Spendenübergabe an die "Aktion Sorgenkind"


Autor: Peter Schröter

Bild: FüAkBw


 

Die Summe war aus Überschüssen der vergangenen Jahresempfänge der Marine (zuletzt im November 2018) an der Führungsakademie, aufgerundet durch einige Kleinspenden innerhalb der Fakultät, zusammengekommen.

Einen Scheck über 1000 Euro konnte die Fakultät Marine dem Bundeswehrsozialwerk für die "Aktion Sorgenkind" übergeben.

Die Scheckübergabe erfolgte während des österlichen Bücherbasars, an Frau Birgit Schön, Regionalstellenleiterin des Bundeswehrsozialwerkes in Hamburg, durch den Leiter der Fakultät, Kapitän zur See Peter Görg, und den Organisator der vergangenen Jahre, Fregattenkapitän Peter Schröter.

Hinweis zu "Aktion Sorgenkind"

Die "Aktion Sorgenkind" finanziert sich ausschließlich aus Spenden. Sie unterstützt zum Beispiel Bundeswehrfamilien, die in Not geraten sind oder Bundeswehrfamilien mit körperlich und/oder geistig Behinderten Kindern. (Weitere Informationen finden sie hier: LINK)

 

 

 

Seminar „Strategisches Denken“ 

Autor: Dr. Andreas Meusch 

Bilder: pixabay

Hamburg, 05.04.2019

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Strategisches Denken - „Nachdenken auf Vorrat“

 

 

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Globaler Handel war eines der Top Gesprächsthemen im Seminar

 

 

 

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Die Herausforderungen der Globalisierung in einer multiplexen Welt werden nicht nur die Seminarteilnehmenden weiter begleiten

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

“Education is a security issue…”, diese Feststellung des ehemaligen britischen Premierminister Tony Blair gab den Ton für das Seminar vor: Nicht Angriff, Verteidigung und Verzögerung, sondern Weltoffenheit, Vorstellungskraft, Netzwerkbildung, Empathie und gesellschaftliche Kohäsion waren einige der Begriffe, welche die fünf Seminartage prägten. Mit dem Seminar „Strategisches Denken“ hat die Führungsakademie der Bundeswehr ein Weiterbildungsangebot zum Thema Strategie und strategische Zusammenhänge geschaffen, eine Einladung zum "Denken ohne Geländer".

Nachdenken auf Vorrat

Wie denkt man über Strategieentwicklung in einer zunehmend ungeordneten, zum Teil chaotischen und konfliktträchtigen Welt, in der sich das sicherheitspolitische Umfeld Deutschlands und Europas dramatisch verändert? „Nachdenken auf Vorrat“ für die Zeit bis 2040 - demnächst soll der Horizont bis 2060 erweitert werden - ist ein Ansatz, der von Oberstleutnant i.G. Martin Lammert vom Planungsamt der Bundeswehr, Referat Zukunftsanalyse vorgestellt wurde: Die "Strategische Vorausschau 2040" besteht aus sechs im Referat entwickelten Szenarien, die alle eine vergleichbare Plausibilität haben.

Den Lehrgangsteilnehmenden wurde vermittelt, dass diese Szenarien keine Prognose sein können und sollen. Doch dass es sinnvoll ist, die Zukunft nicht nur als Verlängerung der Gegenwart zu denken. Dies stellte niemand in Frage, hat doch beispielsweise die Annexion der Krim gezeigt, wie schnell sich Gewissheiten ändern können. Dieses Ereignis hat nicht nur den Blick auf die Bedeutung der Landesverteidigung neu geschärft, sondern auch deutlich gemacht, wie wichtig Zukunftsanalyse als "Fernscheinwerfer der Bundeswehr" ist. Mit dem Referat Zukunftsanalyse verfügt die Bundeswehr über ein Instrument, mit dem in einer dynamischen, multiplexen Welt strategische Weichenstellungen verstehbar werden und so politische Beratungsleistung erbracht werden kann.

Strategischer Blick auf China

Zu den relevanten Fragestellungen in unserer multiplexen Welt gehört auch die veränderte Rolle Chinas. Die Teilnehmenden hatten in diesem Seminarabschnitt die Gelegenheit, die in den ersten Tagen bereits erlangten Grundlagen der Strategiegeschichte als Problemgeschichte, sowie des systemischen Denkens im Prozess von Strategieentwicklung und deren Kommunikation anzuwenden: Daher war ihnen schnell klar, dass die in einigen Medien vermittelten eurozentristischen Risiko- und Bedrohungsvorstellungen deutlich zu kurz springen.

Die chinesische Politik bewegt sich in globalen Kontexten entlang eigener historischer Linien und geografischer Faktoren. So nahm auch das Gespräch im Seminar über historische Entwicklungen der globalen Kommunikations- und Handelswege breiten Raum ein. Welche Bedeutung hatte und hat Herat in Afghanistan als Drehscheibe für die Verbindung Zentralasiens nach Indien? Wie verliefen die Kommunikationswege auf See, wer kontrollierte sie zu welchem Zweck? Was unterscheidet das eigenständige chinesische Denkmodell der „36 Strategeme“ von unserer Herangehensweise? Welche Bedeutung hatte der Congo-Nile-Trail in der afrikanischen Geschichte und welche Chancen könnte China daraus entwickeln? Aus diesem vorangehenden Blick auf die historisch gewachsenen eurasischen Kommunikations- und Handelsrouten konnten sich die Seminarteilnehmenden Chinas neuen Seidenstraßeninitiative „Belt and Road Initiative” (BRI) oder auch genannt „One Belt One Road” (OBOR) zuwenden.

Chinas strategischer Blick nach vorn

Die Interessen Chinas werden sich voraussichtlich nicht darauf beschränken, die traditionellen Handelslinien über Zentralasien bis nach Duisburg und Rotterdam zu verlängern. Beeindruckend war die Vorstellung chinesischer Aktivitäten in Afrika. Wird Afrika so als Absatzmarkt und Rohstoffquelle bis 2025 „Chinas zweiter Kontinent“? Und lassen die von internationalen Thinktanks dokumentierten Aktivitäten nicht auch den Schluss zu, dass von Afrika aus ein Sprung über den Südatlantik nach Südamerika als „drittem Kontinent“ und dann ein Ringschluss über den Pazifik folgt. Was bedeutet dies für die globalen Wirtschaftsströme und einer daraus folgenden Verschiebung des globalen ökonomischen Schwerpunkts vom Norden in den Süden der Welthalbkugel?

In der Analyse weltweiter chinesischer Aktivitäten erscheint dies als ein mögliches Szenario. Alternative Trends konnten nur angerissen werden: Was bedeutet es, wenn Asien durch die 3D-Technik an Bedeutung als verlängerte Werkbank für die westlichen Industrienationen verliert? Welchen Einfluss haben Klimaentwicklung und Energiebedarf? Wird China das Entwicklungstempo halten können oder mangelt es dazu an substanziellen Fähigkeiten, auch weil ihm ein industrieller Mittelstand als Innovationsmotor genauso fehlt wie ein massentaugliches Konzept der beruflichen Bildung?

Denken ohne Geländer

Denken vom Ende her und in Alternativen: Das war eines der Lehrgangsziele und solche Fragen machten deutlich, dass das Ausbildungsziel in einer anregenden Arbeitsatmosphäre erreicht wurde. Einige Stimmen der Seminarteilnehmenden: „… Annäherung an die Themen aus verschiedenen Perspektiven führte zu überraschenden Ergebnissen … Das aktuelle Thema BRI ist von hoher Relevanz, und es gibt auch hier keine einfachen Lösungen … Denken erfordert Freiräume!“ Kurzum: Die Lust der Teilnehmenden, sich mit dem Gelernten den Herausforderungen der Globalisierung, einer multiplexen Welt und der Zukunft zu stellen, ist geweckt.

