Autor: Rayk Felix Hähnlein

Hamburg, 22.06.2016

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Deutsche Delegation vor dem kanadischen Parlament in Ottawa

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Auf den Spuren großer Männer - Lincoln Memorial in Washington DC

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Einmal die Welt erobern - Skyline von New York

So hat es Ronald Reagan einmal formuliert. Nicht nur für die Träume unseres wichtigen transatlantischen Bündnispartners interessierte sich der LGAN 2014 auf seiner Nordamerikareise. Natürlich auch für die aktuelle sicherheitspolitische Ausrichtung und Folgen für die Verbündeten.

 

Zwei Wochen lang hatten die Lehrgangsteilnehmer auf ihrer Reise die Chance, mit einem breiten Spektrum staatlicher und nichtstaatlicher Institutionen und Persönlichkeiten in den Dialog zu treten und unterschiedliche Meinungen und Analysen zu erfahren. Dies haben die Offiziere als unschätzbaren Mehrwert erlebt, um einen eigenen Standpunkt zu nordamerikanischen Positionen zu entwickeln.

Startpunkt Ottawa

Die Reise startete in Kanadas Hauptstadt Ottawa. Der Besuch rückte neben den Themenkomplexen `Hoher Norden´ und `Sicherheitslage im Pazifik´ vor allem Kanadas starkes Engagement bei den `Train, Advice and Assist´-Missionen im Nordirak und im Rahmen von UN-Peacekeeping Operationen ins Blickfeld. Mit der aktuellen sicherheitspolitischen Bestandsaufnahme unter der kanadischen Regierung des Premierministers Trudeau wurden erstaunlichen Parallele zu ähnlichen Vorhaben in Europa aufgezeigt.

Herz der Vereinigten Staaten: Washington

Der dreitägige Aufenthalt in Washington wurde durch die Deutsche Botschaft inhaltlich eingeleitet. Der deutsche Gesandte Dr. Ackermann und sein Team führten die Lehrgangsteilnehmer durch die wichtigsten Handlungsfelder der US-Politik und der bilateralen deutsch-amerikanischen Beziehungen. Ein ganztägiger Besuch an der National Defence University in Fort McNair stand im Zeichen des Kampfes gegen den `Islamischen Staat´ und unter dem Eindruck der sich wandelnden Beziehungen zu Russland.

Anregende Diskussionen

Breit gefächerte, hochrangige und interessierte Podien, besetzt durch das Department of State, etablierte Think Tanks und militärpolitische Berater boten dem deutschen Auditorium eine einmalige Gelegenheit zum offenen Meinungsaustausch auf Augenhöhe. Eine Chance, die durch die Lehrgangsteilnehmer umfangreich genutzt und von allen Beteiligten als Gewinn wahrgenommen wurde. Ein Gespräch mit zwei Vertretern des Pentagon und ein Besuch des Militärfriedhofes in Arlington rundeten den Besuch in Washington ab.

New York, New York

Eine Busfahrt entlang der Ostküste führte uns für das Wochenende nach New York. Der Besuch der Ständigen Vertretung Deutschlands bei den Vereinten Nationen und eine sehr individuelle Führung durch das UN-Hauptgebäude halfen dabei, den Blick für die Belange der Weltgemeinschaft zu weiten. Das sich anschließende freie Wochenende in New York wird den Teilnehmern stets in Erinnerung bleiben.

CENTCOM und SOUTHCOM in Florida

Der vierte und letzte inhaltliche Schwerpunkt führte die Delegation nach Florida, wo sie zwei sehr unterschiedliche US-Regionalkommandos kennen lernte. Das auf den erweiterten Mittleren Osten ausgerichtete U.S. CENTCOM in Tampa und das für Südamerika zuständige U.S. SOUTHCOM in Miami. Das CENTCOM ist derzeit mit Afghanistan, Irak, Syrien und den Jemen auf vier wesentlichste regionalen Krisenhotspots fokussiert.

Großes Engagement

Eindrücklich machte der Besuch deutlich, welche Herausforderungen, Unsicherheiten und auch Ungewissheiten die dortigen Einsätze für die US-geführten Koalitionen mit sich bringen und wie sehr diese Koalitionen die Bedeutung der NATO für die USA relativieren. Der Besuch dort war sehr wertvoll, denn er rückte ein US-Kommando in den Blick, das sich bei seinem südamerikanischen Engagement ganz dem Ziel der Ganzheitlichkeit verschrieben hat. Oder, um mit den Worten des dortigen Chief of Staff, Generalmajor Michael Plehn, zu sprechen: „We don`t launch missiles, we launch ideas. We ask ourselves: How can we be the most attractive security partner in the region?“ 

Flüchtlinge im Fokus

Die abschließenden Besuche bei der US Coast Guard und beim Miami DADE County boten einen guten Einblick in den US-amerikanischen Umgang mit Flüchtlingsfragen. Überall in Amerika spürten die Lehrgangsteilnehmer das starke amerikanische Interesse an deutschen Positionen, das Vertrauen und die Erwartungen an unsere Rolle in Europa. Die sich anschließende Hauptstadtreise ins politische Berlin, die Reisen zu NATO und EU nach Brüssel und zu unseren europäischen Partnern schärften das sicherheitspolitische Profil der Gesamtveranstaltung.

Höhepunkt des Lehrgangs

Die Reise stellt mit Sicherheit den Höhepunkt des General- und Admiralstabslehrgangs dar. Ihr unschätzbarer Wert erschließt sich den Teilnehmern erst nach und nach. Wie lassen sich die Eindrücke dieser Reise nun in einem Satz zusammenfassen? Vielleicht am besten frei nach Theodor Heuss: Trotz aller aktuellen Widersprüche, Herausforderungen und Unsicherheiten sind die USA immer noch eine Nation, deren Gegenwart vom Vertrauen auf eine sichere Zukunft geprägt ist. Und die sichere Zukunft dieses bemerkenswerten Freundes liegt auch in unserem ureigenen deutschen und europäischen Interesse – das wurde den Teilnehmern sehr deutlich!