Autor: Dr. Horst Gossenauer-Marohn, Sandra Pathie, Rainer C. Lange, Jupp Verschüer ; Fotos: Jörg Barandat

Hamburg, 22.05.2018

Was tun? in der Gruppenarbeit …

Strategie und an welche Grenzen stößt dabei unser Gehirn?

Strategie und an welche Grenzen stößt dabei unser Gehirn?

Strategische Vorausschau, Denken auf Vorrat und gedankliches Probehandeln

SALU PRÄVENT: Body + Brain, kognitive Koordination in Theorie und Praxis.

SALU PRÄVENT: Body + Brain, kognitive Koordination in Theorie und Praxis.

Strategische Vorausschau, Denken auf Vorrat und gedankliches Probehandeln

Kooperation und Konkurrenz mit chinesischen Vorstellungen zum Greifen nahe.

Kooperation und Konkurrenz mit chinesischen Vorstellungen zum Greifen nahe.

Was tun? in der Gruppenarbeit …

Strategisches Denken verlangt Perspektive! Unter diesem einleitenden Motiv in der Einführung in das Seminarthema „Strategisch Denken – Hintergründe und Perspektive“ erweckte der Seminarleiter, Oberstleutnant i.G. Jörg Barandat, bei dem bunt gemischten Kreis von aktiven Soldaten, Reservisten und Vertretern aus Politik und Wirtschaft gleich zu Beginn eine große und anhaltende Neugier. Der Kreis der Interessierten fand sich zu diesem Modul an der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) für eine Woche zusammen. Dabei wurde in dem Seminar der Spannungsbogen von historischen Beispielen über Erkenntnisse aus der Kommunikationsforschung bis hin zu aktuellen strategischen Herausforderungen aufgespannt.

Umgangsformen in einer dynamischen Welt

„Der Dualismus Ost-West in der Bipolarität des so genannten Kalten Krieges mit der vermeintlichen  Vorhersehbarkeit von Entwicklungen war eine besondere Seltenheit in der Geschichte, in Politik, Macht und Krieg. In der heutigen Multiplexität der Welt gibt es Stabilität nur noch dynamisch!“, so führte Barandat seine Gedanken aus. Er erläuterte dies anhand von Beispielen und historischen Persönlichkeiten, die sich entlang wechselnder strategischer Rahmenbedingungen und Zielsetzungen seit dem 30-jährigen Krieg ergeben haben. Es kommt also darauf an, wie mit einer dynamischen Welt umgegangen werden muss. “We must dare to think 'unthinkable' thoughts. We must learn to explore all the options and possibilities that confront us in a complex and rapidly changing world.” Die Worte von J. William Fulbright, Senator of Arkansas (1905 bis 1995), markierten dabei so etwas wie den Ausgangspunkt dieser Seminarwoche. 

Erkenntnisse aus der Hirnforschung

Alle drei Sekunden beurteilt unser Gehirn die Lage neu: Diese und weitere Erkenntnisse aus der Hirn- und Kommunikationsforschung veranschaulichten deutlich, wie Manipulation und Einflussnahme im Zeitalter von Social Media irreführende Schlussfolgerungen herbeiführen kann. Nichts ist demnach so, wie es auf den ersten Blick erscheint! Die Grundlage zum Verständnis und der Herangehensweise an eine dynamische Welt bildeten Fachvorträge, in denen Methoden vorgestellt worden sind, deren Wirkungsweisen im Zuhörerkreis lebhaft diskutiert worden sind. 

Methodenvielfalt

So etwa das „Framing“, also die Einbettung von (politischen) Ereignissen und Themen in Deutungsraster, um komplexe Informationen selektieren und strukturiert aufbereiten zu können. Oder das so genannte „Nudging“, worunter eine Methode verstanden wird, das Verhalten von Menschen auf vorhersagbare Weise zu beeinflussen, ohne dabei auf Verbote und Gebote zurückgreifen oder ökonomische Anreize verändern zu müssen. Diskutiert wurde in diesem Zusammenhang auch das „Influencing“, eine bewusste, zielgerichtete Einflussnahme. Da das Gehirn nicht im Vakuum agiert, sondern koordinative und kognitive Fähigkeiten eng miteinander verwoben sind, wurden im Seminarteil „Body and Brain“ Techniken zur Erhaltung der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit nicht nur erklärt, sondern auch praktisch am eigenen Körper erlebbar gemacht. 

Beispiel Seidenstraßenprojekt

Nachdem im Seminar 2017 das Thema „Hybride Machtprojektion“ im Fokus strategischer Betrachtungen stand, war es in diesem Jahr das Seidenstraßenprojekt Chinas. Eine Einführung in die Zukunftsanalyse erschloss dabei einen gemeinsamen Blick in wahrscheinliche und mögliche Zukunftsentwicklungen mit dem Horizont auf das Jahr 2040. Die Vorstellung des zentralasienspezifischen, zukunftsanalytischen, ressortübergreifenden Projekts „SILK ROAD 2030“ des Planungsamtes offenbarte dabei die Vielzahl der Akteure beim „Wettlauf um Zentralasien“. Vertiefend am Beispiel der „Belt and Road Initiative“ wurde der Ausbau der globalen Verkehrsinfrastruktur in Asien, Afrika und Südamerika durch China unter strategischen Gesichtspunkten diskutiert und aus dem deutschen Blickwinkel reflektiert.

Strategische Herausforderungen für Hamburg

Am vorletzten Seminar-Nachmittag wurde der Hörsaal an Bord einer Hafenbarkasse verlegt. Ganz konkret konnten sich die Seminarteilnehmer im Rahmen einer Hafenrundfahrt unter sachkundiger Führung der Hamburger Hafenbehörde, „Hamburg Port Authority“, ein anschauliches Bild von den strategischen Herausforderungen in der Hafenwirtschaft der Metropolregion Hamburg machen.

Wissen reicht nicht

„Das Seminar hat uns bewusst gemacht, dass Wissen sammeln allein nicht reicht. Es muss auch bewertet werden können … und dazu gehört die Persönlichkeitsbildung! Das nötige Handwerkszeug dafür wurde uns durch das Seminar erfolgreich vermittelt.“ Mit diesen Worten fasste ein Seminarteilnehmer das Seminar zusammen. „Es war mehr als nur eine Horizonterweiterung!“ Wenngleich es wünschenswert gewesen wäre, ein Angebot der Führungsakademie an vertiefenden Folgeseminaren zu den in diesem Seminar eingeführten Themen, insbesondere zu historischen Strategien und strategischen Denkern und aktuellen strategischen Überlegungen zu erhalten, wurde das Seminar als großer Erfolg gewertet.

Weitere Informationen zum Modul 1007