 

Link zum Seminar "Strategisches Denken": hier

 

 

 

Von der kleinen Schwester zum großen Bruder Afrika

Autor: Christoph Jan Longen

Bilder: Christoph Jan Longen und Konrad-Adenauer-Stiftung

Hamburg, 08.05.2019

Menschen zusammenbringen ist ein Ziel der KAS

Familienfoto des Diskussionsteilnehmenden

Bild3: (v.l.n.r.) Maj Kristin Kampa, KptLt Pascal Sahling, KAS-Mitarbeiter Florian Karner, KKpt Christoph Jan Longen bei der Übergabe des Wappens des LGAN 2018

Skyline von Abidjan/Elfenbeinküste

Abidjan - eine Stadt der Kontraste

 

 

 

 

 

 

 

 

Wer vom Flughafen in Richtung des Stadtzentrums von Abidjan, der Hauptstadt der Elfenbeinküste, aufbricht, befährt nicht nur das modernste Straßennetz Afrikas. Reisende und Fremde erleben ein Land im Aufbruch, das sich auf seine Zukunft vorbereitet und heute versucht, das Morgen aktiv mitzugestalten. Mit chinesischer Unterstützung wird der Umbau des größten westafrikanischen Hafens vorangetrieben. Rund 900 französische Soldaten in der ivorischen Hauptstadt erinnern an die vergangene Kolonialzeit. Abidjan ist international gewachsen und reich an Facetten, sehr stark auch historisch geprägt. Einer Momentaufnahme des Status Quo 2019 widmete sich die von der Konrad-Adenauer-Stiftung organisierte Subsahara-Konferenz Anfang Mai 2019. Die Konrad-Adenauer-Stiftung betreut seit rund 25 Jahren das Regionalprogramm Politischer Dialog Westafrika, an dem auch die Elfenbeinküste teilnimmt.

„Demokratie und Wohlstand gehören zusammen“

Stiftungspräsident Prof. Dr. Norbert Lammert verdeutlichte während seiner Eröffnungsrede, dass das Schicksal von Europa wechselseitig mit dem von Afrika verbunden sei. Der ehemalige Bundestagspräsident verwies dabei unter anderem auf die Erfahrungen Deutschlands und Europas im Demokratisierungs-Prozess: „Der zweite Versuch, in Deutschland eine Demokratie zu etablieren, wäre wohl auch nicht gelungen, wenn er nicht mit einer wirtschaftlichen Prosperitätsentwicklung hätte verbunden werden können.“ Stabile, verlässliche und belastbare Entwicklungen könnten ausschließlich stattfinden, wenn verlässliche und stabile Rahmenbedingungen vorliegen. Dies funktioniere nur mit starken Parlamenten in einer regelbasierten Weltordnung, die nicht nur auf bilateralen Beziehungen fußt. Vor der Konferenz zu seinen Erwartungen befragt, antwortete Prof. Dr. Lammert, dass er sich keine gemeinsame Erklärung erhoffe, die dann am Ende doch folgenlos bliebe. Stattdessen liege seine Hoffnung auf einer „gemeinsamen Identifizierung von Handlungsfeldern, mit denen wir uns sowohl aus europäischer als auch aus afrikanischer Perspektive beschäftigen müssen. Denn die Herausforderungen Afrikas sind genauso Herausforderungen Europas.“

Afrika neu sehen und verstehen lernen

Insofern gelte es, langjährige Kooperationen auszubauen, hob Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel hervor. Sie grüßte die Konferenzteilnehmer von ihrem Besuch der Sahelzone per Videobotschaft. Insbesondere in den „zentralen Zukunftsthemen Ausbildung, Arbeit, Handel, Investition, Digitalisierung und Innovation“ müsse man intensiver zusammenarbeiten. Dabei komme vor allem den Parlamenten eine hohe Bedeutung zu. Bundestagsabgeordneter Frank Heinrich, der das Panel „Rolle afrikanischer Parlamente – Beiträge zur Stärkung von Demokratie und Menschenrechten“ moderierte, bescheinigte Europa und Afrika gar ein geschwisterliches Verhältnis: Er selbst habe zuvor jedoch lernen müssen, „nicht nur von der kleinen Schwester Afrika zu denken, der man helfen und assistieren muss. Sondern da gibt es auch den großen Bruder Afrika, von dem man lernen kann.“ Über 200 Parlamentarier aus rund 20 afrikanischen Staaten, Afrikaexperten aus aller Herren Länder und Abgesandte internationaler Organisationen konnten nicht nur auf dem Podium, sondern auch mit Wortbeiträgen Impulse für die Debatte setzen.

Unterschiedliche Lösungsansätze für unterschiedliche Regionen

In den Diskussionsrunden wurde immer wieder deutlich, dass es für den gesamten Kontinent eben nicht die eine Lösung getreu dem Motto „One Africa – One Solution“ geben kann. Zu unterschiedlich sind dafür die wirtschaftlichen, politischen, demographischen, infrastrukturellen und sozialen Rahmenbedingungen. Ein Erfolgsrezept könne wiederum in der staatenübergreifenden Zusammenarbeit liegen, ohne eigene Interessen und individuelle Gestaltungsmacht gänzlich abzulegen. Aus dem fünften Panel „Verzahnung von innenpolitischen Initiativen in Afrika und internationaler Unterstützung aus Europa“ ließ sich ein impliziter Appell für die deutsche Afrika-Politik ableiten: Mit dem „Marshallplan mit Afrika“ und dem prominenten Platzieren Afrikas als Hauptthema auf der G20-Agenda propagiert Deutschland zunächst seine eigene Sicht- und Herangehensweise. „Die Herausforderung liegt in der Identifizierung eines gemeinsamen europäischen Ansatzes“, fasst Dr. Stefan Oswald, zuständiger Abteilungsleiter im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, die Konsenssuche innerhalb der EU zusammen. Die Kernherausforderung für eine orchestrierte und harmonisierte internationale Unterstützung liege in den verschiedenen Perspektiven und Interessen, zudem gäbe es eine unterschiedlich starke Betroffenheit der Akteure: „Für Europa ist Afrika nur ein Projekt von vielen - für uns aber ist es Heimat“, bringt es ein Podiumsteilnehmer aus dem Senegal auf den Punkt.

Wappenübergabe des LGAN 2018 auf dem afrikanischen Kontinent

Die Teilnahme an der Subsahara-Konferenz war für den Nationalen Generalstabsdienst- / Admiralstabsdienstlehrgang 2018 inspirierend. Eine Premiere bildete die Übergabe des Lehrgangswappens 2018 an die Ausrichter der Konferenz: Erstmals konnte das 2018er-Wappen auf afrikanischem Boden überreicht werden. Der Besuch der Konferenz war aber vor allem eine inhaltliche Bereicherung für die Delegation des LGAN. Denn die 110 nationalen und internationalen Lehrgangsteilnehmer beschäftigen sich innerhalb der Lehrgangsstudienphase „Afrika – ein Kontinent im Aufbruch“ insgesamt zwei Jahre mit dem Nachbarkontinent im Süden.

 

 

An der Seite Pakistans 

Besuch Delegation National Defence University Pakistan an der Führungsakademie

Autorin: Anne Bressem; Fotografin: Anja Damerius

Hamburg, 25.04.2019

 

Mit jedem internationalen Gast unterstreicht die Führungsakademie der Bundeswehr ihren vielfältigen Charakter. Unterschiedlichste Nationen heißt sie willkommen, wie auch jüngst eine Delegation der Pakistanischen National Defence University. Austausch und Kooperation sind die Grundlage für Weiterentwicklung und Wertevermittlung, um langfristige Beziehungen aufzubauen und diese zu erhalten. „Deutschland und Pakistan pflegen seit vielen Jahren enge und vielfältige Beziehungen“, beschreibt das Auswärtige Amt die Verbindung der beiden Länder. Ein Beispiel für die Zusammenarbeit: Die deutsch-pakistanischen Militärkooperationen. Diese Kooperationen beinhalten unter anderem das Training von militärischen Führungskräften an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg.

