Konkurrent oder Partner? Beziehung zu China steht auf dem Prüfstand

 

Der ehemalige Botschafter in Peking und Tokio, Dr. Volker Stanzel, hielt beim Hamburger Diskurs einen Vortrag zum Thema „Make China Great Again – Chancen und Risiken des Umgangs mit Peking“.

 

Eine Podiumsdiskussion rundete die Veranstaltung ab.

 

Jörn Thießen, Leiter der Fakultät Politik, Strategie und Gesellschaftswissenschaften an der Führungsakademie der Bundeswehr, moderierte den 14. Hamburger Diskurs im Manfred-Wörner-Zentrum der Führungsakademie der Bundeswehr.

 

Gunter Bonz, Präsident des Unternehmensverbandes Hafen Hamburg, berichtete von der verlässlichen und guten Partnerschaft mit China.

 

Staatsrat der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation, Dr. Torsten Sevecke, verwies darauf, dass Chancen als auch Risiken bei jeder Entscheidung abgewogen werden müssen. 

 

China hat eine Vision: Im Jahr 2049 möchte die Volksrepublik „die“ Weltmacht sein. An einem weltumspannenden Netz aus Handelsrouten und Wirtschaftskorridoren wird bereits gearbeitet, sichtbar wird dies mit dem Projekt „Neue Seidenstraße“. Pekings Einfluss auf dem Wasser soll bis zur Nordsee ausgedehnt, Häfen, Bahnstrecken und Straßen zwischen China und Europa ausgebaut werden. Dieses Vorhaben bereitet vielen Menschen Sorge. Aus diesem Grund hat die Denkfabrik, das „German Institute for Defence and Strategic Studies“ (GIDS), zum „Hamburger Diskurs“ geladen. Im Mittelpunkt der 14. Veranstaltung stand das Thema „China als strategische Herausforderung“.

Umgang mit dem Reich der Mitte

Dieses Thema sorgt für gemischte Gefühle. Ist China ein Konkurrent oder ein Partner? Ist es richtig, nervös zu sein oder doch eher übertrieben? Und welche Chancen und Risiken gibt es im Umgang mit dem sogenannten Reich der Mitte? Diese Fragen lockten am 10. Juli 2019 rund 150 Interessierte in das Manfred-Wörner-Zentrum der Führungsakademie der Bundeswehr. Durch den Abend führte der Leiter der Fakultät Politik, Strategie und Gesellschaftswissenschaften an der Führungsakademie der Bundeswehr, Jörn Thießen. Europa und China sind stark miteinander verwoben, das werde durch Investitionen auf beiden Seiten sichtbar, sagt er. „Wir wollen darüber heute diskutieren“, so Thießen weiter.

Impulsvortrag vom ehemaligen Botschafter

Um das Auditorium einzustimmen, hielt Dr. Volker Stanzel einen Impulsvortrag zum Thema „Make China Great Again – Chancen und Risiken des Umgangs mit Peking“. Stanzel kennt als ehemaliger Botschafter in Peking und Tokio sowohl die deutsche als auch die chinesische Seite. Er war jahrzehntelang im außenpolitischen Geschäft tätig. Seit 2018 ist er zudem Vizepräsident der Gesellschaft für Auswärtige Politik. „Dieses Thema macht viele nervös“, gesteht der ehemalige Botschafter zu Beginn. Warum das so ist, habe er sich gefragt. Er kam auf drei Kriterien, die China bereits zur zweitgrößten Wirtschaftsmacht gemacht haben: Zum einen sind sie im Exportgeschäft sehr aktiv – mit dem Geld wurde das kontinuierliche Wachstum generiert und ausgebaut. Zum anderen pflegt die Volksrepublik ein friedliches Verhältnis zu seinen Nachbarn und dann ist da auch noch der „chinesische Traum“, das Streben nach einem modernen sozialistischen Land.

Positive und negative Folgen

Stanzel lässt die Konsequenzen daraus nicht unerwähnt. Er geht auf positive als auch negative Auswirkungen ein, betrachtet wirtschaftliche, politische als auch sicherheitspolitische Aspekte. So spricht er von der Aneignung fremder Technologien und dem daraus resultierenden Vertrauensverlust auf der einen und von einem boomenden Elektromarkt mit einer großen Auswahl auf der anderen Seite. „China ist ein Konkurrent, ein Systemwettbewerber und ein Partner“, so Stanzel. Deutschland als auch China seien gemeinsam gewachsen. Der ehemalige Botschafter erzählt den Zuhörern von dem vorherrschenden Bonussystem in China. Bei Rot über die Straße zu gehen, führt zu Punktabzug und kann eine Geldstrafe nach sich ziehen. Ein Leihfahrrad ein paar Meter weiter abzustellen, also genau dort, wo ein entsprechender freier Platz ist, kann Pluspunkte bringen. Dieses Vorgehen beschreibt er als System der autoritären Gängelung, in dem die Gesellschaft zum „richtigen Handeln“ erzogen werden soll. Dass China den Dialog mit Deutschland suche, sollte hingegen positiv gesehen werden. Der ehemalige Botschafter verschweigt auch nicht die sicherheitspolitischen Zustände, den Einsatz von physischer Gewalt gegen oppositionelle Kreise. Andererseits kann China aber auch als Stabilitätsfaktor in der Welt gesehen werden, der im Kampf gegen Krankheiten wie Malaria einen Beitrag leisten kann.

Hamburg ist mit China lange verbunden

Wie wichtig die Handelsbeziehungen zwischen Hamburg und China sind, wurde bei der anschließenden Podiumsdiskussion deutlich. Staatsrat der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation, Dr. Torsten Sevecke, berichtet von der Handelspolitik des Senats mit China, die bereits seit Jahrzehnten gepflegt werde. So haben 40 Prozent der Waren, die von und nach Hamburg verschifft werden, mit China zu tun; zudem spricht er von 235 Eisenbahnanläufen in beide Richtungen pro Jahr. Trotz der guten Beziehungen werden immer wieder alle Chancen und Risiken beurteilt. Bei Übernahmeangeboten reagiere die Hansestadt eher defensiv und typisch norddeutsch, also zurückhaltend. Dass China, als dominierende Kraft wahrgenommen wird, bekräftigt auch Gunter Bonz, Präsident des Unternehmensverbandes Hafen Hamburg. Deutschland sei seiner Meinung nach auf das Handeln und Miteinander mit China angewiesen. Er plädiert für eine Strategie, an der Politik und Wirtschaft gemeinsam arbeiten sollten. Dass die Beziehungen zum Reich der Mitte schwierig sind, hänge laut Stanzel vom Spagat ab, der absolviert werden muss. So habe Deutschland materielle Interessen, denen gegenüber steht jedoch die unterschiedliche Wertegrundlage beider Länder. So zu tun, als gäbe es die Konflikte im Wertebereich nicht, sei falsch. Denn so würde sich Deutschland unglaubwürdig machen, sagt Stanzel.

Fragen aus dem Publikum

Nachdem jeder Diskussionspartner seinen Standpunkt erläutert hat, waren die Zuschauer an der Reihe. „Welchen Wert messen Sie gemeinsamen Übungen mit den chinesischen Streitkräften zu?“ – auch in Hinblick auf die Darstellung dieser Übungen in den chinesischen Medien. „Gibt es Dinge, die wir im Management von den Chinesen lernen können?“ Und „was müsste passieren, damit wir in Deutschland zu einer langfristigen Strategie kämen?“ – Das sind nur einige Fragen, die an diesem Abend besprochen wurden. Doch auch in Zukunft wird das Thema „China als strategische Herausforderung“ das GIDS weiter beschäftigen. Getreu dem Motto „Mut zum Diskurs“ soll es eine Fortsetzung der Veranstaltung geben.

 

 

 

Fotografin: Bundeswehr/Lene Bartel

Autorin: Bundeswehr/Sophie Stange

 

 

 

 


Cyberabwehr: Strategiespiele im Praxistest

Fotografin: Bundeswehr/Lene Bartel

Autor: Bundeswehr/Claus Rosenbusch

Spielbrett-Ausschnitt „Cyber Resillience Card Game“

 

Gedankenaustausch zur Spielentwicklung

 

Strategiebesprechung vor dem nächsten Zug, „All Domain Urban Future Wargame“

 

Oberstleutnant i.G. Thorsten Kodalle ist der Strategiespielexperte an der Führungsakademie der Bundeswehr

 

 

 

 

 

Hacker nutzen automatisierte Schadprogramme, so genannte Bots, um Unternehmen zu schaden. Sie wollen auf das Firmennetz zugreifen und an wichtige Informationen kommen. Das ist eins der Szenarien, um die es kürzlich an der Führungsakademie der Bundeswehr ging. In der Hamburger Clausewitz-Kaserne trafen sich internationale NATO-Experten zum Workshop „Multi-Domain Future Cyber Wargaming“. Der Workshop ist eine gemeinsame Veranstaltung der NATO Forschungsgruppe „Gamification of Cyber Defence/Resilience“ und dem German Institute for Defence and Strategic Studies (GIDS). Ziel des Workshops: Die Prototypen von eigens entwickelten Strategiespielen zu testen und weiterzuentwickeln.

