Autorin: Marie Kellermann

Fotografin: Laura Clayborn

Fregattenkapitän Cersofios und Major Etienot aus Argentinien erzählen von ihren Osterbräuchen

Oberstleutnant Gladzik erläutert seine Osterbräuche aus seiner Heimat Brasilien

Korvettenkapitän Kim und Major Shin erzählen von den Osterbräuchen aus ihrem Heimatland Südkorea

 

 

Ostereier bemalen und für die Kinder verstecken, in die Kirche gehen und am Karfreitag Fisch essen. So feiern viele deutsche Bürgerinnen und Bürger das Osterfest. Aber wie feiern eigentlich unsere internationalen Gäste an der Führungsakademie Ostern? Wie sieht es zum Beispiel in Südamerika aus, wie wird dort gefeiert?

„Ja, in Argentinien feiert man Ostern“, beginnt der Argentinier Fregattenkapitän Cersofios auf die Frage, ob sie auch das Osterfest feiern, „und sie nehmen [sich] Zeit dafür, Donnerstag und Freitag, wird jeden Tag eine besondere Feier in der Kirche ausgerichtet“. Er erzählt, dass der religiöse Aspekt der Ostertage früher eine große Rolle spielte und der Großteil der Bevölkerung die Gottesdienste in der Kirche besuchte. Die Bedeutung sei heutzutage keine geringere und noch immer würden viele in die Kirche gehen, aber die meisten nutzten die Zeit inzwischen, um zu verreisen, ob zu Freunden und Familie, oder um Urlaub mit den Liebsten in der Ferne zu genießen.

Major Etienot, ebenfalls aus Argentinien, ergänzt im Gespräch. „Normalerweise dürfen wir am Freitag kein Fleisch essen. Das ist ein Problem in Argentinien, weil wir Fleisch lieben“, lacht er. Also wird in Argentinien am Karfreitag, wie auch in Deutschland oft Fisch gegessen. Karfreitag erinnert an den Todestag Jesus‘. Deswegen soll an diesem Tag nicht gefeiert, nur wenig gegessen, keine Musik gehört als auch kein Alkohol getrunken werden.

„Wir besuchen sieben verschiedene Kirchen zu Fuß, in jeder Kirche beten wir. Das ist eine normale Tradition, die die ganze Familie lebt.“ Die Zahl sieben habe in der Bibel eine besondere Bedeutung, erklärt Etienot, daher auch der Besuch in so vielen Kirchen.

Ein weiterer Unterschied zu Deutschland seien die offiziellen Feiertage. In Deutschland sind der Karfreitag sowie der Ostermontag gesetzliche Feiertage, in Argentinien der Gründonnerstag und Karfreitag, am Montag gehe es eben wieder zurück zur Arbeit oder in die Schule.

„Argentinische Kinderaugen leuchten zu Ostern. Sie bekommen die Schokoladeneier und kleine Geschenke. Dazu essen wir einen traditionellen runden Osterkuchen, hält Major Etienot abschließend fest.

Argentinien hat bereits sehr viele Gemeinsamkeiten mit der deutschen Osterkultur. Wie sieht es im Nachbarland Brasilien aus? „Ich denke, dass Ostern sehr ähnlich gefeiert wird , im Vergleich zu Deutschland“, überlegt der Brasilianer Oberstleutnant Gladzik. „Die Mehrheit in Brasilien sind Christen. Brasilien ist das größte katholisch geprägte Land der Erde. Daher wird auch hier im Großteil des Landes Ostern gefeiert.“

Gladzik erklärt: „Es gibt zwei Seiten von Ostern. Die eine ist religiös, die andere ist wirtschaftlich.“ Die einen feiern mit der Familie, die anderen verreisen. „Auch hier wird der Karfreitag als Trauertag gesehen, an dem man traditionell Fisch isst. Auf keinen Fall Fleisch, aus Respekt vor Jesus Christus“, erklärt mir der Oberstleutnant. Am Samstag würde dann mit der Familie gefeiert und, wie in Deutschland, bringe der Osterhase die Schokoladeneier für die Kinder, die diese dann eifrig suchten.

„Einige Brasilianer fasten auch 40 Tage vor Ostern“, erzählt Gladzik, „sie verzichten auf Partys, Alkohol und bemühen sich, nicht zu viel zu essen. Auch im Studium versuche man, nicht zu viel Zeit allein darauf zu konzentrieren.“

Das brasilianische Osterfest ähnelt nicht nur dem, des Nachbarn Argentinien, sondern auch unserem deutschen Osterfest. Wie es wohl in Asien gefeiert wird und ob es überhaupt dort gefeiert wird?

Major Shin und Korvettenkapitän Kim aus Südkorea sind Christen und damit nicht allein in ihrem Land. „Ungefähr ein Drittel der Bevölkerung ist christlich geprägt“, beginnt Shin, „ungefähr 18 Prozent sind Christen und ca. 15 Prozent sind katholisch. Der Rest sind […] Nicht-Christen und deswegen gibt es keine offiziellen Feiertage bei uns.“ Vor dem Hintergrund verreise man hier nicht und die öffentlichen Veranstaltungen und Zeremonien beschränkten sich hauptsächlich auf das Wochenende.

Korvettenkapitän Kim isst selbst sehr gern Ostereier und geht, mit seiner ebenfalls christlichen Frau, in die Kirche. Freudig erzählt er: „Die anderen Religionen respektieren diese Tage.“ Es gäbe auch keine heimischen Feiertage, die sich mit Ostern überlappen. „Koreanische Feiertage sind abhängig von [dem] Mondkalender, nicht [von der] Religion wie in Westeuropa“, beschreibt Major Shin. Ostern habe eher eine kleinere Bedeutung im Vergleich zu ihren wichtigsten Feiertagen, Neujahr und dem Erntedankfest im Herbst.

In den Wochen vor Ostern werde in Teilen gefastet, um die Entbehrungen Jesus Christus nachempfinden zu können, berichtet Shin.

Am Osterwochenende bitte ein Pfarrer schon um fünf Uhr morgens zum Gebet, wobei so viele Personen wie möglich in die Kirche gelassen werden, um gemeinsam zu beten. Die Kirche bereite zusätzlich eine Kantate vor. „Die Werke von Händel sowie den Gesang und die Zeremonie, die Jesus Christus gewidmet ist, bereiten wir vor. “Die Kirche macht das wirklich sehr professionell. Zuweilen wird neben der Kantate ein Filmstück von Jesus Christus gezeigt, damit wir uns bildhaft vorstellen können, was Jesus Christus in dieser Zeit erlebt hat“, berichtet der Major, „alle Zeremonien und Veranstaltungen finden ihr Ende am Ostersonntag.“ Die vielen Kinder in der Kirche bekommen Schokoladeneier und hören noch einmal die Ostergeschichte.

Ob Argentinien, Brasilien, Südkorea oder Deutschland. Ostern wird im großen Rahmen unabhängig von der Nation ähnlich gefeiert. Fisch am Freitag, der Hase bringt die Ostereier und die Kinder freuen sich über die schokoladene Überraschung.

 

Die Führungsakademie der Bundeswehr wünscht frohe Ostern!