Schlüssel zum Erfolg

Die interessierte pakistanische Delegation folgte den spannenden Ausführungen zum Konzept des lebenslangen Lernens sowie der Struktur des internationalen Generalstabslehrgangs. Multinational ist die Führungsakademie in jedem Fall durch den „Generalstabslehrgang International“ geprägt. Doch auch die zahlreichen Angebote, die ebenso internationalen Gästen anderer Streitkräfte zur Verfügung stünden, erwähnte Fregattenkapitän Stefan Berger, Tutor im internationalen Generalstabslehrgang. Oberst i.G. Jesko Peldszus, Leiter Kompetenzzentrum Führungskräfteentwicklung, nahm dies auf und unterstrich an dieser Stelle den Charakter der Führungsakademie als höchste Bildungseinrichtung der Bundeswehr. Kernaufgabe sei die Aus-, Fort- und Weiterbildung bereits berufserfahrener Offiziere aus dem In- und Ausland. Der Fokus liege klar darauf, die Befähigung zum Handeln im multinationalen Umfeld zu entwickeln und zu fördern, hielt Peldszus fest. Auf die Nachfrage aus der pakistanischen Delegation, warum nicht auch im nationalen Generalstabslehrgang, mehrheitlich englisch gesprochen werde, hob Oberst Peldszus die Bedeutung des multinationalen Umfeldes einmal mehr hervor, machte aber auch den Unterschied deutlich. Der „german way of thinking“, die Atmosphäre, als auch schlichtweg das Beherrschen der deutschen Sprache, insbesondere im militärischen Kontext, sei der Schlüssel zum Erfolg im nationalen Generalstabslehrgang, so Peldszus.

How to face new wars and new conflicts

Zur Struktur der so genannten Joint-Ausbildung im Generalstabslehrgang folgte die pakistanische Delegation gespannt den Ausführungen Oberst i. G. Michael Vollmers, Leitender Dozent der Fakultät Einsatz, CIR und SKB. Die Joint-Ausbildung fuße auf vier wichtigen Säulen, so Vollmer: dem Führungsprinzip, der Operationsplanung, respektive Operationsführung sowie der Analyse und Auswertung. Während sich der Generalstabslehrgang in seiner ersten Phase auf den „single service“ also auf die jeweilige Teilstreitkraft der Lehrgangsteilnehmenden konzentriere, habe die zweite Phase ganz klar den Joint Charakter, die so genannten „Joint Operations“ im Fokus. Hier gehe es vor allem darum, Strategien zu entwickeln, um den „neuen Kriegen“ und „neuen Konflikten“ im sicherheitspolitischen Umfeld begegnen zu können. Ein Beispiel ist die „Combined Joint European Exercise“ (CJEX), die Offiziere aus unterschiedlichen Nationen zusammenbringt, um den Einsatz multinationaler Streitkräfte in einem Krisenfall zu trainieren. Die regelmäßigen CJEX-Übungen finden parallel an den Militärakademien in Großbritannien, Spanien und Italien statt. Dieses Szenario werde fiktiv unter die Führung der Europäischen Union gestellt, um so ein Verständnis für Dynamiken der internationalen Zusammenarbeit zu entwickeln. Theorie sei wichtig, sehr wichtig, aber das praktische Training sei unersetzlich. Die Krise könne nur gemeinsam meistern, wer die Verfahren in Friedenszeiten gemeinsam trainiert habe, hielt Vollmer fest. Aus der pakistanischen Delegation kam daran anschließend die Frage, inwiefern auch die Entwicklungen in Afghanistan sowie die Erfahrungen der „Resolute Support Mission“ an der Führungsakademie abgebildet werden. In jeder der Joint Operations Übungen werde selbstverständlich auch der Kampf gegen Terrorismus mit einbezogen. Darüber hinaus entsende die Führungsakademie regelmäßig einen Senior Advisor an die Command and Staff Academy in Kabul, so Vollmer abschließend.

Für Deutschland ist Pakistans Armee ein wichtiger Partner im internationalen Kampf gegen den Terrorismus. 2012 wurde erstmals zwischen Deutschland und Pakistan ein militärisches Abkommen geschlossen, welches unter anderem die Ausbildung von militärischen Führungskräften an der Führungsakademie abbildet. Seitdem arbeiten die beiden Länder stetig im Kampf gegen den Terror in und um Pakistan zusammen.

 

 

 

Der Osterbücherbasar des Bundeswehr-Sozialwerkes war ein voller Erfolg

Autorin: Birgit Schön; Fotografin: Lene Bartel

Hamburg, 11.04.2019

Für Osterstimmung sorgte die farbenfrohe Dekoration

Wer suchet, der findet. Der Bücherflohmarkt bot für jeden Geschmack den passenden Lesestoff

Am 11. April 2019 veranstaltete die Regionalstelle Hamburg West des Bundeswehr-Sozialwerkes einen Osterbücherbasar an der Führungsakademie der Bundeswehr Hamburg.

Im Foyer des Speisesaals in der Clausewitz-Kaserne waren Kisten mit zahlreichen Büchern und schönen Osterdekorationen ausgestellt. Nicht fehlen durfte außerdem der Kaffee und Kuchen.

„Ort und Zeit waren gut gewählt, denn zahlreiche Angehörige der Führungsakademie und Gäste ließen es sich nicht nehmen nach dem Mittagessen unseren Stand zu besuchen“, so die Regionalstellenleiterin Birgit Schön.

Besonders die selbstgemachten Kuchen und Torten fanden reißenden Absatz, sodass am Ende eine Spende für die Aktion „Sorgenkinder in Bundeswehrfamilien“ des Bundeswehr-Sozialwerkes in Höhe von 620 Euro erzielt wurde.

Ein großes Dankeschön richtet das Bundeswehr-Sozialwerk-Team hiermit an alle fleißigen Kuchenbäcker und Spender.

 

 

 

 

 

 

 

Schiffstagebuch Führungsakademie Exercise

Autor: FKpt Christian Moritz; Fotograf: FKpt Nattapol Sanguanpuak

Hamburg, 30.04.2019

 

 

Montag, 1. April 2019, 07:30 Uhr
Führungsakademie der Bundeswehr Hamburg
Position: 53° 33,8´ N 009° 49,7´ E
Wetter: sonnig, 8° C

Anfang April war es soweit. Nachdem der Lehrgang Generalstabs-/ Admiralstabsdienst International 2018 (LGAI) bereits das Deutsche Heer und die Luftwaffe besucht hatten, stand nun eine weitere einwöchige Reise bevor: Mit der Führungsakademie Exercise (FüAkEx) ging es nun zur eigenen Teilstreitkraft Marine.
Unter fachlicher Leitung der Fakultät Marine ging es für die Kameradinnen und Kameraden der Luftwaffe, des Heeres und der Marine zunächst nach Flensburg an die Marineschule Mürwik (MSM). Diese wird wegen ihrer imposanten und eindrucksvollen Erscheinung auch - das rote Schloss am Meer - genannt.
 
Montag, 1. April 2019, 10:15 Uhr
Marineschule Mürwik
Position: 54° 48,9´ N 009° 27,5´ E
Wetter: sonnig, 8° C

Begrüßt wurden die rund 70 Personen vom Kommandeur der MSM, Flottillenadmiral Abry, in der historischen Aula.
Die Gäste der Führungsakademie nahmen an einer Führung durch das beeindruckende Gebäude und über das weitläufige Gelände teil und wurden in die Darstellung und praktischen Handhabung moderner Simulator-Ausbildung eingewiesen.
 