Die bei diesem Workshop gezeigten „Serious Games“, gehören der Gruppe der analogen Strategiespiele an. Sie eignen sich hervorragend, um mit geringem Aufwand verschiedenste Szenarien zu simulieren und spielerisch Lösungswege zu entwickeln. Die vorgestellten Spiele befinden sich derzeit in unterschiedlichen Entwicklungsstadien. Ihnen allen gemeinsam ist, dass grundsätzlich zwei Akteure gegeneinander spielen und ein Schiedsrichter den Spielverlauf moderiert.

Bei der Entwicklung wurde großer Wert darauf gelegt, die Spiele so einfach wie möglich zu gestalten. Dazu bemerkt Oberstleutnant i.G. Thorsten Kodalle, der die Bundeswehr in dieser internationalen Expertengruppe vertritt: „Es ist ein Vorurteil, dass man, zum besseren Verständnis des Cyberraums unbedingt einen Computer braucht. Man kann viele grundlegende Konzepte tatsächlich analog sehr gut erklären.“

Eigene Möglichkeiten und Handlungsfähigkeit

Zusammen mit Lehrgangsteilnehmern der Führungsakademie entwickelte Kodalle ein taktisches Kartenspiel, das Cyber Resilience Card Game. Hier sollen Lösungen insbesondere für individuelle Krisenszenarien erarbeitet werden. So wird der Spieler beispielsweise angeleitet, auf seinem Smartphone eine Zwei-Faktoren Authentifizierung (2FA) einzustellen, um sich gegenüber Hackern und Viren-Attacken zu schützen und seine digitale Identität zu schützen. Ebenso animiert das Spiel, eine App namens NINA auf das Handy herunterzuladen. Es handelt sich hierbei um eine Applikation des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz, die vor Katastrophen und extremen Wetterereignissen warnt. „Sich gut vorbereitet künftigen Entwicklungen und Bedrohungen stellen zu können, wird künftig für jeden Einzelnen immer wichtiger werden“, erklärt Kodalle. Resilienz besteht aus den Komponenten „Prävention“ (die im Spiel durch 2FA erreicht wird), „Detektion“ (hier hilft NINA) und „Reaktion“. Für die letzte Komponente werden derzeit noch Lösungen zur Abbildung im Spiel entwickelt

Herausforderung der Zukunft

Mit welchen Schwierigkeiten Menschen im Jahr 2035 in einer Mega-City konfrontiert werden können, wird beim „All Domain Urban Future Wargame“ deutlich. Bei dem Spiel, das die NATO Forschungsgruppe selbst entwickelt hat, geht es um Gebietsansprüche unterschiedlichster Gruppierungen und deren Interessen in Städten mit mehr als 30 Millionen Einwohner. Wie wird in einer Mega-City die Versorgung sichergestellt? Welche Logistik ist erforderlich und wie kann der Transport so vieler Menschen gewährleistet werden? Das sind nur einige Fragen, denen die Spieler auf den Grund gehen. Dabei haben sie auch zu berücksichtigen, ein lebenswertes und sicheres Umfeld für alle Bewohner zu gewährleisten. Bereits bestehende Probleme, wie etwa die IT-Sicherheit und die Cyber-Kriminalität sind dabei im Spielverlauf zu bewältigende Herausforderungen. Um ein Vielfaches schwerer einzuschätzen sind dagegen Angriffspunkte der Gesellschaft, die sich erst in den nächsten Jahren entwickeln werden und zumindest vorausgeahnt werden müssen.

Szenarien werden erweitert

Dr. Andreas Haggman, einer der Experten, der die NATO Forschungsgruppe schon seit mehreren Jahren unterstützt, bringt die Schwierigkeiten bei der Spiel-Entwicklung auf den Punkt: „Wir werden für die Zukunft niemals die richtige Antwort geben können, aber Strategiespiele helfen uns die richtigen Fragen zu stellen.” Die vorgestellten Spiele konnten während des zweitägigen Workshops deutlich weiterentwickelt werden. So wurde sich nicht nur der Spielgestaltung (Spielmechanik und Spielregeln) angenommen, sondern auch die Anwenderqualität (Design Thinking – Kundenorientierung und Nutzerfreundlichkeit) überprüft und die Szenarien um weitere zukunftsorientierte Elemente erweitert.

Der Workshop hat gezeigt, dass die Entwicklung nicht abgeschlossen ist und noch weitere Verbesserungen möglich sind. Eine besondere Herausforderung ist es, bereits heute Lösungswege für morgen aufzuzeigen. Denn nur so kann eine Gesellschaft handlungsfähig bleiben.

 

 

 

 

 

Ausbildung 4.0: Ein Austausch über die Ländergrenzen hinweg 

 

Einmal im Jahr tauschen sich die Kommandanten der Landesverteidigungsakademie aus Österreich (A), der Höheren Kaderausbildung der Armee der Schweiz (CH) und der Führungsakademie der Bundeswehr (D) über die Ausbildung aus. Diese Zusammenkunft wird als „D-A-CH-Treffen“ bezeichnet.

 

Über die Herausforderungen der Schweizer Armee spricht der Kommandeur der Höheren Kaderausbildung der Armee, Divisionär Daniel Keller.

 

Der Direktor Strategie und Fakultäten der Führungsakademie der Bundeswehr, Brigadegeneral Boris Nannt, berichtet den Teilnehmenden des D-A-CH-Treffens von den jüngsten Entwicklungen und Herausforderungen der Akademie.

Nicht nur sitzen und zuhören, sondern „machen, machen, machen und üben, üben, üben“: So stellt sich der Direktor Strategie und Fakultäten der Führungsakademie der Bundeswehr, Brigadegeneral Boris Nannt, die Vermittlung von Ausbildungsinhalten vor. Doch worauf legen Militärakademien in Österreich und in der Schweiz Wert? Und welche Herausforderungen sehen sie zurzeit? Beim so gennannten „D-A-CH-Treffen“ in Hamburg wurden diese Fragen in den Mittelpunkt gestellt. Denn bei dieser Veranstaltung kommen einmal im Jahr Kommandanten der Landesverteidigungsakademie aus Österreich (A), der Höheren Kaderausbildung der Armee der Schweiz (CH) und der Führungsakademie der Bundeswehr (D) zusammen, um sich über die Lehre auszutauschen.

Fähigkeiten einer Führungskraft

„Es hat sich viel getan“: Mit diesen Worten beginnt Brigadegeneral Nannt seine Ausführungen. Er erzählt den Teilnehmenden von den unterschiedlichen Angeboten an der Führungsakademie der Bundeswehr und den Besonderheiten dieser Ausbildungen. Drei wesentliche Punkte, an denen eine Führungskraft gemessen wird, stellt er ebenso heraus: So müsse die Ausbildung die Führungskraft dazu befähigen als Entscheider, Berater und ebenso als Gestalter tätig zu sein.

Kompetenzorientierte Ausbildung

Gleichzeitig geht Brigadegeneral Nannt näher auf das Kompetenzmodell ein, das Fertigkeiten und Kenntnisse in den Fokus stellt, die eine Führungskraft am Ende der Ausbildung aufweisen sollte. Auf diese wird in den Lehrgängen ein besonderes Augenmerk gelegt. Interessiert zeigen sich die Gäste bei diesem Thema. So erkundigt sich der Kommandeur der Höheren Kaderausbildung der Armee der Schweiz (HKA), Divisionär Daniel Keller, beispielsweise über die Kompetenzbeschreibungen und erzählt von ähnlichen Überlegungen, die die HKA verfolgt. Auch der Kommandeur der Landesverteidigungsarmee (LVAk) aus Österreich, Generalleutnant Mag. Erich Csitkovits, hakt bei den Auswahlkriterien noch einmal nach. Schließlich gäbe es eine Vielzahl von Kompetenzen, die bei der Ausbildung eine Rolle spielen.

Lernplattformen und Lernbegleiter

Wie eng die Themenfelder „Führen und Lernen“ miteinander verknüpft sind, wird bei den nachfolgenden Gesprächen über das jüngste Innovationslabor „Führen Morgen Heute Lernen“ deutlich. So geht es beispielsweise um Lernräume, Lernbegleiter oder die digitale Infrastruktur. Auch dort sehen die Gäste Gemeinsamkeiten. Sie lenken das Gespräch auf offene Lernplattformen und eine mögliche Nutzung von Smartphones, Tablets und Co. in der Ausbildung.

Führungskräfteentwicklung und GIDS

Ebenso tauschen sich die Teilnehmenden beim „D-A-CH“-Treffen über das Kompetenzzentrum Führungskräfteentwicklung, das dem Direktor Ausbildung, Brigadegeneral Holger Neumann, unterstellt ist, aus. Es hat sich zum Ziel gesetzt, „Stärken zu stärken und Schwächen zu schwächen“. Dieses beratende Angebot ist freiwillig und richtet sich schwerpunktmäßig an Lehrgangsteilnehmende. Auch die Arbeit der Denkfabrik, das German Institute for Defence and Strategic Studies“ steht bei der Zusammenkunft im Mittelpunkt. Es ist eine Kooperation von der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr und der Führungsakademie der Bundeswehr und zielt darauf ab, „unbequeme Fragen zu stellen“, Prozesse weiterzuentwickeln und in sicherheitspolitischen Themen beratend tätig zu sein.

