Fünf Akademien – ein Ziel

 

Jedes Jahr im Oktober findet eine Arbeitsgruppen- und Steuerungsgruppensitzung der C5 statt (Erklärung der Redaktion: C5 steht für die Führungsakademien in Spanien, Italien, Großbritannien, Frankreich und Deutschland). Diesmal waren die Vertreter zu Gast an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg. Neben dem Treffen im Oktober findet auch einmal jährlich eine Kommandeurssitzung statt. Auch diesmal standen unter anderem wieder die gemeinsame Übung CJEX sowie Wege für eine engere Kooperation auf der Agenda. Die Redaktion sprach dazu mit Oberst d.G. Michael Exeli. Er ist Dozent an der Fakultät Einsatz, CIR, SKB und leitet regelmäßig die Übung.

 

Foto:Oberst Michael Exeli im Gespräch mit der Redaktion/Fotografin Lene Bartel

Foto:Oberst Michael Exeli im Gespräch mit der Redaktion Fotografin Lene Bartel

 

Herr Oberst d.G. Exeli, zunächst einmal: Was haben wir uns unter dem C5-Treffen vorzustellen?

Wir arbeiten schon seit mehreren Jahren eng mit unseren Partnerakademien in Großbritannien, Frankreich, Spanien und Italien zusammen. Wir führen beispielsweise jährlich die multinationale und streitkräftegemeinsame Hochwertübung CJEX für unsere General- und Admiralstabslehrgänge durch. Aber das ist nur ein Punkt. Es gibt mehrere Treffen im Jahr, um die gemeinsame Übung zu koordinieren, aber auch um andere Felder der Kooperation zu identifizieren und auszubauen. Gleichzeitig halten wir uns so auf dem Laufenden, was die jeweils anderen Akademien auf der Agenda haben und planen.

Können Sie kurz skizzieren was CJEX ist?

Das ist eine Übung während unseres zweijährigen Lehrgangs für Generalstabs-/Admiralstabsdienst National (LGAN), die wir gemeinsam mit unseren Partnerakademien in Großbritannien, Spanien und Italien durchführen. Frankreich ist ja leider seit letztem Jahr nicht mehr bei dieser Übung dabei. CJEX bringt den Teilnehmenden multinationale Zusammenarbeit nahe aber auch den streitkräfteübergreifenden Einsatz von Truppen in einer Krisensituation. Das Besondere ist, dass Delegationen der befreundeten Akademien die Führungsakademie besuchen und auch wir Delegationen zu den drei verbleibenden Partnerakademien schicken. Von unserem LGAN werden nächstes Jahr rund 25 Offiziere pro Delegation in eine der Partnerakademien versendet. Insgesamt sind dann etwa 75 unserer Lehrgangsteilnehmenden unterwegs. Aus den Partnerakademien kommen rund 45 Offiziere zu uns, außerdem 15 Amerikaner und kleinere Delegationen aus Ungarn, Polen und Bulgarien, um hier an der CJEX mitzuwirken. Darüber hinaus erwarten wir einen Besuch vom Baltic Defense College. Das Baltic Defense College wir wahrscheinlich zukünftig auch an der Übung teilnehmen.

Was haben Sie im Oktober genau zu CJEX besprochen?

Nächstes Jahr findet die Übung von 4. bis 14. Mai statt. Ganz wichtig ist uns dabei – wie schon erwähnt – der multinationale Ansatz. Das Szenario der Übung passen wir jedes Jahr ein bisschen an. Im Oktober legen wir auch immer die Termine für die Übungen in den darauffolgenden Jahren fest. So haben wir beispielweise den Termin für 2021 bestätigt und für 2022 festgelegt. Außerdem haben wir noch Termine vereinbart, um die Details für die nächstjährige CJEX zu besprechen. Allerdings war CJEX nur einer der Punkte, über den wir gesprochen haben.

Worüber haben Sie noch gesprochen?

Bei diesen Treffen geht es auch immer darum, wie wir noch enger kooperieren können. Das betrifft insbesondere die Ausbildung und Lehre – denn hier können wir gegenseitig voneinander profitieren. Im Bereich unseres hochwertigsten Lehrgangs, des LGAN, besteht seit mehreren Jahren die Kooperation für den Bereich multinationale Zusammenarbeit und Streitkräfteeinsatz mit der Übung CJEX. Es gibt aber weitere Bereiche wie zum Beispiel Sicherheitspolitik, internationale Partner oder die Projektarbeiten der Lehrgangsteilnehmenden des LGAN, in denen wir uns künftig enger austauschen könnten.

Gibt es da eine konkrete Vorstellung?

Einerseits werden wir gemeinsame Interessen in der Ausbildung betrachten. Dazu werden wir gemeinsam alle Lernpläne der Akademien genau analysieren und daraus Zusammenarbeitsfelder ableiten. Vorstellbar wäre auch eine Art kleiner „Denkmuskel“, den wir gemeinsam implementieren und der die zukünftigen Herausforderungen unter anderem für die operative Führung bearbeitet und daraus Ableitungen für die Lehre trifft. Es geht hier insbesondere um die inhaltliche Weiterentwicklung der Ausbildung. Es gibt viele künftige Herausforderungen, mit denen sich alle Akademien im Rahmen ihrer Ausbildung und Lehre auseinandersetzen müssen. Sei dies nun die Implementierung von Künstlicher Intelligenz, Automatisierung, Robotik, moderne Waffensysteme oder Ähnliches. Aber auch Fragen wie beispielsweise, welche Veränderungen in künftigen Konfliktfeldern und in der Kriegsführung durch die komplexe Zunahme hybrider Bedrohungen anstehen? Wie geht man mit der neuen Dimension Cyber um? Oder wie entwickelt sich die europäische Zusammenarbeit der Streitkräfte vor dem Hintergrund der Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik auf europäischer Ebene? Wie sie sehen, gibt es genug zu tun.

Wie gehen Sie jetzt weiter vor?

Wir werden bereits Ende November einen weiteren Workshop auf Arbeitsgruppenebene durchführen. Dort wollen wir die Kooperationsfelder, ohne uns vorerst irgendwelche Schranken zu setzen, definieren. Es steht nur eine Frage im Mittelpunkt: In welchen Bereichen könnten wird enger kooperieren.  Danach werden wir einen Rahmenvertrag erarbeiten, der sowohl bereits bestehende Kooperationen wie CJEX aber auch neue Kooperationen regelt. Im kommenden Jahr im Sommer soll der Rahmenvertrag dann zur Kommandeurssitzung vorgelegt werden. Wir wollen uns damit inhaltlich zukunftsorientiert aufstellen und die Ausbildungsziele gemeinsam angleichen, um noch besser zusammen zu arbeiten.

 

 

Autorin: Führungsakademie der Bundeswehr/Victoria Eicker