Autor: Christoph Weigmann; Fotos: Lene Bartel

Hamburg, 30.08.2018

Der Kommandeur der Führungsakademie, Brigadegeneral Oliver Kohl (r), begrüßte Dr. Fritz Felgentreu (m) und ... Schmidt in der Clausewitz-Kaserne

Dr. Fritz Felgentreu, stellvertretender Landesvorsitzender der Berliner SPD, beim Eintrag in das Gästebuch der FüAkBw

 

 

Wenn ein sicherheits- und verteidigungspolitischer Sprecher einer Bundestagsfraktion eine Reise zu den Dienststellen der Bundeswehr macht, um sich in Gesprächen mit den Soldaten vor Ort einen persönlichen Eindruck zu verschaffen, so ist das gewiss für jede Dienststelle eine Abwechslung im Alltag der Dienstgeschäfte.

Für die Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) gab es in dieser Woche einen derartigen Tag. Begrüßt wurde Dr. Fritz Felgentreu MdB, der sicherheits- und verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion und Sprecher im 1. Untersuchungsausschuss der 19. Wahlperiode im Bundestag in der Clausewitz-Kaserne. Er wurde begleitet von dem Hamburger Bürgerschaftsabgeordneten Frank Schmitt.

Ein Tag voller Gespräche und ein Eindruck vom GIDS

Begrüßt wurde Dr. Felgentreu durch den Kommandeur der Führungsakademie, Brigadegeneral Oliver Kohl, dem der traditionelle Eintrag in das  Gästebuch der Akademie folgte. Dr. Fritz Felgentreu und Frank Schmitt besuchen die FüAk zu einem Zeitpunkt, der durch die Erweiterung des Auftrags durch die Bundesverteidigungsministerin geprägt ist, auf dem Feld der Strategieberatung Expertise aufzubauen. An der FüAk ist dieser Auftrag durch den Aufbau des German Institute for Defence and Strategic Studies (GIDS) geprägt. Über das GIDS informierten sich die beiden Politiker in einem Gespräch und Vortrag mit dem militärischen Vorstand des GIDS, Oberst Professor Dr. Rogg.

Gespräche mit Akademiemitgliedern

Es gehört zu einem derartigen Programm und war dem Besucher aus Berlin ein Anliegen, auch mit den Akademiemitgliedern zu sprechen. Ein Gespräch mit Mitgliedern aus den unterschiedlichsten Bereichen der Akademie war so auch die Fortsetzung des dichtgedrängten Besuchstages. Mit seiner Verabschiedung ging damit diese kurze Abwechslung im Alltag ihrem Ende entgegen.

 

 

 

 

 

 

Autor: Verena Hoffmann & Jonathan Scheffler ; Fotos: Jonathan Scheffler

Hamburg, 28.08.2018

Aktuelle Informationen aus der FüAkBw durch den Kommandeur, Brigadegeneral Oliver Kohl

Begrüßung zur 52. SiPoInfoT durch Generalleutnant a.D. Herrmann

Das Auditorium verfolgte interessiert den Vorträgen der Referenten

Der Direktor der Clausewitz-Gesellschaft, GenLt a.D. Hermann bedankte sich bei den Angehörigen des LGAN 2017

Flottillenarzt Dr. Brunn nahm sich dem Thema Human Performance Enhancement (HPE) an

Major Dunn, US-AirForce, erklärte die multinationale Sicht in Bezug auf militärisch genutzte künstliche Intelligenz

Zwischen den Vorträgen gab es Gelegenheit, die Thematik bei einer Tasse Kaffee zu besprechen

Major Levy beleuchtete alle politischen Aspekte zum Thema Militärstrategie und autonome Waffensysteme

Mit diesem hochaktuellen Thema befasste sich die 52. Sicherheitspolitische Informationstagung der Clausewitz-Gesellschaft e.V. und der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw), zu der sich im Manfred-Wörner-Zentrum der Führungsakademie ca. 240 geladene Gäste eingefunden haben. Dabei ging es im Besonderen darum, die „Strategie im 21. Jahrhundert unter Berücksichtigung moderner technologischer Entwicklungen“ zu beleuchten und kritisch zu diskutieren. Es ging auch darum zu hinterfragen, welche Herausforderungen künstliche Intelligenz (KI) und autonome Systeme an Politik, Gesellschaft und Streitkräfte stellen. Unter der Organisation von Major Maik Schröder, Lehrgangsteilnehmer des 14. streitkräftegemeinsamen nationalen Lehrgang Generalstabsdienst und Admiralstabdienst (LGAN) gestaltete auch der Hörsaal 3 des aktuellen LGAN einen sicherheitspolitischen Beitrag zu dieser Informationstagung.

Einleitende Worte durch den Präsidenten

Die einleitenden Worte des Tages sprach der Präsident der Clausewitz-Gesellschaft, Herr Generalleutnant a.D. Kurt Herrmann, der die zahlreich erschienenen Teilnehmer im voll besetzten Gneisenau-Saal begrüßte. Den Auftakt übernahm Brigadegeneral Oliver Kohl, Kommandeur der Führungsakademie, der anschließend dem Auditorium einen Sachstand über die Umstrukturierung der Akademie gab. Schwerpunkt seiner Rede war die Neugestaltung des Lehrgangs Basislehrgang Stabsoffizier (BLS), des Lehrgangs Generalstabsdienst und Admiralstabsdienst national und international (LGAN und LGAI), der Lehrgänge der Modullandschaft für ausgebildete Stabsoffiziere nach dem Konzept des lebenslangen Lernens sowie das neu aufgestellte German Institute for Defence and Strategic Studies (GIDS).

„Wir sind keine KI-Experten, aber wir sind frei im Geist und fest im Entschluss“

Mit der einleitenden Frage, wer denn besser geeignet sei zukunftsorientiert und frei zu denken als die Teilnehmer der Lehrgänge für zukünftige Generalstabsdienst und Admiralstabsdienstoffiziere, eröffnete Korvettenkapitän Patrick Jacobi das Spezial-Panel, welches der Hörsaal eigens für diese Informationstagung vorbereitet hatte und das er zusammen mit Major Benedikt Kühn moderierte. Damit kam der Hörsaal dem Auftrag des Akademiekommandeurs nach, im Rahmen der Ausbildung zum militärischen Spitzenpersonal der Streitkräfte den strategischen Blick auf die Herausforderungen von Morgen zu richten. Dazu befasste sich der Hörsaal unter der Leitung von Major Schröder intensiv mit der Fragestellung, welche Auswirkungen durch Künstliche Intelligenz (KI) und Autonome Waffensysteme auf die Militärstrategie zu erwarten sind. Er präsentierte hierzu seine Ergebnisse in Form eines Vortrags mit anschließender Diskussionsrunde den zahlreichen und interessierten Zuhörern.

„KI ist entweder das Beste, was der Menschheit passieren kann, oder das Schlechteste!“

Major Schröder stellte in seinem Vortrag deutlich heraus, dass Künstliche Intelligenz aus dem heutigen Alltag nicht mehr wegzudenken ist. Die Entwicklung von einer schwachen KI hin zu einer „Super-KI“ sei keine Frage mehr nach dem ob, sondern lediglich eine Frage nach dem wann des nächsten Technologiesprungs. Dabei definierte er Künstliche Intelligenz als ein Teilgebiet der Informatik, das sich mit der Nachbildung menschlicher Intelligenz und menschlichen Verhaltens sowie der Weiterentwicklung von maschineller Intelligenz befasst. Wo in der Medizin längst intelligente Computer die Analyse von Krankheitsbildern übernehmen, erhält KI auch im militärischen Anwendungsbereich immer umfangreicheren Einzug und nimmt bereits heute, so die These, Einfluss auf das militärische Schlachtfeld und somit auf die strategische Kriegsführung.

„Ohne eine eigene Strategie, wären wir nicht vorbereitet.“

Die im Anschluss stattfindende Diskussion mit dem Publikum wurde von den Lehrgangsteilnehmern des LGAN mit Thesen aus politischer, medizinischer, ethischer sowie technischer Sicht eingeleitet. Um bei der rasanten Entwicklung der Möglichkeiten zum Einsatz von KI den technologischen Anschluss nicht zu verlieren, so stellte Major Levy in den Raum, muss auch Deutschland sich mit dem Einsatz autonomer Waffensysteme auseinandersetzen. Denn der Einsatz dieser Waffen ist unter Berücksichtigung der Chancen aber auch Risiken zur aktiven Unterstützung der Truppen von besonderer Relevanz. Major Dunn, Angehöriger der amerikanischen Streitkräfte, bekräftigte die Aussage und stellte heraus, dass die amerikanischen Streitkräfte eine gute KI-Strategie entwickeln müssen, um jederzeit reagieren zu können. „Ohne eine eigene Strategie“, so Dunn, „wären wir nicht vorbereitet, denn andere Nationen benutzen bereits KI als militärische Wirkmittel.“

Deutschland muss aufholen

Während andere Nationen bereits  Künstliche Intelligenz einsetzen und Konzepte implementiert haben, hängt Deutschland mit einer fehlenden robusten KI-Strategie bislang diesem Entwicklungstrend hinterher. Dabei hilft auch nicht der Blick nach Israel, das bereits autonome Grenzroboter oder Kamikaze-Drohnen einsetzt. Deutschland hat ein anderes ethisches Werteverständnis. Mit den ethischen Aspekten der Diskussion um den Einsatz von autonomen Waffensystemen und der Frage nach der Verantwortlichkeit bei ihrem Einsatz befasste sich Oberstleutnant Trier. Dieser führte aus, dass in letzter Instanz der Mensch immer in der Verantwortung bleibt, denn er entscheidet, ob diese Waffensysteme zum Einsatz kommen oder nicht.

Nicht den Menschen verdrängen

Solange die KI nur eine Ergänzung für die Kriegsführung darstellt und den Menschen dabei nicht verdrängt, so Major Levy weiterführend, gibt es klare Vorteile für ihren Einsatz, da sie zur Unterstützung bei Führungsentscheidungen eingesetzt werden kann und damit die Reaktionsgeschwindigkeit in Entscheidungsprozessen erhöht. Für dieses offene Denken warb auch Major Schröder mit dem technischen Blick auf die Entwicklung von KI. Denn mit dem frühzeitigen Implementieren von Leitplanken kann die Entwicklung dieses nicht mehr aufzuhaltenden technischen Fortschritts eingeschränkt oder sogar behindert werden.

Der medizinische Blickwinkel

Mit einem offenen Blick auf die Potentiale können, so Flottillenarzt Dr. Elisabeth Brunn, in der Nutzung von Human Performance Enhancement (HPE) auch Möglichkeiten für das Militär liegen. Dabei beleuchtete sie einen medizinischen Blickwinkel auf die Debatte. Hier können verschiedenste Maßnahmen dazu beitragen, die menschliche Leistungsfähigkeit über das individuell maximal mögliche Potential zu erhöhen. „HPE wird als Katalysator wirken und die Art der Kriegsführung grundlegend ändern“, so ihre These. 

Eine großartige Debatte

Die zahlreichen Fragen aus dem Publikum zeigten das große Interesse an der Debatte um den Einsatz von künstlicher Intelligenz im Kontext der deutschen Sicherheitspolitik. Mit dem Dank von Admiral Karsten Schneider, stellvertretender Akademiekommandeur, für die plastische Darstellung dieses komplexen Themas endete das Spezial-Panel der LGAN Lehrgangsteilnehmer mit großem Applaus.

