Autor: Matthias Hoopmann; Fotografin: Katharina Junge

Hamburg, 17.02.2016

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Die Anforderungen an die Lehrgangsteilnehmer sind hoch. Doch niemand wird über den Tisch gezogen.

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Der Prozess der Neugestaltung des Basislehrgangs Stabsoffizier warf einige Fragen auf. Antworten gibt Oberst i.G. Jörg Steenbock.

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Belastungen und Herausforderungen des Lehrgangs sind am besten im Team zu bewältigen.

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Nationale und internationale Perspektiven werden facettenreich durchleuchtet.

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Oberstleutnant Wolfgang Janker lenkt den Blick der jüngeren Kameraden auf das Wesentliche.

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Die angehenden Stabsoffiziere entwickeln auf dem Lehrgang Teamgeist und Führungsstärke.

Ein neues didaktisch-methodisches Konzept, neue Inhalte und angepasste Prüfungen. Mit dem neuen Basislehrgang Stabsoffizier (BLS) werden viele neue Wege beschritten. Doch gekocht wird weiterhin nur mit Wasser. Viele Jahre war der Stabsoffizierlehrgang (SOL) an der Führungsakademie der erste große Schritt für Berufsoffiziere auf dem Weg in ihre erste Stabsoffizierverwendung innerhalb der Bundeswehr. Als vor rund zwei Jahren die Entscheidung im Ministerium fiel, den Lehrgang grundlegend zu überarbeiten, war das für alle Beteiligten eine große Herausforderung, beschreibt Oberst i.G. Jörg Steenbock, Lehrgruppenleiter an der Führungsakademie der Bundeswehr, rückblickend. An diesem Prozess war nahezu die gesamte Führungsakademie beteiligt. Denn es galt, einen Lehrgang umzugestalten, der nach vielen Anpassungen in der Vergangenheit optimiert war und trotz hoher Arbeitsbelastung allseits Anerkennung fand.

BLS statt SOL

Die Verantwortlichen drehten an vielen Stellschrauben. Anforderungen aus der Truppe, aber auch Erfahrungsberichte der Lehrgangsteilnehmer sind in den Gestaltungsprozess eingeflossen. Das neue didaktisch-methodische Konzept rückt das „Handeln“ ins Zentrum der Betrachtung. Die Anzahl der Prüfungen wurden reduziert und zeitlich entzerrt. Der Lehrgang dauert mit nun 56 Tagen fast zwei Wochen länger als sein Vorgänger.

Entstanden ist der Basislehrgang Stabsoffizier (BLS). Ein Lehrgang, in dem noch moderner gedacht und zielgerichteter gehandelt wird. „Wir möchten dem individuellen Weiterbildungsbedarf unserer Führungskräfte gerecht werden“, stellt Oberstleutnant Wolfgang Janker, Tutor im Lehrgang und Dozent im Fachbereich Führung und Management, heraus. Die Akademie bietet eine Plattform zur Selbstreflexion, die den Menschen und seine Interessen in den Vordergrund rückt.

„Niemand wird über den Tisch gezogen“

Viele Lehrgangsteilnehmer gehen mit einer spürbaren Portion Respekt und Unsicherheit in diesen Lehrgang, der für die weitere berufliche Karriere natürlich wichtig ist. „Doch die Lehrgangsteilnehmer erkennen schnell, dass hier keiner über den Tisch gezogen wird“, erklärt Oberst i.G. Steenbock. Zur immer wieder aufkeimenden Diskussion um eine denkbare Abschaffung der Prüfungsleistungen im Basislehrgang Stabsoffizier zeigen die beiden Stabsoffiziere Verständnis für Verfechter beider Lager. Selbstredend könne man individueller und mit noch aktuellerem Themenbezug unterrichten, wenn der Lehrgang prüfungsfrei gestaltet würde, erklärt Oberst i.G. Steenbock. Doch eine Bewertung der Leistung während des Lehrgangs sei objektiver und nachvollziehbarer, wenn sie auch auf der Grundlage von Leistungsnachweisen basiere.

„Beobachtungen unter Stress bleiben wichtig“

Im neu geschaffenen Lehrgang werden die Teilnehmer - wie auch vorherigen Lehrgang - schriftlich und mündlich geprüft. Oberstleutnant Janker ist durchaus bewusst, dass eine Prüfung für die Lehrgangsteilnehmer an der einen oder anderen Stelle zu einer hohen zeitlichen und psychischen Belastung führe. Andererseits komme genau diese Belastung  auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch in zukünftigen Verwendungen zu. Für diejenigen, die die Karriereleiter hoch hinauf möchten – vielleicht bis zum General oder Admiral –, werden in Zukunft enorm anspruchsvolle Herausforderungen anstehen.

