Autor: Jürgen Nehring; Fotos: Lene Bartel / Jürgen Nehring

Hamburg, 12.12.2018

Cyber-Sicherheit im multinationalen Rahmen an der Führungsakademie

Über den Spieltrieb zur „Cyber-Awareness“


Die Teilnehmer des Seminars „Cyber-Security international“

Die Digitalisierung verändert Staat, Gesellschaft und Wirtschaft in raschem Tempo. Der Cyberraum, der praktisch grenzenlos ist und alle über das Internet vernetzten Informationssysteme umfasst, spielt politisch und gesellschaftlich, aber auch militärisch global eine immer entscheidendere Rolle. Entsprechend international besetzt war das Modul „Cybersecurity International“, um Aspekte der Cybersicherheit „grenzüberschreitend“ zu besprechen. Auf Einladung der Führungsakademie der Bundeswehr kamen 21 Teilnehmer aus 11 Nationen zu einem einwöchigen Informations- und Erfahrungsaustausch zusammen. Unter Leitung von Oberstleutnant Nehring, einem der Cyberdozenten der Führungsakademie, und mit Unterstützung zahlreicher interner und externer Referenten wurde ein weiter und facettenreicher Bogen gespannt.

Gesamtstaatlicher Ansatz

Nach dem Begrüßungsvortrag durch OTL Friedrich, der schon den internationalen und vertrauensbildenden Charakter der Führungsakademie unterstrich, stellte der ministeriell zuständige Vertreter für Cyber-Politik und -strategie im BMVg (aus dem Referat CIT I 1), FK Dr. Patrick Jungkunz, das Grundverständnis heraus: Aufgaben im Cyber- und Informationsraum können nur gesamtstaatlich, gemeinsam und nach Möglichkeit multinational bewältigt werden. Neben der Bedrohung militärischer Einrichtungen und Systeme sind alle Bereiche der Gesellschaft wie Privatpersonen, staatliche Behörden, Industrie und Wirtschaft von den Gefahren im Cyberraum betroffen. Innere und äußere Sicherheit fallen in wenigen Bereichen so eng zusammen wie im Cyberraum. Diese Aussage aus dem Weißbuch der Bundesregierung wurde durch den Vertreter des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), Herrn Sven Niedfeldt, nochmals bekräftigt. Das BSI ist verantwortlich für die Cyber-Sicherheit in Deutschland und damit sowohl für den einzelnen Bürger als auch für Unternehmen und Verwaltungen. Es koordiniert dabei mit den anderen Ressorts die Zusammenarbeit bei Basisschutzmaßnahmen, die Abwehr technischer Cyber-Attacken und im Großschadenfall die Krisenreaktions- und -aufwuchsfähigkeit des nationalen Cyber-Abwehrzentrums.

Kritische Infrastruktur – Achillesferse moderner Gesellschaften

Großschadensfälle können eintreten, wenn z.B. Kritische Infrastrukturen (KRITIS) etwa durch Cyber-Angriffe betroffen sind und teilweise oder ganz ausfallen. Dies gilt beispielsweise für große Stromnetzbetreiber bzw. im Banken- oder Gesundheitssektor, wenn Versorgungs- oder Leistungsausfälle erhebliche negative Auswirkungen auf das gesellschaftliche Zusammenleben entwickeln können. OTL Krempel, seinerseits Cyber-Reservist und ausgewiesener KRITIS-Experte mit langjähriger Berufserfahrung in der Deutschen Flugsicherung, erläuterte in seinem Vortrag die praktischen Konsequenzen, die sich bei der Nichteinhaltung von Regeln und Standards (z.B. im Rahmen des IT-Sicherheitsgesetzes) ergeben können. Er verdeutlichte dies am Beispiel des zivilen Flugverkehrs. Seine anschaulichen Ausführungen sorgten bei den Teilnehmern für reges Interesse und konnten in besonderem Maße die Bedeutung der Informationssicherheit in allen staatlichen und privaten Bereichen herausarbeiten.

Die Bundeswehr stellt sich der Cyber-Bedrohung – der neue militärische Organisationsbereich Cyber -und Informationsraum

Wofür braucht die Bundeswehr fast 15.000 Cyber-Krieger? Diese oder ähnliche Fragen wurden eingangs von Seiten der internationalen Teilnehmer verwundert bis kritisch gestellt. Im Rahmen der ersten Gastvorträge wurde aber schnell klar, dass sich diese Zahl auf den gesamten neuen militärischen Organisationsbereich Cyber -und Informationsraum (CIR) bezieht und damit der größte Teil der zusammengeführten Dienststellen und Verbände bereits vorher bestand (IT-Services, Aufklärung, GeoInfo, Operative Kommunikation). Nur wenige Elemente wurden gänzlich neu aufgestellt oder wachsen auf. Eine der wichtigsten Neuerungen stellt das Gemeinsame Lagezentrum (GemLZ) im Kommando CIR dar. FK Albrecht als Vertreter des Lagezentrums erläuterte den aktuellen Sachstand zum Aufbau eines fusionierten Lagebildes CIR aus verschiedenen bereits bestehenden Bundeswehr-Teillagen mit CIR-Bezug. Nach Fertigstellung im Jahr 2021 soll das GemLZ sowohl strukturierte wie auch unstrukturierte Informationen aus heterogenen Quellen wie Betriebsdaten, Lageberichte oder öffentlichen Quellen sammeln. Die Daten und Informationen sollen mittels kognitiver Technologie korreliert und georeferenziert darstellt werden, um sowohl Bw-interne Informationsbedarfe als auch externe Informationsanfragen zur Lageauswertung und Entscheidungsfindung zu bedienen.

Human Error – nach wie vor die größte Gefahr im Cyber- und Informationsraum

Was nützt die beste Firewall, das aktuellste Antivirenprogramm oder sonstige technische Schutzmaßnahmen, wenn der einzelne Nutzer sorglos mit den Fortschritten unserer digitalisierten Umwelt umgeht und durch seine unbedachte Art hilflos den Cyber-Angreifern ausgeliefert ist. Genau hier setzt mit Gamification ein interessanter Ansatz an, um bei der Zielgruppe eine Sensibilisierung für Risiken auch aus dem Cyberraum zu erreichen. OTL Thorsten Kodalle, ein Fachmann auf dem Gebiet Serious Games/Gamification und der Vertreter der FüAkBw in den entsprechenden NATO-Arbeitsgruppen, schaffte es, die internationalen Kursteilnehmer für sein selbst entwickeltes Cyber-Kartenspiel zu begeistern. Nach einer guten Stunde „Spieltrieb“ gab es sowohl Sieger im Kartenspiel als auch anerkennende Zustimmung, dass mit dieser spielerischen Lernform die Lernziele Sensibilisierung und Cyber-Awareness auf leichte Art und Weise vermittelt werden können.

Internationale Zusammenarbeit notwendig und erwünscht

Verteilt auf alle Tage des Seminars stellten die internationalen Teilnehmer ihrerseits die verschiedenen nationalen Strukturen und Aktivitäten im Cyberraum dar. Es ist auffallend, dass Gefahren und Risiken überall ähnlich gesehen werden, die gewählten Ansätze zur Cyber- und Informationssicherheit je nach nationalen Rahmenbedingungen und Schwerpunktsetzungen tatsächlich sehr verschieden ausfallen. Umso wichtiger ist der gegenseitige Austausch. „Networking“ heißt die Zauberformel, die oft abseits der offiziellen Strukturen und Beziehungen zum Erfolg führt. Dieses internationale Cyberspace-Seminar ist das beste Beispiel für erfolgreiches Networking. Vertreter aus Ländern, die zumindest im Cyberraum bisher wenig bis gar nichts miteinander zu tun hatten, kommen ins Gespräch, teilen Informationen und Wissen und tauschen Erfahrungen aus.

Dies wurde auch vom Vertreter des Auswärtigen Amtes, Herrn von Heynitz, gelobt, der am letzten Tag die Bedeutung gegenseitiger Gespräche, vertrauensbildender Maßnahmen und den freiwilligen Informationsaustausch unter Partnern betonte. Diese Grundsätze gelten ausdrücklich auch in der Cyberspace-Domain“, stellt er heraus, u.a. bei internationalen Konsultationen bei NATO, EU oder VN.

Die freundschaftliche Atmosphäre und der kameradschaftliche Umgang untereinander wurden auch durch den anfänglichen Icebreaker und das kulturelle Hamburg-Programm gefördert. Kontaktdaten wurden selbstredend ausgetauscht. So wurde die Führungsakademie wieder einmal Ihrem Ruf, als „Little United Nations“ gerecht und so vertrauensbildende Maßnahmen zu stiften und zur Völkerverständigung beizutragen.

 

Autorin: Verena Hoffmann; Fotos: Lene Bartel

Hamburg, 06.12.2018

Der stellvertretende Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr, Oberst i.G. Neumann, begrüßt die Gäste im Manfred-Wörner-Zentrum

Das Marinemusikkorps Kiel führte unter Leitung von Herrn Fregattenkapitän Friedrich Szepansky durch die Geschichte des Militärmusikwesens

 Austausch beim Empfang im Manfred-Wörner-Zentrum

 

 

Militärmusik in Geschichte und Gegenwart. Den Lehrgangsteilnehmern des LGAN 2017, deren Angehörigen sowie weiteren interessierten Gästen wurde am 21.11.2018 im Manfred-Wörner-Zentrum der Führungsakademie der Bundeswehr mittels eines Informationskonzertes eindrucksvoll die Einsatzmöglichkeiten sowie die Leistungsfähigkeit eines Musikkorps der Bundeswehr präsentiert. Die Wichtigkeit der Wahrnehmung dieser besonderen Tradition betonte Oberst Neumann, stellvertretender Kommandeur der Führungsakademie, in seinen Begrüßungsworten durch die Aufnahme des Informationskonzerts in den Lehrplan der zukünftigen Generalstabsoffiziere des laufenden Generalstabsdienst / Admiralstabslehrgangs.

Ein Mix aus Musikstücken und Vortragsblöcken

Das Marinemusikkorps Kiel führte an dem Abend in knapp zwei Stunden unter der Leitung von Herrn Fregattenkapitän Friedrich Szepansky durch die Geschichte, das Fähigkeitsprofil und das Leistungsspektrum des Militärmusikwesens. Dabei wechselten sich klassische, moderne und vor allem bekannte Musikstücke mit kurzen Vortragsblöcken ab und zeichneten somit eine erlebnisreiche Zeitreise durch die Epochen der Militärmusik für die begeisterten Zuhörer des voll besetzten Gneisenausaals.

Militärmusik als zentrales Element der soldatischen Tradition

Was macht Militärmusik zur Tradition des Soldatentums? Mit dieser Frage richtete sich Fregattenkapitän direkt an das interessierte Publikum. Noch anfangs verhalten in den Antworten wurde das Publikum durch ein reges Frage-Antwort-Spiel zwischen den historischen Passagen und den militärischen Stücken schnell immer mutiger. Ein Freiwilliger, der sein Truppensignal aus der Gemenge von 6 Signaltönen herausfinden sollte, war schnell gefunden. Dieses Experiment sollte zeigen, dass die Signaltöne des Trompeters zur Führung über Distanz auch im Gefecht von denen des Feindes differenziert werden musste.

„Türen öffnen, Gespräche fördern und Brücken bauen“

Am Ende des Abends stellte Fregattenkapitän Szepansky erneut die Frage, was Militärmusik im Sinne der Tradition ausmacht. Die Antworten wurden nach dieser Geschichtsstunde durch die Epochen vom Publikum richtig beantwortet: Die Militärmusik diente schon immer dazu, Zusammenhalt zu festigen und das Selbstverständnis zu prägen und ist seit Jahrhunderten fest im Militär verankert. Dabei gilt es nicht nur einen beeindruckenden und würdigen Rahmen bei Übergaben von Großverbänden zu bilden, sondern auch Türen zu öffnen, Gespräche zu fördern und Brücken zu bauen. Dieser Austausch wurde beim anschließenden Empfang im Foyer des Manfred-Wörner-Zentrums mit Speis und Trank noch ausgiebig gefeiert.

