Instrument deutscher Außenpolitik an der Führungsakademie 

 

Die Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg ist die höchste militärische Ausbildungseinrichtung in Deutschland. Hier wird das Spitzenpersonal der Bundeswehr unter anderem auf dem Generalstabs- und Admiralstabsdienst National für ihre zukünftigen Positionen vorbereitet. Aber es sind nicht nur nationale Lehrgangsteilnehmende vor Ort. Tatsächlich gibt es auch einen Lehrgang Generalstabs-/Admiralstabsdienst International. Doch was ist das genau?

 

Unter den zumeist internationalen Lehrgangsteilnehmern befinden sich in jedem LGAI auch immer deutsche Offiziere, die unter anderem Mentorenaufgaben wahrnehmen. (Foto: Bundeswehr/Lene Bartel)

Unter den zumeist internationalen Lehrgangsteilnehmern befinden sich in jedem LGAI auch immer deutsche Offiziere, die unter anderem Mentorenaufgaben wahrnehmen. (Foto: Bundeswehr/Lene Bartel)

 

„Der Lehrgang für Generalstabs-/ Admiralstabsdienst International ist ein Instrument der militärischen Ausbildungshilfe“, erklärt Oberstleutnant i.G. Dr. Stefan Klein aus der Abteilung Politik im Bundesministerium der Verteidigung. In seiner Abteilung sitzen die Referenten, die bi- und multilaterale Abkommen mit den verschiedenen Ländern unserer Welt ausarbeiten. Einen der hochwertigen Plätze im LGAI an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg zu erhalten, ist ein Privileg. Der Lehrgang wurde für Nicht-NATO- und Nicht-EU-Länder konzipiert und dauert ein Jahr. Meist geht für die meisten Lehrgangsteilnehmenden ein einjähriger Aufenthalt am Bundessprachenamt in Hürth voraus – der Lehrgang findet nämlich auf Deutsch statt.

Einen Platz im LGAI zugeteilt zu bekommen, beruht auf bilateralen Abkommen, die jährlich neu verhandelt werden. Hier spielt auch das Auswärtige Amt eine Rolle, denn dort wird gemeinsam mit dem Bundesministerium der Verteidigung entschieden, welche Länder zu Partnerländern der militärischen Kooperation werden. Das hängt von vielen Faktoren und Kriterien ab. Im Rahmen der militärischen Ausbildungshilfe ist der Besuch des LGAI das hochwertigste Instrument – es gibt auch noch andere, wie etwa die Offiziersausbildung, Bataillonskommandeurslehrgänge oder eine Fortbildung im Bereich der Inneren Führung.

 

Oberstleutnant Oumar Ka ist Luftwaffenoffizier aus dem Niger. Er nahm am LGAI 2018 teil. (Foto: Bundeswehr/Lene Bartel)

Oberstleutnant Oumar Ka ist Luftwaffenoffizier aus dem Niger. Er nahm am LGAI 2018 teil. (Foto: Bundeswehr/Lene Bartel)

 

Militärische Ausbildungshilfe als Vertrauensmaßnahme 

„Die militärische Ausbildungshilfe ist ein Instrument der erweiterten Sicherheitsvorsorge und Resilienzbildung“, sagt Oberstleutnant Klein. Doch was bedeutet das? Deutschland hat als globaler Akteur Interessen in vielen Teilen der Welt und unterhält Beziehungen zu zahlreichen Ländern dieser Welt. „Wir wollen den Lehrgangsteilnehmenden hier in Hamburg einen Einblick in Strukturen und Arbeitsweisen sowie das Selbstverständnis der Bundeswehr geben. Gleichzeitig lernen die Teilnehmenden unser demokratisches System kennen und die Tatsache, dass wir eine Parlamentsarmee haben“; sagt auch Oberst i.G. Frank Wasgindt, Lehrgangsleiter des LGAI an der Führungsakademie, „damit dient der LGAI der Vertrauensbildung und dem Kennenlernen.“

Wenn die Lehrgangsteilnehmenden in ein paar Jahren dann teilweise in militärischen Spitzenpositionen in ihren Heimatländern sind, dann ist bereits eine Verbindung da. Sie kennen deutsche sicherheits- und verteidigungspolitische Grunddaten und die deutsche Lebens- und Denkweise. „Das bindet sie an uns und unsere Werte – das ist zumindest die Hoffnung“, sagt Oberstleutnant Klein. So ist beispielsweise der heutige Verteidigungsattaché der Republik Irak in Berlin ein ehemaliger Teilnehmer des LGAI.

