An der Seite Pakistans 

Besuch Delegation National Defence University Pakistan an der Führungsakademie

Autorin: Anne Bressem; Fotografin: Anja Damerius

Hamburg, 25.04.2019

 

Mit jedem internationalen Gast unterstreicht die Führungsakademie der Bundeswehr ihren vielfältigen Charakter. Unterschiedlichste Nationen heißt sie willkommen, wie auch jüngst eine Delegation der Pakistanischen National Defence University. Austausch und Kooperation sind die Grundlage für Weiterentwicklung und Wertevermittlung, um langfristige Beziehungen aufzubauen und diese zu erhalten. „Deutschland und Pakistan pflegen seit vielen Jahren enge und vielfältige Beziehungen“, beschreibt das Auswärtige Amt die Verbindung der beiden Länder. Ein Beispiel für die Zusammenarbeit: Die deutsch-pakistanischen Militärkooperationen. Diese Kooperationen beinhalten unter anderem das Training von militärischen Führungskräften an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg.

Schlüssel zum Erfolg

Die interessierte pakistanische Delegation folgte den spannenden Ausführungen zum Konzept des lebenslangen Lernens sowie der Struktur des internationalen Generalstabslehrgangs. Multinational ist die Führungsakademie in jedem Fall durch den „Generalstabslehrgang International“ geprägt. Doch auch die zahlreichen Angebote, die ebenso internationalen Gästen anderer Streitkräfte zur Verfügung stünden, erwähnte Fregattenkapitän Stefan Berger, Tutor im internationalen Generalstabslehrgang. Oberst i.G. Jesko Peldszus, Leiter Kompetenzzentrum Führungskräfteentwicklung, nahm dies auf und unterstrich an dieser Stelle den Charakter der Führungsakademie als höchste Bildungseinrichtung der Bundeswehr. Kernaufgabe sei die Aus-, Fort- und Weiterbildung bereits berufserfahrener Offiziere aus dem In- und Ausland. Der Fokus liege klar darauf, die Befähigung zum Handeln im multinationalen Umfeld zu entwickeln und zu fördern, hielt Peldszus fest. Auf die Nachfrage aus der pakistanischen Delegation, warum nicht auch im nationalen Generalstabslehrgang, mehrheitlich englisch gesprochen werde, hob Oberst Peldszus die Bedeutung des multinationalen Umfeldes einmal mehr hervor, machte aber auch den Unterschied deutlich. Der „german way of thinking“, die Atmosphäre, als auch schlichtweg das Beherrschen der deutschen Sprache, insbesondere im militärischen Kontext, sei der Schlüssel zum Erfolg im nationalen Generalstabslehrgang, so Peldszus.

How to face new wars and new conflicts

Zur Struktur der so genannten Joint-Ausbildung im Generalstabslehrgang folgte die pakistanische Delegation gespannt den Ausführungen Oberst i. G. Michael Vollmers, Leitender Dozent der Fakultät Einsatz, CIR und SKB. Die Joint-Ausbildung fuße auf vier wichtigen Säulen, so Vollmer: dem Führungsprinzip, der Operationsplanung, respektive Operationsführung sowie der Analyse und Auswertung. Während sich der Generalstabslehrgang in seiner ersten Phase auf den „single service“ also auf die jeweilige Teilstreitkraft der Lehrgangsteilnehmenden konzentriere, habe die zweite Phase ganz klar den Joint Charakter, die so genannten „Joint Operations“ im Fokus. Hier gehe es vor allem darum, Strategien zu entwickeln, um den „neuen Kriegen“ und „neuen Konflikten“ im sicherheitspolitischen Umfeld begegnen zu können. Ein Beispiel ist die „Combined Joint European Exercise“ (CJEX), die Offiziere aus unterschiedlichen Nationen zusammenbringt, um den Einsatz multinationaler Streitkräfte in einem Krisenfall zu trainieren. Die regelmäßigen CJEX-Übungen finden parallel an den Militärakademien in Großbritannien, Spanien und Italien statt. Dieses Szenario werde fiktiv unter die Führung der Europäischen Union gestellt, um so ein Verständnis für Dynamiken der internationalen Zusammenarbeit zu entwickeln. Theorie sei wichtig, sehr wichtig, aber das praktische Training sei unersetzlich. Die Krise könne nur gemeinsam meistern, wer die Verfahren in Friedenszeiten gemeinsam trainiert habe, hielt Vollmer fest. Aus der pakistanischen Delegation kam daran anschließend die Frage, inwiefern auch die Entwicklungen in Afghanistan sowie die Erfahrungen der „Resolute Support Mission“ an der Führungsakademie abgebildet werden. In jeder der Joint Operations Übungen werde selbstverständlich auch der Kampf gegen Terrorismus mit einbezogen. Darüber hinaus entsende die Führungsakademie regelmäßig einen Senior Advisor an die Command and Staff Academy in Kabul, so Vollmer abschließend.

Für Deutschland ist Pakistans Armee ein wichtiger Partner im internationalen Kampf gegen den Terrorismus. 2012 wurde erstmals zwischen Deutschland und Pakistan ein militärisches Abkommen geschlossen, welches unter anderem die Ausbildung von militärischen Führungskräften an der Führungsakademie abbildet. Seitdem arbeiten die beiden Länder stetig im Kampf gegen den Terror in und um Pakistan zusammen.