Autor: Philipp v. Rechenberg; Fotos: LGAN 2017

Hamburg, 08.10.2018

Die Tragtiere des EAZ 230 bei der Vorführung der GebJgBrig 23

Trittsicherheit ist im Gebirge von besonderer Bedeutung

Durchhaltewille und Kameradschaft zeigten sich beim Bergmarsch auf die Reiteralpe

Sattelfest im Gebirge: Offiziere des LGAN beim Marsch mit den Tragtieren auf das Dürrnbachhorn

 

 

 

„Das Wesen der Gebirgsjägertruppe kann nicht auf Folien vermittelt werden. Man muss es erleben und anfassen, um das besondere Anforderungsprofil zu verstehen“, begrüßt der stellvertretende Brigadekommandeur der Gebirgsjägerbrigade 23 in Bad Reichenhall, Oberst Stefan Leonhard, die Offiziere des Lehrgangs Generalstabsdienst-/ Admiralstabsdienst National(LGAN) 2017 zur Gebirgsreise in den bayrischen Alpen. Stärkung der Kameradschaft, das Kennenlernen der Fähigkeiten der Gebirgstruppen sowie das Erfahren der besonderen körperlichen Herausforderungen stehen im Vordergrund der Ausbildungswoche. Nachdem die nationalen und internationalen Soldatinnen und Soldaten am Morgen mit dem Airbus A400M angereist sind, startet der Lehrgang mit zwei Gruppen in die Ausbildung.

Soldatische Fitness ist gefragt

Mit einem körperlich fordernden Marsch steigen die Offiziere am Montag Nachmittag knapp 1.000 Höhenmeter von der Talstation der Seilbahn der Wehrtechnischen Dienststelle 52 Oberjettenberg auf die Reiteralpe auf. Oben angekommen heißt es Nachbereiten und Unterkunft beziehen, bevor es am nächsten Tag weitergeht. Das Wetter regnerisch und nasskalt – so starten die Teilnehmenden am nächsten Tag und erahnen gleich, dass der Gebirgsjäger besonders bei solchen Bedingungen „funktionieren“ muss. Über rutschige Äste und durch Nebelfelder gelangen in morgendlicher Frühe alle am Kreuz des Weitschartenkopfes an und sind stolz auf die überstandene Anstrengung – um anschließend festzustellen, dass der Abstieg eine weitere körperliche Herausforderung ist. Danach bleibt das Programm anspruchsvoll: es geht „an den Fels“. Der Hochgebirgsjägerzug hat ein anspruchsvolles Programm zusammengestellt, bei dem die Soldatinnen und Soldaten ihr Geschick im Klettern, Abseilen und am einfachen Seilsteg unter Beweis stellen können. Das Bier in der Hütte haben sich abends alle redlich verdient.

Spezialisten beim alpinen Kampf

Nach den „Höhen“ am Vortag lernt der LGAN am Mittwoch die „Tiefen“ kennen: ein bei strahlendem Sonnenschein sehr idyllischer Marsch durch die Weißbachschlucht macht den Tagesauftakt. Danach ist Zugucken angesagt: Im Rahmen einer statischen und dynamischen Vorführung zeigen die Gebirgsjäger den Lehrgangsteilnehmenden auf beeindruckende Art und Weise ihr Material und ihre besonderen Fähigkeiten im alpinen Gelände. Aufklärung, Kampf im, am und auf dem Felsen sowie die logistische Unterstützung sind nur einige der breiten und komplexen Anforderungen für die Soldatinnen und Soldaten der Gebirgstruppe - eine wichtige und zugleich lehrreiche Erkenntnis für die nationalen und internationalen Offiziere aus Hamburg. Anschließend wird es wieder dynamisch, und die Lehrgangsteilnehmenden marschieren zur Winklmoosalm, wo sie eine herzliche Begrüßung durch das Hüttenpersonal und vorbeilaufende Kühe erwartet.

Maultiere als tragende Stütze

Das Tragen von Lasten von knapp 100 kg stellt für die Maultiere des Einsatzausbildungszentrums für Tragtierwesen aus Bad Reichenhall keine große Herausforderung dar. Eine intensive Ausbildung, regelmäßige Übungen und bis zu fünf Bergmärsche in der Woche sind für Mensch und Tier unabdingbar, um den anspruchsvollen Auftrag erfüllen zu können. Zunächst erfahren die LGAN-Teilnehmer etwas über die Gliederung der Einheit, ihre Aufgaben sowie die Leistungsfähigkeit und die Arbeit mit den Tieren. Frieda, Bazi, Kastor und ihre anderen felligen Kameraden durften selbstverständlich auch angefasst, geführt und Probe gesessen werden. Die Maultiere dienen zum Transport von Lasten und damit der unmittelbaren Unterstützung der Einheiten, die Haflinger Pferde werden zum Überwachen von Räumen und zum Prüfen der Gangbarkeit für Tragtiere genutzt. Beide sind die wesentlichen Säulen des Einsatzausbildungszentrums.

Ein weiterer Bergmarsch von der Winklmoosalm auf das fast 2.000 Meter hohe Dürrnbachhorn ist im wahrsten Sinne des Wortes der zweite Höhepunkt der Woche. Ein kleines Stück werden die Offiziere dabei auch von den zuvor vorgestellten Tieren begleitet und können sich live von deren Fähigkeiten überzeugen. Ein durch das Hüttenteam liebevoll vorbereitetes und opulentes Grillbuffet bietet zusammen mit lauen Spätsommertemperaturen das perfekte Setting für einen letzten Abend in den Bergen.

Erfolgreiches Teambuilding

Bevor es am Freitag wieder mit dem A400M von Salzburg zurück nach Hamburg geht, lassen die Soldatinnen und Soldaten des LGAN die Woche bei einem bayrischen Frühstück Revue passieren. Jeder ist durch die körperliche Herausforderung ein Stück gewachsen, ohne die Kameraden wäre aber so manches davon nicht  zu schaffen gewesen. Kohäsion des Lehrgangs durch die erlebnisorientierte Ausbildung sowie interessante und zugleich lehrreiche Einblicke in das Fähigkeitsprofil der Gebirgstruppe des Deutschen Heeres sind deshalb die Erkenntnisse am Ende der Woche, die als buntes Erlebnis noch lange in den Köpfen Aller bleiben werden.