Arbeit 4.0: Wie lernen wir morgen?

Autoren: Sophie Stange und Ines Blandau

Fotografin: Lene Bartel

Hamburg, 11. und 12. Juni 2019

Der Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr, Generalmajor Oliver Kohl, schildert den Teilnehmenden seine Erfahrungen zum Thema Lernen und Führung.

Wie schaffen wir mehr Lernfreiräume? Das ist eine der zentralen Fragen, die den Direktor Strategie und Fakultäten an der FüAkBw, Brigadegeneral Boris Nannt, beschäftigen.

Die Referentin Roda Müller-Wieland vom Frauenhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation widmete sich dem Thema „Arbeit und Führung der Zukunft“.

„Die Didaktik der Militärwissenschaft“ erläuterte Brigadier Magister Andreas Rotheneder, Leiter des Instituts für höhere militärische Führung der Landesakademie des österreichischen Bundesheeres, den Teilnehmenden.

Nach seinem Vortrag stand Major General Andrew Roe, Chief Executive of the Defence Academy of the United Kingdom and Commandant of the Joint Services Command and Staff College, Rede und Antwort.

Die Juniorprofessorin Female Entrepeneurship am Department für Wirtschafts- und Rechtswissenschaften der Universität Oldenburg, Dr. Stephanie Birkner, stellte den Teilnehmenden die Form des effektuellen Lernens vor.

Der Geschäftsführer der Führungsakademie der Bundesagentur für Arbeit (BA), Michael Prikl, referierte zum Thema kompetenzorientierte Personalmanagement.

Die Teilnehmenden schrieben fleißig mit, fotografierten die eine oder andere Powerpoint-Folie ab und fragten nach.

Ein Graphic Recorder schrieb die wichtigsten Stichworte der Vorträge auf und veranschaulichte diese mit tollen Zeichnungen.

Eine Mitarbeiterin läuft hinter ihrem Chef hinterher, sie möchte ihn etwas fragen. Er winkt ab und gibt ihr zu verstehen, ihn nicht zu nerven. Es ist eine Situation, die vielleicht der ein oder andere aus seinem Arbeitsleben kennen mag. Doch was sagt das über die Führungskraft aus? Und wie wird sich das Thema Führung in der nächsten Zeit verändern? Hat dies Auswirkungen auf das Lernen? Und was bedeutet eigentlich Arbeit 4.0? Es sind Fragen, mit denen sich die Teilnehmer des Innovationslabors „Führen Morgen Heute Lernen“ der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) beschäftigen.

Rund 130 Teilnehmende aus der Bundeswehr, dem öffentlichen Dienst und Unternehmen aus der Wirtschaft stellten sich zwei Tage lang aktuellen Fragen der Arbeit 4.0 und somit auch dem Lernen 4.0: Sie diskutierten Perspektiven und entwickelten Potenziale. „‘Der Worte sind genug gewechselt, laßt mich endlich Taten sehen‘“, zitierte der Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr, Generalmajor Oliver Kohl, in seiner Begrüßungsrede den Dichter Johann Wolfgang von Goethe.

Viele Fragen werden zu Beginn aufgeworfen: Wie soll zukünftig gelernt werden? Wie sollen die Lernräume aussehen? Und was bedeutet das für die Führungsakademie der Bundeswehr? Auch der Direktor Strategie und Fakultäten an der FüAkBw, Brigadegeneral Boris Nannt, gesteht: „Die Lösung haben wir für uns an der Führungsakademie noch nicht gefunden. Genau deswegen haben wir das Innovationslabor ins Leben gerufen.“ Das Labor soll dabei Impulse setzen. Das Bild einer „digitalen Ausbildungsakademie“ dient als Vision.

Arbeit im Wandel

Psychologin am Frauenhofer Institut Roda Müller-Weiland startet mit ihrem ersten Vortrag zum Thema „Arbeit und Führung der Zukunft“. Sie wirft zu Beginn ebenfalls Fragen auf: Was müssen wir heute machen, dass wir in zehn Jahren zukunftsfähig sind? Wollen Sie von Robotern geführt werden? Und was steckt noch hinter dem Begriff Arbeit 4.0?

Ihre Antwort: Die Arbeit ist im Wandel. Das „Wie“ von Führung wird sich grundlegend verändern. Es entstehen neue Rollen und vor allem heterogene Teams. Neue Technologien werden entwickelt und der Arbeitstag somit dynamischer. Der Chef ist keine allein entscheidende Person mehr, vielmehr ist die Führungskraft ein Coach, eine Person die den Rahmen vorgibt.

Vier Thesen wie Führungskräfte in dieser neuen Arbeitsumgebung erfolgreich sein können, gibt die Vortragende den Zuhörern mit:

Eine Führungskraft muss:

...sich auf unterschiedliche Kulturen einstellen,

...ohne detailliertes Fachwissen führen können,

...schnelle Veränderungen ermöglichen,

...Macht abgeben können.

Didaktik der Militärwissenschaft

Einblicke in die Lehre des österreichischen Bundesheeres gibt Brigadier Magister Andreas Rotheneder. Der Leiter des Instituts für höhere militärische Führung der Landesverteidigungsakademie referiert, auf welche Art und Weise sich Offiziere künftig Inhalte militärischer Kernfächer am effektivsten aneignen.

