Autor: Jürgen Nehring; Fotos: Laura Clayborn / Tom Twardy

Hamburg, 17.10.2016

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Informationstechnik mit weitreichenden Auswirkungen

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,,Kabelwissen" - Basics betreffen jeden

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Umfassende Informationen schützen vor Schaden

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IT-Spezialisten sind gesuchte Fachkräfte in der Bundeswehr

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Teilnehmer des Seminars aus verschiedenen Ländern

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Bundeswehr nimmt Gefahr ernst und stellt eigenen Cyber-Inspekteur auf

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Gruppenbild mit allen Seminarteilnehmern

Der Cyberraum ist ohne Grenzen, Informationen dominieren das Zeitgeschehen. Das Internet hat sich weltweit zu einer entscheidenden Plattform entwickelt und spielt politisch und gesellschaftlich, aber auch militärisch eine immer größere Rolle. Entsprechend international besetzt war das Modul „Cyberspace International“, um die Risiken und Chancen des Cyberraums „grenzüberschreitend“ zu besprechen. Auf Einladung der FüAkBw kamen 20 Teilnehmer aus 11 Nationen zu einem Informations- und Erfahrungsaustausch zusammen. Unter Leitung von Oberstleutnant Jürgen Nehring, dem Cyberdozenten der Führungsakademie, und mit ministerieller Begleitung des fachlich zuständigen Referenten im Verteidigungsministerium, Fregattenkapitän Dirk Ableiter, wurde eine thematisch ein weiter und facettenreicher Bogen gespannt.

Gesamtstaatlicher Ansatz

Als Einstieg stellten Vertreter der drei maßgeblich verantwortlichen Ministerien (Verteidigungs-, Innen-, Außenministerium) das Grundverständnis heraus, das die Aufgaben im Cyber- und Informationsraum nur gesamtstaatlich und gemeinsam bewältigt werden können. Neben der Bedrohung militärischer Einrichtungen und Systeme sind alle Bereiche der Gesellschaft (Privatpersonen, staatliche Einrichtungen und Behörden, Industrie und Wirtschaft) von den Gefahren im Cyberraum betroffen. Innere und äußere Sicherheit fallen in wenigen Bereichen so eng zusammen wie im Cyberraum. Die Vertreter der drei Ressorts erläuterten jeweils an Beispielen die Zuständigkeiten ihres Hauses und die aktuellen Handlungsfelder. Hierbei galt das Interesse vieler Teilnehmer dem Schutz kritischer Infrastruktur und den Ergebnissen des letzten NATO-Gipfels. Zur Erinnerung: Auf dem NATO-Gipfel in Warschau hat das Bündnis den Cyberraum zu einem eigenständigen Operationsgebiet erklärt.

„Schon lange keine Fiktion mehr“

Dieses Zitat aus dem neuen Weißbuch, dem obersten sicherheitspolitische Grundlagendokument der Bundesregierung, verdeutlicht eindrucksvoll die gestiegene Bedeutung, die dem Handeln und Wirken im Cyber- und informationsraum beigemessen wird. „Insgesamt hat sich der Cyber- und Informationsraum damit zu einem internationalen und strategischen Handlungsraum entwickelt“, heißt es im Weißbuch weiter. Diese und andere Positionen aus dem Bereich Cyberpolitik und -strategie bildeten eine weitere Diskussionsgrundlage für das Plenum und waren Grundlage für etliche Pausengespräche. Dabei wurde früh deutlich, dass die Herausforderungen im Cyber- und Informationsraum auch bei den teilnehmenden internationalen Partnern ähnlich gelagert sind und vergleichbar bewertet werden. Als interessante Randbemerkung führte Fregattenkapitän Ableiter aus, dass der Begriff Cyber im neuen Weißbuch an 63 Stellen Erwähnung findet. Ein sicheres Zeichen, dass diese Herausforderung auch bei der Bundesregierung angekommen ist.

Let’s Cyber!

„Ich weiß nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber es muss anders werden, wenn es besser werden soll“. Frei nach dem Sinnspruch des Mathematikers und Physikers Georg Christoph Lichtenberg hat die Bundesministerin der Verteidigung im April dieses Jahres entschieden, eine neue Abteilung Cyber/IT im BMVg einzurichten und einen neuen, nunmehr sechsten militärischen Organisationsbereich Cyber- und Informationsraum aufzustellen. Ziel ist, die vorhandenen Kräfte und Fähigkeiten mit eindeutigen Zuständigkeiten so zu bündeln, um sowohl auf Gefahren besser reagieren zu können als auch die eigenen Handlungsmöglichkeiten im Cyberraum besser auszunutzen. Für die Teilnehmer sind das viele spannende neue Informationen. Die vielen Fragen aus dem Plenum verdeutlichen das Interesse anderer Staaten, den deutschen Ansatz für die eigenen Planungen zu berücksichtigen. Die thailändische Delegation, vertreten durch einen 2-Sterne General, war bereits im letztjährigen Seminar dabei und konnte nun die Entwicklungen des letzten Jahres begutachten. „Die Bundeswehr ist sehr ambitioniert und unternimmt große Anstrengungen, den Cyber-Bedrohungen zu begegnen”, kommentiert Wing Commander Chalermchai Wonggate.

Cyber-Angriffe nehmen exponentiell zu

Der Schutz vor Angriffen aus dem Cyberraum steht auch bei den ausländischen Teilnehmern, die jeweils in kurzen eigenen Präsentationen Ihre Strukturen, Fähigkeiten und Zukunftsplanungen vorstellten, im Vordergrund aller Aktivitäten. Dass die Zahl der Angriffe nahezu täglich ansteigt, konnten fast alle Teilnehmer bestätigen. Wie zum Beweis dieser These war ein Teilnehmer, der als leitender IT-Experte am Seminar teilnahm, einen Tag damit gebunden, per Ferndiagnose und Fachberatung einen bedeutenden DDoS-Angriff auf die Webseiten seiner Streitkräfte abzuwehren. Dieses aktuelle Beispiel diente natürlich den anschließenden Diskussionen und dem Erfahrungsaustausch über Wirkmittel, Akteure und Angriffsziele im Cyberraum und mögliche Abwehrmechanismen. Da passte es gut, dass der Experte aus dem CERTBw (Computer Emergency Response Team), Hauptmann Neugebauer, wertvolle Hinweise zur Abwehr von Cyber-Attacken geben konnte.

Internationale Zusammenarbeit notwendig

„Networking“ heißt die Zauberformel, die oft abseits der offiziellen Strukturen und Beziehungen zum Erfolg führt. Dieses internationale Cyberspace-Seminar ist das beste Beispiel für erfolgreiches Networking. Vertreter aus Ländern, die zumindest im Cyberraum bisher wenig bis gar nichts miteinander zu tun hatten, kommen ins Gespräch, teilen Informationen und Wissen und tauschen Erfahrungen aus. Dass E-Mail und Telefon-Kontaktdaten weitergereicht wurden, versteht sich fast von selbst. Die freundschaftliche Atmosphäre und der kameradschaftliche Umgang untereinander wurden natürlich auch durch den anfänglichen Icebreaker und das kulturelle Hamburg-Programm gefördert. So wurde die Führungsakademie erneut ihrem Ruf gerecht, als „Little United Nations“ zu fungieren und somit vertrauensbildende Maßnahmen zu stiften und zur Völkerverständigung beizutragen. Stellvertretend für andere Teilnehmer wandte sich abschließend der georgische Vertreter, Georgi Gabidzasvili, an die Seminarleitung: „Bitte kommen Sie uns nächstes Jahr besuchen!“