Autor: Nils Wienböker / Christiane Rodenbücher; Fotograf: privat / Katharina Junge

Hamburg, 23.08.2016

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Oberstleutnant Tronicke im Einsatz: 1995 in Piacenza

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Vater Werner Tronicke im Cockpit seiner T 33 ,,Shooting Star"

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Chef des Stabes im Gespräch

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Seine große Leidenschaft: Leuchttürme

Vor über 40 Jahren zieht der 20-jährige Flieger Jürgen Tronicke zum ersten Mal die Luftwaffenuniform an. Nun blickt der Oberst im Generalstab, kurz bevor er in den Ruhestand geht, auf eine lange, aufregende Dienstzeit zurück – und in eine leuchtende Zukunft.

Starker Vater und eigene Entscheidung

Mit dem Dienstantritt im Juli 1975 setzt Oberst Tronicke eine Familientradition fort: Sein Vater Werner Tronicke war selber eine Luftwaffengröße. Der Pilot baute als Leiter der Pilotenausbildung in Fürstenfeldbruck die Luftwaffe der Bundesrepublik mit auf und dient lange Jahre als Referatsleiter im Verteidigungsministerium. Trotz einer normalen „Oppositionshaltung“ gegenüber dem eigenem Vater in jungen Jahren entschied sich Jürgen Tronicke aus eigenen Stücken für eine Laufbahn in den Streitkräften. Er schlug die Laufbahn als Sicherungssoldat in der Luftwaffe ein.

Pershing, Presse, Personal

Der Beginn seiner Dienstzeit ist durch die Ausbildung zum Offizier der Luftwaffensicherungstruppe geprägt. Nach Abschluss des Studiums der Pädagogik an der Universität der Bundeswehr in München beweist er sich als Zugführer in Landsberg. Als Offizier der Sicherungstruppe ist er mitverantwortlich für die Sicherheit der dort stationierten Pershing-Raketen. Als Staffelchef der Luftwaffensicherungsstaffel des Jagdgeschwaders 71 in Wittmund beendet er seine Zeit in der Objektschutztruppe. Danach besucht er die Führungsakademie der Bundeswehr zum ersten Mal, dieses Mal als Lehrgangsteilnehmer des Lehrgangs Generalstabsdienst der Luftwaffe, die ihn für seine weitere Karriere als Stabsoffizier befähigt.

Das Papamobil in der Transall

Die militärisch intensivste Zeit erlebt der heutige Wahl-Schleswig-Holsteiner während seinen Einsätzen im ehemaligen Jugoslawien Mitte der 90er. Neben den Herausforderungen eines scharfen Einsatzes erlebt er den regelmäßigen Lufttransfer vom idyllischen Feriengebiet Falconara in Italien in das kriegszerstörte Sarajevo inklusive der berüchtigten Sarajevo-Landung. Ein besonderes Erlebnis: das Papamobil im Laderaum der Transall. 

Kommunikation groß geschrieben

Großen Herausforderungen stellt sich der damalige Oberstleutnant gleich im ersten Einsatz 1995. Als Leiter des Presse-Informationszentrums der Vereinten Nationen ist er mit der Informationsarbeit des Bosnien-Einsatzes betraut. Während der Operation „Deliberate Force“ richten sich die Augen der Welt auf den zerrütteten Balkanstaat. Zwei französische Piloten geraten für mehr als drei Monate in Gefangenschaft der Serben, nachdem ihr Flugzeug von serbischen Fliegerfäusten getroffen wurde. Er bekommt alles live mit – und muss die Situation medientechnisch schultern. Den medialen Ansturm insbesondere französischer Journalisten meistert er souverän und knüpft Kontakte zu Korrespondenten und Reportern, die ihm in späteren Einsätzen nützen.

Personalarbeit ist kein reiner Verwaltungsakt

Seine weitere Karriere verbringt er in den Personalabteilungen verschiedener Luftwaffen-Kommandobehörden und Ämtern in Köln, Bonn und an der niederländischen Grenze in Kalkar. Im Lufttransportgeschwader 62 in Wunstorf findet er seine Verwendung als Kommandeur der Fliegerhorstgruppe. Als besonders fordernd empfindet er seine Zeit als Referent im Führungsstab der Luftwaffe im Bundesministerium der Verteidigung. Doch gegen Ende seiner Dienstzeit zieht es den gebürtigen Franken in den Norden. Die Liebe zu seiner Frau, die Faszination der Küste und der Wunsch, dort seinen Lebensabend zu verbringen, geben dafür den Ausschlag. Im Wehrbereichskommando I Küste in Kiel führt er für fünf Jahre die Personalabteilung. Als erster Nicht-Marinesoldat sorgt er gleich zu Beginn für Aufsehen in der Dienststelle. Humorvoll wird der Oberst mit „Herr Kaptän“ gegrüßt. Seit 2013 bestreitet er seinen letzten Dienstposten als Chef des Stabes an der Führungsakademie. „Ein Glückstreffer, neben meiner Zeit als Chef und Kommandeur meine schönste Verwendung“, erklärt der 61-Jährige.

Leuchtende Zukunft

Eine Reservistenverwendung auf seinem bisherigen Dienstposten schließt er nicht aus. Doch will er nach dem Kapitel Bundeswehr erst einmal ein neues beginnen. Neben einem Kontaktstudium an der Uni Kiel, „um den Kopf fit zu halten“, kann er nun die freie Zeit seiner Leidenschaft widmen: der maritimen Architektur. Leuchttürme sind im besonderen Fokus seines Interesses. Schon zwei Bücher über dieses Thema hat der gebürtige Würzburger bis heute veröffentlicht. Ein drittes steht kurz vor der Fertigstellung. Ist sein erstes Buch über die Isle of Man und Irland noch sehr fokussiert auf die Leuchttürme der Inseln, so wird sein drittes Buch über Schottland fast ein Reiseführer, der neben maritimer Architektur auch Land, Geschichte und die bekanntesten Whisky-Destillieren zum Thema hat.

„Vom Kohlefeuer bis zur LED-Lampe“

Der Schutz maritimer Kulturgüter ist nicht nur etwas, über das der Oberst schreibt und Vorträge hält. Als Chairman der World Light House Society trägt er aktiv zum Schutz, Erhalt und zur Restauration von Leuchttürmen und Feuerschiffen weltweit bei. Die Restauration eines Leuchtturms im südamerikanischen Belize ist die letzte größere Unternehmung der Gesellschaft. Als Vorsitzender stand er schon in Kontakt mit Prinzessin Anne und schrieb direkt an den US-Präsidenten, um Unterstützung für eines der zahlreichen Restaurationsprojekte in den USA zu erbitten. „Dieser Tätigkeit ohne Zeitdruck nachzugehen, darauf freue ich mich, und auch meine Frau wird Freude daran haben, dass wir nun mehr gemeinsame Zeit verbringen“, sagt Oberst Tronicke zum Abschied. Nichtsdestoweniger blicke ich auf mehr als vier spannende Jahrzehnte in der Bundeswehr zurück, ich möchte die Zeit nicht missen.“