Einen Gewinn in der Ausbildung sieht Rotheneder unter anderem in der Nutzung bereits vorhandener Kompetenzen. Kommen im Bereich der Erwachsenenbildung die Lehrgangsteilnehmende doch bereits mit Erfahrungen in die Akademien. Diese Erfahrungen, gilt es zu teilen und als Wissen zu strukturieren. Die Lernenden müssen bereit sein, sich neuen Lernformen anzunehmen. „Nicht-Formales und informelles Lernen wird an Bedeutung gewinnen“, so Rotheneder.

Er spricht sich für die prinzipienorientierte Lehre aus. Diese setzt sich aus dem Wissen einschlägiger Literatur mit kriegsgeschichtlichen Beispielen sowie den bereits genannten Erfahrungen der Teilnehmenden zusammen. Ebenfalls werden Einsatzfaktoren und aktuelle Methoden berücksichtigt. Auch Rotheneder verfolgt die Trends in der Arbeits- und Ausbildungslandschaft, die sich auf die Führung auswirken werden. Doch er sagt auch ganz klar: Nicht auf jeden Zug muss aufgesprungen werden.

Entwicklungen in den britischen Streitkräften

Chief Executive of the Defence Academy of the United Kingdom, Major General Andrew Roe, gibt Einblicke in den Veränderungsprozess der Ausbildungslandschaft der britischen Streitkräfte.

„Die Entwicklungen gehen zu einer flexiblen, anpassbaren und personalisierten Verteidigungs- und Sicherheitserziehung“, so Roe. Die Lernumgebung verändert sich. Lernen ist durch neue Technologien auch über die Distanz hinweg möglich. Somit ist eine Kombination von computergestütztem Lernen und Präsenzphasen, was auch als „blended learning“ bezeichnet wird, eine Option. Damit das gelingt, müssen jedoch die nötigen Kenntnisse und Fähigkeiten von jedem Einzelnen erworben werden.

Veränderungen müssen eng durch ein Team begleitet werden und gehen auch mal schief. Dennoch sollte man stetig daran arbeiten und sich nicht aufhalten lassen.

Gut geführt ist halb gelernt

Menschen suchen in unsicheren und komplexen Situationen noch stärker nach Führung, erklärt Professorin Dr. Stephanie Birkner, Juniorprofessorin Female Entrepreneurship am Department für Wirtschafts- und Rechtswissenschaften an der Universität Oldenburg. Unsicherheit ist nicht per se schlecht, denn dieses Gefühl gibt einen Impuls zum Lernen. Schlägt dieser hingegen in Stress um, dann ist die Aufnahme von Informationen eingeschränkt.

Probleme sollten ihrer Meinung nach nicht ausschließlich als negativ wahrgenommen, sondern vielmehr als Chance begriffen werden, die Zukunft zu gestalten. Das Führen ist dabei eng verknüpft mit dem Lernen. Doch wie können Menschen dazu gebracht werden, informell, also selbstständig außerhalb einer Bildungseinrichtung, zu lernen? Die Antwort klingt banal, trifft aber den Kern: Die Leistung sollte anerkannt werden. Denn nur, wenn die Leistung wahrgenommen wird, ist auch die Einsatzbereitschaft vorhanden, sich aus eigenem Interesse immer wieder fortzubilden.

Professorin Dr. Birkner stellte den Teilnehmenden die kompetenzorientierte Gestaltung von „Lernräumen“ vor. So steht nicht die Frage „Wer soll was lernen?“ im Mittelpunkt, sondern vor allem die Frage „Wo soll warum wann wie wozu gelernt werden?“ Dieses Vorgehen baut Unsicherheit ab. Gemeinsam mit dem Führungsnachwuchs sollen Antworten auf Fragen gefunden und bestehende Prozesse gemeinsam hinterfragt werden.

Was brauchen Mitarbeiter wirklich?

Das kompetenzorientierte Personalmanagement der Bundesagentur für Arbeit (BA) stellte Michael Pirkl vor. Er ist Geschäftsführer der Führungsakademie der BA und mit dem Wandel der Arbeitswelt bestens vertraut.

Rund 6.500 Führungskräfte sind auf verschiedenen Ebenen für die BA im Einsatz. Mit dem Konzept der mitarbeiterorientierten Führung wird, wie bereits von Müller-Weiland ausgeführt, deutlich, dass Führungskräfte mehr die Rolle eines Coaches einnehmen. Demnach soll die Führungskraft Stärken und Schwächen des Mitarbeiters erkennen und ihn entsprechend einsetzen. Die Stärken gilt es dann zu fördern sowie gegen Schwächen entsprechend anzugehen.

Lernen und Arbeiten gehört zusammen. Daher entwickelt die BA Modelle, dass Mitarbeiter genau dort lernen, wo sie es auch anwenden: am Arbeitsplatz. Dies gilt auch für Führungskräfte. Diese sollen im kompletten Führungsteam geschult und nicht mehr einzeln auf Lehrgängen gefördert werden.

 

 

 

 Weitere Informationen zur Veranstaltung gibt es auch auf fuehrenundlernen.fueakbw.de.