„Wer ist ein guter Mensch und wer bestimmt das?“!“

Auch die weiteren Vorträge des Tages, so der Vortrag von Jay Tuck, Buchautor, investigativer Journalist und langjähriger Redaktionsleiter der ARD-Tagesthemen, über den „Einfluss disruptiver Technologien auf Sicherheitspolitik und Strategie“ sowie von Univ.-Professor Dr.-Ing. Dr. rer. Pol. habil. Michael Lauster, Institutsleiter des Fraunhofer Institut für Naturwissenschaftlich-Technische Trendanalysen zum Thema „Künftige Technologien und technologische Quantensprünge mit erwarteter Relevanz für Sicherheitspolitik und Strategie“ erfuhren höchste Aufmerksamkeit durch das Auditorium. Denn die ethische Frage für den Einsatz von letalen, unabhängig handelnden Waffensystemen beginnt bereits mit der Frage „Wer ist ein guter Mensch und wer bestimmt, was gut ist?“. Prof. Dr. Mey, Honorarprofessor für Außenpolitik an der Universität Köln, leitete die Gesprächsrunde mit den beiden Vortragenden, die sich unter anderem um diese Frage drehte. Die Antwort jedoch blieb offen und regt jeden zum Nachdenken an.

 

 

 

 

Autorin: Anne Bressem; Fotos: Anne Bressem

Hamburg, 27.08.2018

Erkundung im Gelände

Taktische Verfahrensweisen im Gelände

Offiziere während der Geländetaufe

 

3.00 Uhr morgens, der Wecker klingelt, der Rucksack ist gepackt, ich springe in meine Uniform und Kampfstiefel - wo sind wir? Richtig, beim Deutschen Heer.

Grüne Ausbildung an der Führungsakademie...

Taktische Führung von Landoperationen will gelernt sein. Um angehende Stabsoffiziere des Heeres auf nationale und internationale Führungsprozesse vorzubereiten, schult die Führungsakademie der Bundeswehr ihre Heeresoffiziere im Rahmen des Lehrgangs "Grundlagen der Führungs- und Operationsplanung".

Was heißt das?

Engagierte Hörsaalleiter sowie Dozenten entwickeln gemeinsam mit den Offizieren Verständnis für nationale und internationale Führungsprozesse. Die Unterrichte sind vor allem von kompetenzorientierter Vermittlung von Führungs- und Einsatzgrundsätzen der Landstreitkräfte geprägt. Handlungstraining steht in der Lehre Landstreitkräfte an vorderster Stelle. Neben den Grundsätzen der Truppenführung werden dabei auch die Verfahren für Führung,  und Einsatz von Landstreitkräften vermittelt.

Wie üben wir das?

Das Deutsche Heer ist seit mehr als zwanzig Jahren in den Auslandseinsätzen der Bundeswehr im Schwerpunkt eingesetzt und hat sich dort voll bewährt. Die Fakultät Landstreitkräfte setzt diese Erfahrungswerte in diversen Übungslagen mit den Lehrgangsteilnehmerinnen und -teilnehmern um. Neben der Vermittlung allgemeiner Grundsätze, die die Lehrgangsteilnehmer auch in zukünftigen Einsätzen befähigen sollen, ihre Rolle als Führungskräfte wahrzunehmen, wird der notwendige Einsatzbezug durch Aspekte der aktuellen Einsatzrealität in Form von Planübungen hergestellt.

Raus ins Gelände!

Der Praxisbezug darf während eines Lehrgangs selbstredend nicht fehlen. Mit der Geländebesprechung, zu der bereits um 04.15 Uhr am frühen Morgen aufgebrochen wurde, können die Lehrgangsteilnehmer in unterschiedlichen Situationen das bereits an der Offizierschule des Heeres vermittelte Wissen erneut anwenden. An ausgewählten Geländepunkten organisieren die Hörsaalleiter eine lagebezogene Geländeorientierung, um dort zugleich taktische Aufgabenstellungen aufzugeben.

Die Orientierung erfolgt in anschaulicher Weise. Zunächst wird der eigene Standort mit Hilfe von zwei eindeutigen Geländepunkten, die gut sichtbar sein sollten, genau angegeben. Wichtig ist hierbei, dass der Bezug zur Lage immer hergestellt wird.

Mit der Angabe der Himmelsrichtung, die, wenn möglich, die Nordrichtung sein sollte, erfolgt eine Konkretisierung. Kann diese nicht eindeutig beschrieben werden, z.B. weil sich der eigene Standort südlich eines Waldes befindet, kann natürlich auch eine andere Richtung gewählt werden. Für deren Bestimmung ist nach dem Schema REHLZ vorzugehen.

Dabei steht das

Richtung

Entfernung

Hilfsziel (wenn notwendig)

Lage zum Ziel

Ziel

 

Ist die Lage beschrieben, erfolgt nun das Ansprechen der in der Lage wichtigen Geländeteile/-punkte. Dabei bleibt es dem Vortragenden überlassen, mit welchem dieser Geländeteile begonnen werden soll. Es sind dabei einige Regeln zu beachten:
Zum Beispiel von der Richtung im Uhrzeigersinn über Osten, Süden nach Westen oder in jeder anderen Richtung beginnend, wenn sich die Lage zusammenhängend auf das Gelände übertragen lässt. Dabei ist für den Anwender immer zu beachten, im Uhrzeigersinn vorzugehen.

Richtung Nordost
Entfernung 3500
Hilfsziel (wenn notwendig) Haus mit weißem Giebel
Lage zum Ziel handbreit rechts davon
Ziel Funkmast, dies rechte Grenze Stg PzGrenBtil 171

 

 

 

 

 

Horizonterweiterung

Die Befähigung zum erfolgreichen Kampf an Land ist entscheidend für den gesicherten Zugang eigener Kräfte ins Einsatzgebiet, die Operationsfreiheit im Einsatzgebiet sowie für die Durchsetzungsfähigkeit gegen gegnerische Kräfte. Am Ende steht immer eine schnelle Konfliktbeendigung zu günstigen Bedingungen. Mit diesen und weiteren Erkenntnissen ist der Lehrgang für alle Offiziere ein ordentlicher Gewinn an Erfahrung und Horizonterweiterung, vor allem auch für „frische“ Heeresuniformträger oder Seiteneinsteiger.

 

 

Autor: Jürgen Orth; Fotos: FüAkBw

Hamburg, 24.08.2018

Zivile und militärische Dozentinnen/Dozenten

Erfahrungsaustausch in der Lernsituation

 

 

An der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) ist es wieder soweit: Der nächste Lehrgang “Didaktik und Methodik“ startet an der Führungsakademie der Bundeswehr. In wenigen Wochen werden 12 Teilnehmerinnen und Teilnehmer „fit“ für die Lehraufgaben gemacht.

Schwerpunkt kompetenzorientierte Ausbildung

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erleben kompetenzorientiere Ausbildung aktiv im Lehrgang und lernen, eigene Unterrichte mit dem neuen Lehr- und Lehrprinzip der Bundeswehr zu gestalten. Diverse Ausbildungsabschnitte erlauben es ihnen, eigene Erfahrungen einzubeziehen und zukünftig eine professionelle, handlungsorientierte Lehre durchzuführen.

Kooperation mit der Führungsakademie der Bundesagentur für Arbeit

Das Besondere an diesem Lehrgang: Auf Grundlage einer Kooperationsvereinbarung kommt die Hälfte der Teilnehmenden von der Bundesagentur für Arbeit. Durch Prüfung am Lehrgangsende sollen möglichst alle zum „Senior Trainer“ zertifiziert werden. Auch die Stabsoffiziere werden die Gelegenheit erhalten, sich der Zertifizierungskommission zu stellen. Das Dozententeam ist ebenfalls zivil/militärisch gemischt. Herr Jens Kunkel und Oberstleutnant Jürgen Orth werden im Teamteaching als Dozenten ihr Bestes geben. Die wechselseitige Teilnahme an Qualifizierungsmaßnahmen wiederholt sich bereits seit mehreren Jahren und ist Ausdruck gelebter Kooperation.

Drei Wochen intensiver Arbeit liegen vor den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, jedoch auch vor den Dozenten. Drei Wochen, die sich garantiert lohnen werden und an deren Ende 12 neue Multiplikatoren für die Umsetzung der kompetenzorientierten Ausbildung bereit stehen werden.

 

 

 

 

 

Autor: Christoph Weigmann; Fotos: Lene Bartel

Hamburg, 23.08.2018

General Oliver Kohl begrüßt Admiral James Foggo III an der Führungsakademie der Bundeswehr

Admiral Foggo III, Commander Allied Joint Force Command Naples, Commander U.S. Naval Forces Europe, Commander U.S. Naval Forces Africa, beim Eintrag in das Gästebuch der Führungsakademie der Bundeswehr

Admiral Foggo III begrüßt die amerikanischen Austauschoffiziere an der FüAkBw

Bei der Begrüßung des amerikanischen Admirals

Admiral Foggo III beim Vortrag

Es war ein besonderes Ereignis, das die Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) in ihren Büchern verzeichnen durfte. Der Vortragssaal im Manfred-Wörner-Zentrum der Clausewitz-Kaserne war randvoll mit interessierten Zuhörern gefüllt, die zum Vortrag von Admiral James G. Foggo III erschienen sind. Mit Admiral Foggo III besuchte einer der ranghöchsten Mitglieder der US-Streitkräfte die Führungsakademie. Derzeit ist der amerikanische Admiral Kommandeur des Allied Joint Force Commands in Neapel (JFC), der U.S. Naval Forces Europe und der U.S. Naval Forces Africa.

Der Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr, Brigadegeneral Oliver Martin Kohl, begrüßte den NATO-Oberbefehlshaber für Europa und Afrika, dem der traditionelle Eintrag in das Gästebuch der Akademie folgte.

Eine militärische Führungskraft mit enger Bindung an Deutschland

Admiral Foggo III kannte Deutschland sehr gut, was seinen Auftritt an der FüAkBw für ihn fast zu einem Auftritt in heimatlichen Gefilden werden ließ. Sein Vater landete 1944 mit den US-Streitkräften im Rahmen der Operation Overlord in der Normandie und kam in der Folge nach Deutschland, wo er in Mönchengladbach seinen langjährigen Lebensmittelpunkt hatte. In dieser Zeit lernte auch der Admiral Deutschland kennen.

Mit dieser kleinen Episode, die seine Bindung zu Europa anschaulich werden ließ, begann er den Vortrag mit einem Überblick über die umfangreichen Aufgaben des Joint Task Force Commands. Ausführlich ging der amerikanische Admiral auf die Aufgabenfülle ein, die sein Kommando im Rahmen der Humanitären Hilfseinsätze zu leisten hat. Die durch die Libyenkrise in Gang gesetzten Flüchtlingsströme halten bis heute an. Es geht im Kern um die Frage, „Wie findet man heraus, was die Flüchtlinge benötigen?“. Als sich die Frage 2011 zuspitzte und am 17. März 2011 die UN-Resolution 1973 zur Libyenkrise unter Beachtung des allgemeinen Waffenembargos und ohne Einsatz von Besatzungstruppen legitimiert und beschlossen worden ist, war unter den NATO-Kommando des JFC der Einsatz durchgeführt worden. Der internationale Militäreinsatz in Libyen umfasste bewaffnete Operationen zur Einrichtung einer Flugverbotszone, zum Schutz der Zivilbevölkerung in Libyen, zur Unterstützung der Aufständischen gegen die Regierungstruppen und zur Durchsetzung des Waffenembargos durch Marineschiffe. Am Nachmittag des 19. März 2011 begannen die Militäraktionen mit der französischen Opération Harmattan bzw. der Operation Odyssey Dawn, was auf Deutsch „Morgendämmerung der Odyssee“ bedeutet.
Die NATO-Operation zur Durchsetzung des Waffenembargos mittels des Einsatzes von Marineeinheiten trug den Namen Unified Protector und begann am 22. März 2011. Es war ein großangelegter NATO-Einsatz.