 

Erfahrungen geteilt

Zu beiden Themenbereichen schildern sowohl der österreichische als auch der Kommandeur aus der Schweiz ihre Erfahrungen. So berichtet der Kommandeur der LVAk über ein Coaching-Mentoring-Teamentwicklungsprogramm an seiner Akademie, das einen Jahrgang drei Jahre lang begleitet hat. Die Ergebnisse seien anschließend evaluiert worden und haben dabei geholfen, Probleme in der Ausbildung zu identifizieren und gleichzeitig zu verbessern. Wie die Diskretion bei Coaching-Methoden an der Führungsakademie der Bundeswehr gewahrt wird, interessiert hingegen den Kommandeur der HKA. Zudem haben seiner Meinung nach Menschen, die selbst über eine Coaching-Ausbildung verfügen, eine niedrigere Hemmschwelle sich coachen zu lassen.

Ausbildung in Österreich

Welche Voraussetzungen Soldaten erfüllen müssen, um an der höheren Offiziersausbildung in Österreich teilzunehmen, erklärt Generalleutnant Mag. Erich Csitkovits. Er spricht über die gemeinsame fachliche Basis, die sich aus verschiedenen Faktoren wie einer Offizierausbildung und beispielsweise auch einer achtjährigen Truppenpraxis zusammensetzt. Zudem beschreibt er den Anwesenden des „D-A-CH“-Treffens auf welche Kriterien beim Auswahlverfahren noch geachtet wird. Auch das Thema Forschung stellt er in den Mittelpunkt seines Vortrages. So berichtet er von einer Studie, die sich mit dem Frauenanteil im Heer beschäftigt hat. Vor der Studie habe der Anteil zwei Prozent betragen, nach dem die Studie ausgewertet und den Handlungsempfehlungen nachgegangen wurde, soll dieser bei sechs bis acht Prozent gelegen haben.

Herausforderungen in der Schweiz

Wie sich die Schweizer Armee weiterentwickelt und welche Herausforderungen vorherrschen, erklärt der Kommandeur der Höheren Kaderausbildung der Armee, Divisionär Daniel Keller, den Teilnehmenden. So spricht er von einem hohen Bedarf an Soldaten und zugleich der Schwierigkeit, militärdiensttaugliche Soldaten zu bekommen. Er lenkte das Gespräch zudem auf die Nachwuchsarbeit und erzählte den Teilnehmenden, wie versucht werde, die Attraktivität der Armee zu steigern. Dabei stellte er abschließend fest, dass sich alle drei Akademien derzeit mit der gleichen Fragestellung beschäftigen. Und zwar: Wie sieht das Gefecht der Zukunft aus? Wie sieht die Führung in Zukunft aus? Und wie die Erwachsenenbildung? Diese sollen auch bei den nächsten Treffen wieder in den Mittelpunkt gestellt werden.

 

Fotografin: Bundeswehr/Lene Bartel/Marie Kellermann

Autorin: Sophie Stange

 

 

 

 

 

Erinnern - verbinden - gestalten: Lehrgangsteilnehmende der Führungsakademie auf USA-Reise

 

Zeitraum 3. bis 14. Juni 2019

Fotografen: Sebastian Dreer/Gaston Rojas/Mihai Pintilicius/Falk Grundschok/Luisa Winkler/FüAkBw

           

Die Welt von heute ist sicherheitspolitisch komplex. Die Vereinigten Staaten von Amerika sind der wichtigster Partner für die Bundesrepublik Deutschland. Auch wenn sich Interessen und Themen verändern mögen, das gemeinsame Werteverständnis und die Verantwortung für Demokratie und Freiheit verbinden; sie bleiben eine gemeinsame Konstante. Daran gilt es sich zu erinnern, neue Verbindungen zu schaffen und die Zukunft auf verschiedenen Ebenen zusammen zu gestalten. Die Lehrgangsteilnehmenden des nationalen Generalstabs-/Admiralstabslehrganges 2018 lernten die dafür tragenden Institutionen und Akteure kennen. Ein Reisebericht in Bildern.

 

  • Norfolk/Virginia. ACT. Das Allied Command Transformation in Norfolk/Virginia untersteht dem so genannten Supreme Allied Commander Transformation, General André Lanata, und ist zuständig für die Umsetzung von Reformen der Streitkräfte der Mitgliedsstaaten. (Foto: Bundeswehr / Gaston Rojas)

  • New York. Deutsches Haus, Sitz des Ständigen Vertreters Deutschlands bei den Vereinten Nationen. „... es ist an der Führungsakademie ein guter Brauch“: Korvettenkapitän Mark Baumert überreicht dem Ständigen Vertreter Deutschlands bei den Vereinten Nationen, Dr. Christoph Heusgen, ein Präsent als Dankeschön für den Gedankenaustausch. (Foto: Bundeswehr / Mihai Pintiliciuc)

  • New York. Deutsches Haus, Sitz des Ständigen Vertreters Deutschlands bei den Vereinten Nationen. Fragerunden sind nach einem Vortrag obligatorisch. LGAN-Teilnehmer Maj Marcus Kannengießer stellt eine Frage zur deutschen Außen- und Sicherheitspolitik. (Foto: Bundeswehr / Mihai Pintiliciuc)

  • New York. Vereinte Nationen. Zusammenstehen für den Frieden. Der Hörsaal Foxtrot vor der wohl symbolträchtigsten Pistole, der so genannten „Non Violence“-Skulptur. (Foto: Bundeswehr / Mihai Pintiliciuc)

  • New York. Sitzungssaal der Generalversammlung. Jedes Jahr im September tritt die Vollversammlung der Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen zusammen. Einen Ausnahmefall stellen Dringlichkeitssitzungen dar. Diese werden einberufen, wenn der Sicherheitsrat außerstande ist, einen Beschluss zu fassen. Dies kam seit Bestehen der Vereinten Nationen bislang zehn Mal vor. (Foto: Bundeswehr / Mihai Pintiliciuc)

  • New York. Fire Department. In seinem Vortrag schildert Deputy Chief Thomas Currao die bewegenden Ereignisse seiner Einheit am 11. September 2001. 343 Feuerwehrleute ließen an diesem Tag ihr Leben bei dem Versuch, Menschen aus den brennenden Türmen des World Trade Centers zu retten. Um für terroristische Angriffe besser gewappnet zu sein, hat die New Yorker Feuerwehr ihre Einsatzverfahren, ihre Taktiken und ihre Zusammenarbeit mit anderen Sicherheitseinrichtungen optimiert. Eine wichtige Rolle spielen dabei die First Responder. Die psychologische Betreuung der Einsatzkräfte hat sich seit 9/11 stetig verbessert. (Foto: Bundeswehr/Mihai Pintiliciuc)

  • New York. Fire Department. Auf jedem Wagen der New Yorker Feuerwehr wird den im Einsatz an 9/11 verunglückten Kameraden gedacht. (Foto: Bundeswehr / Luisa Winkler)

  • New York. Fire Department. Auch die Flure der Zentrale erinnern an den Einsatz der Feuerwehrleute. (Foto: Bundeswehr / Luisa Winkler)

  • New York. Fire Department. „Train like you fight and fight like you train“ lautet das Motto der Ausbildung. (Foto: Bundeswehr/Gaston Rojas)

  • New York. Ground Zero. Am 9/11-Memorial findet jeder persönlich die Gelegenheit dazu, der Opfer der Anschläge auf das World Trade Center zu gedenken. (Foto: Bundeswehr / Sebastian Dreer)

  • New York. Statue of Liberty. „Liberty Enlightening the World“ wurde zwischen 1871 und 1885 von Frédéric-Auguste Bartholdi in Frankreich geschaffen und 1886 eingeweiht. Auf dem Kopf trägt sie eine siebenstrahlige Krone, sinnbildlich für die sieben Weltmeere und Kontinente. Zusammen mit der Fackel in der rechten Hand verkündet sie als Botschaft: die Freiheit erleuchtet die Welt. (Foto: Bundeswehr / Gaston Rojas)

  • Washington D.C. Deutsche Botschaft. Deutschland setzt sich für den Erhalt einer regelbasierten Weltordnung ein und vertritt diese Position sowohl im europäischen Einigungsprozess als auch auf der Leitungs- und Arbeitsebene mit den USA. (Foto: Bundeswehr / Gaston Rojas)

  • Washington D.C. Deutsche Botschaft. Die Jahre 2018 und 2019 stehen im Zeichen der deutsch-amerikanischen Freundschaft. Ein Thema der Vorträge ist die „Wunderbar together“-Kampagne, die den Zusammenhalt zwischen der deutschen und der US-amerikanischen Zivilgesellschaft weiter stärken soll. (Foto: Bundeswehr Luisa Winkler)

  • Washington D.C. Deutsche Botschaft. Auch für die internationalen Lehrgangsteilnehmer ist die USA-Reise ein besonderes Erlebnis. (Foto: Bundeswehr / Luisa Winkler)

