Autor: Daniel Jarzynka; Fotos: Bundeswehr

Hamburg, 04.05.2017

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Informativer Austausch mit dem Lehrpersonal

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Diskussionen während der Operationsplanung

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Geschenkübergabe an Dr. Reilly vom ACSC

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The American Way of Life

 

 

 

 

 

Monatelange Vorbereitungen durch Luftwaffen- sowie teilstreitkraftübergreifende Übungen (sog. Joint Exercises) lagen bereits hinter der Luftwaffendelegation des Lehrgangs Generalstabs- und Admiralstabsdienst National 2015, bevor sie Ihr Können Ende März / Anfang April am US Air Command and Staff College (ACSC) unter Beweis stellen durften. Ganz unbekannt waren die amerikanischen Stabsoffiziere in Montgomery, Alabama für die Deutschen jedoch nicht, da bereits in 2017 eine US-Delegation an der Luftwaffenübung „AirEx“ in Blankenese teilgenommen hatte. So wurde die siebenköpfige deutsche Delegation unter der Führung des Bereichsleiters Luftwaffe, Herrn Oberst i.G. Saur, überaus freundschaftlich an der Maxwell Air Force Base begrüßt. Von Anfang an dabei war Dr. Jeffrey M. Reilly, der Leiter der US-amerikanischen Übungsserie.

Ein Blick in die Zukunft 

Die Studenten am ACSC werden in einem intensiven 10-monatigen Lehrgang auf Ihre nächsten Aufgaben als Luftwaffenstabsoffiziere vorbereitet, wobei ausgewähltes Personal die Möglichkeit erhält, eine dreimonatige operative Übungsserie zu durchlaufen. Die deutsche Delegation wurde dabei Teil eines Pilotprojektes und einer neu angelegten Übung, die sich schwerpunktmäßig auf ein fiktives Szenario im Nahen Osten fokussierte. Innovativ war die operative Planungsübung, da das Szenario in 2025+ spielte, moderne Waffensysteme verfügbar waren, die heutzutage erst in der Erforschung sind und letztendlich Fähigkeitsentwicklungen diverser Akteure extrapoliert wurden, die gegenwärtig nur rudimentär ausgeprägt sind.

„Multidomain Operations“ als Operationsführung der Zukunft 

Auf Grundlage des komplexen Zukunftsszenarios stellte die Übungsleitung zurecht die Frage, ob ein „Joint-Ansatz“ noch adäquat sein werde, um den künftigen Herausforderungen einer sich rasant weiterentwickelnden, operativen Umwelt zu begegnen. In den letzten Dekaden haben besonders die westlichen Luftstreitkräfte den entscheidenden Dominanzvorteil in Konflikten erzielt. Dieser Vorteil schmilzt jedoch in Anbetracht steigender Kosten für Luftfahrzeuge, sich schließender Fähigkeitslücken zu anderen Ländern der Welt und rasanter Weiterentwicklungen in den Bereichen Space und Cyberspace. Den Lehrgangsteilnehmern am ACSC war folglich die Aufgabe zugewiesen, eine „Multidomain Operation“ zu planen, um aus der wechselseitigen Beeinflussung unterschiedlicher Domänen die entscheidende Dominanz in der Missionsführung zu generieren.

Wargaming im Multidomain-Ansatz  

Den Übungsteilnehmern des ACSC und der deutschen Delegation, die auf verschiedene Arbeitszellen aufgeteilt wurden, oblag es nun, in einer Mixtur aus Wargaming und Operationsdurchführung eine Multidomain-Mission so durchzuführen, dass potente Gegner ihren konventionellen Vorteil nicht nutzen konnten. Dabei waren die Beiträge der Teilnehmer des LGAN 2015 äußerst gefragt. Als bislang unbeteiligte Dritte auf den Prozess, die Planungszyklen und die Missionsdurchführung blickend, wurden Einwände und Ergänzungen, teils ganze Planänderungen, bewirkt. Für die deutschen Teilnehmer zeichnete sich ebenso ab, dass das amerikanische operative Planungsverfahren Unterschiede zum operativen Planungsprozess der NATO aufweist. Diese Abweichungen regten zur kritischen Selbstreflexion des an der FüAkBw Erlernten an. So sah man sich bestätigt oder erkannte an entscheidenden Stellen Verbesserungspotential.

Die Südstaaten erleben und Freundschaften schließen 

Trotz des intensiven Übungsvorhabens sorgten die amerikanischen Kameradinnen und Kameraden für ein ansprechendes Freizeitprogramm, bei dem man sich abseits des operativen Planungsgeschäfts über persönliche Dinge und Belange austauschen konnte. Bowling, Pizzeria, Steakhouse und Barbecue waren mehr als geeignet dazu, sich gegenseitig kennenzulernen und den traditionellen Austausch erlebenswert zu machen. Interkulturelle Kompetenz wir somit erlebbar gemacht und weiterentwickelt. Das Begleitprogramm mit der aufwendigen Betreuung durch die amerikanischen Soldatinnen und Soldaten wie auch des zivilen Lehrpersonals, intensivierte die schon vorab empfundene deutsch-amerikanische Verbundenheit. Nach dem Übungsende ging es direkt nach Atlanta, von wo aus der Rückflug nach Deutschland angetreten wurde. Nach der Rückkehr am Sonntagabend wurden die Koffer ausgepackt und die Uniform wieder für die nächsten Tag präpariert, um am Montag mit leichtem Jetlag nahtlos in die Übung „Joint Endeavour“an der FüAkBw einzusteigen. Freilich nahmen dies die Teilnehmer gerne in Kauf, da die Übungsteilnahme in Alabama als voller Erfolg gewertet werden kann.