Abschließend ging es mit den Verlegebooten der Marineschule durch die Flensburger Förde. Am Abend führte sie der Weg weiter nach Kiel. Im Marinestützpunkt bezogen die Teilnehmer das „Basislager“ und werteten den Tag bei einem gemeinsamen Abendessen aus.
 
Dienstag, 2. April 2019, 09:00 Uhr
Marinestützpunkt Eckernförde
Position: 54° 28,4´ N 009° 51,7´ E
Wetter: leicht bewölkt, 14° C

Von Kiel ging es am nächsten Morgen nach Eckernförde. Dort angekommen, wurden die Offiziere am Ausbildungszentrum Uboote durch den Kommandeur der Einsatzflottille 1, Flottillenadmiral Bock, und dem Kommandeur des 1. Ubootgeschwaders, Fregattenkapitän Cordes, begrüßt. Im Anschluss stellten sich die Einsatzflottillen 1 und 2 sowie das Marinefliegerkommando vor.
Anschließend begann „der Tauchgang“: Die Luke des Unterseeboots U35 wurde geöffnet und bot spannende Technik unter Wasser. Eine Fahrt im Tiefensteuersimulator machte die Marine erlebbar. Über die Fähigkeiten des Seebataillons und des Kommandos Spezialkräfte Marine informierten sich die Besucher während eines Static Displays.
 
Mittwoch, 3. April 2019, 09:00 Uhr
Eckernförder und Kieler Bucht
Position: 54° 33,6´ N 010° 20,1´ E
Wetter: bewölkt, 11° C

Der dritte Tag stand ganz im Zeichen der gemeinsamen Seefahrt. Der LGAI 2018 wurde auf die Einheiten Uboot U33, Korvette LUDWIGSHAFEN AM RHEIN und den Tender MOSEL verteilt. Anschließend wurde in See ein abwechslungsreiches Programm geboten: Formationsfahren, Flugbetrieb mit einem Helikopter des Marinefliegergeschwaders 5, Übungen zwischen Korvette und Uboot und eine Revierfahrt durch die Kieler Förde.
  
Donnerstag, 4. April 2019, 08:45 Uhr
Marineehrenmal Laboe
Position: 54° 24,7´ N 010° 13,9´ E
Wetter: bewölkt, 7° C

Am Marineehrenmal wurde der LGAI durch Fregattenkapitän der Reserve Dr. Witt des Deutschen Marinebundes empfangen. Begleitet durch eine Andacht von Monsignore Mezger hat der Lehrgangsleiter, Oberst i.G. Frank Wasgindt, für den LGAI in der Gedenkhalle des Ehrenmals in einer würdevollen Zeremonie einen Kranz niedergelegt. Im Anschluss hat Dr. Witt in einer kurzen fachkundigen Leitung durch die Räumlichkeiten des Ehrenmals geführt. Danach hatten alle Teilnehmer die Möglichkeit, im Rahmen eines „freien Manövers“ den Turm des Ehrenmals zu besteigen oder das Uboot am Strand von Laboe zu besichtigen.
 
Das letzte Reiseziel des Tages, Neustadt in Holstein, erreichten die Offiziere am späten Nachmittag. Das dort niedergelassene Einsatzausbildungszentrum Schadensabwehr der Marine (EAZS M) werden die Teilnehmenden am kommenden Tag besichtigen.
 
Donnerstag, 4. April 2019, 12:00 Uhr
Einsatzausbildungszentrum Schadensabwehr der Marine
Position: 54° 06,2´ N 010° 48,5´ E
Wetter: sonnig, 15° C

Begrüßt wurde der LGAI 2018 vom stellvertretenden Kommandeur des EAZS M, Fregattenkapitän Weyer, der den Lehrgangsteilnehmern die Besonderheiten der Einsatzausbildung innerhalb der Deutschen Marine vorgestellt hat.
Im Anschluss erfolgte ein Rundgang in Gruppen, der verschiedene Stationen beinhaltete. Vorgestellt wurden neben dem Tieftauchtopf zur Uboot-Rettungsausbildung auch die Ausbildungshulk  Ex-Köln (Hulk bezeichnet ein außer Dienst gestelltes Schiff) sowie die Brandhalle, in der sich einzelne Freiwillige mit verschiedenen Feuerlöschmitteln den Flammen stellen durften.

Das lebhaft gestaltete und mit Professionalität begleitete Programm hat alle Teilnehmer begeistert und die Ausbildung der Marine in besonderer Weise erlebbar gemacht.
Am Ende des Tages, um viele neue Eindrücke reicher, wurde das FüAkEx 2019 durch den Leiter der Fakultät Marine vor Ort beendet und die Reisegruppe trat den Rückweg nach Hamburg an. Gegen 19 Uhr erreichten die Busse die Führungsakademie der Bundeswehr.
 
Donnerstag, 4. April 2019, 19:00 Uhr
Führungsakademie der Bundeswehr Hamburg
Position: 53° 33,8´ N 009° 49,7´ E
Wetter: bewölkt, 11° C

Alle Lehrgangsteilnehmer blicken auf eine abwechslungsreiche Woche zurück, in der es gelang, die Besonderheiten der Marine für alle nicht nur sichtbar, sondern vor allem auch spürbar darzustellen.
 

 

 

Autorin: Marie Kellermann

Fotografin: Laura Clayborn

Fregattenkapitän Cersofios und Major Etienot aus Argentinien erzählen von ihren Osterbräuchen

Oberstleutnant Gladzik erläutert seine Osterbräuche aus seiner Heimat Brasilien

Korvettenkapitän Kim und Major Shin erzählen von den Osterbräuchen aus ihrem Heimatland Südkorea

 

 

Ostereier bemalen und für die Kinder verstecken, in die Kirche gehen und am Karfreitag Fisch essen. So feiern viele deutsche Bürgerinnen und Bürger das Osterfest. Aber wie feiern eigentlich unsere internationalen Gäste an der Führungsakademie Ostern? Wie sieht es zum Beispiel in Südamerika aus, wie wird dort gefeiert?

„Ja, in Argentinien feiert man Ostern“, beginnt der Argentinier Fregattenkapitän Cersofios auf die Frage, ob sie auch das Osterfest feiern, „und sie nehmen [sich] Zeit dafür, Donnerstag und Freitag, wird jeden Tag eine besondere Feier in der Kirche ausgerichtet“. Er erzählt, dass der religiöse Aspekt der Ostertage früher eine große Rolle spielte und der Großteil der Bevölkerung die Gottesdienste in der Kirche besuchte. Die Bedeutung sei heutzutage keine geringere und noch immer würden viele in die Kirche gehen, aber die meisten nutzten die Zeit inzwischen, um zu verreisen, ob zu Freunden und Familie, oder um Urlaub mit den Liebsten in der Ferne zu genießen.

Major Etienot, ebenfalls aus Argentinien, ergänzt im Gespräch. „Normalerweise dürfen wir am Freitag kein Fleisch essen. Das ist ein Problem in Argentinien, weil wir Fleisch lieben“, lacht er. Also wird in Argentinien am Karfreitag, wie auch in Deutschland oft Fisch gegessen. Karfreitag erinnert an den Todestag Jesus‘. Deswegen soll an diesem Tag nicht gefeiert, nur wenig gegessen, keine Musik gehört als auch kein Alkohol getrunken werden.

„Wir besuchen sieben verschiedene Kirchen zu Fuß, in jeder Kirche beten wir. Das ist eine normale Tradition, die die ganze Familie lebt.“ Die Zahl sieben habe in der Bibel eine besondere Bedeutung, erklärt Etienot, daher auch der Besuch in so vielen Kirchen.

Ein weiterer Unterschied zu Deutschland seien die offiziellen Feiertage. In Deutschland sind der Karfreitag sowie der Ostermontag gesetzliche Feiertage, in Argentinien der Gründonnerstag und Karfreitag, am Montag gehe es eben wieder zurück zur Arbeit oder in die Schule.

