Autor: Christiane Rodenbücher; Fotografin: Katharina Junge

Hamburg, 19.09.2016

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Generalinspekteur bei der LGAN-Verabschiedung

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Admiral Stawitzki: ,,Mut zur Veränderung"

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General Wieker: ,,Gut vorbereitet auf die Realität"

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Generalinspekteur gratuliert Lehrgangsteilnehmerin

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Verabschiedung im würdevollen Rahmen

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Internationale Teilnehmer: große Bereicherung

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Lehrgangsbester: Major Knappe wird ausgeziechnet

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Lehrgangsleiter Oberst i.G. Schlechtweg im Gespräch

In der Geschichte verortet, der Tradition verpflichtet: Mit wachem Bewusstsein für die Vergangenheit haben der Generalinspekteur der Bundeswehr und der Kommandeur der Führungsakademie im Beisein zahlreicher hochrangiger Gäste für die Teilnehmer des LGAN 2014 einen verantwortungsvollen Weg in die Zukunft gezeichnet. „Uns verbindet unsere gemeinsame Zukunft, in der wir gemeinsam die Bundeswehr gestalten wollen – wir sind also nicht nur Weg- und Gefährten, vor allem verbindet uns alle das teuerste Gut unserer Streitkräfte: Kameradschaft“, bringt Flottillenadmiral Carsten Stawitzki die Besonderheit des Offiziersberufs und seine Absicht zur gestalterischen Veränderung im Rahmen der Ausbildung auf den Punkt.

Authentisch bleiben

Zunächst dankt der Kommandeur den Ausbildern, Truppenfachlehrern und Dozenten, den Planern und Konzeptionären des Lehrgangs sowie den „Visonären und beharrlichen Unterstützern“ einer Kooperation mit der Helmut-Schmidt-Universität. Dann geht Stawitzki auf seine persönlichen Gedanken ein, er versäumt hier nicht, ein authentisches Bild seiner Erfahrungen in den Streitkräften zu zeichnen, „mit Höhen und Tiefen, über menschliche Stärken und Schwächen, über Einsicht und Trotz, über Erfolge und Misserfolge“.

Führen groß geschrieben

Greifbar nahe wird für die Anwesenden, für die jungen Menschen in fordernder Führungsverantwortung und für Familie, Freunde sowie der Akademie verbundene Ehrengäste: Der Kommandeur meint es ernst mit einem realistischen Menschen- und Erziehungsbild, sein Ausbildungsansatz ist im anspruchsvollen Hier und Jetzt verankert. Darüber hinaus verweist er gleichzeitig auf eine lange Historie, die er zitiert und der er sich in seiner Funktion als Ausbilder verbunden und verpflichtet fühlt. Dazu zählen sowohl umfangreiche Erfahrungen von heutigen Generalen und Admiralen in der aktuellen Bundeswehr als auch geschichtliche Ereignisse, tradiert beispielsweise in deutscher Weltliteratur vergangener Jahrhunderte.

Geschichte lebt

Am Ende seiner Ausbildungszeit als Schiffstechniker im Ersten Ubootgeschwader erhielt Admiral Stawitzki von seinem Kommandanten eine Ausgabe von Kleists „Prinz von Homburg“ geschenkt. 17. Jahrhundert, Befreiungskriege. Der Protagonist, der preußische Reitergeneral Friedrich von Homburg, befolgt einen Befehl seines Kurfürsten nicht und trägt damit maßgeblich zum Sieg einer entscheidenden Schlacht bei. Erst soll die Todesstrafe erfolgen, dann wird er begnadigt. In dem Schauspiel geht es um den Konflikt zwischen der Verantwortung des Einzelnen und der Pflicht vor einem übergeordneten Gesetz. „Kleist löst ihn, indem der Protagonist seine persönlichen Wertvorstellungen eingliedert in das größere Ganze des bestehenden Systems“, erklärt der Kommandeur. 

Konfliktfähig handeln

Kann es ein besseres Bild für die angehenden Stabsoffiziere in ihren künftigen anspruchsvollen Verwendungen geben? Äußerer Anspruch, gekonntes und erfahrenes Wissen, und all das vereint durch erfahrene Werte, die durch Handlungen – auch in schwierigen Situationen – ihre Verwirklichung erfahren. „Bleiben Sie kritikfähig und konsensfähig, aber auch konfliktfähig“, bringt der Kommandeur in seiner Rede seine Erfahrung, sein Wohlwollen und seinen Ratschlag für die jungen Generalstabsoffiziere auf den Punkt.  

