Autor: Christoph Weigmann; Fotos: Lene Bartel

Hamburg, 23.08.2018

General Oliver Kohl begrüßt Admiral James Foggo III an der Führungsakademie der Bundeswehr

Admiral Foggo III, Commander Allied Joint Force Command Naples, Commander U.S. Naval Forces Europe, Commander U.S. Naval Forces Africa, beim Eintrag in das Gästebuch der Führungsakademie der Bundeswehr

Admiral Foggo III begrüßt die amerikanischen Austauschoffiziere an der FüAkBw

Bei der Begrüßung des amerikanischen Admirals

Admiral Foggo III beim Vortrag

Es war ein besonderes Ereignis, das die Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) in ihren Büchern verzeichnen durfte. Der Vortragssaal im Manfred-Wörner-Zentrum der Clausewitz-Kaserne war randvoll mit interessierten Zuhörern gefüllt, die zum Vortrag von Admiral James G. Foggo III erschienen sind. Mit Admiral Foggo III besuchte einer der ranghöchsten Mitglieder der US-Streitkräfte die Führungsakademie. Derzeit ist der amerikanische Admiral Kommandeur des Allied Joint Force Commands in Neapel (JFC), der U.S. Naval Forces Europe und der U.S. Naval Forces Africa.

Der Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr, Brigadegeneral Oliver Martin Kohl, begrüßte den NATO-Oberbefehlshaber für Europa und Afrika, dem der traditionelle Eintrag in das Gästebuch der Akademie folgte.

Eine militärische Führungskraft mit enger Bindung an Deutschland

Admiral Foggo III kannte Deutschland sehr gut, was seinen Auftritt an der FüAkBw für ihn fast zu einem Auftritt in heimatlichen Gefilden werden ließ. Sein Vater landete 1944 mit den US-Streitkräften im Rahmen der Operation Overlord in der Normandie und kam in der Folge nach Deutschland, wo er in Mönchengladbach seinen langjährigen Lebensmittelpunkt hatte. In dieser Zeit lernte auch der Admiral Deutschland kennen.

Mit dieser kleinen Episode, die seine Bindung zu Europa anschaulich werden ließ, begann er den Vortrag mit einem Überblick über die umfangreichen Aufgaben des Joint Task Force Commands. Ausführlich ging der amerikanische Admiral auf die Aufgabenfülle ein, die sein Kommando im Rahmen der Humanitären Hilfseinsätze zu leisten hat. Die durch die Libyenkrise in Gang gesetzten Flüchtlingsströme halten bis heute an. Es geht im Kern um die Frage, „Wie findet man heraus, was die Flüchtlinge benötigen?“. Als sich die Frage 2011 zuspitzte und am 17. März 2011 die UN-Resolution 1973 zur Libyenkrise unter Beachtung des allgemeinen Waffenembargos und ohne Einsatz von Besatzungstruppen legitimiert und beschlossen worden ist, war unter den NATO-Kommando des JFC der Einsatz durchgeführt worden. Der internationale Militäreinsatz in Libyen umfasste bewaffnete Operationen zur Einrichtung einer Flugverbotszone, zum Schutz der Zivilbevölkerung in Libyen, zur Unterstützung der Aufständischen gegen die Regierungstruppen und zur Durchsetzung des Waffenembargos durch Marineschiffe. Am Nachmittag des 19. März 2011 begannen die Militäraktionen mit der französischen Opération Harmattan bzw. der Operation Odyssey Dawn, was auf Deutsch „Morgendämmerung der Odyssee“ bedeutet.
Die NATO-Operation zur Durchsetzung des Waffenembargos mittels des Einsatzes von Marineeinheiten trug den Namen Unified Protector und begann am 22. März 2011. Es war ein großangelegter NATO-Einsatz.

Minensuche als NATO-Aufgabe

Eine weitere wesentliche Aufgabe besteht noch heute in der Minensuche. Diese aus den Konfliktregionen, insbesondere des Libyenkonfliktes, resultierenden Hinterlassenschaften gefährden noch heute hochgradig die Flüchtlingsströme. Als Beispiel zeigte der Admiral die effektive Wirkung von Minen auf. Immerhin unterbrachen im Jahr 2011 vier durch Libyen ausgebrachte Minen für gut einen Tag die Versorgungskette des Joint Task Force.

