Autor:
Helmut Zimmermann

Hamburg, 26.05.2016

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Außenminister der NATO bei der Vorstellung des Logos für den NATO Gipfel Anfang Juli 2016 in Warschau

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Karl-Heinz Kamp ist seit 2013 Direktor für Weiterentwicklung an der Bundesakademie für Sicherheitspolitik in Berlin

Am 20. April 2016 konnte das Internationale Clausewitz Zentrum (ICZ) wieder einmal eine herausragende Persönlichkeit für einen Vortrag im Rahmen eines Clausewitz-Gesprächs an der Führungsakademie der Bundeswehr gewinnen. Herr Dr. Karl-Hein Kamp, Präsident der Bundesakademie für Sicherheitspolitik (BAKS) in Berlin, trug vor einem großen Publikum mit Vertretern aus Öffentlichkeit, Verwaltung, Industrie und Streitkräften zum Thema „Die NATO und die transatlantischen Beziehungen vor dem Gipfel in Warschau 2016“ vor.

Die BAKS arbeitet im Auftrag der Bundesregierung, bildet ausgewählte Führungskräfte über die Grenzen von Regierungs-Ressorts hinweg umfassend und strategisch zu sicherheitspolitischen Fragestellungen weiter. Dr. Kamp ist aufgrund seiner Ausbildung und seiner langjährigen, wissenschaftlichen und beruflichen Erfahrung ein exzellenter Kenner der NATO. Zudem ist er als Beiträger in Tageszeitungen und Kommentator im Fernsehen bekannt.

Für die sicherheitspolitisch interessierte Zuhörerschaft war von großem Interesse, wie ein exzellenter Fachmann und Kenner der Thematik die weitere Entwicklung der NATO einschätzt, nachdem sich die Ukraine-Krise längst zu einer grundsätzlichen, tiefgehenden Vertrauenskrise zwischen dem Westen und Russland entwickelt hat.

Die zunehmenden Spannungen zwischen NATO und Russland stellte Dr. Kamp in einen Zusammenhang mit der gleichzeitig stattfindenden krisenhaften Entwicklung in der gesamten MENA-Region (Middle East and North Africa), die insbesondere seit letztem Jahr von Bürgerkriegen und Staatszerfall, besonders in Syrien, Irak und Libyen gekennzeichnet ist. Die dadurch verursachte massenhafte Flucht und Migration sei eine der großen Herausforderungen auch für Europa, deren Bewältigung in der heutigen Zeit nur über Staatsgrenzen hinweg ist möglich wäre.

Er zeigte deutlich auf, dass der Nordatlantischen Allianz und ihren Mitgliedsnationen seit dem Gipfel von Wales 2014 schnell deutlich wurde, dass die Parallelität von multipler Krisenbewältigung an der südlichen Peripherie des Bündnisgebiets und kollektive Abschreckung und ggf. Landes- und Bündnisverteidigung gegenüber Russland eine noch nicht dagewesene Herausforderung auch für das Bündnis darstellt.

In seinen Schlussfolgerungen wies er darauf hin, dass auf dem Gipfel in Warschau im Juli 2016 die NATO also Antworten auf folgende Herausforderungen wird finden müssen: Wie kann man gegen jeden Gegner aus jeder Richtung abschrecken? Wie, basierend auf Abschreckung und Verteidigung, soll ein konstruktiver Umgang mit RUS hergestellt werden? Welche politischen und militärischen Antworten können auf Bedrohungen aus dem Süden gefunden werden?

Dr. Kamp versäumte dabei auch nicht, dass diese Antworten vor dem Hintergrund der US Präsidentschaftswahlen und der Wahlen zur russischen Duma, die beide ebenfalls noch in 2016 stattfinden werden, gesucht und gefunden werden müssen. An seinen Vortrag schloss sich eine engagierte Diskussion an.