Autor: Philipp Lenske; Fotos: Laura Clayborn

Hamburg, 03.08.2018

Monsignore Bernward Mezger vor dem Altar der Kapelle

Das Kruzifix: Sinnbild für das Opfer Christi

,,Spirituelle Kultur ist in hohem Maße Atmosphäre", so Mezger

Mit Musik und Gesang werden die Andachten zelebriert

 

 

 

 

,,Gott besucht uns, nicht wir besuchen Gott“, mit diesen Worten öffnete der katholische Militärdekan der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw), Monsignore Bernward Mezger, die Türen der Kapelle in der Clausewitz-Kaserne. Und mit der Öffnung taucht der Besucher in eine eigene Geschichte dieses einzigartigen Kapellenraumes ein.

Ein Kapellenraum seit 1958

1958 wurde die Kapelle in der Führungsakademie der Bundeswehr auf dem Gelände der Clausewitz-Kaserne eingeweiht. Seitdem bietet die Andachtskapelle allen Angehörigen der Führungsakademie die Möglichkeit, Gottesdienste zu besuchen und vor allem Ruhe zu finden. Die Kapelle wird ökumenisch genutzt. Der evangelische und katholische Militärdekan teilen sich die Räumlichkeiten für Ihre Andachten. Das Zusammenwirken der Konfessionen spiegelt sich besonders in der Einrichtung der Kapelle wider. So weisen die Bänke auch Kniebänke auf, was für katholische Kirchen ein typisches Merkmal ist. Dafür fehlt ein „ewiges Licht“ und ein Tabernakel. Dieser Ort erscheint nicht aufdringlich, sondern strahlt eine zurückhaltende Ruhe aus. Er ermöglicht allen Besuchern, gemeinsam zu beten und Gottesdienst zu feiern.

Das Kruzifix, die Verbindung zum 4. Generalinspekteur

Eva de Maizière, Bildhauerin und Grafikerin, und Ehefrau des vierten Generalinspekteurs der Bundeswehr, Karl Ernst Ulrich de Maizière, sowie die Mutter des ehemaligen Bundesinnenministers Thomas de Maizière, entwarf und spendete der FüAkBw ein Kruzifix, welches noch heute über dem Altar hängt.

Raum der Stille in der zweiten FüAk-Kaserne

In der Generalleutnant-Graf-von-Baudissin-Kaserne befindet sich kein Kapellenraum, dafür ein „Raum der Stille“. Auch dieser kann von allen FüAk-Angehörigen ungeachtet ihres Glaubens genutzt werden. Der Raum bietet einen Rückzugsort zum Beten, Nachdenken oder zum Trauern. Eben ein Raum der Stille.

Gelebte Andachtspraxis an der FüAk

Anfang Dezember 2017 schockierte die Nachricht über das gesunkene argentinische U-Boot die Welt. Besonders erschüttert waren die argentinischen Marineoffiziere, welche an der FüAk den Lehrgang Generalstabsdienst / Admiralstabsdienst International (LGAI) absolvieren. Solidarisch versammelten sich alle Marineuniformträger der Führungsakademie, um mit Ihren argentinischen Kameraden gemeinsam zu trauern und diesen zu gedenken. ,,Der Soldatenberuf beschäftigt jeden mit Fragen nach Leben und Tod. Mit diesen Fragen stetig konfrontiert zu werden, das ist nicht leicht. Doch der Zusammenhalt unter den Kameradinnen und Kameraden hilft. Die Solidarität wie auch die täglich gelebte Kameradschaft geben Kraft“, so Monsignore Mezger.

Regelmäßige Andachten

Jeden Freitag um 7:30Uhr findet in der Kapelle in der Clausewitz-Kaserne für alle Besucher eine 20 minütige Andacht statt. Der jeweils zelebrierende Militärdekan singt mit den Andachtsbesuchern, betet mit ihnen aus den Psalmen, liest das Evangelium und legt es aus. Oft ist es so, dass die Bibelstellen mit dem Alltag der Soldaten in Verbindung gebracht werden. So wird eines deutlich: ,,An diesem Ort gibt es kein Befehl und Gehorsam, hier stehen alle vor Gott“, wie Monsignore Mezger betont.