 

 

 

 

 

Autoren: Christoph Weigmann / Beatix Palt u.a.; Fotos: Lene Bartel

Hamburg, 05.12.2018

Gastgeber und Referenten des DWT Symposiums

Dr. Andreas Schröter, Executive Vice President & Regional Manager DNV GL - Energy, beim Vortrag

 Konteradmiral a.D. Karl-Wilhelm Ohlms bei der Begrüßung

 Interessierte Zuhörer im Auditorium

 

Prof. Dr. Burkhard Meißner, Vorstand GIDS

Prof. Dr. Beatrix Palt, INP Institut für Nachhaltiges Projektmanagement bei Ihren Ausführungen

Generalmajor Michael Vetter CdS des Kommandos Cyber- und Informationsraum, CIR

Was haben Haferflocken mit Digitalisierung zu tun? Gar nichts, sagen Sie? Das stimmt nicht. Hiervon wußte Dr. Christian von Boetticher, Geschäftsführer der Peter Kölln GmbH & Co KGaA zu erzählen, als er seine Dinner Speech „Digitalisierung: Wie Big Data uns zur Veränderung zwingt“ an der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) gehalten hat. Dr. von Boetticher war eingeladen, mit seinem Erfahrungsbericht das diesjährige Symposium der Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik e.V. der Sektion Hamburg und Schleswig-Holstein zu eröffnen. Dieses Symposium fand zum zweiten Mal an der Führungsakademie statt. Vor der Rede begrüßte die Sektionsleiterin der DWT, Frau Fkpt. d. R. Professorin Dr. Beatrix Palt, die rund 100 geladenen Gäste sehr herzlich und lud zur aktiven Beteiligung an einem Symposium ein, deren Ziel der rege Erfahrungsaustausch ist. Ihre Worte nahm der Kommandeur der FüAkBw, Generalmajor Oliver Kohl auf, um seinerseits als Hausherr und Gastgeber den Gästen einen informativen und guten Austausch zu wünschen. Schließlich begrüßte auch der Geschäftsführer der DWT, Konteradmiral a.D. Karl-Wilhelm Ohlms, die geladenen Teilnehmer des Symposiums. Admiral Ohlms spannte zugleich Bogen zur FüAk, denn die DWT zeichnet alljährlich die beste Lehrgangsarbeit mit wehrtechnischem Bezug unter den Absolventen des Lehrgangs Generalstabsdienst/ Admiralitätsstabsdienst National (LGAN) mit dem Zukunftspreis der DWT aus. Dieses Jahr erfolgte die Verleihung für seine Arbeit an Major Sven Kümmeth, der sich mit „Big Data in der Bundeswehr“ auseinandergesetzt hat (wir berichteten darüber).

Trenderkennung über Flaggshipstores

In seiner Dinner Speech begann Herr von Bötticher gleich mit der Feststellung, dass es DIE Digitalisierung nicht gibt. Es gebe sie in Geschäftsmodellen, in Märkten usw. Nach Dr. von Boetticher kommt es als modernes Unternehmen, das auch in Zukunft bestehen möchte, sehr darauf an, dass der Sachnächste die Entscheidungen trifft und nicht der hierarchisch höherstehende. Dieser habe möglicherweise in der komplexen Fachmaterie auch keine Ahnung mehr. Die Moderne im Führungsprozess im digitalen Zeitalter bestehe aus drei Kernaspekten: 1. Die Führungskraft muss Vertrauen in seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben und in deren Sachkompetenz. 2. Es käme darauf an, in Teams zusammenzuarbeiten. Hierarchien verhindern das Zusammenwirken von allen gefragten Lösungskompetenzen. Und 3. kommt es auf eine gelebte Fehlerkultur an. „Das Lernen aus den Fehlern ist ein Teil des Prozesses“, so Dr. von Boetticher. Und weiter führte er aus: „Doch „das setzt den Mut zum Probieren voraus.“ Digitalisierung ermöglicht jedoch auch eine schnelle Reaktion auf Marktentwicklungen. So ermöglicht der Flaggshipstore des Unternehmens beim Hamburger Chilehaus eine Trendbeobachtung. Diese Trends können dann in ein Serienprodukt ausgebaut werden. Damit der Changemanagementprozess im Zuge der Digitalisierung in dem Unternehmen schnell umgesetzt werden kann, hat sich die Geschäftsführung entschlossen, 24 Targets parallel anzugehen. Nach von Boetticher geht es darum, unter seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern „die Sehnsucht nach Digitalisierung zu wecken.“

Bei einem gemeinsamen Abendessen, das von einem großen IT-Dienstleister gesponsort worden ist, konnten die Gäste das Gehörte gut diskutieren. Auch das Netzwerken kam nicht zu kurz.  

Sehnsucht nach Digitalisierung

In 10 Vorträgen mit jeweils anschließenden Diskussionen näherten sich die Symposiumsteilnehmer am zweiten Tag des Symposiums dem Thema der Veranstaltung „Digitalisierung. Organisation und Akteure. Design Thinking, Big Data, Workflows, neue Gesellschafter und Sicherheit“. Den Begriff von der „Sehnsucht nach Digitalisierung“ nahm zur Eröffnung des zweiten Tages Admiral Ohlms auf, der die Frage umfassend anging. So fragte er neben den zu erwartenden Vorteilen, etwa der neuen Arbeitsplätze, auch danach, was „Industrie 4.0“ bei den einfach ausgeprägten Jobs in den Schwellen- und Entwicklungsländern bedeuten würde. Doch Umwälzungen würden auch hierzulande anstehen. Zu denken sei nur an das Roboting in der Pflege, ein Prozess, der vor allem in Deutschland, Japan und Korea zu erwarten sei, also überall dort, wo die hohe Überalterung der Gesellschaft diese Ausprägung der Digitalisierung erforderlich machen würde.

Digitalisierung ist das Thema bei den Streitkräften

Generalmajor Vetter, Chef des Stabes im Kommando Cyber- und Informationsraum der Bundeswehr, ist in seinem Vortrag der Frage nachgegangen, was die Digitalisierung für die Streitkräfte bedeutet. Er bezeichnete dabei die Digitalisierung als „den Megatrend des 21. Jahrhunderts“, der große Chancen eröffnet, aber auch Risiken und Gefahren in sich birgt. Die Angriffe auf kritische Infrastrukturen könnten, so der General, „im Ergebnis dabei ähnliche Effekte erzielen, wie ein massives Bombardement.“ Information wird zu einem wesentlichen Faktor auch der Operationsführung, wobei nicht nur der „Kampf um Information“, sondern zunehmend auch der „Kampf mit Information“ im Fokus steht. Propaganda, „Fake News“ und andere Möglichkeiten der Beeinflussung müssen erkannt werden und es sind gezielt „Gegennarrative“ zu entwicklen. Die Besonderheiten des Cyber- und Informationsraums sind auch in Bezug auf die operativen Faktoren „Raum, Zeit und Kräfte“ zu beachten. So hebt die Bedrohung aus dem Cyberraum die Territorialität weitgehend auf und auch der Faktor Zeit bekommt eine andere Bedeutung. Wirkung kann z.B. über beliebige Entfernung ohne Zeitverzug erzielt werden, denn die Effekte treten in Echtzeit ein. Jedoch bedürfen die Angriffe aus dem Cyberraum langer und präziser Vorbereitungen. Sie seien nicht einmal „ebenso“ zu ermöglichen. Hybride Konfliktformen werden zunehmend zu wahrscheinlichen Konfliktszenarien, die in der Regel gezielt unterhalb militärischer Eskalationsschwellen bleiben. Sie nutzen unklare Zuständigkeiten – beispielsweise die Abgrenzung innere und äußere Sicherheit –, bleiben i.d.R. unterhalb der Schwelle des „klassischen“ Krieges („war without fighting a war“). Das heißt aber nicht, dass sie gewaltfrei verlaufen. In diesem Kontext ist zu klären „Wann liegt im Verständnis ein Verfassungsfall im Sinne des Grundgesetzes vor? Kann ein großangelegter Cyberangriff den Verteidigungsfall auslösen?“, so der General.

Workflows – in einem Digital Enterprise

Die Transformation von Geschäftsprozessen und Workflows im Zuge der Digitalisierung war der Themenschwerpunkt von Frank Irnich, Enterprise Architekt bei der SAP SE. Um dem Begriff der Digitalisierung besser zu definieren, wurden eingängige Messgrößen festgelegt und Bereiche der digitalen Transformation sowie deren Herleitung über Modelle erörtert. Im Zuge der sich durch die digitale Transformation ständig ändernden Geschäftsprozesse, Wertschöpfungsketten und Technologien beschrieb der Vortrag die Vorteile von Prozess-Mining für Bestandsprozesse zur Steigerung von Effizienz, Konformität und Compliance. Aktuelle disruptive Technologien, wie Künstliche Intelligenz und Blockchain, die heute schon bei der Digitalisierung einen großen Einfluss auf die Prozesswelt haben, wurden vorgestellt und durch Prozessbeispiele näher beleuchtet. Besonders die Möglichkeiten von Künstlicher Intelligenz reichen dabei sehr weit und konnten am Beispiel der Automatisierung einer Service-Ticket-Bearbeitung verfolgt werden.

Agiles Arbeiten ist Teil der Digitalisierung  

Ralf Junge, Leiter Content Strategie der Aperto GmbH, wählte einen gänzlich anderen Ansatz, sich dem Thema Digitalisierung zu nähern. Er stellte die nutzerzentrierte Produktentwicklung im digitalen Zeitalter dar. Ein möglicher Ansatz ist ein Design Thinking-Prozess, wobei unter „Design“ auch die Kenntnis darüber zu verstehen ist, wie etwas funktioniert. Hier beschrieb er die Auswirkungen, die die Digitalisierung in der Zusammenarbeit mit Kunden bedeutet. Um mit Kunden schneller und effizienter zusammenarbeiten zu können, sind viele neue Arbeitsweisen notwendig. 12 Prinzipien für „agiles Arbeiten“ und das Agile Manifesto liegen der Arbeit von Aperto zugrunde, die im Zusammenarbeitsprozess mit den Kunden berücksichtigt werden.  

Agilität und die Akteure – der Drahtseilakt

Frau Professorin Dr. Palt, INP Institut für Nachhaltiges Projektmanagement, beschrieb in ihrem Vortrag Digitalisierung als evolutionären, offenen Entwicklungsprozess für die Organisation und ihre Akteure. Anhand eines Drahtseilakts veranschaulichte sie den Zuhörern, dass Digitalisierung einerseits bedeute, alles in Frage zu stellen, Konfetti in die Luft zu werfen und anderseits die Akteure und ihre Befähiger zu befähigen. Das erfordere Agilität, Beweglichkeit, aber nicht als Selbstzweck, sondern mit dem Ziel, Komplexität und Kontingenz zu beherrschen. „Will ich Menschen in Bewegung setzen, so verlangt das ein Lernen in unterschiedlichsten Bereichen.“ Hierzu führte sie aus: „Wir sprechen hier vom Lernen aus Erfahrung und in sozialen Kontexten.“ Dabei helfen die Erkenntnisse aus der Gehirnforschung (wie lernen wir?) ebenso wie Erkenntnisse aus der Wirksamkeitsforschung (Was bringt uns das?), der Organisationspädagogik (wie lernen wir selbstreguliert aus reflektierter Erfahrung? oder auch der IT. Professorin Palt forderte, tradierte Denkmuster aufzugeben „Agilität fordert ein reflexives Führungsverständnis, das mit einem offenen Entwicklungsverständnis einhergeht.“ Damit funktioniert ein agiler Fortschritt nur, wenn die Fähigkeit zur Selbstreflexion, die Fähigkeit zur Selbstregulierung und zur Problemlösung vorliegt. Entscheidend dafür sei die Fähigkeit zum Musterbruch – in der Organisation aber auch im Selbst.

Digitalisierung im Gesundheitswesen

In einem nächsten Vortragsabschnitt der Tagung wurde die Digitalisierung im Gesundheitswesen zum Thema. Dieser Abschnitt begann mit einem Vortrag von Dr. John Näthke, Geschäftsführer der Helios-Kliniken. Nach Herrn Dr. Näthke zeigt sich in seiner Klinikgruppe Digitalisierung unter anderem als eine Plattform, wo alle Vorschläge, die seitens der Patienten wie auch der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingebracht werden, von der Geschäftsführung bewertet und zur Umsetzung gebracht werden können. Das betrifft das Ärzteportal ebenso wie auch ein umfassendes digitales Serviceangebot für Kunden, ein Feedback- und Beschwerdetool, Anfrageoptionen für Wahlleistungen oder ein Benachrichtigungssystem, das nach dem Ende einer Operation den Angehörigen eine Nachricht sendet. Doch kann im Gesundheitswesen Digitalisierung sehr weit gedacht werden. An dieser Stelle seien die digitalen Patientenakten zu nennen oder der Wartezeitenmonitor.

Behandlung von Patienten auf See

Mit den Darstellungen von Admiralarzt Dr. Stephan Apel wurde der Vortragsabschnitt Gesundheit fortgeführt. Nach Dr. Apel bedeutet Telemedizin „medizinische Beratung auf Distanz“. In diesem Kontext also die Betreuung von Patienten auf Schiffen, die fern der Heimatstandorte im Einsatz sind und deren medizinische Versorgung sichergestellt werden muss. Dabei hat die maritime Telemedizin bereits eine sehr lange Geschichte. Die weltweit vorgeschriebene Bereitstellung von telemedizinischen Diensten für Seefahrer wird für Deutschland seit 1931 durch das Krankenhaus Cuxhaven in staatlichem Auftrag übernommen. Digitalisierung bedeutet in diesem Zusammenhang die Nutzung aller digitalen Medien und Verfahren um diese Beratung zu verbessern und auszuweiten. Fragen der technischen, aber vor allem auch der rechtlichen Rahmenbedingungen wurden angerissen und das weitreichende Potential in der Weiterentwicklung dargestellt.

