Autor: Nils Wienböker und Daniel Eisenbraun ; Fotograf: Katharina Junge / Nils Wienböker

Hamburg, 10.10.2016

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Der etwas andere Lagetisch – digital und modern

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OTL Marc Fechtner: detaillierte Planung ist alles

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Lagebesprechung der Teilnehmer

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Operation ,,Hameln" - Lehrgangsteilnehmer im Gruppenfoto

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Einsatz neuer Medien für die Lagebeurteilung

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Zivile und militärische Vertreter im „Interagency Meeting“

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Beim Interviewtraining: souverän vor Kamera und Mikrofon

Ein fiktives Einsatzgebiet, taktische Herausforderungen und multiple Herangehensweisen stellen die erlernten Fähigkeiten der Teilnehmer des Lehrgangs Generalstabs-Admiralstabsdienst national 2015 auf die Probe. Für sie ist es die letzte Übung, um die Ausbildung auf der taktischen Ebene der Brigade abzuschließen. Ihnen stehen im Manfred-Wörner-Zentrum nicht nur die besten technischen Möglichkeiten für diese Übungsform zur Verfügung, sondern auch die taktisch und strategisch erfahrenen Dozenten und Mentoren unserer Streitkräfte. „Hardware“ und „soft skills“ leisten ihren Teil bei der Lösung dieses virtuellen Konflikts.

Ein Stratege beschreibt die Lage

Hinter dem gesamten Szenario stecken viel Arbeit und Planung. Für den erfahrenen Oberstleutnant Marc Fechtner ist das nicht die erste militärische Operation, die er im Rahmen einer Übung entworfen hat. Im Bereich Heer der Akademie ist er für die Ausbildung von besonderen Landoperationen mit Schwerpunkt urbane Operationen. Kampf im urbanen Raum – das ist das Kernelement der Übung. Heute schon leben mehr Menschen in Städten als auf dem Land, ein Trend, der in Zukunft exponentiell zunimmt. Für das Heer ist der Schwerpunkt das Bestehen im Kampf. Es bezeichnet das hoch intensive Gefecht in einem dynamischen und komplexen Einsatzumfeld, wobei der urbane Raum an Bedeutung hinzu gewinnt.

Umfangreicher Auftrag

Die Stadt Hameln, diesmal nicht gelegen an den Ausläufern des Weserberglandes, sondern im Zentrum des fiktiven Staates Leineland, ist Angriffsziel der Übung. Die Bundeswehr übernimmt im Rahmen der Vereinten Nationen und der NATO diese Verantwortung. Der Auftrag der Lehrgangsteilnehmer ist nun, einen Operationsplan zu entwickeln, um die Bevölkerung zu schützen und gegen reguläre und irreguläre gegnerische Kräfte vorzugehen, um die Region zu stabilisieren und so dem Friedensprozess im Leineland eine reelle Chanche zu geben.

Neue Anforderungen

Dafür stehen ihnen eine eigene fiktive Panzerbrigade, ihr erlerntes Handwerkzeug sowie Rat und Tat der Mentoren zur Verfügung. Denn die Lage ist ernst. Die Versorgung der Stadt ist eingeschränkt. Wasser- und Stromleitungen sind nur in einigen Stadtteilen vorhanden und erschweren die Einsatzlage zunehmend. Übergriffe auf die Zivilbevölkerung häufen sich, und auch das Leitungspersonal hat die eine oder andere Überraschung für die Teilnehmer parat. „Das ist ein künftiges Einsatzszenario schlechthin, da gerade im urbanen Raum verschiedene Einflussfaktoren fokusiert betrachtet und in die Planung integriert werden müssen“, informiert Oberstleutnant Marc Fechtner. Die Stabsübung so realistisch wie möglich zu gestalten ist ein wichtiges Grundelement bei der Entwicklung dieser Übung. Fest steht: Es soll den Teilnehmern nicht leicht gemacht werden.

Rundumsicht mit Virtual-Reality-Brillen

Für die Beurteilung der Umweltflüsse, für die Planung von Operationen, für das Wargaming und die taktischen Befehlsausgaben bietet der digitale Lagetisch außergewöhnliche Möglichkeiten. Verschiedene Luftbilder von bestimmten Gebäuden und Formen können mit Hilfe des Geräts an die Wand projiziert werden. „Virtaual-Reality-Brillen" sind kein Zukunftsraum mehr. Mit ihrer Hilfe ist eine 360°- Projetkion von Schlüsselobjekten oder Kritischer Infrastruktur möglich. Der Kommandeur könnte in der Planung operationsbestimmende Objekte aus den Augen eines Schützen sehen, ein ungeahnter Vorteil, wobei diese Funktion nur eines von vielen Beispielen ist, welcher der Lagetisch ermöglicht.

Technische Neuerung

„Wir haben lediglich nur einen halben Tag für die Einweisung erhalten und waren dann bereit für die Arbeit mit dem Lagetisch. Ich habe erst 30 % der Kapazität dieses Gerätes beansprucht und glaube, dass noch einiges möglich ist“, ergänzt der niederländische Teilnehmer Major Bas Kuipers. Die technische Neuerung bietet selbstverständlich viel Luft nach oben, trotzdem sind einige Funktionen noch nicht ganz ausgereift und werden für den nächsten Lehrgang protokolliert und anschließend mit dem Fraunhofer-Institut überarbeitet.

Kamera läuft!

Die neue Hardware hilft dabei, das schwere Gerät auf der Lagekarte zu koordinieren. Doch kommt es bei einem so komplexen Einsatzszenario auch auf die „soft skills“ der Offiziere an. Die Zusammenarbeit mit zivilen Kräften vor Ort ist oft genauso wichtig wie das Bekämpfen feindlicher Soldaten. Im besonderen Fokus der Ausbildung der Akademie steht dabei der Umgang mit den Medien und dessen Vertretern. Daher üben alle Lehrgangsteilnehmer unter anderem ihr Verhalten beim Interview und werden dabei durch einen Fachmann betreut.

Mitten drin im Leben

Oberstleutnant Jürgen Bredtmann ist für die Ausbildung in diesem Bereich verantwortlich. Jahrelange Presse- und Medienerfahrungen, zusammen mit der Erfahrung als vergangener Pressesprecher der Führungsakademie der Bundeswehr, machen den Dozenten zum erprobten Medienexperten. Er weiß mit welchen Worten man die Journalisten überzeugen kann. Die Interviews dauern jeweils ungefähr 10 Minuten. Anschließend erfolgt ein persönliches Feedback, bei dem sich die Teilnehmer auch selbst reflektieren sollen. Selbstverständlich findet die Übung im realistischen Maße vor laufender Kamera statt. Eine richtige „Real life exercise“.