Minensuche als NATO-Aufgabe

Eine weitere wesentliche Aufgabe besteht noch heute in der Minensuche. Diese aus den Konfliktregionen, insbesondere des Libyenkonfliktes, resultierenden Hinterlassenschaften gefährden noch heute hochgradig die Flüchtlingsströme. Als Beispiel zeigte der Admiral die effektive Wirkung von Minen auf. Immerhin unterbrachen im Jahr 2011 vier durch Libyen ausgebrachte Minen für gut einen Tag die Versorgungskette des Joint Task Force.

Die Rolle von Social Media

Admiral Foggo III sprach der Wirkung der Social Media eine große Bedeutung zu. Im Verlauf seines NATO-Kommandos hat er die Nutzung von Social Media weit ausgebaut. Sie dient zum Erkenntnisgewinn, aber auch zur Kommunikation von NATO-Positionen. Es sei an dieser Stelle auf das von David Patrikakakos verfasste Buch „War in 140 characters“ verwiesen,  das für Admiral Foggo eine Quelle des Erkenntnisgewinns zu diesem Thema darstellt.

Der Focus des Allied Joint Force Command in Neapel

Die wichtigsten Themenfelder, die die NATO JFC zu bearbeiten hat, zeigte der Admiral anhand von fünf Schwerpunkten auf. So steht neben der NATO Mission Irak, dem NATO Einsatz im West-Balkan, dem Hauptquartier der Multinationalen Division Southeast und der Übung „Trident Juncture 2018“ vor allem die NATO Strategic Dirction South Hub (NSDS) im Mittelpunkt seiner Darstellungen.  Bei der NSDS versucht die NATO ein kollektives Verständnis über Bedrohungen und bestehenden Herausforderungen, die aus dem Süden aufkommen zu erlangen und versucht Erkenntnisse über Möglichkeiten des Handeln zu gewinnen. Der Hub soll operative und strategische Führungskräfte mit einem kollektiven Verständnis über den Süden, insbesondere über Schauplätze in Afrika, ausstatten, damit eine Entscheidungsfindung ermöglicht wird. Schließlich soll der Hub dazu beitragen, Deeskalationsbestrebungen zu synchronisieren und aufeinander abzustimmen.

Die Aufgabe der NATO in Afrika

Nach Foggo III trägt die NATO mit Ihren Aktionen vor Ort dazu bei, wirtschaftliche Stärke nach Afrika zu bringen. Die Aufgabe des AJFC in Neapel besitzt durch die Präsenz in Afrika eine hohe Kenntnis, mit militärischer Präsenz die Grenzen zu sichern und die dortigen Polizeien zu stärken. Doch auch die Flüchtlingskrise ist hochaktuell. Nach Foggo III verlassen die Menschen ihre Heimatländer ja nicht deshalb, weil sie krank sind. Sie verlassen sie, weil sie bedroht werden. Diesen Prozess Einhalt zu gebieten und für eine Stabilität der afrikanischen Regionen zu sorgen, ist eine der großen und wichtigen Aufgaben des Allied Joint Force Command in Neapel.

 

Vielfältige Aufgaben ohne ein absehbares Ende

Mit Blick auf die weiteren Schwerpunktfelder ist das Aufgabenspektrum, dem sich Admiral Foggo III und seine Stäbe zu stellen haben, übergroß. So ist an dieser Stelle der durch das JFC kontrollierte KFOR-Einsatz, der seit 1999 besteht, ebenso zu nennen wie die Führung des seit 2015 bestehenden multinationalen Divisionshauptquartiers in Bukarest in Rumänien, das für die Führung der Verteidigungsoperationen gem. Artikel 5 des NATO-Statuts im Falle eines Angriffs auf das Allianzgebiet im Südosten zuständig ist. Nicht zuletzt ist die unter der Führung des Hauptquartiers der JFC in Neapel geführten multinationalen Übung „Trident Juncture 2018“ aufzuführen, mit der das Zusammenwirken der Streitkräfte der Mitgliedsstaaten geübt wird. Im Oktober 2018 werden mehr als 40.000 Soldaten nach Zentral und Nordnorwegen gebracht, um die sich dort befindliche Very High Readiness Joint Task Force zu verstärken.

Ein sich lohnender Diskussionsbeitrag

Den ausführlichen, informativen und lebhaft vorgetragenen Schilderungen folgte eine rege Diskussion mit den Zuhörern. Dabei durfte sich der erste Diskussionsteilnehmer besonders freuen, denn er erhielt als „Icebreaker“ eine Erinnerungsmünze von Foggo III überreicht.

Mit vielen Eindrücken aus den umfangreichen und komplexen Auftrag des Allied Joint Force Command in Neapel Vortrag gingen die Zuhörer in ein sonniges Hamburger Wochenende.  

 

 

 

 

Autor: Michel Gallien; Fotos: Katharina Roggmann

Hamburg, 16.08.2018

Oberst i.G. Hennig Weeke begrüßt die Gäste

Die drei Säulen des BGMs

Deutsche und internationale Lehrgangsteilnehmer im Dialog

Rückenschule als eine der BGM-Maßnahmen

Die Gastgeber präsentierten Kölschen Karneval zum Anfassen

Training ist auch am Arbeitsplatz möglich

Die Gastgeber präsentierten Kölschen Karneval zum Anfassen

BGM – Für Soldaten und Zivile Angehörige

Die Gastgeber präsentierten Kölschen Karneval zum Anfassen

Vielfältige Übungen: Vom Pezziball bis zum TRX-Band

Die Gastgeber präsentierten Kölschen Karneval zum Anfassen

TRX-Schlingentraining zur Stärkung der Rückenmuskulatur

Der Rücken schmerzt, der Nacken ist verspannt, die Konzentration versinkt im Stress. Wer kennt die alltäglichen Leiden nicht? Was sich anfangs oft als vermeintlich harmlose Beschwerden darstellt, kann bei zu wenig Beachtung schnell zu ernst zu nehmenden körperlichen oder psychischen Krankheiten führen. Um diesen und vielen weiteren Herausforderungen im Alltag zu begegnen, ist das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) geschaffen worden. Im September hat an der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) die Erprobungsphase für das BGM begonnen. 2018 soll das BGM in den Regelbetrieb übergehen.

Was ist das BGM?

Unter dem Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) wird die Gestaltung, Lenkung und Entwicklung betrieblicher Strukturen und Prozesse verstanden, die zum Ziel haben, die Arbeit, die Organisation und das Verhalten am Arbeitsplatz gesundheitsförderlich zu gestalten. Dies soll den Beschäftigten und dem Unternehmen gleichermaßen zugute kommen.

Drei Säulen der Gesundheit

Das BGM umfasst drei Säulen. Den Schwerpunkt bildet die Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF). Die BGF hilft, z.B. mit Stressfaktoren umgehen zu können oder den eigenen Bewegungsapparat gezielt zu trainieren und zu stärken. Umfassende Angebote zur BGF werden nach und nach in allen Dienststellen eingeführt. Dazu gehören Bewegungskurse wie „Rückenschule“ oder „Aquajogging“, aber auch „Raucherentwöhnung“ oder „Suchtprävention“. Die Teilnahme an den Maßnahmen der BGF sind für alle Beschäftigten freiwillig. Einen besonderen Attraktivitätsgewinn stellt die BGF für Zivilbeschäftigte dar, für die zuvor kein Sport während der Dienst– oder Arbeitszeit vorgesehen war.

Arbeits- und Gesundheitsschutz als zweite Säule

Die zweite Säule bildet der Arbeits- und Gesundheitsschutz (AGS). Dieser ist gesetzlich vorgegeben und umfasst einerseits die Fürsorgepflicht des Vorgesetzten / Arbeitgebers. Andererseits werden durch den AGS situativ angepasste Arbeitsmittel bereitgestellt. Ein Beispiel hierfür ist der elektrisch höhenverstellbare Schreibtisch, der eine bessere und gesündere Körperhaltung ermöglicht. Weitere wichtige Bestandteile des AGS sind unter anderem Gefährdungsbeurteilungen durch psychische Belastungen oder auch externe Gefahrenquellen, wie Lärm oder Strahlung.

Motivation durch Information

Die Bereitschaft zur Teilnahme am BGM soll durch die dritte Säule „Führung und Organisation“ (FuO) gefördert und gewährleistet werden. Die Führungskräfte sind dazu angehalten, die Mitarbeiter zu sensibilieren, auf die eigene Gesundheit zu achten. Dabei handeln die Führungskräfte zugleich mit Vorbildfunktion. Damit eine Führungskraft vorbildlich führt, sind ein selbst eingehaltener, gesunder Führungsstil und das richtige Delegieren von Aufträgen wichtige Erfolgsfaktoren.

Konzeption und Verantwortlichkeit

Im Zuge der Agenda „Bundeswehr in Führung – Aktiv. Attraktiv. Anders.“ ist 2015 durch das BMVg damit begonnen worden,  das Betriebliche Gesundheitsmanagement an zunächst elf ausgewählten Standorten einzuführen. Unter dem Titel  „Gesundes Arbeiten“ wird es jetzt nach und nach bis 2019 bundeswehrweit etabliert. Die Federführung bei der Umsetzung lag im Schwerpunkt beim Sanitätsdienst. Das BGM gilt von der Truppe bis zum Ministerium, vom Bundeswehrkrankenhaus bis hin zur Militärseelsorge. Dabei unterstützen BGM-Koordinierende an den Standorten. Jede Dienststelle gründet dafür ein Gremium "Gesundheit", das die Einführung des BGM plant, steuert und später überwacht. Die Durchführung von Maßnahmen im Sinne der Betrieblichen Gesundheitsförderung obliegt den durchführenden Dienststellen.

Vielfältige Angebote an der FüAK

Der Angebotskatalog der BGM-Maßnahmen ist umfangreich. An der FüAkBw werden Maßnahmen wie beispielsweise „Funktionelles Training“ oder „Rückenschule“, systematisches Ganzkörpertraining mit dem eigenen Körpergewicht oder unter Zuhilfenahme von Pezziball oder Thera-Band, angeboten. Dies dient auf der einen Seite zur Kräftigung der Tiefenmuskulatur, hilft aber auch gleichzeitig dabei, Rückenbeschwerden vorzubeugen oder zu lindern, denn Rückenprobleme treten oftmals schon durch Fehlhaltungen am Arbeitsplatz auf. Beim „TRX-Schlingentraining“ und „AquaGym“ wird gezielt die Koordination und Beweglichkeit durch gelenkschonende Übungen gestärkt und verbessert. Die Stärkung der körperlichen Flexibilität und Sensibilisierung der eigenen Körperwahrnehmung steht hier im Fokus. Die Beseitigung innerer und äußerer Verspannungen abzubauen und den Köprer und Geist der Teilnehmenden zu fördern, zu mobilisieren und zu stabilisieren, ist das Ziel des gleichnamigen Kurses. Wer seine Zeit gern im Freien verbringt, kann sich bei der wenig verletzungsanfälligen Outdoor-Sportart „Nordic Walking“ durch die grüne Natur bewegen. Wer schließlich noch zukünftig mit einem gesünderen Führungsstil arbeiten möchte, lernt im Kurs „Gesundes Führen“, wie wichtig es ist, ein eigenes Zeit- und Belastungsmanagement aufzubauen. Für den nachhaltigen, gesundheitsfördernden Umgang zur Prävention, aber auch mit bereits eingetretenen Beeinträchtigungen sieht das BGM unter anderem psychosoziale Beratungen und sporttherapeutische Lehrgänge vor. Letztere werden an der Sportschule der Bundeswehr in Warendorf angeboten werden.

