Autorin: Anne Bressem; Fotos: Lene Bartel

Hamburg, 30.11.2018

Generalmajor Oliver Kohl begrüßt Georgiens Verteidigungsminister, Levan Izoria, an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg

Georgiens Verteidigungsminister Levan Izoria beim Eintrag in das Gästebuch der Führungsakademie

 

Wie wird das Führungsprinzip der Auftragstaktik im Bundeswehralltag gelebt und wie ließe sich diese Methode der Führung auf die georgischen Streitkräfte anwenden? Welche Arbeit leistet das German Institute for Defence and Strategic Studies (GIDS)? Fragestellungen, zu denen sich Georgiens Verteidigungsminister Levan Izoria in Begleitung seines Chief of Defense, Generalmajor Vladimer Chachibaia, sowie einer georgischen Delegation  intensiv  mit dem Kommandeur der Führungsakademie, Generalmajor Oliver Kohl und Akademieangehörigen austauschte.

Von kriegstauglichen Generalstabsoffizieren

Zur Einführung stellte Oberstleutnant i.G. Matthias Friedrich zunächst das Konzept des Lebenslangen Lernens sowie das breit gefächerte Angebot aller Lehrgänge der Akademie vor. General Kohl nahm dies auf und unterstrich an dieser Stelle den Charakter der Führungsakademie als höchste Bildungseinrichtung der Bundeswehr. Kernaufgabe sei die Aus-, Fort- und Weiterbildung bereits berufserfahrener Offiziere aus dem In- und Ausland. Ziel sei es, kriegstaugliche Stabsoffiziere und Generalstabsoffiziere von der Akademie in ihre diversen Verwendungen der Bundeswehr zu entsenden.

Auf der Münchner Sicherheitskonferenz

„Wir wollen die Gesellschaft für sicherheitspolitische Themen sensibilisieren, in einen Dialog treten, Debatten strategisch bereichern“, erklärte Oberst i.G. Sönke Marahrens, Projektleiter für das GIDS. In Erweiterung des Auftrags der Führungsakademie solle das in Lehre und Forschung gesammelte Wissen als Angebot für strategische Diskurse dienen. „We are a new kid on the block“ führt Marahrens fort und betonte das Alleinstellungsmerkmal des GIDS, die Kooperation mit der „Helmut Schmidt Universität“, Universität der Bundeswehr Hamburg.  Mit sichtbarem Stolz verkündete er dem interessierten Publikum, sowohl GIDS als auch die Führungsakademie seien mit einem Panel auf der kommenden Münchner Sicherheitskonferenz vertreten, ein erster großer Erfolg seit dem erst kurzen Bestehen von ungefähr fünf Monaten. Verteidigungsminister Izoria war geradezu gefangen von diesen Impulsen: „Wie gehen Sie in die Öffentlichkeit, wie bieten Sie sich an, wie gestalten Sie das im Detail?“, fragte er nach. Wir gehen proaktiv in Debatten, wir wollen Mut zum Diskurs nicht nur postulieren, wir praktizieren ihn gnadenlos. Unsere Ministerin Dr. Ursula von der Leyen gibt mit der Existenz des GIDS darüber hinaus ein wichtiges Signal in die Truppe. Sie sagt, ich brauche Euch, Euer Wissen, Euren Rat für meine tägliche Arbeit.

Vertrauen haben und miteinander reden

Daran anschließend veranschaulichte Oberst i.G. Marahrens Verteidigungsminister Izoria und der georgischen Delegation nicht weniger impulsiv und anregend das Führungsprinzip der Auftragstaktik. Menschen zu führen, stehe hier immer in direkter Beziehung zur Inneren Führung, zeige er auf. Der militärische Führer gebe den Soldatinnen und Soldaten das Ziel vor, verfolgen und erreichen solle der Soldat das Ziel selbständig, führt Marahrens fort. In der folgenden Diskussion wollte die georgische Delegation wissen, inwiefern es vorstellbar sei, die Auftragstaktik auch bei den georgischen Streitkräften zu implementieren, welche Empfehlung die Bundeswehr aus ihrer Praxis habe, von welchem Zeithorizont bis zur erfolgreichen Praxis in der täglichen Umsetzung man ausgehen könne. General Kohl betonte an dieser Stelle: „Wir haben die Auftragstaktik 1888 eingeführt und sehen Sie, es dauert eben seine Zeit. Mit Geduld, Verständnis und Dialog nehmen Sie Ihre Soldaten mit. Setzen Sie Vertrauen in Ihre Männer und geben Sie ihnen stets einen sinnvollen Hintergrund für ihren Auftrag.“ Das Führungsprinzip der Auftragstaktik setze großes Vertrauen in die Geführten, appelliere an ihre Vernunft und den Sinn dafür, Verantwortung übernehmen zu wollen. Beziehungen müssten so geschaffen werden, die Motivation der Soldaten zu stärken. Auftragstaktik bedeute eine kulturelle Veränderung für die Streitkräfte Georgiens, der tiefere Sinn liege vor allem in der Kultur von Kommunikation, resümierte Verteidigungsminister Izoria abschließend fasziniert und bedankte sich auch im Namen seiner Delegation für den inhaltlich sehr wertvollen Diskurs sowie für den herzlichen Empfang.