Ausbildung 4.0: Ein Austausch über die Ländergrenzen hinweg 

 

Einmal im Jahr tauschen sich die Kommandanten der Landesverteidigungsakademie aus Österreich (A), der Höheren Kaderausbildung der Armee der Schweiz (CH) und der Führungsakademie der Bundeswehr (D) über die Ausbildung aus. Diese Zusammenkunft wird als „D-A-CH-Treffen“ bezeichnet.

 

Über die Herausforderungen der Schweizer Armee spricht der Kommandeur der Höheren Kaderausbildung der Armee, Divisionär Daniel Keller.

 

Der Direktor Strategie und Fakultäten der Führungsakademie der Bundeswehr, Brigadegeneral Boris Nannt, berichtet den Teilnehmenden des D-A-CH-Treffens von den jüngsten Entwicklungen und Herausforderungen der Akademie.

Nicht nur sitzen und zuhören, sondern „machen, machen, machen und üben, üben, üben“: So stellt sich der Direktor Strategie und Fakultäten der Führungsakademie der Bundeswehr, Brigadegeneral Boris Nannt, die Vermittlung von Ausbildungsinhalten vor. Doch worauf legen Militärakademien in Österreich und in der Schweiz Wert? Und welche Herausforderungen sehen sie zurzeit? Beim so gennannten „D-A-CH-Treffen“ in Hamburg wurden diese Fragen in den Mittelpunkt gestellt. Denn bei dieser Veranstaltung kommen einmal im Jahr Kommandanten der Landesverteidigungsakademie aus Österreich (A), der Höheren Kaderausbildung der Armee der Schweiz (CH) und der Führungsakademie der Bundeswehr (D) zusammen, um sich über die Lehre auszutauschen.

Fähigkeiten einer Führungskraft

„Es hat sich viel getan“: Mit diesen Worten beginnt Brigadegeneral Nannt seine Ausführungen. Er erzählt den Teilnehmenden von den unterschiedlichen Angeboten an der Führungsakademie der Bundeswehr und den Besonderheiten dieser Ausbildungen. Drei wesentliche Punkte, an denen eine Führungskraft gemessen wird, stellt er ebenso heraus: So müsse die Ausbildung die Führungskraft dazu befähigen als Entscheider, Berater und ebenso als Gestalter tätig zu sein.

Kompetenzorientierte Ausbildung

Gleichzeitig geht Brigadegeneral Nannt näher auf das Kompetenzmodell ein, das Fertigkeiten und Kenntnisse in den Fokus stellt, die eine Führungskraft am Ende der Ausbildung aufweisen sollte. Auf diese wird in den Lehrgängen ein besonderes Augenmerk gelegt. Interessiert zeigen sich die Gäste bei diesem Thema. So erkundigt sich der Kommandeur der Höheren Kaderausbildung der Armee der Schweiz (HKA), Divisionär Daniel Keller, beispielsweise über die Kompetenzbeschreibungen und erzählt von ähnlichen Überlegungen, die die HKA verfolgt. Auch der Kommandeur der Landesverteidigungsarmee (LVAk) aus Österreich, Generalleutnant Mag. Erich Csitkovits, hakt bei den Auswahlkriterien noch einmal nach. Schließlich gäbe es eine Vielzahl von Kompetenzen, die bei der Ausbildung eine Rolle spielen.

Lernplattformen und Lernbegleiter

Wie eng die Themenfelder „Führen und Lernen“ miteinander verknüpft sind, wird bei den nachfolgenden Gesprächen über das jüngste Innovationslabor „Führen Morgen Heute Lernen“ deutlich. So geht es beispielsweise um Lernräume, Lernbegleiter oder die digitale Infrastruktur. Auch dort sehen die Gäste Gemeinsamkeiten. Sie lenken das Gespräch auf offene Lernplattformen und eine mögliche Nutzung von Smartphones, Tablets und Co. in der Ausbildung.