„Argentinische Kinderaugen leuchten zu Ostern. Sie bekommen die Schokoladeneier und kleine Geschenke. Dazu essen wir einen traditionellen runden Osterkuchen, hält Major Etienot abschließend fest.

Argentinien hat bereits sehr viele Gemeinsamkeiten mit der deutschen Osterkultur. Wie sieht es im Nachbarland Brasilien aus? „Ich denke, dass Ostern sehr ähnlich gefeiert wird , im Vergleich zu Deutschland“, überlegt der Brasilianer Oberstleutnant Gladzik. „Die Mehrheit in Brasilien sind Christen. Brasilien ist das größte katholisch geprägte Land der Erde. Daher wird auch hier im Großteil des Landes Ostern gefeiert.“

Gladzik erklärt: „Es gibt zwei Seiten von Ostern. Die eine ist religiös, die andere ist wirtschaftlich.“ Die einen feiern mit der Familie, die anderen verreisen. „Auch hier wird der Karfreitag als Trauertag gesehen, an dem man traditionell Fisch isst. Auf keinen Fall Fleisch, aus Respekt vor Jesus Christus“, erklärt mir der Oberstleutnant. Am Samstag würde dann mit der Familie gefeiert und, wie in Deutschland, bringe der Osterhase die Schokoladeneier für die Kinder, die diese dann eifrig suchten.

„Einige Brasilianer fasten auch 40 Tage vor Ostern“, erzählt Gladzik, „sie verzichten auf Partys, Alkohol und bemühen sich, nicht zu viel zu essen. Auch im Studium versuche man, nicht zu viel Zeit allein darauf zu konzentrieren.“

Das brasilianische Osterfest ähnelt nicht nur dem, des Nachbarn Argentinien, sondern auch unserem deutschen Osterfest. Wie es wohl in Asien gefeiert wird und ob es überhaupt dort gefeiert wird?

Major Shin und Korvettenkapitän Kim aus Südkorea sind Christen und damit nicht allein in ihrem Land. „Ungefähr ein Drittel der Bevölkerung ist christlich geprägt“, beginnt Shin, „ungefähr 18 Prozent sind Christen und ca. 15 Prozent sind katholisch. Der Rest sind […] Nicht-Christen und deswegen gibt es keine offiziellen Feiertage bei uns.“ Vor dem Hintergrund verreise man hier nicht und die öffentlichen Veranstaltungen und Zeremonien beschränkten sich hauptsächlich auf das Wochenende.

Korvettenkapitän Kim isst selbst sehr gern Ostereier und geht, mit seiner ebenfalls christlichen Frau, in die Kirche. Freudig erzählt er: „Die anderen Religionen respektieren diese Tage.“ Es gäbe auch keine heimischen Feiertage, die sich mit Ostern überlappen. „Koreanische Feiertage sind abhängig von [dem] Mondkalender, nicht [von der] Religion wie in Westeuropa“, beschreibt Major Shin. Ostern habe eher eine kleinere Bedeutung im Vergleich zu ihren wichtigsten Feiertagen, Neujahr und dem Erntedankfest im Herbst.

In den Wochen vor Ostern werde in Teilen gefastet, um die Entbehrungen Jesus Christus nachempfinden zu können, berichtet Shin.

Am Osterwochenende bitte ein Pfarrer schon um fünf Uhr morgens zum Gebet, wobei so viele Personen wie möglich in die Kirche gelassen werden, um gemeinsam zu beten. Die Kirche bereite zusätzlich eine Kantate vor. „Die Werke von Händel sowie den Gesang und die Zeremonie, die Jesus Christus gewidmet ist, bereiten wir vor. “Die Kirche macht das wirklich sehr professionell. Zuweilen wird neben der Kantate ein Filmstück von Jesus Christus gezeigt, damit wir uns bildhaft vorstellen können, was Jesus Christus in dieser Zeit erlebt hat“, berichtet der Major, „alle Zeremonien und Veranstaltungen finden ihr Ende am Ostersonntag.“ Die vielen Kinder in der Kirche bekommen Schokoladeneier und hören noch einmal die Ostergeschichte.

Ob Argentinien, Brasilien, Südkorea oder Deutschland. Ostern wird im großen Rahmen unabhängig von der Nation ähnlich gefeiert. Fisch am Freitag, der Hase bringt die Ostereier und die Kinder freuen sich über die schokoladene Überraschung.

 

Die Führungsakademie der Bundeswehr wünscht frohe Ostern!

 

 

 

 

Anerkennung für einen engagierten Reservisten 

Autor: Stefan Berger; 

Fotograf: Nattapol Sanguanpuak

Reger Austausch nach der förmlichen Anerkennung von Fregattenkapitän d.R. Dr. Fischer (r.)

Fregattenkapitän d.R. Dr. Heiko Fischer wurde an der Führungsakademie der Bundeswehr ausgezeichnet

„Mit Fregattenkapitän d.R. Dr. Fischer hat die Führungsakademie der Bundeswehr einen starken und verlässlichen Partner. Im fruchtbaren Dialog hat er den internationalen Offizieren ein „Deutschland-Bild“ vermittelt, das sie stets begeistert mit in ihre Herkunftsländer zurückgenommen haben“ mit diesen Worten überreichte der Direktor Strategie und Fakultäten, Brigadegeneral Boris Nannt, am 8. April 2019 im Auftrag des Kommandeurs die Förmliche Anerkennung an Fregattenkapitän d.R. Dr. Fischer.

Der engagierte Stabsoffizier schaffte es immer wieder aufs Neue, Impulse zu setzen und Brücken zu bauen. Im zivilen Berufsleben als Vorstandsvorsitzender eines großen internationalen Transportunternehmens tätig, bringt der Wirtschaftswissenschaftler als Gastdozent in den Logistikseminaren Erfahrungen und Fähigkeiten ein. Mit viel Empathie für die ausländischen Lehrgangsteilnehmenden und ihre Familien schafft er es, die Motivation stets hoch zu halten und neue Kompetenzen in dem künftigen militärischen Spitzenpersonal zu entwickeln. Dies trägt sowohl zur Völkerverständigung als auch zur internationalen Reputation der Führungsakademie der Bundeswehr bei. In einer Feierstunde im Hörsaal Marine des Lehrgangs Generalstabs-/Admiralstabsdienst International 2018 wurde das Engagement an diesem Tag gewürdigt.

„Auch ich nehme viel mit“ bemerkte Dr. Fischer abschließend. „Die aufgeschlossene und kameradschaftliche Atmosphäre an der gesamten Führungsakademie ist für mich auch in Zukunft Motivation und Verpflichtung. Unser Land ist geachtet in der Welt und unser Engagement für Sicherheit und Stabilität ist international anerkannt und respektiert. Die Ausbildung der Offiziere unterschiedlicher Nationen für den Einsatz für den Frieden in vielen Regionen der Welt unterstützen zu dürfen, ist für mich auch in Zukunft das Ziel.“

 

 

 

 

 

LGAI auf Luftwaffenreise


Autor: OTL Schreiner

Fotograf: OTL Schreiner

Hamburg, 15.04.2019

 

 

 

Während des Lehrgangs Generalstab-/ Admiralstabsdienst International (LGAI) üben die Lehrgangsteilnehmende die Planung, den Einsatz und die Führung von Streitkräften. Dabei hat jede Teilstreitkraft seine ganz eigenen Anforderungen und Einsatzgrundsätze. Da nahezu alle größeren Operationen heutzutage streitkräftegemeinsam geführt werden, ist auch für die Angehörigen des Heeres und der Marine die Kenntnis der besonderen Fähigkeiten und Einsatzgrundsätze von Luftstreitkräften von großer Bedeutung.

Im März 2019 hatten die Lehrgangsteilnehmenden des LGAI 2018 die Möglichkeit, die Luftwaffe in ihrer ganzen Vielfalt kennenzulernen.