  • Arlington. Der Nationalfriedhof Arlington ist mit einer Fläche von 252 Hektar einer der größten und berühmtesten Friedhöfe der Vereinigten Staaten und symbolisiert die hohe Bedeutung der amerikanischen Erinnerungskultur und Heldenverehrung. Das Grabmal der Unbekannten beinhaltet die sterblichen Überreste dreier unbekannter Soldaten aus den beiden Weltkriegen und dem Koreakrieg. (Foto: Bundeswehr / Gaston Rojas)

  • Arlington. Nationalfriedhof. Wachwechsel am Grab des unbekannten Soldaten. (Foto: Bundeswehr / Mihai Pintiliciuc)

  • Washington D.C. National Mall. Ein Land gedenkt seiner Werte. (Foto: Bundeswehr / Gaston Rojas)

  • Washington D.C. National Mall. Vor dem Denkmal halten die Teilnehmer kurz inne. (Foto: Bundeswehr / Gaston Rojas)

  • Täglich gedenken Bürgerinnen und Bürger ihrer Angehörigen und Landsleute mit Flaggen und persönlichen Briefen. (Foto: Bundeswehr / Gaston Rojas)

  • Washington D.C. Library of Congress. Die Kongressbibliothek ist öffentlich zugänglich und die größte Bibliothek der Welt. Insgesamt finden sich dort knapp 40 Millionen Bücher. (Foto: Bundeswehr / Mihai Pintiliciuc)

  • Washington D.C. Pentagon Memorial. Das Pentagon-Denkmal erinnert an die 184 Menschen, die bei den Anschlägen vom 11. September 2001 ums Leben gekommen sind. (Foto: Bundeswehr / Gaston Rojas)

  • Washington D.C. Pentagon Memorial. Eine Delegation des Lehrgangs legt in Gedenken an die Opfer von 9/11 einen Kranz nieder. (Foto: Bundeswehr / Gaston Rojas)

  • Quantico. Museum der Marine Corps Base. Originalexponate und eine hochwertige Kulisse erzählen die Geschichte des Marine Corps. (Foto: Bundeswehr / Gaston Rojas)

  • Norfolk/Virginia. Allied Command Transformation (ACT). Digitalisierung und Cyber-Sicherheit sind derzeit dominante Themen an der NATO-Dienststelle. (Foto: Bundeswehr / ACT)

  • Norfolk/Virginia. ACT. Der Direktor Ausbildung der Führungsakademie der Bundeswehr, Brigadegeneral Holger Neumann begrüßt den SACT, General André Lanata, im Namen des Lehrgangs. (Foto: Bundeswehr / ACT)

  • Norfolk. Naval Station. An Bord der USS James E. Williams. (Foto: Bundeswehr / Mihai Pintiliciuc)

 

 

 

Admiral-Wellershoff-Preis geht an Argentinien

Autor: Stefan Berger 

Foto: FüAkBw

Konteradmiral a.D. Ulrich Otto  zeichnete den Fregattenkapitän Fabian Edgardo Cersofios als besten internationalen Lehrgangsteilnehmer des Hörsaals Marine mit dem Admiral-Wellershoff-Preis aus.

 

Die Teilnehmer des Lehrgangs des Generalstabs- / Admiralstabsdienst International 2018 (LGAI 2018) stehen kurz vor ihrem Abschluss. In wenigen Wochen kehren die Offiziere wieder in ihre Heimatländer rund um den Globus zurück. Einige von ihnen gehen mit besonderen Auszeichnungen aus Hamburg in die Welt. So auch Fregattenkapitän Fabian Edgardo Cersofios.

Mit dem Admiral-Wellershoff-Preis wird der beste internationale Lehrgangsteilnehmer des Hörsaals Marine geehrt. Der Preisträger zeichnet sich durch besondere Leistungen und ein besonders ausgeprägtes Führungsverhalten aus. In diesem Jahr ging der Preis an den aus Argentinien stammenden Marineoffizier, Fregattenkapitän Fabian Edgardo Cersofios.

Ausgezeichnet wurde Cersofios im Juni durch Konteradmiral a.D. Ulrich Otto, der in Vertretung des Vorsitzenden der Marine-Offizier-Vereinigung kam. Der Leiter der Fakultät Marine und Regionalbeauftragte Hamburg, Kapitän zur See Peter Görg, konnte bei der Begrüßung auch die Familie des Preisträgers sowie dessen Paten, Kapitän zur See a.D. Michael Setzer mit seiner Ehefrau sowie zahlreiche weitere Gäste willkommen heißen. An der Zeremonie nahmen auch der Verteidigungsattaché der Botschaft von Argentinien, Oberst i.G. Federico Javier Torres mit seinem Stab teil.

In der Laudatio für Fregattenkapitän Cersofios hob Konteradmiral a.D. Otto die vorbildliche Haltung und Kompetenz dieses leistungsstarken Admiralstabsoffiziers hervor, der sich im Lehrgang besonders eigenständig zeigte und dabei kreativ und höchst erfolgreich alle Gestaltungsmöglichkeiten seiner Aufgabengebiete im Sinne der übergeordneten Führung voll ausschöpfte. In Führungsverantwortung zeigte Cersofios ein beispielgebendes Führungsverhalten mit natürlicher Autorität. Absicht und Aufträge äußerte er klar, verständlich und direkt. Seine Fähigkeit, diplomatisch sehr geschickt, einfühlsam, mit sensibler Überzeugungskraft und ausdauernder Zielstrebigkeit, sehr gute Ergebnisse zu produzieren, hat ihm in der internationalen Hörsaalgemeinschaft des LGAI Respekt und Anerkennung gesichert. Auch in jedes Team reihte sich Cersofios uneigennützig ein und trug mit seinen Fachkenntnissen und seiner Persönlichkeit zum Erfolg der Gruppenarbeiten bei. Sein kameradschaftliches, Kompromisse förderndes Verhalten sowie seine konstant sehr weit herausragende Leistungsfähigkeit wurden auch von Lehrgangskameraden und Vorgesetzten gleichermaßen hoch geschätzt. Fregattenkapitän Cersofios zeichnete sich damit als bester internationaler Lehrgangsteilnehmer des Marinehörsaals im LGAI 2018 aus.

 

 

 

 

Führen und Lernen 4.0:

Dieser „Café-Besuch“ bringt Impulse

Autorin: Sophie Stange 

Fotografin: Lene Bartel

Hamburg, 11. und 12. Juni 2019

Viele Ideen zum Thema Lernen und Führen wurden an den Pinnwänden festgehalten.

Die Ergebnisse des World Cafés hielt der Graphic Recorder fest. .

Im World Café tauschten sich die Teilnehmenden zu den Oberthemen Führen und Lernen aus. Es entstanden lebhafte Diskussionsrunden.

Damit die Impulse und Ideen nicht verlorengehen, wurde fleißig mitgeschrieben.

Beide Methoden – World Café und Lernräume – stellten den Austausch zwischen den Teilnehmenden in den Vordergrund.

Es ist eine Lernmethode, die einem Café-Besuch ähnelt. Es gibt Kaffee, nur keinen Kuchen. Die Gäste sitzen nicht, sie stehen vielmehr verteilt in verschiedenen Räumen. Vor ihnen befinden sich Pinnwände oder Whiteboards. In der Hand halten sie keine Kuchengabeln, sondern Stifte und Zettel. Es wird viel gesprochen, diskutiert und zugehört. Das, was gerade beschrieben wurde, trägt den Namen „World Café“. Es ist Teil des Innovationslabors „Führen Morgen Heute Lernen“, das sich mit den Themen Lernen und Führen in der Zukunft beschäftigt und damit auch mit der „Arbeit 4.0“. Die Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) hat diese Veranstaltung ins Leben gerufen, um Impulse zu erhalten. Und ihrer Vision, „einer digitalen Ausbildungsakademie“ einen Schritt näherzukommen.

Teilnehmende bringen ihre Expertise ein

Wann ist Führung wirklich erforderlich? Wo soll gelernt werden? Und vor allem wie? Diese und weitere Fragen werden von den Teilnehmenden im Haus Rissen diskutiert. Im Mittelpunkt jeder Unterhaltung steht eine zentrale Frage oder These zum Oberthema „Führen und Lernen“. Zu dieser bringen die Teilnehmenden ihre Expertise ein. Die Ergebnisse aus den einzelnen Räumen werden im Anschluss dafür genutzt, um die Hauptfrage zu beantworten: Wo soll warum wann wie wozu gelernt und geführt werden? Begleitet werden die Gespräche von einem Moderator, der Impulse gibt, auch mal quer zu denken. Die Teilnehmenden sind dabei völlig frei in ihrer Zeitgestaltung. Sie können die Räume wechseln, sich demnach anderen Fragestellungen widmen und mit ihrem Wissen eine bereits bestehende Diskussion bereichern.

Zusammenfassung der Ergebnisse

- Die Verknüpfung von E-Learning und Präsenzphasen (blended learning) gewinnt an Bedeutung. „Je näher die Lernsituation an der Arbeitssituation ist, desto größer ist der Lernerfolg und der Aufwand“, heißt es von Teilnehmenden.

- Ein Mehrwert muss beim Lernen erkennbar und ein gewisses Maß an Medienkompetenz vorhanden sein.

- Lernen ist eine lebenslange Aufgabe und damit stark mit der Persönlichkeitsentwicklung verknüpft.

