geworden ist: Militärpolitik ist seine Herzensangelegenheit. Er ist mit Leib und Seele Militärpolitiker. Die beste Basis für gute Beziehungen auf dem internationalen Parkett.

 

Die Mitarbeiter mitnehmen, von A bis Z

Autor: Christiane Rodenbücher; Fotografin: Christiane Rodenbücher

Hamburg, 09.03.2017

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Seminarteilnehmer entwickeln Vorgehen für Veränderungsprozesse

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Interaktion schafft Handlungssicherheit

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Neue Gedanken über die Zukunft der Akademie

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Methodenkompetenz im Prozessmanagement



Welt im Wandel: Heute bewegen wir uns mit immer schnellerer Geschwindigkeit durch den Alltag. Äußere und innere Entwicklungen fordern, dass wir uns zügig anpassen. Die Arbeitswelt ist vielschichtiger und schnelllebiger geworden. Das bedeutet für Mitarbeiter, egal in welcher Branche, egal auf welcher Ebene: Wir müssen uns darauf einstellen und mit permanenten Veränderungen leben. Das betrifft auch die Bundeswehr, und besonders ihre Ausbildungseinrichtungen, die sich, ihre Ausbilder und Inhalte, ständig hinterfragen, um auf der Höhe der Zeit zu bleiben und die lernenden jungen Menschen bestmöglich auf die Anforderungen von morgen, auf ihre künftigen vielseitigen Tätigkeiten, vorzubereiten. 

Reaktionsvermögen steigern

„Wir müssen die Menschen bei Veränderungen mitnehmen“, erklärt der Experte Dr. Philipp Schaller. Er ist an der Führungsakademie der Bundeswehr für Veränderungsmanagement (VM) zuständig. Hauptmann Schaller vermittelt in Seminaren Grundlagen des Veränderungsmanagements. Sein Ausbildungsziel: Die Seminarteilnehmer erlernen Möglichkeiten, Veränderungsmaßnahmen in ihren Verantwortungsbereichen zu analysieren, zu planen und umzusetzen. „Wir vertiefen Kenntnisse für spätere Tätigkeiten und entwickeln ein besseres Verständnis für Betroffene, damit sie auf Widerstände, Barrieren besser vorbereitet sind und mit adäquaten Verhaltensweisen darauf reagieren. Damit steigern wir die Handlungssicherheit der Lehrgangsteilnehmer.“

Kompetenzorientierung

Worüber Schaller bislang in Seminaren referiert hat, ist nun erstmals in einem größeren vernetzten Ansatz realisiert worden. Der Jahrgang 2016 der nationalen Generalstabs- und Admiralstabsdienstausbildung (LGAN) hat in einem zweitätigen Seminar VM live durchexerziert, auf der Basis von Faktenwissen zum aktuellen Stand der Neuentwicklung der Akademie und mit der Methodik der Kompetenzorientierten Ausbildung (diese sieht fünf Kernkompetenzen vor, die im Fokus stehen, u.a. Führungs-, Selbst- und Sozialkompetenz). Das Szenario für die Offiziere war äußerst ambitioniert angelegt. 

Umfassender Ansatz

Der erste Tag der Veranstaltung war als Informationstag geplant. Nach einer kurzen Verortung des Themas VM im Gesamtkontext des Moduls 7 „Prozessmanagement“ durch Oberst i.G. Ove Horstmann folgte ein Grundlagenvortrag durch Hauptmann Schaller, den Inhaber der Dozentur für Veränderungs- und Wissensmanagement im Fachbereich Führung und Management: „Veränderungen in Organisationen, also komplexen sozialen Systemen, können nur gelingen, wenn die betroffenen Menschen intensiv am Wandel beteiligt werden.“ Darüber hinaus erfordere VM zudem ein starkes persönliches Engagement der Führung, die dem hohen Informationsbedürfnis des Personals in der Veränderung gerecht werden müsse. Auf den Grundlagenvortrag folgte ein Praxisbericht über das Veränderungsmanagement im Rahmen der Reform des Rüstungsmanagements durch Oberst i.G. Frank Töpfer, der den theoretischen Beitrag mit aktuellen Beschaffungsbeispielen aus der Bundeswehr illustrierte.

