Autorin: Dr.Victoria Eicker; Fotos: Lene Bartel

Hamburg, 10.12.2018

Der Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr, Generalmajor Kohl begrüßt den Kommandeur des Instituto di Stato Maggiore Interforze (ISSMI), Generalmajor Dario Mario Ranieri

"Die Akademien halten zusammen"

Generalmajor Dario Mario Ranieri beim Eintrag in das Gästebuch der Führungsakademie der Bundeswehr

Das Instituto di Stato Maggiore Interforze (ISSMI) in Rom ist das italienische Pendant zur Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg. Es bildet den italienischen Führungsnachwuchs der Streitkräfte aus und weiter. Der italienische Kommandeur, Generalmajor Dario Mario Ranieri, reiste im Dezember in die Hansestadt, um sich erstmals mit dem hiesigen Kommandeur, Generalmajor Oliver Kohl, auszutauschen. Aber nicht nur das. Italien plant auch, seine Variante des Generalstabslehrgangs neu aufzustellen.

Kaffee unter Freunden

Der Besuch lief zunächst wie gewohnt ab: Eintrag ins Gästebuch und morgendlicher – deutscher – Kaffee mit Generalmajor Kohl. Während Generalmajor Ranieri seine Worte ins Gästebuch unter den Augen von Carl von Clausewitz verfasste, trank er seinen Kaffee unter den Augen des „Mädchens mit dem Perlenohrring“ von Jan Vermeer im Zimmer des Kommandeurs. Das Wetter wechselhaft – typisch hanseatisch. Das Gespräch verlief angeregt, gestenreich – die Offiziere tauschten sich über Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Akademien aus. Kurz darauf hörte sich Generalmajor Ranieri Vorträge zur Struktur der Führungsakademie an. Sein Interesse galt dabei insbesondere dem Aufbau der Lehrgänge und den zeitlichen Ansätzen dieser in der Gesamt-Vita der Stabsoffiziere.

Master a la italiana – Ausbildung im Vergleich

Zur Sprache kamen dabei unter anderem der Basislehrgang Stabsoffizier sowie die beiden Lehrgänge Generalstabs-/ Admiralstabsdienst National (LGAN) sowie International (LGAI). Ganz interessiert zeigte sich der italienische Kommandeur am Masterstudiengang Militärische Führung und Internationale Sicherheit (MFIS). Generalmajor Kohl berichtete von dem großen Zuspruch, den dieser Masterstudiengang, der erstmalig 2016 startete, seither erfahren habe. Ranieri fragte dezidiert nach der Anbindung an die Helmut-Schmidt-Universität, nach Länge und Anerkennung. Während der zusätzliche Master parallel zum Generalstabslehrgang in Hamburg freiwillig ist, ist ein Masterstudiengang in Italien eng verwoben mit der Generalstabsausbildung. Das ISSMI kooperiert mit zwei Universitäten in der italienischen Hauptstadt, um ein möglichst breit gefächertes Angebot an Masterstudiengängen anbieten zu können. Insgesamt sei der Generalsstabslehrgang in Rom wissenschaftlicher ausgerichtet und die Lehrgangsteilnehmer sind deutlich älter als an der Akademie in Hamburg: 40 bis 45 Jahre alt ist man in Rom, während die deutschen Stabsoffiziere 30 bis 35 Jahre alt sind. „Unser Generalstabslehrgang dauert zehn Monate“, erklärte Ranieri – deutlich kürzer als in Deutschland. Allerdings geht diesem Lehrgang ein für die Teilstreitkräfte spezifischer einjähriger Lehrgang voraus. Und zu einem späteren Zeitpunkt in der Karriere der italienischen Stabsoffiziere folgt ein weiterer einjähriger Lehrgang. Zwei unterschiedliche Konzepte. Beide Kommandeure waren sich indes darin einig, dass insbesondere auch die intellektuellen Fähigkeiten des militärischen Führungsnachwuchses gestärkt werden müssen.

