Autor: Christoph Jan Longen; Fotograf: Christoph Jan Longen

Hamburg, 27.03.2019

Lehrgangsleiter Oberst i.G. Ralf Hammerstein begrüßt die Teilnehmenden des Dialogs

Major Alexander Draht stimmt die beiden Lehrgänge auf das Thema ein

Perspektiven als Puzzleteile im Gesamtbild

Die afrikanischen Lehrgangsteilnehmer bringen ihre Perspektive ein

Der Austausch in Kleingruppen in persönlicher Atmosphäre

„Bücher über Afrika helfen nicht immer weiter“, kommentiert ein afrikanischer Teilnehmer des Lehrgangs Generalstabs-/Admiralstabsdienst International (LGAI) die gemeinsame Auftaktveranstaltung mit dem Lehrgang General-/Admiralsstabsdienst National (LGAN) an der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) in Hamburg. Er nun damit beginnt, sein stets wachsendes Netzwerk anzuzapfen und dabei entstehende Erkenntnisse auszuwerten. Das Ziel der Veranstaltung ist es, sich mit fünf ausgewählten Regionen des afrikanischen Kontinents auseinanderzusetzen und letztlich eine Handlungsempfehlung für das Bundesministerium der Verteidigung zu verfassen. Und in der Tat: Die Literatur zum Thema der Studienphase mit dem Titel „Afrika – ein Kontinent im Aufbruch“ stammt überwiegend aus der Feder westlicher Autoren. Diesen gelinge es nur selten, die westliche Perspektive abzulegen. Umso wichtiger sei deshalb der Austausch zwischen den Lehrgangsteilnehmenden des LGAN und des LGAI, hebt Dr. Maren Tomforde, Dozentin für Ethnologie an der FüAkBw, die Kooperation zwischen den beiden Lehrgängen hervor. Sie hat selbst maßgeblich am Zustandekommen dieser ersten Begegnung mitgewirkt. „Im Rahmen der Studienphase Afrika können afrikanische Lehrgangsteilnehmer auf Sichtweisen und afrikanische Gegebenheiten aufmerksam machen. Ich denke, dass wir die positive Wirkung dieser erstmaligen inhaltlichen Kooperation beider Lehrgänge im Rahmen einer Studienphase nicht überschätzen können.“

Die „europäische Brille“ ablegen – den Horizont erweitern – Festplatten bespielen

Das Thema Afrika wird den LGAN zwei Jahre lang intensiv beschäftigen – es ist das übergeordnete Thema der jedem Lehrgang zugeordneten Studienphase. Lehrgangsleiter Oberst i.G. Ralf Hammerstein sieht seine Hörsäle für diese Aufgabe gewappnet: „Wir haben ein dickes Brett zu bohren, das ist klar. Was wir aber mitbringen, sind 110 leistungsfähige Prozessoren. Und damit diese arbeiten können, gilt es nun, die Festplatten zu bespielen. Dieser Prozess beginnt nach einer Einarbeitung und Vorträgen mit den Einrichtungen vor Ort, also mit den Fakultäten und dem LGAI.“ Die ersten Verbindungen zwischen den beiden General- und Admiralstabsdienstlehrgängen wurden während der Regionalen Informationstage geknüpft, in denen die internationalen Lehrgangsteilnehmer des LGAI ihre afrikanischen Heimatländer vorstellten. Der Vorteil an dieser neuen Veranstaltung sind die Kleingruppen, die eine persönlichere und vertrauensvolle Atmosphäre schaffen. Der Projektoffizier der Studienphase, Major Alexander Draht, zieht ein positives Zwischenfazit: „Der erste inhaltliche Austausch zwischen dem LGAI und dem LGAN zur Studienphase war eine sehr gelungene Veranstaltung. Alle Teilnehmer haben sich sehr engagiert eingebracht und standen Rede und Antwort. Dabei geht es nicht nur um die Arbeitsphase an sich, sondern auch um die individuellen Verbindungen unter den Kameradinnen und Kameraden.“ Der erste Schritt für eine dauerhafte Begleitung und spontane Rückfragen auf dem Terrain der Führungsakademie ist gemacht. Eine Initiative, die auch der Generalinspekteur, General Eberhard Zorn, bei seinem letzten Besuch an der Führungsakademie begrüßte. (Link)

„Wir wollen unsere Probleme selbst lösen“

Die Erwartungshaltung seitens der LGAI-Teilnehmer an ihre Gastgebernation ist dabei hoch und kristallisiert sich im Gespräch deutlich heraus: Deutschland müsse mehr Verantwortung in Afrika übernehmen. „Es ist vor allem die Erfahrung im Bereich der Ausbildung, die wir sehr schätzen. Es geht nicht um den Kampf gegen den Terrorismus. Daran muss sich Deutschland nicht zwingend beteiligen. Wir wollen unsere Probleme zwar selbst lösen, sind aber für jede Begleitung sehr dankbar,“ hieß es beispielsweise in der Arbeitsgruppe „Sahel“. „Ich denke, dass es immer eine gute und wichtige Gelegenheit für uns als Afrikaner ist, zu Wort zu kommen. Wir haben verschiedene Wahrnehmungen: Die Europäer nehmen unsere Probleme häufig anders wahr, als sie sich in der Realität darstellen,“ ergänzt ihn ein Kamerad aus einem Nachbarland.

Vernetzter Ansatz in Lagefeststellung und Projektion

Nach dieser Auftaktveranstaltung im Sinne der Netzwerkpflege stehen für den LGAN mit dem Besuchen der Bundesakademie für Sicherheitspolitik und einer Konferenz der Konrad-Adenauer-Stiftung in der Elfenbeinküste und des Bundesministeriums der Verteidigung die nächsten Termine an. Nach einer Lagefeststellung für die unterschiedlichen Regionen gilt es, das erworbene Wissen auf den 110 Festplatten auszuwerten. Anschließend entwickeln die Lehrgangsteilnehmenden Projektionen für die Jahre 2030 und 2050. Dabei muss jede Region für sich ausgewertet werden. Pauschale Afrikaurteile, wie man sie aus zahlreichen Büchern westlicher Autoren kennt, trüben den Blick für die Diversität des afrikanischen Kontinents und würden ihm nicht gerecht, sagt ein malischer Lehrgangsteilnehmer des LGAI: „Wir haben zwar ähnliche Probleme, aber ähnliche Probleme erfordern dennoch unterschiedliche Lösungen.“