Dabei konnten theoretische Inhalte aus der Lehre, direkt mit den an den unterschiedlichen Waffensystemen erlebten Eindrücken abgeglichen werden. Die Luftwaffe präsentierte dazu das gesamte Spektrum der Luftkriegsführung.

Angefangen beim Lufttransport mit dem Transportflugzeug A400M und dem mittleren Transporthubschrauber CH-53, über Luftangriff und Luftverteidigung mit den Kampfflugzeugen Eurofighter und Tornado, bis hin zur bodengebundenen Luftverteidigung mit dem Flugabwehrraketensystem Patriot. Einen Eindruck von luftgestützter Aufklärung erhielten die Lehrgangsteilnehmer anhand des Waffensystems Tornado und durch Aufklärungsprodukte der Drohne Heron 1. Mit der Besichtigung des mobilen Flugführungsgefechtsstands des Einsatzführungsbereichs 3 in Schönewalde wurde klar, dass für einen erfolgreichen Einsatz die Führung und Koordination der Luftstreitkräfte von großer Bedeutung ist.

Die Flugabwehrraketengruppe 24 veranschaulichte den Offizieren die Wirkungsweise des Flugabwehrraketensystems Patriot. Außerdem erklärten die Kameraden der Luftwaffe, dass das System Patriot im Einsatz zur Abwehr von Flugzeugen, taktischen ballistischen Raketen und Marschflugkörpern dient.

Beim Taktischen Luftwaffengeschwader 51 „Immelmann“ lernten die Teilnehmer die Waffensysteme Tornado und Heron kennen und erfuhren, dass das Luftwaffengeschwader am Standort Kropp/Jagel der einzige fliegende Verband der Luftwaffe ist, der über die Fähigkeit zur bemannten Taktischen Luftaufklärung verfügt.

Während der gesamten Reise wurde den Lehrgangsteilnehmern schnell klar, dass der erfolgreiche Einsatz und Betrieb von Luftstreitkräften moderne Ausbildungsmittel und komplexe logistische Lösungen erfordert. Die in Teilen geringe Einsatzbereitschaft der Waffensysteme und die dadurch hervorgerufenen Schwierigkeiten bei Ausbildung und Inübunghaltung des Personals wurden nicht beschönigt. Für die Lehrgangsteilnehmer war es eine Bereicherung, zu sehen, wie die Kameraden der Luftwaffe erfolgreich und mit Herzblut den hohen Anforderungen an ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten trotzen und wie sie mit der hohen Auftragsbelastung in den Verbänden umgehen.

 

 

Autorin: Anne Bressem ; Bilder: Vanessa Feldmann

 

Hamburg, 15.04.2019

 

 Brigadegeneral Al Zadjali beim Eintrag in das Gästebuch

Die omanische Delegation vor dem Stabsgebäude der FüAk

Wie begegnet die Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) den aktuellen sicherheitspolitischen Herausforderungen, wie bereitet sie vor diesem Hintergrund angehende Stabs- sowie Generalstabsoffiziere auf ihre zukünftigen Aufgaben vor. Fragen, zu denen sich eine sehr interessierte Delegation des National Defence College aus dem Sultanat Oman mit dem Direktor Ausbildung, Oberst i.G. Holger Neumann, Oberstleutnant i.G. Matthias Friedrich und Fregattenkapitän Stefan Berger austauschte.  

What we are and what we stand for 

Zunächst stellte Oberstleutnant i.G. Friedrich das Konzept des Lebenslangen Lernens sowie das breit gefächerte Angebot der Lehrgänge an der höchsten militärischen Ausbildungsstätte der Bundeswehr vor. Von Offenheit sowie herzlichen Gesprächen begleitet, ließen die Gäste ihrer Neugier freien Lauf. So erkundigte sich Brigadegeneral Al Zadjali, Strategischer Direktor der Royal Air Force Oman, nach dem multinationalen Ansatz an der Akademie, nach der Arbeit der im vergangenen Jahr gegründeten Denkfabrik German Institute for Defence and Strategic Studies (GIDS) sowie nach dem Masterprogramm „Militärische Führung und Internationale Sicherheit“ (MFIS). Multinational sei die Führungsakademie in jedem Fall durch den Generalstabslehrgang International (LGAI) geprägt sowie durch die zahlreichen Angebote, die ebenfalls von internationalen Gästen anderer Streitkräfte besucht werden. Das noch junge GIDS setzt auf Basis wissenschaftlicher Grundlagenforschung seinen Auftrag zur sicherheitspolitischen Beratung des Ministeriums sowie der Bundesregierung um, wie Oberst i.G. Neumann betonte.

Give them a toolbox…

Die Gäste des Sultanats Oman folgten interessiert den Ausführungen von Fregattenkapitän Berger, wie die internationalen Offiziere an der Führungsakademie das nötige Handwerk für ihre Karriere in ihren Heimatländern an die Hand bekommen. Generell sei der hohe Anspruch der Führungsakademie zu spüren, wie die arabischen Gäste festhielten. „You do constantly care about what is happening around the globe“, hielt der Übersetzer fest. Neumann betonte in diesem Zusammenhang weiterhin, wie wichtig es sei, die Zukunft des militärischen Spitzenpersonals, ob nun national oder international, im Dialog zu gestalten. „Wir geben den jungen Offizieren eine Toolbox mit auf den Weg. Sie sollen lernen und wissen, welches Werkzeug sie in welcher Weise anwenden müssen, um Probleme schnell, effektiv und zielorientiert lösen zu können. So machen wir sie fit, um den sicherheitspolitischen Herausforderungen, die sie im Laufe ihrer Karriere erfahren werden, angemessen begegnen zu können.“

Für den intensiven Überblick sowie den anregenden Austausch dankte die omanische Delegation mit herzlichen Worten und setzte ihren Besuch bei der Firma Airbus in Hamburg fort.

 

 

 

 

Megamarsch Hamburg: von 0 auf 100 in 18 Stunden


Autor: Christoph Jan Longen;
 

Fotografin: Annika Heusinger

Hamburg, 15.04.2019

 

Wem in der ersten Aprilwoche auf dem Gelände der Führungsakademie ein paar humpelnde Gestalten aufgefallen sind, der hatte es vermutlich mit erfolgreichen Teilnehmern des Megamarsch Hamburg zu tun. Zum insgesamt dritten Mal riefen die Veranstalter dazu auf, die Grenzen des Hamburger Umlandes marschierenderweise besser kennenzulernen und dabei seine eigenen ein wenig auszuweiten. Diesem Ruf sind vier Lehrgangsteilnehmer der beiden General-/Admiralstabslehrgänge gefolgt.

Insgesamt vier Teilnehmer von der Führungsakademie am Start

„In der Nacht war es dann schon ein bisschen zäh, als sich die Kilometer zogen der ein oder andere Muskel angefangen hat, zu zu machen“, fasst Megamarsch-Teilnehmer Major Alexander Mann (LGAN 2018) die wohl schwierigste Phase seiner 100 Kilometer zusammen. Und tatsächlich gingen am Ende nur etwa 800 der über 4.000 Damen und Herren über die Ziellinie. An dieser winkte nicht nur eine Medaille, sondern auch der Applaus zahlreicher Zuschauer, die sich in Teufelsbrück versammelten.

Hamburg nicht von seiner schönsten - aber von seiner Außenseite

Der Startschuss ertönte in Rüschpark (Finkenwerder) am Samstag (6. April 2019) etappenweise ab 12 Uhr. Um die große Zahl an Teilnehmer logistisch zu meistern, marschierten alle zehn Minuten etwa 200-300 Mann und Frau große Gruppen durch den Startkorridor. Die Delegation der Führungsakademie begann ihre Reise durch das Hamburger Umland gegen 14 Uhr. Die Marschroute führte über Gartenanlagen, Wanderwege, Wälder, den Ohlsdorfer Friedhof und den Hamburger Volkspark.