Ein Zwischenfazit

Die Ressourcen von Menschen sind endlich. Gehen die Ressourcen aus oder werden diese zu schnell verbraucht, führt dies zu Kopf- und Gliederschmerzen, Depressionen oder sogar letztlich zur Arbeitsunfähigkeit. Das Betriebliche Gesundheitsmanagement soll dies verhindern helfen. Die Angebote sind vielfältig, die Mitgestaltung einfach, der Effekt enorm.

Autor: Philipp Lenske; Fotos: Laura Clayborn

Hamburg, 03.08.2018

Monsignore Bernward Mezger vor dem Altar der Kapelle

Das Kruzifix: Sinnbild für das Opfer Christi

,,Spirituelle Kultur ist in hohem Maße Atmosphäre", so Mezger

Mit Musik und Gesang werden die Andachten zelebriert

 

 

 

 

,,Gott besucht uns, nicht wir besuchen Gott“, mit diesen Worten öffnete der katholische Militärdekan der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw), Monsignore Bernward Mezger, die Türen der Kapelle in der Clausewitz-Kaserne. Und mit der Öffnung taucht der Besucher in eine eigene Geschichte dieses einzigartigen Kapellenraumes ein.

Ein Kapellenraum seit 1958

1958 wurde die Kapelle in der Führungsakademie der Bundeswehr auf dem Gelände der Clausewitz-Kaserne eingeweiht. Seitdem bietet die Andachtskapelle allen Angehörigen der Führungsakademie die Möglichkeit, Gottesdienste zu besuchen und vor allem Ruhe zu finden. Die Kapelle wird ökumenisch genutzt. Der evangelische und katholische Militärdekan teilen sich die Räumlichkeiten für Ihre Andachten. Das Zusammenwirken der Konfessionen spiegelt sich besonders in der Einrichtung der Kapelle wider. So weisen die Bänke auch Kniebänke auf, was für katholische Kirchen ein typisches Merkmal ist. Dafür fehlt ein „ewiges Licht“ und ein Tabernakel. Dieser Ort erscheint nicht aufdringlich, sondern strahlt eine zurückhaltende Ruhe aus. Er ermöglicht allen Besuchern, gemeinsam zu beten und Gottesdienst zu feiern.

Das Kruzifix, die Verbindung zum 4. Generalinspekteur

Eva de Maizière, Bildhauerin und Grafikerin, und Ehefrau des vierten Generalinspekteurs der Bundeswehr, Karl Ernst Ulrich de Maizière, sowie die Mutter des ehemaligen Bundesinnenministers Thomas de Maizière, entwarf und spendete der FüAkBw ein Kruzifix, welches noch heute über dem Altar hängt.

Raum der Stille in der zweiten FüAk-Kaserne

In der Generalleutnant-Graf-von-Baudissin-Kaserne befindet sich kein Kapellenraum, dafür ein „Raum der Stille“. Auch dieser kann von allen FüAk-Angehörigen ungeachtet ihres Glaubens genutzt werden. Der Raum bietet einen Rückzugsort zum Beten, Nachdenken oder zum Trauern. Eben ein Raum der Stille.

Gelebte Andachtspraxis an der FüAk

Anfang Dezember 2017 schockierte die Nachricht über das gesunkene argentinische U-Boot die Welt. Besonders erschüttert waren die argentinischen Marineoffiziere, welche an der FüAk den Lehrgang Generalstabsdienst / Admiralstabsdienst International (LGAI) absolvieren. Solidarisch versammelten sich alle Marineuniformträger der Führungsakademie, um mit Ihren argentinischen Kameraden gemeinsam zu trauern und diesen zu gedenken. ,,Der Soldatenberuf beschäftigt jeden mit Fragen nach Leben und Tod. Mit diesen Fragen stetig konfrontiert zu werden, das ist nicht leicht. Doch der Zusammenhalt unter den Kameradinnen und Kameraden hilft. Die Solidarität wie auch die täglich gelebte Kameradschaft geben Kraft“, so Monsignore Mezger.

Regelmäßige Andachten

Jeden Freitag um 7:30Uhr findet in der Kapelle in der Clausewitz-Kaserne für alle Besucher eine 20 minütige Andacht statt. Der jeweils zelebrierende Militärdekan singt mit den Andachtsbesuchern, betet mit ihnen aus den Psalmen, liest das Evangelium und legt es aus. Oft ist es so, dass die Bibelstellen mit dem Alltag der Soldaten in Verbindung gebracht werden. So wird eines deutlich: ,,An diesem Ort gibt es kein Befehl und Gehorsam, hier stehen alle vor Gott“, wie Monsignore Mezger betont.

 

 

 

 

 

Autor: Stefan Kilian; Fotos: Stefanie Petersen

Hamburg, 26.07.2018

Gemeinsame Vorfreude: Stefan Killian und Stefanie Petersen angekommen in Österreich

Schwimmstart im Morgengrauen

Der erste Bergpass geschafft…Zeit zum Auslockern der Beine

 

 

 

 

Major Stefan Killian ist Teilnehmer des Lehrgangs für Generalstabs- und Admiralstabsdienst National 2016. Sein Arbeitsalltag spielt sich demnach normalerweise im Hörsaal ab – Vorträge, Seminare und diverse Übungen prägen den Dienst. Eine Ausnahme bildete der Austria Extreme Triathlon am 23.06.2018: eine Herausforderung der besonderen Art - quer durch Österreich über 3,8km Flussschwimmen bei 12° Wassertemperatur, 211 Kilometer und 3500 Höhenmetern Radfahren sowie 44km und 1900 Hm Laufen…ein Ironman!

Vorbereitung ist alles

Mit einer Vorbereitungszeit von ca. neun Monaten startete Kilian für die Führungsakademie der Bundeswehr mit einer wöchentlichen Trainingseinheit von 15-20 Stunden für die drei Teildisziplinen. „Während der gesamten Vorbereitung erhielt ich von Vorgesetzten sowie dem Fachzentrum Sport umfassende Unterstützung, bei der Gestaltung des individuellen Trainings genauso wie in Verbindung mit der vorhandenen Auswahl an Sportmöglichkeiten an der Akademie“, so Stefan Killian.

Hamburg – Graz und zurück

Mit einer An- und  Abreise von knapp 1200 km bis an die slowenische Grenze sowie der notwendigen Organisation von Material und Verpflegung begann der Triathlon schon mehrere Wochen vorher. Ohne die Unterstützung durch Kapitänleutnant Stefanie Petersen vor und vor allem während des Rennens eine unlösbare Aufgabe. Die Unterstützer der Athleten übernahmen bei diesem Wettkampf die komplette Versorgung sowie den technischen Support während des Rennens. Außerdem absolvierten sie selbst auch den letzten Streckenabschnitt bis ins Ziel.

Auf der Strecke und körperlich…ein Auf und Ab

Nach dem Start um 04:30 Uhr bei völliger Dunkelheit beendete Major Killian das Schwimmen in hervorragenden 1:09 Stunden, davon die Hälfte gegen die Strömung des Flusses Mur. Gefolgt vom Wechsel auf die Radstrecke. Zuerst 54 km flaches „Einrollen“ und anschließend über vier Bergpässe. So weit so gut. Kein Defekt, die Kräfte gut eingeteilt und das Wetter gut. Nur der kalte Gegenwind deutete auf einen Wetterumschwung hin. Und so begann der tatsächliche Kampf gegen Kopf und Körper auf der Laufstrecke.

DNF (Did not finish) is no option

Gezeichnet vom Wetter und Magenproblemen galt es schließlich, gemeinsam mit seiner Betreuerin die letzten 17 Kilometer und knapp 2000 Höhenmeter bergauf in Richtung Dachstein zu bewältigen. „Als wäre das Rennen an sich nicht schon extrem genug, zeigte uns auch der Berg nochmal seine Schattenseite“, so  Petersen. Um 22:19 Uhr schließlich, bei nur mehr 4 Grad, starkem Wind und Schneeregen nahmen die Strapazen mit Kuhglockenläuten im Ziel ihr Ende.

Finishen nur gemeinsam möglich

„Mit etwas mehr als 17 Stunden und den Witterungsbedingungen definitiv ein Extremwettkampf der besonderen Art. Aber der Zieleinlauf zusammen mit meiner Partnerin war jede Sekunde des Trainings und Wettkampfes wert“, war sich Killian nach dem Rennen sicher.

 

 

 

 

Autor: Reinhold Koßmann; Fotos: Laura Clayborn

Hamburg, 23.07.2018

Der Kommandeur der Führungsakademie, Brigadegeneral Oliver Kohl, begrüßt den Inspekteur der Luftwaffe Generalleutnant Ingo Gerhartz in der Clausewitz-Kaserne

Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Ingo Gerhartz, im Austausch mit Soldaten und Mitarbeitern der Führungsakademie

 

 

 

 

Der neue Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Ingo Gerhartz, nutzte das jährliche Lehrdeputat an der Führungsakademie der Bundeswehr zur eigenen Vorstellung, für eine objektive Analyse des Zustandes der Luftwaffe und den Blick auf die anstehenden sowie perspektivischen Herausforderungen.

Herausforderungen und Refokussierung

Generalleutnant Gerhartz verwies während des Deputats auf den jüngsten Tagesbefehl, in dem er die Wiederherstellung der Einsatzbereitschaft und das Aufzeigen einer Einsatzrelevanz von Fähigkeiten der Luftwaffe als wesentliche Herausforderung sieht. Vor allem mit Blick auf die Refokussierung gilt es, nach seiner Bewertung, den klugen Kompromiss zwischen dem Aufwuchs von Fähigkeiten der Landes- und Bündnisverteidigung bei gleichzeitigem Erhalt der Fähigkeiten des Krisenmanagements zu finden. Unter den Bedingungen der Trendwenden, wird dieser Aufwuchs, laut ihm, Geduld und vor allem Zeit erfordern.

Eine aufwachsende Organisation

Zuversichtlich stimmt den General die Leistungsbereitschaft und Einsatzfähigkeit des Personals der Luftwaffe. „Mit Blick auf eine aufwachsende Organisation und die damit verbundene Personalgewinnung, bedarf es einer guten Erziehung und Prägung, um diesen Geist zu erhalten und zu fördern“, so Gerhartz.

Gelegenheit für Gespräche

In diesem Sinne nutzte Generalleutnant Gerhartz die Gelegenheit, ein breites Spektrum an Fragen während seines ersten Lehrdeputats zu beantworten. Die Lehrgangsteilnehmer  sowie Soldaten und Mitarbeiter der Führungsakademie nutzten das offene Wort und die Gelegenheit, mit dem neuen Inspekteur der Luftwaffe ins Gespräch zu kommen.

 

Autor: Andreas Beckmann; Fotos: Torsten Näther

Hamburg, 18.07.2018

Gruppenbild vor dem Lincoln Memorial in Washington D.C.

Vortrag in der Deutschen Botschaft in Washington D.C.

