SKB-Wochen an der FüAkBw-

Mit fester Grundlage einsatzbereit

Autor: Autorenteam FüAkBw; Fotografin: Lene Bartel

Hamburg, 21.02.2019

Viel Inhalt - viel mitschreiben

Aufmerksamkeit war den Referenten garantiert

Viele Zwischenfragen erweitern die Information

Die Komplexität der SKB führte immer wieder zu Zwischenfragen und Anmerkungen

Generalleutnant Martin Schelleis führte in die umfangrieche Materie der SKB ein

Neben Vorträgen gab es auch praktische Darstellungen

Schneeschippen im Januar? SKB. NATO-Kolonne durch Deutschland? SKB. Beratung im Umgang mit gefährlichen Stoffen? SKB. Wieviel Expertise sich hinter diesen drei Buchstaben verbirgt, erfuhren die angehenden Generalstabsoffiziere an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg, wo Angehörige der Streitkräftebasis (SKB) zwei Wochen lang Einblicke in die zahlreichen Aufgaben und Möglichkeiten dieses Organisationsbereiches der Bundeswehr gaben. Die Streitkräftebasis allein ist mit ihren Tätigkeitsfeldern so umfangreich und spannend, dass sich die Teilbereiche selbst vorstellen. Neben dem Inspekteur der Streitkräftebasis präsentierten die jeweiligen Kommandeure ihren Fachbereich den Teilnehmern der Lehrgänge.

Fachwissen und Werbung

Ihre fachlichen Erläuterungen nutzten die Vortragenden der SKB auch zur Werbung für ihren Organisationsbereich. Die angehenden Generalstabsoffiziere fänden hier anspruchsvolle Verwendungen, war einhelliger Appell. Die SKB-Wochen eröffnete der Inspekteur der SKB, Generalleutnant Martin Schelleis. In seinem Überblick zeigte er zunächst auf, wie viele Mitarbeiter unterschiedlicher Statusgruppen in der SKB Dienst tun und wen oder was sie in der Bundeswehr mit ihrem Dienst unterstützen. „Zentraler Unterstützer und Enabler der Bundeswehr“ überschrieb er diese Darstellung. Die hatte es in sich, musste Schelleis doch die vernetzten Aufgabenbereiche von der nationalen Ebene bis in die Einsätze vorstellen.

Nationales und Internationales verbinden

Der Inspekteur SKB stellte zugleich die aktuellen Schwerpunkte seines Bereichs vor. Als Nationaler Territorialer Befehlshaber müsse er in Deutschland jegliche Unterstützung für nationale und multinationale Streitkräfte bereitstellen und koordinieren. Was sich zunächst harmlos liest, beinhaltet jedoch eine immense Operationsarbeit. So beispielsweise bei den Märschen von Truppen nach Norwegen oder der Übung ATLANTIC RESOLVE im Januar 2017.
Ist dies schon umfangreich genug, so ist die SKB für die Ausdifferenzierung des Heimatschutzes in der Verantwortung. In der Bezifferung des Kräftebedarfs kommen hierzu noch die Überlegungen der Einbindung von Reservedienstleistenden und der Blick in die nahe Zukunft; Stichwort Landesregimenter.

Logistik weit im Voraus denken

Nach der Einführung kamen Kommandeure unterschiedlicher Teilbereiche der SKB zu Wort. Zunächst setzten die Logistiker Akzente. Ihre Kernaussage: „Durchgängiges logistisches System von der Basis in Deutschland bis in die Einsatzräume durch Zusammenfassung aller Kräfte und Mittel aus der Basislogistik, Einsatzlogistik und durch Leistungen Dritter“. Liest sich einfach, bedeutet aber, dass vor dem Beginn einer Übung, einer Operation oder eines Einsatzes geklärt sein muss, dass erstens die Truppe vollumfänglich mit allem notwendigen Material versorgt ist und zweitens alle Bewegungen sicher und zeitgerecht im Inland und in allen anderen Gebieten bis hin zum Einsatzgebiet möglich sind. Dies gelte es ebenso sicherzustellen, wenn im Bündnis geübt würde.