Wie die Digitalisierung unser Unternehmen durcheinanderbrachte

Die Digitalisierung als plötzliches Phänomen zu betrachten, greift zu kurz. Vielmehr sind Veränderungsprozesse wohl stete Begleiter eines Unternehmens. Die vielen Prozesserleichterungen, die eine digitale Welt mit sich bringen kann, können auf der einen Seite Ängste hinsichtlich benötigter Personalressourcen auslösen. Andererseits stellt die Digitalisierung – wie im Fall der FURUNO DEUTSCHLAND GmbH einer der Schlüssel für den weiteren wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens dar. Die Neuausrichtung bestehender Prozesse und deren Abbildung in Form digitaler Workflows geschieht nicht über Nacht und stellt auch keine One-Man-Show dar. Herr Frederiksen und Herr Lumma führten anschaulich aus, dass hierzu nicht nur das Kommittent im Führungskreis ein Erfolgsfaktor ist. Vielmehr wurde die Einbindung der betroffenen Mitarbeiter als weiter Baustein für eine „Sukzess Story“ betrachtet. Beide Redner zeigten sich überzeugt: allein aufgrund der aktiven Einbindung der operativen Einheiten und der hieraus gewonnenen Erkenntnisse kann ein digitaler Umstellungsprozess durch den Teamcharakter und des interaktiven Zusammenwirkens von Hierarchie- und Fachabteilungen einen gewissen Grad zur Eigenmotivation wecken. Herausgehoben wurden die anfänglichen Hürden und kleinen Widerstände im Unternehmen, denen mittels regelmäßiger Soll-Ist-Abgleiche im Rahmen von Feedback-Gesprächen und Workshops begegnet wurde. In einem laufenden Umstellungsprozess, so die Redner, sind Risiken nicht zu unterschätzen. Bei der FURUNO DEUTSCHLAND GmbH ist dies eine Doppelbelastung der betroffenen Mitarbeiter, nicht nur für die regelmäßigen Workshops, sondern für die sich ergebenen Testphasen der digitalen Workflow-Prozesse. Darüber hinaus kann ein Rückfall in „alte“ Verhaltensweisen den Projekterfolg gefährdenden und die „neue“ „digitale Welt“ als Allheilmittel für Problemstellungen betrachtet werden. Voller Zuversicht konzentriert sich das Unternehmen nunmehr auf die Endphase des Prozesses und wird im neuen Geschäftsjahr 2019, nach einer gut Einjährigen Einführungsphase, den digitalen Workflowprozess auf live schalten.

Neue Geschäftsmodelle und Kosteneinsparungen in der Energiewirtschaft durch Digitalisierung und Datennutzung

Dr. Andreas Schröter Executive Vice President & Regional Manager DNV GL - Energy fuhr die Vortragsreihe mit dem Thema „Neue Geschäftsmodelle und Kosteneinsparungen in der Energiewirtschaft durch Digitalisierung und Datennutzung“ fort. Dabei ging es vorab um die Zukunft der Energiegewinnung. Es wird prognostiziert, dass bis 2050 eine Aufteilung der fossilen und nicht fossilen Quellen von 50/50 sattfinden wird. Darüber hinaus wird die Photovoltaik um das 80-fache und die Windenergie um das 30-fache wachsen. Durch die höhere Nachfrage und somit Produktion, werden die einzelnen Stückkosten der Anlagen wiederum sinken. Die Digitalisierung und die Datenanalyse ermöglichen ein genaueres Verständnis des Zustandes der Stromversorgung und seiner Fähigkeiten. Digitale Technologien werden das Energiesystem vernetzter, intelligenter, effizienter, zuverlässiger und nachhaltiger gestalten. Dieser Effekt wird sich bei der Energieversorgung bemerkbar machen, vor allem aber die Effizienz bei der Endnutzung der Energie steigern. Auswirkungen der Digitalen Technologien können sein, dass die Betriebskosten durch Fernsteuerung- und überwachung der Anlagen verringert werden. Durch das Internet of Things kann der Strombedarf genau angepasst werden und es ist eine bessere Koordination von Angebot und Nachfrage möglich. Es wird vorhergesagt, dass bis 2025 etwa 50% aller neuen Autos in Europa E-Autos sein werden. Am Ende des Vortrages von Herrn Dr. Schröter erläuterte er, wie DNV GL Energy auf diesen Trend reagiert und seine Geschäftsfelder umstellt. Des Weiteren gewährte Herr Dr. Schröter einen kurzen Einblick in einige digitale Projekte von DNV GL Energy. Digitale Projekte sind beispielsweise GPM Horizon, WindGEMINI und Smart Cable Guard. GPM Horizon ist ein Multi-Technologie Überwachungsplattform für gemischte erneuerbare Portfolios, die derzeit Solar-, Speicher- und Windkapazitäten umfassen. WindGEMINI ist ein Digitales Zwillings Framework, das Betriebsdaten in nahezu Echtzeit analysiert, um das Expertenwissen von DNV GL an unsere Kunden zu liefern und ihren Umsatz zu steigern und Smart Cable Guard ermöglicht es, Stromverteilungsnetze zuverlässiger, sicherer und "fit für die Zukunft" zu machen, indem es eine nachhaltigen Betrieb unterstützt.

 

Autorin: Dr. Victoria Eicker; Fotos: Lene Bartel

Hamburg, 03.12.2018

Generalmajor Oliver Kohl begrüßt Air Vice-Marshal Chris Luck an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg

Air Vice-Marshal Chris Luck beim Eintrag in das Gästebuch der Führungsakademie

 Gespannt folgt die Akademieführung dem Vortrag

 Interessierte Zuhörer im Auditorium

 

Im Austausch mit Air Vice-Marshal Luck

 

 

Wozu ist die Führungsakademie der Bundeswehr eigentlich da? Und wozu sind die vielen anderen militärischen Akademien weltweit da? Darin war man sich von Anfang an einig: um die nächste Generation militärischer Führungskräfte bestmöglich auf eine ziemlich ungewisse Zukunft vorzubereiten. Und das heißt: intellektuelle und handwerkliche Fähigkeiten sowie die Möglichkeit zur Selbstreflexion, um in komplexen Situationen und mit diesen Werkzeugen Entscheidungen zu treffen, die am nächsten an einem „richtig“ liegen. Das klingt nicht ambitioniert? Mehr ist Illusion und kommt an eine sich rasant verändernde und komplexe Sicherheitslage nicht heran. Doch beginnen wir am Anfang eines dieser spannenden Tage in der Clausewitz-Kaserne in Hamburg.

Zwei Kommandeure – zwei Akademien

Morgens neun Uhr: Der Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg (FüAkBw), Generalmajor Oliver Kohl, begrüßt den Kommandeur des britischen Pendants zur Führungsakademie, das Joint Services Command & Staff College (JSCSC) in der Clausewitz-Kaserne, Air Vice-Marshal Chris Luck. Es ist das erste Mal, dass der Kommandeur der Führungsakademie den ehemaligen Hubschrauberpiloten und Kollegen aus dem britischen Shrivenham persönlich empfängt. Nach dem traditionellen Eintrag ins Gästebuch und einem ersten Austausch zwischen den beiden Kommandeuren, wird Air Vice-Marshal Luck – sein Dienstgrad entspricht einem deutschen zwei Sterne General – die Führungsakademie der Bundeswehr als höchste Bildungseinrichtung der deutschen Streitkräfte vorgestellt.   

Angeregte Diskussion

Von der Geschichte der Führungsakademie bis hin zu den Fakten der Gegenwart: Eine Bildungsinstitution mit etwa 3.000 Lehrgangsteilnehmern pro Jahr, davon 250 international, in 80 Lehrgängen – um nur einige zu nennen. Dem hoch aufmerksamen Air Vice-Marshal Luck präsentiert zunächst Oberstleutnant i.G. Matthias Friedrich die Struktur der FüAkBw sowie die spezifischen Besonderheiten der Lehrgänge für Stabsoffiziere und den angehenden Führungsnachwuchs anhand der Grundphilosophie der Lebenslagen Lernens. Vom ersten Tag bei der Bundeswehr bis zu dem Tag, an dem man womöglich General wird und darüber hinaus: Lernen gehört zum Weg durch die Streitkräfte. „Wie entscheiden Sie, welche Inhalte gelehrt werden“, fragt Luck. „Wir stützen uns auf Vorgaben, Erfahrung und Evaluation“, erklärt Generalmajor Kohl. Luck ist nicht nur an der Auswahl der Inhalte interessiert, auch an der Länge beispielsweise des Lehrgangs Generalstabs-/Admiralstabsdienst National (LGAN). Dieser ist auf zwei Jahre ausgelegt. Das Pendant dazu im Vereinigten Königreich Großbritannien sei zehn Monate lang – und das empfinde man schon als erheblichen Zeitaufwand. Das Thema werde auch hier diskutiert, versichert Generalmajor Kohl – aber Ausbildung braucht seine Zeit, besonders im Bereich der Spitzenkräfte.

Einladung nach England

Auch Oberst i.G. Jesko Peldszus, Leiter des Kompetenzzentrums Ausbildung und Führung, und Oberst i.G. Sönke Marahrens, Projektoffizier des German Institute for Defence and Security Studies (GIDS) – dem neuen Think Tank an der Führungsakademie, halten in Vorträgen die Besonderheiten ihres Bereich fest. Der britische Gast verfolgt die Beiträge genau, hakt immer wieder nach und diskutiert mit Generalmajor Kohl, dem Direktor Ausbildung Oberst i.G. Holger Neumann und den Vortragenden über Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Ausbildung und Struktur ihrer Führungsakademien. Ganz besonders interessiert den britischen Zwei-Sterne-General das Konzept des Lebenslangen Lernens – welche Anreize werden geschaffen, bis zu welcher Führungsebene ist eine Teilnahme angedacht. Immer wieder durchbricht schallendes Lachen die Diskussion – britischer Humor ist eben etwas Besonderes. Der neue Think Tank GIDS stößt bei Luck auf großes Interesse, denn auch in Großbritannien gibt es den Think Tank Development, Concepts and Doctrine Center, der dem Verteidigungsministerium untersteht. Zum Schluss dieses für alle Seiten fruchtbaren Gesprächs lädt Air Vice Air-Marshal Luck seine deutschen Kollegen zu einem nachfassenden Gespräch nach Shrivenham ein.

Ungewisse Zeiten

Fortsetzung 13.30 Uhr: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Lehrgänge Generalstabs-/Admiralstabsdienst National 2017 und 2018 und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Führungsakademie warten gespannt im fast komplett
besetzten Manfred-Wörner-Zentrum. Eine kurze, aber spritzige Vorstellung des britischen zwei-Sterne-Generals von Oberstleutnant Sarah Tunsdall, einer britischen Teilnehmerin des LGAN, stimmt das Auditorium auf dessen Vortrag ein. Luck umreißt die aktuelle, sehr komplexe und ausgesprochen dynamische Sicherheitslage sowie die Herausforderungen etwa durch Künstliche Intelligenz oder unbemannte Waffensysteme. Für das künftige militärische Führungspersonal steht fest, dass sie eine Wirklichkeit vorfinden werden, die heute noch gar nicht in Gänze absehbar ist. Luck und Kohl sind sich am Ende einig: Der Führungsnachwuchs muss heute so gut wie möglich auf ungewisse Zeiten von morgen vorbereitet werden. Das ist die Aufgabe der Führungsakademien.

 

 

 

 

Autorin: Anne Bressem; Fotos: Lene Bartel

Hamburg, 30.11.2018

Generalmajor Oliver Kohl begrüßt Georgiens Verteidigungsminister, Levan Izoria, an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg

Georgiens Verteidigungsminister Levan Izoria beim Eintrag in das Gästebuch der Führungsakademie

 

Wie wird das Führungsprinzip der Auftragstaktik im Bundeswehralltag gelebt und wie ließe sich diese Methode der Führung auf die georgischen Streitkräfte anwenden? Welche Arbeit leistet das German Institute for Defence and Strategic Studies (GIDS)? Fragestellungen, zu denen sich Georgiens Verteidigungsminister Levan Izoria in Begleitung seines Chief of Defense, Generalmajor Vladimer Chachibaia, sowie einer georgischen Delegation  intensiv  mit dem Kommandeur der Führungsakademie, Generalmajor Oliver Kohl und Akademieangehörigen austauschte.

