Autor: Verena Hoffmann & André Tiburcio; Fotos: Torsten Näther

Kalkar, Wittmund, Schortens, 06.11.2018

CH 53 bei der Abholung von Truppen

Erfolgreiche Bekämpfung beim Dynamic Display

Gruppenbild des LGAN 2017 der Führungsakademie

 

Verlegung mit dem A400M

Von Hamburg ins Wunderland, von Kalkar nach Wittmund, von Wittmund nach Schortens und von dort zurück nach Hamburg. In drei Tagen reiste der Lehrgang Generalstabsdienst/Admiralitätstabsdienst National (LGAN) 2017 der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg (FüAkBw) in der zweiten Oktoberhälfte zu unterschiedlichen Luftwaffenstützpunkten in der Bundesrepublik Deutschland. Die Reise wurde von Major André Tiburcio organisiert, der selber ein Lehrgangsteilnehmer im LGAN ist. Das Ziel war es gewesen, den Lehrgangsteilnehmenden einen Einblick in die Fähigkeiten der Luftwaffe zu ermöglichen. Die Fortbewegungsmittel waren so vielfältig und abwechslungsreich wie das Wetter. Ob mit dem Reisebus, dem A400M oder dem CH 53: Es wurden keine Mühen gescheut, um innerhalb der kurzen Zeit den größtmöglichen Erfahrungsgewinn zu gewährleisten.

Die Luftwaffe ist mehr als nur der Einsatz von Flugzeugen

Bereits im Vorfeld der Luftwaffenreise setzten sich die internationalen Lehrgangsteilnehmer sowie Heeres- und Marineuniformträger mit den Fähigkeiten der Luftwaffe im Seminar „Kernfunktionen von Luftmacht“ auseinander. Dort entwickelten sie ein gemeinsames Verständnis von der Luftwaffe und ihren Fähigkeiten anhand von praktischen Beispielen. Generalleutnant Helmut Schütz, kommandierender General des Luftwaffentruppenkommandos, läutete die Luftwaffenphase an der Führungsakademie ein. Er beleuchtete die aktuellen Herausforderungen aus Sicht der höheren Kommandobehörde.

Luftwaffe im internationalen Einsatz

Die zahlreichen Beispiele aus den vergangenen und aktuellen Einsätzen, an denen die Luftwaffe beteiligt ist und war, zeigten, dass die Herausforderungen der Luftwaffe weit über den Einsatz von Luftfahrzeugen hinausgehen. So waren Objektschutzkräfte der Luftwaffensicherungstruppe über Jahrzehnte im Kosovo bei der Operation KFOR eingesetzt und sichern aktuell das Feldlager in Gao, Mali, im Rahmen der UN-Mission MINUSMA. Dort betreibt die 1./Flugabwehrraketengruppe 61 das Waffensystem MANTIS mit der Fähigkeit „Sense & Warn“. Dieses System wird für die Frühwarnung vor Mörserangriffen auf das Feldlager genutzt.

Vom Tornado und Hubschraubern

Um diese Systeme und Fähigkeiten näher kennenzulernen, konnten sich die Lehrgangsteilnehmenden des LGAN am Standort Schortens diverse Luftfahrzeuge – wie einen Tornado, diverse Hubschrauber oder eine Transall – aus der Nähe anschauen.  Zudem erlebten sie eine dynamische Leistungsschau der Brandschutzkräfte und des infanteristischen Objektschutzes. Das hoch motivierte und qualifizierte Personal stand einen ganzen Nachmittag bereit, um die vielfältigen und zahlreichen Fragen der interessierten Lehrgangsteilnehmenden zu beantworten. Die Fachkräfte am Standort freuten sich über das Interesse und erklärten eindrucksvoll, welche Fähigkeiten die bodengebundene Luftverteidigung und der infanteristische Objektschutz aufweisen müssen.

Aber ganz ohne Fliegen geht es in der Luftwaffe nicht!

Aber was ist eine Luftwaffenreise ohne Flugzeuge? Für das Verständnis über die Grundsätze der Führung von Luftoperationen war gleich zu Beginn der Reise eine Besichtigung der dafür vorgesehenen, aktiven Führungseinrichtungen der Bundeswehr in Kalkar und Uedem ein Pflichtprogramm. In Vorträgen über die Aufgaben des Joint Force Air Component  Headquarters (JFACHQ) wurde erklärt, wie sich eben dieser verlegefähige, multinational zusammengesetzte Luftwaffengefechtsstand zur Führung von Luftstreitkräften zusammensetzt. Gleichzeitig wurde die Relevanz multinationaler Zusammenarbeit verdeutlicht.

Vogelflug mit der A400M

Mit den Bildern aus der Operationszentrale der Luftwaffe im Kopf ging es mit dem A400M trotz schlechter Wetterbedingungen und Vogelflug nach Wittmund. Beim Taktischen Luftwaffengeschwader 71 „Richthofen“ wurden keine Mühen gescheut, den Lehrgangsteilnehmenden eine Luftwaffe zum Anfassen zu bieten. Die Übung Significance of National Air Power (SNAP) 2018, bei der die Luftwaffe zeigte, wie in einer verbundenen Luftoperation deutsche Staatsbürger aus einer Krisensituation evakuiert werden, zeugte vom Zusammenwirken der Luftstreitkräfte im gesamten Intensitätsspektrum mit all ihren Flugzeugmustern. Aber nicht nur das. Die verschiedenen Luftfahrzeuge standen zudem zum Anfassen und Kennenlernen bereit. Für den einen oder anderen war sogar ein Rundflug mit dem Transporthubschrauber CH 53 möglich. Und die Kameraden, denen das Beobachten der Flugzeuge und das Mitfliegen nicht ausreichte, durften im Eurofighter Flugsimulator selber einmal die Kontrolle über den Stick  übernehmen. Die Reise war Luftwaffe zum Anfassen.