Material, Sprit und Wasser

Die Kommandeure des Logistikkommandos der Bundeswehr und des Logistikzentrums der Bundeswehr zeigten damit den Lehrgangsteilnehmern auf, in welcher Komplexität die SKB denken und handeln muss. Damit das System Dienstleistung aber rund läuft, sind noch viele weitere Aspekte einzubeziehen. So erklärte der Kommandeur des ABC-Abwehrkommandos der Bundeswehr, dass der Begriff ABC für Atomar/Biologisch/Chemisch nicht alles umfasse, was sein Bereich verantworte. „Wir sind auch für die Trinkwasserversorgung mit einer Qualität wie in Deutschland zuständig“. Und ABC würde erweitert um die Beratung zu Gefahrstoffen allgemein.

Material erhalten oder reparieren

Bei all den großen Planungen ist in der Logistik zu bedenken, dass genutztes Material starken Beanspruchungen ausgesetzt ist. Damit es so lange wie möglich einsatzbereit bleibt, hat die Heeresinstandsetzungslogistik GmbH HIL bei sogenannten landgestützten Systemen wie Fahrzeugen und Waffen die Verantwortung. Ihr Ziel ist es, die Verfügbarkeit von Systemen sicherzustellen, was auch die kontinuierliche Prüfung von möglichen Verbesserungen am Gerät sowie die Kostenkontrolle beinhaltet. Dazu muss die HIL koordinieren, wann welches Material in welche Instandsetzungseinrichtung gebracht werden muss und wie Ersatzteile vorrätig sein müssen.

Die Menschen immer im Mittelpunkt

Mit dem Beitrag des Kommandeurs  des Kommandos Territoriale Aufgaben der Bundeswehr rückte der Fokus wieder auf die Menschen. Soldaten seien in Deutschland in der Fläche zwar rar. Aber bei Schneechaos oder Waldbränden, bei Überflutungen oder Sturmschäden stünden sie neben anderen Hilfskräften im Mittelpunkt. Nicht zuletzt weil sie schnell strukturierte Kräfte mit schwerem Gerät in den Einsatz brächten. Das sei möglich, weil das Grundgesetz die Hilfeleistung erlaube: „Alle Behörden des Bundes und der Länder leisten sich gegenseitig Rechts- und Amtshilfe“. Dies zu koordinieren und einzuspielen sei ein Teil der Territorialen Aufgaben. Genauso sei das Kommando aber auch eingebunden in die zuvor erwähnten Marschplanungen mit eigenen und alliierten Truppen, in die Planungen der Verwendung von Reservisten in Deutschland.

Soldaten sind immer im Gespräch

Wie wichtig diese Koordination ist, kam im Beitrag des Kommandeurs Zentrum Zivil-Militärische-Zusammenarbeit ZMZ heraus. Die Bundeswehr muss ihren militärischen Auftrag bei Einsätzen im Ausland inmitten der Bevölkerung und im engen Verbund mit nationalen und internationalen Organisationen erfüllen. Um dies sicherzustellen, ist das Zentrum in der Lage, wissenschaftlich zu analysieren, alle Dienststellen fachlich zu beraten und die für ZMZ vorgesehenen Soldaten auszubilden.

NATO Kommando in Ulm

Den Abschluss bildete der Vortrag des Befehlshabers des Multinationalen Kommandos Operative Führung (MN KdoOpFü) in Ulm. Dem Kommando unterliegt die Bereitstellung von Personal und Material zur Planung und Führung multinationaler Einsätze der Land, Luft- und Seestreitkräfte der Europäischen Union und der NATO. Die NATO-Zertifizierung erfolgte im Mai 2018, während der Übung Trident Juncture wurde dem Kommando die Befähigung erteilt, multinationale und teilstreitkräfteübergreifende Einsätze zu planen und zu führen. Seither gilt ein Jahr lang die Rufbereitschaft, im Ernstfall NATO-Kräfte mit bis zu 60.000 Soldaten zu führen.

