Autor: Jörg Barandat; Fotograf: Jörg Barandat

Hamburg, 01.10.2015

Body + Brain: Nicht nur „Mens agitat molem“, sondern auch „Mens sana in corpore sano“ (In einem gesunden Körper steckt ein gesunder Geist)

Hybride Machtprojektion: Vernetzte Sicherheit mit negativem Vorzeichen?

Seminarablauf … nichts ist so beständig wie der Wandel.

Einblicke in Treibhäuser der Zukunft: systemisches und vernetztes Denken, Mustererkennung und Netzwerke, Zukunftsanalyse und Gestaltungskompetenzen, Loyalität und Grenzüberschreitung, Politik und Kommunikation - alles, was heute für eine Qualifizierung zur Strategiefähigkeit nützlich sein kann.

Gibt es gesicherte Fundamente unseres Daseins? Objektive Wissenschaft ist eine Illusion: E = mc² - kein Standort ist fix, keine Perspektive absolut und jeder Moment relativ zu anderen (Einstein). Es gibt keine eindeutigen Eigenschaften und absoluten Gesetze, nur noch statistische Erwartungen (Planck und Heisenberg). Unsere Existenz – und damit auch Sicherheitspolitik - findet im Chaos statt: Nicht-lineare, selbstregulierende und komplexe Systemdynamiken mit Rückkopplungseffekten und eingeschränkter Vorhersehbarkeit und Planbarkeit. Erst dynamische und labile Systemgleichgewichte schaffen einen Eindruck von Stabilität.

Sind wir darauf gut eingestellt oder wird Verwirrung und Hilflosigkeit generiert ?

Wir müssen zunächst einmal feststellen, dass sich die Problemgeschichte von Strategien in der Vergangenheit bis heute in dualistischer Logik (entweder – oder, schwarz – weiß, Krieg – Frieden) bewegt. Unsere Realität findet aber zwischenzeitlich in mehr als drei Dimensionen statt. Gute Beispiele dafür sind im militärischen Bereich die hybride Machtprojektion: Krieg im Frieden im Krieg oder auch der Nexus: Cyber-Robotik-Nanotechnologie.

Vor diesem Hintergrund hat der Fachbereich Sicherheitspolitik und Strategie im September 2014 einen ministeriell und wissenschaftlich begleiteten Workshop durchgeführt, um den Bildungsbedarf zu ermitteln und ein didaktisches Konzept für ein Ausbildungsziel - Strategiefähigkeit - zu entwickeln. Die konkrete Umsetzung dieses Konzepts erfolgte im Seminar vom 7. bis 12. September 2015 in einer Mischung aus Vorträgen, Arbeits- und Gesprächsgruppen.

Ausgehend von Lagefeststellungen zu globalen Trends und zum Spannungsfeld: Politik, Strategie, Operationsführung, taktisches Handeln und militärische Professionalisierung unter dem Primat der Polititik, wurde in einer anschließenden Gruppenarbeit eine Auflistung von Gestaltungskompetenzen entwickelt. Diese reichten von der Fähigkeit zur Mustererkennung über Vernetzung im Denken und mit Menschen, Empathie, Umgang mit Zielkonflikten und strategische Alternativen bis zur Bereitschaft und Ermutigung zur Ideologiefreiheit. Schnell wurde deutlich, dass Strategiefähigkeit nicht nur eine kognitive, sondern auch eine kulturelle Leistung darstellt.

In einer Einführung in die Thematik Zukunftsanalyse wurde sehr deutlich herausgestellt, dass Zukünfte nicht vorhersagbar sind, aber die Modellierung von Trends in Szenario-Techniken großartige Chancen für Politik- und Strategieprozesse eröffnet, weiser und damit auch aktions- und reaktionsfähiger zu werden.

Gute Ideen und Konzepte sind das Eine, sie müssen aber auch an ein Gegenüber kommuniziert werden. Dazu erfolgte eine Einführung in Techniken wie "Havard-Negotiation-Project" und "Track One, One and a Half and Two Diplomacy". Thema war aber auch Online-Kommunikation, von “Troll-Fabriken” bis zum "Nudging".

Mit den Themen Hybride Kriegsführung, der Weg zum Weißbuch und einem Besuch bei Airbus Finkenwerder wurde neben der Theorie- und Modellbildung auch immer wieder ein konkreter Bezug zur Gegenwart und in laufende Prozesse hergestellt.

Durchgehend stand im Seminar stets die Einladung: "What I propose, therefore, is very simple: it is nothing more than to think what we are doing." (Hannah Arendt: The Human Condition, 1958). Denken ist harte Arbeit – keine Esoterik, aber auch Freude an komplexen Gedankenspielen.

Die im Workshop entwickelte didaktische Linie, sowie die Auswahl und Abgrenzung der Themen, hat sich als richtig und zielführend erwiesen. Nachsteuerungsbedarf ergibt sich lediglich aus dem Bildungsbedürfnis einiger Teilnehmer nach einem Exkurs: Sun Tsu – Clausewitz – aktuelle Sicherheitsstrategien. Wir werden ein solches Element beim Seminar im Zeitraum 31. Oktober bis 4. November 2016 einfügen. Das nächste Seminar wird vom 29. März bis 1. April 2016 stattfinden.

Weitere Informationen zum Modul 1007 finden sie im Info-Flyer.


Weitere Informationen zu dem Modul 1007.