Autor: Matthias Hoopmann; Fotograf: Laura Clayborn

Hamburg, 15.01.2016

decoration / Dekoration

Zufriedene Gesichter während der Beförderung

decoration / Dekoration

Ein Schulterklopfer zum Start in den neuen Dienstgrad

„Es ist ein gutes Gefühl, die neuen Klappen auf den Schultern zu tragen“, berichtet Major der Reserve Dr. Daniel Giese nach seiner Beförderung. Wenige Minuten zuvor hatte Generalmajor Achim Lidsba, Kommandeur der Führungsakademie, dem Reserveoffizier den Text seiner Ernennungsurkunde verlesen.

So eine Beförderung sei ohne Zweifel ein sehr emotionaler Moment, den es in dieser Form außerhalb der Bundeswehr nicht gebe, beschreibt der frisch ernannte Major unmittelbar im Anschluss seinen Eindruck.

Seit über 25 Jahren als Reserveoffizier aktiv

Major Giese ist bereits seit mehr als 25 Jahren Reservedienstleistender, auch wenn es diese Bezeichnung damals noch nicht gab. Kurz vor der Wende machte er seinen 15-monatigen Wehrdienst bei den Panzeraufklärern. Nach Übernahme in die Laufbahn der Reserveoffiziere und den obligatorischen Lehrgängen, die er in den Semesterferien ableistete, erfolgte 1993 die Ernennung zum Leutnant der Reserve.

Weitere Wehrübungen absolvierte der promovierte Historiker anschließend als Presseoffizier. Über das Landeskommando in Hamburg entstand dann 2010 der Kontakt zur Führungsakademie. Hier war Giese, der hauptberuflich Leiter Kommunikation und Public Affairs bei der Stiftung Jugend forscht ist, zunächst als Lehroffizier beordert. In dieser Verwendung verfasste er eine Studie zur Bedeutung der „strategischen Kommunikation“ für die Bundeswehr und zur Implementierung dieses Themas in das Seminarangebot der Akademie. Mittlerweile ist er hier als Pressestabsoffizier aktiv und vertritt regelmäßig den Leiter der Informationsarbeit (LdI). An der Führungsakademie schätzt Giese das gute Arbeitsklima und die vertrauensvolle Zusammenarbeit.

„Der Reservedienst bedeutet einen Mehrwert für jeden“

Nach Ansicht von Giese stellt der Reservedienst sowohl für die Bundeswehr als auch für den Reservisten selbst einen Mehrwert dar. „Es ist eine Win-win-Situation, denn die Streitkräfte profitieren von den zivilberuflichen Kompetenzen, die der Reserveoffizier einbringt. Er erhält seinerseits einen exklusiven Einblick in eine global agierende Großorganisation“, so Giese. „Im Ergebnis gibt es einen sehr fruchtbaren wechselseitigen Wissenstransfer.“

So konnte Giese als Vertreter des LdI seine langjährige Erfahrung im Kommunikationsbereich in die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Führungsakademie einfließen lassen. Zugleich empfand er es als äußerst erkenntnisreich, die vielschichtigen Prozesse und Anforderungen in der Akademie wie auch die internationalen Einflüsse intensiv von innen heraus kennen zu lernen. „Für mich ist es stets eine spannende Herausforderung, als Soldat zu dienen. Und natürlich ist es schön, wenn man das Gefühl hat, etwas bewegen zu können“, berichtet Giese.

Attraktivität des Reservedienstes steigern

Diese Art von Erfahrungen ist es, die künftig noch viel mehr Zivilisten machen sollten, sind sich auch Gieses Vorgesetzte und Arbeitskollegen an der Führungsakademie sicher. Das gelte auch für andere Bereiche in der Truppe. Doch derzeit sei die Zahl der Reservisten insgesamt weiter rückläufig. Für die Bundeswehr gelte es daher, die Attraktivität des Reservedienstes weiter zu steigern und mögliche Hemmnisse abzubauen, um beispielsweise mehr qualifizierte Berufstätige für den Einstieg in die Reserveoffizierslaufbahn außerhalb des Wehrdienstes zu begeistern.

Wenn Giese nicht als aktiver Soldat dient oder seiner hauptberuflichen Tätigkeit nachgeht, dann hält er über den Reserveoffiziersverein „Spähkreis 3“ engen Kontakt zu den alten Kameraden aus Lüneburg. Die Stimmung in der Bundeswehr hat sich seiner Meinung nach in den letzten Jahren stark verändert: zum einen wegen der Umstellung auf die Freiwilligenarmee, zum anderen habe der größere Anteil von Frauen in der Truppe natürlich auch einen Effekt gehabt. Commitment und Motivation in der Breite seien heute sicher nicht mehr mit der Situation wie zu Zeiten der Wehrpflichtarmee zu vergleichen. Zudem nimmt die gesellschaftliche Anerkennung angesichts der zahlreichen internationalen Verpflichtungen der Bundeswehr seiner Wahrnehmung nach stetig zu.

Ende des Jahres steht für den frischernannten Major nun der Stabsoffizierslehrgang für Reservisten an der Führungsakademie auf der Agenda. Doch bis dahin sind im zivilen Leben noch zahlreiche Projekte zu erledigen.