Autorin: Anne Bressem; Fotos: Anne Bressem

Hamburg, 27.08.2018

Erkundung im Gelände

Taktische Verfahrensweisen im Gelände

Offiziere während der Geländetaufe

 

3.00 Uhr morgens, der Wecker klingelt, der Rucksack ist gepackt, ich springe in meine Uniform und Kampfstiefel - wo sind wir? Richtig, beim Deutschen Heer.

Grüne Ausbildung an der Führungsakademie...

Taktische Führung von Landoperationen will gelernt sein. Um angehende Stabsoffiziere des Heeres auf nationale und internationale Führungsprozesse vorzubereiten, schult die Führungsakademie der Bundeswehr ihre Heeresoffiziere im Rahmen des Lehrgangs "Grundlagen der Führungs- und Operationsplanung".

Was heißt das?

Engagierte Hörsaalleiter sowie Dozenten entwickeln gemeinsam mit den Offizieren Verständnis für nationale und internationale Führungsprozesse. Die Unterrichte sind vor allem von kompetenzorientierter Vermittlung von Führungs- und Einsatzgrundsätzen der Landstreitkräfte geprägt. Handlungstraining steht in der Lehre Landstreitkräfte an vorderster Stelle. Neben den Grundsätzen der Truppenführung werden dabei auch die Verfahren für Führung,  und Einsatz von Landstreitkräften vermittelt.

Wie üben wir das?

Das Deutsche Heer ist seit mehr als zwanzig Jahren in den Auslandseinsätzen der Bundeswehr im Schwerpunkt eingesetzt und hat sich dort voll bewährt. Die Fakultät Landstreitkräfte setzt diese Erfahrungswerte in diversen Übungslagen mit den Lehrgangsteilnehmerinnen und -teilnehmern um. Neben der Vermittlung allgemeiner Grundsätze, die die Lehrgangsteilnehmer auch in zukünftigen Einsätzen befähigen sollen, ihre Rolle als Führungskräfte wahrzunehmen, wird der notwendige Einsatzbezug durch Aspekte der aktuellen Einsatzrealität in Form von Planübungen hergestellt.

Raus ins Gelände!

Der Praxisbezug darf während eines Lehrgangs selbstredend nicht fehlen. Mit der Geländebesprechung, zu der bereits um 04.15 Uhr am frühen Morgen aufgebrochen wurde, können die Lehrgangsteilnehmer in unterschiedlichen Situationen das bereits an der Offizierschule des Heeres vermittelte Wissen erneut anwenden. An ausgewählten Geländepunkten organisieren die Hörsaalleiter eine lagebezogene Geländeorientierung, um dort zugleich taktische Aufgabenstellungen aufzugeben.

Die Orientierung erfolgt in anschaulicher Weise. Zunächst wird der eigene Standort mit Hilfe von zwei eindeutigen Geländepunkten, die gut sichtbar sein sollten, genau angegeben. Wichtig ist hierbei, dass der Bezug zur Lage immer hergestellt wird.

Mit der Angabe der Himmelsrichtung, die, wenn möglich, die Nordrichtung sein sollte, erfolgt eine Konkretisierung. Kann diese nicht eindeutig beschrieben werden, z.B. weil sich der eigene Standort südlich eines Waldes befindet, kann natürlich auch eine andere Richtung gewählt werden. Für deren Bestimmung ist nach dem Schema REHLZ vorzugehen.

Dabei steht das

Richtung

Entfernung

Hilfsziel (wenn notwendig)

Lage zum Ziel

Ziel

 

Ist die Lage beschrieben, erfolgt nun das Ansprechen der in der Lage wichtigen Geländeteile/-punkte. Dabei bleibt es dem Vortragenden überlassen, mit welchem dieser Geländeteile begonnen werden soll. Es sind dabei einige Regeln zu beachten:
Zum Beispiel von der Richtung im Uhrzeigersinn über Osten, Süden nach Westen oder in jeder anderen Richtung beginnend, wenn sich die Lage zusammenhängend auf das Gelände übertragen lässt. Dabei ist für den Anwender immer zu beachten, im Uhrzeigersinn vorzugehen.

Richtung Nordost
Entfernung 3500
Hilfsziel (wenn notwendig) Haus mit weißem Giebel
Lage zum Ziel handbreit rechts davon
Ziel Funkmast, dies rechte Grenze Stg PzGrenBtil 171

 

 

 

 

 

Horizonterweiterung

Die Befähigung zum erfolgreichen Kampf an Land ist entscheidend für den gesicherten Zugang eigener Kräfte ins Einsatzgebiet, die Operationsfreiheit im Einsatzgebiet sowie für die Durchsetzungsfähigkeit gegen gegnerische Kräfte. Am Ende steht immer eine schnelle Konfliktbeendigung zu günstigen Bedingungen. Mit diesen und weiteren Erkenntnissen ist der Lehrgang für alle Offiziere ein ordentlicher Gewinn an Erfahrung und Horizonterweiterung, vor allem auch für „frische“ Heeresuniformträger oder Seiteneinsteiger.