Frei im Geist, Fest im Entschluss

 

Es ist Ende September. Zwei Jahre Lehrgang liegen hinter den 95 Offizieren, die sich ein letztes Mal im Manfred-Wörner-Zentrum an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg zusammenfinden. Es liegt eine Zeit reicher Erfahrungen, enger Kameradschaft und bereichernder Erlebnisse hinter ihnen. Das hat sie zusammengeschweißt – für ein ganzes Soldatenleben. Der Lehrgang Generalsstabs-/Admiralstabsdienst National 2017 wurde mit einem Festakt verabschiedet

Musikalisch eingeleitet wurde der Festakt in Hamburg Blankenese mit dem Pilgerchor aus Richard Wagners Tannhäuser. 2017 begann der Lehrgang für Generalstabs-/Admiralstabsdienst National (LGAN 2017). Heute sitzen die jungen Offiziere in Hamburg Blankenese und blicken auf eine ereignisreiche Zeit zurück. Der Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr, Generalmajor Oliver Kohl, verglich den zwei Jahre dauernden Lehrgang in seiner Ansprache mit einer Pilgerfahrt. „Sie begannen die Reise vor zwei Jahren hier und wussten nicht, was sie erwartet und wie es am Ziel sein würde – ähnlich wie bei einer Pilgerreise.“

Und ähnlich wie bei einer Pilgerreise sei man auch mit einer veränderten Persönlichkeit am Ziel angekommen. Zahlreiche Reisen in NATO- und EU-Staaten, sowie der Besuch anderer Streitkräfte und wichtiger Bundeswehrstandorte liegen hinter den 95 Frauen und Männern. Zahlreiche Übungen haben sie gemeinsam absolviert, von der taktisch-operativen über die operative bis hin zur strategischen Ebene. Die Übungen vollzogen die Lehrgangsteilnehmenden zunächst in ihrer eigenen Teilstreitkraft – also in Heer, Marine oder Luftwaffe – im weiteren Lehrgangsverlauf dann gemeinsam in der Übungsreihe Joint Endeavour. Ergänzend wurde die Übung CJEX, einer Übung gemeinsam mit den Partnerakademien in England, Italien und Spanien auch in international besetzen Stäben gemeinsam ausbildet. Das Planspiel Cerasia, als ressortübergreifende Übung gemeinsam mit Vertretern aus dem Auswärtigen Amt und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung runden die Ausbildung ab.

Erster Lehrgang mit Verzahnung zur Denkfabrik

Im Verlauf des LGAN 2017 gab es verschiedene maßgebliche Veränderungen an der Führungsakademie. So eröffnete im Juni 2018 die damalige Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen das „German Institute for Defence and Strategic Studies“ (GIDS). Das GIDS ist die neue Denkfabrik der Bundeswehr, die sich unter anderem durch das militärische Fachwissen an der Führungsakademie der Bundeswehr speist. Eine wesentliche Veränderung betraf die Studienphase, die nun lehrgangsbegleitend erfolgt und nicht mehr nur drei Monate am Ende der zwei Jahre betrifft. Das Thema der Studienphase wird durch den Generalsinspekteur der Bundeswehr vorgegeben und dann intensiv unter wissenschaftlichen Aspekten untersucht.

Der LGAN 2017 bekam vom Generalinspekteur der Bundeswehr General Eberhard Zorn vor knapp zwei Jahren das Thema: „Nationale Führungsorganisation im Rahmen von Landes- und Bündnisverteidigung“. Dazu legte Zorn den jungen Offizieren ein weißes Blatt Papier auf den Tisch. „Denken Sie frei und ohne Grenzen“ – das war seine Vorgabe. Der LGAN 2017 hat mir seinen Ergebnissen der Studienphase einen wichtigen Beitrag als Teil der Denkfabrik Führungsakademie leisten können und durch ihre Zuarbeit einen weiteren Schritt bei der Etablierung des GIDS, die nun die weitere Bearbeitung übernommen hat, mitgestaltet.

Der Lehrgangsleiter, Oberst i.G. Lars Gehlhaar, resümierte vor seinen Lehrgangsteilnehmenden: „Sie haben das entgegengebrachte Vertrauen und die eingeräumten Freiräume perfekt genutzt. Mit gelebter Kameradschaft, gegenseitigem Respekt und einer perfekten Balance“. Er betonte die offenen und mutigen Diskussionen und hob die gezeigte geistige Freiheit und den gezeigten Mut zum Diskurs hervor. „Bleiben Sie  ganz nach Ihrem Lehrgangsmotto frei im Geist und fest im Entschluss“; gab er seinen 95 Offizieren aus 15 Nationen mit auf den Weg. Zu dem Lehrgang Generalstabs-/Admiralstabsdienst National werden auch immer Soldatinnen und Soldaten aus EU- und NATO-Staaten sowie gegebenenfalls aus der Schweiz eingeladen.

Und die Bestpreise gingen an …

Beim Festakt an der Führungsakademie bekam nicht nur jeder Teilnehmende vom Generalinspekteur persönlich seine Lehrgangsurkunde überreicht. Einige Offiziere wurden zusätzlich wegen besonderer Leistungen ausgezeichnet. Für herausragende Lehrgangsarbeiten erhielten die Majore Anja Blümel und Elisabeth Frank die Ehrenmedaille General von Clausewitz. Über die Ehrenurkunde General von Clausewitz freute sich der Schweizer Oberstleutnant i.Gst. Beat Stettler. Den Zukunftspreis der Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik e.V. erhielt der Wissenschaftliche Oberrat Rolf Baasch. Von den Lehrgangsteilnehmenden wurde Major Stefan Alves Kraus als „Primus Inter Pares“ ausgezeichnet. Damit würdigten sie seine Besonnenheit, seinen messerscharfen Verstand und seinen angenehmen Charakter. Schließlich wurde der Dr.-Manfred-Wörner-Preis für den besten internationalen Lehrgangsteilnehmer durch den Kommandeur der Führungsakademie und den Generalinspekteur an den Dänen Major Christian Dalum übergeben. Ebenfalls überreichten die beiden Kommandeure den General-Heusinger-Preis an Major Frank Obermeyer. Er hatte sich durch besondere Haltung und Leistung ausgezeichnet.

Bei der festlichen Abschlussfeier fand General Zorn lobende Worte für den Lehrgang: „Während der Ergebnispräsentation haben Sie schlüssige und saubere Vorschläge gemacht und mutig vorgetragen“, sagte er. Nun werden diese Ergebnisse diskutiert und ausgewertet. Er legte den jungen Offizieren für die Zukunft eine faktenreiche Recherche und klare Sprache ans Herz. „Seien Sie wahrhaftig und denken Sie bei Ihren Vorlagen immer auch an die Auswirkungen auf die Truppe“, sagte er.

 

Autorin: Victoria Eicker