 

Fähigkeiten stärken

Doch was bedeutet das? Logisches Denken, Erfassen abstrakter Gedanken und Vorstellungen, richtiges Schlussfolgern, Verstehen von komplexen Zusammenhängen – um nur einige Fähigkeiten zu nennen, die in Studienphasen, Übungen und Studienarbeiten geschärft werden. „Die Erkenntnis, wie wichtig das Stärken dieser Fähigkeiten ist, ist aber noch nicht überall angekommen“, gab Generalmajor Kohl zu bedenken. Aufstehen, diskutieren, überzeugend und mitreißend sein, Entscheidungen treffen – auch Führungsfähigkeiten seien wichtig. Der Weg an die Spitze des Militärs verlangt viel vom Nachwuchs. Am Ende steht der militärische Führer, „kriegstaugliche Generalstabsoffiziere“, wie Generalmajor Kohl betont. Große Anerkennung erhaltend und politisch gewollt sei der LGAI, zu dem regelmäßig Stabsoffiziere aus nicht-NATO-Staaten eingeladen werden. Sie erhalten Einblick in die Struktur deutscher und auch europäischer Sicherheitspolitik und kommen oft als Militärattachés später zurück nach Deutschland. Kohl und Ranieri tauschten sich zudem über die Herausforderung aus, ziviles Personal für die Generalstabslehrgänge zu gewinnen.

Viele Anregungen

Oberst i.G. Martin Simberg, Leiter des Ausbildungsprozessmanagements, führte den italienischen General im Anschluss in die Lehrgangsplanung und die Weiterentwicklungsprozesse für die bestimmenden Lehrgänge an der Führungsakademie ein. Vertieft wurde die Thematik insbesondere in Bezug auf den LGAN schließlich noch durch Oberst i.G. Lars Gehlhaar, Leiter des LGAN 2017, und Oberstleutnant i.G. Ralf Hammerstein, Leiter des LGAN 2018. Ranieri wurde nicht nur durch die Räumlichkeiten geführt, er bekam auch einen Einblick in den Lernplan und die wesentlichen Inhalte – Studienphasen, Reisen, Übungen, es sind dichte 24 Monate. Während die Lehrgangsteilnehmerzahlen in Hamburg sukzessive ansteigen, stellte Generalmajor Ranieri fest: „Bei uns nimmt die Zahl an Lehrgangsteilnehmern ab“ – was in der Tatsache begründet liegt, dass die italienischen Streitkräfte bis zum Jahr 2024 reduziert werden sollen. Ranieri zeigte sich äußerst interessiert. „Wir suchen nach noch besseren Wegen, unsere Lehrgangsteilnehmer zu motivieren und in ihnen die Kompetenzen zu entwickeln und zu stärken, die wir für unser Spitzenpersonal haben wollen“, resümierte er. „Ich nehme viel mit. Danke“, sagte er schließlich lächelnd – Akademien halten eben zusammen.

 

 

 

 

Aus einem Guss

Was bedeutet die Dimension Cyber- und Informationsraum für die Bereiche Planung und Führung in der Bundeswehr? Mit diesen und vielen weiteren Fragen beschäftigen sich Oberst i.G Hansjörg Witt und sein Team. "Künftig soll in allen Lehrgängen und Modulen der Cyber-und Informationsraum ganzheitlich als operationelle Dimension aus einem Guss abgebildet werden", erklärt der Beauftragte des Inspekteur CIR an der FüAkBw. Ihm ist wichtig, die Mehrwerte des Zusammenführens und des Zusammenwirkens aller Fähigkeiten in der Dimension CIR deutlich herauszustellen.

Relevant und aktuell

Der Kommandeur der Führungsakademie, Konteradmiral Carsten Stawitzki, stellt die neue Struktur der FüAkBw vor und betont den nachhaltigen und zunkunftsweisenden Charakter der Gliederung, die mit der Ausbildung und künftig auch einem gezielten Wissensaufbau und entsprechendem Management ein festes Fundament für die Zukunft besitzt. Neu eingerichtete Fakultäten machen den Anspruch wissenschaftlichen Arbeitens deutlich. Für Schwerpunktthemen an der Akademie wie "Ressortübergreifendes Denken und Handeln" oder "Ökonomie und Ökologie von Gewalt" kann die Dimension Cyber- und Informationsraum in einer querschnittlichen Betrachtung einfließen - anhand dieser konkreten Beispiele wird deutlich, wie relevant und aktuell das Thema ist und wie ein vernetzter Ansatz verschiedene Ausbildungsfelder verbinden kann.