Lehrgangsteilnehmer im UN-Sicherheitsrat

 Gruppenbild vor der P-8A Poseidon 

 

Es war eine lange Reise mit vielen Etappen, die auf dem Programm standen. Die Reiseroute umfasste Stationen in Washington D.C, New York, Jacksonville, Tampa und endete schließlich in Miami. Sie wollen wissen, wer sich aufgemacht hat, die Neue Welt kennenzulernen?

13 Tage lang bereiste der Lehrgang Generalstabsdienst/Admiralstabsdienst National 2017 (LGAN) der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg (FüAkBw) die Städte und Stätten in den Vereinigten Staaten und absolvierte dabei ein dicht bepacktes Programm. Dabei wurde sie bis New York vom stellvertretenden Akademiekommandeur, Flottillenadmiral Karsten Schneider, und für den weiteren Verlauf durch Generalmajor a.D. Rainer Fiegle begleitet.

Ziel der traditionellen Reise zum nordamerikanischen Verbündeten, die jeder LGAN auf dem Programm hat, ist es, den sicherheitspolitischen Blick zu weiten. Dieses Ziel sollte auch für den 14. streitkräftegemeinsamen Lehrgangs gelten. Streitkräftegemeinsam, weil der Lehrgang sich aus Teilnehmern aller Teilstreitkräfte und Organisationseinheiten der Bundeswehr zusammensetzt.

Mit vielen deutschen und amerikanischen Persönlichkeiten wurden die Kontakte gesucht, um in den Dialog einzutreten. So konnten aus erster Hand Informationen gewonnen werden, die für jeden persönlich zum Nutzen waren. Es war ein schöner Effekt, dass das in der Ausbildung dem Lehrgang vermittelte theoretische Wissen durch die praktische Erfahrung ergänzt werden konnte. Es bleibt bei den vielen Reisenden eine Fülle an politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Eindrücken von Land und Leuten. Davon kann ein langes Berufsleben gezehrt werden. Der besondere Fokus lag auf dem Bereich der Sicherheitspolitik.

Washington D.C. und New York zum Auftakt

In der Hauptstadt besuchte der Lehrgang zuerst die Deutsche Botschaft. Dort erfolgte eine Einordnung der derzeitigen sicherheitspolitischen Lage aus deutscher Sicht. An der National Defense University (NDU) nutzten die angehenden Admiral- und Generalstabsoffiziere die Gelegenheit, um in ausgiebigen Diskussionsrunden mit Vertretern des Verteidigungsministeriums, mit Journalisten, sowie mit Lehrenden und Studierenden der NDU ihre Standpunkte austauschen. Auf Themen rund um die Digitalisierung, Automatisierung und Robotik lag ein Augenmerk. Diese Technologien, die einen großen Einfluss auf die Wirtschaft und auf das Militär haben, wurden in den Zusammenhang mit dem Phänomen „Deglobalisierung“ gestellt. Eine Führung durch das Capitol-Building und der Besuch mehrerer Think Tanks rundeten das Programm in der Hauptstadt ab. In New York waren die Ständige Vertretung Deutschlands und die Vereinten Nationen der Dreh- und Angelpunkt. Die Generalversammlung und den Sicherheitsrat einmal „live“ zu sehen, war ein ganz besonderes Erlebnis. Den Abschluss in New York bildete der Besuch des Ground Zero und des 9/11 Memorials.

Die US NAVY in Jacksonville im Fokus

Zu Beginn der zweiten Reisewoche wurde die Mayport Naval Base in Jacksonville besucht. Im Heimathafen der vierten US Flotte hatten die Lehrgangsteilnehmer die Chance den Lenkwaffenzerstörer der Arleigh-Burke-Klasse „USS The Sullivans“ zu besichtigen. Im anschließenden Briefing nutzte der Befehlshaber der Fourth Fleet, Rear Admiral Sean Buck, die Gelegenheit, um die Aufträge und Herausforderungen im Einsatzraum des US Southern Command aufzuzeigen. Weitere Highlights waren die Besichtigung der neuen Aufklärungsdrohne MQ-4C Triton und eines P-8A Poseidon Seefernaufklärungsflugzeugs auf der US Naval Airbase.

Höhere US Kommandobehörden in Tampa

Im US Central Command (USCENTCOM) auf der McDill Air Force Base in Tampa gab der Leiter des Deutschen Verbindungskommando USCENTCOM, Brigadegeneral Schoy, einen ausführlichen Überblick über die deutsche Einbindung. Nachfolgend trug Lieutenant General Charles Brown, Deputy Commander USCENTCOM, zum Thema „Leadership“ vor. Seine Hauptbotschaft an die Lehrgangsteilnehmer lautete: „Articulate risk! And articulate the risk if you don`t act!“ Der kanadische General Major Millner referierte zum Thema „Coalitions“ aus Sicht eines J5 Deptuy Directors. Aus seiner Sicht kommt es zukünftig deutlich auf aktuelle und zukünftige Koalitionen an. Ein interessanter Werksbesuch bei einer F35 Produktionsstätte des Unternehmens Lockheed Martin rundete den Besuch des Lehrgangs in Tampa ab.

Südamerika und Küstenwache zum Abschluss

In Miami war es Frau Generalkonsulin Annette Klein, die den Lehrgang in die Besonderheiten Floridas einschließlich seiner deutschstämmigen Verbindungen eingewiesen hat. Sie legte dabei ein Augenmerk auf die aktuelle politische, ökologische sowie auf gesellschaftliche Situation in Florida und den USA. Die Ausbildungsreise fand ihren Abschluss durch einen Vortrag von Vertretern des US Southern Command sowie einen Besuch bei der US Coast Guard. Dabei wurde der Blick auf Südamerika und die Karibik gelenkt und Herausforderungen angesprochen, die im europäischen Denken weniger im Fokus stehen: zum Beispiel der weltweite Drogenhandel und die politische Situation in den südamerikanischen Staaten.

Gegenseitiges Verständnis

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die vielen Diskussionen und Gespräche des Besuchs das gegenseitige Verständnis und Vertrauen gefördert haben. Das bisher auf dem Lehrgang erworbene theoretische Wissen wurde durch einen Blick über den transatlantischen Tellerrand hinaus vertieft. Eine sehr gut durchgeplante Organisation und das hohe Engagement der Gastgeber bildeten dabei das Fundament des Erfolgs der Reise. Die dargebotene Hochwertigkeit der Vorträge und das Sammeln von Erfahrungen aus erster Hand machen die USA-Reise auch künftig zu einem wichtigen Ausbildungsabschnitt des Lehrgangs. Der nächste LGAN freut sich auf die Reise.

 

 

 

 

 

Autor: Andreas Aschert; Fotos: Michael Gundelach

Hamburg, 10.07.2018

Brigadegeneral Kohl bei der Verabschiedung des LGAI

Landestypische Trachten

Blechbläserquintett des Marineorchesters Hamburg

Der argentinischen Inspekteur des Heeres, Generalmajor Claudio Pasqualini

Oberstleutnant Boniface A.R. Zanga Zambo aus Kamerun

Dr. Martin Willich übergibt den Scharnhorst-Preis Major Majid Jan

 

 

 

 

 

 

Die 72 Absolventen des 56. internationalen Generalstabs- und Admiralstabslehrgangs (LGAI) sind nach einjähriger Lehrzeit in einer feierlichen Abschlussveranstaltung von der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) verabschiedet worden. Zwei Jahre haben die Offiziere aus 45 verschiedenen Nationen - darunter 17 Deutsche – in Deutschland verbracht, erst ein Jahr gemeinsam deutsch am Bundessprachenamt in Hürth gelernt, anschließend die Schulbank in Hamburg gedrückt. Dabei befand sich unter den Absolventen in dem diesjährigen LGAI eine Soldatin.

Gemeinsam stark

Brigadegeneral Oliver Kohl, Kommandeur der Führungsakademie, verabschiedet die bunte Truppe mit persönlichen Worten. Er zollte ihnen Respekt für das Engagement und die hervorragende Leistung, die Generalstabsausbildung in einer fremden Sprache zu durchlaufen. „Sie alle haben sich hier verdient gemacht und diesen Lehrgang mitgestaltet. Ich persönlich war dabei sehr beeindruckt, wie sie in einer neuen Sprache so kritische Fragen stellen konnten. Dieses haben Sie bei Besuchen von wichtigen Institutionen in Brüssel und Wien, wie beispielsweise bei der UN oder OSZE, für mich sehr eindrucksvoll bewiesen.“ Das Ziel, das Handwerkzeug der Generalstabsausbildung zu erreichen, wo Kritikfähigkeit, Konsensfähigkeit und Konfliktfähigkeit neben der Militärpolitik mit dazu gehören, sieht er als erfüllt an. Er unterstrich dabei auch, dass die Absolventen Teil eines riesen ALUMNI-Netzwerkes sind. „Das ist für Sie, rund um die Welt, ein Mehrwert über den LGAI hinaus“, sagte der General vor den noch Lehrgangsteilnehmern.

Großartige Unterstützung

Viele Familien sind mitgekommen, Verteidigungsattachés sind aus Berlin angereist, Freunde und Wegbegleiter der Lehrgangsabsolventen tummeln sich im Manfred-Wörner-Zentrum, teilweise sogar in landestypischen Trachten. Die 250 Gäste umrankten die stolzen Offiziere bei ihren Feierlichkeiten, das Blechbläserquintett des Marineorchesters Hamburg sorgt mit stimmungsvollen Stücken wie „California Dreamin‘ “ für eine schöne Atmosphäre. Alle denken noch einmal an die anstrengenden und herausfordernden, aber auch sehr schönen letzten Monate zurück.

Festredner von der anderen Seite des Globus

Oliver Kohl übergibt das Wort an den argentinischen Inspekteur des Heeres, Generalmajor Claudio Pasqualini. Er ist eigens aus Argentinien angereist, um die Festrede zu halten. Eingeladen wurde der ehemalige Absolvent der FüAk bereits sehr viel früher, als er noch Heeresdivisionskommandeur war. Inzwischen ist er seit Januar im neuen Amt und freut sich umso mehr, die jetzigen Absolventen zu verabschieden. Das liegt 17 Jahre nach seiner eigenen Abschlussrede als Lehrgangssprecher. Auch für ihn ist ein Kern der LGAI-Ausbildung die Verknüpfung im Netzwerk untereinander, in der Bekanntschaften und Freundschaften entstehen. „Bleiben Sie bitte in Kontakt untereinander. Es ist ein unbezahlbarer Schatz für Sie“, legte er den Absolventen an Herz. Laut Pasqualini trägt gerade diese vertrauensbildende Maßnahme zum Verständnis untereinander bei und dient dem Frieden.“ Inzwischen ist es gute Tradition, einen LGAI-Absolventen zur Verabschiedung einzuladen, um den Teilnehmern lebhaft vor Augen zu führen, was ein ehemaliger Lehrgangsteilnehmer erreichen kann. Es soll auch Motivation sein, selbst immer das Höchstmögliche anzustreben.

Wehmut und Zukunftsappell

Oberstleutnant Boniface A.R. Zanga Zambo aus Kamerun hält anschließend als Lehrgangssprecher eine Rede. Unabhängig von seinen Vorrednern zieht auch er für sich und seine Lehrgangskameraden ein ähnliches Fazit nach den zwei Jahren in Deutschland. „Gerade dieser Lehrgang in Hamburg hat uns gezeigt, dass Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und Nationen friedlich zusammenleben können. Wir haben eine bessere Verständigung miteinander, die zu einer besseren Welt und gegenseitiger Akzeptanz führt. In unseren Herzen bleibt daher die lebendige Erinnerung an die Freundschaften“, so der Oberstleuntant. Für ihn sei aber auch das Erlernen einer gemeinsamen Sprache ein Geschenk gewesen. So konnte er auch die Zeit an der Führungsakademie erst richtig geniessen, wie er betonte.