Nah dran an Entwicklungen

Der zweite Tag war als Handlungstraining im Sinne der Kompetenzorientierten Ausbildung  angelegt. Die LGAN-Teilnehmer konnten verschiedene VM-Werkzeuge anhand des Beispiels ‚Agenda 2017+‘ der Akademie anwenden und hatten so die Möglichkeit, aktuellste Neuigkeiten dieser Reform zu erfahren sowie mit begleitendem Personal aus der Gruppe Strategie und Entwicklung (SE) hierzu in die Diskussion einzutreten. Um diese Hinweise direkt aufzunehmen und den Lernprozess zu unterstützen, waren die Vertreter der Gruppe SE und der Kommunikation während der gesamten Veranstaltung vor Ort. So wurden nicht nur Methodenkompetenzen im Veränderungsmanagement, wie Stakeholder-Analyse, Kommunikationsplan und Change Story, aufgebaut, sondern auch wertvolle Ideen entwickelt und Fragen aufgeworfen, die die aktuell anstehenden Veränderungen an der Führungsakademie betreffen.

Handeln im Fokus

So konnten sich lebhafte Diskussionen über die Gegenwart und Zukunft der Führungsakademie entwickeln. Das Handlungstraining folgte dabei der Logik der „vollständigen Handlung": Zunächst mussten sich die LGAN-Teilnehmer selbst anhand realer Dokumente über die ‚Agenda 2017+‘ informieren. Anschließend entwickelten sie mithilfe der  Lernunterlagen ein geeignetes Vorgehen für einen Veränderungsprozess und realisierten dieses, um letztlich die Ergebnisse im Rahmen einer Präsentation zu reflektieren.

 

Konkretes Umsetzungspotenzial

Die Mitglieder der Gruppe SE waren begeistert von dem Seminar und dem Engagement der Teilnehmer. Oberstleutnant i.G. Roman Lau, Leiter des Sachgebiets Qualitätsmanagement, erklärte abschließend: „Unsere Erwartungen wurden voll erfüllt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben die ausgewählten VM-Instrumente genutzt, um das VM zur ‚Agenda 2017+‘ zu reflektieren und um ganz konkrete Optimierungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Wir sind jetzt dabei, diese Impulse aufzugreifen." Auch für Oberstleutnant i.G. Erik Voigt aus der Gruppe SE hat die Veranstaltung zahlreiche Vorteile gebracht. „Wir sind dankbar für die Gelegenheit, einmal in unserer Aufgabe ‚Veränderungsmanagement Agenda 2017+‘ innezuhalten und uns selbst in unserem Tun, auf der Basis der im Seminar erarbeiteten vielfältigen und wichtigen Gedanken des LGAN zu hinterfragen. Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie wir die Expertise, die an dieser Akademie vielfältig vorhanden ist, produktiv nutzen können."

 

Autor: Maximilian Voß; Fotografin: Katharina Junge

Hamburg, 07.03.2017

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Schirmherrin der Veranstaltung mit dem Kommandeur der Führungsakademie und dem Inspekteur der Marine

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Inspekteur Krause zum Spagat, den die Marine vollbringen muss

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Interesse der Zuhörer spiegelt sich in den vielen Nachfragen wider

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Direktor Lehre im Gespräch zur kompetenzorientierten Ausbildung

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Prof. Dr. Palt: „Personal langfristig und individuell entwickeln“

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Diskussionen zu den Themen der Veranstaltung setzten sich zwischen den Vorträgen fort

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Dirk Petersen ermöglicht Einblicke in die Schiffbaubranche

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Peter Fieser: „Gute Führung zum Gelingen des Wandels von Nöten“

Attraktivität – ein Thema, das viele Organisationen vor dem Hintergrund des demografischen Wandels, der Digitalisierung und der Ressourcenknappheit vor große Herausforderungen stellt. In einem Symposium der Sektion Hamburg und Schleswig-Holstein der Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik e.V. (DWT e.V.) und der Führungsakademie der Bundeswehr konnten sich Vertreter aus Unternehmen, Bundeswehr und öffentlicher Verwaltung mit einer Vielzahl an Fragen zu dieser Thematik auseinander setzen. Impulsvorträge von wissenschaftlichen Grundlagen bis hin zu Best-Practice-Lösungen gaben Anlass zu lebhaften Diskussionen.

Unterschiedliche Bedürfnisse des Einzelnen

„Die Besatzung eines Schiffes ist eine Einheit – ein eingeschworenes Team“, erklärte der Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Andreas Krause. Damit hob er auch gleich eine Besonderheit der Marine im Hinblick auf die Attraktivität heraus. Nur als Gemeinschaft, als Team, könne man sich den Anforderungen, die sich aus Seefahrt und Einsatz ergeben, stellen. „Diese Einheit besteht jedoch aus vielen Einzelteilen, aus unterschiedlichen Biographien“, sagte er weiter. Dies mache die Schlussfolgerung der Attraktivitätskriterien, weil jeder einzelne unterschiedliche Bedürfnisse und Vorstellungen habe, für die Marine zu einer schwierigen Aufgabe. 

