Autor: Eggo Rettmer

Hamburg, 21.04.2016

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Generalleutnant a.D. Jürgen Bornemann und Generalmajor Rafael Sanchez Ortega beim Gästebucheintrag der ESFAS

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Generalmajor Rafael Sanchez Ortega und die Teilnehmer des Seminars „Internationale Höhere Führung 2016“ in der Halle der spanischen Führungsakademie

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Portal der spanischen Führungsakademie CESEDEN

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Palacio Real, Madrid

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Thronsaal im Palacio Real

Der Wahlspruch „Vereinigte Tapferkeit ist stärker!“ unterstreicht einen zentralen Ansatz spanischen Politikverständnisses: Sicherheitspolitik ist nur multilateral und im Verbund möglich. Und Bedrohungen der europäischen Sicherheit entstehen auch an der südlichen Peripherie Europas.

Eine dschihadistische Wolke über Nordafrika

Am letzten Tag besuchen die Teilnehmer das Institut für Strategische Studien. Dieses Institut ist Bestandteil des spanischen Pendants zur deutschen Führungsakademie der Bundeswehr, dem Centro Superior de Estudios de Defensa Nacional (CESEDEN) und der Escuela Superior de las Fuerzas Armadas (ESFAS).
„Wir blicken mit Sorge auf die Entwicklung im westlichen Mittelmeerraum, in Nordafrika“, leitet Generalmajor Rafael Sanchez Ortega, Kommandeur der ESFAS, einen Parforceritt durch die aktuelle Entwicklung in den nordafrikanischen Staaten ein.

Spanien hat ein großes Interesse an stabilen, staatlichen Strukturen in Nordafrika. Zum einen liegt Spanien in direkter Nachbarschaft zu Nordafrika. Zum anderen leiten die nordafrikanischen Staaten, insbesondere Algerien, 60% des spanischen Erdgasbedarfs weiter.
Marokko wird als ein guter und stabiler Partner, auch im Kampf gegen den Terror, bezeichnet. Algerien ist ebenfalls ein verlässlicher Partner bei Antiterror-Maßnahmen.
Sorge bereitet insbesondere die Entwicklung in Libyen. In direkter Nähe zu Spanien kann dort ein unkontrollierter Rückzugsraum für Kämpfer des Islamischen Staates entstehen.
„Die Sahelzone oder Libyen können das nächste Operationsgebiet westlicher Streitkräfte sein“, sagt einer der Referenten. „Wo sieht Spanien denn die Unterschiede zwischen Risiken im östlichen Raum der NATO und Risiken an der südwestlichen Grenze“, fragen Seminarteilnehmer.

Kurz und knapp antwortet Generalmajor Sanchez Ortega: „Mit Putin kann man verhandeln. Mit Terroristen des Islamischen Staates nicht!“
Damit endet auch der offizielle Teil des Besuchsprogramms

22 Zimmer sind nur der Anfang – zu Besuch im Palacio Real

Vor dem Rückflug besichtigen die Teilnehmer des Lehrgangs „Internationale Höhere Führung 2016“ noch den Königspalast, offizieller Dienstsitz des Oberbefehlshabers der spanischen Streitkräfte, König Felipe VI.
Der gewaltige Prachtbau beeindruckt.  Als Manifestation absoluter Macht ersetzte dieses ein 1734 niedergebranntes, maurisches Burgschloss. Beauftragt durch König Philipp V, wurde es unter seinem Nachfolger, Karl III, 1764 fertiggestellt. Das Madrider Stadtschloss beherbergt rund 2.800 Räume.
Der Öffentlichkeit und damit auch den Lehrgangsteilnehmern stehen während der Führung jedoch nur die 22, dafür umso prächtigeren Räume für repräsentative Zwecke offen.

Ein wichtiger Besuch und ein Füllhorn neuer Erkenntnisse und Einsichten

In den Vorjahren besuchten die Teilnehmer des Seminars „Internationale Höhere Führung“ Paris. In diesem Jahr wagt man sich auf Neuland mit dem Besuch in Spanien.
„Es war richtig, hierherzukommen“, sagt Generalleutnant a. D. Bornemann, „das war ein gutes Signal für das Interesse an der spanischen Sicherheitspolitik.“ „Insbesondere die Wahrnehmung durch hochrangige Vertreter der spanischen Streitkräfte zeigt die Wertschätzung unserer Gastgeber für diesen erstmaligen Besuch“, ergänzt Kapitän zur See Gutow.
„Ich wusste nicht, wie stark sich Spanien in EU und NATO engagiert“, stellt der britische Oberst David Moreton fest. „Für mich sind dieser Besuch und das Seminar als Ganzes eine gute Vorbereitung auf zukünftigen Aufgaben im Attaché-Dienst.“
„Spanien hat mit dem Blick auf Nordafrika definitiv eine andere Sichtweise auf europäische Sicherheitspolitik als nord- oder osteuropäische Nachbarn“, sagt Oberst Preußner. Besonders beeindruckt die Aussage, es ginge in der NATO und EU darum, gemeinsame Werte zu erhalten.

Quintessenz

Der Aufenthalt in Spanien ermöglichte den Seminarteilnehmern einen wichtigen Perspektivenwechsel.
Sicherheit lässt sich aus spanischer Sicht nur multilateral im Verbund internationaler Organisationen wie den Vereinten Nationen, der NATO und der Europäischen Union erreichen. Neben Entwicklungen im östlichen Europa oder im Nahen Osten bedroht auch die Entwicklung in Nordafrika, insbesondere in Libyen, die Sicherheit Spaniens und Europas.
Die Europäische Union und die NATO sind für Spanien eine Gemeinschaft gemeinsamer Werte.

„Virtus unita fortior!“ läßt sich deshalb auch im übertragenen Sinn übersetzen mit „Gemeinsame Werte und Tugenden machen uns stärker!“