Preis und Witz

Dr. Martin Willich, Vorsitzender des Freundeskreises LGAI an der FüAk, schaffte es im Anschluss in seiner Rede, einen der Lehrgangsabsolventen richtig zu überraschen. Bewegt zeigt sich Major Majid Jan aus Pakistan, als er erfährt, dass er den Scharnhorst-Preis für überragende gezeigte Leistungen erhält. Willich betont, „es geht bei dem Preis darum, dass der Offizier eine hervorragende Gesamtpersönlichkeit ist“. Neben seinen fünf Sprachen hat Jan laut Willich unter anderem durch seine Höflichkeit und Differenziertheit sowie seinen spitzen Humor überzeugt. Ironisch fügte Willich in der Laudatio auf Jan an: „Sie, Major Jan, haben einmal die Frage in den Raum gestellt, warum die Deutschen denn Kreativität bräuchten, sie hätten doch Regeln und Vorschriften“, bevor er Jan das Buchgeschenk „Die Deutschen und ihre Mythen“ von Herfried Münkler überreichte.

Lange Geschichte

Der LGAI hat an der Führungsakademie eine über 50jährige Tradition: Seit dieser Zeit wurden bislang Offiziere aus insgesamt 120 Nationen zum Generalstabs- und Admiralstabsoffizier ausgebildet. Sie werden auf operativer und taktischer Ebene im gesamten Aufgabenspektrum der Streitkräfte geschult und nehmen besonders persönliche Eindrücke einer Parlamentsarmee, des Leitbilds vom Staatsbürger in Uniform, des Führens mit Auftrag und des Konzepts der Inneren Führung in ihren persönlichen Erfahrungsschatz auf. Neben dieser militärischen Ausbildung erhalten die Lehrgangsteilnehmer zusätzlich eine Vielzahl kultureller, politischer und wirtschaftlicher Einblicke in die deutsche Gesellschaft. Unterstützt werden sie dabei von einem Drittel deutscher Lehrgangsteilnehmer. Für alle Absolventen stehen nun die nächsten herausfordernden Aufgaben im Heimatland an.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Autor: FüAkBw; Fotos: FüAkBw

Hamburg, 13.07.2018

Die Ausstellung umfasst zehn Ausstellungstafeln sowie ein Filmabschnitt

Der Bürgermeister vom Stadt Kauhava, Herr Markku Lumio, begrüßt die Teilnehmer

Die Zuhörer des Vortrags sammelten sich im Hörsaal 4

 

 

Eine Ausstellung zur finnischen Jägerbewegung wurde Ende Juni an der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) unter der Teilnahme von mehr als 40 Gästen eröffnet.

Die Wanderausstellung zum 100. Jahrestag der Rückkehr der finnischen Jäger ist seit letztem Dezember bereits an drei Orten in Norddeutschland zu sehen gewesen. Demnächst wird diese Ausstellung vom 27. Juni bis zum 11. Juli 2018 an der FüAkBw im Gebäude 9 (Henning-von-Tresckow-Gebäude) der Clausewitz-Kaserne präsentiert werden.

Erstellt wurde die Ausstellung vom Finnischen Jägermuseum mit freundlicher Unterstützung des Regionalverbandes Süd-Ostbottnien. Diese Wanderausstellung in Deutschland ist maßgeblich dem Engagement des Vereins für Kultur und Geschichte von Hohenlockstedt zu verdanken.

Vortrag zur Geschichte der finnischen Jäger

Nach dem einleitenden Grußwort des finnischen Lehrgangsteilnehmers des Lehrgangs Generalstabsdienstoffiziere/Admiralstabsdienstoffiziere National 2016 (LGAN) an der FüAkBw,  Korvettenkapitän Pekka Snellman, sowie des Lehrgangsleiters, Oberst Henning Weeke, wurden die Gäste durch den Ehrengast, Herr Markku Lumio, Bürgermeister der Stadt Kauhava in Finnland, in die große Bedeutung eingeführt, welche die Jägerbewegung in Finnland noch heute genießt.

Im Anschluss an seinen Vortrag führte die Leiterin des Finnischen Jägermuseums, Frau Hanna Rieck-Takala, näher in diesen besonderen Teil der finnischen Geschichte ein. So wurden weitere Einblicke in diesem bedeutenden Abschnitt deutsch-finnischer Militärkooperation geboten.

Vor einhundert Jahren, mitten im ersten Weltkrieg, wurden in der  Zeit von 1915–1918 nahezu zweitausend finnische Freiwillige im Lockstedter Lager, dem heutigen nördlich von Hamburg gelegenen Hohenlockstedt, militärisch ausgebildet. Im Mai 1916 wurde mit ihnen das Königlich-Preußische Jägerbataillon 27 aufgestellt. Im Februar 1918 kehrten die Jäger nach Finnland zurück und bildeten später die Basis der finnischen Armee. Die finnischen Jäger haben damit einen bedeutenden Anteil an der Bewahrung der finnischen Unabhängigkeit in drei Kriegen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Beschleunigen im Führungsprozess- Herausforderung durch Bedrohungen

Autor: Christof Schulz; Fotos: Katharina Roggmann

Hamburg, 09.07.2018

Einsatz der verbundenen Kräfte

Die Analysephase ist in vollem Gang

Luftunterstzüng am deutschen Beispiel

Gute Vorarbeit ist alles

 

Das Militärische Nachrichtenwesen (MilNW) ist vor Herausforderungen gestellt. Neue Bedrohungen tangieren den Führungsprozess der Landstreitkräfte. Ob und wie dieser Denk- und Abstimmungsprozess beschleunigt werden kann, damit beschäftigt sich das Modul „Militärisches Nachrichtenwesen in Landoperationen“  an der Führungsakademie der Bundeswehr.

Mit welchen Methoden kann das gegnerische Handeln analysiert werden, wenn dessen Vorgehen und Denken stärker von den eigenen Einsatzgrundsätzen abweichen? Wie behalten wir einen Kenntnisvorsprung, wenn das militärische Vorgehen des anderen nicht unbedingt auf der Hand liegt? Wie vereinbart man erforderliche Tiefe der Operationsplanung mit der Forderung des Führungsprozesses der Landstreitkräfte mit dem Ziel, möglichst schnell zu einem stringenten Entschluss zu gelangen? Das Modul „Militärisches Nachrichtenwesen in Landoperationen“ findet Antworten auf diese Fragen und eröffnet neue inhaltliche und ablauforganisatorische Aspekte im Führungsprozess.

Bunte Mischung aus Erfahrungen

Mehr als 20 Teilnehmer aus dem Militärischen Nachrichtenwesen beschäftigen sich im Seminar „Militärisches Nachrichtenwesen in Landoperationen“ mit diesen spannenden Fragen. Von Soldaten der 10. Panzerdivision, des I. Deutsch-niederländischem Korps, aus verschiedenen Bereichen des Systems Militärisches Nachrichtenwesens bis hin zu Reservedienstleistenden waren Experten mit einer höchst unterschiedlichen Erfahrungsbandbreite beim zuletzt durchgeführten Seminars anwesend. Die Diskussionen waren äußerst lebhaft, es gab einen regen Gedankenaustausch und nicht zuletzt sorgte der Lehrgang dafür, alle Teilnehmer auf einen gemeinsamen Wissenstand zu bringen - den sie selbst wiederum in ihren eigenen Bereich als Multiplikator mitnehmen konnten.

„Neue Bedrohung“ - Herausforderung bei der Analyse

Bereits bekannte Verfahren bildeten die Analysegrundlage, um das theoretische und praktische Vorwissen zu vertiefen und in konkreten Beispielen und Lagen auf „neue Bedrohungen“ im Führungsprozess der Landstreitkräfte auf Ebene einer Division anzuwenden. Konkret bedeutet dieses, dass ein möglicher Gegner auf zwei Arten ungewöhnlich agiert: Zum einen wendet er sogenannte Bataillonskampfgruppen an, das heißt er agiert in (relativ) kleinen Kampfgruppen mit mehreren hundert Soldaten. Diese Bataillonskampfgruppe ist jedoch zum Einsatz von verbundenen Kräften, also den Einsatz unterschiedlicher Truppengattungen und Teilstreitkräfte, befähigt und verfügt daher unter anderem über eigene Kampfunterstützungselemente wie z.B. Artillerie sowie eigene Aufklärungskräfte, eine verstärkte logistische Befähigung und eine Anbindung an ein sogenanntes Sensor-to-Shooter-System der übergeordneten Armee. Das entspricht nicht unseren üblichen Einsatzgrundsätzen, die die Autarkie erst auf Brigadeebene vorsehen. Zum anderen verfügt der Gegner aber auch über Kräfte des klassischen Durchbruchs in der Division-, Brigade- bzw. Regimentsgliederung. Flankiert werden die Operationen des Gegners durch hybride Aktivitäten im holistischen Spektrum, einem ganzheitlichen Ansatz, der weit über eine rein militärische Bedrohungen hinausgeht. Ein derart eigenständiger Gegner erfordert flexibel agierende eigene Kräfte und insbesondere eine Flexibilität im Denken im Führungsprozess, um ihn erfolgreich abzuwehren.

 


Konsequenzen für das Militärische Nachrichtenwesen

Die Rolle des Militärischen Nachrichtenwesens und der Aufklärung wird noch bedeutsamer. Ein derartiger Gegner erfordert eine sehr detaillierte Analyse. Diese wie auch die jeweiligen Teilbeiträge des Militärischen Nachrichtenwesens in den einzelnen Phasen des Führungsprozesses dürfen diesen bei Zeitdruck dennoch nicht verlangsamen. Hier muss lageabhängig geprüft werden, was zwingend im Führungsprozess zu berücksichtigen und welche Teile parallel zum Planungsauftrag durch die Zelle MilNW der jeweiligen Ebene bearbeitet werden kann.

Ziel erreicht

Das Ziel der Modulausbildung wurde für den Dozenten an der FüAkBw erreicht. Es ging darum,  ein gemeinsames Grundverständnis für die Thematik des Gefechts der verbundenen Kräfte in Bataillonskampfgruppen und Durchbruchskräften einschließlich der Anwendung der bekannten Analyse- und Aufklärungsverfahren des Militärischen Nachrichtenwesens zu schaffen. Möglichkeiten der Straffung des Prozesses wurden diskutiert und angeboten. Die Modulteilnehmer wurden bedarfsorientiert für ihre Funktionsbereiche mit dem Blick in die Zukunft und insbesondere für ihren Einsatz in den Planungszellen im Einsatz und auf Übungen geschult.

 

Autor: Christoph Weigmann ; Fotos: Michael Gundelach

Hamburg, 05.07.2018

 


Brigadegeneral Oliver Kohl bei der Begrüßungsrede


Kommandeur Brigadegeneral Oliver Kohl, Oberst Boris Nannt, Professor Dr. Matthias Rogg und Professor Dr. Burkhard Meißner (v.l.n.r.)


Professor Dr. Burkhard Meißener, Vorstand GIDS


Generalintendant Wilfried Schulz


Das erste Panel: Teilnehmer in der Diskussion Moderator Jörn Thießen, Professor Dr. Klaus Beckmann, Monsignore Klaus Pfeffer, Wilfried Schulz (v.l.n.r.)