- Führungskräfte nehmen vermehrt die Rolle eines Lernbegleiters ein.

- Entscheidend ist auch der Sinn, etwas zu lernen. „Denn alles, was wir unter Stress lernen, ist nur bedingt abrufbar“, heißt es bei der Ergebnispräsentation.

- Praxis und Lehre sind miteinander verknüpft. Die Ausbildung des Lehrenden als auch des Lernenden muss kompetenzorientiert sein.

Themengebiet Führen

- Die Führungskraft ist für virtuell vernetzte, Teams zuständig. Die Aufgabe bleibt gleich: „Egal ob digital oder analog – Führung soll Ziele erreichen“, notierten die Teilnehmenden.

- Vertrauen vermittelt ein Gefühl von Sicherheit. Führen ist ein sozialer Prozess. Einer muss in diesem Prozess jedoch die Verantwortung tragen.

- „Man kann nicht nicht führen“, fanden die Teilnehmenden bei der Frage „Wann ist Führung wirklich erforderlich?“ heraus. Orientierung geben ist eine der Hauptaufgaben.

- Die Führungskraft muss sich auch digital zurechtfinden und wissen, wie sie digital herüberkommt. Dies erfordert wiederum Medienkompetenz. Wichtige Eigenschaften dafür sind Neugier, die Bereitschaft Zuzuhören, Verantwortungsbewusstsein und ethisches Hinterfragen.

- Die Teilnehmenden sehen zudem einen Dreiklang von Selbst-Führung, Führen und Information. 

Themen wurden in Zukunftsräumen vertieft

Eine weitere Methode lernten die Teilnehmer am zweiten Tag des Innovationslabors kennen – die „Zukunftsräume“. Diese vereinten die Oberthemen Führen und Lernen des Vortages. In fünf Räumen machten sich die Teilnehmenden speziell Gedanken zu den Bereichen „Potenzial“, „Selbstführung“, „Team“, „Einsatz“ und „Verantwortung“. Sie diskutierten über die Aussagen „Gut geführt ist halb gelernt“, „Selbstführung lernen – mit emotionaler Bewusstheit“, „Lernen und Führen im Team“, „Das scharfe Ende“ und „Führen lernen – Verantwortung übernehmen“. Es entwickelte sich ein lebhafter Austausch, mit vielen Ideen und neuen Impulsen.

 

 

 

 

 

 

Auf Schatzsuche mit Loch Ness

Autorin: Ines Blandau

Fotografin: Lene Bartel

Hamburg, 20. Juni 2019

Wilde Kanufahrten über einen mystische anmutenden See, Camping mitten in der Wildnis und eine Schatzsuche, die den mutigen Entdeckern alles abverlangte. So, oder mindestens so ähnlich hat es sich zugetragen beim Kinderfest der Führungsakademie der Bundeswehr in Zusammenarbeit mit dem Kindergarten auf dem Gelände der Clausewitz-Kaserne. Doch lassen wir doch einfach eine kleine Entdeckerin weiter erzählen…

Ich bin Emma. Ich freue mich riesig, dass mich meine Mama heute schon so früh aus dem Kindergarten abgeholt hat. Mama und ich sind nämlich gerade allein, da mein Papa im Auslandseinsatz ist. Umso schöner, dass ich mir heute anschauen kann, wo Mama arbeitet. Meine Mama heißt Anja und arbeitet bei der Presse. Aber darum geht es ja heute gar nicht.

Wow, mächtig was aufgebaut wurde hier. Mama sagt: ‚Das hat der Spieß organisiert. Der Spieß ist die Mutter der Kompanie.` Ich denke mir nur: Ich habe nur eine Mama und das reicht mir. Aber danke Spieß, ich freue mich auf einen tollen Nachmittag. Viele andere Kinder sind hier. Looos geht’s!

Einen Gruß möchte Emma noch loswerden: „Papa, ich habe dich lieb! Komm schnell zurück.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Arbeit 4.0: Lernbegleitung im digitalen Umfeld


Autorin: Ines Blandau

Fotografin: Lene Bartel

 

 

Wo findet die Weiterbildung statt? Dieser Frage sollten sich viele Mitarbeiter verschiedenster Organisationen und Institutionen bald nicht mehr stellen müssen. Denn die Antwort lautet zukünftig: Wo sie wollen. Lernen wird mobiler und dadurch immer und überall möglich sein. Doch wie stellen wir sicher, dass die Lernenden motiviert werden und das Ausbildungsziel erreichen? Das Innovationslabor der Führungsakademie der Bundeswehr „Führen Morgen Heute Lernen“ bot Einblicke, wie außerhalb der Bundeswehr mit dieser Agilität in der Arbeits- und somit auch Lernwelt umgegangen wird.

Der Wandel der Gesellschaft und Arbeitswelt führt dazu, dass Unternehmen und Organisationen auch im Bereich der Wissensvermittlung mit- und umdenken müssen. Mit welchen Mitarbeitern haben wir es künftig zu tun? Was haben sie für Bedürfnisse?

Was heißt das für die Führungsakademie der Bundeswehr? Die Bundeswehr braucht einsatzbereite Streitkräfte und Führungskräfte die auch im Krisenfall einen kühlen Kopf bewahren. Was hat die Bundeswehr also für Anforderungen an ihre Angehörigen? Haben sich diese überhaupt verändert? Einsatzbereitschaft, Kameradschaft und Treues Dienen sind für viele Soldaten keine Binsen, sondern der Grundstock ihres Selbstverständnisses ihrer Arbeit, ihrer Berufung.

Wie geht die Bundesagentur für Arbeit mit den Entwicklungen um?

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) hat ein kompetenzorientiertes Personalmanagement entwickelt. Dieses fördert Motivation und Beschäftigungsfähigkeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und begegnet den Herausforderungen durch demografische Entwicklungen. Ihr Kompetenzmodell hinterfragt: Was brauchen unsere Beschäftigten wirklich? Die Selbstorganisation wird immer wichtiger. Sich einbringen, Initiative zeigen und die Bereitschaft vorbringen sich selbst zu entwickeln, sind Eigenschaften, welche die BA fördern möchte.

Dabei setzt die Agentur auf lebenslanges Lernen und eine mitarbeiterorientierte Führung.

Führungskräfte werden aufgrund immer komplexer werdender Sachverhalte weniger Detailwissen haben und übernehmen im Führungsprozess eher die Rolle des Coaches – Mitarbeiterförderung gehört selbstverständlich dazu.

Digitale Lernplattformen sind von überall zugänglich. Daher wird Lernen genau in der Umgebung möglich, wo das Wissen auch künftig angewendet wird. Um bei der Wissensaneignung erfolgreich zu sein, setzt die BA auf Lernbegleitung, die vor Ort hilft, die persönliche Lernform zu finden und bei Fragen beratend zur Seite zu stehen.

Gibt es Beispiele aus der Bundeswehr?

Ja. Bereits seit 2016 existiert das Mentoring-Programm des Bildungszentrums der Bundeswehr. Das Konzept: Berufserfahrene Führungskräfte beraten den Nachwuchs und begleiten ihn bei der beruflichen Entwicklung. Es ist ein wichtiges Instrument der Personalentwicklung. Die Mentoren nehmen dabei die Rolle eines Ratgebers, Vorbildes, Coaches, Förderers, aber auch als Kritiker ein. Fragen wie: „Wie stärke ich meine Führungskompetenz?“ können in regelmäßigen, vertraulichen Gesprächen erörtert werden. Dabei ist außerdem Platz für ganz praktische Tipps zu Ausbildung, Karriere und Selbstmanagement.

Link zum Beitrag Mentoring

Oder der Innovationskreis „Führen lernen 4.0“: Dieser fördert den branchenübergreifenden Austausch. Das heißt: Nachwuchsführungskräfte aus der Bundeswehr und zivilen Unternehmen erarbeiten Handlungsempfehlungen und Methoden für das Führen in der digitalen Welt. Sie beschäftigen sich unter anderem mit folgenden Fragestellungen: „Wie können Mitarbeiter auf die Herausforderungen der Arbeitswelt von morgen vorbereitet werden? Wie muss eine zukunftsfähige Führungsarbeit aussehen?“ Daraus entwickelten die jungen Führungskräfte nach einer dreijährigen Arbeitsphase einen Leitfaden mit den Schwerpunkten „Führungskraft werden“ und „Führungskraft sein“. Dieser kann nach Anmeldung über folgenden Link abgerufen werden: zum Leitfaden 

Welche Chancen und Wege ergeben sich für die Führungsakademie?

Die Führungsakademie möchte beispielgebend vorangehen und mit neuen Herangehensweisen die Vorreiterrolle übernehmen. Den vorhandenen Innovationswillen will die Akademie nutzen und zu einem Innovationstreiber der Themen Führung und Lernen ausbauen. „Wir nehmen die Chance wahr und stellen uns jetzt für das Führen Morgen mit Ideen und Konzepten zum Heute Lernen zukunftssicher auf“, erklärt der Projektverantwortliche des Innovationslabors, Oberst i.G. Martin Simberg.

 

 

 

 

Virtuelle und reale Welten treffen aufeinander

Autorin: Sophie Stange

Fotografen: Marie Kellermann, Sophie Stange, Anja Damerius

Der zwölfjährige Dajo setzte beim Tag der Bundeswehr die Virtual-Reality-Brille auf und tauchte in eine neue Welt ein.

