Autor: Matthias Hoopmann; Fotografin: Katharina Junge

Hamburg, 09.06.2016

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Der Diversity Gedanke verbreitet sich stetig in der Bundeswehr.

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Frau Oberstarzt Dr. Lale Bartoschek lieferte im Impulsvortrag spannende Einblicke in die aktuellen Planungen.

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Frau Oberstarzt im Gespräch mit Teilnehmern des Workshops.

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Die Ergebnisse aus der Gruppenarbeitsphase lieferten neue kreative Ansätze

Der Auftrag der Bundeswehr ist vielfältig. Das Personal der Bundeswehr ist vielfältig. Die Erfahrungswelten in der Bundeswehr sind vielfältig. Der gestalterische Umgang mit Vielfalt ist unerlässlich für die Erfüllung unserer Aufgaben. Die Charta der Vielfalt hielt im Februar 2012 Einzug in die Bundeswehr. Seither hat sich vieles getan. In dieser Woche war die Führungsakademie in Hamburg Gastgeber des Aktionstages Diversity im Jahr 2016.

Junge und Ältere, Erfahrene und weniger Erfahrene, Menschen mit und ohne gesundheitlichen Beeinträchtigungen, Gläubige und Nichtgläubige, Menschen mit und ohne Migrationshintergrund, Menschen unterschiedlicher sozialer Herkunft und sexueller Orientierung sowie Menschen in verschiedensten Lebenssituationen. Soziokulturelle Aspekte rücken aus unterschiedlichen Perspektiven in den Fokus der Öffentlichkeit. Der Facettenreichtum und die kulturelle Vielfalt in der Bundeswehr scheinen auf den ersten Blick beachtlich. Die Bundeswehr ist Spiegel der Gesellschaft. Und die Führungsakademie ist Spiegel der Bundeswehr. Mit zahlreichen nationalen und internationalen Lehrgängen an der Akademie, an denen ausgewählte, hochrangige Führungskräfte von Streitkräften aus Regionen rund um die Welt geladen werden, ist die Akademie ein ideales Beispiel für den multinationalen Diskurs und leistet einen wichtigen und international anerkannten Beitrag zum kulturellen Gedankenaustausch.

Innere Führung als Baustein

Die Innere Führung, die Unternehmensphilosophie der Bundeswehr, müsse unabhängig dieser positiven Beispiele ständig weitergedacht werden. Die Charta der Vielfalt werde auch über eine weiterentwickelte Innere Führung mehr und mehr in die zukünftigen Planungen und Entscheidungen einfließen. Nicht umsonst handelt es sich bei der Inneren Führung um ein dynamisches Konzept, das diskursiv ausgelegt sei, verdeutlicht Frau Dr. Maren Tomforde, Dozentin an der Akademie.

Vielfalt auch in der Diskussion

Diskussionen entfachten auch beim 04. Diversität Tag der Bundeswehr an der höchsten Ausbildungseinrichtung der Bundeswehr. Die grundlegende Frage nach der Realisierbarkeit von Chancengerechtigkeit beantwortete Frau Dr. Lale Bartoschek sehr anschaulich und umfassend. Auch wenn wir im tolerantesten und freiheitlichsten Deutschland aller Zeiten leben, sei es wichtig, so die Frau Oberstarzt, Ungerechtigkeiten und Missstände in allen Bereichen zu erkennen und aufzuzeigen. Verschieden zu sein sei dennoch bereits gelebte Normalität. Nach klassischen Ansätzen des Diversity Management gehe es vielmehr darum, positive Aspekte weiter zu stärken und negative Erscheinungen zu minimieren, pflichtet Oberstleutnant Dr. Uwe Ulrich bei. Es sei entscheidend, den Angehörigen der Bundeswehr alle notwendigen Kompetenzen an die Hand zu geben, schlägt Frau Dr. Petra Köppel von der Firma Synergie Consult vor. Nur so könne man der Herausforderungen, die Vielfalt mitbringen, im Einklang mit den Säulen der Inneren Führung Herr werden, erklärt Oberstleutnant Dr. Matzig und das Potential und die Fähigkeiten eines jedes einzelnen würden ausgeschöpft, ergänzte Frau Dr. Tomforde.

Wir sind alle individuell

Brigadegeneral Thomas Hambach, Direktor Lehre an der Akademie, begrüßte die Teilnehmer aus verschiedensten Bereichen und Einheiten innerhalb der Bundeswehr und stellte deutlich heraus: „Vielfalt ist Grundvoraussetzung für eine funktionierende Bundeswehr“. Vielfalt müsse gelebt und gestaltet werden. Immer mit dem Ziel, ein Arbeitsumfeld frei von Vorurteilen zu schaffen.
Frau Oberstarzt Dr. Batoschek forderte im anschließenden Impulsvortrag zum 04. Diversity Day in diesem Workshop nach kreativen Lösungen zu suchen und diese tief in der Bundeswehr zu verankern. Niemand könne frei von Vorurteilen sein, doch kulturelle Offenheit sei ein erster, elementarer Schritt.
“Die Idee des Diversity Management muss mit Herzblut verbreitet und systemisch in den Arbeitsalltag integriert werden”, beschreibt der Planer des Aktionstages der Bundeswehr, Dr. Uwe Ulrich, seine Philosophie. Denn es gehe um mehr als reine Konzeption und Theorie. Letztlich müsse ein Signal für Offenheit und Toleranz und ein gemeinsames Verständnis für den vielfältigen Auftrag bei jeder und jedem Angehörigen in der Bundeswehr ankommen.

Charta der Vielfalt

Seit rund zehn Jahren gibt es die Charta der Vielfalt. Seitdem verbreitete sie sich rasant in den Unternehmen und Institutionen der gesamten Bundesrepublik. Die Charta steht für einen ganzheitlichen Ansatz im gestalterischen Umgang mit Vielfalt. Diversity hat seinen Ursprung in der nordamerikanischen Bürgerrechtsbewegung und wurde in vielen Ländern schon lange von zivilgesellschaftlichen Organisationen und Hochschulen aufgegriffen und in Lehre und Arbeitswelt integriert. Bundesweit über 2.300 Unternehmen und Institutionen stehen mittlerweile für die Charta der Vielfalt ein. Die Führungsakademie an vorderster Front für die Bundeswehr.

Für Korvettenkapitän Marcel Siegel war es ein sehr gewinnbringender Ansatz, sowohl die strategischen Planer als auch Lehrgangsteilnehmer aus diversen Bereichen der Bundeswehr zusammenzubringen. Die Ergebnisse aus den konstruktiven Gesprächen an der Akademie werden unmittelbar zusammengefasst und im Stabselement „Chancengerechtigkeit, Vielfalt und Inklusion“ für die weitere konzeptionelle Arbeit genutzt. Die Ergebnisse der Ideenwerkstatt seien ein Beitrag zur diskursiven Weiterentwicklung der Innere Führung, zeigt sich Oberstleutnant Dr. Ulrich zielstrebig und ergänzt: „Der Diversity Gedanke ist gut für die Bundeswehr“.