Teilnehmer Panel 2 in der Diskussion: Dr. Michael Vesper und Christian Toetzke (v.l.n.r.)


Das Panel 2 Moderator Hajo Seppelt, Staatsrat Christoph Holstein, Dr. Michael Vesper, Christian Toetzke


Lars Wichert, Goldmedailliengewinner


Das Panel 3: Moderatorin Ulrike Heckmann, Professor Dr. Klaus Töpfer, Harry Assenmacher, Professor Dr. Stefan Bayer

Mit Spannung erwartet wurde die erste Tagung „Strategie – outside the box“ der Denkfabrik an der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw). Wie jüngst mehrfach berichtet, hat diese Tagung im Vorfeld der offiziellen Gründung des German Institute für Defence and Strategic Studies (GIDS) am 29. Juni 2018 stattgefunden. In dieser Tagung wurde der erste wissenschaftliche Impuls des GIDS gesetzt.

Was ist Strategie?

Welche Bedeutung hat Strategie in den verschiedenen Bereichen von Politik, Gesellschaft und Kultur? Welchen Einfluss hat Strategie auf Entscheidungsprozesse? Wie wird Strategie rationalisiert, operationalisiert und kommuniziert? Und was kann die Bundeswehr daraus lernen? Mit diesen Fragen befassten sich 10 Expertinnen und Experten auf den Panels und rund 150 Tagungsbesucherinnen und Besucher beim offiziellen wissenschaftlichen Auftakt des neuen GIDS. In drei Panals wurden Strategien und deren Wirkungen thematisiert, die Experten aus den unterschiedlichsten Bereichen, aus Kirche, Politik, Gesellschaft, Sport, Wirtschaft und Militär zur Diskussion stellten.

Auftakt durch Kommandeur

Herzlich begrüßt wurden die Gäste durch den Kommandeur der Führungsakademie, Brigadegeneral Oliver Kohl. Die Führungsakademie ist zusammen mit der Helmut-Schmidt-Universität / Universität der Bundeswehr (HSU) einer der beiden Kooperationspartner und Träger des GIDS. Die heutige Tagung findet dabei unter der Leitung der FüAk statt. Dafür wurde die Gründungsurkunde für das GIDS am Samstag an der HSU durch die Bundesministerin für Verteidigung, Dr. Ursula von der Leyen, unterzeichnet werden.

Leiter GIDS eröffnet

Die beiden Leiter des GIDS, Oberst Professor Dr. Matthias Rogg (FüAkBw) und Professor Dr. Burkhard Meißner (Netzwerk Internationale Konfliktanalysen an der HSU), leiteten thematisch in die Tagung ein. Dabei machte Oberst Professor Rogg die Zielsetzung des GIDS noch einmal deutlich. „Der Auftrag der Ministerin war klar formuliert: Beim GIDS geht es um strategische Beratung. Doch inhaltlich musste der Auftrag mit Leben gefüllt werden.“ Und er führte aus, dass es bei der inhaltlichen Aufstellung der Forschunfgsfelder des GIDS zunächst um eine ehrliche Auseinandersetzung mit dem Begriff „Strategie“ ging. Die Vorgabe lag im Weißbuch. „Doch in welchem Bereich müssen wir vom GIDS die strategische Beratung komlementär ergänzen?“, so fragte Rogg weiter. Die Antwort wird in der arbeit des GIDS in sechs Forschungsfeldern liegen.

Das Amt des Strategen

Professor Meissner führte dann in den Begriff der Strategie ein und zeigte die Entwicklung der Bedeutung des Begriffs des Strategen von den Perserkriegen bis zur heutigen Zeit auf. Wurde in der Antike vom Strategen neben der Beratung bei den Operationen auch die rechnerische exakte Planung und Abrechnung einer Heerführung verstanden , so entwickelte sich der Stratege nach und nach zu einem Amtsträger. „Zu allen Zeiten galt jedoch, dass Strategie sowohl der Sachlogik als auch der Kreativität folgt. Beides wird erwartet“, so Meißner in seinen Ausführungen. Strategie ist heute eine Wissenschaft geworden, interdisziplinär verstanden und Teil der Politik. Diese Tagung sollte  -so die beiden Vorstände weiter – helfen, für etwas Ordnung bei dem „schillernden“ Begriff zu sorgen. „Und wer strategisch beraten will, muss andere Strategien kennen.“ Darum ging es in dieser Tagung.
Im ersten Panel stand das Thema Institution und Strategie im Vordergrund. Unter der Moderation von Direktor Jörn Thießen wurden die Erfahrungen von Generalvikar Monsignore Klaus Pfeffer vom Bistum Essen, Wilfired Schulz, Generalintendant des Düsseldorfer Schauspielhauses und Professor Dr. Klaus Beckmann, Präsident der HSU, in einem anregenden Gespräch zu einem lebhaften Austausch gebracht.

Erfahrungen im Bistum Essen

Es war spannend zu hören, wie das Bistum Essen als eines der ärmsten Bistümer Deutschlands strategisch den Umbau der Diözese vorgenommen hat, nachdem ein Rückgang der Gläubigen, sinkende Kirchensteuereinnahmen, Immobiliensanierungen und weitere Gründe ein „Weiter so“ nicht mehr zugelassen haben. „Über die Notwendigkeit einer Strategie wurde in der Kirche lange nicht nachgedacht. Dass die katholische Kirche bestand, war einfach eine Selbstverständlichkeit. Man wurde in das katholische Milieu hinein geboren und dort sozialisiert.“ So der Generalvikar. Seit den 68er Jahren hat sich dieses verändert, wie Pfeffer sagte, „Heute haben die Kirchen oftmals noch nicht begriffen, dass die Menschen frei geworden sind im Denken und Entscheiden. Sie schließen sich einem Weg nur noch aus Überzeugung an“, Auf die Entwicklung war das Bistum nicht vorbereitet. „Strategisch geht es in Essen um die Frage: Wo wollen wir hin angesichts von Pluralität und Vielfalt?“

Das Theater hat die Aufgabe der Politik übernommen

Aus einer ganz anderen Perspektive wurde das strategische Vorgehen in der Theaterwelt verdeutlicht. Mit Wilfried Schulz war ein Intendant Gast an der FüAk, der in seinem beruflichen Werdegang bereits mehrere Staatstheater und Theater zu einer wirtschaftlich und kulturell bedeutsamen Institution gemacht hat. Mit der Übernahme des Staatstheaters Düsseldorf im Jahr 2016 übernahm er ein Ensemble ohne Theater, denn mit seinem Vertragsbeginn wurde sein Haus erst einmal für mehrere Jahre durch Umbauarbeiten gesperrt. Für Schulz geht es strategisch um die Frage „Wie können wir unseren Beitrag ( der Beitrag der Theater, Anm. d. Autors) dazu leisten, dass der Besuch des Theaters wieder selbstverständlicher Teil des Lebens wird“. Und weiter führte er aus: „Heute geniert sich auch ein Vorstandsmitglied nicht zu sagen, dass er seit dreißig Jahren kein Theater mehr besucht habe. Dabei ist das Theater „der Raum, in dem die gesellschaftlichen Probleme diskutiert werden, denn das Theater habe die Aufgabe der Politik übernommen, sich mit den Problemen der Menschen auseinanderzusetzen“, so Schulz. Es geht Schulz dabei um die Frage, dass die Gesellschaft sich wieder der Frage stellt, wie ein Miteinander, ein gemeinsames Leben aussehen könnte: „Wie wollen wir leben?“ Um diese Frage geht es Schulz. Strategisch zu erreichen, dass das Theater „wieder den Muskel stark macht für die Empathie der Menschen, denn der Verlust der Empathie führt zur Auflösung der Gesellschaft“. Zur Strategie eines Theaters gehört es daher auch dafür Sorge tragen zu können, Differenzen aushalten zu lernen“.
Konkret arbeitet Schulz an der Strategie, den Ruf des Schauspielhauses aufzubauen durch die Aufführung an unterschiedlichsten Orten.

Strategie in Uni

Professor Klaus Beckmann hatte strategische Fragestellungen anderer Art zu beantworten. Mit seinem Amtsantritt galt es, den Verwaltungsbau der Universität zu reorganisieren und die Universität vorzubereiten, in das Exzellenzcluster der deutschen Universitätswelt aufzusteigen. Die wesentliche strategische Aufgabe verdeutlicht sich in dem Leitbild einer Universität. Hier geht es um die Frage „Wer wollen wir sein?“ Wenn sich darüber Klarheit verschafft worden ist, dann ist die Ressourceneinteilung in einer Hochschulwelt, die immer von knappen Ressourcen gekennzeichnet ist, die wesentliche strategische Leistung, um den Ziel näher zu kommen.

Sport und Strategie?

In dem zweiten Panel standen Strategien im Sport im Mittelpunkt der Diskussion. Mit Dr. Michael Vesper, dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden des Deutschen Sportbundes (DOSB) und Präsidenten des deutschen Galoppsportverbandes, wurden strategische Anforderungen von einem Sportfunktionär definiert, um in Deutschland Spitzensport zu etablieren. Insbesondere ging es ihm darum, den deutschen Galoppsport wieder im Spitzensport zu positionieren. Nach Vesper verlangt die Strategie drei Voraussetzungen: Der Sport muss interessant sein für ein großes Publikum. Es müssten Geschichten erzählbar sein und endlich muss die Sportart, um die es geht, das Lebensgefühl einer Generation widerspiegeln.
Die Anforderungen aus dem Bereich Sport wurden ergänzt und beleuchtet aufgrund der fachlichen Expertise von Staatsrat Christoph Holstein, Staatsrat im Senat der Freien und Hansestadt Hamburg. Er zeichnet verantwortlich für das Konzept „Active City“ und damit für die Strategie, die erforderlich war, um aus einer gescheiterten Olympiabewerbung ein nachhaltiges Sportkonzept für die Zukunft für Hamburg aufzubauen.
Der Geschäftsführer von Upsolut Sport, der Erfinder der Cyclassics in Hamburg, Christian Toetzke, erklärte das strategische Konzept und erläuterte seine Erfahrungen der Öffentlichkeit, wie Spitzen- und Breitensport miteinander erfolgreich verknüpft werden können. Er veranschaulichte dieses deutlich an dem neuen Projekt, das Thema „Fitness“ als Breitensport populär zu machen. Es war unter der Moderation vom Experten für Drogen im Sport, Hajo Seppelt, ein rundes Panel, das das Thema breit gefächert verdeutlicht hat.

Diese Diskussion wurde nicht zuletzt durch Beiträge befruchtet, die Lars Wichert, Sportsoldat der Bundeswehr und Goldmedailliengewinner im Deutschland-Achter und im Doppel-Vierer, passend aus dem Publikum eingeworfen hat.