Herausfordernder Balanceakt

„Der demografische und soziale Wandel sowie der Megatrend zur Individualität sind unaufhaltsame Entwicklungen in der Gesellschaft, die auch uns ergreifen“, berichtete der Inspekteur. „Die Marine hat diesen Wandel begriffen und nutzt ihn als Chance.“ Mit „maßgeschneiderten Maßnahmen“ solle die Marine nicht nur diese gesellschaftlichen Entwicklungen bestehen, sondern zugleich zukunftsfähig werden. Dabei sei der Arbeitsalltag - der aus Seefahrt, Einsätzen und monatelangen Abwesenheiten, aus unausweichlicher Nähe durch das Leben auf einer technischen Plattform ohne Rückzugsort sowie einem Dienst, der körperlich und psychisch sehr anspruchsvoll ist, bestehe - in Einklang mit den individuellen Vorstellungen zum eigenen Privatleben zu bringen.

Ohne Attraktivität keine Mitarbeiter  

„Das ist für uns eine Herkulesaufgabe“, erklärte Krause. Eins sei jedoch klar: Der Wandel ist eingeläutet und unaufhaltsam. „Wir müssen uns stärker am Menschen orientieren, denn er ist unser wichtigstes Kapital, ohne das es eine zukunftsfähige Marine nicht geben kann“, weiß der Admiral. Er stellte heraus, dass gerade an dem Maß und der Planbarkeit der Seefahrt gearbeitet werden müsse. „Mit der Intensivnutzung unserer Kampfschiffe und dem Mehrbesatzungsmodell schaffen wir erste Bedingungen, die die Bedürfnisse unserer Mitarbeiter und unseren Auftrag in Balance bringen sollen. Denn eins ist klar: Ohne gute Bedingungen keine Attraktivität, ohne Attraktivität keine Mitarbeiter.“

Kompetenzorientiert ausbilden

„Eine nachhaltige Personalentwicklung funktioniert nicht ohne eine zeitgemäße und individuell angepasste Ausbildung der Mitarbeiter.“ Das machte der Abteilungsleiter für die Streitkräftegemeinsame Ausbildung im Kommando Streitkräftebasis, Brigadegeneral Markus Kurczyk, deutlich. „Ausbildung erfährt damit eine zunehmende Relevanz, wenn es um die Attraktivität eines Arbeitgebers geht“, schlussfolgerte er und leitete auf die kompetenzorientierte Ausbildung der Bundeswehr über. „Es reicht heutzutage nicht aus, einen Power-Point-Vortrag mittels Projektor an die Wand zu werfen. Wir müssen verschiedene Lagen entwickeln, Handlungssituationen in der Ausbildung nachstellen und so die Kompetenzen unserer Soldaten erweitern“, so der General. 

„Umsetzung nicht immer trivial“

Herausforderungen ergeben sich bei der Bewertung einzelner Teilkompetenzen und deren Ausprägungen. „Die Umsetzung der kompetenzorientierten Ausbildung in den gesamten Streitkräften wird künftig auch Auswirkungen auf die Personalauswahl, auf Dienstpostenbeschreibungen und die Lernpfade innerhalb der Bundeswehr haben“, erklärte Kurczyk. Als starker Verfechter der kompetenzorientierten Ausbildung präsentierte sich auch der Direktor Lehre der Führungsakademie, Brigadegeneral Thomas Hambach. „Die Umsetzung dieser Ausbildungsform in unseren zum Teil sehr verschulten Lehrgängen ist nicht immer trivial“, weiß er zu berichten. „Unser Ziel ist es, den einzelnen Lehrgangsteilnehmer mehr in die Verantwortung für seine eigene Ausbildung zu nehmen“, sagte Hambach. Aus diesem Grund sei das gesamte didaktische und methodische Konzept der Akademie überarbeitet worden. 

Vom Wissen zum Können

„Nicht das Wissen, sondern die Handlungsfähigkeit ins Zentrum der Ausbildung zu stellen, ist der neue Ansatz“, erklärte General Hambach. Er weiß: „Erfahrung kann man nicht lernen, sondern man muss sie sich erwerben.“ Gleichwohl unterstrich er, dass es keine Abkehr vom ‚Wissen‘ bedeute. Vielmehr müsse das ‚Wissen‘ in Anwendung gebracht, zum ‚Können‘ werden. „Mit der Umstellung auf die kompetenzorientierte Ausbildung erfährt die Führungsakademie eine tief greifende Veränderung, denn sie führt auch an anderen Stellen zu einem Wandel.“ Wie der Direktor Lehre berichtete,  entwickele sich beispielsweise die Rolle des Dozenten künftig in die eines Lernbegleiters. Ebenso müssen der Stundenplan in Zukunft zeitliche Freiräume für die Selbstreflexion der Lernenden lassen.