Für die weitere Entwicklung des BLS ist bereits jetzt der völlige Verzicht auf Prüfungen in Planung. Aber auch dann bleibe es zwingend notwendig, die Lehrgangsteilnehmer auch in Stresssituationen zu beobachten und zu beurteilen. Oberstleutnant Janker kann sich gut vorstellen, in den verschiedenen Themenfeldern des Lehrganges Aufgaben und Vorträge von den Lehrgangsteilnehmern abzuverlangen und diese dann auszuwerten. Die Tutoren und Dozenten sind dazu vor dem Hintergrund ihrer umfassenden Erfahrungen bestens geeignet. Diese Aufgaben würden sich dann verstärkt an den künftigen Aufgaben und Herausforderungen eines Stabsoffiziers orientieren müssen – und das werde den Führungskräften im Lehrgang langfristig zugutekommen. Denn wer in diesem Lehrgang bereits an seine Grenzen gelangt, der würde im General- oder Admiralstabsdienstlehrgang keine Zufriedenheit verspüren. Auch aus diesem Grund sei das Selbst- und Belastungsmanagement für militärische Führungskräfte von herausragender Bedeutung. Eine besonders schöne Erfahrung sei es dann aber, wenn diesen Anforderungen erfolgreich im Team begegnet werde. Diesen Prozess sehen und erleben die Dozenten immer wieder gerne. Außerdem sind alle Dozenten in ihrer militärischen Karriere bereits den gleichen, teilweise steinigen Weg gegangen.  

Wille und Freude – Wollen und Können

Die Tutoren im BLS verfügen über die notwendige Lebens- und Diensterfahrung, um ihren jüngeren Kameraden zu helfen und ihnen wertvolle Ratschläge zu geben. Dazu seien Wille und die Freude an der Lehre wesentliche Faktoren, die es zum Lehren brauche. Und die Lehrkräfte an der Führungsakademie seien aus eben diesem Holz geschnitzt, so Oberstleutnant Janker als Vertreter des Dozententeams. Das neue didaktisch-methodische Konzept der Akademie hilft dabei: Handlungsorientierung und Methodenwissen werden in den Vordergrund gestellt und damit das „Wollen“ und „Können“ der Führungskräfte optimiert.  

Attraktivität haben wir in der eigenen Hand

Das Thema Attraktivitätsverbesserung sollte jeder Vorgesetzte auf seine persönliche Agenda setzen. „Es liegt in der Hand einer jeden Führungskraft, das Personal der Bundeswehr zu führen, zu motivieren und auch zu überzeugen, sich langfristig zu binden“, meint Oberstleutnant Janker. Im Wettbewerb mit dem zivilen Markt um gutes Personal ist es einfach notwendig, militärischen Führungskräften modernstes Führungswerkzeug in die Hand zu legen. Dieses Vorgehen findet auch über die Grenzen Deutschlands hinaus Anerkennung.
Während seit vielen Jahren bereits ausländische Offiziere aus nahezu allen Regionen der Welt die General- oder Admiralstabsdienstausbildung an der Führungsakademie besuchen, hat im letzten Lehrgang erstmals ein ausländischer, in diesem Fall ein luxemburgischer Offizier, am Stabsoffizierlehrgang teilgenommen.  Und das mit großem Erfolg.
Der erste BLS läuft gerade. Deshalb will Oberst i.G. Steenbock noch keine abschließende Bewertung zum neuen Lehrgang abgeben. Wenn man jedoch die vorgeschalteten, teilstreikraft-spezifischen Ausbildungen, die ebenfalls an der Führungsakademie stattfinden, mit in die Betrachtung zieht, dann wird schnell klar, dass die Abwesenheit vom eigentlichen Dienstposten für die Führungskräfte deutlich größer geworden ist. Inwieweit sich die Entzerrung der Prüfungen und die Umgestaltung der Lehre auf die zeitliche Belastung der Lehrgangsteilnehmer während des Lehrgangs auswirkt, kann erst am Ende des Lehrgangs bewertet werden. Hier werden die Dozenten sowie Vorgesetzten und natürlich auch die Lehrgangsteilnehmer gefordert sein, den neuen Basislehrgang Stabsoffizier erfolgreich zu gestalten.