Nachhaltigkeit und Strategie

Wie gelingt es, Strategien so aufzustellen, dass ihre Wirkungen nachhaltig bleiben, war das Thema des dritten Panels, das von der NDR-Moderatorin Ulrike Heckmann moderiert worden ist. In ihrer Runde unterhielten sich Harry Assenmacher, Geschäftsführer der Forest Finance Service GmbH, ein Anbieter für nachhaltige Finanzprodukte mit dem ehemaligen Exekutivdirektor des Umweltprogramms, sowie Umweltspezialist Professor Dr. Klaus Töpfer. Mit Professor Stefan Bayer, einem Experten für Klimawandel an der FüAkBw, wurden anschließend nachhaltige Strategien in einem weiten Licht dargestellt.
Von der Position waren sich beide, Professor Toepfer und Herr Assenmacher, sehr nahe. Während es Professor Töpfer nach einer Strategie fragte, „ob Friedenspolitik ein Aufrüstungspotential bedingt oder ein Abrüstungspotential mit Blick auf eine Verteilung der Güter“, so geht es Assenmacher darum, „in den Regionen den Familien eine Perspektive zu geben. Dieses sei gegeben, wenn eine Familie ein Haus bauen könnte und sein Geld verdienen kann. Durch Arbeit zur Sicherung der Existenz beizutragen, ist der größte Beitrag zu Perspektive und Frieden“, so Assenmacher. So sei es seine Vision, an einem weltwieten Bauernhof mitzuarbeiten.
Professor Bayer war es, der auf die Bedeutung von Trade-offs hinwies. Nach Bayer kommt es sehr darauf an, „dass alle externen Kosten in einer volkswirtschaftlichen Rechnung berücksichtigt werden müssen.“ Das gilt beispielsweise auch dabei, die Kosten durch Waldverlust zu beziffern, nur weil die denkbare Aufforstungsfläche für andere Investitionen genutzt werden.
Das Thema „Nachhaltigkeit“, dessen Gedanke der Forstwirtschaft entstammt, wurde unter den Panelteilnehmern lebhaft diskutiert.

Ausblick auf das GIDS

Oberst Professor Rogg und Professor Meißner verabschiedeten die Gäste dieses an Eindrücken und Informationen reichen Tages. „Strategischer Diskurs ist notwendig. Die Maßstäbe hierzu sind Phantasie, Geduld und Humor.“ Das GIDS hat einen würdigen Auftakt gefunden.
Strategie, so war es ein Fazit aus einem der Panels, „hat immer etwas mit Auswahl zu tun. Strategie hat etwas mit Vermittlung zu tun. Und Strategie hat etwas mit der genauen Kenntnis des Umfeldes zu tun.“, so Meißner in seinen Abschlussworten. Und an die Bundeswehr gab es von Seiten der Panelisten einen Appell: Es gilt ein sachliches Verhältnis der Gesellschaft zur Bundeswehr zu definieren. Es gilt jedoch auch, ein sachliches Verhältnis der Bundeswehr zur Gesellschaft zu finden. Die Sachlichkeit in dem Prozeß sei jedoch oftmals nicht zu erkennen. Um hierauf eine Antwort zu geben, bedarf es eines Loslassens des Heute. Dieses „Loslassen“  ist immer ein Teil der Strategie, denn diese verlangt Abstraktion.“
Auf die offizielle Gründung, sowie die Rede der Ministerin wurde mit Spannung verwiesen. GIDS – willkommen in der Welt, Mut zum Diskurs!

Weitere Informationen zum GIDS Hamburg.

 

 

 

 

Autor: Jörg Fleischer ; Fotos: Jonas Weber/ Michael Gundelach

Hamburg, 02.07.2018

 


 Die Ministerin eröffnet das GIDS


Unterzeichnung der Gründungsurkunde


Professor Dr. Klaus Beckmann (HSU) bei der Begrüßung


Professor Dr. Klaus Beckmann, Verteidigungsministerin Dr Ursula von der Leyen und Brigadegeneral Oliver Kohl (v.l.n.r.)


Das neue Fachbuch „Militär, Strategie und Forschung wird an die Ministerin übergeben

 

GIDS ist Denkfabrik der Zukunft

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat am Samstag das German Institute for Defence and Strategic Studies (GIDS) in Hamburg eröffnet. Das GIDS bündele militärfachliche Expertise und wissenschaftliche Exzellenz in einer Denkfabrik für die Bundeswehr der Zukunft. „Im Zentrum der Arbeiten des GIDS steht immer der Beitrag zur Einsatzbereitschaft der Bundeswehr – fachlich versiert und praxisorientiert“, so die Ministerin.

Unterzeichnung der Gründungsurkunde

Sie unterzeichnete bei einer Festveranstaltung vor mehr als 120 geladenen Gästen an der Helmut-Schmidt-Universität (HSU), der Universität der Bundeswehr in Hamburg, die Gründungsurkunde des GIDS. Von der Leyen signierte das Dokument im Thomas-Ellwein-Saal der HSU gemeinsam mit dem Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAk), Brigadegeneral Oliver Kohl, und dem Präsidenten der HSU, Professor Dr. Klaus Beckmann. Die GIDS-Gründung fand im Rahmen des „open campus“, des Tages der offenen Tür an der HSU statt.

Schallmauer durchbrochen

Der Präsident der HSU, Prof. Dr. Klaus Beckmann, hob die Bedeutung der GIDS-Gründung hervor. Lange sei darauf hingearbeitet worden. Nun, da das Ziel endlich erreicht sei, komme die Eröffnung des GIDS dem Durchbruch der Schallmauer gleich. Auf dem Feld der Strategieberatung stoße die Bundeswehr mit dem GIDS in eine wissenschaftliche Lücke vor, so Beckmann. Dazu leisteten HSU und FüAk beide ihren wertvollen Beitrag.

Der Auftrag lautete: Profil schärfen

Das neue Institut ist auf Initiative der Ministerin gegründet worden. Sie hatte 2016 den Auftrag gegeben, das Profil der Denkfabrik der Bundeswehr zu schärfen und das dort angesiedelte Wissen besser nutzbar zu machen. Das GIDS ist der neue Teil der Denkfabrik der Bundeswehr, bestehend aus FüAk und HSU. In diesem Kontext soll das GIDS die zentrale Koordinierungsstelle des Think Tanks sein. Es geht darum, aus den vielen Strängen des Wissens, die durch HSU und FüAk verlaufen, ein starkes Tau der Expertise und der Beratung zu machen.

Ein bisher unbestelltes Feld

Das GIDS besetze in der deutschen Think Tank-Landschaft ein bisher unbestelltes Feld, so die Ministerin. Die aktuellen Entwicklungen, ob die Konfliktherde an den Grenzen Europas oder Fake News und Cyber, verlangten mehr denn je die Fähigkeit strategisch zu denken. „Wir müssen strategiefähiger werden, wenn wir verantwortlicher gestalten wollen“, so Ursula von der Leyen. Hiermit werde die im Weißbuch 2016 der Bundesregierung eingeschlagene Richtung konsequent fortgeführt.

Netzwerk „Strategie und Vorausschau“

In einer Welt, die immer wechselvoller und unübersichtlicher wird, ist nach Ausführungen der Ministerin kein Platz mehr für einsame Entscheidungen der Politik. Diese brauche vielmehr den strategischen Diskurs mit klugen Gesprächspartnern. Diesen Dialog habe sich das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) zur Aufgabe gemacht und in seiner Politischen Abteilung ein Netzwerk „Strategie und Vorausschau“ aufgebaut. Genau dazu, so die Ministerin, passe auch das GIDS mit seiner „ganz spezifischen und einzigartigen Expertise“ der FüAk. Diese verfüge über ein einzigartiges „Reservoir an Erfahrung und Wissen“, wie Ursula von der Leyen es nannte. Gleichzeitig stehe mit der HSU eine der beiden „akademischen Ausbildungsschmieden unseres Offizier-Nachwuchses“ am Standort Hamburg bereit. Ihr Markenkern sei eine wissenschaftlich exzellente und interdisziplinäre Grundlagenforschung.

Einzigartige Kooperation

„Es ist genau diese Kombination aus militärischer Kompetenz und wissenschaftlicher Expertise, die wir im GIDS zusammenbringen und nutzen wollen. Diese strukturelle Kooperation zwischen einer Universität und einer Militärakademie ist einzigartig“, unterstrich die Ministerin. Der gemeinsame Wissensschatz dürfe nicht in Archiven verstauben. „Vielmehr müssen wir dafür Sorge tragen, dass dieses Wissen bei den Entscheidungsträgern in der Bundeswehr und der Politik ankommt“, erklärte die Ministerin.

Es geht um Wissensmanagement

Expertise soll nicht nur gewonnen, sondern auch abgeschöpft und systematisiert werden. Das Wissensmanagement nutzt, steuert und vernetzt die Expertise. Das Produkt daraus soll eine erstklassige Strategieberatung für Bundeswehr und Bundesregierung sein. Und darüber hinaus eine strategische Vorausschau.

Entscheidungsgrundlage für Entscheider

Dazu solle das GIDS künftig seinen Beitrag leisten. Es werde Analysen liefern, die den militärischen und politischen Verantwortungsträgern eine Entscheidungsgrundlage biete, sagte Ursula von der Leyen. Mit Unterstützung des GIDS werden die großen sicherheits- und verteidigungspolitischen Fragen unserer Zeit gestellt.

Das GIDS soll Sparringspartner sein

Nach den Vorstellungen der Ministerin soll das GIDS „Sparringspartner für die Bundeswehrführung und das BMVg“ sein. „Dazu gehört es, alte Denkmuster herauszufordern und unbequeme Fragen zu stellen“, sagte die Ministerin. Damit werde das GIDS unmittelbar anknüpfen an das Projekt der Politischen Abteilung des BMVg zur weiteren Verbesserung der Strategiefähigkeit, METIS, benannt nach der griechischen Göttin der Weisheit.

Ideenwerkstatt und Impulsgeber

Weiter solle das GIDS Ideenwerkstatt und Impulsgeber sein. Dazu müssten Debatten angestoßen werden – in der Bundeswehr, aber auch mit externen Experten und Expertinnen aus dem In- und Ausland. Das GIDS stellt sich den sicherheits- und verteidigungspolitischen Fragen unserer Zeit, die in der Öffentlichkeit formuliert werden. Es soll aktiver Part des öffentlichen Diskurses sein. Damit wird ausdrücklich der Wille der Bundeswehr zum offenen und kritischen Dialog artikuliert. Sie richtet den Blick bewusst über den Tellerrand.

Gefragter Gesprächs- und Kooperationspartner

Das GIDS soll sich auf diesem Weg zu einem gefragten Gesprächs- und Kooperationspartner entwickeln – national wie international. Im Austausch mit den Ressorts der Bundesregierung und ihren Einrichtungen wie beispielsweise der Bundesakademie für Sicherheitspolitik (BAKS) und dem Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMSBw). Darüber hinaus im Dialog mit anderen Think Tanks wie etwa der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) oder der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP). Weiter ist das GIDS in einem engen Netzwerk verwoben mit den Ideenschmieden der Partner und Verbündeten.

Mut zum Diskurs

An diesem Projekt werden 24 wissenschaftliche Denkerinnen und Denker von FüAk und HSU, die im GIDS gebündelt werden, kontinuierlich arbeiten. Die Ministerin forderte sie nachdrücklich auf, bewusst neue Wege zu beschreiten und Mut zum Diskurs zu haben. Die Denker sollen also ein Stück weit auch Querdenker sein. „Ich freue mich auf eine Denkfabrik, die unsere Politik strategiefähiger und unsere Bundeswehr einsatzbereiter macht“, so Ursula von der Leyen.

Schon viel vorgearbeitet

Als Zeichen dafür, dass im Vorfeld der GIDS-Gründung schon eine Reihe von hochkarätigen wissenschaftlichen Beiträgen von FüAk und HSU erarbeitet worden sind, überreichten Oberst Prof. Dr. Matthias Rogg und Prof. Dr. Burkhard Meißner der Ministerin das neue wissenschaftliche Fachbuch „Militär, Strategie und Forschung – Studien zu Verteidigungskapital, Economic Statecraft, Data Envelopment und Verhaltensökonomie“.

 

 

Weitere Informationen:

GIDS Hamburg

Bundesministerium der Verteidigung

 

 

 

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