„Nach circa vier bis fünf Stunden haben wir die ersten Teilnehmer der vor uns gestarteten Gruppe eingeholt“, sagt Major Mann rückblickend. „Ein bisschen neidisch waren wir aber auf die Kleingartenbesitzer, die den Abend beim Grillen und Geselligkeit verbracht haben, aber wir hatten ja einen Auftrag zu erfüllen.“ Alle 20 Kilometer erfolgte am Streckenrand die Verpflegung in Form von Müsliriegeln, frischem Obst und vor allem Wasser und Tee. Obwohl der mit 14 Grad relativ milden Durchschnittstemperatur nahm jeder Teilnehmer auf seinen 100 Kilometern etwa 10 Liter Flüssigkeit zu sich. Dabei genoss das Team der Führungsakademie den kameradschaftlichen Support von Oberstleutnant Annika Heusinger und Major Alexander Große, die an vielen Wegmarken und der ein oder anderen Obstspezialität zum Durchhalten motivierten.

Sechs Stunden vor Schluss im Ziel

„Ab Kilometer 60 braucht man jeden Zuspruch, denn man stellt schon fest, dass immer mehr am Straßenrand stehen und sich mit der Urkunde zufrieden geben. Das Teilnehmerfeld lichtet sich“, fasst Major Mann die Motivationskurve des Marsches zusammen. Statt eines Siegertreppchens hielten die Organisatoren des Marsches Urkunden für die Etappen 40, 60 und 80 Kilometer bereit - für die 100-km-Absolventen Urkunde plus anerkennende Medaille. „Wenn man sich dann nach dem Ziel hinsetzt, spürt man den Erschöpfungshammer und freut man sich auf Dusche und Bett“, beschreibt Major Mann seine Verfassung nach 18 Stunden Dauermarsch. „Dabei halten sich Freude und Muskelkater über viele Tage die Waage.“

 

 

 

 

Leidenschaft an der Führungsakademie –

das Amerikanisch-Jüdische Komitee zu Besuch

Autorin: Victoria Eicker; 

Bilder: Lene Bartel

Hamburg, 09.04.2019

Die Delegation zu Besuch an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg/p>

Eintrag ins Gästebuch

Die Führungsakademie der Bundeswehr ist die höchste militärische Bildungseinrichtung in Deutschland. Aber, an der Akademie wird nicht nur der Führungsnachwuchs aus- und weitergebildet, die Akademie ist auch ein Vehikel zur internationalen Zusammenarbeit und Kooperation. So zum Beispiel mit dem American Jewish Committee (AJC), dem Amerikanisch-Jüdischen Komitee, einer Nicht-Regierungsorganisation aus den USA. Jüngst besuchte eine Delegation des AJC die Führungsakademie. Mit vielen Fragen und leidenschaftlichen Diskussionen.

Langjährige Zusammenarbeit

Die Führungsakademie der Bundeswehr pflegt schon länger eine enge Zusammenarbeit mit dem AJC. Der Besuch der 14-köpfigen Delegation Anfang April an der Führungsakademie wurde indes von der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) organisiert. „Wir organisieren seit 39 Jahren jährlich ein Austauschprogramm. Eine Delegation aus Amerika kommt für eine Woche zu uns und umgekehrt“, sagt Dr. Lars Hänsel, Abteilungsleiter Team Europa/Nordamerika der KAS. Er ist der Leiter der Besuchergruppe. Die Delegation aus acht verschiedenen Staaten der USA besucht eine Woche lang Deutschland, informiert sich über das jüdische Leben in Deutschland und besucht den Deutschen Bundestag sowie andere Bundesbehörden. Dabei reisen sie durch das Land, hören Vorträgen zu und stellen Fragen.

An der Führungsakademie erfuhren die höchst interessierten Amerikaner nicht nur, wie sich die Akademie strukturiert, welche Aufgaben sie hat und welche neue Aufgaben durch die Gründung der neuen Denkfabrik German Institute for Defence and Strategic Studies (GIDS) auf sie zugekommen sind. Brian Lipton, der Delegationsleiter und Regionalleiter des AJC in Florida, zeigte sich begeistert. „Ich war schon einmal vor sieben Jahren an der Führungsakademie der Bundeswehr. Es ist absolut beeindruckend, wie sich die Akademie verändert, wie viele unterschiedliche Lehrgangseinheiten angeboten werden und auch, wie viele internationale Lehrgangsteilnehmer mittlerweile Kurse an der Akademie besuchen.“

Mut zum Diskurs

In einem weiteren Vortrag verfolgte die Delegation gespannt den Ausführungen Oberstleutnant i. G. Bastian Volz, Dozent an der Fakultät Politik, Strategie und Gesellschaftswissenschaften, über die Struktur und die Aufgaben der Bundeswehr im Allgemeinen. Die Fragen waren vielfältig: Wie wird die Bundeswehr in der Gesellschaft wahrgenommen und wie kann man diese Wahrnehmung verbessern? Wie passt die Bundeswehr ihre Bedarfe an die Budgetierung an?

Bei dieser Frage ging es auch um die von der NATO angestrebten zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes für Verteidigung. In den USA zeigte man sich irritiert über den von Finanzminister Olaf Scholz vorgelegten Haushaltsplan, der die in Wales von der Bundesregierung zugesagte sukzessive Angleichung an die zwei Prozent Marke mit einem ab 2020 wieder sinkenden Verteidigungsetat konterkarierte. Brigadegeneral Boris

Nannt, Direktor Strategie und Fakultäten, griff das für alle kurz auf: „Wir brauchen mehr Geld für die Bundeswehr, um unsere vielen Aufträge zu erfüllen. Wir müssen das in der Öffentlichkeit klar ansprechen und diskutieren, was ist uns Sicherheit wert. Am Ende sind die zwei Prozent natürlich eine politische Entscheidung – und eben auch eine demokratische.“

Herausforderungen für die Bundeswehr

Mit großer Spannung lauschten die Gäste schließlich noch dem Vortrag von Jörn Thießen, Direktor der Fakultät Politik, Strategie und Gesellschaftswissenschaften, über die aktuellen und künftigen Herausforderungen für die Bundeswehr. Mit viel Verve erklärte der ehemalige Bundestagsabgeordnete, wie schwierig Themen der Verteidigung und Sicherheit in einen öffentlichen Diskurs zu bringen sind. „Wir haben in Deutschland eine Parlamentsarmee und auch den Wehrbeauftragen im Deutschen Bundestag als einen Anwalt der Soldaten, an den sich jeder Soldat jederzeit wenden kann“, erklärte er das deutsche System. Sicherheit, sagte er, sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Angesichts der vielen Herausforderungen sei es wichtig, dass in Deutschland viel offener über Verteidigung und Sicherheit debattiert werde. Zudem sei die Strategiefähigkeit zu entwickeln, denn Deutschland brauche eine Gesamtstrategie. Arnie Herz, aus Port Washington, New York merkte am Ende an: „Das waren sehr umfassende Ausführungen, vielen Dank dafür. Für uns hat das eine ganz neue Dimension des Verständnisses eröffnet.“ Und genau dafür war das Format gedacht.

 

 

 

 

Verteidigungsfähigkeit in Stresszeiten

Amerika und Deutschland - Verteidigungsfähigkeit in Stresszeiten

Autor: Dr. Victoria Eicker;

Fotografin: Lene Bartel

Ben Hodges (USA), Johannes Kahrs (D), Boris Nannt (D), Andrew Winternitz (USA) und Wolfgang Ohl (D) bei der Tagung

Amerikanische und deutsche Teilnehmer des Workshops diskutieren über die Herausforderungen der Zukunft

Gemeinsam im Dialog Strategien entwickeln: Gale Mattox (USA) im Gespräch

Im digitalen Zeitalter angekommen

„Könnt ihr uns eigentlich verteidigen?“ – das war eine Frage, die im Workshop „Germany and the United States: Partnership under Stress?“ gestellt wurde. Eine Frage, die zwar auf die Bundeswehr gemünzt war, die aber viel weiter gefasst werden kann: Wie steht es um die transatlantischen Beziehungen und die NATO? Sind die Bundeswehr und mit ihr die NATO den Herausforderungen der Zukunft gewachsen? In dem Workshop, der vom Fachbereich Politik der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) und vom German Institute for Defence and Strategic Studies – GIDS mit verantwortet wurde, wurde hierüber intensiv diskutiert.

