Wirtschaftsjunioren treffen Offiziere

 

Mitte Oktober besuchten knapp 70 Wirtschaftsjunioren der Hansestadt die Führungsakademie der Bundeswehr in Blankenese. Sie trafen dabei auf rund 90 Teilnehmende des Lehrgangs Generalstabs-/Admiralstabsdienst National (LGAN), der in diesem Herbst seine zweijährige Ausbildung an der höchsten militärischen Ausbildungseinrichtung der Bundeswehr begonnen hat. Die jungen Führungskräfte nutzten das Zusammentreffen zum gegenseitigen Kennenlernen und Austausch.

Bei den Wirtschaftsjunioren der Handelskammer Hamburg engagieren sich rund 130 Führungskräfte und Unternehmer unter dem Motto „Handeln für Hamburg“ für wirtschaftliche und soziale Belange in der Hansestadt. Das Netzwerk junger hanseatischer Führungskräfte existiert bereits seit 40 Jahren. Von den Gästen im Manfred-Wörner-Zentrum in der Clausewitz-Kaserne hatten indes die wenigsten Berührungspunkte mit der Bundeswehr. Zumindest bisher. Umso gespannter lauschten sie den Vorträgen über die Führungsakademie und die Bundeswehr.

Brigadegeneral Holger Neumann, Direktor Ausbildung, begrüßte die jungen Führungskräfte und erklärte Aufbau und Struktur der Führungsakademie. Die Führungsakademie sei eine Ausbildungsstätte, an der Führen, insbesondere militärisches Führen, einen großen Anteil innerhalb der Lehre ausfülle. Auch bei der Bundeswehr gäbe es Chefs, Geschäftsführer oder Abteilungsleiter – nur hätten sie andere Namen. General Neumann wies allerdings darauf hin, dass der Beruf des Soldaten ein besonderer Beruf sei. „Wir dienen unserem Land unter Einsatz von Leib und Leben“, sagte er. Das Konzept der Inneren Führung sei dabei ebenso wichtig wie auch die Aufgabe, die Führungskompetenzen der Nachwuchskräfte stetig zu steigern. Das scharfe Ende des Soldatenberufs erfordere dabei besondere Ansprüche an das Führen von Menschen.

Der kriegstaugliche Stabsoffizier

Die Führungsakademie der Bundeswehr verstehe sich als höhere Managementschule. Gerade die jungen Offiziere im LGAN, -dem zweijährigen Hochwert-Lehrgang, sollen in der Zeit nicht nur den Horizont erweitern sondern auch die Möglichkeit haben, outside the box zu denken. Es folgte ein Vortrag vom Leiter des Dezernats Grundlagen Führungskräfteentwicklung, Oberst i. G. Dirk Bejga, über Fakten zur Führungsakademie. Er erwähnte, dass die Führungsakademie bis zu 3000 Lehrgangsteilnehmer pro Jahr in bis zu 80 Lehrgängen unterrichte. Rund 500 militärische und zivile Gastdozenten ergänzen das Ausbildungsangebot der Akademie jährlich, um das Spitzenpersonal der Bundeswehr aber auch zivile Führungskräfte mit dem Anspruch des „Lebenslangen Lernens“ auszubilden.

Die Ausbildung sei interdisziplinär und eng vernetzt mit anderen Ressorts der Bundesregierung wie dem Auswärtigen Amt oder dem Bundesministerium des Inneren. Am Ende stehe die Ausbildung des kriegstauglichen Stabsoffiziers, den es bestmöglich auf zukünftige Anforderungen und die Herausforderungen im Einsatz vorzubereiten gelte. Oberstleutnant i. G. Bastian Volz von der Fakultät Politik, Strategie und Gesellschaftswissenschaften gab in einer Tour d´Horizon einen Überblick über die Außen- und Sicherheitspolitik der Bundesrepublik Deutschland und die Aufgaben der Bundeswehr in Grundbetrieb und Einsatz. Dabei führte er im großen Bogen rund um die weltweiten, sicherheitspolitischen Bedrohungen zu der Bundeswehr als einem wesentlichen Instrument deutscher Sicherheitspolitik.

Praktikum für Offiziere in der Wirtschaft

Die Wirtschaftsjunioren hörten nicht nur gespannt zu, es fiel auch die eine oder andere Frage. Ob denn die Bundeswehr in Bezug auf den Einsatz ihrer Kräfte auch Einfluss auf die Politik habe? Bei der Beantwortung dieser Frage verwies Oberstleutnant i.G. Volz auf den militärischen Ratschlag, der im Verteidigungsministerium formuliert und dann der politischen Leitung vorgelegt werde Insofern habe man die Möglichkeit einzuwirken. Aber die letzte Entscheidung fälle die Politik.

In einem letzten Vortrag stellten Korvettenkapitän Mark Baumert und Major Nadir Attar vom LGAN 2018 das Projekt „Erfahrungsaustausch Führung und Management“ vor, das als Führungspraktikum den Lehrgangsteilnehmenden in Kooperation mit Unternehmen und zivilen Institutionen einen Einblick in strategische Führungs- und Entscheidungsstrukturen der Wirtschaft ermöglichen soll.

„Nach dem großen Erfolg der letzten Jahre wollen wir dieses Projekt um weitere Firmen erweitern. Wir würden uns sehr freuen, wenn die Wirtschaftsjunioren den angehenden Führungskräften unserer Streitkräfte die Gelegenheit zum Einblick in Leitungs- und Entscheidungsebenen Ihres Unternehmens geben würden“, so der Appell des zuständigen Projektoffiziers, Oberstleutnant Kai Prüter, an die anwesenden Wirtschaftsjunioren.

 

Erfahrungsaustausch ohne Berührungsängste

Claudia Arendt von der Volksbank Hamburg empfand den Erfahrungsaustausch als überaus bereichernd: „Wir haben Einblicke in eine Welt erhalten, die uns sonst verschlossen ist. Mich interessiert beispielsweise das Thema agile Führung bei der Bundeswehr. Das geht für mich auf den ersten Blick nicht zusammen. Also wie gestaltet sich das“, fragte sie. Markus Kruse von Euler Hermes Deutschland und vom Kommunikationsteam der Wirtschaftsjunioren sah das ähnlich: „Mich hat beeindruckt, dass die Bundeswehr deutlich moderner ist, als ich sie in Erinnerung hatte und man aus der Presse so wahrnimmt“. Er selbst leistete vor mehreren Jahren den Grundwehrdienst. Auf der anderen Seite zeigten sich auch die Offiziere des LGAN interessiert. Major Bodo Erler freute sich über den Einblick in das moderne Führungsdenken der Wirtschaft. „Das ist sehr interessant und bereichert unser eigenes Selbstverständnis als Streitkräfte im Wandel“, sagte er, bevor er sich wieder Frau Arendt zuwandte und das Thema agiles Führen vertiefte. Insgesamt waren gerade die Gespräch im Anschluss anregend. Berührungsängste gab es keine.

 

Autorin: Führungsakademie der Bundeswehr/Victoria Eicker