Autorin: Dr. Victoria Eicker; Fotos: Lene Bartel

Hamburg, 03.12.2018

Generalmajor Oliver Kohl begrüßt Air Vice-Marshal Chris Luck an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg

Air Vice-Marshal Chris Luck beim Eintrag in das Gästebuch der Führungsakademie

 Gespannt folgt die Akademieführung dem Vortrag

 Interessierte Zuhörer im Auditorium

 

Im Austausch mit Air Vice-Marshal Luck

 

 

Wozu ist die Führungsakademie der Bundeswehr eigentlich da? Und wozu sind die vielen anderen militärischen Akademien weltweit da? Darin war man sich von Anfang an einig: um die nächste Generation militärischer Führungskräfte bestmöglich auf eine ziemlich ungewisse Zukunft vorzubereiten. Und das heißt: intellektuelle und handwerkliche Fähigkeiten sowie die Möglichkeit zur Selbstreflexion, um in komplexen Situationen und mit diesen Werkzeugen Entscheidungen zu treffen, die am nächsten an einem „richtig“ liegen. Das klingt nicht ambitioniert? Mehr ist Illusion und kommt an eine sich rasant verändernde und komplexe Sicherheitslage nicht heran. Doch beginnen wir am Anfang eines dieser spannenden Tage in der Clausewitz-Kaserne in Hamburg.

Zwei Kommandeure – zwei Akademien

Morgens neun Uhr: Der Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg (FüAkBw), Generalmajor Oliver Kohl, begrüßt den Kommandeur des britischen Pendants zur Führungsakademie, das Joint Services Command & Staff College (JSCSC) in der Clausewitz-Kaserne, Air Vice-Marshal Chris Luck. Es ist das erste Mal, dass der Kommandeur der Führungsakademie den ehemaligen Hubschrauberpiloten und Kollegen aus dem britischen Shrivenham persönlich empfängt. Nach dem traditionellen Eintrag ins Gästebuch und einem ersten Austausch zwischen den beiden Kommandeuren, wird Air Vice-Marshal Luck – sein Dienstgrad entspricht einem deutschen zwei Sterne General – die Führungsakademie der Bundeswehr als höchste Bildungseinrichtung der deutschen Streitkräfte vorgestellt.   

Angeregte Diskussion

Von der Geschichte der Führungsakademie bis hin zu den Fakten der Gegenwart: Eine Bildungsinstitution mit etwa 3.000 Lehrgangsteilnehmern pro Jahr, davon 250 international, in 80 Lehrgängen – um nur einige zu nennen. Dem hoch aufmerksamen Air Vice-Marshal Luck präsentiert zunächst Oberstleutnant i.G. Matthias Friedrich die Struktur der FüAkBw sowie die spezifischen Besonderheiten der Lehrgänge für Stabsoffiziere und den angehenden Führungsnachwuchs anhand der Grundphilosophie der Lebenslagen Lernens. Vom ersten Tag bei der Bundeswehr bis zu dem Tag, an dem man womöglich General wird und darüber hinaus: Lernen gehört zum Weg durch die Streitkräfte. „Wie entscheiden Sie, welche Inhalte gelehrt werden“, fragt Luck. „Wir stützen uns auf Vorgaben, Erfahrung und Evaluation“, erklärt Generalmajor Kohl. Luck ist nicht nur an der Auswahl der Inhalte interessiert, auch an der Länge beispielsweise des Lehrgangs Generalstabs-/Admiralstabsdienst National (LGAN). Dieser ist auf zwei Jahre ausgelegt. Das Pendant dazu im Vereinigten Königreich Großbritannien sei zehn Monate lang – und das empfinde man schon als erheblichen Zeitaufwand. Das Thema werde auch hier diskutiert, versichert Generalmajor Kohl – aber Ausbildung braucht seine Zeit, besonders im Bereich der Spitzenkräfte.

Einladung nach England

Auch Oberst i.G. Jesko Peldszus, Leiter des Kompetenzzentrums Ausbildung und Führung, und Oberst i.G. Sönke Marahrens, Projektoffizier des German Institute for Defence and Security Studies (GIDS) – dem neuen Think Tank an der Führungsakademie, halten in Vorträgen die Besonderheiten ihres Bereich fest. Der britische Gast verfolgt die Beiträge genau, hakt immer wieder nach und diskutiert mit Generalmajor Kohl, dem Direktor Ausbildung Oberst i.G. Holger Neumann und den Vortragenden über Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Ausbildung und Struktur ihrer Führungsakademien. Ganz besonders interessiert den britischen Zwei-Sterne-General das Konzept des Lebenslangen Lernens – welche Anreize werden geschaffen, bis zu welcher Führungsebene ist eine Teilnahme angedacht. Immer wieder durchbricht schallendes Lachen die Diskussion – britischer Humor ist eben etwas Besonderes. Der neue Think Tank GIDS stößt bei Luck auf großes Interesse, denn auch in Großbritannien gibt es den Think Tank Development, Concepts and Doctrine Center, der dem Verteidigungsministerium untersteht. Zum Schluss dieses für alle Seiten fruchtbaren Gesprächs lädt Air Vice Air-Marshal Luck seine deutschen Kollegen zu einem nachfassenden Gespräch nach Shrivenham ein.

Ungewisse Zeiten

Fortsetzung 13.30 Uhr: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Lehrgänge Generalstabs-/Admiralstabsdienst National 2017 und 2018 und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Führungsakademie warten gespannt im fast komplett
besetzten Manfred-Wörner-Zentrum. Eine kurze, aber spritzige Vorstellung des britischen zwei-Sterne-Generals von Oberstleutnant Sarah Tunsdall, einer britischen Teilnehmerin des LGAN, stimmt das Auditorium auf dessen Vortrag ein. Luck umreißt die aktuelle, sehr komplexe und ausgesprochen dynamische Sicherheitslage sowie die Herausforderungen etwa durch Künstliche Intelligenz oder unbemannte Waffensysteme. Für das künftige militärische Führungspersonal steht fest, dass sie eine Wirklichkeit vorfinden werden, die heute noch gar nicht in Gänze absehbar ist. Luck und Kohl sind sich am Ende einig: Der Führungsnachwuchs muss heute so gut wie möglich auf ungewisse Zeiten von morgen vorbereitet werden. Das ist die Aufgabe der Führungsakademien.