Von kriegstauglichen Generalstabsoffizieren

Zur Einführung stellte Oberstleutnant i.G. Matthias Friedrich zunächst das Konzept des Lebenslangen Lernens sowie das breit gefächerte Angebot aller Lehrgänge der Akademie vor. General Kohl nahm dies auf und unterstrich an dieser Stelle den Charakter der Führungsakademie als höchste Bildungseinrichtung der Bundeswehr. Kernaufgabe sei die Aus-, Fort- und Weiterbildung bereits berufserfahrener Offiziere aus dem In- und Ausland. Ziel sei es, kriegstaugliche Stabsoffiziere und Generalstabsoffiziere von der Akademie in ihre diversen Verwendungen der Bundeswehr zu entsenden.

Auf der Münchner Sicherheitskonferenz

„Wir wollen die Gesellschaft für sicherheitspolitische Themen sensibilisieren, in einen Dialog treten, Debatten strategisch bereichern“, erklärte Oberst i.G. Sönke Marahrens, Projektleiter für das GIDS. In Erweiterung des Auftrags der Führungsakademie solle das in Lehre und Forschung gesammelte Wissen als Angebot für strategische Diskurse dienen. „We are a new kid on the block“ führt Marahrens fort und betonte das Alleinstellungsmerkmal des GIDS, die Kooperation mit der „Helmut Schmidt Universität“, Universität der Bundeswehr Hamburg.  Mit sichtbarem Stolz verkündete er dem interessierten Publikum, sowohl GIDS als auch die Führungsakademie seien mit einem Panel auf der kommenden Münchner Sicherheitskonferenz vertreten, ein erster großer Erfolg seit dem erst kurzen Bestehen von ungefähr fünf Monaten. Verteidigungsminister Izoria war geradezu gefangen von diesen Impulsen: „Wie gehen Sie in die Öffentlichkeit, wie bieten Sie sich an, wie gestalten Sie das im Detail?“, fragte er nach. Wir gehen proaktiv in Debatten, wir wollen Mut zum Diskurs nicht nur postulieren, wir praktizieren ihn gnadenlos. Unsere Ministerin Dr. Ursula von der Leyen gibt mit der Existenz des GIDS darüber hinaus ein wichtiges Signal in die Truppe. Sie sagt, ich brauche Euch, Euer Wissen, Euren Rat für meine tägliche Arbeit.

Vertrauen haben und miteinander reden

Daran anschließend veranschaulichte Oberst i.G. Marahrens Verteidigungsminister Izoria und der georgischen Delegation nicht weniger impulsiv und anregend das Führungsprinzip der Auftragstaktik. Menschen zu führen, stehe hier immer in direkter Beziehung zur Inneren Führung, zeige er auf. Der militärische Führer gebe den Soldatinnen und Soldaten das Ziel vor, verfolgen und erreichen solle der Soldat das Ziel selbständig, führt Marahrens fort. In der folgenden Diskussion wollte die georgische Delegation wissen, inwiefern es vorstellbar sei, die Auftragstaktik auch bei den georgischen Streitkräften zu implementieren, welche Empfehlung die Bundeswehr aus ihrer Praxis habe, von welchem Zeithorizont bis zur erfolgreichen Praxis in der täglichen Umsetzung man ausgehen könne. General Kohl betonte an dieser Stelle: „Wir haben die Auftragstaktik 1888 eingeführt und sehen Sie, es dauert eben seine Zeit. Mit Geduld, Verständnis und Dialog nehmen Sie Ihre Soldaten mit. Setzen Sie Vertrauen in Ihre Männer und geben Sie ihnen stets einen sinnvollen Hintergrund für ihren Auftrag.“ Das Führungsprinzip der Auftragstaktik setze großes Vertrauen in die Geführten, appelliere an ihre Vernunft und den Sinn dafür, Verantwortung übernehmen zu wollen. Beziehungen müssten so geschaffen werden, die Motivation der Soldaten zu stärken. Auftragstaktik bedeute eine kulturelle Veränderung für die Streitkräfte Georgiens, der tiefere Sinn liege vor allem in der Kultur von Kommunikation, resümierte Verteidigungsminister Izoria abschließend fasziniert und bedankte sich auch im Namen seiner Delegation für den inhaltlich sehr wertvollen Diskurs sowie für den herzlichen Empfang.

 

 

 

Autor: Norbert Stäblein; Fotos: Lene Bartel

Hamburg, 27.11.2018

Generalmajor Oliver Kohl begrüßt den Ersten Bürgermeister der Hansestadt Hamburg, Dr. Peter Tschentscher an der Führungsakademie der Bundeswehr

Dr. Peter Tschentscher beim Eintrag in das Gästebuch der Führungsakademie der Bundeswehr

 

 

Über die Bandbreite von Ausbildungen, Lehrgangsmodulen und Forschung informierte sich der Erste Bürgermeister der Hansestadt Hamburg, Dr. Peter Tschentscher an der Führungsakademie der Bundeswehr. Erfreut meinte er, dass das Angebot ein gutes Angebot am Standort Hamburg sei. Generalmajor Oliver Kohl stellte ihm als Kommandeur den interdisziplinären Ansatz vor, mit dem die Akademie Soldaten, zivile Angehörige der Bundeswehr, aber auch internationale Militärs und Experten aus zivilen Institutionen ausbildet.

Ausbildung auf hohem Managementlevel

Die Ausbildung von Generalstabsdienst- / Admiralstabsdienstoffizieren, Stabsoffizieren und zivilen Führungskräften bewegt sich auf höchstem Managementniveau, wobei unter anderem die Einbindung von Angehörigen von Streitkräften anderer Länder das intellektuelle Spektrum erweitert, erfuhr der Bürgermeister. Besonders die Verbindung zwischen der militärischen Ausbildung und der Forschung am German Institute for Defence and Strategic Studies (GIDS) ließ ihn aufmerken.

Expertise zusammenbringen

Tschentscher nahm den vernetzten Ansatz auf und folgerte, man könne zwar militärisch gewinnen, aber danach seien die Konflikte nicht weg. General Kohl bestärkte diesen Gedanken indem er darauf hinwies, dass die „Verwebung von ziviler und militärischer Expertise“ ein Grundanliegen der Ausbildung und des lebenslangen Lernens sein müsse. Dazu böten die Lehrgänge, Seminare, Module und die Forschungsarbeit die strategische Fragestellungen aus sicherheits- und verteidigungspolitischer Perspektive untersucht, eine wesentliche Grundlage.

 

 

 

 

Autor: Christoph Weigmann; Fotos: Lene Bartel

Hamburg, 26.11.2018

Omid Nouripour beim Eintrag ins Gästebuch

Generalmajor Oliver Kohl mit Omid Nouripour, MdB, und Antje Möller, MdHB

 

 

Es ist immer wieder ein außergewöhnliches Ereignis für die Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw), wenn ein Abgeordneter des Deutschen Bundestages die höchste militärische Ausbildungseinrichtung in Hamburg besucht. Mitte November war Omid Nouripour, Mitglied der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, zu Gast an der Akademie. Begleitet wurde er von Antje Möller, Vizepräsidentin der Hamburgischen Bürgerschaft und Sprecherin für Arbeitsmarkt, Innenpolitik, Flüchtlingspolitik, Eingaben und Härtefallkommission der Bürgerschaftsfraktion Bündnis90/Die Grünen.

Nach der Begrüßung durch den Kommandeur der Führungsakademie, Generalmajor Oliver Kohl, folgte der traditionelle Eintrag in das Gästebuch der Akademie und ein offizielles Begrüßungsfoto.

Geballte Informationen

Im Anschluss stellte Oberst i.G. Jesko Peldszus den Auftrag der Akademie und die einzelnen Ausbildungsebenen an der FüAkBw vor. In seinem Kurzvortrag ging er auch detailliert auf die Inhalte der Ausbildungslehrgänge ein. Professor Dr. Burkhard Meißner, Vorstand des German Institute for Defence and Strategic Studies (GIDS), präsentierte den Gästen das auf Initiative von Bundesverteidigungsministerin Dr. Ursula von der Leyen am 30. Juni dieses Jahres gründete Institut, das an der FüAkBw angesiedelt ist. Als Kooperationsprojekt der Führungsakademie der Bundeswehr und der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg berät das GIDS forschungsbasiert Entscheidungsträger in strategiepolitischen Fragestellungen, publiziert Forschungsergebnisse und fördert mit Tagungen, Kongressen und innovativen Veranstaltungsformaten den öffentlichen Diskurs zu sicherheitspolitischen und sicherheitsstrategischen Fragestellungen.

Der aus Teheran stammende Nouripour zeigte großes Interesse an den Ausführungen der Referenten, die er mit zielgerichteten Fragen und Beiträgen ergänzte. Nach dem rund zweistündigen Besuch verließ er den Bundeswehrstandort in Hamburg-Blankenese mit neuen, fundierten Eindrücken.

 

 

 

Autor: Dr. Victoria Eicker; Fotos: Laura Clayborn

Hamburg, 23.11.2018

Generalmajor Kohl begrüßt den Verteidigungsattaché der Republik Niger, General Salifou Mody, an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg

Der Lehrgangsleiter des LGAI, Oberst i.G. Wasgindt, bei der Eröffnung des großen nationalen Informationstages

 Vorträge verauschaulichten die vielen Facetten des Landes

Dr. Aissa Haridou stellt die traditionellen Bekleidungen der verschiedenen Volksgruppen des Landes vor

 Traditionelle Tanzeinlagen rundeten die Vorträge ab

Die Pausen im Foyer des Manfred-Wörner-Zentrums boten Zeit für den persönlichen Austausch der Gäste

Generalmajor Kohl bedankt sich bei den Vortragenden

Es war der erste große Regionale Informationstag des im August gestarteten Lehrgangs Generalstabs-/Admiralsstabsdienst International (LGAI) 2018. Die informative Reise bei der Veranstaltung im Manfred-Wörner-Zentrum der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) führte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Lehrgangs wie auch die geladenen Gäste in die Mitte Afrikas, hinein in die trockenen, heißen Gebiete der Sahelzone: nach Niger. Niger ist ein Binnenstaat in Westafrika. Das Land ist weitläufig, klimatisch vielfältig. Viele der Teilnehmer hatten bis zu diesem Tag keine konkreten Vorstellungen vom Niger, doch das Land hat viel zu bieten und es ist strategisch wichtig.

Weltkulturerbe in Niger

Erst Mitte November war Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen in Niger gewesen, einem wichtigen Partner im Kampf gegen den internationalen Terrorismus, organisierte Kriminalität und illegale Migration. Die nigrische Hauptstadt Niamey ist bereits seit Längerem Drehkreuz für den Einsatz der Bundeswehr in Mali. Dort stellte die Ministerin im November das „Camp Vie Allemande“ in Dienst. Von diesem Stützpunkt am Flughafen aus wird die Beförderung von Personal und Material nach und von Mali sowie die medizinische Versorgung von Verwundeten für die UN-Mission MINUSMA sowie die EU-Mission EUTM koordiniert.

Im Manfred-Wörner-Zentrum begrüßte Generalmajor Oliver Kohl, Kommandeur der Führungsakademie, anlässlich des Regionalen Informationstages nicht nur die Gäste aus den Reihen des „Freundeskreises Ausbildung ausländischer Offiziere an der Führungsakademie der Bundeswehr“ und die Teilnehmer des LGAI, sondern auch den Verteidigungsattaché der Republik Niger, General Salifou Mody, der eigens aus Berlin angereist war. „Ich habe heute während meines Gesprächs mit General Mody noch einmal viel über den Niger gelernt“, sagte Generalmajor Kohl. „Das zeigt, wie wichtig diese Informationstage sind.“ Auch für die Anwesenden war es sehr interessant zu erfahren, dass sich in Niger drei Welterbestätten der UNESCO befinden, unter anderem das Aïr und Ténéré Naturreservat sowie die Altstadt von Agadez, die schon im Mittelalter ein wichtiges Handelszentrum war.

Von der Wüste bis in tropisches Sahelklima

Mody verwies in einer kurzen Ansprache auf die angespannte Sicherheitslage in der Sahelzone. Niger sei derzeit ein Ruhepol. Das liege nicht zuletzt auch an der Unterstützung der vielen Partner des Landes wie unter anderem Deutschland. So unterstütze die Bundesrepublik vor allem auch im Bereich Ausbildung. Niger erhielt darüber hinaus im Zusammenhang mit der Ertüchtigungsinitiative zum Kampf gegen Terrorismus und illegale Migration jüngst 53 Militärfahrzeuge. Auch am Bau einer Unteroffizierschule in Agadez will sich die Bundesregierung beteiligen. Oberstleutnant Amadou Sadou und Oberstleutnant Ismael Ka Sidi Oumar Ka, beide Teilnehmer des aktuellen LGAI, gaben nachfolgend einen Einblick in ihr Land.