Kommandozentrum für Mobilität

Im Juni 2018 folgte die Entscheidung der NATO-Mitglieder, in Ulm eines der beiden neuen NATO-Kommandos einzurichten: das Joint Enabling and Support Command (JSEC). Das JSEC untersteht bei Aktivierung dem militärstrategischen NATO-Hauptquartier Supreme Headquarters Allied Powers Europe – auch SHAPE genannt. JSEC wird zuständig für Truppen- und Materialtransporte sowie deren Schutz und Einsatzbefähigung in ganz Europa sein. Die Grundbefähigung soll im Oktober 2019 stehen, die volle Einsatzbereitschaft im Oktober 2021.

Die Militärpolizei in der SKB

Die umfangreichen Fähigkeiten der Feldjäger konnten sich die angehenden Generalstabsoffiziere im Zuge einer Ausbildungsreise zum Kommando Feldjäger nach Hannover anschauen. Auf einer Stationsausbildung stellten die Feldjäger ihre Handlungs- und Ausbildungsmöglichkeiten dar. Zugleich erläuterten sie die Möglichkeiten zur Unterstützung der Disziplinarvorgesetzten in der Truppe.

Zusammenarbeit zwischen Bundeswehr und zivilen Kräften

Aufgrund der Rolle des Inspekteurs der Streitkräftebasis als Nationaler Territorialer Befehlshaber kamen auch die Stellen der gesamtstaatlichen Sicherheitsvorsorge zu Wort. Der Vertreter des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat (BMI) erläuterte das strategische Krisenmanagement der Bundesregierung und erläuterte wie eine Krise auf Regierungsebene behandelt wird. Der Referent aus dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) ergänzte zu den Verfahren und Mitteln des Katastrophen- und Zivilschutzes und zeigte Schnittstellen und gemeinsame Übungen mit der Bundeswehr auf. Die Vorstellung des Bundesamts Technisches Hilfswerk (THW) verdeutlichte die auf Bundesebene zur Verfügung stehenden Mittel für den Katastrophen- und Zivilschutz.

Während einer dreitätigen Planuntersuchung hatten die angehenden Generalstabsoffiziere abschließend noch einmal die Gelegenheit in ausgewählte Aspekte der SKB, vor allem im Rahmen der Drehscheibe Deutschland, einzutauchen und angeleitet von internen und externen Fachreferenten vertiefte Diskussionen zu führen.

Fazit der SKB-Wochen an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg ist somit, dass Vielfältigkeit der Aufgaben der SKB verdeutlichten, dass die Aufgabenfülle eine hohe Zahl an Möglichkeiten sowohl fachlich als auch im personellen Bereich für die angehenden Generalstabs-/Admiralstabsoffiziere bietet, die im Truppenalltag gar nicht so bekannt sind und gerade vor dem Hintergrund der Refokussierung auf Bündnis- und Landesverteidigung an Bedeutung gewinnen wird.

 

Autor: Andreas Schreiner; Fotos: LGAI

Hamburg, 07.01.2019

Major Aridito aus Indonesien überreicht das Gastgeschenk des Hörsaals Luftwaffe an Generalleutnant Habersetzer, Kommandeur des Zentrum Luftoperationen

Generalmajor Vetter, Chef des Stabes des Kdr CIR, in der Diskussion mit dem Hörsaal

Der Hörsaal Luftwaffe des LGAI 2018 während der Westreise beim DLR

Dass unsere Weltmeere durch eine überbordende Flut von Plastikmüll stark verschmutzt sind, ist mittlerweile ein Thema, das beinahe jeden Tag durch die Medien und sozialen Netzwerke geistert. Doch es wird auch noch andernorts eng: Mit etwa 80.000 Objekten mit einer Größe von über zehn Zentimetern und etwa 700.000 Objekten mit einer Größe von immer noch über einem Zentimeter rechnet das Zentrum Weltraumoperationen, eine Abteilung des Zentrums Luftoperationen der Luftwaffe, in den durch die Raumfahrt genutzten Erdumlaufbahnen. Sprich: Auch da Müll! Aber nicht nur: Es handelt sich sowohl um Satelliten wie auch um Weltraumschrott. Und der ist gefährlich.

