Autorin: Dr. Victoria Eicker ; Bilder: Dr. Victoria Eicker, Dr. Silke Richter

Hamburg, 06.03.2019

 

Nach dem Vortrag stellten sich Generalmajor Kohl und Prof. Dr. Oberst Rogg den Fragen der Gäste

Es wurden viele Fragen zur FüAkBw und zum GIDS gestellt

Roger Zörb und Elke Weber-Braun bedankten sich bei Generalmajor Kohl für Vortrag und Veranstaltung

„Die Welt ist geprägt von einer gewissen Unordnung“, sagte Elke Weber-Braun, Vorsitzende der Universitäts-Gesellschaft Hamburg, Anfang März im gut gefüllten Gneisenau-Saal des Manfred-Wörner-Zentrums an der Führungsakademie der Bundeswehr. Damit begrüßte sie – gemeinsam mit Roger Zörb, Vorsitzender des Hamburger Forums der Deutsch-Atlantischen Gesellschaft – die etwa 120 Gäste zum Vortrag des Kommandeurs der Führungsakademie, Generalmajor Oliver Kohl. Und sie führte mit ihren Worten thematisch in den Abend ein – eine sicherheitspolitisch unsicher gewordene Welt und die Rückschlüsse daraus an der höchsten militärischen Ausbildungseinrichtung der Bundeswehr. as kommt danach?

Das Mindset prägen

Während es vor der Tür in typisch Hamburger Manier stürmte und regnete, entführte Generalmajor Kohl in seiner direkten, unverschnörkelten Art die Gäste des Abends in Auftrag und Aufgaben der Führungsakademie der Bundeswehr: Führen und Forschen – Mut zum Diskurs. Das war das Thema. Langweilig war es nicht, und es fing äußerst überraschend an: Mit einem Exkurs zur Gorch Fock ließ Generalmajor Kohl, ein Mann in der Uniform des Deutschen Heeres, keinen Zweifel daran, warum auch die Schwierigkeiten rund um Deutschlands „Botschafter der Weltmeere“ etwas mit der höchsten Ausbildungseinrichtung der Bundeswehr zu tun haben: „Es geht um die Einstellung der Menschen – das Mindset, das Entscheidungen vorbereitet und trifft. Wir beschaffen an der Akademie keine Panzer und sanieren auch nicht die Gorch Fock. Aber, wir bilden aus und wir prägen unseren Führungskräftenachwuchs“, sagte er. „Wir brauchen in der Bundeswehr Führungskräfte, die strategisch denken können, die auf Vorrat planen sowie entsprechend vorausschauend beraten und handeln“.

Dreiklang – Führen, Forschen, Mut zum Diskurs

Damit waren die gespannten Hörer von den Weltmeeren plötzlich tief im Inneren der Führungsakademie. Sicherheitspolitische Herausforderungen von morgen vorausschauend meistern. Darum ginge es, sagte der General. Und genau dazu müsse das Spitzenpersonal der Bundeswehr in die Lage versetzt werden – mit modernen Methoden. Mit dem German Institute for Defence and Strategic Studies (GIDS) fädeln sich die Kompetenzen und Fähigkeiten aller Beteiligten – vom Lehrgangsteilnehmer, bis zum Dozenten und Wissenschaftler – zu einem festen Tau des Wissens und der Strategiefähigkeit. „Wir müssen unseren Spitzenführungskräften das nötige Rüstzeug geben, um in einem immer unübersichtlicheren Umfeld handlungs- und entscheidungsfähig zu bleiben“, sagte Kohl. Der Kern zeitgemäßer Stabsoffiziersausbildung sei es, Wissen zu vermitteln, Strategiefähigkeit zu erzeugen, das militärische Handwerk zu vermitteln und den kritischen Geist zu fördern.

Werkzeugkasten für die Zukunft

„Das soll sie befähigen, sich in jedem auch noch so unbekannten Terrain zurechtzufinden, das soll ihnen Methoden an die Hand geben, um Komplexität zu reduzieren, und strukturiertes, flexibles und agiles Denken ermöglichen“. Der Kommandeur erwähnte mit ernsten Worten auch das scharfe Ende des Soldatenberufs. Die Befähigung zum Kampf, als wesentlicher  Wesensgehalt der Streitkräfte, stelle die Akademie vor die Aufgabe, dafür Sorge zu tragen, dass die Bundeswehr über kriegstaugliche Stabs- und Generalstabs- und Admiraloffiziere verfügt. Hinzu käme seit dem letzten Jahr durch das GIDS der Aspekt  explizit militärstrategischer Forschung. Bislang ein Novum auf dem Think-Tank-Markt in Deutschland. Das beinhalte auch den Mut zum Diskurs! Mut zum Diskurs zeigten Generalmajor Kohl und Prof. Dr. Oberst Matthias Rogg, Vorstand des GIDS, in der anschließenden Diskussion. Erfrischend direkt und – teilweise auch mutig offen – beantworteten die beiden Offiziere Fragen zu einer möglichen sicherheitspolitischen Generaldebatte oder künftigen sicherheitspolitischen Herausforderungen.
Die Universitäts-Gesellschaft Hamburg veranstaltet zusammen mit der Deutschen Atlantischen Gesellschaft regelmäßig Vorträge, Podiumsdiskussionen und Exkursionen, um den Dialog zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft zu intensivieren und zu fördern. Vor etwa einem Jahr hatte der damalige Kommandeur der Führungsakademie einen Vortrag zur strategischen Vorausschau gehalten. Generalmajor Kohl gab neben dem Ausblick auf sicherheitspolitische Herausforderungen auch einen tiefen Einblick in die Ausbildung des Führungskräftenachwuchses an der Führungsakademie, um zukünftigen Herausforderungen entgegen treten zu können.

Rede des Kommandeurs der Führungsakademie der Bundeswehr, Generalmajor Oliver Kohl