So führte Oberstleutnant Sadou aus, dass der Niger gut 3,5 Mal so groß ist wie Deutschland, zu 75 Prozent aus Wüste und Halbwüste besteht und rund 22 Millionen Einwohner zählt – zum Vergleich: Deutschland hat eine Bevölkerung von mehr als 82 Millionen Einwohnern. Der Offizier, Vater von vier Kindern, stammt aus der Hauptstadt Niamey. Die Stadt befindet sich im Südwesten des Landes. „Die meisten Städte Nigers liegen wegen den klimatisch schwierigen Bedingungen des Nordens im Süden des Landes“, erklärte er. Dort herrscht tropisches Sahelklima, zudem durchfließt der Niger dieses Gebiet – der Norden des Landes indes gehört zu den heißesten Regionen der Erde. Dattelpalmen, Affenbrotbäume, Papayabäume und bis zu sechs Meter hohes Elefantengras – das sind typische Merkmale der Flora des Landes. Viele Schutzgebiete bieten dem westafrikanischen Löwen, Giraffen, Elefanten und Wasserbüffeln Rückzugsmöglichkeiten. Wunder der Natur gibt es in Niger viele zu bestaunen.

Tuareg an der Führungsakademie

Nichtsdestoweniger gehört Niger zu den ärmsten Ländern der Welt. Das hat unterschiedliche Ursachen. Das Land hat beispielsweise einen extrem hohen Bevölkerungszuwachs – sieben Kinder bekommt eine nigrische Frau im Durchschnitt. „Niger ist ein Vielvölkerstaat“, berichtete LGAI-Teilnehmer Sadou. Bevölkerungsgruppen sind Hausa, Songhai, Tuareg und Fulbe – um nur einige zu nennen. An diesem Punkt wurde den Gästen im Rahmen einer kleinen Modenschau die traditionelle Bekleidung der unterschiedlichen Stämme und Völker präsentiert. Dr. Aissa Haridou, die an einer Universität in Deutschland in Wirtschafts- und Sozialwissenschaften promoviert hat, moderierte mit ihrem perlenden, ansteckenden Lachen diese sehenswerte Vorführung. So kam ein Tuareg-Paar mit der traditionellen Kopfbedeckung und der langen Bekleidung in den Vorlesungssaal des Manfred-Wörner-Zentrums spaziert –  farbenfroh und für Europäer ein ungewohnter und beeindruckender Anblick.

Die Geschichte Nigers ist sehr alt und beeindruckend dicht. Schon Jäger und Sammler hinterließen in der Frühzeit Felszeichnungen im Aïr-Gebirge. Handelswege entlang der Wüste lassen sich weit zurück datieren. Im Mittelalter galt die Stadt Agadez als wirtschaftlicher Knotenpunkt für den Handel, zudem galt das Songhai-Reich, das sich bis an den Atlantik streckte zur damaligen Zeit als eines der größten Reiche Afrikas. 1921 wurde Niger französische Kolonie. Französisch ist auch heute noch die Amtssprache. In dem westafrikanischen Land werden aber weitere zehn Nationalsprachen gesprochen und unzählige Dialekte. 1958 ging das mehrheitlich muslimische Land in die Autonomie, 1960 in die Unabhängigkeit. Danach folgten Militärputsche und Militärregime. Doch in den letzten Jahrzehnten hat sich das Land am Niger langsam stabilisiert.

Mehr Bildung für Niger

Oberstleutnant Sidi Oumar Ka erläuterte in seiner azurblauen Luftwaffenuniform, wie reich sein Land an Ressourcen ist. Nigers erste Exportware sind Zwiebeln – das überraschte ein bisschen. Es ist aber der viertgrößte Uranproduzent der Welt. Daneben gibt es Eisenerz, Kohle, Gas, Erdöl, Gold. „Wieso dann das Pro-Kopf-Einkommen so niedrig ist, verstehe ich nicht“; sagte Sidi Oumar Ka stirnrunzelnd, fast ein bisschen anklagend. „Das ist eine große Herausforderung für mein Land!“ Das Pro-Kopf-Einkommen betrug in Niger für das Jahr 2017 knapp 440 US-Dollar – im Vergleich dazu betrug es in Deutschland mehr als 40.000 US-Dollar. Bildung sei eines der wichtigsten Bereiche, in die investiert werde. Die Alphabetisierungsrate ist sehr niedrig. „Das erschwert die Demokratisierung. Bildung ist der Grundstein der demokratischen und wirtschaftlichen Entwicklung eines Landes“, erklärte der Stabsoffizier. Und auch die Energiesicherheit sei ein wichtiges Thema.  

Der nigrische Stabsoffizier referierte auch zum Thema Sicherheitspolitik in seinem Heimatland. 54.000 Soldaten umfasst die nigrische Arme – Heer und Luftwaffe. Eine Marine gibt es in dem Binnenstaat nicht. „Zwei hochrangige Militärs sind ehemalige Lehrgangsteilnehmer des LGAI“, betonte Sidi Oumar Ka. Das Militär ist sowohl im Rahmen afrikanischer Bündnisse aktiv, wie auch in UN-Missionen. 1000 Soldaten befinden sich derzeit in Auslandseinsätzen. „Niger steht vor großen Herausforderungen: das Bevölkerungswachstum, die hohe Zahl an Analphabeten, Terrorismus, Klimawandel“, resümierte Sidi Oumar Ka. „Doch in unserem Land steckt auch ein enormes wirtschaftliches Potential, um sich weiter zu entwickeln“. So wünscht sich denn auch Oberstleutnant Sadou: „Dass wir die Herausforderungen alle gemeinsam, alle Nigrer zusammen, in Angriff nehmen und schaffen“. Abgerundet wurden die beiden Vorträge von zwei traditionellen Tanzeinlagen, die durch ihre rhythmischen, geschmeidigen und gleichzeitig kraftvollen Bewegungen das ein oder andere Bein zum Mitschwingen animierten.

Nigrisches Bier und andere Köstlichkeiten

Bevor es zu den kulinarischen Köstlichkeiten aus dem vielfältigen westafrikanischen Land ging, erhoben sich alle zur melodischen Nationalhymne des Niger – „La Nigérienne“. Danach lachten und sprudelten die Gäste und zahlreiche Nigrer aus Hamburg im Foyer des Manfred-Wörner-Zentrums. Es gab nigrisches Bier und traditionelle Gerichte. Was denn Sadou am meisten an Deutschland schätze? „Die Pünktlichkeit! Wir Nigrer verlieren zu viel Zeit!“, sagte er lächelnd. An diesem Abend musste keiner mehr pünktlich sein. Es war ein entspanntes und anregendes Beieinander. 

Seit 1990 nahmen insgesamt 17 Stabsoffiziere aus dem Niger am LGAI an der Führungsakademie in Hamburg teil. Zwei Lehrgangsplätze werden pro Jahr für die Soldaten aus dem Niger bereitgestellt. In großer Zahl waren Gäste aus dem „Freundeskreis Ausbildung ausländischer Offiziere an der Führungsakademie der Bundeswehr“ zu der Veranstaltung erschienen. Sie unterstützen als Paten die Integration der ausländischen Offiziere und ihrer Familien.

 

 

 

 

Autor: Norbert Stäblein; Fotos: Lene Bartel

Hamburg, 21.11.2018

Entspannte Gesichter bei der Vorstellung

Generalleutnant Jörg Vollmer erklärt Details der Heereslage

Die Zuhörer nutzen die Chance, dem Inspekteur des Heeres Fragen zu stellen

 Die Gespräche wurden im kleineren Kreis fortgesetzt

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Botschaft an die Lehrgangsteilnehmer war eindeutig: „Nutzen Sie die Führungsakademie der Bundeswehr dazu, den Blick über den Tellerrand zu richten. Hinterfragen Sie auch die Ausbildung“. Es war Generalleutnant Jörg Vollmer, Inspekteur des Heeres, der bei seinem Überblick „Zur Lage des Heeres – aktuelle Entwicklungen“ seine Zuhörerinnen und Zuhörer dazu aufforderte. Er nahm zunächst eine Bestandsaufnahme vor und referierte dann vor den Teilnehmern der Lehrgänge General- und Admiralstabsdienst National und International, sowie des Basislehrgangs Stabsoffiziere im Gneisenau-Saal über die zukünftigen Entwicklungen und Handlungsfelder. Mit einem Schmunzeln gab er den Lehrgangsteilnehmern einen kleinen Hinweis: “Es ist die beste Zeit Ihres Lebens“.

Entscheidungen treffen

Wer glaubte, dass im sogenannten Lehrdeputat Zahlen und taktische Begriffe abgespult würden, irrte. Der Heeresinspekteur hatte sich den ganzen Tag Zeit genommen, um mit den Offizieren intensiv ins Gespräch zu kommen. Das Lehrdeputat ist eine Lehrverpflichtung, die Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen dem Spitzenpersonal der Bundeswehr für den Nachwuchs der Bundeswehr abverlangt. General Vollmer referierte mit viel Elan und schöpfte aus seinem mehr als 40-jährigen Erfahrungsschatz im Dienste der Bundeswehr. Er war teils sachlich, teils emotional, immer mit Blick auf den Menschen. Vollmer forderte die jungen Stabsoffiziere immer wieder auf: „Erinnern Sie sich daran, wo sie herkommen und mit welchem Ziel Sie ihre Entscheidungen treffen“.

Die Zukunft der Laufbahn hinterfragen

Die anwesenden Lehrgansteilnehmer nutzten die Gelegenheit und kamen der Aufforderung, des Generals nach, Fragen zu stellen: Wie Generalleutnant Vollmer zur möglichen Einführung des Status` Berufssoldat für Mannschaftsdienstgrade stehe? „Manch einen würde ich sofort befördern, wegen seines Selbstverständnisses, wegen seines Auftretens – ein angenehmes Auftreten – und wegen seinem Duktus“, begann er seine Antwort. Aber viele Unteroffiziere rekrutieren sich aus der Mannschaftslaufbahn.  „Wenn wir den Mannschaftssoldaten zum Berufssoldaten machen, entfällt der Anreiz für den Einen oder Anderen in die Laufbahn der Unteroffiziere zu wechseln. Aber genau dieses Potential brauchen wir“.

Distanzen müssen überbrückt werden

Zuvor hatte Vollmer den Ist-Zustand des Heeres aufgezeigt und Ausblicke auf die Zukunft gegeben. „Ist das Fulda-Gap gleich dem Suwalki-Gap?“, fragte er rhetorisch. Die Begriffe stehen für eine geografische „Lücke“, die einen militärischen Einmarsch – damals während der Blockkonfrontation das Gelände nördlich von Fulda, heute ein kurzer Grenzverlauf zwischen Polen und Litauen –vorstellbar machen. Vollmer gab sogleich die Antwort: „Fulda ist in Deutschland und war unser Verteidigungsraum. Suwalki ist 1.000 Kilometer entfernt“. Der Hinweis saß: „Landesverteidigung hatte früher nicht die gleichen Distanzen wie es sie heute gibt“. Folglich müsse bei Operationen wie Trident Juncture in Norwegen auch das Verlegen über große Distanzen geübt und die Erkenntnisse daraus in nationale Planungen einbezogen werden.

Aufruf zur multinationalen Zusammenarbeit

Auch die Aspekte Vertrauen in das Material und Bündnisverpflichtung sprach Vollmer an. Mit der Teilnahme der Panzerlehrbrigade 9 an der NATO-Übung Trident Juncture in Norwegen sei es gelungen, die „einzig vollständige Brigade neben dem US-Marine Corps“ zu verlegen. Gerade mit Blick auf die multinationale Übung Trident Juncture sprach er den Bündnisgedanken an. „Europa sind wir alle“, zeigte der Inspekteur auf. Er verstehe darunter die westlichen Staaten genauso wie die Verbündeten an der Ostgrenze der Nato. Die deutsch-niederländische Kooperation sei beispielsweise ein Leuchtturm europäischer Zusammenarbeit, weil die gegenseitigen Unterstellungen von Einheiten sich bewährten. Schließlich „muss man eine Vision haben, die wie eine Brücke auf festen Pfeilern steht“, schloss der Inspekteur. Diese Pfeiler seien die vielen militärischen Kooperationen Deutschlands mit anderen Staaten.

Zukünftige Entscheider sollen Perspektive entwickeln

Die Zuhörer griffen Vollmers Appell des Hinterfragens auf. Sie wollten neben fachlichen Antworten auch seine persönliche Erfahrung und Meinung mitnehmen. Von der Europäischen Armee bis zur Fliegerabwehr – General Vollmer beantwortete alle Fragen. Besonders wichtig war ihm, dass die Teilnehmer der Führungsakademie als zukünftige Entscheidungsträger immer auch eine eigene Perspektive entwickeln und Lösungsansätze herbeiführen. Sie sollten aber auch Geduld behalten und künftige Aufträge langfristig denken.