Effektiv den Auftrag ausüben

Er wünscht den knapp neunzig Frauen und Männern „die Weitsicht, das Ziel nie aus den Augen zu verlieren. Den Mut zur Entscheidung, immer die richtigen Schwerpunkte zu setzen. Den Durchblick, stets das Ganze vor den Teilen zu sehen. Die Kraft, das Vertrauen der Vorgesetzten und Untergebenen zu gewinnen und zu bewahren. Und die Weisheit, die Stärken des Teams möglichst effektiv für die Erfüllung des Auftrags einzusetzen“.

Offizier und Manager

Damit schafft er einen Rahmen für die Orientierung der Lehrgangsteilnehmer, getreu seinem Motto: „Ziel unserer Aus- und Weiterbildung an der Führungsakademie muss es sein, Führungskräfte entscheidungsfreudig und handlungsfähig zu machen. Als Offizier zu führen bedeutet nämlich, notfalls über Leben und Tod der anvertrauten Kameradinnen und Kameraden oder Dritte entscheiden zu müssen, den Willen des Deutschen Volkes auch mit Waffengewalt durchzusetzen – denn nichts anderes bedeutet ein Mandat des Deutschen Bundestages für uns.“ Darüber hinaus gilt es, so der Kommandeur, als Offizier zu managen. Das bedeutet, die administrativen Entscheidungsprozesse insbesondere auf der ministeriellen Ebene und der höheren Kommandobehörden im Sinne der Bundeswehrplanung verantwortlich und zukunftsfähig mit zu gestalten.

Kraft zur Veränderung

Lehrgangsleiter Oberst i.G. Michael Schlechtweg resümiert: 3640 Ausbildungsstunden in zwei Jahren, unzählige Vorträge, Seminare, Reisen … „Habe ich das Richtige gelernt, kann ich die Herausforderungen erfolgreich bewältigen“, mag sich mancher zum Schluss denken. Er betont die klaren Wertvorstellungen und das sichere Gespür für anvertraute Soldaten. „Bei Ihnen ist aus Wissen Können geworden, erhalten Sie sich Ihre Kreativität und Ihren Gestaltungswillen“, gibt er den Generalstabsoffizieren, den „Zaubermeistern in Erstverwendung“, mit auf den Weg, die einen immensen Werkzeugkasten erhalten haben. „Den Mutigen gehört die Zukunft, nur sie haben die Kraft zur Veränderung.“

Angekommen in der Realität

General Volker Wieker ermutigt die künftigen Entscheidungsträger der deutschen Streitkräfte, die von Eckernförde bis Bad Reichenhall und von Brüssel bis Stettin eingesetzt werden, schließlich von Fort Campbell über Madrid bis nach Tallin und Riga, ebenso wie die internationalen Teilnehmer aus 14 Ländern. „Akademische Freiheiten und beschwingte Stunden zur ,angeleiteten Grobzielvertiefung‘ tauschen Sie in Kürze ein gegen Abschreckung und kollektive Verteidigung, gegen Einsätze und Übungen, gegen diplomatisches Parkett, Cyber-Defence und Integrierten Planungsprozess, gegen Schleudersitz, Kommandantenstuhl sowie rustikale Bataillonsgefechtsstände in litauischen und anderen Wäldern.“  

Echte Prüfungen

Nun kämen die ersten echten Prüfungen auf die jungen Generalstabsoffiziere zu. „Hier werden Sie sehr wohl auf die Realität vorbereitet – das geistige und handwerkliche Rüstzeug hält den unterschiedlichsten Stresstests des militärischen Lebens Stand.“ Außerdem stellt der Generalinspekteur fest: „Neben den Leistungsträgerinnen aus dem Zentralen Sanitätsdienst sind nun auch Kameradinnen ohne Skalpell und Approbation verdientermaßen dort angekommen, wo wir sie dringend brauchen – nämlich in der Riege des künftigen Spitzenpersonals unserer Bundeswehr.“ 

Widerspruch und Diplomatie

„Führen Sie mit Auftrag, halten Sie die Balance auf dem mitunter schwierigen Grad zwischen Initiative und Gehorsam, üben Sie Widerspruch im richtigen Ton – und seien Sie bereit, ihn auch zu ertragen. Seien Sie Vorbild, ohne sich dabei zu verrenken“, erklärt der Generalinspekteur. Er spricht über Führung, Authentizität, Vertrauen, Wertschätzung über Demut vor dem eigenen Auftrag und Verantwortung. Er gibt den jungen Mitmenschen viel Kraft, Takt und Fingerspitzengefühl in folgendem Bild mit auf den Weg: „Den Finger diplomatisch in die Wunde legen und gleichzeitig immer Lösungsansätze parat haben.“ Er verabschiedet den LGAN 14 mit den Worten: „Nutzen Sie das einzigartige Netzwerk der Führungsakademie auch künftig, Sie werden davon profitieren.“