Die Rolle von Social Media

Admiral Foggo III sprach der Wirkung der Social Media eine große Bedeutung zu. Im Verlauf seines NATO-Kommandos hat er die Nutzung von Social Media weit ausgebaut. Sie dient zum Erkenntnisgewinn, aber auch zur Kommunikation von NATO-Positionen. Es sei an dieser Stelle auf das von David Patrikakakos verfasste Buch „War in 140 characters“ verwiesen,  das für Admiral Foggo eine Quelle des Erkenntnisgewinns zu diesem Thema darstellt.

Der Focus des Allied Joint Force Command in Neapel

Die wichtigsten Themenfelder, die die NATO JFC zu bearbeiten hat, zeigte der Admiral anhand von fünf Schwerpunkten auf. So steht neben der NATO Mission Irak, dem NATO Einsatz im West-Balkan, dem Hauptquartier der Multinationalen Division Southeast und der Übung „Trident Juncture 2018“ vor allem die NATO Strategic Dirction South Hub (NSDS) im Mittelpunkt seiner Darstellungen.  Bei der NSDS versucht die NATO ein kollektives Verständnis über Bedrohungen und bestehenden Herausforderungen, die aus dem Süden aufkommen zu erlangen und versucht Erkenntnisse über Möglichkeiten des Handeln zu gewinnen. Der Hub soll operative und strategische Führungskräfte mit einem kollektiven Verständnis über den Süden, insbesondere über Schauplätze in Afrika, ausstatten, damit eine Entscheidungsfindung ermöglicht wird. Schließlich soll der Hub dazu beitragen, Deeskalationsbestrebungen zu synchronisieren und aufeinander abzustimmen.

Die Aufgabe der NATO in Afrika

Nach Foggo III trägt die NATO mit Ihren Aktionen vor Ort dazu bei, wirtschaftliche Stärke nach Afrika zu bringen. Die Aufgabe des AJFC in Neapel besitzt durch die Präsenz in Afrika eine hohe Kenntnis, mit militärischer Präsenz die Grenzen zu sichern und die dortigen Polizeien zu stärken. Doch auch die Flüchtlingskrise ist hochaktuell. Nach Foggo III verlassen die Menschen ihre Heimatländer ja nicht deshalb, weil sie krank sind. Sie verlassen sie, weil sie bedroht werden. Diesen Prozess Einhalt zu gebieten und für eine Stabilität der afrikanischen Regionen zu sorgen, ist eine der großen und wichtigen Aufgaben des Allied Joint Force Command in Neapel.

 

Vielfältige Aufgaben ohne ein absehbares Ende

Mit Blick auf die weiteren Schwerpunktfelder ist das Aufgabenspektrum, dem sich Admiral Foggo III und seine Stäbe zu stellen haben, übergroß. So ist an dieser Stelle der durch das JFC kontrollierte KFOR-Einsatz, der seit 1999 besteht, ebenso zu nennen wie die Führung des seit 2015 bestehenden multinationalen Divisionshauptquartiers in Bukarest in Rumänien, das für die Führung der Verteidigungsoperationen gem. Artikel 5 des NATO-Statuts im Falle eines Angriffs auf das Allianzgebiet im Südosten zuständig ist. Nicht zuletzt ist die unter der Führung des Hauptquartiers der JFC in Neapel geführten multinationalen Übung „Trident Juncture 2018“ aufzuführen, mit der das Zusammenwirken der Streitkräfte der Mitgliedsstaaten geübt wird. Im Oktober 2018 werden mehr als 40.000 Soldaten nach Zentral und Nordnorwegen gebracht, um die sich dort befindliche Very High Readiness Joint Task Force zu verstärken.

Ein sich lohnender Diskussionsbeitrag

Den ausführlichen, informativen und lebhaft vorgetragenen Schilderungen folgte eine rege Diskussion mit den Zuhörern. Dabei durfte sich der erste Diskussionsteilnehmer besonders freuen, denn er erhielt als „Icebreaker“ eine Erinnerungsmünze von Foggo III überreicht.

Mit vielen Eindrücken aus den umfangreichen und komplexen Auftrag des Allied Joint Force Command in Neapel Vortrag gingen die Zuhörer in ein sonniges Hamburger Wochenende.