 

 

 

 

Autor: Daniel Giese; Fotos: Lene Bartel

Hamburg, 20.11.2018

Die 13-köpfige Delegation aus den Maghreb-Staaten zu Gast an der Führungsakademie der Bundeswehr

Der Lehrgangsleiter LGAI, Oberst i.G. Wasgindt, begrüßt die Delegation am Admiral-Dieter-Wellershoff-Gebäude

Botschafters a. D. Dr. Michael Witter beim Eintrag in das Gästebuch der Führungsakademie

Gruppenfoto der Maghreb-Delegation vor dem Admiral-Dieter-Wellershoff-Gebäude

 

 

 

 

 

 

Im Rahmen der „Internationalen Diplomatenausbildung“ des Auswärtigen Amtes war eine 13-köpfige Delegation aus den Maghreb-Staaten Mitte November zu Gast in der Hansestadt. Die Visite der jungen Diplomatinnen und Diplomaten aus Algerien, Marokko und Tunesien umfasste auch einen exklusiven Besuch der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw), einer der weltweit führenden postuniversitären Bildungseinrichtungen für höheres militärisches und ziviles Führungspersonal.

Führungsakademie präsentiert sich

Die Delegation unter Leitung des Botschafters a. D. Dr. Michael Witter wurde von Oberst i.G. Frank Wasgindt begrüßt. Nach dem Eintrag ins Gästebuch der Akademie stellte Oberstleutnant i.G. Sascha Kraft dem Diplomatennachwuchs aus Nordafrika Auftrag, Organisationsstruktur und Ausbildungsangebot der FüAk vor. Dabei ging er auch auf die neu hinzugekommene Aufgabe als strategische Denkfabrik und das zu diesem Zweck Mitte 2018 gegründete „German Institute für Defense and Strategic Studies“ (GIDS) ein.

Im Anschluss präsentierte Oberst Wasgindt den einjährigen Lehrgang Generalstabs-/Admiralstabsdienst International (LGAI), an dem aktuell fünf Stabsoffiziere aus den drei Maghreb-Staaten teilnehmen. Für die Diplomatinnen und Diplomaten war es interessant zu erfahren, dass der LGAI nicht nur internationalen militärischen Führungskräftenachwuchs auf Verwendungen im Generalstabsdienst vorbereitet, sondern dass der Lehrgang darüber hinaus auch als außen- und sicherheitspolitisches Mittel dienen soll, um den Teilnehmern aus Nicht-NATO-Staaten den ganzheitlichen deutschen Ansatz von Sicherheitspolitik zu vermitteln.

Deutschlandbesuch vermittelt umfassende Einblicke

Während des dreiwöchigen Aufenthalts in Deutschland lernt der Diplomatennachwuchs noch bis Ende November die Funktions- und Arbeitsweise der Bundesregierung sowie die Grundlagen der deutschen verfassungsrechtlichen Ordnung kennen. Das Programm umfasst zudem Studienfahrten in ausgewählte Bundesländer sowie Besuche bei öffentlichen Institutionen und politischen Stiftungen, in Unternehmen und Museen. Thematisch stehen im Fokus von Vorträgen und Seminaren neben deutscher Kultur und Geschichte unter anderem die deutsche Nahost- und Afrikapolitik, das deutsch-französische Verhältnis sowie grenzübergreifende Kooperationen beispielsweise in Klima- und Migrationsfragen.

In Hamburg stand jedoch nicht nur der Besuch der FüAk auf der Agenda der Delegation aus den Maghreb-Staaten. Vielmehr wurden die Diplomatinnen und Diplomaten auch offiziell im Rathaus begrüßt und waren zu einem Empfang ins Gästehaus des Senats an der Außenalster geladen. Die Gruppe besichtigte zudem die Flugzeugproduktion von Airbus in Finkenwerder, das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ und sie konnte die Hansestadt bei einer Hafenrundfahrt auf der Elbe vom Wasser aus entdecken.

Die Internationale Diplomatenausbildung

Mit der Internationalen Diplomatenausbildung möchte das Auswärtige Amt jungen Diplomatinnen und Diplomaten aus dem Ausland am Beginn ihrer Karriere die Gelegenheit bieten, in Deutschland berufliche Erfahrungen zu sammeln, Positionen zu vergleichen und Gemeinsamkeiten zu erkennen.

Die Internationale Diplomatenausbildung wurde 1992 ins Leben gerufen, um den Aufbau Auswärtiger Dienste in den jungen Demokratien Mittel- und Osteuropas zu unterstützen. Später folgten Programme für weitere Staaten vor allem in Asien und Afrika. Inzwischen bietet das Auswärtige Amt pro Jahr mehr als 15 Kurse für etwa 300 Diplomaten aus mehr als 180 Ländern an.

Region mit großer Relevanz für Europa

Die Maghreb-Staaten haben zunehmend Bedeutung für Deutschland. Wie im Fall von Marokko sind sie durch das Mittelmeer zum Teil nur wenige Kilometer von Europa getrennt. Die geografischen Rahmenbedingungen schaffen wechselseitige regionale Abhängigkeiten und ein enges nachbarschaftliches Beziehungsgeflecht sowohl zur Europäischen Union (EU) als auch zu Deutschland. Vor diesem Hintergrund und um künftige Kooperationen zu fördern, besteht ein großes Interesse Deutschlands und der EU an Stabilität, Wachstum und rechtsstaatlicher Entwicklung in der Maghreb-Region.

 

 

 

 

Autor: Victoria Eicker; Fotos: Lene Bartel

Hamburg, 16.11.2018

Militärdekan Monsignore Mezger begrüßt die Gäste in der Kapelle des Friedhofs Blankenese

Generalmajor Kohl hielt eine Ansprache und erinnerte an das Ende des 1. Weltkrieges vor 100 Jahren

Eine französische Ehrenformation mit Studenten der HSU rahmte den Festakt ein

Verschiedene Abordnungen legten Kränze am Gedenkstein nieder

Kameraden der britischen Armee sorgten für eine musikalische Begleitung

Im Anschluss an die Reden folgte eine Schweigeminute zum Gedenken

Eine Fotoausstellung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge informiert über den 1. Weltkrieg

 

 

Es war still, als der dunkle, dumpfe Gong zehnmal erklang. Wie aus weiter Ferne, erinnernd. Die Bänke in der kleinen Kapelle auf dem Blankeneser Friedhof waren bis auf den letzten Platz besetzt: Soldatinnen und Soldaten unterschiedlicher Nationen – Amerikaner, Franzosen, Briten, Italiener, Deutsche – alle in Uniform. Ferner Angehörige, Familien, Kinder und Menschen, die gedenken wollten. Rund 100 geladene Gäste hatten sich eingefunden. Alle hielten inne – in Stille. Der Volkstrauertag 2018 stand unter dem besonderen Vorzeichen der Beendigung des 1. Weltkriegs vor 100 Jahren. Der Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) in Hamburg, Generalmajor Oliver Kohl, hatte Vertreter der ehemaligen deutschen Kriegsgegner zu einer gemeinsamen Kranzniederlegung mit anschließendem Empfang eingeladen.

Sehnsucht nach Frieden

„Zehn Schläge, zehn mal zehn, 100 Jahre ist es her, dass die Waffen schwiegen“, hob der katholische Militärdekan Bernward Mezger hervor. Anschließend habe eine kurze Zeit des Friedens begonnen. „Frieden, darum beten wir an diesem Ort“, fuhr der Militärdekan fort. 17 Millionen Menschen starben im 1. Weltkrieg, 60 Millionen Menschen fielen dem 2. Weltkrieg zum Opfer - und dann, in vielen kleinen und großen Kriegen und Konflikten seither, unzählige weitere Menschen, Soldaten wie auch Zivilsten. Doch das seien nicht nur Zahlen. „Gott kennt jeden Einzelnen dieser Menschen und nennt ihn beim Namen“, betonte Mezger. Es sei ein Zeichen der Hoffnung, dass sich ein Jahrhundert nach dem 1. Weltkrieg hier in dieser Kapelle Menschen der Nationen, die sich damals feindlich gegenüber gestanden hätten, gemeinsam versammelten, um ihrer und aller Toten zu gedenken. „Es gibt etwas, das uns zusammenführt. Es ist die Sehnsucht nach Frieden“, sagte der Militärdekan. Doch er mahnte gleichzeitig an, wachsam zu sein!

Tag des Innehaltens

Im Anschluss an die Andacht versammelten sich die Gäste am Gedenkstein des Friedhofs. Gras und Moos an den vielen Soldatenstiefeln waren an diesem frostigen Morgen kalt und nass vom Raureif. Die matten Strahlen der Herbstsonne brachen durch die schon kahlen Äste der Eichenbäume und fielen hinab auf die stille Versammlung. Eine Ehrenformation junger französischer Offiziere, die derzeit an der Helmut-Schmidt-Universität studieren, rahmte den Festakt ein. Generalmajor Kohl begrüßte die Gäste und erinnerte an das geschichtsträchtige Datum der Beendigung des 1. Weltkriegs: „Ein Krieg, der 17 Millionen Menschen das Leben kostete. 17 Millionen, die Mahnung genug hätten sein müssen. 17 Millionen Träume, Wünsche, Erwartungen, Sehnsüchte“, betonte er. Doch es sei nicht Mahnung genug gewesen. Denn gefolgt sei der 2. Weltkrieg - mit 60 Millionen Toten. „60 Millionen Menschen, 60 Millionen Träume, Wünsche, Erwartungen und Sehnsüchte“. Der Volkstrauertag sei ein Tag des Innehaltens, der Trauer, des Gedenkens all der Opfer von Krieg, Gewaltherrschaft, Vertreibung und Willkür. Kohl gedachte auch der 100 Soldaten der Bundeswehr, die in der Erfüllung ihrer Pflicht gefallen sind

Wir vergessen nicht

Der Kommandeur der Führungsakademie zitierte Bertolt Brecht mit den Worten: „Der Mensch ist erst wirklich tot, wenn niemand mehr an ihn denkt.“ Und er mahnte an, sich immer wieder daran zu erinnern, dass Frieden und Gerechtigkeit keine Selbstverständlichkeit sind: „Wir vergessen nicht!“, sagte Kohl. Obwohl die Menschen hierzulande im Frieden lebten, dürfe dies nicht dazu führen, dass man das Elend und die Ungerechtigkeiten an anderen Orten der Welt gleichgültig hinnehme. Damit erinnerte Kohl daran, dass der Volkstrauertag nicht nur ein Tag der Trauer und der Mahnung ist, sondern eben auch ein Tag der Hoffnung auf Versöhnung und der Verpflichtung für die Zukunft: für eine friedliche und gerechte Welt. So sei Europa seit jenen trennenden Jahren der Weltkriege über die folgenden Jahrzehnte hinweg zusammengewachsen. Demensprechend freute sich der Generalmajor darüber, dass so viele internationale Gäste, Freunde und Partner der Veranstaltung beiwohnten. So war der britische Generalkonsul Nicholas Teller zu Gast, ebenso der französische Generalkonsul Laurent Toulouse, der italienische Generalkonsul Giorgio Taborri sowie der US-amerikanische Verbindungsoffizier an der Führungsakademie Jared Samuelsen. Jeder von ihnen legte einen Kranz am Gedenkstein nieder. So entstand ein buntes Blütenmeer der Erinnerung im kalten Grau dieses Vormittags. Unter den Gästen war auch die Bezirksleiterin von Altona, Dr. Liane Melzer.

Poppies in Blankenese

Der Volkstrauertag ist ein sogenannter stiller Feiertag. Ein Tag des Gedenkens an die Opfer der Kriege, von Gewaltherrschaft und Willkür. Doch es ist auch ein Tag der Mahnung. „Krieg darf nie wieder passieren und jeder ist aufgefordert, sich klar zu positionieren“, betonte Generalmajor Kohl. Auch der britische Generalkonsul Teller, der bereits zum zweiten Mal an dem gemeinsamen Gedenken teilnahm, mahnte Wachsamkeit an. Es sei ein Tag, sich all jener zu erinnern, die im Dienst für ihr Land ihr Leben gelassen hätten. Teller trug eine rote Mohnblume am Revers, mittlerweile weltweites Erinnerungssymbol für die Opfer von Kriegen, das aus Großbritannien stammt. Mit stilisierten Mohnblumen wird dort seit den 1920er Jahren an die Gefallenen des 1. Weltkriegs, später aller Kriege, erinnert – angelehnt an ein Gedicht des kanadischen Lyrikers John McCrae. Generalkonsul Teller betonte die gemeinsamen Sicherheitsziele der internationalen Gemeinschaft und die Wichtigkeit, gemeinsam die Freiheit zu verteidigen. Er war es auch, der den außergewöhnlichsten Kranz niederlegte: Dieser bestand ausschließlich aus roten Mohnblumen – Remembrance Poppies.