Zahlreiche Experten aus diversen deutschen, europäischen und amerikanischen Think Tanks, der US-Administration, Behörden, Bundeswehr und Bundestag trafen sich Ende März an der Führungsakademie der Bundeswehr. So beispielsweise Nils Annen, Johannes Kahrs und Siemtje Möller aus dem Deutschen Bundestag, Dr. Hans Christoph Atzepodien vom Bundesverband der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie oder Rachel Ellehuus vom Center for Strategy and International Studies (CSIS). Es war der zweite internationale Workshop in einer Reihe, die sich die transatlantische Beziehung Deutschlands zu den USA zum Thema nimmt.

Die Bundesakademie für Sicherheitspolitik (BAKS), das American Institute for Contemporary German Studies und die neue Denkfabrik an der FüAkBw, das „German Institute for Defence and Strategic Studies“ (GIDS), luden gemeinsam an die Elbe. Nach der Begrüßung durch den Kommandeur der Führungsakademie, Generalmajor Oliver Kohl, diskutierten die Experten in vier Panels unter Chatham House Rules. „Wir freuen uns, dass so viele interessante Panelisten und Teilnehmer den weiten Weg nach Blankenese angetreten sind, um mit uns zu diskutieren“, sagte Brigadegeneral Boris Nannt, Direktor Strategie und Fakultäten.

 

Deutsch –amerikanisches Verhältnis im Kontext der Zeit

Gibt es eine deutsch-amerikanische Krise? „Zumindest ist da in der Politik Raum für Verbesserung“, konstatierte Dr. Karl-Heinz Kamp (BAKS) in seinem Eröffnungsstatement. Trotz der aktuellen Verstimmungen war man sich schnell einig, dass die deutsch-amerikanische Partnerschaft verlässlich und stabil bleiben muss. Schließlich überwiegen die gemeinsamen Interessen bei weitem, was durch die aktuelle Diskussion teils überdeckt werde, betonten Teilnehmer des Workshops. In einer Welt, in der Artikel 5 des NATO Vertrags – der Bündnisfall – wieder wahrscheinlicher geworden sei, müsse über Verteidigungsfähigkeit und Bereitschaft von Streitkräften neu nachgedacht werden.

Teilnehmer plädierten dafür, die derzeitige US-Administration zwar als Herausforderung zu sehen, wiesen aber auch auf die Berücksichtigung einer langen Geschichte der Partnerschaft und Freundschaft hin. Es sei nicht die erste Administration, die für Spannungen sorgt. Die Forderung nach einem Beitrag von zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes für die Verteidigung sei nicht erst eine Forderung der amtierenden US-Administration, sondern wurde schon vorher gefordert.

Dieses Thema zog sich durch alle Panels des Workshops. Während die einen auf Verlässlichkeit pochten, argumentierten die anderen gegen eine statische Zahl. Ein Teilnehmer brachte die Diskussion auf den Punkt: „Zwei Prozent, das sind zwei Cent von einem Euro. Was ist uns Sicherheit eigentlich wert?“ Nichtsdestotrotz wurde auch darauf hingewiesen, dass das sicherheitspolitische Engagement Deutschlands seit der Annexion der Krim bereits deutlich zugenommen habe – das attestierten auch die internationalen Gäste. Deutlich seien zudem die Verteidigungsausgaben nach Jahren des Schrumpfens wieder gestiegen – aber „eben noch zu wenig“. Ein Teilnehmer betonte, dass Deutschland auf der anderen Seite viel Geld für Flüchtlingshilfe und Stabilisierung im vernetzen Ansatz bereitstelle. „Auch die demokratischen Strukturen stabil und resilient zu halten, ist außerordentlich wichtig“, sagte ein anderer Teilnehmer. Das starre Festhalten an zwei Prozent rein für den Verteidigungshaushalt hielt er für nicht zielführend. Eine Teilnehmerin aber betonte, dass Deutschland sich zu den zwei Prozent bekannt habe. „Versprechen muss man halten“, sagte sie.

 

Deutschland: Führung oder lieber nicht?

Eines wurde sehr deutlich – und hier machten sich insbesondere die internationalen Gäste stark für: „Deutschland ist zu reaktiv. Wir erwarten deutlich mehr von Deutschland.“ Es wurde bei dieser Forderung schnell konkret: mehr Investitionen in die Infrastruktur, mehr Investitionen in die Streitkräfte und ihre Ausrüstung und mehr Führung. Einige wesentliche Schritte wie das neue Unterstützungskommando der NATO in Ulm seien schon getan. Auch an diesem Punkt der Diskussion kam man zurück auf die zwei Prozent: „Wenn ich für die Bundeswehr planen und beschaffen will, brauche ich Verlässlichkeit, was das Budget angeht.“. Denn letztlich gehe es um die Verteidigungsfähigkeit des Bündnisses, also um die Frage „können wir uns eigentlich verteidigen“.

Deutschland muss mehr tun, denn „Deutschland ist für viele kleinere Alliierte eine Benchmark. Wenn Deutschland mehr investiert und mehr Engagement zeigt, folgen die anderen. Deutschland sei ein reiches Land. Zwar waren sich alle einig, dass Deutschland schon viel erreicht habe, aber es sei auch wichtig, aktiv vor die Bugwelle zu kommen. „Wenn Deutschland endlich so weit ist, alle bestehenden Lücken und Defizite geschlossen zu haben und sich mit den anderen Nationen in der NATO auf einer Ebene steht, sind die [in ihrer Entwicklung] schon wieder weit weg“.

 

Visionen und Strategie

Angesichts der großen Herausforderungen der Zukunft wie Künstliche Intelligenz und aufstrebende Mächte wie China sei Deutschland gut beraten, eine gesamtstaatliche Strategie zu entwickeln – und auch Visionen zu haben. Den Anfang könne mehr Offenheit und Ehrlichkeit in der öffentlichen Debatte machen: Klare Worte der Regierung bezüglich verteidigungs- und sicherheitspolitischer Fragen, mehr Ehrlichkeit und einfach mehr Strategie. „Es ist Zeit, dass Deutschland eine strategische Debatte über seine Rolle in der Welt beginnt“, war zu hören – und das nicht nur einmal. Dazu gehört unter anderem eine nationale Sicherheitsstrategie.

Das deutsch-amerikanische Verhältnis in Stresszeiten: Konsens war, dass alles noch im grünen Bereich ist. „Wir sind uns momentan zwar nicht immer einig in der Sprache, aber einig in der Sache“, sagte ein Teilnehmer. Deutschland und die USA teilen ein breites Fundament an Werten und eine lange Freundschaft, das nicht so schnell zerstört werden kann. Der Blick in die Zukunft, auch in Bezug auf die NATO, zeigt: Es gibt weiterhin viel zu tun! Aber die Hausaufgaben werden gemacht. Das wichtigste: „Wir müssen mehr miteinander reden, auch über die Herausforderungen der Zukunft und wie wir ihnen begegnen wollen.“

Der nächste Workshop wird im Juni im Bundesministerium der Verteidigung unter Federführung der Bundesakademie für Sicherheitspolitik stattfinden. Der vierte und letzte Workshop wird – wie schon der Auftakt der Reihe – abschließend in Washington stattfinden.

 

 

 

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