Autor: Norbert Stäblein; Fotografin: Lene Bartel

Hamburg, 13.03.2019

General Eberhard Zorn und Korvettenkapitän Gunnar Lux gehen in die Tiefe des Sachgebiets

Komplexer Hintergrund und offenes Gespräch

Oberfeldarzt Uwe Unkelbach stellt sie Sahel-Zone vor

Er sprach davon, in der Bundeswehr zu lüften und brachte jede Menge frischen Wind mit: General Eberhard Zorn, Generalinspekteur der Bundeswehr, besuchte die Lehrgangsteilnehmer an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg, um ihnen vorzustellen, welchen Weg die Bundeswehr gehen muss und um gleichzeitig die Initiative eines jeden einzelnen einzufordern. „Gehen Sie fröhlich, entscheidungs- und verantwortungsfreudig in Ihre jeweiligen Aufgaben“, lautete ein Appell. Er scheute aber auch nicht davor zurück, eine ehrliche Sachstandsbeschreibung über Dienst, Organisation, Motivation und Material in der Truppe an die Soldatinnen und Soldaten heranzutragen und sich mit ihnen darüber auszutauschen.

Information von der Quelle holen

Zorn, seit April 2018 Generalinspekteur, holt sich bei Überraschungsbesuchen in den Standorten der Bundeswehr Informationen direkt an der Quelle, ohne Ankündigung und Protokoll. Diese wertet er aus und komplettiert sein Lagebild. Aus diesem „Insiderwissen“ und den Fakten aus ministeriellen Arbeiten, politischen Vorgaben und Stabsarbeit leitet er seine Folgerungen für das Ministerium, für die Teilstreitkräfte und Organisationsbereich der Bundeswehr ab. Beim Material, in den Medien oft gescholten, ging es um ein gemeinsames Verständnis: „Die Zukunft ist geplant, der Kern liegt im heute“, rief er angehenden Stabsoffizieren, den Bataillonsführern und Entscheidern zu. Die Materialbeschaffung dauere jedoch lange, weil Fachpersonal, besonders Juristen fehlen, um Verträge auszuhandeln und abzuschließen. Das wirke sich auf den Dienst, aber auch in der öffentlichen Wahrnehmung aus.

Öffentlich verständlich sein

Gerade der Wahrnehmung der Bundeswehr in der Gesellschaft widmete sich General Zorn mit Nachdruck. Dabei ging es ihm um den Dienst der Soldaten in Deutschland und im Einsatz, aber auch um die Wahrnehmung der Sicherheitslage im eigenen Land. Mit der Annexion der Krim und der aktuellen Vorkommnissen im Asowschen Meer haben sich die Bedingungen wieder verändert, Cyberbedrohung und die Landesverteidigung seien Themen. „Wie erklären wir unseren Dienst, Sicherheits- und Verteidigungspolitik der Bevölkerung“, fragte er rhetorisch, um gleich darauf die jungen Chefs von Morgen zu ermutigen: „Erklären Sie es den Bürgern, egal wo Sie sind“.

Mit Mut in den Dienst gehen

Mut machte der Generalinspekteur immer wieder. Mut zum Entscheiden, zum Handeln, zu sachlicher Kritik. „Wenn Sie merken, dass es keine Entscheider gibt, dann suchen Sie die Entscheidung“. Zorn verstärkte dies, indem er den Offizieren sein Ziel, „den Handlungsspielraum auf den unteren Ebenen wieder zu erweitern“, sinnbildlich ins Pflichtenheft schrieb. Auch den Abbau von Bürokratie forderte er ein. Mit Erwartungen wie diesen stieß er sofort auf offene Türen bei den Teilnehmern des Basislehrgangs Stabsoffiziere, des Lehrgangs General- und Admiralstabsausbildung National (LGAN), und auch bei den internationalen Soldaten.

Im Lehrgang konkret werden

Die Teilnehmer des LGAN konnten am Nachmittag den Stand ihrer Studienphase mit dem Schwerpunkt Afrika vorstellen. Vor dem Hintergrund des Afrika-Konzepts der Bundesregierung beschäftigen sich die Soldaten im LGAN mit dem Kontinent. In Arbeitsgruppen erstellen sie Länderspezifische Analysen über Geografie, Kultur, Bodenschätze und Aspekte, die Chancen und Risiken des jeweiligen Landes, aber auch die Initiative Deutschlands betreffen. Ziel ist es, eine konkrete Handlungsanweisung für militärische Entscheidungsfindungen für den jeweiligen Staat zu erstellen. Der Generalinspekteur stellte fest, dass an der Führungsakademie, der höchsten militärischen Ausbildungseinrichtung der Bundeswehr, die Lehrgangsteilnehmer praktische Erfahrung sammeln und zugleich strategisches Management lernen. Das sei die beste Ausbildung der zukünftigen Entscheider.

Immer wieder Wissen abfragen

General Zorn nutzte die kleinen Gruppen und die Nähe zum Einzelnen, um intensive Gespräche zu führen. So gab er Tipps, wie die Handlungsanweisung konkret werden könne: „Nutzen Sie bitte das Wissen Ihrer erfahrenen Einsatzkameraden, die beispielsweise aus Mali zurückkommen“. Die Lehrgangsteilnehmer wiederum nahmen die Forderungen des Generals zur Entscheidungsfreude auf und erklärten, dass Lehrgangsteilnehmer aus afrikanischen Staaten angesprochen würden, um Informationen aus erster Hand zu erhalten.