Autor: Verena Hoffmann & Jonathan Scheffler; Fotos: Jonathan Scheffler / Katharina Roggmann

Hamburg, 21.03.2018

„Krisen verhindern, Konflikte bewältigen, Frieden fördern“, Admiral Stawitzki über seinen Auftrag der Lehre an der FüAk

„Krisen verhindern, Konflikte bewältigen, Frieden fördern“, Admiral Stawitzki über seinen Auftrag der Lehre an der FüAk

150 interessierte Zuhörer im Gneisenau-Saal

150 interessierte Zuhörer im Gneisenau-Saal

Elke Weber-Braun, Vorsitzende der Universitäts-Gesellschaft Hamburg - über Strategische Denkmuster in der Gesellschaft

Elke Weber-Braun, Vorsitzende der Universitäts-Gesellschaft Hamburg - über Strategische Denkmuster in der Gesellschaft

Roger Zörb, Vorsitzender der DAG, eröffnete die angeregte Diskussion mit allen teilnehmenden Zuhörern

Roger Zörb, Vorsitzender der DAG, eröffnete die angeregte Diskussion mit allen teilnehmenden Zuhörern

Die Redner des Abends: Stawitzki, Weber-Braun und Zörb

Die Redner des Abends: Stawitzki, Weber-Braun und Zörb

Ein abschließendes gemeinsames Gespräch zur Zukunft

 Ein abschließendes gemeinsames Gespräch zur Zukunft

 

 

 

 

Die strategische Vorausschau im Sinne einer methodisch fundierten und kontinuierlichen Auseinandersetzung mit denkbaren Zukunftsszenarien für die Sicherheitsvorsorge der Bundesrepublik Deutschland war eine der aktuellen Fragestellungen an der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw). Konteradmiral Carsten Stawitzki, Kommandeur der FüAkBw, stellte diese bei seinem diesjährigen Vortrag vor der Universitäts-Gesellschaft Hamburg in den Raum der rund 150 interessierten Zuhörer im Gneisenau-Saal des Manfred-Wörner-Zentrums in der FüAkBw.

Krisen verhindern, Konflikte bewältigen

"Wie kann die FüAkBw die verantwortlichen politischen und gesellschaftlichen Akteure dabei unterstützen, die Denkweisen der letzten 50 Jahre abzulegen und sich auf neue Wege der Entscheidungsfindung einzulassen", fragte Stawitzki die Gäste der Universitäts-Gesellschaft Hamburg, die in Kooperation mit der Deutschen Atlantischen Gesellschaft (DAG) in den Räumen der Führungsakademie ihre Tagung abhielten. Bezugnehmend auf das Weißbuch von 2016 und die Leitlinien der Bundesregierung (2017) „Krisen verhindern, Konflikte bewältigen, Frieden fördern“ gab Admiral Stawitzki Einblicke in seinen Auftrag der Lehre an der Führungsakademie der Bundeswehr im Kontext des politischen Willens Deutschlands.

Förderung von Sicherheit und Stabilität

„All dies kann nur auf Basis von Freiheit und Demokratie im Rahmen einer dauerhaften Friedenssicherung erreicht werden. Sicherheit im weitesten Sinne ist dabei ein wichtiger Faktor für den Erfolg für unsere gesamte Gesellschaft, insbesondere in Wirtschaft und Wissenschaft", so Elke Weber-Braun, Vorsitzende der Universitäts-Gesellschaft Hamburg. Laut ihr werden in einer Zeit, in der die Unsicherheit immer mehr Raum einnimmt und die Ursachen dafür vielfältig sind, alt hergebrachte Gewohnheiten teilweise überflüssig. Die Welt ist globaler und internationaler geworden.  "Konflikte und Megatrends beherrschen unser Zeitgeschehen in Europa und der ganzen Welt, aber auch in Deutschland", führt Weber-Braun weiter aus. Für sie müssen Verkrustungen beseitigt und Möglichkeiten geschaffen werden, strategische Denkmuster in allen Bereichen der Gesellschaft zu entwickeln, um aktiv das Weltgeschehen zu gestalten. Sie und Roger Zörb, Vorsitzender der DAG eröffneten so den Vortrag mit anschließender Diskussionsrunde für die circa 150 interessierten Gäste.