Erlebnisreicher Austausch

Die Gesprächsteilnehmer haben die Zeit ausgiebig genutzt, Möglichkeiten der Zusammenarbeit und der Kooperation mit dem Kommando CIR auszuloten und abzustimmen. Die Vertreter der FüAkBw konnten darstellen, wie sie die operationelle Dimension CIR in der Lehre FüAkBw umsetzen wollen. Im Schwerpunkt ging es dabei um die Generalstabsausbildung sowie den Basislehrgang Stabsoffizier. Die Erwartungshaltung der Lehrgangsteilnehmer über alle Lehrgänge und Module ist sehr groß. Sie erwarten aktuelle und fundierte Informationen und fragen auch, wo genau die groß angelegte Umstrukturierung Mehrwert schafft.

Ansätze für die Lehre

Genau hier wollen das Kommando CIR und die Fakultät Einsatz, CIR, SKB in Verbindung mit Vertretern der Fakultät Politik, Wirtschaftswissenschaften und Gesellschaft ansetzen und die bereits seit Jahren separat vermittelten Inhalte aus den Fähigkeitssäulen CIR (Militärisches Nachrichtenwesen, Führungsunterstützung/IT-Services, Operative Kommunikation und GeoInfoWesen) inhaltlich zusammenführen, um die einheitliche Idee einer operationellen Dimension Cyber- und Informationsraum in allen Lehrgängen umsetzen.

Konkrete Pläne

Dieser ganzheitliche Ansatz basiert einerseits auf der Unterstützung durch das Kommando CIR mit hochkarätigen Vortragenden (B7+ Lehrdeputat) und der Begleitung bestimmter Ausbildungsabschnitte (Stationsausbildung und Planspiel) mit Fachdozenten und -experten. Auf der anderen Seite müssen die an der FüAkBw verfügbaren Ressourcen, die die Aufgaben CIR in den verschiedenen Fakultäten vertreten, in bestimmten Phasen der Ausbildung gebündelt werden, um praxisnah, teils ohne "Konventionen" und möglichst kompetenzorientiert auszubilden.

Podcast und App

General Vetter hat sowohl den vorgestellten Umsetzungsmöglichkeiten zugestimmt als auch die volle Unterstützung aus dem Bereich des Kommandos zugesagt. Das gemeinsame Ziel der Partner besteht darin, den Anspruch der FüAkBw im Rahmen der Neuausrichtung auch im Bereich CIR von Anfang ideenreich und bei Bedarf auch abseits ausgetretener Wege zu gestalten. Für die Lehre sind beispielsweise auch moderne Ergebnisformate wie Podcast, Wikis oder Apps denkbar, um die zumeist jungen Lehrgangsteilnehmenden in ihrer Alltagssprache und ihrem Kommunikationsverhalten zu erreichen. Auch spielerische Ansätze (Gamification oder Serious games) sind mehr als nur Ideen und in verschiedenen Bereichen seit Jahren Teil der Ausbildungspraxis. Die Zusammenarbeit mit der Denkfabrik der FüAkBw und der Helmut-Schmidt-Universität spielt hierbei eine wichtige Rolle. Oberst Witt bringt die Situation auf den Punkt: "Die Weiterentwicklung der Aufgaben CIR vor dem Hintergrund aktueller Chancen und Herausforderungen, insbesondere fortschreitender Digitalisierung, Entwicklung künstlicher Intelligenz und autonomer Systeme und Anwendungen, kann nur im gemeinsamen Ansatz geschultert werden."

 

 

Weitere Informationen:

Cyber - eine Bedrohung, die Politik, Wirtschaft, Gesellschaft gleichermaßen betrifft. Um den Dialog über eine gemeinschaftliche Sicherheitsvorsorge zu fördern, hat Klaus Hardy Mühleck, Leiter der Abteilung Cyber- und Informationstechnik im BMVg, am vergangenen Freitag beim Arbeitskreis Sicherheitspolitik der CSU in München vor eben diesem Publikum einen Vortrag zu diesem Thema gehalten. Dieses Thema geht über Parteigrenzen hinweg. Es beschäftigt Think Tanks, deswegen war die Stiftung Wissenschaft und Politik mit dabei. Und es erfordert von jeder Privatperson Aufmerksamkeit, um der Thematik angemessen gerecht zu werden: sich zu wappnen, Gefahren rechtzeitig zu erkennen, im richtigen Moment Vorsorge zu treffen.

Zum Download des Vortrages


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