Autor: Christoph Weigmann und Christiane Rodenbücher

Hamburg, 26.06.2018

Ein neues Kapitel in der Geschichte der Führungsakademie: Die Angehörigen der höchsten militärischen Ausbildungseinrichtung der Bundeswehr sind seit eineinhalb Jahren aufgefordert, Lehre und Ausbildung noch mehr den sich stetig wandelnden Aufgaben der deutschen Streitkräfte anzupassen - und zu einem Ort des Wissens für die gesamte Bundeswehr der Zukunft zu werden. Eine Denkfabrik soll entstehen. Ihr Auftrag: einen Beitrag zur Strategiefähigkeit der Bundeswehr wie auch der Bundesregierung als Ganzes zu leisten. Die Führungsakademie ist zunächst für die Aus-, Weiter- und Fortbildung aller Stabsoffiziere und Generale/Admirale der Bundeswehr zuständig. Damit bietet sie beste Voraussetzungen für eine auch auf Output orientierte Forschung und Beratung.

Der neue Auftrag an die Führungsakademie stellt eine Institution mit einer so langen Tradition vor große Herausforderungen, denn die FüAk wird sich mit sehr komplexen, schwierigen, nur auf Basis tiefgehender Forschung zu beantwortenden Fragen der Strategie und Sicherheit auseinander zu setzen haben, wie zum Beispiel einer Strategie für Afrika. Es gilt, frühzeitig die aktuellen Trends und Themen zu finden und zu analysieren, die unser Land und Europa in Fragen der Sicherheit in Zukunft bestimmen. Ziel ist immer: politische Beratung auf exzellentem Niveau.

Um dies zu leisten, wird derzeit das German Institute for Defence and Strategic Studies (GIDS) als Kern der Denkfabrik aufgebaut. Das GIDS ist ein Kooperationsprojekt der Führungsakademie und der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg, in dem sich militärische Kompetenz und wissenschaftliche Expertise in idealer Weise verbinden.

Ab Ende Juni 2018 wird das GIDS seine offizielle Arbeit aufnehmen. Die Basis wird Grundlagenforschung im Bereich der Sicherheitspolitik darstellen. Ein kritischer, politischer Beratungsansatz, der nicht von vornherein antizipierend wirken soll, und der öffentliche Diskurs, der in der wissenschaftlichen Debatte gesucht wird, machen die weiteren Rahmenparameter der Denkfabrik aus. Die so genannten „Forschungscontainer“, die als erste Themenfelder untersucht werden, sind „Kultur und Identität in einem veränderten sicherheitspolitischen Umfeld“, „Ökonomie und Ökologie von Gewalt“ sowie „Dynamiken und Typologien von Kriegen und Konflikten“.

Der Aufbau einer Denkfabrik ist eine große Aufgabe. Die Zusammenarbeit der Partner läuft schon sehr gut, sie muss natürlich noch ausgebaut werden. Wege der Kooperation, Formate der Wissensvermittlung und Beratung, Informationsgewinnung und Lehrpläne müssen künftig darauf zugeschnitten werden, möglichst flexibel und frei im Denken als Denkfabrik agieren zu können. Mit dem Startschuss des Think Tanks Ende Juni ist zunächst schon viel erreicht. Für eine nachhaltige Arbeits- und Wirkweise sind jedoch noch viele Anstrengungen notwendig, da sind sich alle Beteiligten einig.

Klar ist: Die Führungsakademie der Bundeswehr bleibt eine Militärakademie mit Schwerpunkt Aus-, Fort- und Weiterbildung des Spitzenpersonals der Bundeswehr. Aber mit der ergänzenden Ausrichtung als Denkfabrik und dem Aufbau des German Institute for Defence and Strategic Studies werden Grundlagen geschaffen, vorhandenes Wissen in Zukunft zielorientierter zu nutzen.