 

Viele Gespräche wurden beim Tag der Bundeswehr geführt, so auch vor und nach den Vorträgen, die der Lehrgang Generalstabs-/Admiralstabsdienst International (LGAI) präsentierte.

 

Wie stellen Sie sich den perfekten Chef vor? Mit dieser Frage beschäftigten sich Teilnehmer am Stand von „Lego Serious Play“.

 

Viele Informationen bekamen die Besucher auch am Stand von „Wargaming“. Bei diesem Spiel geht es um die Erhöhung der Widerstandsfähigkeit im Internet.

 

Von einer Visualisierung einer Lage bis hin zu Vorbereitung und Liveverfolgung im Einsatz: Beim Tag der Bundeswehr konnte der digitale Lagetisch angeschaut werden.

Am Stand von „Lego Serious Play“ durften auch die kleinen Besucher mit Legobausteinen basteln.

 

Die Oberfähnriche Torben Vinte (links) und Fabian Gade (rechts) erklären sich anhand ihrer Lego-Figur gegenseitig, was sie von einer Führungskraft in Zukunft erwarten.

 

Der Fregattenkapitän Nattapol Sanguanpuak berichtete beim Tag der Bundeswehr über die aktuelle Lage in seinem Heimatland Thailand.

 

Mit einer Virtual-Reality-Brille in eine fremde Welt eintauchen, über mögliche Arten von Cyberangriffe nachdenken oder sich mit wenigen Handgriffen einfach den besten Chef aus Lego-Bausteinen bauen: Das alles und noch viel mehr konnten Besucher am 15. Juni beim Tag der Bundeswehr in der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr (HSU) ausprobieren. Denn auch die Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) präsentierte sich an mehreren Ständen und informierte die Teilnehmer über die Ausbildung.

Führungsakademie der Bundeswehr steht an sechs Ständen Rede und Antwort

Was macht die Führungsakademie der Bundeswehr eigentlich? Wer wird ausgebildet? Und wie arbeitet eine Denkfabrik? Es sind Fragen, die an den insgesamt sechs Ständen der FüAkBw des Öfteren gestellt worden sind. Knapp 7.000 Besucher schlenderten am Tag der Bundeswehr von einem Stand zum nächsten, holten sich Informationen ein und gestalteten den Tag aktiv mit. Sie nahmen beispielsweise an den Tischen von „Lego Serious Play“, einer Methode, bei der auf eine spielerische Art und Weise Probleme bearbeitet und Leitbilder entwickelt werden können, oder dem strategischem Kartenspiel „Wargaming“ Platz und guckten sich den „digitalen Lagetisch“ an. Letzteres wurde vom Fraunhofer Institut entwickelt und dient dazu, mithilfe von beispielsweise Luftbildern eine Einsatzlage zu beurteilen. Zudem lauschten einige von ihnen den Vorträgen von Lehrgangsteilnehmenden des Generalstabs-/Admiralstabsdienst International (LGAI).

Führungskräfte der Zukunft

Einen Blick in die Zukunft wagten auch die Besucher Oberfähnrich Fabian Gade und Oberfähnrich Torben Vinte bei „Lego Serious Play“. Die beiden Studenten der Bildungs- und Erziehungswissenschaften an der HSU beschäftigen sich mit der Frage „Was macht die Führungskraft in 2030 so erfolgreich?“. Gade und Vinte bauten mithilfe von Lego-Bausteinen den für sie perfekten Chef. Pro Frage, die ihnen gestellt wurden, hatten sie zehn Minuten Zeit. Danach mussten die Soldaten ihren Bau erklären. Die Einzelmodelle wurden anschließend in ein Gruppenmodel integriert.

„Die Fragen sind immer an die Zukunft gerichtet und nicht an die Vergangenheit“, erklärt der Dozent Führungslehre/Innere Führung an der FüAkBw, Oberstleutnant Kai Prüter. Besonders wichtig ist Fabian Gade in diesem Zusammenhang das Thema Mobilität, weswegen er seinem Modell einen fahrbaren Untersatz verpasste. „Es ist wichtig, mobil zu bleiben, weil sich die Welt schnell verändert. Sonst geht man unter“, so Gades Erklärung. Zudem sei die Führungskraft ein Teil der Gruppe. Angst vor dem Chef gäbe es nicht. „,Lego Serious Play‘ ist eine spannende Sache, weil man beim Bau der Figur kreativ sein muss und diese gleichzeitig in eine Geschichte einbaut“, fügt Vinte hinzu.

Blick der Bundeswehr auf verschiedene Regionen

Bei „Wargaming“ stand das Thema Cyberangriffe im Fokus. „Ich fand es spannend, zu erfahren, wie man seinen PC schützen kann“, sagt ein Besucher bevor er sich zu den Ländervorträgen aufmacht. Besonders der Blick der Bundeswehr auf die afrikanische Region interessiere ihn, sagt er. Einer, der an diesem Tag sein Heimatland präsentierte, ist der Lehrgangsteilnehmer und zugleich Fregattenkapitän Nattapol Sanguanpuak aus Thailand: „Ich bin sehr stolz, dass ich den Vortrag halten durfte.“

Doch nicht nur in fremde Länder konnten die Besucher eintauchen, auch in eine virtuelle Welt. Der zwölfjährige Dajo zeigte sich begeistert von der Virtual-Reality-Brille. „Das war richtig cool.“ Bestätigen kann das auch der achtjährige Besucher Emir, der ab und an auch zu Hause eine solche Brille aufsetzen darf. „Das macht Spaß“, so der Achtjährige.

Ein kurzweiliger Tag

Das Gespräch suchten Besucher auch über aktuelle Themen, wie die Lage im Iran. Zudem interessierten sich einige für das Weißbuch und die derzeitige Forschung. Zufrieden mit der Resonanz am Stand der Denkfabrik zeigte sich Oberst i.G. Udo Dewies. Die Vielfalt der Besucher und die unterschiedlichen Fragen freuten ihn. Es war ein kurzweiliger Tag, bei dem virtuelle und reale Welten der Bundeswehr aufeinandergetroffen sind.

 

 

Viele Besucher nutzten die Chance, sich das Allschutz-Transport-Fahrzeug Dingo näher anzuschauen. 

 

Erst suchten sich die Teilnehmer bei „Lego Serious Play“ die richtigen Steine heraus, dann bauten sie sich den perfekten Chef.

 

Wie sieht der perfekte Chef aus? Eine Teilnehmerin stellt sich die Führungskraft so vor.

 

Gespannt folgen einige Besucher den Ländervorträgen vom LGAI.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Friedensmissionen besser planen

Autorin: Dr. Victoria Eicker

Fotografin: Lene Bartel

Kapitän zur See Wilbert Vera Mendoza arbeite als militärischer Berater in der ständigen Vertretung seines Landes bei den VN. Sein Land ist als großer Truppensteller bei VN interessiert daran, am neuen Planungsprozess mitzuwirken.

 

 

Oberstleutnant Jari Vuorela aus Finnland arbeitet in der militärischen Planungsabteilung des Generalsekretariats der VN. Hier werden Friedensmissionen geplant.

 

 

Bei dem VN Expertenworkshop an der Führungsakademie wurde ein Entwurf für den militärischen Anteil eines Planungsprozess für VN-Friedensmissionen diskutiert.

 

 

Militärexperten aus verschiedenen Ländern reisten nach Hamburg, um gemeinsam über Planungsprozesse für VN-Friedensmissionen zu diskutieren.

 

 

Der Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr, Generalmajor Oliver Kohl, begrüßte die internationalen Experten zum VN-Workshop in Hamburg.

 

 

 

Ende Mai fand an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg ein Expertenworkshop der Vereinten Nationen (VN) statt. Dabei ging es um die Frage, wie eine Friedensmission geplant wird. Das klingt zunächst einfach, dahinter steht aber ein komplizierter Prozess. Denn bei einer Friedenmission kommt nicht nur Militär zum Einsatz; rechtliche und logistische Fragen spielen eine Rolle und auch die Hilfsorganisationen müssen mit berücksichtigt werden. Ein erster Planungsprozess des militärischen Anteils einer VN-Friedensmission ist nun bereit für die Vorstellung in New York.

Die Wahrung und auch Wiederherstellung des Friedens ist die wichtigste Aufgabe des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen (VN), in dem Deutschland derzeit Mitglied ist. Es ist der Sicherheitsrat, der bei humanitären Krisen oder Konflikten, entsprechende Maßnahmen ergreift und Mandate für Friedensmissionen erteilt. Seit der Gründung der Vereinten Nationen 1945 wurden schon mehr als 70 Friedensmissionen durch die VN durchgeführt und etliche weitere mandatiert, die von Organisationen wie der NATO oder der EU übernommen wurden. Exemplarisch seien hier die VN-Missionen UNIFIL an der libanesischen Küste oder UNMISS im Südsudan genannt.