 

Oberstleutnant Oumar Ka hat sich als bester internationaler Lehrgangsteilnehmer ausgezeichnet. (Foto: Bundeswehr/Lene Bartel)

Oberstleutnant Oumar Ka hat sich als bester internationaler Lehrgangsteilnehmer ausgezeichnet. (Foto: Bundeswehr/Lene Bartel)

 

Multinational und vielfältig

„Die Führungsakademie der Bundeswehr ist eine weltweit hochanerkannte Institution. Das Lehrgangsprofil ist umfassend. Wir bekommen Einblick in alle militärischen Organisationsbereiche“, sagt Oberstleutnant Ka Sidi Oumar Ka. Oumar Ka ist Luftwaffenoffizier im Niger und Teilnehmer des LGAI 2018. Er hat den Lehrgang als bester internationaler Lehrgangsteilnehmer mit dem Scharnhorst-Preis abgeschlossen. Oumar Ka nimmt viele Eindrücke und Erfahrung mit zurück in seine Heimat. „Wir haben beispielsweise auch über die großen Herausforderungen der Zukunft gesprochen: Künstliche Intelligenz oder Digitalisierung. Das spüren wir im Niger natürlich auch. Auch wir leben dort in einer globalisierten Welt. Die Impulse aus Hamburg werde ich in mein Heimatland mitnehmen.“ Jetzt aber schließt Oumar Ka zunächst noch einen sechsmonatigen Pilotenlehrgang auf dem Transportflugzeug Herkules in den USA an seinen Aufenthalt in Deutschland an. Seine Frau und seine vier Söhne sind in dieser ganzen Zeit im Niger – auf sie muss er noch verzichten.

Der LGAI 2018 ist mit 30 Nationen vielfältig besetzt. „Die Vielfalt bietet uns Lehrgangsteilnehmern einen umfassenden, multinationalen, fachlichen Austausch. Wir können so den Blick auch in andere Kulturen lenken“, sagt Oumar Ka. Sein Lehrgangskamerad Major Ui-Sop Shin aus Südkorea pflichtet ihm bei. Der Heeressoldat – „wie Clausewitz“, wie er lächelnd erwähnt – ist bereits das dritte Mal in Deutschland. „Ich habe von 2003 bis 2005 die Offiziersausbildung in Deutschland absolviert und dann von 2009 bis 2013 an der Bundeswehruniversität in Hamburg studiert. Nun bin ich beim LGAI.“ Shin interessiert sich insbesondere für den Prozess der Wiedervereinigung und die Integration der NVA in die Bundeswehr. „Deutschland ist für Korea ein großes Vorbild. Der Transformationsprozess der Bundeswehr ist für uns sehr interessant. Ich möchte darin ein Experte werden, deshalb bin ich hier. Eines Tages möchte ich meinem Land in einem ähnlichen Prozess zur Seite stehen.“ Zu diesem Thema fertigt Shin, neben dem LGAI, eine Doktorarbeit an. Auch das ist möglich. Und: Shin ist mit seiner Familie in Hamburg. Sein jüngstes Kind besucht die Kita auf dem Kasernengelände. Auch möglich.

 

Major Shin aus Südkorea ist Teilnehmer des LGAI 2018 und schreibt gleichzeitig seine Promotion. (Foto: Bundeswehr/Lene Bartel)

Major Shin aus Südkorea ist Teilnehmer des LGAI 2018 und schreibt gleichzeitig seine Promotion. (Foto: Bundeswehr/Lene Bartel)

 

Kooperationen mit rund 80 Ländern 

Maßgebliche Kriterien für bi- oder multilaterale Kooperationen sind die regionalen Schwerpunktsetzungen der Bundesregierung, das Verhalten des Partnerlandes sowie sicherheitspolitische Interessen, so Oberstleutnant Klein. Neben dem Auswärtigen Amt und der Abteilung Politik im Verteidigungsministerium ist noch das Dezernat Internationale Kooperation im Streitkräfteamt involviert. Das sind diejenigen, die vor Ort die Verhandlungen führen. Die rote Linie bestimmt die Bundesregierung; werden mit einem Land die Kontakte abgebrochen, gilt das sofort auch für die militärische Ausbildungshilfe. „Sicherheitspolitische Entscheidungen stehen über allem“, erklärt Oberstleutnant Klein. Fregattenkapitän Markus Nolte, der ehemalige Leiter vom Dezernat Internationale Kooperation im Streitkräfteamt sagt: „Wir haben einige Länder, aus denen Hunderte Offiziere in Deutschland ausgebildet wurden. Derzeit befinden sich 850 Lehrgangsteilnehmende aus etwa 68 Ländern in rund 140 Ausbildungsgängen“. Insgesamt verfügt das Verteidigungsministerium über etwa 18 unterschiedlichen Kooperationsinstrumenten. Der LGAI ist eine davon – die hochwertigste.

Während Oumar Ka und Shin schon in andere Erdteile entschwunden sind, bereitet sich die Führungsakademie auf einen neuen Lehrgang vor. Am 22. August werden die aus allen Erdteilen der Welt angereisten Lehrgangsteilnehmenden des LGAI 2019 begrüßt.

 

 

Autorin: Dr. Victoria Eicker