 „Jeder am richtigen Platz“

Die Schirmherrin der Veranstaltung und Leiterin der Sektion Hamburg und Schleswig-Holstein des DWT e.V., Fregattenkapitän der Reserve Dr. Beatrix Palt, zeigte in ihren Ausführungen auf, wie und wodurch sich in einer Organisation Expertise herausbildet. Vor dem Hintergrund der Digitalisierung warf sie die Frage auf, ob die Mitarbeiter mit der entscheidenden Expertise auch am richtigen Platz in der Unternehmung sitzen. „Um das Personal langfristig im Sinne des Unternehmens zu entwickeln, muss Zeit und Kapital in die Ausbildung und Förderung individueller Fähigkeiten investiert werden“, weiß die Professorin. Jedoch müssten stets die persönlichen Unterschiede hinsichtlich der Auffassungsgabe und der Selbstreflexion des Einzelnen berücksichtigt werden. Nur dadurch entwickeln Mitarbeiter die gewünschten Kompetenzen und Handlungssicherheit in bestimmten Situationen handeln. 

Führungs- oder Fachlaufbahn
 

Auch Wilfried Hollstegge, Director Human Resources der PLATH Group, plädierte in seinen Ausführungen für einen kompetenz- und motivationsgerechteren Personaleinsatz in den Unternehmen. „Nicht jeder will oder kann eine Führungskraft sein“, berichtete der Diplom-Psychologe. So müsse es auch für Spitzenkräfte in einer Fachlaufbahn attraktive Posten in der Unternehmensführung geben. Ebenso solle mehr auf die individuelle Leistungs- und Entwicklungsmotivation des Mitarbeiters geblickt werden. „In dem man Mitarbeiten realistische Perspektiven aufzeigt, wie sie sich stufenweise weiter entwickeln können, kann man den Wettstreit um die klügsten Köpfe bestehen und dieses Personal auf einem umkämpften Markt langfristig zu binden.“ 

Mit dem „Werftenvirus“ infiziert
 

Als Personalchef der German Naval Yards Kiel GmbH verfolgte Dirk Petersen einen eher pragmatischeren Ansatz. Für ihn ist klar: „Wir müssen dafür sorgen, dass junge Menschen
Einblick in die Schiffbaubranche erhalten. Wer einmal vom ‚Werftenvirus‘ gepackt ist, für den spielt der Ort, die Region oder ähnliches keine übergeordnete Rolle mehr.“ Er wisse, dass die Stadt Kiel mit der Metropolregion Hamburg in unmittelbarer Nähe kaum mithalten könne. „Doch der Standort direkt an der Küste sowie die Komplexität der Projekte und der Produkte machen unser Unternehmen als Arbeitgeber attraktiv“, berichtete Petersen. So habe die Abwechslung und Vielseitigkeit der Tätigkeiten in dieser Branche in der Vergangenheit in seinem Unternehmen für eine große Berufszufriedenheit der Mitarbeiter gesorgt. 

Generationsmanagement

Mit einer gänzlich anderen Herausforderung sieht sich der Personalabteilungsleiter der Diehl Defence Holding GmbH konfrontiert. „Wir müssen uns aufgrund der demografischen Entwicklung Gedanken machen, wie wir den unterschiedlichen Generationen in unserem Unternehmen die optimalen Voraussetzungen für die Arbeit bieten“, erklärte Dieter Monka. „Die verschiedenen Altersgruppen mit ihren unterschiedlichen Erwartungen und Bedürfnissen arbeiten immer länger zusammen, so dass wir es mit Hilfe eines Generationsmanagements schaffen müssen, diese zu vereinen.“ Für ihn sei dies eine Weiterentwicklung der Unternehmenskultur in Richtung Mitarbeiterorientierung und somit auch ein entscheidender Attraktivitätsfaktor in der Zukunft.

Wandel ist Führungsaufgabe

Weitere Impulsvorträge unterstrichen, dass jeder Wandel nur gelingen kann, wenn auch das Personal eingebunden und sprichwörtlich ‚mitgenommen‘ wird. Führungskräfte müssten Werte Verhaltensweisen vorleben, die der Unternehmenskultur entsprechen. So äußerte sich Peter Fieser von der Airbus Defence and Space GmbH treffend: „Der Wandel wird meist durch die Führung eingeleitet. Diese sollte dann aber auch durch den Wandel führen.“

 

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