Planung einer Friedensmission

Doch wie plant man so eine Mission? Ob 5000, 10.000 oder 20.000 Soldaten bei einer Friedensmission eingesetzt werden, entscheidet letztlich der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen. Diese Entscheidung und die dazugehörige Resolution des Sicherheitsrates sind aber nur der Schlusspunkt eines langen Planungs- und Entscheidungsprozesses. Zuvor finden Erkundungen im Einsatzland statt, werden ausführliche Analysen der Lage vor Ort erstellt und viele Abstimmungen zwischen militärischen und zivilen Akteuren durchgeführt. Im Kern dieser Erkundungen, Analysen und Abstimmungen stehen dabei Planungsprozesse und Instrumente, die von der ersten Analyse bis zum abschließenden Operationsplan führen.

Da solche Prozesse und Planungswerkzeuge immer wieder optimiert und an neue Gegebenheiten angepasst werden müssen, trat das Sekretariat der Vereinten Nationen in New York an Deutschland mit der Bitte zu unterstützen heran. Dem ist die Bundesregierung gefolgt: Mit Mitteln aus dem Bundesministerium der Verteidigung und der fachlichen Unterstützung durch die Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg wurde ein Workshop organisiert, um die Planungsinstrumente für den militärischen Anteil von VN-Friedensmissionen weiterzuentwickeln. Grundlage war ein zuvor von Offizieren der Führungsakademie und Planern aus dem VN-Sekretariat in New York angefertigter erster Entwurf für einen neuen Planungsprozess.

International diskutiert

In Hamburg trafen sich Ende Mai Vertreter aus mehreren Mitgliedsländern der VN, unter anderem aus China, Italien, Peru und Finnland und diskutierten eifrig über den Entwurf. „Die Herausforderung besteht dabei insbesondere darin, gängige militärische Verfahren an die Besonderheiten innerhalb der Vereinten Nationen anzupassen“, erklärte Oberstleutnant Jari Vuorela aus Finnland. Er arbeitet seit drei Jahren in der militärischen Planungsabteilung des Generalsekretariats der VN. „Der ursprüngliche Planungsprozess musste erneuert werden und das tun wird hier. In eine Friedensmission sind sehr viele Akteure involviert – neben dem Militär auch Polizei, Logistik, Hilfsorganisationen und andere. Daher ist es sehr wichtig, den Planungsprozess möglichst zu synchronisieren. Der militärische Anteil des Planungsprozesses muss sich am Ende in den großen Planungsprozess einfügen können“, erklärt der finnische Offizier.

Bei VN-Friedensmissionen fallen neben militärischen Tätigkeiten zur Friedenssicherung wie etwa Grenzsicherung oder der Schutz von Zivilisten auch eine Vielzahl an zivilen Aufgaben an. Die vielen Stränge – beispielsweise Reformen des Sicherheitssektors oder der Aufbau rechtsstaatlicher Strukturen – müssen sauber ineinander gefädelt werden. Nach einer Woche konstruktiver Diskussionen blickte die VN-Expertengruppe in Blankenese auf einen ausgereiften Entwurf eines Planungsprozesses, der in den nächsten Wochen mit Vertretern der zivilen Organisationen in New York weiter angestimmt und im Herbst allen Mitgliedsländern vorgestellt werden soll. „Wir hatten sehr gute, kontroverse Diskussionen und sind einem endgültigen Planungsprozess deutlich nähergekommen. Es ist das erste Mal, dass ein Planungsprozess so dezidiert ausgearbeitet wird“, fasste Kapitän zur See Wilbert Vera Mendoza aus Peru den Workshop zusammen. Der peruanische Offizier arbeitet als militärischer Berater in der ständigen Vertretung seines Landes bei den VN. Peru ist derzeit ebenfalls – wie Deutschland – im Sicherheitsrat und zählt zu einem der wichtigsten Truppensteller bei den VN, „daher war es uns auch sehr wichtig, an diesem Workshop teilzunehmen“, sagte er.

Führungsakademie in viele wichtige Prozesse involviert

Neben diesem Workshop ist die Führungsakademie auch in zahlreiche andere Projekte im VN-Sekretariat eingebunden. Während der in Hamburg ausgereifte Entwurf eines Planungsprozesses für Friedensmissionen auf der operativen Ebene angewendet wird, ist als nächster Schritt die Erarbeitung eines Führungsprozesses für die taktische Ebene geplant. Hier geht es dann schon weg von den VN in New York hinein in die Hauptquartiere in den Einsatzgebieten – es geht ganz konkret um die Prozesse vor Ort. Darüber hinaus ist die Führungsakademie auch eng in das sogenannte „In Mission Training“ eingebunden, das Deutschland mit eigenen Mittel und eigenem Personal zur Effizienzsteigerung der Friedensmissionen der VN regelmäßig in den Einsatzgebieten durchführt.

Rund 110.000 Soldatinnen und Soldaten, Polizistinnen und Polizisten und ziviles Personal sind zurzeit in VN-Friedensmissionen weltweit im Einsatz – die meisten Missionen konzentrieren sich in Afrika. Die hohe Schlagzahl an Einsätzen stellen die VN vor Herausforderungen bei der Planung, Durchführung und Beendigung von Missionen. Daher wurden Reformen der VN-Friedensmissionen initiiert, unter die auch der Entwurf des Planungsprozesses fällt. Deutschland ist derzeit an neun VN-Friedensmissionen beteiligt, zudem an VN-mandatierten Einsätzen der NATO, der EU und der OSZE. Bei den VN ist Deutschland nach den USA, China und Japan viertgrößter Beitragszahler.

 

 

 

 

Arbeit 4.0: Wie lernen wir morgen?

Autoren: Sophie Stange und Ines Blandau

Fotografin: Lene Bartel

Hamburg, 11. und 12. Juni 2019

Der Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr, Generalmajor Oliver Kohl, schildert den Teilnehmenden seine Erfahrungen zum Thema Lernen und Führung.

Wie schaffen wir mehr Lernfreiräume? Das ist eine der zentralen Fragen, die den Direktor Strategie und Fakultäten an der FüAkBw, Brigadegeneral Boris Nannt, beschäftigen.

Die Referentin Roda Müller-Wieland vom Frauenhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation widmete sich dem Thema „Arbeit und Führung der Zukunft“.

„Die Didaktik der Militärwissenschaft“ erläuterte Brigadier Magister Andreas Rotheneder, Leiter des Instituts für höhere militärische Führung der Landesakademie des österreichischen Bundesheeres, den Teilnehmenden.

Nach seinem Vortrag stand Major General Andrew Roe, Chief Executive of the Defence Academy of the United Kingdom and Commandant of the Joint Services Command and Staff College, Rede und Antwort.

Die Juniorprofessorin Female Entrepeneurship am Department für Wirtschafts- und Rechtswissenschaften der Universität Oldenburg, Dr. Stephanie Birkner, stellte den Teilnehmenden die Form des effektuellen Lernens vor.

Der Geschäftsführer der Führungsakademie der Bundesagentur für Arbeit (BA), Michael Prikl, referierte zum Thema kompetenzorientierte Personalmanagement.

Die Teilnehmenden schrieben fleißig mit, fotografierten die eine oder andere Powerpoint-Folie ab und fragten nach.

Ein Graphic Recorder schrieb die wichtigsten Stichworte der Vorträge auf und veranschaulichte diese mit tollen Zeichnungen.

Eine Mitarbeiterin läuft hinter ihrem Chef hinterher, sie möchte ihn etwas fragen. Er winkt ab und gibt ihr zu verstehen, ihn nicht zu nerven. Es ist eine Situation, die vielleicht der ein oder andere aus seinem Arbeitsleben kennen mag. Doch was sagt das über die Führungskraft aus? Und wie wird sich das Thema Führung in der nächsten Zeit verändern? Hat dies Auswirkungen auf das Lernen? Und was bedeutet eigentlich Arbeit 4.0? Es sind Fragen, mit denen sich die Teilnehmer des Innovationslabors „Führen Morgen Heute Lernen“ der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) beschäftigen.

Rund 130 Teilnehmende aus der Bundeswehr, dem öffentlichen Dienst und Unternehmen aus der Wirtschaft stellten sich zwei Tage lang aktuellen Fragen der Arbeit 4.0 und somit auch dem Lernen 4.0: Sie diskutierten Perspektiven und entwickelten Potenziale. „‘Der Worte sind genug gewechselt, laßt mich endlich Taten sehen‘“, zitierte der Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr, Generalmajor Oliver Kohl, in seiner Begrüßungsrede den Dichter Johann Wolfgang von Goethe.

Viele Fragen werden zu Beginn aufgeworfen: Wie soll zukünftig gelernt werden? Wie sollen die Lernräume aussehen? Und was bedeutet das für die Führungsakademie der Bundeswehr? Auch der Direktor Strategie und Fakultäten an der FüAkBw, Brigadegeneral Boris Nannt, gesteht: „Die Lösung haben wir für uns an der Führungsakademie noch nicht gefunden. Genau deswegen haben wir das Innovationslabor ins Leben gerufen.“ Das Labor soll dabei Impulse setzen. Das Bild einer „digitalen Ausbildungsakademie“ dient als Vision.

