Cerasia – über Ministerien hinweg gemeinsam auf Krisen reagieren

 

Cerasia ist ein ressortbergreifendes Planspiel (Bundeswehr/Lene Bartel)

Cerasia ist ein ressortbergreifendes Planspiel (Bundeswehr/Lene Bartel)

 

Major Stefan Quandt und Dr. Verónique Héon-Klin erzählen über ihre Erfahrungen bei Cerasia (Bundeswehr/Lene Bartel)

Major Stefan Quandt und Dr. Verónique Héon-Klin erzählen über ihre Erfahrungen bei Cerasia (Bundeswehr/Lene Bartel)

 

Matthias Dold vom Attachélehrgang des Auswärtigen Amtes besuchte Cerasia als Teilnehmer (Bundeswehr/Lene Bartel)

Matthias Dold vom Attachélehrgang des Auswärtigen Amtes besuchte Cerasia als Teilnehmer (Bundeswehr/Lene Bartel)

 

Mitte September fand an der Führungsakademie der Bundeswehr das Planspiel „Cerasia“ statt. Für den zweijährigen Lehrgang Generalstabs-/Admiralstabsdienst National 2017 ist es die letzte große Übung, beziehungsweise in diesem Fall das letzte Planspiel an der Führungsakademie der Bundeswehr in Blankenese. Da es ein ressortgemeinsames Planspiel war, kamen auch Kollegen aus dem Auswärtigen Amt (AA) und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).

Cerasia. Ein Staat in Ostafrika. Einer der Staaten, in dem sich eine Krise anbahnt. Im Bundesverteidigungsministerium (BMVg) in Berlin wird es bestimmendes Thema Es werden Telefonate geführt, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter rennen über die langen Flure des Bendlerblocks. Was passiert in Cerasia? Welche Folgen kann das haben? Wie verhalten sich EU, Vereinte Nationen und NATO dazu? Welche Informationen hat das AA zu der Krise? Welche Maßnahmen des BMZ laufen gerade in Cerasia?

Das ist ein denkbares Szenario. Aber es ist alles nur fiktiv. Cerasia existiert nicht. Auch die Krise existiert nicht. Aber sie könnte existieren. Die Teilnehmenden des Lehrgangs Generalstabs-/Admiralsstabsdienst National 2017 (LGAN) haben Mitte September im Manfred-Wörner-Zentrum in der Clausewitz-Kaserne in Blankenese das Planspiel Cerasia absolviert. Das Besondere: Es ist ein ressortübergreifendes Planspiel: „Hier werden auf spielerische Art und Weise ministerielle Stabsarbeit und interministerielle Abstimmungsprozesse simuliert“, erklärt Oberst i.G. Andreas Bednarzyk, Leiter des Planspiels aus der Fakultät Politik, Strategie, Gesellschaftswissenschaft.

Gäste aus anderen Ministerien

Zu Cerasia wurden auch vier Teilnehmende aus dem Attachélehrgang des AA und fünf Teilnehmende aus dem BMZ eingeladen. Sie schlüpfen in die Rolle eines Referenten im Verteidigungsministerium und setzen damit die Brille eines anderen Ressorts auf. Dr. Véronique Héon-Klin ist Referentin im Referat Sahel und Westafrika im BMZ. „Die ressortübergreifende Zusammenarbeit ist sehr bereichernd“, erklärt sie. Natürlich hat sie von Hause aus ein Blick auf die entwicklungspolitischen Instrumente, muss sich innerhalb dieses Planspiels aber in die Rolle eines Referenten aus dem BMVg hineindenken. „Da schaut man über seinen eigenen Tellerrand und lernt die andere Seite zu verstehen“, sagt sie. Major Stefan Quandt, Teilnehmer des LGAN 2017, erklärt die Aufgabe: „Wir müssen eine gemeinsame Position zu der Krise erarbeiten, diese dann abstimmen und auch vertreten. Uns wird hier sehr schnell klar, dass wir das allein nicht können, sondern nur ressortübergreifend.“

Eine andere Brille aufsetzen

Bei einer Krise – noch bevor klar ist, ob und wie EU, VN oder NATO eingreifen – muss zunächst ein Lagebild erstellt, dann müssen die diplomatischen und auch entwicklungspolitischen Aspekte durchdacht und auch genutzt werden. „Denn keine Sicherheit ohne Entwicklung, und keine Entwicklung ohne Sicherheit“, erklärt Héon-Klin. Auch Matthias Dold vom Referat für EU-Sanktionspolitik im AA sieht einen großen Mehrwert in der Übung. „Wir lernen die Arbeitsweise der anderen kennen. Wenn es zu so einem Fall käme, dann haben wir das theoretisch schon einmal durchgespielt. Auch unter einem anderen Blickwinkel.“ Es werden alle nötigen Informationen rund um die Krise in Erfahrung gebracht. Dafür stehen den Teilnehmenden auch externe Berater zur Verfügung – sie sind sozusagen die Verbindungselemente in die anderen Ministerien und Behörden. Beispielsweise stand der ehemalige Bundestagsabgeordnete Winfried Nachtwei für Fragen rund um den Verteidigungsausschuss bereit. „Die Formatvorlagen sind andere und es werden andere Schwerpunkte gesetzt, das ist spannend und auch herausfordernd“, sagt Héon-Klin.

Das ressortübergreifende Planspiel ist ein Handlungstraining für zukünftige Verwendungen als Referent im Ministerium. „Wir möchten mit diesem Planspiel ein Verständnis gemeinsamen, ressortübergreifenden Handels auf ministerieller Ebene erzeugen “, erklärt Bernadzyk. Am Ende haben die Teilnehmenden eine inner- und interministeriell abgestimmte Position entwickelt, die der Leitung des Hauses eine Entscheidung ermöglicht. Bei Cerasia mag das noch fiktiv sein – aber es kann der Tag kommen, an dem die jungen Generalstabs- und Admiralstabsoffiziere vor einem solchen Szenario stehen.

 

 Autorin: Victoria Eicker