Von der kleinen Schwester zum großen Bruder Afrika

Autor: Christoph Jan Longen

Bilder: Christoph Jan Longen und Konrad-Adenauer-Stiftung

Hamburg, 08.05.2019

Menschen zusammenbringen ist ein Ziel der KAS

Familienfoto des Diskussionsteilnehmenden

Bild3: (v.l.n.r.) Maj Kristin Kampa, KptLt Pascal Sahling, KAS-Mitarbeiter Florian Karner, KKpt Christoph Jan Longen bei der Übergabe des Wappens des LGAN 2018

Skyline von Abidjan/Elfenbeinküste

Abidjan - eine Stadt der Kontraste

 

 

 

 

 

 

 

 

Wer vom Flughafen in Richtung des Stadtzentrums von Abidjan, der Hauptstadt der Elfenbeinküste, aufbricht, befährt nicht nur das modernste Straßennetz Afrikas. Reisende und Fremde erleben ein Land im Aufbruch, das sich auf seine Zukunft vorbereitet und heute versucht, das Morgen aktiv mitzugestalten. Mit chinesischer Unterstützung wird der Umbau des größten westafrikanischen Hafens vorangetrieben. Rund 900 französische Soldaten in der ivorischen Hauptstadt erinnern an die vergangene Kolonialzeit. Abidjan ist international gewachsen und reich an Facetten, sehr stark auch historisch geprägt. Einer Momentaufnahme des Status Quo 2019 widmete sich die von der Konrad-Adenauer-Stiftung organisierte Subsahara-Konferenz Anfang Mai 2019. Die Konrad-Adenauer-Stiftung betreut seit rund 25 Jahren das Regionalprogramm Politischer Dialog Westafrika, an dem auch die Elfenbeinküste teilnimmt.

„Demokratie und Wohlstand gehören zusammen“

Stiftungspräsident Prof. Dr. Norbert Lammert verdeutlichte während seiner Eröffnungsrede, dass das Schicksal von Europa wechselseitig mit dem von Afrika verbunden sei. Der ehemalige Bundestagspräsident verwies dabei unter anderem auf die Erfahrungen Deutschlands und Europas im Demokratisierungs-Prozess: „Der zweite Versuch, in Deutschland eine Demokratie zu etablieren, wäre wohl auch nicht gelungen, wenn er nicht mit einer wirtschaftlichen Prosperitätsentwicklung hätte verbunden werden können.“ Stabile, verlässliche und belastbare Entwicklungen könnten ausschließlich stattfinden, wenn verlässliche und stabile Rahmenbedingungen vorliegen. Dies funktioniere nur mit starken Parlamenten in einer regelbasierten Weltordnung, die nicht nur auf bilateralen Beziehungen fußt. Vor der Konferenz zu seinen Erwartungen befragt, antwortete Prof. Dr. Lammert, dass er sich keine gemeinsame Erklärung erhoffe, die dann am Ende doch folgenlos bliebe. Stattdessen liege seine Hoffnung auf einer „gemeinsamen Identifizierung von Handlungsfeldern, mit denen wir uns sowohl aus europäischer als auch aus afrikanischer Perspektive beschäftigen müssen. Denn die Herausforderungen Afrikas sind genauso Herausforderungen Europas.“

Afrika neu sehen und verstehen lernen

Insofern gelte es, langjährige Kooperationen auszubauen, hob Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel hervor. Sie grüßte die Konferenzteilnehmer von ihrem Besuch der Sahelzone per Videobotschaft. Insbesondere in den „zentralen Zukunftsthemen Ausbildung, Arbeit, Handel, Investition, Digitalisierung und Innovation“ müsse man intensiver zusammenarbeiten. Dabei komme vor allem den Parlamenten eine hohe Bedeutung zu. Bundestagsabgeordneter Frank Heinrich, der das Panel „Rolle afrikanischer Parlamente – Beiträge zur Stärkung von Demokratie und Menschenrechten“ moderierte, bescheinigte Europa und Afrika gar ein geschwisterliches Verhältnis: Er selbst habe zuvor jedoch lernen müssen, „nicht nur von der kleinen Schwester Afrika zu denken, der man helfen und assistieren muss. Sondern da gibt es auch den großen Bruder Afrika, von dem man lernen kann.“ Über 200 Parlamentarier aus rund 20 afrikanischen Staaten, Afrikaexperten aus aller Herren Länder und Abgesandte internationaler Organisationen konnten nicht nur auf dem Podium, sondern auch mit Wortbeiträgen Impulse für die Debatte setzen.

Unterschiedliche Lösungsansätze für unterschiedliche Regionen

In den Diskussionsrunden wurde immer wieder deutlich, dass es für den gesamten Kontinent eben nicht die eine Lösung getreu dem Motto „One Africa – One Solution“ geben kann. Zu unterschiedlich sind dafür die wirtschaftlichen, politischen, demographischen, infrastrukturellen und sozialen Rahmenbedingungen. Ein Erfolgsrezept könne wiederum in der staatenübergreifenden Zusammenarbeit liegen, ohne eigene Interessen und individuelle Gestaltungsmacht gänzlich abzulegen. Aus dem fünften Panel „Verzahnung von innenpolitischen Initiativen in Afrika und internationaler Unterstützung aus Europa“ ließ sich ein impliziter Appell für die deutsche Afrika-Politik ableiten: Mit dem „Marshallplan mit Afrika“ und dem prominenten Platzieren Afrikas als Hauptthema auf der G20-Agenda propagiert Deutschland zunächst seine eigene Sicht- und Herangehensweise. „Die Herausforderung liegt in der Identifizierung eines gemeinsamen europäischen Ansatzes“, fasst Dr. Stefan Oswald, zuständiger Abteilungsleiter im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, die Konsenssuche innerhalb der EU zusammen. Die Kernherausforderung für eine orchestrierte und harmonisierte internationale Unterstützung liege in den verschiedenen Perspektiven und Interessen, zudem gäbe es eine unterschiedlich starke Betroffenheit der Akteure: „Für Europa ist Afrika nur ein Projekt von vielen - für uns aber ist es Heimat“, bringt es ein Podiumsteilnehmer aus dem Senegal auf den Punkt.

Wappenübergabe des LGAN 2018 auf dem afrikanischen Kontinent

Die Teilnahme an der Subsahara-Konferenz war für den Nationalen Generalstabsdienst- / Admiralstabsdienstlehrgang 2018 inspirierend. Eine Premiere bildete die Übergabe des Lehrgangswappens 2018 an die Ausrichter der Konferenz: Erstmals konnte das 2018er-Wappen auf afrikanischem Boden überreicht werden. Der Besuch der Konferenz war aber vor allem eine inhaltliche Bereicherung für die Delegation des LGAN. Denn die 110 nationalen und internationalen Lehrgangsteilnehmer beschäftigen sich innerhalb der Lehrgangsstudienphase „Afrika – ein Kontinent im Aufbruch“ insgesamt zwei Jahre mit dem Nachbarkontinent im Süden.