Arbeit im Wandel

Psychologin am Frauenhofer Institut Roda Müller-Weiland startet mit ihrem ersten Vortrag zum Thema „Arbeit und Führung der Zukunft“. Sie wirft zu Beginn ebenfalls Fragen auf: Was müssen wir heute machen, dass wir in zehn Jahren zukunftsfähig sind? Wollen Sie von Robotern geführt werden? Und was steckt noch hinter dem Begriff Arbeit 4.0?

Ihre Antwort: Die Arbeit ist im Wandel. Das „Wie“ von Führung wird sich grundlegend verändern. Es entstehen neue Rollen und vor allem heterogene Teams. Neue Technologien werden entwickelt und der Arbeitstag somit dynamischer. Der Chef ist keine allein entscheidende Person mehr, vielmehr ist die Führungskraft ein Coach, eine Person die den Rahmen vorgibt.

Vier Thesen wie Führungskräfte in dieser neuen Arbeitsumgebung erfolgreich sein können, gibt die Vortragende den Zuhörern mit:

Eine Führungskraft muss:

...sich auf unterschiedliche Kulturen einstellen,

...ohne detailliertes Fachwissen führen können,

...schnelle Veränderungen ermöglichen,

...Macht abgeben können.

Didaktik der Militärwissenschaft

Einblicke in die Lehre des österreichischen Bundesheeres gibt Brigadier Magister Andreas Rotheneder. Der Leiter des Instituts für höhere militärische Führung der Landesverteidigungsakademie referiert, auf welche Art und Weise sich Offiziere künftig Inhalte militärischer Kernfächer am effektivsten aneignen.

Einen Gewinn in der Ausbildung sieht Rotheneder unter anderem in der Nutzung bereits vorhandener Kompetenzen. Kommen im Bereich der Erwachsenenbildung die Lehrgangsteilnehmende doch bereits mit Erfahrungen in die Akademien. Diese Erfahrungen, gilt es zu teilen und als Wissen zu strukturieren. Die Lernenden müssen bereit sein, sich neuen Lernformen anzunehmen. „Nicht-Formales und informelles Lernen wird an Bedeutung gewinnen“, so Rotheneder.

Er spricht sich für die prinzipienorientierte Lehre aus. Diese setzt sich aus dem Wissen einschlägiger Literatur mit kriegsgeschichtlichen Beispielen sowie den bereits genannten Erfahrungen der Teilnehmenden zusammen. Ebenfalls werden Einsatzfaktoren und aktuelle Methoden berücksichtigt. Auch Rotheneder verfolgt die Trends in der Arbeits- und Ausbildungslandschaft, die sich auf die Führung auswirken werden. Doch er sagt auch ganz klar: Nicht auf jeden Zug muss aufgesprungen werden.

Entwicklungen in den britischen Streitkräften

Chief Executive of the Defence Academy of the United Kingdom, Major General Andrew Roe, gibt Einblicke in den Veränderungsprozess der Ausbildungslandschaft der britischen Streitkräfte.

„Die Entwicklungen gehen zu einer flexiblen, anpassbaren und personalisierten Verteidigungs- und Sicherheitserziehung“, so Roe. Die Lernumgebung verändert sich. Lernen ist durch neue Technologien auch über die Distanz hinweg möglich. Somit ist eine Kombination von computergestütztem Lernen und Präsenzphasen, was auch als „blended learning“ bezeichnet wird, eine Option. Damit das gelingt, müssen jedoch die nötigen Kenntnisse und Fähigkeiten von jedem Einzelnen erworben werden.

Veränderungen müssen eng durch ein Team begleitet werden und gehen auch mal schief. Dennoch sollte man stetig daran arbeiten und sich nicht aufhalten lassen.

Gut geführt ist halb gelernt

Menschen suchen in unsicheren und komplexen Situationen noch stärker nach Führung, erklärt Professorin Dr. Stephanie Birkner, Juniorprofessorin Female Entrepreneurship am Department für Wirtschafts- und Rechtswissenschaften an der Universität Oldenburg. Unsicherheit ist nicht per se schlecht, denn dieses Gefühl gibt einen Impuls zum Lernen. Schlägt dieser hingegen in Stress um, dann ist die Aufnahme von Informationen eingeschränkt.

Probleme sollten ihrer Meinung nach nicht ausschließlich als negativ wahrgenommen, sondern vielmehr als Chance begriffen werden, die Zukunft zu gestalten. Das Führen ist dabei eng verknüpft mit dem Lernen. Doch wie können Menschen dazu gebracht werden, informell, also selbstständig außerhalb einer Bildungseinrichtung, zu lernen? Die Antwort klingt banal, trifft aber den Kern: Die Leistung sollte anerkannt werden. Denn nur, wenn die Leistung wahrgenommen wird, ist auch die Einsatzbereitschaft vorhanden, sich aus eigenem Interesse immer wieder fortzubilden.

Professorin Dr. Birkner stellte den Teilnehmenden die kompetenzorientierte Gestaltung von „Lernräumen“ vor. So steht nicht die Frage „Wer soll was lernen?“ im Mittelpunkt, sondern vor allem die Frage „Wo soll warum wann wie wozu gelernt werden?“ Dieses Vorgehen baut Unsicherheit ab. Gemeinsam mit dem Führungsnachwuchs sollen Antworten auf Fragen gefunden und bestehende Prozesse gemeinsam hinterfragt werden.

Was brauchen Mitarbeiter wirklich?

Das kompetenzorientierte Personalmanagement der Bundesagentur für Arbeit (BA) stellte Michael Pirkl vor. Er ist Geschäftsführer der Führungsakademie der BA und mit dem Wandel der Arbeitswelt bestens vertraut.

Rund 6.500 Führungskräfte sind auf verschiedenen Ebenen für die BA im Einsatz. Mit dem Konzept der mitarbeiterorientierten Führung wird, wie bereits von Müller-Weiland ausgeführt, deutlich, dass Führungskräfte mehr die Rolle eines Coaches einnehmen. Demnach soll die Führungskraft Stärken und Schwächen des Mitarbeiters erkennen und ihn entsprechend einsetzen. Die Stärken gilt es dann zu fördern sowie gegen Schwächen entsprechend anzugehen.

Lernen und Arbeiten gehört zusammen. Daher entwickelt die BA Modelle, dass Mitarbeiter genau dort lernen, wo sie es auch anwenden: am Arbeitsplatz. Dies gilt auch für Führungskräfte. Diese sollen im kompletten Führungsteam geschult und nicht mehr einzeln auf Lehrgängen gefördert werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

Hörsaal Luftwaffe besucht Patengemeinde Kaltenkirchen


Autor: Oberstleutnant Schreiner

Bild: Oberstleutnant Schreiner

 

Der Lehrgang Generalstabs-/ Admiralstabsdienst International (LGAI) vermittelt den Teilnehmern nicht nur das Handwerkszeug für den Dienst in höheren Stäben und Kommandobehörden. Insbesondere den internationalen Teilnehmern soll auch das politische System der Bundesrepublik Deutschland und das Demokratieverständnis seiner Bürger nahegebracht werden. Dazu besuchen die Hörsäle eine ganze Reihe von politischen Gremien und Institutionen, Parlamenten und Ministerien, auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene.

Der Besuch bei der Patengemeinde Kaltenkirchen bildete den Abschluss dieser Besuchsreihe für den Hörsaal Luftwaffe. Der Bürgermeister der Stadt, Hanno Krause, führte die Stabsoffiziere mit einem sehr authentischen Vortrag nicht nur in die Verwaltungsstrukturen seiner Gemeinde ein. Er verdeutlichte, wie wichtig Integrität, Verantwortungsbewusstsein und das permanente konstruktive Streben nach umfassenden und belastbaren Lösungen für die positive Entwicklung seiner Gemeinde sind.

 

Dass diese Arbeit in Kaltenkirchen sehr erfolgreich ist, konnten die Lehrgangsteilnehmenden bei der anschließenden Rundfahrt durch die Gemeinde und einer Führung durch das Feuerwehrhaus sehen. Kaltenkirchen nutzt seine günstige Lage im Norden des Ballungsraumes Hamburg und die gute Verkehrsanbindung an Hamburg und Neumünster. Das Bevölkerungswachstum der Gemeinde und die beeindruckenden Entwicklungsvorhaben, deren Umsetzung sich überall in der Gemeinde durch Baumaßnahmen erkennen lassen, ist letztlich Resultat der guten und energischen Zusammenarbeit zwischen Bürgerschaft und Stadtverwaltung, letztere geführt durch den Bürgermeister.

Kaltenkirchen zeigt sich somit für den Lehrgang als Musterbeispiel für eine positive Stadtentwicklung und verdeutlicht anschaulich das Ineinandergreifen der politischen und der Verwaltungsstrukturen auf kommunaler Ebene.

 

 

 

 

 Video: Großübung CJEX


     Autorin: Dr. Victoria Eicker

     Fotografin: Lene Bartel

 

 

Vier Nationen – ein Szenario. In Hamburg fand vor Kurzem die multinationale Übung „Combined Joint European Exercise 2019“ (CJEX) an der Führungsakademie der Bundeswehr statt. Involviert: Der Lehrgang Generalstabs-/Admiralstabsdienst National (LGAN) sowie Delegationen aus Spanien, England und Italien – in allen vier Ländern übten angehende Spitzenoffiziere gemeinsam, eine Mission in Afrika zu meistern.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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