Autorin: Dr. Victoria Eicker

Fotografin: Lene Bartel 


Major ENKHJARGAL aus der MONGOLEI stellt sein Land vor


Aufführung des Byad Tanz


Musikdarbietung mit einer Pferdekopfgeige


Danksagungen an die internationalen Lehrgangsteilnehmer und alle mitwirkende Akteure

 

 

 

 

Ende März fand der letzte große Nationale Informationstag (GNIT) des im August 2018 gestarteten Lehrgangs Generalstabs-/ Admiralsstabsdienst International (LGAI). Die informative Veranstaltung im Manfred-Wörner-Zentrum der Führungsakademie der Bundeswehr brachte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Lehrgangs wie auch den geladenen Gästen ein Bild eines auf den ersten Blick relativ weit entfernten Landes näher: der Mongolei Die Mongolen hatten einst im 13. Jahrhundert unter der Führung von Dschingis Khan das größte Weltreich in der Menschheitsgeschichte gegründet. Das Land befindet sich zwischen Russland und China in Nordostasien und ist heute ein enger Partner Deutschlands.

Gemeinsam im Einsatz

In seinem einführenden Grußwort unterstrich der mongolische Verteidigungsattaché, Oberstleutnant Samdangeleg Sandagsuren, besonders die militärische Zusammenarbeit an den internationalen Missionen in Afghanistan, bei denen Deutsche und Mongolen zusammen ihren Auftrag erfüllen. Hier ergibt sich auch die Verbindung zum LGAI 2018 und dessen mongolischen Lehrgangsteilnehmer Major Amartuvshin Enkhjargal, der bereits zweimal in Afghanistan an der Seite der Bundeswehr seinen Dienst geleistet hat.

Geschichte und Weltkulturerbe

In seinen Ausführungen stellte Major Enkhjargal eindrucksvoll den Stellenwert der Geschichte für sein Heimatland insbesondere des UNESCO-Weltkulturerbes Karakorum heraus. Diese Stadt lag an der Kreuzung zweier wichtiger Handelsrouten; die Mongolen ermutigten Menschen aus anderen Teilen Asiens, sich in Karakorum anzusiedeln. Die Bewohner hatten Religionsfreiheit, in der Stadt entstanden Moscheen, Kirchen und buddhistische Tempel. Das Zusammenleben der unterschiedlichen Kulturen wurde durch das von Dschingis Khan erlassene Gesetzbuch „Jassa“ sichergestellt. Die weitgehend einheitliche Rechtsordnung trug darüber hinaus auch wesentlich zur Pax Mongolica vom späten 12. bis ins 14. Jahrhundert bei.

Wie die Mongolen den Informationsfluss in ihrem riesigen Reich organisierten, wurde anhand der Reiseberichte von Marco Polo überliefert. Er schrieb über das Yam-Netz: „Über das sogenannte Yam-Netz wurden wichtige militärische Nachrichten mittels berittener Boten im gesamten mongolischen Reich schnell verteilt. Dschingis Khan legte damals fest, dass hierfür über 200.000 Pferde bereitstehen sollten.“ Schon vor gut 700 Jahren haben die Mongolen also erkannt, wie wichtig aktuelle Informationen sind. Die „Führungsunterstützung“ war sichergestellt.

Deutsch-mongolische Beziehungen

Die Beziehungen zwischen Deutschland und der Mongolei reichen weit zurück. Die erste Begegnung zwischen den deutschen Völkern und den Mongolen fand im Jahre 1241 bei der Schlacht von Liegnitz im heutigen Polen statt, die auch als „Mongolensturm“ bekannt ist. Trotz eines Sieges der Mongolen zogen sich die Truppen des mongolischen Prinzen Baidar Khan schließlich in Richtung Ungarn zurück.

Engere Beziehung der Mongolei zur DDR zwischen 1950 und 1989 sind auf die sozialistische Ausrichtung der Mongolei in diesem Zeitraum zurückzuführen. In diesem Zusammenhang gibt es auch weitere Gemeinsamkeiten, die mit den demokratischen Revolutionen im ehemaligen Ostblock 1989/1990 verknüpft sind.

Die Parallelen zwischen deutscher und mongolischer Staatsentwicklung am Ende des Kalten Krieges wurden durch den Kommandeur der Führungsakademie Generalmajor Oliver Kohl skizziert: „Damals gingen Deutsche in der ehemaligen DDR für Freiheit und Einheit auf die Straße. Heute sind wir wiedervereint. Zur gleichen Zeit, von der gleichen Sehnsucht nach Freiheit erfasst, erstritten sich die Mongolen Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte. Die Mongolei vollzog den Übergang von einem kommunistischen System zu einer Mehrparteiendemokratie.“

Sicherheitspolitik und Ulan Bator Dialog

Bereits im Jahr 1992 erklärte sich die Mongolei gegenüber den Vereinten Nationen zu einer atomwaffenfreien Zone und verabschiedete 2002 ein entsprechendes Gesetz. Die atomwaffenfreie Zone Mongolei bedeutet, dass die Mongolei keine Atomwaffen besitzt und besitzen wird und keine Lagerung von Atomwaffen von anderen Staaten auf eigenem Territorium zulassen wird. Als die sechs Parteien Gespräche um das Atomwaffenprogramm von Nord-Korea nicht erfolgreich verliefen, hat die Mongolei im Jahr 2013 einen Gesprächsdialog vorgeschlagen und sich als Vermittler angeboten.

Der sogenannte „Ulan Bator Dialog“ behandelt die Sicherheitsthemen in Nordostasien mit den Akteuren Nord- und Südkorea, USA, Japan, China und Russland. Aufgrund ihrer Bündnisfreiheit und der guten Beziehungen zu den Staaten in der Region eignet sich die Mongolei hier besonders als neutraler Vermittler.

Kulturelles Programm und landestypische Speisen

Abgerundet wurde der interessante und informative Nachmittag mit typischem mongolischem Gesang, die Darbietung eines Musikstücks auf der traditionellen Pferdekopfgeige sowie dem Byad Tanz, der die Bewunderung der Mongolen für Pferde ausdrückt.

Beschwingt durch die Klänge und den Tanz wurde anschließend zu regionalen Köstlichkeiten wie Buutz und Huushuur, mit Fleisch gefüllten, gedämpften und gerösteten Teigtaschen geladen.