Fotoausstellung 1. Weltkrieg

Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von der britischen „Band of the Royal Armoured Corps“, die von den Seenelager Barracks aus Bielefeld nach Hamburg gekommen war, sowie einer Abordnung des Marinemusikkorps Kiel. Beide spielten mit ihren Bläsern die Stücke „Gaelic Blessing“, „Aux Morts“ sowie „Das Lied vom guten Kameraden“. Im Anschluss gab es einen Empfang für geladene Gäste im Beck-Saal der Führungsakademie. Hier konnten sich Interessierte noch einmal anhand einer Fotoausstellung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge über den 1. Weltkrieg informieren. Die Ausstellung wird noch bis zum 28. November 2018 im Foyer des Wirtschaftsgebäudes in der Clausewitz-Kaserne zu besichtigen sein. Kleinere Abordnungen der Führungsakademie nahmen zudem an Gedenkfeiern mit Kranzniederlegungen auf dem Friedhof Nienstedten und am Gedenkstein Osdorfer Landstraße sowie später im Hamburger Michel teil.

 

Die Rede des Kommandeurs finden Sie hier

 

 

 

Das digitalisierte Schlachtfeld – Auswirkungen der Digitalisierung auf Planung und Operationsführung

Autor: Michaele Jonn; Fotos: Fotolia

Hamburg, 16.11.2018

NetOpFue

Das digitalisierte Schlachtfeld - klassische militärische Operationen, optimiert geplant und durchgeführt mit moderner digitalisierter Technik - ist schon Vergangenheit. Das digitale Schlachtfeld von heute und vor allem morgen stellt ganz neue Anforderungen an die Bundeswehr und an die Gesellschaft. Unter dem übergreifenden Thema "Einsatzbereite Kräfte" untersuchte eine Arbeitsgruppe des Lehrgangs Generalstabsdienst / Admiralstabsdienst National (LGAN) an der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) intensiv die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Streitkräfte.

 

 

 

Herausforderung: asymetrische Kriege

Der Cyber und Informationsraum ist heute schon als Dimension militärischen Handelns definiert. Die große Herausforderung besteht in der nun möglichen hybriden Operationsführung und in asymmetrischen Kriegen. Allein mit militärischen Mitteln kann den Bedrohungen durch eine derartige hybride Kriegsführung nicht begegnet werden, so der Schluss der Arbeitsgruppe.  Die Bundeswehr kann nur einen Teil dazu beitragen. Gefragt sind neben Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben auch zivile Unternehmen und der Bürger selbst. Wegen der Unvorhersehbarkeit digitaler Angriffe ist hundertprozentiger Schutz des Staates nach Einschätzung der Studienteilnehmer bereits heute nicht mehr möglich.

Künstliche Intelligenz (KI) spielt in diesem Zusammenhang eine wesentliche Rolle, da große und immer komplexer werdende Datenmengen, Big Data, auch in militärischen Operationen von entscheidender und weiter zunehmender Bedeutung sind. Deren Auswertung ist nicht mehr manuell, aber auch nicht mehr von klassischen Algorithmen leistbar. Hier setzt die Künstliche Intelligenz an, und es stellt sich die Frage, bis zu welchem Maße auch militärische Operationen dadurch bestimmt werden können und sollen.

Werkzeug zur Operationsplanung

Künstliche Intelligenzen werden zur Analyse vom Big Data eingesetzt, um Situational Awareness zu erreichen. In einer nächsten Ausbaustufe kann KI dann als Unterstützungswerkzeug zur Operationsplanung eingesetzt werden. Bereits heute verfolgt das Bundesministerium der Verteidigung auf strategischer Ebene ein Projekt, in dem durch den Einsatz von KI die Früherkennung von militärisch relevanten Krisen frühzeitig möglich wird. Die Operationsführung und die Entscheidung aber bleibt hier weiterhin in Menschenhand.

Vorhersehbar ist: Die Anzahl von Plattformen und damit die Anzahl der Sensoren auf dem Gefechtsfeld wird steigen. Die Sensoren selbst werden technologisch immer ausgereifter werden, sämtliche Spektren erfassen und damit die Anforderungen an Künstliche Intelligenz zu deren Auswertung steigen lassen. Angesichts der höchst komplexen Realität wird die eigentliche Operationsplanung und vor allem Operationsführung weiterhin von Menschen erfolgen müssen, da sie Kreativität erfordert, die absehbar von KI nicht geleistet werden kann.

Entwicklung nicht absehbar

Die weitere Entwicklung ist allerdings nicht absehbar. Denn sollte der Entscheidungsweg irgendwo komplett in die Hände der KI übergeben werden, wäre eine neue moralische Qualität erreicht. So besteht die Möglichkeit, dass das für unser Wertesystem grundlegende Prinzip der letzten Entscheidung beim Menschen in Zukunft von anderen Akteuren mit der Aussicht auf Vorteile in hybriden Operationsverläufen angetastet werden könnte.

Das Bundesverteidigungsministerium definiert autonome Waffensysteme folgendermaßen: Es ist ein Waffensystem, das in erster Linie dazu bestimmt ist, tödliche Gewalt allein gegen Personen zur Wirkung zu bringen. Es nimmt ohne jegliche menschliche Einflussnahme und Kontrolle sein Umfeld wahr, nimmt eine Beurteilung der Situation vor, entscheidet autonom, handelt rational, evaluiert und lernt daraus.

Derzeitiger gesellschaftlicher Konsens in Deutschland und die Position der Bundesregierung ist es, dass der Mensch die Entscheidungsgewalt über Leben und Tod behalten muss. Trotzdem bleiben Fragen in Bezug auf die konkrete Umsetzung dieses ethischen Grundsatzes offen.

Informationsraum stark umkämpft

Als Fakt ist aus Sicht der Arbeitsgruppe hinzunehmen, dass der Informationsraum schon heute stark umkämpft ist. Dieses ist auch bereits in den Konzepten der Bundeswehr hinterlegt.  Cyberoperationen sowie der Kampf im elektromagnetischen Spektrum werden zunehmen. Durch die zunehmende Vernetzung von Führungs- und Informationssystemen steigt hier die Abhängigkeit und die Anfälligkeit der Systeme. Die veränderten sicherheitspolitischen Herausforderungen, insbesondere aber auch die zunehmend unscharfe Trennlinie zwischen Frieden und Krieg bei hybriden Bedrohungen zwingt die Streitkräfte zu größtmöglicher Flexibilität. Sie müssen multidimensional operieren und modular einsetzbar sein.

Insbesondere Informationsoperationen werden nicht ausschließlich auf das Militär zielen. Daher kann das Militär diese Gefahr auch nicht isoliert behandeln. Das Problem im Sinne einer gesamtstaatlichen Sicherheitsvorsorge zu betrachten, ist ein Kernschluss der Arbeitsgruppe des LGAN.

Fragen bleiben offen

Wenn die Streitkräfte neue Technologien wie zum Beispiel KI-Systeme in ihre Planungs- und Führungsprozesse integrieren: Wie entscheidend ist die Sicherstellung der Verfügbarkeit dieser Systeme? Aufgrund der Funktionalität und Komplexität solcher Systeme ist eine Diversifizierung und Redundanz – also die Ersetzbarkeit durch alternative Systeme – in absehbarer Zeit weder möglich noch ausreichend. Daher müssen die KI-Systeme im Fall des Einsatzes für die Streitkräfte resilient aufgebaut werden, um eine möglichst hohe Verfügbarkeit zu gewährleisten.

Die skizzierten Bedrohungsszenare insbesondere durch die hybride Kriegsführung stellen neue Herausforderungen für die bestehende Sicherheitsarchitektur dar. Es muss kritisch geprüft und hinterfragt werden, ob die etablierten Strukturen und Verfahren solchen hybriden Bedrohungen gewachsen sind oder ob die Sicherheitsarchitektur neu überdacht werden müsste.

Mehr Informationen finden Sie auch auf den Seiten des GIDS.

 

 

Autor: LGAI 2018; Fotos: Nattapol Sanguanpuak

Hamburg, 16.11.2018

Über 90 interessierte Zuhörer folgen den Ausführungen der Referenten

Erlebnisbericht des Leiters der Fakultät Politik, Strategie und Gesellschaftswissenschaften

Fregattenkapitän Berger Geschichte des anderen Deutschlands

Kapitän zur See Menzel beim Vortrag

Oberst i.G. Wasgindt erzählt

Pausengespräche

 

 

 

 

 

 

Am 9. November vor 29 Jahren fiel die Berliner Mauer– und das friedlich. Der Prozess der Wiedervereinigung, der auf dieses geschichtsträchtige Datum folgte, betraf Politik, Gesellschaft und auch die Bundeswehr. Im Flaggensaal an der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) in Hamburg trafen sich am 9. November Lehrgangsteilnehmende, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie diverse Gäste, um sich gemeinsam mit Zeitzeugen an die historischen Ereignisse zu erinnern.

Der 9. November 1989 war ein Schicksalstag in der Deutschen Geschichte. Nicht nur für Politik und Gesellschaft, sondern auch für die Bundeswehr. Noch am 8. November hatten sich Soldaten zweier gegnerischer Bündnissysteme an der innerdeutschen Grenze gegenüberstanden. Nach dem Fall der Mauer und der darauffolgenden Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten wuchs die Bundeswehr ab Ende 1990 zu einer “Armee der Einheit“ zusammen – für alle Beteiligten eine große Herausforderung. Heute weiß man: Die Bundeswehr war damit von Beginn an Vorbild und Vorreiter im Hinblick auf das gesellschaftliche Zusammenwachsen im wiedervereinten Deutschland.

Schicksalstag der deutschen Geschichte

Es waren dramatische Veränderungen an jenem 9. November vor 29 Jahren. Die Veranstaltung führte die gespannten Gäste und Teilnehmer zurück zu den bewegenden Szenen rund um die Grenzübergänge in Berlin, die damals um die Welt gingen. Fregattenkapitän Stefan Berger, Tutor Hörsaal Marine, berichtete von den vielen miteinander verflochtenen Ereignissen an jenem Novembertag. Sie markierten nicht nur einen politischen Wendepunkte in der deutschen Politik, sondern hatten auch auf internationaler Ebene weitreichende Auswirkungen. Viele Zeitzeugen wissen auch heute noch ganz genau, wo sie waren und was sie machten, als sie  am 9. November 1989 vom Mauerfall erfuhren. So auch Jörn Thießen, Direktor bei der Führungsakademie und Leiter der Fakultät Politik, Strategie und Gesellschaftswissenschaften. Er berichtete lebhaft und eindrücklich von seinen Erlebnissen an der innerdeutschen Grenze bei Lübeck.

Geschichte des anderen Deutschland

Um die Dramatik jener Tage um den Mauerfall  zu unterstreichen, zeichnete Fregattenkapitän Berger ein Bild der Situation im geteilten Deutschland während des Kalten Krieges  bis 1990. Dabei ging er nicht nur auf die Deutsche Demokratische Republik (DDR) ein, sondern auch auf die beiden deutschen Armeen, die sich bis 1989 feindlich gegenüber standen. Die Zuhörer lauschten gebannt, wie sich die DDR als erster sozialistischer Staat auf deutschen Boden nach Staatsbankrott, Massenflucht und friedlicher Revolution im Herbst 1989 mit der berühmten Pressekonferenz von Politbüro-Mitglied Günter Schabowski ab dem 9. November in seiner politischen Struktur aufzulösen begann. Filmausschnitte aus jener Zeit unterstrichen seine Ausführungen. Deutschland stand fortan nicht mehr im Mittelpunkt der Blockkonfrontation. Nicht nur für die Bundesrepublik Deutschland resultierten daraus tiefgreifende Veränderungen, sondern auch für die Bundeswehr.

Der Weg zur Armee der Einheit

Die Bundeswehr wurde im Zuge der Wiedervereinigung zu einer „Armee der Einheit“. Nach der Auflösung der Nationalen Volksarmee (NVA) der DDR am 3. Oktober 1990 begann ein Transformationsprozess, in dem ein Teil der ehemaligen NVA-Angehörigen in die Bundeswehr aufgenommen wurde. Bei der Veranstaltung erinnerten sich drei Zeitzeugen und nahmen die gebannten Zuhörer mit in jene Tage rasanter politischer Entwicklungen auf internationaler, nationaler und militärischer Ebene. Kapitän zur See Eckard Menzel, heute Kommandeur des Einsatzausbildungszentrums Schadensabwehr Marine, war 1989/90 als Kapitänleutnant Stabschef und Kommandant in der 1. Flottille der DDR-Volksmarine in Peenemünde. Er berichtete sehr authentisch und emotional, was er als ehemaliger NVA-Angehöriger am Vorabend der Wiedervereinigung empfand. Darüber hinaus erläuterte er sehr eindrücklich, warum er sich damals, trotz aller Unsicherheiten, entschied, der letzten DDR-Regierung, die als erste demokratisch gewählt war, loyal zu dienen.

