Autor: Andreas Beckmann; Fotos: Torsten Näther

Hamburg, 18.07.2018

Gruppenbild vor dem Lincoln Memorial in Washington D.C.

Vortrag in der Deutschen Botschaft in Washington D.C.

Lehrgangsteilnehmer im UN-Sicherheitsrat

 Gruppenbild vor der P-8A Poseidon 

 

Es war eine lange Reise mit vielen Etappen, die auf dem Programm standen. Die Reiseroute umfasste Stationen in Washington D.C, New York, Jacksonville, Tampa und endete schließlich in Miami. Sie wollen wissen, wer sich aufgemacht hat, die Neue Welt kennenzulernen?

13 Tage lang bereiste der Lehrgang Generalstabsdienst/Admiralstabsdienst National 2017 (LGAN) der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg (FüAkBw) die Städte und Stätten in den Vereinigten Staaten und absolvierte dabei ein dicht bepacktes Programm. Dabei wurde sie bis New York vom stellvertretenden Akademiekommandeur, Flottillenadmiral Karsten Schneider, und für den weiteren Verlauf durch Generalmajor a.D. Rainer Fiegle begleitet.

Ziel der traditionellen Reise zum nordamerikanischen Verbündeten, die jeder LGAN auf dem Programm hat, ist es, den sicherheitspolitischen Blick zu weiten. Dieses Ziel sollte auch für den 14. streitkräftegemeinsamen Lehrgangs gelten. Streitkräftegemeinsam, weil der Lehrgang sich aus Teilnehmern aller Teilstreitkräfte und Organisationseinheiten der Bundeswehr zusammensetzt.

Mit vielen deutschen und amerikanischen Persönlichkeiten wurden die Kontakte gesucht, um in den Dialog einzutreten. So konnten aus erster Hand Informationen gewonnen werden, die für jeden persönlich zum Nutzen waren. Es war ein schöner Effekt, dass das in der Ausbildung dem Lehrgang vermittelte theoretische Wissen durch die praktische Erfahrung ergänzt werden konnte. Es bleibt bei den vielen Reisenden eine Fülle an politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Eindrücken von Land und Leuten. Davon kann ein langes Berufsleben gezehrt werden. Der besondere Fokus lag auf dem Bereich der Sicherheitspolitik.

Washington D.C. und New York zum Auftakt

In der Hauptstadt besuchte der Lehrgang zuerst die Deutsche Botschaft. Dort erfolgte eine Einordnung der derzeitigen sicherheitspolitischen Lage aus deutscher Sicht. An der National Defense University (NDU) nutzten die angehenden Admiral- und Generalstabsoffiziere die Gelegenheit, um in ausgiebigen Diskussionsrunden mit Vertretern des Verteidigungsministeriums, mit Journalisten, sowie mit Lehrenden und Studierenden der NDU ihre Standpunkte austauschen. Auf Themen rund um die Digitalisierung, Automatisierung und Robotik lag ein Augenmerk. Diese Technologien, die einen großen Einfluss auf die Wirtschaft und auf das Militär haben, wurden in den Zusammenhang mit dem Phänomen „Deglobalisierung“ gestellt. Eine Führung durch das Capitol-Building und der Besuch mehrerer Think Tanks rundeten das Programm in der Hauptstadt ab. In New York waren die Ständige Vertretung Deutschlands und die Vereinten Nationen der Dreh- und Angelpunkt. Die Generalversammlung und den Sicherheitsrat einmal „live“ zu sehen, war ein ganz besonderes Erlebnis. Den Abschluss in New York bildete der Besuch des Ground Zero und des 9/11 Memorials.

Die US NAVY in Jacksonville im Fokus

Zu Beginn der zweiten Reisewoche wurde die Mayport Naval Base in Jacksonville besucht. Im Heimathafen der vierten US Flotte hatten die Lehrgangsteilnehmer die Chance den Lenkwaffenzerstörer der Arleigh-Burke-Klasse „USS The Sullivans“ zu besichtigen. Im anschließenden Briefing nutzte der Befehlshaber der Fourth Fleet, Rear Admiral Sean Buck, die Gelegenheit, um die Aufträge und Herausforderungen im Einsatzraum des US Southern Command aufzuzeigen. Weitere Highlights waren die Besichtigung der neuen Aufklärungsdrohne MQ-4C Triton und eines P-8A Poseidon Seefernaufklärungsflugzeugs auf der US Naval Airbase.

Höhere US Kommandobehörden in Tampa

Im US Central Command (USCENTCOM) auf der McDill Air Force Base in Tampa gab der Leiter des Deutschen Verbindungskommando USCENTCOM, Brigadegeneral Schoy, einen ausführlichen Überblick über die deutsche Einbindung. Nachfolgend trug Lieutenant General Charles Brown, Deputy Commander USCENTCOM, zum Thema „Leadership“ vor. Seine Hauptbotschaft an die Lehrgangsteilnehmer lautete: „Articulate risk! And articulate the risk if you don`t act!“ Der kanadische General Major Millner referierte zum Thema „Coalitions“ aus Sicht eines J5 Deptuy Directors. Aus seiner Sicht kommt es zukünftig deutlich auf aktuelle und zukünftige Koalitionen an. Ein interessanter Werksbesuch bei einer F35 Produktionsstätte des Unternehmens Lockheed Martin rundete den Besuch des Lehrgangs in Tampa ab.

Südamerika und Küstenwache zum Abschluss

In Miami war es Frau Generalkonsulin Annette Klein, die den Lehrgang in die Besonderheiten Floridas einschließlich seiner deutschstämmigen Verbindungen eingewiesen hat. Sie legte dabei ein Augenmerk auf die aktuelle politische, ökologische sowie auf gesellschaftliche Situation in Florida und den USA. Die Ausbildungsreise fand ihren Abschluss durch einen Vortrag von Vertretern des US Southern Command sowie einen Besuch bei der US Coast Guard. Dabei wurde der Blick auf Südamerika und die Karibik gelenkt und Herausforderungen angesprochen, die im europäischen Denken weniger im Fokus stehen: zum Beispiel der weltweite Drogenhandel und die politische Situation in den südamerikanischen Staaten.

Gegenseitiges Verständnis

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die vielen Diskussionen und Gespräche des Besuchs das gegenseitige Verständnis und Vertrauen gefördert haben. Das bisher auf dem Lehrgang erworbene theoretische Wissen wurde durch einen Blick über den transatlantischen Tellerrand hinaus vertieft. Eine sehr gut durchgeplante Organisation und das hohe Engagement der Gastgeber bildeten dabei das Fundament des Erfolgs der Reise. Die dargebotene Hochwertigkeit der Vorträge und das Sammeln von Erfahrungen aus erster Hand machen die USA-Reise auch künftig zu einem wichtigen Ausbildungsabschnitt des Lehrgangs. Der nächste LGAN freut sich auf die Reise.