Leidenschaft an der Führungsakademie –

das Amerikanisch-Jüdische Komitee zu Besuch

Autorin: Victoria Eicker; 

Bilder: Lene Bartel

Hamburg, 09.04.2019

Die Delegation zu Besuch an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg/p>

Eintrag ins Gästebuch

Die Führungsakademie der Bundeswehr ist die höchste militärische Bildungseinrichtung in Deutschland. Aber, an der Akademie wird nicht nur der Führungsnachwuchs aus- und weitergebildet, die Akademie ist auch ein Vehikel zur internationalen Zusammenarbeit und Kooperation. So zum Beispiel mit dem American Jewish Committee (AJC), dem Amerikanisch-Jüdischen Komitee, einer Nicht-Regierungsorganisation aus den USA. Jüngst besuchte eine Delegation des AJC die Führungsakademie. Mit vielen Fragen und leidenschaftlichen Diskussionen.

Langjährige Zusammenarbeit

Die Führungsakademie der Bundeswehr pflegt schon länger eine enge Zusammenarbeit mit dem AJC. Der Besuch der 14-köpfigen Delegation Anfang April an der Führungsakademie wurde indes von der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) organisiert. „Wir organisieren seit 39 Jahren jährlich ein Austauschprogramm. Eine Delegation aus Amerika kommt für eine Woche zu uns und umgekehrt“, sagt Dr. Lars Hänsel, Abteilungsleiter Team Europa/Nordamerika der KAS. Er ist der Leiter der Besuchergruppe. Die Delegation aus acht verschiedenen Staaten der USA besucht eine Woche lang Deutschland, informiert sich über das jüdische Leben in Deutschland und besucht den Deutschen Bundestag sowie andere Bundesbehörden. Dabei reisen sie durch das Land, hören Vorträgen zu und stellen Fragen.

An der Führungsakademie erfuhren die höchst interessierten Amerikaner nicht nur, wie sich die Akademie strukturiert, welche Aufgaben sie hat und welche neue Aufgaben durch die Gründung der neuen Denkfabrik German Institute for Defence and Strategic Studies (GIDS) auf sie zugekommen sind. Brian Lipton, der Delegationsleiter und Regionalleiter des AJC in Florida, zeigte sich begeistert. „Ich war schon einmal vor sieben Jahren an der Führungsakademie der Bundeswehr. Es ist absolut beeindruckend, wie sich die Akademie verändert, wie viele unterschiedliche Lehrgangseinheiten angeboten werden und auch, wie viele internationale Lehrgangsteilnehmer mittlerweile Kurse an der Akademie besuchen.“

Mut zum Diskurs

In einem weiteren Vortrag verfolgte die Delegation gespannt den Ausführungen Oberstleutnant i. G. Bastian Volz, Dozent an der Fakultät Politik, Strategie und Gesellschaftswissenschaften, über die Struktur und die Aufgaben der Bundeswehr im Allgemeinen. Die Fragen waren vielfältig: Wie wird die Bundeswehr in der Gesellschaft wahrgenommen und wie kann man diese Wahrnehmung verbessern? Wie passt die Bundeswehr ihre Bedarfe an die Budgetierung an?

Bei dieser Frage ging es auch um die von der NATO angestrebten zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes für Verteidigung. In den USA zeigte man sich irritiert über den von Finanzminister Olaf Scholz vorgelegten Haushaltsplan, der die in Wales von der Bundesregierung zugesagte sukzessive Angleichung an die zwei Prozent Marke mit einem ab 2020 wieder sinkenden Verteidigungsetat konterkarierte. Brigadegeneral Boris

Nannt, Direktor Strategie und Fakultäten, griff das für alle kurz auf: „Wir brauchen mehr Geld für die Bundeswehr, um unsere vielen Aufträge zu erfüllen. Wir müssen das in der Öffentlichkeit klar ansprechen und diskutieren, was ist uns Sicherheit wert. Am Ende sind die zwei Prozent natürlich eine politische Entscheidung – und eben auch eine demokratische.“

Herausforderungen für die Bundeswehr

Mit großer Spannung lauschten die Gäste schließlich noch dem Vortrag von Jörn Thießen, Direktor der Fakultät Politik, Strategie und Gesellschaftswissenschaften, über die aktuellen und künftigen Herausforderungen für die Bundeswehr. Mit viel Verve erklärte der ehemalige Bundestagsabgeordnete, wie schwierig Themen der Verteidigung und Sicherheit in einen öffentlichen Diskurs zu bringen sind. „Wir haben in Deutschland eine Parlamentsarmee und auch den Wehrbeauftragen im Deutschen Bundestag als einen Anwalt der Soldaten, an den sich jeder Soldat jederzeit wenden kann“, erklärte er das deutsche System. Sicherheit, sagte er, sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Angesichts der vielen Herausforderungen sei es wichtig, dass in Deutschland viel offener über Verteidigung und Sicherheit debattiert werde. Zudem sei die Strategiefähigkeit zu entwickeln, denn Deutschland brauche eine Gesamtstrategie. Arnie Herz, aus Port Washington, New York merkte am Ende an: „Das waren sehr umfassende Ausführungen, vielen Dank dafür. Für uns hat das eine ganz neue Dimension des Verständnisses eröffnet.“ Und genau dafür war das Format gedacht.