Führungskräfteentwicklung und GIDS

Ebenso tauschen sich die Teilnehmenden beim „D-A-CH“-Treffen über das Kompetenzzentrum Führungskräfteentwicklung, das dem Direktor Ausbildung, Brigadegeneral Holger Neumann, unterstellt ist, aus. Es hat sich zum Ziel gesetzt, „Stärken zu stärken und Schwächen zu schwächen“. Dieses beratende Angebot ist freiwillig und richtet sich schwerpunktmäßig an Lehrgangsteilnehmende. Auch die Arbeit der Denkfabrik, das German Institute for Defence and Strategic Studies“ steht bei der Zusammenkunft im Mittelpunkt. Es ist eine Kooperation von der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr und der Führungsakademie der Bundeswehr und zielt darauf ab, „unbequeme Fragen zu stellen“, Prozesse weiterzuentwickeln und in sicherheitspolitischen Themen beratend tätig zu sein.

 

Erfahrungen geteilt

Zu beiden Themenbereichen schildern sowohl der österreichische als auch der Kommandeur aus der Schweiz ihre Erfahrungen. So berichtet der Kommandeur der LVAk über ein Coaching-Mentoring-Teamentwicklungsprogramm an seiner Akademie, das einen Jahrgang drei Jahre lang begleitet hat. Die Ergebnisse seien anschließend evaluiert worden und haben dabei geholfen, Probleme in der Ausbildung zu identifizieren und gleichzeitig zu verbessern. Wie die Diskretion bei Coaching-Methoden an der Führungsakademie der Bundeswehr gewahrt wird, interessiert hingegen den Kommandeur der HKA. Zudem haben seiner Meinung nach Menschen, die selbst über eine Coaching-Ausbildung verfügen, eine niedrigere Hemmschwelle sich coachen zu lassen.

Ausbildung in Österreich

Welche Voraussetzungen Soldaten erfüllen müssen, um an der höheren Offiziersausbildung in Österreich teilzunehmen, erklärt Generalleutnant Mag. Erich Csitkovits. Er spricht über die gemeinsame fachliche Basis, die sich aus verschiedenen Faktoren wie einer Offizierausbildung und beispielsweise auch einer achtjährigen Truppenpraxis zusammensetzt. Zudem beschreibt er den Anwesenden des „D-A-CH“-Treffens auf welche Kriterien beim Auswahlverfahren noch geachtet wird. Auch das Thema Forschung stellt er in den Mittelpunkt seines Vortrages. So berichtet er von einer Studie, die sich mit dem Frauenanteil im Heer beschäftigt hat. Vor der Studie habe der Anteil zwei Prozent betragen, nach dem die Studie ausgewertet und den Handlungsempfehlungen nachgegangen wurde, soll dieser bei sechs bis acht Prozent gelegen haben.

Herausforderungen in der Schweiz

Wie sich die Schweizer Armee weiterentwickelt und welche Herausforderungen vorherrschen, erklärt der Kommandeur der Höheren Kaderausbildung der Armee, Divisionär Daniel Keller, den Teilnehmenden. So spricht er von einem hohen Bedarf an Soldaten und zugleich der Schwierigkeit, militärdiensttaugliche Soldaten zu bekommen. Er lenkte das Gespräch zudem auf die Nachwuchsarbeit und erzählte den Teilnehmenden, wie versucht werde, die Attraktivität der Armee zu steigern. Dabei stellte er abschließend fest, dass sich alle drei Akademien derzeit mit der gleichen Fragestellung beschäftigen. Und zwar: Wie sieht das Gefecht der Zukunft aus? Wie sieht die Führung in Zukunft aus? Und wie die Erwachsenenbildung? Diese sollen auch bei den nächsten Treffen wieder in den Mittelpunkt gestellt werden.

 

Fotografin: Bundeswehr/Lene Bartel/Marie Kellermann

Autorin: Sophie Stange