Autor: Laurens Christopher Fuchs / Nils Wienböker Fotograf: Nils Wienböker

Hamburg, 05.07.2016

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Militärbeobachter im Sudan. (Quelle: Bundeswehr/Marcus Rott)

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Bund wie die Vereinten Nationen.

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Christobal Fundora Sitton ist auf seinem ersten UN-Lehrgang.

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Normalerweise verrichtet Oberleutnant Dominik Burger seinen Dienst im Streitkräfte Amt in Bonn.

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Die sudanesischen Freunde des schwedischen Australiers nennen Thomas Metzler ehrfurchtsvoll „weißer Stier“.

Zum zweiten Mal finden sich in diesem Jahr Lehrgangsteilnehmer aus aller Welt in der General-Baudissin-Kaserne ein, um sich auf ihren Einsatz in einem Stab der Vereinten Nationen vorzubereiten. Die Führungsakademie und ihre Dozenten sind befähigt und zertifiziert, diese Ausbildung durchzuführen.

Ein Großteil des militärischen Lehrpersonals nahm selbst schon mindestens einmal an einer Friedens- oder Beobachtermission der Vereinten Nationen teil. Ihre fachliche Expertise in der Stabsarbeit aber auch ihre Erfahrungen im internationalen Miteinander geben die Dozenten und Tutoren an die 23 Teilnehmer aus Militär aber auch zivilen Behörden und Organisationen. Den Abschluss findet das dreiwöchige Seminar in einer Planübung, in der die erlernten Führungs- und Arbeitsprozesse angewendet werden. Als Grundlage dient dafür ein fiktives Szenario. Diesmal geht es um das Schicksal von Kolpoto.

Die Perle des achten Kontinents im Chaos

Das fiktive Land Kolpoto liegt an der Westküste des achten Kontinents. Das Land mit zwölf Millionen Einwohnern versank in humanitären und politischen Krisen. Die Lebenserwartung liegt nur bei 45 Jahren. Und fast jedes zehnte Kind stirbt, bevor es das sechste Lebensjahr erreicht.

Die Landschaft Kolpotos geht über von Wüsten in Tropenwälder. Die Fläche beläuft sich auf 370.000 Quadratkilometer – vergleichbar mit der Fläche Deutschlands. Moro ist der angrenzende Nachbarstaat im Norden, Chorum im Osten und Tara im Süden.

Britanniens ehemalige Kolonie Kolpoto ist seit 1957 ein unabhängiger Staat. Aufgrund verschiedener kultureller Gegebenheiten und stärkerer wirtschaftlicher Entwicklung durch besser ausgebauter Infrastruktur aus Kolonialzeiten in den westlichen Regionen des Landes eskalierten die Spannungen in den 70ern zu einem Bürgerkrieg, der bis heute andauert. Zurzeit steht der Westen unter Kontrolle der Regierung unter Präsident Molawe.

Der Osten dagegen wird von der Rebellengruppe KLM (Kolpoto Liberation Movement) regiert, welche 1994 Mahari Akara gründete und bis heute anführt. Es besteht jedoch große Hoffnung auf Frieden: Die Verhandlungen zwischen der Regierung und der KLM werden geführt, so dass der Friedensvertrag bald in die finale Version gehen wird. Dieser muss schnell zu erkennbaren Erfolgen für die Bevölkerung führen, um das aufflammen neuer Konflikte zu verhindern.

Das Team für Kolpoto

Wie nun schnell sichtbare und fühlbare Erfolge des Friedensprozesses geschaffen werden, liegt nun in der Hand der Teilnehmer. Natürlich gibt jeder hochmotiviert vollen Einsatz für Kolpoto, doch bleibt hier nur Platz um drei Teilnehmer kurz vorzustellen.

Der Panama Mann

Seminarteilnehmer Christobal Fundora arbeitet in seiner Heimat Panama für das Parlament. Während der Planübung muss er nun die administrativen und logistischen Aspekte der Mission betrachten und bearbeiten. Das Zentrum für Internationale Friedenseinsätze lud ihn auf das Seminar an der Akademie ein. Sein Dienst für die Regierung Panamas verschlug ihn zwar schon unzählige Jahre ins Ausland doch dieses ist sein erster Lehrgang der Vereinten Nationen.

Der schwedische Australier

Derzeit arbeitet Thomas Metzler für die zivile EU-Mission „EUAVSEC“ im Südsudan. Die europäische Union unterstützt den Ausbau des Flughafen Juba, einer der zwei internationalen Flughäfen der seit 2011 wieder unabhängigen Republik im Herzen Afrikas. Der Lehrgang an der Führungsakademie wurde ihm von Kollegen aus dem World Food Programm wegen seiner „exzellenten Reputation“ weiter empfohlen.  

Der Oberleutnant als Stabsoffizier

Der junge Luftwaffenoffizier Dominik Burger verlegt in Kürze als Teil des All Sources Information Fusion Unit (ASIFU) nach Mali. Dort wird er als politischer Analyst Presseauswertungen erstellen. Während der Übung ist daher auch die Presse-und Öffentlichkeitsarbeit der Mission seine Aufgabe. Das Seminar ist Teil seiner Einsatzvorbereitung. Nun besitzt er schon als Oberleutnant eine Stabsoffizierbefähigung.

Lachen und Lernen

Auf die Frage wie die Atmosphäre des Seminars sei, antworten die meisten Teilnehmer mit: „multinational!“ „ Es ähnelt auch im Arbeitsklima einem internationalen Stab. Die Atmosphäre ist durch freundliches Miteinander geprägt“, ergänzte ein deutscher Major auf Nachfrage. Nun sind die Vereinten Nationen um 23 potenzielle Stabsoffiziere reicher und die Führungsakademie kann Ende November die nächsten internationalen Teilnehmer United Nation Staffofficer Course (UNSOC) begrüßen.