Gefahr in der Erdumlaufbahn

Bei Geschwindigkeiten von mehreren Kilometern pro Sekunde sind selbst kleinste Objekte eine große Gefahr. Dabei ist durch die zunehmende Kommerzialisierung der Raumfahrt mit einer stark steigenden Anzahl an neuen Satelliten in den nächsten Jahren zu rechnen. Das erhöht das Kollisionsrisiko weiter. Schon heute müssen die von der Bundeswehr betriebenen Satelliten und auch die Raumstation ISS immer wieder Ausweichmanöver fliegen. Die Operationsführung der Bundeswehr ist zunehmend auf Systeme im Weltraum angewiesen, von Navigation über Kommunikation bis hin zur strategischen Aufklärung. Der sichere Betrieb dieser Systeme macht ein zuverlässiges Weltraumlagebild erforderlich.

Das war im vergangenen Dezember Thema während der Westreise des Hörsaals Luftwaffe des Lehrgangs Generalstabsdienst-/ Admiralstabsdienst International (LGAI) der Führungsakademie der Bundeswehr. Die Lehrgangsteilnehmer konnten sich vor Ort über die Luftwaffe informieren. So erfuhren sie, dass die Bundeswehr in den kommenden Jahren ihren ersten eigenen Sensor zur Erfassung von Teilchen im Weltraum in Betrieb nehmen wird. Dennoch werden die Streitkräfte diese Aufgabe nicht alleine bewältigen können – das wurde klar. Nur die enge Kooperation mit Verbündeten und zivilen Einrichtungen, wie dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), welches im Auftrag der Bundesregierung das Raumfahrtmanagement wahrnimmt, ermöglichen die Erstellung eines verlässlichen Lagebildes.

Lagebild von oben

Beim Besuch des Kommandos Cyber- und Informationsraum (Kdo CIR) konnten sich die Lehrgangsteilnehmer ein Bild von deren weltraumgestützten Fähigkeiten machen – so beispielsweise von der strategisch abbildenden Aufklärung. Sie ist als Voraussetzung für eine erfolgreiche Operationsführung nicht mehr wegzudenken. Die strategisch abbildende Aufklärung liefert nicht nur Bilder zur Aufklärung von Kräfteansammlungen, sondern bereits im Frieden wichtige Grundlagen zur Erstellung geographischer Produkte, insbesondere Kartenmaterial. Welche Bedeutung Hochtechnologie für die Sicherheit des Staates spielt, wurde bei einem abschließenden Gespräch mit dem Chef des Stabes des Kdo CIR, Generalmajor Michael Vetter, deutlich. Hier kamen insbesondere die Bedrohungen im Cyberraum zur Sprache.

Hörsaal Luftwaffe konnte auf seiner einwöchigen Ausbildungsreise noch weitere namhafte Dienststellen der Bundeswehr insbesondere der Luftwaffe besuchen. Der Fokus lag dabei auf der Bedeutung der jeweiligen Fähigkeiten für die Einsatzbereitschaft der Streitkräfte. Neben Hochtechnologie und Weltraum wurde thematisiert, dass der Mensch ein entscheidender Faktor ist. Insbesondere die schwierige Lage bei der Gewinnung von hochqualifiziertem Personal – Piloten genauso wie Ingenieure und besonders Informatiker – zog sich wie ein roter Faden durch die Reiseroute. Der Besuch beim Assessmentcenter für Führungskräfte der Bundeswehr bot einen guten Einblick in die Strategie der Personalgewinnung der Bundeswehr.

Von draußen in den Lehrsaal

Nach fünf Tagen und Besuchen in neun verschiedenen Dienststellen sowie beim DLR haben die Teilnehmer einen umfassenden Einblick in die aktuellen Herausforderungen und die Lösungsstrategien der Luftwaffe und der Bundeswehr insgesamt erhalten. Die Ergebnisse fließen in die weitere Ausbildung mit ein.

 

 

Hamburg, 20.12.2018; Fotografin: Jenny Schill

 

Die Angehörigen der Führungsakademie der Bundeswehr wünschen Ihnen und Ihrer Familie gesegnete Weihnachten und ein frohes neues Jahr 2019