„Nicht bloß reagieren, sondern agieren“

Admiral Stawitzki, Gastgeber sowie Vortragender des Abends, nahm den Faden von Elke Weber-Braun auf und zeigte äußerst anschaulich, dass „die Zukunft vor uns liegt, aber nichts auf magische Weise von alleine passiert.“ Laut ihm ist bestimmt unser Handeln in der Vergangenheit die heutige Zeit oder von Stawitzki anders gesagt:„Um also das Morgen zu bestimmen, müssen wir die Antworten im Heute finden.“ Für ihn stellt sich unter anderem die Frage, wie wir Antworten auf die Krisen von morgen in einer Welt finden, die immer dynamischer, komplexer und unübersichtlicher wird – und die uns meist schon mit den heutigen Herausforderungen gänzlich in Beschlag nimmt. "Dies ist ein notwendiger Diskurs für alle gesellschaftlichen Akteure", so der Admiral weiter. In der FüAkBw, der höchsten Bildungseinrichtung der Streitkräfte der Bundeswehr, werden die künftigen Spitzenkräfte ausgebildet, um genau diese Antworten zu finden. Für den Admiral ist daher klar: "Wir müssen dabei heute schon genau wissen, was wir mit unseren Entscheidungen in der Zukunft erreichen wollen – wir müssen vom Endzustand her denken und uns stets die Fragen des Zieles stellen." Konkret benennt er das mit: „Was wollen wir erreichen, und was wollen wir verhindern?“„Um also das Morgen zu bestimmen, müssen wir die Antworten im Heute finden.“

Das Gefechtsfeld der Zukunft

Die Redner des Abends zeigten den Gästen anschaulich die Herausforderungen der Zeit auf, die sich in den letzten 50 Jahren verändert haben. Nach der symmetrischen Kriegsführung der Vergangenheit steht man heute den Herausforderungen der asymmetrischen, hybriden Kriegsführung und dem Cyber-Terrorismus gegenüber. Die globale Digitalisierung von Gesellschaften und Kontinenten birgt Gefahren von Cyber-Attacken und Blackouts, die in Verbindung mit Terrorismus und Staatszerfall als neue Herausforderungen der Zukunft für die Gesellschaft und damit auch in letzter Instanz für die Streitkräfte der Bundeswehr gelten. Hierbei müsse auch der Einsatz von autonomen Waffensystemen unter ethisch moralischen Gesichtspunkten abwogen werden.

Präventiv, umfassend und multilateral

„Der Lösungsansatz der Bundesregierung", so Carsten Stawitzki, "bietet uns einen ganzen Werkzeugkasten an Mitteln und Möglichkeiten, um zukünftigen Krisen frühzeitig zu begegnen und mit einem gemeinsamen Ansatz (comprehensive approach) Konflikte zu bewältigen und multilateral den Frieden zu fördern." Laut ihm muss klar sein: "Unilaterale Lösungen gibt es für Deutschland nicht.“  Der Admiral führte weiter aus, dass die Bundeswehr, als letztendlicher Gewaltexperte, einen glaubhaften Beitrag zur Sicherung des Friedens leisten kann, wenn er gefordert wird. Dafür ist es nach ihm jedoch notwendig, dass die Bundeswehr als Großorganisation, schnell und flexibel auf Umbrüche, beziehungsweise Änderungen reagiert, die Trägheit des Systems überwinden, sowie Veränderungen akzeptieren kann. „Die besten Prozesse nützen nichts, wenn der Mensch nicht vom Willen getragen ist, etwas zu tun", unterstreicht der Admiral seine Ausführungen.

Neue Wege zulassen – Mut zum Diskurs

An der FüAkBw geht man daher neue Wege, auch auftragsbedingt. Die Weiterentwicklung der Bundeswehr strategisch zu unterstützen obliegt auch ihr. Dazu hat die Akademie sich nach dem Besuch der Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen in 2016 unter dem Label „German Institute of Defence Strategic Studies“ (GIDS) mit der Helmut-Schmidt Universität in Hamburg zusammen getan, um einen Output-orientierten Gedanken des Think Tanks zum Leben zu erwecken. Die FüAkBw nutzt im Rahmen der Spitzenkräfteförderung den Think Tank der nationalen Lehrgänge für den Generalstabs-/Admiralstabsdienst (LGAN), um militärpolitische Antworten auf strategische Fragen der Zukunft zu liefern. Unter Betrachtung aller wirtschaftlichen und gesellschaftlichen, sowie nationalen und internationalen Akteure, gilt es zunächst, den Konflikt darzustellen, das Bedrohungspotenzial zu beurteilen und Folgerungen für das eigene Handeln zu erarbeiten.