Auflösung der NVA

Die damaligen Erfahrungen wurden jedoch auch aus westdeutscher Perspektive vermittelt: Oberst i.G. Frank Wasgindt, Leiter des Lehrgangs Generalstabsdienst-/Admiralstabsdienst International (LGAI), erinnerte sich an seine Zeit als Offizier der Bundeswehr in den neuen Ländern nach der Wiederherstellung der deutschen Einheit am 3. Oktober 1990. Die innerdeutsche Grenze, einst Brennpunkt im Kalten Krieg, war über Nacht Geschichte. Bereits ab Ende September war Wasgindt am Vorabend der Wiedervereinigung an der Abwicklung der NVA beteiligt sowie auch an der Strukturierung der neuen Bundeswehreinheiten in den neuen Ländern. Wasgindt schilderte eindrucksvoll diese Wochen vor und nach der Wiedervereinigung, die Auflösung der NVA, die Übernahme von Personal und Material sowie die Transformation zur „Armee der Einheit“, die er als junger Oberleutnant hautnah miterleben durfte. Insbesondere die internationalen Lehrgangsteilnehmer nutzten die Pausen, um mit den Zeitzeugen ins Gespräch zu kommen.

Mit Zeitzeugen ins Gespräch kommen

Auch Generalmajor a.D. Hans Christian Beck, von 2001 bis 2005 Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr, fesselte die Zuhörer mit einem Vortrag über den sicherheitspolitischen Umbruch im Spiegel von Wertetransfer und Innerer Führung. Denn das war die Grundlage, auf der Ost und West seinerzeit aufeinander zugingen und sich tatkräftig der gemeinsamen Aufgabe stellten. Beck, damals Kommandeur des Zentrums Innere Führung, beschrieb eindrücklich, wie die aus der NVA übernommenen Soldaten in die freiheitliche, pluralistische Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland mit dem Leitbild des Soldaten als mündigem „Staatsbürger in Uniform“ integriert wurden. „Seit nunmehr 28 Jahren steht die Bundeswehr im Dienste der parlamentarischen Demokratie des vereinten Deutschlands. Menschenwürde, Recht und Freiheit bilden das Fundament der Inneren Führung als Gestaltungsprinzip für die innere Ordnung der Bundeswehr“, so Beck.

Fazit am 9. November 2018

Die Veranstaltung zeigte insbesondere den Lehrgangsteilnehmern des LGAI sehr eindrücklich, wie die Bundeswehr den Transformationsprozess zur „Armee der Einheit“ nach 1990 erfolgreich gestaltet hat. Es ist gelungen, zwei Gruppen von Militärangehörigen zusammenzuführen, die in gänzlich unterschiedlichen Streitkräften sozialisiert wurden. Die Bundeswehr hat somit einen relevanten Beitrag zur Verwirklichung der inneren Einheit Deutschlands geleistet.

 

 

 

Autor: Inka von Puttkamer; Fotos: Lene Bartel / Matthias Kugler

Hamburg, 14.11.2018

Der Lehrgangsleiter Oberst i.G. Lars Gehlhaar begrüßt die zahlreichen Gäste

Stand Nord

Generalmajor Oliver Kohl bei der Begrüßung

Die Lehrgangsband des LGAN 2017 ,,Joint Fires"

 

 

 

 

 

 

Der ansonsten nüchtern eingerichtete Speisesaal der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAk) zeigte sich zum Tag der Regionen in einem völlig anderen Gewand als sonst: Gemütliche Hütten, Flaggenschmuck, Poster aus den sechzehn Regionen Deutschlands, viele Sitzgelegenheiten und eine riesige Spielecke für Kinder haben schnurgerade aufgereihte Stühle und Tische verdrängt. Die Lehrgangsteilnehmer des 14. streitkräftegemeinsamen nationalen Lehrgangs Generalstabs- und Admiralstabsdienst (LGAN) 2017 haben ihre Kameradinnen und Kameraden des Nachfolgejahrgangs sowie die Teilnehmenden des internationalen Lehrgangs Generalstabs- und Admiralstabsdienst eingeladen, um die Regionen Deutschlands vor allem kulinarisch kennenzulernen. Dazu haben sie sich ordentlich in Schale geworfen: Lederhosen und Trikots von den Eisbären Berlin und den beliebtesten lokalen Fußballvereinen zusammen mit Karnevalskostümen wurden zur Schau getragen.

Große Organisationsleistung

Eingeleitet wurde das Fest bereits am Vortag mit einem kameradschaftlichen Fußballturnier zwischen den drei Lehrgängen. Dass grade der Gastgeber gewonnen hat, war sicherlich nur ein glücklicher Zufall. So konnte Lehrgangsleiter Oberst i.G. Lars Gehlhaar bei seiner Begrüßung als „inoffizieller Schirmherr“ gleich die entsprechenden Preise verleihen. Anschließend ging er kurz auf die Geschichte des Tags der Regionen ein. Die Veranstaltung folgt seit einigen Jahren einer Tradition der Akademie: Laden die internationalen Lehrgangsteilnehmer einmal im Jahr zum „Tag der Nationen“ ein, um ihre Heimatländer vorzustellen, so wollten die deutschen Lehrgangsteilnehmer eine ähnliche Veranstaltung für ihre fremdsprachigen Kameraden machen. Gehlhaar zeigte sich sehr stolz auf das, was seine Soldaten auf die Beine gestellt haben und dankte nicht nur ihnen, sondern vor allem auch dem fleißigen Personal hinter den Kulissen von der Heimgesellschaft. Generalmajor Oliver Kohl, erlebte seinen ersten Tag der Regionen als Akademiekommandeur und hatte allen Grund, die Veranstaltung zu loben. Über 300 Besucher haben gezeigt, dass sich die viele Mühe auch lohnt.

Beeindruckende Auswahl regionaler Köstlichkeiten

Als Gast war es lediglich schwierig, Prioritäten zwischen den vier regionalen Ständen „Nord“, „Süd“, „Ost“ und „West“ zu setzen: Fischbrötchen, Labskaus und eine Lütje Lage im Norden, Käsespätzle und Weißwürste im Süden, Soljanka und Hallorenkugeln im Osten und Reibekuchen mit Kölsch im Westen (Rheinland!) - alles zu probieren war einfach nicht möglich. Am Oststand unterstützte die Mutter einer Lehrgangsteilnehmerin nicht nur bei der Zubereitung der Köstlichkeiten, sondern auch als Publikumsmagnet für gute Stimmung. Und die Stimmung war sehr ausgelassen. Viele Lehrgangsteilnehmer nutzten den Abend, um ihre Familien mit an die FüAk zu bringen und so sorgte die Veranstaltung zugleich für viele interkulturelle Begegnungen und neue Freundschaften. Die Kinder tobten ausgelassen und „ansteckend“ mit den vielen Spielsachen, die die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung e.V. zur Verfügung stellte, dass sich sogar der ein oder andere Erwachsene auf der Turnmatte wiederfand. Das Bundeswehrsozialwerk war mit einer Tombola vertreten, bei der attraktive Preise wie etwa Rundflüge zu gewinnen waren.

„Joint Fires“

Der Abend wurde abgerundet durch den Auftritt der Lehrgangsband „Joint Fires“. Sie heizte die gute Stimmung mit ihrem ersten offiziellen Auftritt kräftig an und auf. Besonders beliebt waren die deutschen Schlager von Roland Kaiser und Helene Fischer. Zum Repertoire gehörten aber auch beliebte Rockhits. Nach dem Auftritt war für die Kinder Gelegenheit, sich am Schlagzeug auszuprobieren. „Dass die Band neben dem ganzen Lehrgangsbetrieb auch noch Zeit hatte, zu proben und sich so professionell aufzustellen, ist wirklich bewundernswert“, sagte einer der begeisterten Zuhörer und Colonel Richard Coleman, der neue französische Verbindungsoffizier an der FüAk und ehemaliger Lehrgangsteilnehmer des LGAN, fasste zusammen: „Zu meiner Lehrgangszeit waren solche Veranstaltungen wesentlich steifer. Jetzt ist es eine große Freude zu sehen, dass sich hier alle so wohlfühlen und der Tag der Regionen bei weitem keine Pflichtveranstaltung ist.“ Nicht zuletzt hat der jüngere Lehrgang nun eine Vorlage für das nächste Jahr, in dem er als Gastgeber nachfolgt.

 

 

Autor: Dr. Victoria Eicker; Fotos: Lene Bartel

Hamburg, 14.11.2018

Oberst i.G. Erik Alexander Voigt begrüßt Oberstleutnant Rashit Musinovich Akhmadaliyev und Oberst Bobir Madjitovich Negmatov (v.l.n.r.) an der Führungsakademie

Oberst i.G. Voigt führt die Delegation durch das Stabsgeäude der FüAkBw

Oberst Bobir Madjitovich Negmatov beim Eintrag in das Gästebuch der Führungsakademie der Bundeswehr

 

 

 

 

 

 

Usbekistan, ein Binnenstaat in Zentralasien. Das ist weit weg. Aber Usbekistan war und ist wichtig für die Bundeswehr: Bis 2015 befand sich in Termez, im Süden des Landes, der strategische Lufttransportstützpunkt der Bundeswehr für den damaligen ISAF Einsatz in Afghanistan. Auch heute sind die Beziehungen zu den usbekischen Streitkräften weiter gut. Auf dieser Basis besuchte eine zweiköpfige Delegation Mitte November die Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) an der Elbe.

Leben in der Lage

Oberst Bobir Madjitovich Negmatov und Oberstleutnant Rashit Musinovich Akhmadaliyev, beides Dozenten für Militärrecht an der usbekischen Verteidigungsakademie in der Hauptstadt Tashkent, kamen mit einem besonderen Interesse an Auftrag, Aufgaben und Struktur der höchsten Bildungseinrichtung der Bundeswehr in die Hansestadt. „Wir sind hier, um uns über die Struktur und die Lernprozesse an der Führungsakademie ein Bild zu machen. Wir möchten das Konzept auch in Usbekistan umzusetzen“; erklärte Oberstleutnant Akhmadaliyev auf Russisch. Deutsch oder Englisch sprachen die beiden Offiziere nicht. Aber an der Führungsakademie ließen sich ganz rasch zwei Übersetzer finden, die abwechselnd übersetzten: Leben in der Lage. Eintrag ins Gästebuch, Einführung in die Führungsakademie als Institution im Manfred-Wörner Zentrum – das Programm am Vormittag war dicht.

Der Weg vom Soldaten zum General

Am Nachmittag ging es mit Vorträgen zu Kompetenzorientierter Ausbildung und Lebenslangem Lernen weiter. Der Leiter des Kompetenzzentrums Ausbildung und Führung im Direktorat Ausbildung, Oberst i.G. Jesko Peldszus, führte die beiden Gäste in die Themen ein. „Das Lernen findet an den unterschiedlichsten Orten statt: an der Schule, an Truppenbildungseinrichtungen, an Akademien oder Universitäten. Auch an jedem Tag in der Truppe in einer spezifischen Verwendung lernt man.“ Die Führungsakademie gestaltet das Lebenslange Lernen mit verschiedenen Lehrgängen und Fortbildungsangeboten ab dem Dienstgrad Hauptmann. Anders in Tashkent: Dort bildet die Verteidigungsakademie ihre Offiziere vom ersten Tag in den Streitkräften bis zu ihrer Verwendung in den hohen Führungsebenen aus – erzählten die beiden zentralasiatischen Offiziere, die den Erklärungen von Peldszus aufmerksam folgten. Auch beim abschließenden Round Table fand ein reger Austausch über die Besonderheiten der Ausbildung von Soldaten in Deutschland sowie der Gestaltung des Übergangs von Soldaten in den Zivilberuf statt.

Blick um den Globus

Die kleine usbekische Delegation reist nicht nur an die Führungsakademie sondern in mehrere Länder, um sich über die militärische Lehre in Universitäten und Akademien rund um den Globus umfassend zu informieren. Angehörige des usbekischen Militärs sind regelmäßig zum militärfachlichen Austausch in Deutschland – immer wieder nehmen Offiziere der usbekischen Streitkräfte auch am Lehrgang Generalstabsdienst/Admiralstabsdienst International (LGAI) teil. Die Verbindung zu den usbekischen Streitkräften ist über die militärische Kooperation rund um den Umschlagplatz Termez von 2002 bis 2015 erhalten geblieben. Die Erwartungen an die höchste Bildungseinrichtung der Bundeswehr wurden für die beiden Usbeken indes erfüllt, darin waren sich die beiden Stabsoffiziere einig.

 

 

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